schwierigen Terrain- und einem in zäher Verteidigung überlegenen, in woblnngelegten Befestigungen befindlichen Gegner mit beimindereiveriem liian. Sie bewiesen, das; sie von demjenigen Geiste erfüllt find, der die öslerreichifch- ungariskve Armee i» ibrer jahrhundertelangen Geschichte zu Ruhm und Ehren geführt hat, Tie aus Truppen aller Teile der Monarchie zusammengesetzten Armeekörper Keil» len mit gleichem Schneid und Todesverachtung den an Zahl überlegenen, kriegsgewohnten, erbitterten Gegner non seinem großen Lrrtume, das, die serbische Tapferkeit uube- jw IN gl ich sei, Das deutsche Detachement bezahlte leine Lapserteil mit deni Tode von drei Soldaten und der Verwundung von zwei Offizieren und 21 Mann,
Ter tadellose verlauf der österreichische» Mobilmachung.
Wien, 24, Ang, Tie „fLorr, Wilhelm" veröffentlicht ein fCommunique, in dem auf den über alle Erwartungen glatten und reibungslosen Verlauf der Mobilmachung der österreichisch-ungarischen Armee hingewicscn nnrd, der beweise, das alle Zentralstellen im engsten Einvernehmen mit der Heeresverwaltung die detailliertesten Vorsorgen getroffen haben. Damit allein wäre der volle Erfolg der Mobilmachung keineswegs gesichert gewesen; es bedurfte hierzu in vollem Maße der lokalen Mitwirkung der gesamten Bevölkerung, Ln dieser Hinsicht seien gleichfalls wahrhaft glanzende Resultate zu verzeichnen. Alle parteipolitischen Gegensätze waren auf einmal beseitigt, der Ruf des Äindesherrn einigte alle Nationalitäten des weiten Reiches mit einem Schlage zu dem gemeinsamen Ziele, Nur rein strategische llcberlegungen konnten für die Verteilung der Verbände masgebend sein, und auch nur nach solchen wurde die Ansteilung der Kräfte tatsächlich vorgenommen. So fand sich in unserem Staate das charakterisierende bunte Völkcrgcmisch an unseren Landesgrenzen in Kriegsbereitschaft zusammen, alles aus einem Gus und von demselben Geiste und Wunsche beseelt, den alten unvergänglichen Wassenruhm unserer Armee zu erneuern und sich des Vertrauens des über alles verehrten allerhöchsten Kriegsherrn würdig zu erweisen.
Das „Kulturvolk" der Serbe».
Wien, 25, Aug, Die serbische Regierung behauptet gegen- über dem spanischen Gesandten in Bukarest in einem vom Minister des Aeußern Paschitsch gezeichneten Telegramme, da? österreichisch-' ungarische Hauptquartier habe den Kommandanten der in Serbien erngedruirgencn Truppen den Auftrag gegeben, die aus den Fcl- dern stehende Ernte zu vernichten, Däner anzuzünden, die Einwohner zu töten oder gegangen zu nehmen, übcrhaum hätten die österreichisch-ungarischen Soldaten unerhörte Grausamkeiten begangen und selbst Kinder und alte grauen nicht verschont, • Dadurch seren die serbischen Soldaten aufgebracht, so daß es schwer falle, sie von B c r g e l t » n g s I a t e n (I) zurückzuhalten, Tie serbische Regierung ersucht schließlich den spanischen Gesandten, der österreichisch-ungarischen Regierung diese Tatsache mitzuteilen und sie wissen zu lassen, daß Serbien gestöligt sei, zu Repressalien härterer Natur zu greisen, wozu das internationale Recht berechtige, — Es ist ganz klar, was mit dieser bewußt lügen basten T a r st e I l u n g von serbischer- Seite bezweckt wird, Er soll einiach den Dorwürsen zuvorgekommen werden, die zu erheben das tatsächliche Verhallen der Serben in diesem Kriege die jjsterrcichisch-unga- lliche Regierung ohnehin früher oder später gezwungen halte. Schon die bisherigen Berichte von den serbischen Kriegsschauplätzen stellien verschiedene Grausamkeiten der serbischen Kriegs- sübrun g fest und ein völkerrechtswidriges Vorgehen der von den Behörden rufgehetzten Bevölkerung,
