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SJHtWmerr befindlichen deutschen Schisse befürchtete, sondern vor allem auch deHhalb, weil die EKsahr eines Aufstandes der arabischen Bevölkerung gegen die englische Oklupation besteht: diese Erhebung hängt wenn man sagen kann wie das «Schwert des Damastes Der Aegypten,

Vor einigen Tagen entdeckte man eine von ägyptischen Offi­zieren angezettelte Verschwörung: die arabischen Truppen sollten, solmld man sie bei einem etwaigen Angriff der Deutschen zur Unterstützung der englischen Truppen heranziehen würden, meu­tern und sich empören. Viele Offiziere, nach einigen 40, nach andern sogar 60 wurden unter dem Bcrdach, an der Verschwö­rung beteiligt gewesen zu sein, sestgenommen und in eine außer­halb der Stadt gelegene Kaserne gebracht, eskortiert von einer Kompagnie schottischer Soldaten mit aufgepslanztem Bajonett, Man erzählt, daß auch der frühere türkische General Prinz Aziz Pascha als Verschwörer verhaftet und nach der sogen, Zitadelle gebracht worden sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht war jedoch nicht zu erlangen, ...»

Immer mehr verbreitet sich auch das Gerücht, daß dre Türken sich der agyvtiscyen Grenze nähern: ein aus Syrien zurückgekehrter arabischer Journalist berichtet, daß die Armeekorps von Aleppo und Damaskus durch die allgemeine Mobilmachung aus Kriegs­fuß gebracht worden seien und bald von der Küste, wo sie kon­zentriert seien, auf Aegvvtcn geworfen werden würden. Man schenkt hier diesen Drohungen durchaus Glauben, da man weiß, daß das Eingeborenenelement sich beim ersten Anzeichen eines Näher­rückens der Türken empören würde, um den osmanischen Bruders den Einzug in Aegypten zu erleichtern; und wenn erst der musel­manische Fanatismus erwachte, würde es uns hier wirstich nicht gut gehen. Zur Vorsicht haben die Engländer die Okkuvations- trupven mit Kanonen zum Suezkanal geschickt, aber da sie gering an Zahl sind, konnten sie gegen den Ansturm^von 50000 gut be­waffneten und vom Fanatismus getriebenen Soldaten nichts aus- richten. Die englischen Militärbehörden geben sich einstweilen die größte Mühe, Ruhestörungen im Keime zu ersticken: sie haben die Zahl der Polizisten verdoppelt und die Nachtwächter mit Revol­vern ausgestattet. Angstvoll ivartet man aus die Ankunst der 20 000 indischen Soldaten, die das Land beschützen sollen.

Apia kapituliert.

Rotterdam, 1, Sept, Der englische Koloniab- minister erhielt eine Depesche des GouvernAirs von Reu- Seeland mit der Mitteilung, daß, Apia nach der Belagerung durch eine englische Expedition am 29, August kapituliert Hecke. (Berk, Üokalanz.)'

Deutsche Demut.

Rings raunt es in die Runde Schon manches liebe Jahr:

Der Michel ist jetzt anders,

Wie er vor Zeiten war.

Im Rate wird er schwierig Und redet kühnlich drein,

Er drängt sich in die Sonne,

Will stolz ein Deutscher sein,"

Kriegsbrände züngeln gierig Am jungen Reich empor,

Sie prasseln ihm von Demut Ein schaurig Lied in's Ohr,

Was, Demut?" ruft der Michel,

Vor euch, ihr Neider nie!

Gott wird euch doch zerschmettern.

Ihm beugen wir das Knie," Großen-Linden, F, Bach.

Englischer Mißvergnügen.

