Nr. 207 Zweiter Blatt 0>4. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Sietzener Zamiitenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „kreirdlaU für den «reis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seitsragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Gberhejsen
Kettag. 4- September
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität? - Buch» und Steindruckcrei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag:
Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Lin Brief aur den Grenzlanden im Westen.
"kknser Blatt hat auch ichcr die Grenzen Hessens hinaus dm kleine Lcsergemeinde, und wir freuen uns, mit dem Abdruck des nachstehenden Briefes dartun zu können, daß unsere heinrischen Angelegenheiten auch draußen, in diesen: Falle in den westlichen Grenzlanden, mit Interesse verfolgt wer-- den. Als die große Schlacht zwischen Metz und den Pogesen zeßislagen wurde, haben die Bewohner von St,, Wendel und llmgegend mit ganz besonders bangen Gefühlen ihren Lnsgang erwartet, und als die Nachricht von dem herrlichen Ziege eintraf, war dort selbstverständlich die Begeisterung und Freude unbeschreiblich. Daß >vir hierein Gießen die Frage erörtert haben, ob man einen solchen Sieg mit Glocken- g-elaute begehen solle oder nicht, vcranlaßtc den folgen- oen Brief an uns:
D-örrenbaäi (Post St, Wendel 1 , am 29. '.Wfitft 1914.
Sehr geehrte Redaktion!
Ich erlaube mir, zu der Streitfrage: „Fahnen oder nicht" Ahne,: aus einen: kleinen Leserkreise eine unverlangte aber energische Zustimmung zu Ihrer früheren Ansicht zu geben. Sre haben — bzw, einer Ihrer Leser — 'ganz recht gehabt, sich darüber zu oerwundern, daß man mit dem Glockenläuten und Flaggen allzu iehr zurückhielt. Nach eincni so nnecivarteten und großartigen vieq. wie wir ihn um den 20. August in Lothringen und südlich und nördlich davon errungen haben -unstreitig ivar es die größte ,e geschlagene Schlacht der Weltgeschichte, wäre Siegesläufen allerorten der einzig passende Ausdruck unseres Dankes dafür gewesen, daß unsere Hoffnung auf das Walten der güLbutieu Ge- «chtigkcit so schwell und glänzend gerechtfertigt ivurdc. Das haben wir in allen Städten an der Grenze hier cinpfmrdcn, z. B, m Saarbrücken, trotzdem, fa gerade weil der Feind schon so bedrohlich nahe — bis auf einen Tagesmarsch*) — gekommen war! Würdiger Und ernster als mit Glockenmund kann ein Volk oder eine Stadt weder Dank noch Freude ausdrücken, Und warum sollte ernste Freude verboten sein? Es wäre nur icudarikbar, das zu bchctupten, Läßt man die Trauer über unsere treuen Gefallenen oorwalten, so stellt rnan das, was Gott uns nahm, über das, was er uns durch diese Ovicr gab. Ter Sieg des Wüten verlangt Freude von allen, die auf seiner Seite stehen, sogar auch von xnen, die dafür Opfer gebracht haben. Auch neust sich diese ge- unde und -natürliche -Stimmung bei allen gemeinsam und »s- entlich durcknüngen, und dafür lind die Glocken da. Der Weh- rtttt ihr Recht in den Herzen: aber wenn sie die muh dem ersten trotzen Siege ausbrechende Freude des Volkes znrückhaltcn will, urmr grenzt der Ernst an iveltschmelzttches Empstnden, 9buch olchc, die jetzt in der Schlacht waren und ihre Schrecken ru frischer Lrirrnerung haben, denkeit nicht anders Und inan kamt fick, leicht xmben, daß -nach eincni berühmten Bc-kennt,ns dunenrgeu, die ich „glücklich fühlen, in dem herrlichen Kampf um Freiheit und Würde des Vaterlandes einen glorrcickfen Untergang zu linden", rnjerer SvegeSmmde kein Halt gebieten wollten, Denn verwandt «mit ist ihre Freude, au deic Feind zu kominen. Unsere Ber- vnndetcu bicr zeigen lauf deutscher Leite- fast durchweg sreudmite öogeiilmraxi und törrucn ihre Heilung kaum erwarten, um sofort wieder in die Lücken der Front zu springen. ES ist und soll deutsche ifet Kettet, um gefallene .Helden nicht bloß zu trauern, sondern um ibre Stirnen den Lorbeer der Siegesfreude und des Stolzes
ttrattei. Wer so wie wir an der GrenM ffo Knai Man 6 Stunden von Saarbrücken schon sagen! in corge lebte wegen eruer etwaigen Ucberschiloenunung unserer Gegend mit Fcindes- truppen lwerr» auch nur Streifkorps u. ä.), wer den Vorgeschmack einer schrecklichen Entehrung durch- sie schon fast im Munde hatte und mit dem Gedanken mi die -entsetzliche Möglichkeit schon einwehes: „Arme Heimat" heimlich murmelte, wer den uns guä- lenden Druck und Born miterl ebtc, wenn wir in den ersten Nächten ohne Möglichkeit der Abwehr das ab und zu auibirgende Licht
*) Me Franzosen waren uns etwa auf die Entfernung von Gießen nach Schlitz oder imch Frankfurt auf den Leib gerückt.
