Ausgabe 
2.9.1914
 
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irr. 205

Der 6i»B«n«r

erschein! täglich, au&tr Sonntag?. Beilagen:

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Erster Blatt

0>4- Jahrgang

Mittwoch» 2. September

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationrdrvck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange.

Nrzuqsprei»:

monatlich75Ps., viertel­jährlich Alk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Aestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps, ausivärts 20 Psennig. Chesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz: sür .Feuilleton', .Ver­mischtes' und.Gerichts- saal": Karl Neurath: lür .Stadt und Land':

Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. An^igmteu' H? Beck!

Am Tag von Sedan

Wie anders feiern wir heute den herrlichsten Siegestag «des Krieges von 1870/71 als ehedem! Tie Zeit hatte die -alten Waffenbilder etwas verblassen lassen, von den da- I Imaligen «Siegern war einer nach dem andern ins Grab I gesunken, und unser Zeitalter, wenn auch im Zeichen einer rastlosen Unruhe stehend, schien Vielen so friedlich geworden I >zu sein! Es war ganz natürlich, daß man daran dachte, I wie alljährlich wiedcrkehrende rauschende Siegesfeier all­mählich entschlafen zu lassen.

Heute gehört die erste 44 jährige Periode des neuen «deutschen Reiches endgültig der Vergangenheit an. Nicht laber der Vergessenheit! Tazwischen liegt der entscheidende

ä «erste Äugusttag dieses Jahres, der wie ein gewaltiger Ab- sgrund zwei Welten voneinander trennt. Wir hatten mit «zögernder Hand manche Pflanzung geschaffen, die der Sturmwind mit einem Tage hinweggerafft hat, die ffchönen Zierbeete unserer Diplomatie sind verdorrt und leb- llos geworden. Wer noch mit Ehrfurcht die überlieferte !Marschrichtung Bismarcks hochhielt, der erkennt jetzt, daß ! die Zetten ivcchseln, «daß, was man nicht nützt, eine schwere «Last wird! Wir waren von Bismarcks Wegen schon in den letzten Jahrzehnten weit abgekommen. Wohl hätte der alte Meister uns vielleicht davor bewahrt, daß die Zahl unserer jFeinde und Neider so groß geworden ist. Wir aber hatten «aus der russischen Umarmung Uns los gemacht, um dem verwandtschaftlichen Gefühl nachzugeben, das uns zu dem jmeerbeherrschenden England hinzog. Ein neuer Zukunfts- «träum zog vor dem Hellen Auge des Enkels Kaiser Wilhelms des Ersten auf: wir wollten vereint mit England« vor der Welt germanische Kraft und Kultur zum Siege bringen, und an der erwachenden Tatkraft des deutschen Volkes sollte «das britische Volk einen treuen Bundesgenossen haben. Es war ein echt «deutscher Traum, so voll Idealismus und Ver­trauen, daß wir uns seiner heute nicht schämen wollen, ob­gleich er uns wie Schaum zerronnen ist. Wir waren so naiv gewesen, neben dem Briten ein gleichberechtigter Bruder sein «zu wollen. Aber diese Naivität, mit der wir uns unsere Flotte schufen, unsere Heeresmacht ausbauten, war unser Glück. Wir haben vertraut, aber, trotzdem wir enttäuscht «wurden, doch nicht auf Sand gebaut. Bon Jahr zu Jahr mehrten sich die Anzeichen von der mißgünstigen Hal­tung des Vetters, die Regierung Eduards VII. war, wenn man sie vom Jnteressenkreis der Deuffchen betrachtete, ein 1 «arges Ränkespiel. Zwei Charaktere standen nebeneinander, « die nichts gemeinsam hatten: Eduard VII. «und Wilhelm II., der kalte kaufmännische Rechner, der den Konkurrenten,