Vor uns liegt, so schreibt dieKöln, Ztg,", dieDi- m e s" vom letzten Freitag, und ihre Lektüre bereitet uns jetzt auf jeder Seite ebenso viel Vergnügen, wie sie den englischen Lesern mißfallen muß. Zwar strotzt das Blatt wieder von Lügen, die die wahre Lage der Dinge ver­schleiern sollen: so wird der Pariser Humanste nacherzählt, daß die Redaktion des Vorwärts in Berlin verwüstet, daß seine Druckmaschinen und alles andere inwendige Mobiliar vernichtet worden seien. Auch die schändlichen Behauptungen von wüsten Grausamkeiten, welche sich die deutschen Sol­daten in Feindesland zuschulden kommen ließen, werden wieder eifrig verbreitet. Vor allem aber wird in schroffem Widerspruch zu den Tatsachen die Lage im Osten als ge­radezu glanzend für unsere Gegner hingestellt, eine Auf­fassung/ von der das Blatt inzwischen wvhl auch zurück­gekommen sein dürfte, Liber im übrigen hört man aus den Zeilen und zwischen den Zeilen nichts als Sorgen und Klagen, Die Sorgen äußert vor allem der mili- iärische Mitarbeiter des Blattes, Er stellt fest, daß die ver­bündeten englisch-französischen Armeen die Verteidigungs­linie LilleMaubeuge haben preisgehen und sich bis auf die Linie Le CauteauEambrai haben zurückziehen müssen. Die Notwendigkeit des Rückzugs sieht er in dem noch drin­genderen Gebot für die französische Heeresleitung, die Festung Mezisres südlich Namur zu halten, denn, fährt er fort, ist MeziäreS einmal genommen oder das Maastal zwischen Mezisres und Verdun von den Eindringlingen besetzt, dann bricht das ganze System der Grenzverteidigung von Ost- Frankreich zusammen, und es bleibt den Heeren nichts übrig, als sich in das Gebiet der Champagne zurückzuziehän, (Der jetzt gemeldete Fall von Montmady zwischen Mezisres und Verdun beweist, daß die Besorgnis des Engländers in- zwisckzen zur Tatsache geworden ist.) Aber ihn plagt noch eine andere Angst, er sagt:

Wenn wir heute keinen entscheidenden Sieg gewinnst, dann' Müssen wir unsere Basis an der Nordseeküste an der Mündung der Soinme ausgeben und sie weiter nach Süden verlegen, nach Havre oder Cherbourg, Schon ist Boulogne eine offene Stadt, und alle sranzösischen Truppen dort sind nach Lille abgezogen, (?) Wo aber auch unsere neue .Basis liegen wich, sie mtuß an der Landseite befestigt iverden, und so besetzt, daß sie den Vasen voll­ständig sichert, nicht nur gegen Ueberfälle von Streifpatrouillen, sondern auch gegen fernes Artillericfeuer, Das Gebiet von Havre wäre hierstlr recht geeignet. Wenn nun gegen unsere Hoffnung und Erwartung wir die Deutschen im Norden nicht zurücktreiben können, dann wird eine der Folgen die seinl, daß tüe Deutschen L n st s ch i s f st a t i vn e n an der Straße von Calais eiu- richten und dadurch sowohl bessere Informationen über die Marine gewinnen, als auch in die Lage kommen, uns unter ständiger Beobachtung zu halten, weim nicht gar anpigreisen. Daher müssen wir sofort Gegenmaßregeln treffen und die Küste reichlich mit Scheinwerfern imd Lustschiffkanonen besetzen. Unsere Sportsleuts sollten sich znsammentuu zum Kampfe gegen Luitzeuge und für eine Jaadiaison einmal die wilden Enten und wilden Moorhühner beiseite lassen. Wir aber wollen dem Himmel danken, daß, er uns vor einem Tunnel von Calais nach Dover bewahrt hat.

Bei all diesen Sorgen beherrscht aber noch eine viel größere Unruhe die Wissenden in England, Das ist die gren­zenlose Ahnungslosigkeit, mit der die Nation noch der kritischen Lage gegenübersteht, Hier rächen sich die Lügen- ngchrichten von fabelhaften Siegen, init denen die englisch-, französische Presse von Anbeginn des Krieges die Welt über­schüttet hat. Ein Leser derTimes" erbringt hierfür einen interessanten Beweis, Bekanntlich haben vieH, Kutscher von Taxametern in London sich geweigert, Lord Kitcheners Aiff- ruf an die Bevölkerung, sich znm Heeresdienst anwerben zu lassen, in ihren Wagen auszuhängen. Der obige Leser fragte nun einig« Kutscher nach dem Grunde dieser Weigerung, Die

