Nr. 208
Der «lehener Anzeiger
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Erster Blatt
\H. Zahrgang
Samstag, 5. September 19M
eneral-Anzeiger für Oberhessen
Rofflfions&rnd nnö Verlag der vnihi'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und vruckerei: Zchulstratze 7.
Bezugspreis:
monatlichtöPf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pst: durch diePost Atk.2.— uicttel* jährst ausschl. Beste llg. Zeilenpreis: lokal I5Pf„ ausivärts 20 Psenniq. Lhesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton', .Vermischtes' und.Gerichts- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und finnb': Kurt Bendt; für den Aiizeigentell: H. Beck.
Reims ohne Rampf besetzt. - Die deutsche Siegesbeute.
(WTB.) Trotzes Hauptquartier, 4. Sept. (Amtlich.) Reims ist ohne Kampf besetzt worden. Die Sieqesbeute der Armeen wird nur langsam bekannt. Die Truppen können sich bei ihrem schnellen Vormarsch nur wenig darum kümmern. Noch stehen Geschütze und Fahrzeuge im freien Felde verlassen da. Die Etappen Truppen müssen sie nach und nach sammeln. Bis jetzt har nur die Armee des Generalobersten v. B ü l o w genauere Angaben gemeldet. Bis Ende August hat sie 6 Fahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feldgeschütze. 79 Maschinengewehre und 166 Fahrzeuge erbeutet, 12 934 Gefangene gemacht.
Im Osten meldet Generaloberst v. Hindcnburg den Abtransport von mehr als 90 690 unnerwundctcn 61 c f a n g c n c n. Das bedeutet die Vernichtung einer ganzen feindlichen Armee.
Der Generalquartiermcistcr von Stein.
Unsere Regierung lieferte den Idealismus für den jetzigen Krieg, indem sie sagte, daß wir für die Unabhängigkeit Belgiens eintreten mutzten. Bevor sie über diese Punkte ihre Fragen an Frankreick, und Deutschland stellte, mußte sie, da sie die militärischen Forderungen beider Staaten kannte, datz Frankreich befriedigend antworten werde und Deutschland nickt. Es war ern nettes Spiel der Heuchelei. So sind die Tatsachen des Falles. Es ist ein Krieg von Diplomaten von einem halben Dutzend Leuten ge m acht. Bis zu dein Augenblick, da die Gesandten zurückgerufen wurden, waren die Völker miteinander im Frieden. Sie hatten keinen Zwist miteinander, sie waren einander nicht übel gesinnt. Ein Dutzend Leute brachte Europa an den Rand des Abgrundes, und Europa kürzte hinein.
Nun kann Sir Edward Grey Blaubücher schreiben so viel er will, er wird weder im eigenen Lande noch bei den neu- tralen Staaten damit Anklang finden.
Deutsche Siege von der „Times" mitgeteilt!
Reims, die Hauptstadt des Arrondissements Reims, ist umgeben von einem weiten Gürtel von Befestigungen, und Sitz der 12. Infanterie- und 5. Kavalleriedivision. Die Stadt bat 115000 Einwohner; sie hat bedeutende Industrie, besonders in der Textilbranche und in Schauniweincn. Zufällig fiel 1870 ihre Besetzung durch die Deutschen auch auf den 4. September. Die damals unbefestigte Stadt war vom 4 . bis 14. September Sitz des deutschen Hauptquartiers.
Wir erhielten das vorstehende Telegramm gestern abend Um 9V- Uhr, und als wir es sogleich durch Aushang bekannt gaben, war die vaterländische Begeisterung groß. Reims ohne Kampf besetzt; das bedeutet, daß der Feind flüchtet, daß er den Widerstand mehr und mehr aufgibt. Wohin die französischen Truppen, die von unseren Nordhecren vertrieben werden, sich wenden, ist noch unbekannt. Ob bei den Franzosen noch ein einheitlicher Oberbefehl sich geltend macht, steht dahin. Ein Blick auf die Karte zeigt, wie bedenklich die Lage für unseren westlichen Nachbar ist. Die schnelle Verfolgung macht oll sein Besinnen und vlanmäßiges Handeln zu Nichte. Wir werden es in de» nächsten Tagen sehen, welche bestimmten : Absichten der deutsche Generalstab verfolgt. Die französischen Truppen an der Ostgrenzc Frankreichs sind in ihrem Rücken lbedroht! Das ist für die Gesamtlage doch noch wichtiger als Die Tatsache, daß deutsche Borhut schon etwa 40 Kilometer vor Paris steht. Der dortige Oberbefehlshaber will nunmehr, nach einem Aufruf an die Bevölkerung, seine Aufgabe „bis ans Ende" erfüllen. Seine Worte verraten keine großen! Hoffnungen.