Masurens Land und Leute.
^ Nicht zum ersten Male ist Masurens schönes Land der Schauplatz großer geschichtlicher Ereignisse geworden. Dort, wo eiust der tapfere deutsche Orden dem Anstürme des Polens rums erlag, hat jetzt Ncudentschlands Heer die Nüssen anss Haupt geschlagen. Der das Land durchziehende Baltische Rücken erinnert an den lannendurchrauschten Thüringer Wald, nur daß in seinen Tälern und Niederungen hundert kristallklarer Seen den Reiz der Gegend noch erhöhen, Bon Rudzanny und Johamnsburg im Süden breiten sich als größte von ihnen der Rofch-See, der Spirding-See, der Lö- >ventin-Sec und schließlich der Mauer-See bis Lotzen und Angerburg im Norden aus. Durch mannigfache Kanäle und kleinere Seen werden sic zu einem Ganzen verbunden und bilden jene gewaltige Secplattc, gegen die die fliehendest Russen von Westen her gedrängt wurden und sich schließlich mit 30000 Mann ergeben mußten, wollten sie nicht den Tod in den tiefen Gewässern vorziehen, Wasser und Wald sind die Kennzeichen Masurens. Das Wasser von staunew- erregender Farbenvracht und klar wie Kristall, so daß man die Aale, Schleien, Welse tief am Boden dahinschnellen oder in stiller Bucht in der Sonire spielen sieht. Die Wälder von einer Ausdehnung wie nirgends sonst im deutschen Vaterland. Bedeckt doch die Iohannisburger Heide allein 16 Quadrat-- mellcn. Und die Bäume können sich sehen lassen! Das sind nicht, wie der Dichter Masurens, Fritz Skowronnck einmal meinte, verlängerte Zwerge, ivic sic auf dem märkischen Saude wachsen". Ein Riese reckt sich neben dem anderen, sie alle wollen es Deutschlands höchsten und ältesten Kiefern gleich tun, die unweit Rndzanno ihre Aeste zum Himmel strecken. Zwischen den dunklen Kiefern und Fichten breitet, sich aber das helle Laub der Eichen und Buchen, Erlen und Weiden, Eine „Tomphonic in Grün" entsteht, um sich in den Seen und Bächen zu spiegeln. Wildromantische Täler ziehen dahin, Talschluchten, wie die aus Andermanns „Katzensteg", worin die treue Magd die Liebe zu ihrem versehmten Herrn mit dem Tode büßen muß, lieber die Waldwiese aber zieht langsam eine weidende Rinderherde und am Seerand grasen auf einem großen eingezäunten, Raseusleck schmucke Rosse, jagen sich wiehernd schlanke Kihlen, die Tag und Nacht die saftige Weide
nicht verlassen. Wie die Natur sind auch die Menschen: verschwiegen und stark, still und treu. Das habeu die seitl Wochen jetzt schon im Kampfe stehenden Fünffachvierziger trsahren, ars sie vor Fahren plötzlich von Wetz nach Lack
eines feindlichen Flugschiffcs hoch oben vorüberhuschen sahen . . ., dem streckt sich nach den: ersten eckösenden Siege von selbst der Arm aus nach Fahne und Glockenstrang, Um die Stiimnlcng zu beschreiben, die wir hier auch angesichts der Opfer letzt für dir, richtige halten, erlauben Sie mir, ein Geschichtchen wiederzugeben, das in den Zeitungen stand:
Mp dem Osnabrücker Bahnhof steht eine Ädntter, die ihre zwec Söhne zur Bahn und zur -Fahne bringt, Ihre Abschiedsworte lauten: „Un dat weck in seggcn, wenn 11 mi nick» wahne < — tüchtig up de Franzosens lloppet, denn bruukt ir mi men gar n ich widde rtau kumen". Ein dreifaches Hoch aus dem nebenanliegeuden Offrzicrsabtei^ belohnt die Tapfere.