Lenke antworteten:Die Polizei hat uns bisher nicht ge-,' stattet Anzeigen in unseren Droschken auszuhängen, wo wir den Vorteil davon gehabt hätten: warum sollen wir es jetzt tun für die Regierung?" Ter Leser suchte den Männern daraufhin klar zu machen, daß cs sich hier um eine ernste Sache im Interesse aller handele, daß es also auch in ihrem Interesse liege, wenn sich schnell und reichlich Freiwillige meldeten. Und die Antwort?Ach was, der Krieg verläuft ja gut für uns. Alle Leute sagen ja, daß wir gewinnen wer­den, Und wenn die Regierung wußte, daß sie im Kriegsfall mehr Leute brauchte, warum hat sie das nicht vorher gesagt und danach gehandelt?"Und so", fährt der Einsender fort, fühlen und denkeit die groheu Massen," Wir aber gedenken der hcllanfleuchtcnden Begeisterung, die unser Volk bis zum letzten Mann und bis zur letzten Frau in diesen Tagen er­füllt, und freuen uns des Unterschiedes zwischen deutschem und englischem Patriotismus.

L o r d K i t ch e n e r hat denn auch schon die Altersgrenze für die zweiten 100 000 Mann, die er sucht, bis 19 Jahre nach unten und 55 nach oben ausgedehnt. DieTimes" selbst begleitet diese Mitteilung mit folgender beweglichen Mahnung:

Wir hoffen, daß viele von denen, die sich noch nicht gemeldet haben, nur darum zögern, weil sie die Krisis nicht für hinreichend ernst Hallen, Wir versichern sie, daß die Lage ernst ist, daß die ganze Zukunst des Reiches in Frage steht, daß die Freiheit und Unabhängigkeit jedes Briten geiährdet ist. Wir glauben fest, daß wir am Ende siegen werden, aber wir sind uns ebenso klar darüber, daß der Sieg nur gewonnen tverden kann, wenn wirdie Jacken ausziehen" und uns anstrengen bis zur Grenze unserer Leistungsfähigkeit, Die Zeit ist noch nicht da, daß auch Leute fechten müssen, die für Weib und Kind zu sorgen haben, obwohl auch sie gut tun würden, sich darauf vorzubererten. Aber die Zeit ist gekommen, wo jeder freie, junge und kör­perlich fehlerlose Mann sich sollte einschreiben lassen. Jeder von ihnen, der sich nicht einschreiben läßt, setzt sich dem Vorwurf aus, unpatriotisch oder ängstlich zu sein,

B e r l i n , 1, Sept, lieber Stockholm erklärt dasAftonbladet" aus London: In England herrscht starke Beunruhigung wegen derHabgierJapans, das Msichten aus Deutsch- Guinea und den übrigen deutschen Kolonialbesitz zu erkennen gibt. Eng­lische, und besonders australische Politiker fordern, daß England durch sofortige Besitzergreifung dieser Kolonien der japanischen Raubgier zuvorkomme.

In P aris hat das Gefühl der Unsicherheit, wie aus Stockholm gemeldet wird, alle Bcvölkerungskreise ergriffen.

DemM a n ch e st c r G u a r d" wird aus Paris berichtet, dre Militärbehörden hätten die Maßregel getrosfen, den Verkniff englischer Blätter zu verbieten. In der Folge davon sei das Publi­kum überzeugt, diese Blätter müßten niederschmetternde Berichte enthalten, die von den Franzosen geheim gehalten werden sollten. In einem Bericht derTimes" über die Kämpfe an der belgisch­französischen Grenze werden die britischen Verluste als ansehnlich bezeichnet. Viele Regimenter seien vernichtet und hätten den größten Teil ihrer Offiziere verloren. Der Korrespondent meint, der französische Generalstab habe die deutsche Truppenmacht unter­schätzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 2. September 1914.

Trinker-Fürsorgestelle kür Stadt und Landkreis Gieße», Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag abend 8 bis VI, Uhr.

** Im Kampfe gefallene Gießener, Am 22. August starb an einer schweren Verwundung Leutnant Carl v, Grolman vom Infanterie-RegimentKaiser Wilhelm" Nr, 116. Ebenfalls ein Gießener Kind ist der Professor Udo Kraft, der als Kriegsfreiwilliger vor dem Feinde stand und auch am 22, August seinen Tod fand,

*' D e r O r i e n t i e r » n g s k rs überKriegssanitäts- wesen ist bis ans den Vortrag de? Herrn Landgerichtsrats Wiener, der veffchoben iverden mußt«, beendet. Er war zabl- reich von Aerzte» »nd sonst i» der Krankenpflege tätigen Personen, in> ganzen von 94 Teilnebmern außer den Vortragenden und Gästen, besucht. Von den, Ertrag konnten 6a Mk, an das Rote Kreuz, 80 Mk, an die Reservelazarette in Gießen, 39 Mk. a» das Land- sturmbataillo» Gieße» abgestiiirt werden. Der Schlußvortraq über das Rote Kreuz sindet später statt. Allen Beteiligten sei hier­durch qedankt.