Daß bei dem schnellen unaufhaltsamen Vordringen der deutschen Nordhecre gleichwohl bisher Nachrichten über die jZahl der Gefangenen und die Größe der Kriegsbeute aus- geblieben sind, findet heute die allerbeste Erklärung. Es war mock, keine Zeit zum Zählen und Registrieren; die Etappen .truppen haben die Feststellungen zu machen. Daß Generaloberst von Bülow, der Sieger von St. Quentin, bis Ende August schon annähernd 13 000 Gefangene gemacht und 233 schwer' Geschütze crbculet hat, setzt die „neueste," Meldung mis Antwerpen, wonach die Deutschen bei St. Quentin eine Niederlage erlitten hätten, in ein seltsames Licht. Die Belgier lind nicht nur groß in rechtswidrigem Kämpfen aus dem 'Hinterhalt, sondern auch im Lügen. Erfreulicherweise wird der Welt heute durch eine amtliche deutsche Darlegung klar erwiesen, ivic gerecht und notwendig die harte Strafe für die Sladt Löwen war, über deren Vernichtung ebenfalls so schamlose Schwindeleien ins Ausland verbreitet wurden.
Die französische Regierung, die bereits in Bordeaux eingetroffen ist, wo auch die großen Pariser Zcitimgen das neue Zelt ihrer Wirksamkeit aufgeschlagen haben sollen, hat bereits einen Kabinettsrat abgehalten, und dabei jotf vor allem die Frage der Verproviantierung besprochen worden sein. Das ist in der Tat eine höchst wichtige Frage. Da dkie französischen Heere in Elsaß-Lothringen Gefahr laufen, daß Ihnen von unseren in ihrem Rücken stehenden Truppen die Zufuhr abgeschnitten wird, wird vielleicht der Hunger das ,seinigc tun, um ein schnelles Ende herbcizuführen.
Die englischen Hilfstruppen, soweit sie noch nicht, um mit Bismarck zu sprechen, verhaftet worden sind, wurden nun vor die Frage gestellt, ob sie die französische Haupt ,stadt verteidigen oder sich den Heeren im Felde anschlioßcn wollen. ES ist höchst bezeichnend, daß die dreiste Deutschen chasscrin, die „Times", auf einmal von deutschen Siegen meldet. Die ungetreue Wetterfahne hat anscheinend ihren (Halt verloren. Kein Wunder, denn nicht nur die deutschen .Siege blasen ihr ins Gewissen, auch im eigenen Lande wird die Kritik lauter. Der Führer der englischen Arbeiterpartei Ramsan Macdonald hat in einem langen Aufsatz, den ein holländisches Blatt widergibt, äußerst scharf gegen „das nette Spiel der Heuchelei" Sir Edwards Greys Stellung genommen. Bedeutungsvoll für unS ist folgender Satz dieses Engländers: Die „Unnachgiebigkcit" Deutschlands sei nicht bloß militärischer Hochmut gewesen, sondern _,,bie Haltung eines Landes, das in Schwierigkeiten kommt dadurch, daß es sieht, wie die Zeit das Gleichgewicht der Macht zu seinem Nachteil ausschlagen läßt." Mit andern Worten: England, das die Politik des Gleichgewichts der Mächte einfädelte, hat mit netter Heuchelei Europa an den Rand des Abgrundes gebracht. Macdonald stellt auch fest:
Man wußte schon jahrelang, daß in einem Krieg zwischen Rußland nnd Frankreich einerseits und Deutschland andererseits die einzig mögliche Strategie für das deutsche Heer war, Frankreich rasch durch Belgien hin anzusallen und sich dann umzulehrcn und den Russen hie Stirn zu bieten.