Das ist Deutschen aus der Seele gesprochen. Ter Blick aus das, was es uns gekostet hätte, ivemc wir diese Opfer nicht bringen würden, soll uns in unserenr Fühlen den rechten Weg iveisen. „Die Rheinlande sollten wir verwüsten, das Elsaß schonen": so hatte es sich in den Köpfen des gemeinen französischen Kricgsvolkcs eingenistei, Wer es am nächsten vor seiner Türe sah, das Ungeheuer. — wer es vorher lebhaft bedachte und fürchtete, tvas wir linksrheinisches Volk ivieder geivordcn wären: ein Menschen- magazin für unsere Nachbarn, die an unserem Blute saugen und sich mästen wollten, „ein gebundenes Tier, dos auck» dann noch immerfort gemilcht wird, wenn schon Blut statt der Milch- aus seinen -Brüsten fließt" (Friede. vonGentz, ,oer sich keinen Schleier vops Gesicht zog über das, was-— ironisch gesagt — uns geblüht hätte, wer wie wir die Kanoneil der lothringischen Schlachten donnern hörte, —- der ließ die -Glocken läuten und die Fahnen flattern nach der ersten besreienter Nachricht. Es ist wahr: „Der Hölle schrecklichstes Hohugelächter ist der Krieg", aber unsere goSgewirktm Siege machen diesem Hohngelächter ein schnelles, verdientes Ende Darm» freuen wir ims. Das „wir dachten der Toten, der Toten" soll auch zu secnem Rechte komme», etwa an einem bestimmten Tage, au einem Totenfest, sonst mehr in der stillen Trauer des Hauses — ebensosehr in dem lauten stolz und der verehrenden Erinnerung des Volkes. Das Siegesläufen muß mau ertrage» können, seien wir dankbar und froh, daß wir es überhaupt hören. Doch die Menschen sind verschieden. Wrr hier stimmen völlig mu Ihnen überein bzw. mit Ihrem Mitarbeiter, roenn sie in Nr. 197 schrcchen: -„D-ie Freude über den Sieg und das Glück unseres Vaterlandes überUnegi doch alles."
Ich hibe Sie rnelleicht gelangweilt, aber ich glaubte Ihnen 'mal unsere Gefühle links des Rheins schildern zu dürfen und zu müssen. So denken also wir als nächste Nackzbarn des unruhigen Volles, das Bismarck treffend die Indianer unseres Westens genannt hat.
° Mit vorzüglicher Hochachtung
Müller, Pfarrer.
Tannenberg und Mukden.
Ein Vergleich.