Das Armee-Oberkommando ordnete Erhebungen in dieser Hinsicht an, die, bisher für den Raum pon S ch a b a tz abgeschlossen, folgendes Ergebnis geliefert haben: Bei Serbisch-Schabatz wurden ivreoerholt Leichen verstüm melier Soldaten unserer Armee gesunden, so ein Leutnant mit ausgeschlitztem Bauche, ein Soldat mrt ausgeslochmen -luge», in deren Höhlen Unisormknüpse eingepreßt waren, seiner ein Soldat, am Baume hängend, dem Kopf und Arme fehlten, Tie Einwohner der um Serbisch- Schobatz herumliegenden Ortschaften schossen aut 'unsere Truppen meist von hinten, besonders aus Offiziere und kleine Abteilungen, Selbst als Schabatz schon 24 Stunden in unseren, Besitze war, wurde noch auf vorübergehende Soldaten geschossen, Die Schuldigen wurden Jandrechllich ersckwssen, Aus einer Fabrik in Sck)abatz ist wiederholt aui unsere Leute gefeuert worden. Einmal sogar vo» einem Fabrikschlote in die Ossiziers- menage aui die dort versammelten Offiziere; die Fabrik wurde vo» uns nicdcrgebrannt. Bei Mischar wurden Leute, die aui durchziehendes Militär geschossen.hatten, gefangen, Ter Leutnant, d-m die Gesangenen vorgcsllhrt wurden, verfügte aus Menschlichkeit die Freilassung einer schivangeren Frau, Kaum freigelaisen, zog das Weib eine» Revolver und erschoß den Leutnant von hinten. Während des Kampfe« bei Tekerisch wurde von serbischen Truppen die Parlamcntärflaggc gehißt, Ter österreichisch- ungarische Kommandant bcsabl dorauihin die Einstellung des Feuers und näherte sich den Serben, die sodann aus 300 Schritt Entfernung gegen ihn und seine Lente ein mörderisckw? Feuer eröstneten Mit Vorliebe beschießen die serbischen Truppen unsere Verbandplätze und verwundeten Krieger, Eine Patrouille, die einen verwundeten Oberst transportierte, wurde aus nächster Nähe niedergeschosscn. Selbst serbische Kinder beteiligten sich an diesen Ilnmenschlichkeiten,
Die deutschen Mitlänipser gegen die Serben.
Der „Pester Lloyd" schreibt:
Heute erst erfährt man aus dem Telegramm, das der Kommandant des deutschen MarinedetachemcntS an den Admiralstab der Marine der deutschen Kriegsslotte abgcsandt hat, ,daß diese deutschen Krieger nicht in die Heimat zurückgekehrt, sondern in B o s n i e n geblieben sind und srch unfern Truppen angeschlossen haben. Von dem Fähnlein deutscher Kameraden sind bei dem Sturm aui die Höbe von Viscgrad drei Soldaten gefallen und zwei Offiziere und 2l Mann verwundet worden, Deutsches Blut ist mit ungarischem und österreichischem au, einem Schlachtfeld? geflossen. Eine heilige Kommunion der Seelen zwischen diesen beiden Reichen hat sich auf einem serbischen Schlachtfelde vollzogen. Eins sind wir mü dem deutschen Bundcslreunde, eins «werden wir mit ihm bleiben für und für und eitrig, wie diese heilige Gemeinschaft, weil in 110 Millionen Herzen verankert, ivird der Ruhm sein, der ihr entsprießt und der Segen, den sie über die Menschheit ausbreiten wird,
W i e n , 25. Aug, Kaiser Franz Josef hat dem Major des deutschen Skutari-Tctachemciits, der sich bei den Kämpscu um Viscgrad auszeichnetc, die Eiserne Krone mit der Kriegsdeko- ration in Eichenlaub verliehen.
Gerettete vom Kreuzer „genta".
Wien, 24, Aug, lW, B,l Laut amtlicher Mitteilung aus Cetinje retteten sich von dein Kreuzer „Zenta", der am 11, August im Kampfe mit der französischen Flotte unter-, gegangen sein soll, 14 Stabsoffiziere und 170 Mannschairs- personen, darunter 50 Verwundete, ans montenegrinisches Gebiet, Alle sonst in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten über österreichisch ungarische Verluste in Lcc- gesechten in der Adria sind völlig aus der Lust gegriffen,
Gerücht über ein Vorgehen Italiens.