Berlin, 4. Sept. Der „Berliner Lok.-Anz." meldet ans Rotterdam: Der Berichterstatter der „Times" meldet über die letzten Operationen in Nordsrankreich: DaS Lwmme-Tal wurde aufgcgeben und Amiens ist in detlichen Händen. Nachdem ein blutiger Kamps geliefert und die Engländer aus La Fe re zurückgezogen waren, wurde dieses Fort von den Deutschen genommen. Der dreitägige Kampf bei Amiens erreichte seinen Höhepunkt in einem blutigen Treffen bei Morcuil, wobei der Erfolg wieder aus deutscher Seite war. Die Verbündeten zogen sich in guter Ordnung zurück. — „Daily Chronicle" meldet, daß deutsche Truppen sich schon bei Ereil gezeigt haben und sogar bei Sentis, so daß der Kanonendonner bereits in Paris zu vernehmen sein dürfte.
bin Pariser Brief.
Zürich, 4. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Ein Pariser Brief der „Züricher Neuen Zeitung" spricht von zahlreichen Truppennachschüben, und besonder- viel Artillerie nach Norden. Die Bevölkerung aus der Gegend von Valencien- n e s und Mau beuge sei kvpftos und habe selbst cmkom- mende Engländer für Preußen gehalten. Auch die Zeitungsberichte verinochtcn sie nicht zu beruhigen. Die Marschgeschwindigkeit der Deutschen jage Schrecken ein. Der Feldpostverkehr sei säumig und die Zensur streng. Soldaten erzählten, im Ober-Elsaß seien Territorialtruppen zurückgelassen, welche Befehl hätten, beim Vorgehen der Deutschen das Gebiet zu xäumen. Je weiter die Reisenden sich von Paris entfernten, Mi so fühlbarer wurde die Entspannung der Nerven, aber auch um so ohnmächtiger die Resignation, mit der sie ihrem künftigen Geschick entgegensehen. Die ihnen begegnenden Verivundetentransporte stimmten sie traurig. Die Soldaten seien vor Uebermüdung ausgemergelt. Eine heitere Note fehle vollständig. Die Soldaten sprechen mit größtem Respekt von den Deutschen, die ihren Offizieren bewunderungswürdig folgten. Die Maschinengewehre der Deutschen wirkten verheerend. Das Feldgrau sei vorzüglich. Der Gegner sei wie im Jahre 1870 überlegen. Die französische Artillerie sei erfolgreich!.
Der Erfinder der Melinitpatrone, Ingenieur T ur pin, soll dem Kriegsminister ein neues Explosiv Wergeben haben, dessen furchtbare Wirkung alles bisher Dagewesene übertreffe. Fm BolkÄmunde spiele diese Bombe Turpins eine große Rolle und werde als künftiger „deus ex machina“ angesehen. — Der deutscheAusstellungspavillon in Lyon steht unberührt unter französischer Flagge da.
Die Verteidigung von Paris.
(WTB.^P a ris , 4. Sept. (Nichtamtlich.) (AgenceHav.) Nach einer amtlichen Mitteilung richtete General G o l l i e n i folgenden Aufruf an das Heer und die Bevölkerung von Paris: Die Mitglieder der Regierung der Republik haben Paris verlassen, um der nationalen Verteidigung einen neuen Antrieb zu geben. Ich habe den Auftrag erhalten, Paris gegen den Eindringling zu verteidigen. Diesen Auftrag werde ich bis zum Ende erfüllen.
Der Kaiser auf dem Schlachtfelde.