. nicht den Freund neben sich sah, und der ideale Deutsche,

« der sich schließlich von dem nüchternen Egoismus des Andern « enttäuscht sah. Des Kaisers Erfahrung war des Volkes Ge­schick. Mißtrauen und Groll hatte allmählich in uns Wur- , zeln geschlagen, als die englischen Staatsmäimer immer «i Ivieder versuchen wollten, unseren Wottenbauten mit Vor- - /täuschung von Weltfriedensabsichten Einhalt zu tun. Wir merkten denn doch, daß England eine Kainsscele in sich trug, " .aber wie einst die Nibelungen am Hofe Etzels legten wir die ' «Waffen nicht ab, wenn es zur Tafel ging? Und so wurde das . Netz zu Ende gesponnen. Diplomatenkunst konnte es nicht «mehr entwirren, aber das Schwert der Deutschen, mit Sieg­frieds Kampfesmut geführt, wird der Feinde Herr werden. , . ^ Der Zorn des Deutschen ist erwacht über die Hinterlist ! seiner Nachbarn und Gegner. Und mehr denn je sind wir davon durchdrungen, daß deutscher Sinn und deutsche Kultur . .in der Welt vorangchen müssen. Wir sind heute ein ge­einigtes Volk, und so ist uns das Ereignis, das heute vor 44_ Jahren die Welt erschütterte, bedeutsamer und ver- d heißungsvoller denn je. Und voll Stolz und Freude dürfen l wir uns heute sagen, daß wir nicht mehr von altem Ruhme . zehren. Ein anderer Wcltgeist ist uns gegenübergetreten,

1 aber wir werden mit ihm fertig werden. Das Schicksal hat '« einen anderen Lauf genommen, als unsere Väter voraus­schauen konnten, aber der Geist von Sedan ist im deutschen ,, Volke lebendig geblieben. Umbraust von weltgeschichtlicher t, Tage Größe, von Schwertgcklirr und Wogenprall«, dürfen n wir dank unserer letzten, gewaltigen Wasfencrfolge am Tag von Sedan die Herzen erheben. Das Alte sinkt, cs ändert , sich die Zeit! Wir werden der Väter Ruhm uns erhalten.

* * *

Es sind heute wenig neue Nachrichten eingelaufen, aber wir erkennen, daß ereignisreiche Tage in der Vorbereitung , sind. Die «Schlacht an den masurischen Seen hat, wie wir gestern schon mitteilten, nach amtli«cher Meldung dem Feinde A nicht 60 000, sondern 70 000 Gefangene und sein gesamtes ArtiUeriematerial gekostet. Die französische Regierung hat ihr ängstliches Volk damit getröstet, daß die Russen auf 4 dem Marsche nach der deutsckwn Reichshauptstadt wären. «> Welche Enttäuschung muß nun in Paris herrschen, welche " Bestürzung aber auch in London, wo man mit der Aus- !- sendung von ein paar neuen Söldnern sich selber Mut ein­zuflößen versucht!

Deutsche pressestimmen.

19 __ Berlin, 1. «Sept. Als freudige Botschaft zum Sedan tage begrüßen Lokalanzeiger und Morcpirpost die & neuesten Mitteilungen des Generalquartiermeistiers aus dem großen Hauptquartier. Das erstgenannte Blatt schreibt:

Ein Geschenk, wie cs würdiger und schöner nicht gemacht werden ' kann, ist den Deutschen zum Jahrestage der Schlacht bei Sedan : beschert worden. Nachrichten von neuen Siegen im Westen, Nach- richten von der alle Erwartungen wcü hinter sich lassenden Be- deutung des Erfolges im Osten. Da die Franzosen nicht mehr lügen konnten, daß sie selbst einen Spaziergang nach Berlin machen, V wollen sie dies den Moskotvitern überlassen. So rasch, wie möglich, sollten diese in der deutschen Haupfftadt sein. Nun sind diese Gedan­

ken verflogen und die Hoffnung zertriunmeri. Wir aber haben den Sieg im Westen und im Osten an unsere Fahnen geheftet, tveil wir nicht von einem Spaziergang nach Petersburg und Paris geträumt haben und nicht in Hofsättiger Ucberhebung unsere Feinde unter­schätzten. Und so werden wir es weüer Hallen.

In derMorgenpost" heißt es:

Mit unbeschreiblichem Jubel ersüllt uns vor allem die Kunde aus dem Osten, istun ist der Widersacher, der das preußische Kern­land bedrückte, von der unwiderstehlichen Tapferkeit unseres Leeres zurückgeschlagen, die Provinz von allem Leid und aller Trauer befreit Das war bei Tannenberg keine Niederlage, das war cme Vernichtung und Zertrümmerung der eingedrungcnen Moskowiten.