** Das oberhessische Museum unddieGail- schen Sammlungen bitten um Abzüge von Kriegs- bildern, die bei Gelegenheit der Einberufung, des Eisen­bahntransportes und des sonstigen Kriegslebens in Gießen und in der Provinz Oberhessen angefertigt worden sind. Es wird dies insbesondere für die Nachwelt eine ut,schätz­bare Erinnerung aus großer Zeit sein. Etwaige Aufnahmen bittet man Ludwigsplatz 1011. abzngeben,

** Schulbeginn, In den Volksschulen beginnt der Unterricht bereits Donnerstag, den 3, September, vormittags 8 Uhr,

" Von, Polizei amt wird »ns mitgeteilt: heute nioraen

wurde in dem Esstggäßchen dahier ein weißes Danienhemd mit Achselschlutz, gezeichnetL, »nd ein weißes Damen-Beinkleid gesunden, welche offenbar ans einen, Ticbstabl berrnbren. Eigentümer können sich bei der Kriminalpolizei des Grobh. Polize,- amts melden,

' Papier, Früchte, Ob st re st e und sonstige Abfälle sollte man nicht aus Bürgersteige und Straßen werien, hierdurch werden die Straße» verunreinigtnd Geiahren iür die Passanten hervorqerusen, die durch Ansgleite» ans Obstresten und dergleichen z» Falle komme» u»b sich erheblich verletzen könne». (Siehe amt­liche Bekanntmachung.)

** Das Großherzoglich Hessische Regierungs­blatt Nr, 30 vom 31, August enthält: 1. BekanMmachung, Ab­änderung der Llussührungsbestimmungen A, C, D nebst Anlage b und E zum Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz betreffend, 2, Be­kanntmachung, Grundsätze für das Verfahren bei Wettbewerben in Werken der Bildhauerkunst betreffend, 3, Bekanntmachung, die Absertigungsbefugnisse des Hauptsteueramts Worms betreffend,

** Güterrechtsregister, Carl Wagner, Arbeiter in Gießen, und dessen Ehefrau Marie geb, Keil, Heinrich Seid- l e r, Werkmeister in Lollar, und dessen Ehefrau Elisabetbe geb, Weinrich, und Ludwig Schadeck vierter, Landwirt in Lollar, und dessen Ehefrau Margarate geb, Geißler haben Gütertren­nung vereinbart,

** Konkurse in Hessen. Im Konkurse über das Vermögen der Firma Earl Stückrat b in Gießen soll eine Abicblags- verteilung crkolqen. Dazu sind verkügbar Mk. 61 924,11, während »» berücksichtigen sind Mk. 26^ 331,13 nicht bevorrechtigte For­derungen oder 28 Prozent. I», Konkurse über das Vermögen der Deutschen S o m in e r - F l » q z e » g n> e r ( e, G. m. b. H., in Darin stndt, ist an Stelle des z de» Waffen einberusenen bisherigen Konkursverwalters Rechtsanwalt Weisel in Tarmstadt Rechtsanwalt Dr. O v v e » h e i m e r in Darmstadt zum Konkurs­verwalter bestellt worden.

H ' Landkreis Gießen.

Clcf), 2. Sept, Die G e l d s a in », l n g i ü r s Rote Kreuz ergab in den Gemeinden: Lich 3739,69 Mk.. Nieder- Bessnrgen 200,00 Wt., Eberstndt 583,10 Mk, Bette,ihaüsen 75,40 Mk Birklar 178,20 Mk Hos-Güll 400,00 Mk.