Berlin, 4. Sept. Als die große Schlacht gegen die vorstoßenden zehn französischen Armeekorps geschlagen wurde, litt es den Kaiser nicht mehr im Hauptquartier. Er eilte an die Front und übernachtete inmitten seiner Truppen auf dem Schlachtfelde. Am Sedantage trafen der Kaiser und der Kronprinz, wie gemeldet, bei Sorbey zu'rnrmen. Unter ungeheurem Jubel der Truppen, an denen der Kaiser vorüberfuhr, begab sich der 'Kaiser zum Königsgrenadierregiment Nr. 7, dessen Kommandeur Prinz Oskar ist. Es war ergreifend, als der Kaiser, während die nntergehende Sonne das Schlachtfeld beleuchtete und der Kanonendonner herüberdröhnte, an seine Grenadiere eine Ansprache hielt, die mit einem brausenden Hurra und dem Absingen der Bolks- hymne begeistert beantwortet wurde.
Aus dem Elsaß.
WTB. Straßb urg i E, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Ein katholischer Pfarrer in den Vogesen, von dem der „Elsässer" besonders hervorhebt, daß er durchaus nicht im Verdacht stehe, für französisches Wesen keine Sympathien zu haben, teilt dem genannten Blatte mit, die Franzosen hätten schon vor unserer Mobilmachung auf den Vogescnkämmen Schanzarbeiten vorgenommcn und zwar da lund dort auch ans deutschem Gebiet unter Anwendung von Betonarbeiten. Wenn sein Bericht den Tatsachen entspricht, dann kann die Behauptung, die Franzosen hätten den Krieg nicht gcivünscht,
vielleicht auf die breiten Massen, aber auf keinen Fall auf die leitenden Kreise Anwendung finden.
Ter Kommandierende General v. Deimling hat an den Bischof von Straßburg folgendes Schreiben gerichtet: „Ew. Eminenz beehre ich mich auf das gcsl. Schreiben vom 17. August ergebenst zu erwidern, daß Fälle, wonach sich Geistliche während der Kämpfe des 15. Armeekorps im Elsaß einer Unkorrcktheit schuldig gemacht hätten, mir nicht bekannt geworden siW."
Von den Franzosen mitgenommen wurden dem „El- ässer" zufolge der Strafanstaltsinspektor Brockhaus in Ensisheim und der Krcishausinspcktor Troßbach in Alt- kirch; über ihren Verbleib ist bis heute noch nichts bekannt.
Minen in der Nordsee.
London, 4. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Aus North- chields wird vom 2. September gemeldet: Heute nacht wurden der Kapitän und 2 Manu der Besatzung von dem schwedischen D a m p f e r „S t. Paul" gelandet, der auf eine Mine in der Nordsee aufgesahren war und sank. Der Kapitän und die Mannschaft Hatten gerade noch Zeit, die Rettungsboote klar zu niachcn. Sie wurde» von einem vor- beikommendcn Schiss ausgenommen und nach dem Tync gebracht. (Notiz des WTB.: Wie schon öfters erwähnt, kann es sich hier nicht um deutsche, sondern nur um englische Minen handeln.)
Von unseren Tapferen.
(DDP.) K o b u r g , 4. S:pt. Der frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete, Staatsrat Dr. Hermann Schwartz, der als Landwehrossizier ausgezogen war, ist in den Kämpfen an der Westgrenze schwer verwundet worden. (Beil. Lokalanz.)
Die Schlachten der Oesterreicher.