Unter der Ueberschrift:Das Gottesgericht" wirb in der V o s s i s ch e n Zeitung" gesagt:

Fast vermag es der Geist nicht zu fassen, was zu gleicher Zeit dem deuffchen Volke kundgegeben wird über Sieg aut Sieg im Wesün und Osten. Es ist wie ein Gottesgericht, das über die Gegner hereinbrach, über die Urheber dieses furchtbaren Krieges.

In derK r e u z z e i t u n g" wird gesagt:

Die bange Sorge, die wir um den Osten hatten, ist von uns genommen. Ostpreußen ist, das dürfen wir annehmen, nun völlig von den russischen Eindringlingen geräumt. Ern frohes Aufatmen rauscht wie ein gewaltiger Flügelschlag des Deutsck>en Wlers, der dem russischen Dvppelaar im heißen Kampse so blutige Wunden geschlagen hat.

Günstig läßt sich der Fortgang der Riesenschlackst in Polen «an. DerDoss. Ztg." zufolge meldet der Kriegsbericht­erstatter derSonn- und Montagszeitung" in Wien, daß der österreichisch-ungarische linke Flügel« gegen Cholin vvrdringe.

Der Sieg in Masuren.

Das GonvccnementvonThorn teilt zu den bis­herigen offiziellen Berichten noch folgendes Nähere mit: Die russische zweite Armee (Narew-Armee) hat a u f g e - hört zu bestehen. Es sind mehr als 60 000 Gefangene gemacht. Vernichtet sind das 8., 15., 23. und die Hälfte des 6. russischen Armeekorps. Von diesen Korps sind sämt­liche Geschütze und Fahrzeuge in unsere Hände gefallen. Durch die Flucht konnten sich unter schweren Verlusten das 1. und die .Hälfte des 6., russischen Armeekorps über die Grenze retten. Unterzeichnet« Armee-Oberkommando.

Ein weiterer Straferlaß des Kaisers.

Berlin, I.Sept. (Amtlich.) Der Kaiser hat einen weiteren Begnadigungserlaß ergehen lassen, der folgendest Wortlaut hat:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw., wollen allen Personen, die sich bis zum heutigen Tage der Ver­letzung der Wehrvilicht (8 140 RStGB.) oder der un­erlaubten Auswanderung (8 360 Ziff. 3 RStGB.) schul­dig gemacht haben, soweit Uns das Begnadigungsrecht zustrht, den Erlaß der verwirkten'Geldstrafen, Freiheitsstrafen und Kosten in Aussickt stellen, wenn sie ivährend des gegenwärtigen Krieges unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb dreier Monate vom heutigen Tage an gerechnet, inttDeutschen Reich, in einem deutsch» Schutzgebiet oder auf einem Schiffe der kaiserlichen Marine sich zum D i e n st e stellen und ihr Wohlvcrhatlcn während ihrer Ab­wesenheit glaubhalt Nachweisen. Ausgeschlossen davon bleiben diesenigen, die erstens das 45. Lebensjahr Vollendel, zweitens dir deutsche Reichsangehörigkeit verloren haben und Staatsangehörige eines ausländischen Staates sind, drittens, die als dienstunsähig befunden werden, sofern sie wegen ihres körperlichen Zustandes ihre derzeitige Dienstfähigkeit nicht annehmen konnten. Ich beauftrage Sie, für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Er­lasses Sorge zu tragen. Großes Hauptguartier, 29. Aug. 1914. Der Kaiser verzichtet auf die englischen Ehrentitel.