Ein militärischer Mitarbeiter schreibt uns aus Berlin: Was unsere herrlichen Truppen auch schon im Osten erreicht haben und- wie weit schon die Offensivkraft Rußlands gebrochen sein muß, geht vielleicht am deutlichsten aus einem Vergleich unseres Sieges bei Tanne,cherg mit der Schlacht bei Mukden (21. Februar bis 10. März 1905) hervor, Bei Mukden verloren die Russen als Gefangene an die Japaner rund 30000 Manu, Bei Dannenberg machten wir 70000 Russen zu Gefangenen, Bei Mukden würden nach japanischen Quellen 58 russische Geschütze erbeutet, die Russen behaupten, daß es nur 33 -waren. -Jü der Schlacht bei Tannenberg betrug jetzt der Gesamtverlust der Russen cm Ar- tilleriematerial nach einer sehr vorsichtigen Berechnung! 516 Geschütze. Mit der Schlacht bei Mukden war der rusftsch- japanische Krieg zu Ende; zwar lagen sich die Armeen noch ein halbes Jahr -gegenüber und zogen neue Verstärkungen heran, aber zu -großen Kämpfen k-cun cs nicht mehr. Es ist also wohl nicht allzu optimistisch, wenn man vermutet, daß der Riesensieg des Generalobersten v. .Hindenburg über die Narew-Armee den Hauptstoß für Rußland bedeutet, von dem es sich gar nicht mehr erholen kann. lieber die Gründe dieser
versetzt wurden. Wer von den Offizieren es konnte, suchte sich durch Bersetzun-g in ein anderes Regiment vor ,der „Verbannung nach Sibirien" zu retten, hieß es doch spöttisch: „Wo sich crufhört die Kultur, da sich ansängt idas Masur" .... Doch wre bald schlug die Stimmung um, als Offiziere und Mannschaften masurische Gastsreundschast kennen lernten. Die ostpreußische Küche ist ja bei temj großen Reichtum des Landes an Vieh, Geflügel und Fischen nicht schlecht: gibt es doch den seltenen Leckerbissen, die geräucherte Maräne. Dazu haben die Ostpreußen einen guten Trunk von alters geschätzt, mag es das selbstgebraute Bier oder der „Knallkümmel" sein. Beide dürfen beim großen Erntefest, der in diesem Sommer freilich durch den Krieg! gestörten „Plonfcier", nicht fehlen. Wenn die letzten Ge- treidepuppen ausgestellt sind, dann tönt über die stillen) Felder das Dänklied: „9hm danket alle Gott". Aus Mehren und Feldblumen bindet die frohe Schar einen mit einer Krone geschmückten Kranz, und der Vorhauer trägt ihn stolz an der Spitze des Mm ,Gutshof ziehenden Zuges, Die Wetzsteine schlagen an die Scnsenllingen, alte derbe Erntelieder ertönen unb Mähder wie 9Mhderinnen ziehen mit den ersten Gaben des Feldes dem Dorf entgegen, wobei sie sich nach altem Brauch- an jedem vorüberfließenden Bach gründlich mit Wasser begießen. Am Abend aber drehen sie sich lustig im Kreise; polnische und deuffche Lieder ivechseln mit polnischen und deutschen Tänzen. Das Jahr 1914 bleibt ohne „Plonfeier". Die Kriegstrompete ries statt Geige und Klarinette zum blutigen Tanz der Schlachten. Sense und Dengel entfielen der Hand der Schnitter, die zu Gewehr und Säbel griffen und die — mag ihre spräche oft auch noch polnisch sein, das! Herz ist doch seit langem deutsch r~< siegreich den sengenden Russen cntgegenzogen.
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„Das Volk steht auf".