= Lang-Göns, 1, Sept, Heute starb der Lehrer Georg 18 ö n s e l zu Lang-Göns im Alter von 86 Jahren,

KrciS Fricdberg.

b Fried berg, 1 ^ept. Schon nächsten Donnerstag werden die Seininaristen der ersten Klaffe unseres Lehrerseniinars ihre

A b g a n g s p r ü I u n g machen, um daun gleich Verwendung tm

Echuldieuste zu fiudeu, da es an Schiiiverwaltern iehlt.

- Ga mb ach, .31, August, Der 18 jährige Sohn des hiesigen Bahnoorstehers Nagel, Joseph Nagel, der als Schiffsjunge in Mainz in Diensten stand, ertrank im Rhein beim Baden, Seine Leiche wurde in Kastel gelandet,

Kreis Friedverg, r, Bad-Nauheim, 1, Sept, In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung wurden von der Anleihe des Jahres 1902 ausgclost die Nummern 37, 44, 165, 206, 299, 328, 380 zu je 1000 Mark; 136, 221, 238, 319, 480, 531, 535 zu je 500 Mark: 56, 91, 107, 179 zu je 200 Mark, Rückzahlung erfolgt am 1, April 1915, Die Viktoria st raße heißt in Zukunst Aiqgista-Biktoriastraße und die B r i t a n n i a st r a ß e erhält den Namen Zeppetinslraße, Den Familien der im Felde stehenden städtischen Arbeiter wird eine Kriegsunterstützung von 25 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes des Ernährers bewilligt, Dir sür September angcsetzten Stadtverordneten,vahlen werden ant unbe­stimmte Zeit vertagt, Ebenso beschließt die Versammlung, daß die Kirchweih in Anbetracht der schweren Zeit aussallen soll. Aus dem Friedhot wird ein besonderer Platz bereit gehalten, aus den, die in Bad-Nauheim sterbenden Kriegsteilnehmer ohne Rücksicht aus Nationalität oder Religion ihre gemelnsamc Ruhestätte finden sollen,

Hessen-Nassau.

() Marburg, 1, Sept, Aus dem Fenster ge- st ü r z t. Während heute früh eine junge Mutter hier auf die Straße eilte, um die neueste Kriegsdepesche zu lesen, stürzte ihr zweijähriges Söhncheu vom Balkon des dritten Stocks aus in den &of. Der Tod trat alsbald ein,

() Marburg, 1, Sept, Unter dem Kommando des Ge­nerals a.D, von Pentz hat sich hier eine sog, Stadtwehr gebildet, der etwa 200 Herren aus allen Ständen bei­getreten sind.

Die russischen Häfen der Schwarzen Meeres.

Odessa, auf Befehl Katharinas II, so benannt nach der im Altertum hier gelegenen griechischen Kolonie Odessus, war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein elendes Tatarendorf, Dank seiner günstigen Lage und der Fruchtbarkeit seines Hinterlandes blühte der I Ort dann schnell zu dem größten Handelshafen Rußlands über- ; Haupt auf. Heute wird es von einer halben Million Menschen be­wohnt, Es ist der Hauptausfuhrplatz des russischen Getreides nach« den Mittelmcerländern, Aber auch mit den Häfen Deutschlands,; « Hollands, Belgiens und Englands steh^Odffsa in regem Verkehr, j Im Ämter ist von den langen, breiten Straßen der regelmäßig an­gelegten StadtDe Ribas" die belebteste, während im Sommer auf \ dem Primorski-Boulevard ein babylonisches Sprachengewirr: fl herrscht. Mehrere deutsche Kolonien mit deutschen Namen zeugen: von dem starken Anteil Deutschlands am geistigen und Wirtschafts-. I leben der Stadt. Leider spielt Odessa in der Geschichte der Cholera und der Judenhetzen eine toenig beneidenswerte Rolle, Das be- 1 nachbarte Nikolajew wurde 1788 von Potemkin auf einer von den hier sich vereinigenden Flüssen Bug und Jngul gebildeten Halbinsel als Admiralitätsstadt gegründet. Zwar dienen drei von feine» vier Häfen Handclszweckcn, Aber seine vornehmlich kriege- riscke Bestimmung macht es zu einer ungefährlichen Nebenbuhlerin! Odessas, Auch Cherson an der Mündung des Tnjepr ist eine Gründung Potemkins, Wesentlich älter ist Eupatorta, Es ist eine der ältesten Städte der Krim, Früher Resiocnz des Chans der Krim, wurde es später von den Tataren erobert, die noch heute einen so starken Teil der^Bevölkerung bilden, daß hier nicht we­niger als fünf tatarische Schulen sind.