Köln, I.Sept, DerKölnischen Zeitung" zufolge er­klärte der Kaiser am Morgen nach der englischen Kriegs- erilärung dein ehemaligen englischen Botschafter, er möge König Georg mitteilen, er (der Kaiser) sei stolz aus die Titel eines britischen Feldmarschalls und Admirals gewesen, aber nachdem ihm dieses vorgekommen sei, wolle er jetzt auf diese Titel verzichten,

Auszeichnung des Kronprinzen von Bayern.

n ch e n, 1, «September. Der Königvon Bayern hat dem Kronprinzen Ru pp recht durch den Kricgs- minister, Freiherrn v. Kreß, das Großkreuz des militäri­schen Mar-Josef-Ordens überbringcn lassen und zwar das gleiche Stück, das der Urgroßvater des Ausgezeichneten als Kronprinz im Jahre 1807 erhalten hat. Der Orden, der nur für Kriegstaten verliehen wird, ist mit Pensionen und sonstigen Vorzügen verbunden. Er hat von dem 'Kriege 1870/71 her noch einige Ritter, darunter den Generalfeld­marschall Prinzen Leopold, den Bruder des Königs. (Berl. Lokalanzeiger.)

Ein holländisches Lob des deutschen Gcncralstabes.

Tie französischen Schwindelmeldungen verfangen iin Auslande nicht mehr, wenigstens nicht mehr in Holländ. Das bedeutendste holländische Blatt, das AlgemeenHan- delsblad, schreibt in Betrachtung der weit auseinander- ehenden französischen und deuffchen Kriegsberichte vom 8. August das folgende:

Es hat sich in der ganzen Reihe der bisherigen Kriegsereig,- nisse herausgestttlt, daß die «Berichte des deuffches Generalstabes unausgeschmückt ohne Umschweffe die nackte Wahrhell erzählen. Und daß die französischen Berichte an Ucbertreibung« leiden, haben nicht allein wir bemerkt, sondern es ist auch eine Ursache der Mißstimmung in England. So wird in einem Ar­tikel des Manchester Guardian geklagt über die Luppressio veri in den offiziellen stanzöstschen Berichten, und es wird darin gezeigt, daß die'Blätter von einer solch entgegengesetzten Richtung wie der Temps und die Humanite es als einen großen Fehler der Regierung ansehen, daß sie das Volk als Kinder behandelt intb daß sie die Wahrheit über «unangenehme Geschehnisse verschweigt. Ebensolche Klagen betrifft die Veröffentlichung der Ver­tu st l i st c n. Der deutsche Generalstab veröffentlicht jeden Tag amtliche Listen von den Verlusten des deuffchen Heeres, worin

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alle Toten und Verwundeten verzeichnet werden mit Beifügung der Verwundungen und der Bemerkung, ob die Wunde eine sckövere oder leichte ist. Der französische Generalstab hat bis zum heutigen Tag noch keine einzige Verlustliste veröffentlicht, weshalb in Frankreich bereits die über- liiebensten Gerüchte im Umlauf sind und das Vertrauen an die Heeresleitung erschüttert wird. Wohl aber wissen die^iranzösischcn «Berichte ganz genau mitzuteilcn, wieviel deuffche Soldaten per Kilometer Schlagfront das Leben lassen mußten. Der deutsck»,: Generalstab allerdings wagt sich an solche in der Luft hängenden Schätzungen nicht heran."

Neue englische Truppenlandungen.

WTB. London, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Wie die Blät­ter melde», habe Churchill« mitgeteilt, daß englische «See­soldaten Ostende und die umliegenden Bezirke besetzt hätten, Lord Kitchener fordere zum Eintritt in die zweite Ersatzarmee (100 000 Mann) des regulären Heeres ans. Tie Altersgrenze betrage 10 bis 35 Jahre, Die Zahl der Mel­dungen zum ersten Ersatzheer sei befriedigeich.

Die belgische KönigSsamilie.

WTB. Antwerpen, 1, «Sept, (Mchtamtlich.) Die Kö­nigin hat Antwerpen am 31, August vormittags ver­lassen, um die Kinder nach London zu begleiten.

Ein banger Sonntag in Paris.

Kopenhagen, 1. Sept. In Paris ergriff das Ge­fühl der Unsicherheit alle Kreise der Bevölkerung. Der gestrige Sonntag trag trotz des sonnigen Wetters ein ernstes Gepräge, das erhöht wurde durch das Erscheinen eines deut­schen Fliegers über Paris. Die furchtbare Unsicherheit spricht sich jetzt auch in der Presse aus. Clemenceau. schlecht in seinem Blatt: Wir erhalten lange Berichte, die von Tat­sachen entblößt sind. Man überhäuft uns mit amtlichen Com- muniques in leeren Worten. Es heißt, Mill'erand sei vom Hauptquartter befriedigt zuriickgekehrt. Wie 'kann er von einer Front von der «Somme dis zu den Vogesen sprechen, ivenn wir niemals zu hören bekonrmcn haben, daß unsere Truppen bis zur Somme zurückgegangen sind?