Aus München wird uns geschrieben: Das Däünchener Volks theater brachte die ll ranfführung eines Stückes, das wohl eigentlich als Jubiläumsspicl "der Be freiungskriege gedacht war, nun aber durch die .Kriegsstimmung der gegenwärtigen Zeit eine ungeahnte Aktualität erlangte. Es fuhrt den Titel „Das Volk steht auf" uich seine Verfasser heißen Wilhelm Hagen und Karl Frey. Die drei Akte geben drei Bilder aus der Geschichte der Lützower Freischar, die ein wenig zusammenhanglos aneinandergereiht sind und eigentlich nur durch die Figur Theodor Körners znscmrmengehalten werdeu. Am besten ge-
vernichtenden Mederlage wird erst im Laufe der Zeit vvlls Klarheit geschaffen werden. Aber schon heute bißt sich deutlich erkennen, tvarmn es so kommen mußte, warum die ffircht- bare liebermacht der Russen beini ersten großen Anhieb an den deutschen Waffen zerschellte. Auch lster ist ein Vergleich mit jener g-ro-ßeil Russemiiederlage vor neun Jahren sehr lehrreicki. Einer, der es wissen muß, der russische Oberst Dobrorolski, schreibt in seinen kritischen Betrachtungen über die Kriegführung von damals:
„Die höheren Führer gaben schon bei Beginn der Schlacht die Fühnmg aus den Händen, beschränkten sich daraus, einen 9Ibschnstt zu konrniandieren, oder waren überhaupt nur aus dem SMackstfelde awvesend, rillen in den Schützenliniei, -umher, vosicr- ten mit ihrer Tapferkeit, ohne aber im geringsten in die Schwierigkeiten der heutigeir Gefechtsfühning eiugedrnngal zu sein."
War es diesmal-anders ? Erzählen die gefang-eneu russischen Soldaten diesmal etwas anderes, als daß ihre Führer sie im Stiche ließen, bei Beginn der Schlacht sich znrüchzogen und alles weitere der stoischen, man inöchtc sagen stumpfsinnigen Tapferkeit ihrer Truppen überließen? Aber vielleicht sind das Nebcnursachcn der Niederlage, Die Haupt Ursache des Falles bei 9Nukd-cn bezeichnet Oberst DobroroBki mit den Worten: „Wir waren nicht imstande, den Iapan-eru gleich alles aus eine Karte zu setzen, um ztt siegen oder uuter- zugehen!" In der Lage der Japaner, unserer heutigen Feinde, sind wir jetzt: Wir hoben alles auf eine >kartc gesetzt und wir siegen, weil wir siegen müssen. Me dcaualige Ueberlegenheit der Japaner über die Russen l>at vielleicht nur zum geringen Teile in -der taktischen Berweichung der Truppen gelegen, Ihre Siege verdankten die Japaner jcden- salls in erster Linie dem Umstande, daß ihre Führer sich jene Grundwahrheiten der Kriegskunst mtgeeignet hatten, nue sic sich aus der jahrhundertelangen Erfahrung der - deutschen Kriegskunst enüvickclt lsabeu, währe,id auf russischer Seite von Beginn bis zum Schluß des Krieges jene <'Grundwahrheiten eben nicht verwirklicht wurden. Genau so auch heute. Die Bereitstellung der Kriegsmittel- war aus russischer Seite trotz der heimllickischen Borinobflisierung ungenügend, Jus- besomdere wurde wieder der Grundsatz nicht geachtet, daß beim Uebergaug znm Kriegsverhältnis die Friedensorgaui-- fationcn nach Möglichkeit zu bewahren sind, daniit Führer und Truppen, die im Kriege gemeinsam in Tätigkeit treten, bereits zu seinen: Beginn nriteinandcr vertraut und bekanut sind. Auch der Gebrauch der -Ttreitkräste seitens der russischen Heerfilhrung widersprach den Lehren der Strategie, Rußland hat seine Kräfte nicht -an einer Stelle zmn entscheidenden Kampf eingesetzt, sondern sie in Besorgrns für Rücken und Flanken allzusehr zersplittert, Mau scheute sich vor der Verantwortung, alles auf eine Karte M setzen. Man versuchte zwar die Offcusive, aber man war nicht durchdrungen von dem lbeist der Offensive. Mmi schreckte davor zurück, die Truppen auch da cinzusetzen, wo der Slusgaug des Kainpfes zweifelhaft war. Die Absichten unserer deutschen Heeresverwaltung wurden gar nicht oder erst spät erkannt. Nur hie und da wurde der Versuch gemacht, durch Gegenmaßregel» die Kriegslisten der Deutschen und Oesterreicher zu durchkreuzen, ihnen die Vorhand zu entreißen. Man schwankte aber in den Entschlüssen hin und her, bis man in der Falle der masurischen Seen saß! Dagegen auf unserer Seite richtiges Beurteilen der Absichten und des Verhaltens des Gegners und dann verantwortungsfreudiges tatkräftiges Wagen! Auch unsere Unterführer aller Grade trackf- teten -aus eigener Juittatwe die Durchführung der leitenden Gedanken zu fördern, durchdmngen von dem, was seil den Kriegen von 1866 und 1870/71 in unserer deutschen Llrmec zum obersten Grundsatz der Truppenfüh-rnng geworden ist: die Selbsttätigkeit als Grundlage der großen Wirkung. 9kur so oermag man über einen an Zahl überlegenen Gegner den Sieg zu erringen.