(W.T.B.l Wien, 4. Sept. Die Schlacht, die sich ach de« russischen Kriegsschauplatz« aus unserer Offensive entwickelte, har eine Entscheidung des Feldzuges noch nicht gebracht. Auf dem westlichen Flügel gegen den Feind vordringend, in Ostgalizien den vaterländischen Boden gegen einen überlegenen Feind Schritt für Schritt verteidigend, haben unsere Truppen allenthalben den alten Ruhm ihrer Tapferkeit gcrecht- sertigt nnd sehen den noch bevorstehenden ernsten Kämpfen mit Zuversicht entgegen. Eine Schilderung der mehrfachen Schlachten der vergangenen Woche muß. der Geschichte Vorbehalten bleiben. Gegenwärtig läßt sich der Verlaus der Ereignisse nur in großen Zügen angcben. Oestlich bei Kra s n i k, nach der dreitägigen Schlacht der siegreichen Armee des Generals Dan kl, begann am 25. August die zwischen dem Hnczwa und Wieprz dirigierte Armee Anfsenberg den Angriff ans die im Räume von Choliir gegen Süden vorgerückten feindlichen Kräfte. Hieraus entwickelte sich die Schlacht von Zamocz und Komarow. Am 28. August wurde das Eingreifen der über Belz mrd Uhnow hecangefühnen Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand fühlbar. Da an der Chaussee Zamocz—Kraznostaw verhältnismäßig schwache Kräfte nur gegen- twernanden, ronnren eryrblicbe Armecteile am 29. August auf dem Raume von Zamocz gegen Osten clnschwmken und gegen Czesnlki Vordringen. Dem gegenüber richtete der überall mit größter Tapferkeit und Hartnäckigkeit kämpfende Fernd seine heftigsten Anstrengungen gegen den Raum von Zamocz, Wohl in der Absicht, hier änrckMlstoßeii. Abends stand unsere Armee in der Linie Przewodow-Grodeg-Czesniki-Wielacza, wobei Czesniki^ ungefähr den Brennpunkt der Front bildete., Auf russischer Seite hatten neue, von Krylow und Grnbieszow herangesührte Kräfte eingcgrifsen. Am folgenden Tage setzte die Armee Anfsenberg die angebahnte Umfassung, der Feind seine Durchbruchsverstiche fort, die schließlich die eigene Front bis Labnnin und Tarnawatka znsammenbogen. Indessen vermochten sich die Truppen des Erzherzog- bis 'ait den Fahrweg Teletyn— Racsanie vorznarbeiten. Am 31. August schritt die Einkreisung des Feindes unter heftigsten Kämpfen fort, ittbem! auch von Norden her gegen Komarotv eingeschwenkt wurde, woher Koinarow bereits äußerst gefährdet, begannen die Russen den Rückzug gegen Krylow nnd Trnbicszow, weinten sich jedoch duock» Offensivstöße noch allen Richtungen, namentlich gegen die Truppen des Erzherzogs, gegen die drohende Umklammerung. Endlich, in den Nachmittagsstunden des l. September, wurde sicher, daß die Armee Anfsenberg, in >velcher Wiener Truppen mit außerordentlicher Zähigkest und Bravour gekämpft hatten, desgleichen eine voin General der Infanterie Borvevic geführte Truppe, endgültig gesiegt hatte. Komarow und hie Höhen südlich von Tyszowce wurden genominen. Der Erzherzog drang gegen Sparoje, Siele vor. Scharen von Geiangemn und zahlloscsK riege- material, darunter 200 Geschütze und viele Maschinengewehre steten in unsere Hände.
Während dieser Kämpfe der Armee Anfsenberg hatte die Armee Dankt am 27. August eine zweite Schlacht bei Niedrzwica Du za geschlagen und weitere Teile unserer bisher über das westliche Weichseluser vorgegangenen Kräfte über diesen Fluß l.eraugezogcn. Diese ganz: Heeresgruppe drang in den folgenden Tagen bis nahe an Lublin heran.
Gleichzeitig init diesen zitierten Ereignissen wurde mich in Ostgal izicn schwer gekämpft. Am 27. August stießen die zur Tlbwehr der dortigen weitaus überlegenen feindlichen Einbrüche bestimmten Kräfte ans der Linie Dnnajow—Bush aus den Gegner. Trotz des Erfolges des von Dnnajow her die Höhen weltlich von Pomorzann gewinnenden Kolonnen konnten die beiderseits der Zloczowcr Chaussee vorgehenden Armecteile gegen den namentlich in Artillerie weit überlegenen Feind nicht dnrch- driugen. Am 28. August setzten die Russen den Angriff aut die östlich von Lemberg kämpfenden Armecteile fort und am Nachmittag war ein Zirrückncbmcii hinter Guila itnd Liva iind den engeren Raum östlich und nördlich von Lemberg nicht zu umgehen, zumal auch innere südliche Flanke ans der Rickpnng Brzezany bedroht wurde. Die rückgängige Bewegung vollzog sich in voller Ordnung, ohne daß der offenbar gleichfalls sehr nrilgenommene Feind wesentlich nackchrängte. Am 29, August griffen die Russen aus der ganzer» Front aufs