(Berl. Lokockanz.)

Die große Schlacht der Oesterreicher und Russen.

WTB, Wien, 1. «Sept. (Nichtamtlich.) Der Kriegsbericht­erstatter desFremdenblattes" meldet unterm 31. August: Heute ist der scchste Tag der großen «Schlacht. Unsere Truppen kämpfen mit bewunderungswürdiger Aus­dauer. Die Nachrichten «aus der Gefechtslinie lauten hier für uns durchweg günstig. Rückkehrendc Bcrwimdete er­zählen von dem Heldenmut unserer 'Soldaten. Die Sttmmung im Hauptquartier ist gut. Der Kriegsberichterstatter der Neuen Freien Presse" meldet von heute früh: Während« der Nacht sind günstige Nachrichten über «die Gesamtlage ein- gelaufen. DieSchlachtdauertfort.mansiehtdcm weiteren Verlaus zuversichtlich entgegen.

In der Besprechung« der Siege bei Krasnrk stellen die Kciegskorrespvndenten fest, die Bed«eutung des Erfolges der österreichisch-ungarischen Armee liege da«rin, daß die den in den Räumen von Lublin gesammelten ruffislheu Stteit- kräftcn zugefügte Niederlage den rechten Flügel der russi­schen Hauptkräfte kaum zu einem Eingreifen in den w«eiteren Verlauf der Ereignisse befähigen werde. Die nach dem Sieg von Krasnik errungeifen Erfolge der österreichisch-ungari­schen Truppen vervollständigen diese Vorteile. Die Kriegs­berichte stellen übereinstimmend die außerordentliche Hart- nälttgkcit und Angrijfslnst der österreichisch-ungarischen Offfziere fest, die nach bemerkenswerten Marschleistungen die russischen Streitkräftc zu fluchtartigem Rückzug zwangen.

Der österreichische Landsturm.

Wien, 1. «Sept. (W. B. Nichtamtlich.) KaiserFranz Josef hat unter Anerkennung des rühmlichen Verhaltens des österreichischen Landsturms die Ermächtigunx erteilt, daß der Landsttirm auch außerhalb Oesterreichs ver­wendet werden dürfe.

Ein Bombenanschlag auf einen russischen Militärzug.

Prag, I.Sept. DerBohcmia" zufolge erfolgte in der N ä h e v o n W a r s ch a u ein Bombenanschlag auf einen vollbesetzten, russischen Militärzug. 150 Mann, darunter viele Offiziere, wurden getötet; es gab zahlreiche Ver­wundete. Viele Attentäter entkamen, einige wurden erschossen. Die bei ihnen Vorgefundenen Schriftstücke bewiesen deutlich, daß der Anschlag auf Anordnung des revolutionären Komitees in Warschau erfolgt ist.

A»S Albanien.

^ WTB. Val o n a, 1. «Sept. Zwischen den muselmanischen Aufständischen und der Bevölkerung ist ein Uebereinkommcn erzielt worden. Die rot-schwarze Fahne wird gehißt werden. Die Aufständischen werden morgen als Freunde in die Stadt einziehen, nachdem die Absetzung des Fürsten und der Regierung anerkannt worden ist. Notabel«» von Valona werden unter großer Begeisterung von der Stadt Besitz ergreifen.

Wien, 1. «Sept. Fürst Wilhelm verläßt heute Alba­nien. Wie informierte Stellen mitteilen, weilt E s s a d Pascha jetzt in Konstantinopel. Der Fürst leistet keinen ausdrücklichen Thronverzicht. (Vossische Zeitung.)

Die Lage der Engländer in Aegypten.

Der TurinerStampa" schreibt man mls Kairo:

Die Nachrichten, die nur aus Aegypten zu übermitteln haben, sind ernster, als man glaubt. Man hat den Kriegszustand nicht bloß deshalb prollamiett, well man einen Angriff seitens der im