lungeii ist der Auftakt, der in geschicktem Ausbau das 5ch„- nnd Her-Politisieren preußischer Bürger und Sllidenten zu kriegerischer Begeisterung -anschwellen läßt und schließlich die Werbe-Arbeit der Lützower veranschaulicht. Tic Verlesung des „Anruf an mein Volk" und eines Köruer-Oledichtes geben dem Ganzen ein paar echte, edel-pathetische Höhepunkte. Der zweite Akt führt in die Nähe äes Kitzcner Dorfes, wo zunächst das historische, als Lützower verkleidete 9Nädchen seinen Tod sindet und dann Körner verwundet wird und dichtet („Die Wunde brennt . . Das letzte Bild schließlich fiihrt in die Nähe von itedebusch und bringt das Gefecht, bei dem der Dichter-Held seinen Tod findet. — Das Stück hat besonders in seinen beiden Schlußakten künstlerisch große Schwächen, aber die häufig cingestreutclt geschichtlichen Anspielungen tun ihre gute Wirkiurg und- sichern dem Ganzen heute einen keb- hastcn Erfolg. (Kcspielt wurde pathetisch-wirkungsvoll, und besonders der Körner des Herrn Kart Gerhard Schröder tat sich hervor. R. R.
— Reinigung und Einkehr überall Der Verband Deutscher Blmnengcschäftsinhaber E. V. (Sitz Berlin) verbrellet an alle Gärtner und Blummbinder Deutschlands einen Aufruf Willy L a n g e' s, der ja stets gegen internationales Acsthetentum für die Deutschen Gemutswerte in Blumen- und Gartenkunst eingetrelcn ist, damit die Blumengaben, Willkommensslräuße für unsere Krieger, Sieges- und Opferkränze befreit von allem Tand, Draht und Plundertänschung durchaus echt seien. Man sieht, die Fachleute gehen mit gutem Willen voran, möchte nun das Publikuni auch in allen Blumengaben für alle Zwecke nur Echtes fordern und die Gewerbetreiteichen in ihren Bestrebungen unterstützen. Was erstreben sie? Kein welches Laub, keine -zweiglosen gedrabteten Blätter. Lorbeerzweigc und Palmenwedcl seien ernste und heilige Sinn - bilder, nicht alltägliches Grün, Deutsche Wälder bieten Zioeige für heimische Ehrenkränze: Eiche, Fichte und Föhre, Eibe und Buche. Efeu und Immergrün, Deutsche Gärtner züchten und siech ten Blumen darein! Weg nni allem rasck»clnden Bändcr-Tanö! Kein Truggold-Druck, sondern Hand-Zchriü, Echt seien die Bänder, Stoffe und Farben, die ,Körbe, die Vasen! Teutsche Dorfkunst liefert die Vorbilder: an sie knüpie das .gunügcivcbe an Ehrengaben brauchen nicht größer zu scheinen, als sic sich für einen jeden Betrag echt liefern tasscii Schleifen sprechen in L.ent,chen Farben irid# minder, wenn sie bescheiden Nein und, und ernster Flor läßt auch Neine ,Kränze trauen! Ter Auirus schließt mit der Mahnung- „Gärtner, Blumenbinder, zeigt euch durch Echtheit der Arbeiten aus eurer Hand der Ehre würdig, die Blumen-Ehrcu- gaben zu bereiten: a d c l t d a s D a n d w c r k, in dem ihr das Werk eurer Hmrde und Herzen veredelt als Mittler des Dankes und der Liebe für mifere Helden!"