Hier landete am 14, September 1854 das türkisch-englisch, sranzösisch« Heer, um zur Belagerung Sebaswpols zu schreiten.

So zur Zeit des Augustus ihm zu Ehren genannt (Augustus griechisch: Scbastost, blickte die Stadt schon damals aus ein hohes Alter zurück. War sic doch 648 v. Ehr, von den Griechen gegrüicket worden. Als 1783 das krimsche Chanat russisch wurde, gründete Potemkin hier einen Kriegshafcn, der von Nikolaus l, auSgebaut wurde. Gleichzeitig Handelshafen, erfreute sich Sebaftopot der schön­sten Blüte, als die jetzigen Freunde Rußlands es zri bombardieren' begannen. Weder seine viel bestaunten Befestigungen, noch seme 700 Geschütze schwersten Kalibers konnten das Verhängnis abwen­den, Nach elfmonatiger Belagerung war es ein Trümmerhaufen, Seine srühere Blüte hat es nie wieder erreicht, zumal der Handel seit Jahren absichtlich nach dem östlich gelegenen Feodosia abgeleitet 'wird.

Im Besitz eines großen Häsens hatte Feodosia irüher trotz günstiger Loge und reger Industrie keinen b-deutenden Seeverkehr,

An die wechjelreichc Geschichte der schon von den Griechen gegrün­deten Stadt erinnern zahlreiche Ruinen, aber auch viele gut er­haltene Bauten, So trägt die Straße am Meer noch jetzt italieni­sches Gepräge aus der Zeit der genuesischen 'Herrschaft, Iier belebteste Hasen der Krim ist Kerls ch, Tie Stadt breitet sich halb­mondförmig am Fuße des Mithridatesberges aus, An ihr vorber führt die Straße von Kertsch in das Asowsche Meer,, Wir be­treten hier das Naphthagebiet Kaukasiens, zu dessen Symptomen auch einige Schlammsprudel in der Umgegend gehören, Tie wichtigeren Häsen des Asowschen Meeres liegen mit Ausnahme Rostows an der Nordwestküste: Berdjansk, Taganrvg,

M a r i u v o l.

Von den asiatischen .Häsen des Schwarzen Meeres kam A n a pa erst 1829 in russischen Besitz, nachdem es vorher bereits zweimal (1791. 1807t von den Russen erobert worden war, Nowo« r o s s i j s k blühte trotz seines geräumigen Hafens nick der dortigen reichen Fischgründe erst nach seiner Verbindung mit der Wladi- kamkas-Bahn auf, die den Getreidehandel von Kertsch hierbei zog.

Das früher als Fieberhöhle gefürchtete Suchum Kale hat sich infolge von Aufsorstung von Eukalyvtuswäldern in einen klima­tischen Luftkurort verwandelt, Poti, im alten Kolchis, dem Ziele der Argonauten gelegen, kann neben Batum nicht empor- kommen, das wegen seines geräumigen »ich geschützten Häsens der gewaltige Stapel- und Anssuhrplatz des russischen Petro­leums ist, O. K.

wöcyentl. Uebersicht der Todesfälle i. d.Ltadt Siehen.

33, Woche. Vom 9. bis IAugust 1914 (Einwohnerzahl: anaenoimneii zu 32 990 linkt, 1690 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 14,22»/.. nach Abzug vo» 3 Ortsire nd«>, 9,50»'.,.

Kinder

Es starben a»: Zulainmen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr.

Tuberkulose

10)

i (i)

Lungenentzündung

I

i

Herzleiden

2(1)

2(1)

Krebs

4

4

Selbstmord

I (0

1(D

Summa: 9 (8) 9 (3)

A n m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todessälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Amtlicher Wetterbericht.

Oesfcntliche Wetterdienst st ekle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 3, Sept. 1914: Fortdauer der bestehenden Witterung: Heiter »nd trocken, doch Gewitterneigung.

Letzte Nachrichten.

Givet gefallen!

(WTB.) Großes Hauptquartier, 2. Septtmb. (Amtlich.) Die Veste Givet ist am 31. August gefallen, (Givet liegt südlich von Namur, an- der französisch-bel­gischen Grenze, auf französischem Boden.)