Rom. 25, Aug, Die „Agenzia Etefani" veröffentlicht folgende Mitteilung: Einige Schweizer Blätter, besonders die „Gazette de Lausanne" haben in den letzten Tagen Korrespondenzen verüfsentlicht, in welchen gemeldet wurde,
daß sich 800000 Soldaten in Venelien befänden und daß die Eröffnung deS Feldzuges der italienischen Armee bevorstehe, Diese Gerüchte, die zu dementieren eigentlich überflüssig ist, können durch die Bildung kleiner Lager hervorgerusen worden sein, welche in der Umgebung allerGar- nisonen nach Einberufung der bekannten Rcservistenklassen angeordnet wurde, und zwar teils, weil die Räumlichkeiten nicht aüSreichien, teils zu Ausbildungszwecken oder aus hygienischen Rücksichten, Aber diese Maßnahme erstreckt sich ans das ganze Gebiet des Königreichs, Sie wird dort sichtbarer, wo die normalen Garnisonen zahlreicher sind, wie im Po- Tale und in Venekien, sie kann aber auch leicht aus der ganzen Halbinsel und selbst in Sizilien und Sardinien sestgestellt werden. Das beweise daß diese Zeitungsnachrichten, die der von Italien in dem gegenwärtigen Konflikt angenommenen Neutralität osscnbar widersprechen, jeder Begründung entbehren.
Eine heuchlerische Rede Nikolaus' II.
Dem „Sydsvenska Dagbladel" wird aus Moskau berichtet:
Im großen Kaiserpalast im Kreml war Dienstag eine feierliche Prozession zur Uspenskh-Kathedrale veranstaltet morden. Als die Prozession mit dem Kaiserpaar im St,- Georgs-Saal ankam, wurden von den Vertretern des Adels, der Ltadtverwaltung und der Kaufmannschaft mehrere Reden an den Zaren gerichtet, Ter englische und französische Gesandte waren bei der Feierlichkeit zugegen. Unter den Anwesenden sah man ferner alle Mitglieder der Regierung mit dem Ministerpräsidenten Goremhttn an der Spitze, ferner die Mitglieder d«S ReichSratS und der Reichsdnma,
Zuerst hielt der Landmarschall folgende Rede: „Euer Majestät zweifle nicht, daß Du unverändert Dich aus Deines Volkes unbeugsame Stärke und Mut stützen darfst, Zar, das ganze Rußland hält zu Dir," Ter Bürgermeister von Moskau sagte solgcndes: „Dieser Krieg hat den Zweck, den Slawismus gegen den Pangermanismus zu rerteidigen, -! i Ta? ist ein Krieg, um den Gedanken des allgemeinen Friedens zu verwirklichen. Sei nicht verzagt, Kaiser, das ganze Volk steht aui Teincr Teile," Der Vertreter des Semstwos äußerte: „Tic Stärke des Bandes, das Zar und Volk vereinigt, hat sich in seiner heiligen Größe gezeigt, und dies ist ein sicheres Untcrviand für den Sieg," Ter Wortiührer der Kauimannschait in Moskau sagte zum Schluß solgeudc Wotte: „Die Kausleutc Moskaus glauben fest, daß Got! Dich segnen wird und Dir und Deinen Soldaten seinen allmächtigen Beistand zur Betteidigung unserer gerechten «adle schenken wird,"
Auf alle diese Ansprachen antwortete der Zar mit einer Rede, die folgenden Wortlaut hatte:
„In dem Kriegsunwetter, welche? plötzlich gegen meinen Willen i!! > über mein friedliches Volk hcrein^ebrochen ist, habe ich nach der Sitte meiner Ahnen versucht, meine Seele durch Gebete an Moskaus heiligen Plätzen in den alten Mauern des Kremls zu stärken, Ich begrüße in Euch die Einwohner von Moskau, meiner lieben alten Hauptstadt, Mein treues Volk, welches überall in den Städten, in der Reichsduma und im Reichsrat einsfimmig meinem Ausruf gefolgt ist, hat nun sich mit aller Macht c r - h ob Mt und alle Streitigkeiten vergessen, um Vaterland und den Slawismus zu verteidigen, Ergriisen von starker, gemeinsamer Liede, haben alle Nationalitäten, alle Stämme in unserem weitgestreckten Kaiserreich sich vereinigt. Ganz Rußland wird gleich mir ständig die Erinnerung an diese historischen Tage bewahren. Diese» Uebereinstimmen in Gefühlen und Gedanken mit meinem gesamten Volke haben mir neuen Trost geschenkt und mir eine ruhige Zuversicht für die Zukunft eingeslößt. Von diesem Platz, dem Herzen des russischen Landes, sende ich meine wärmsten Grüße an meine kavieren Trupvcn und unsere mutigen Verbündeten, welche mit uns gemeinsame Sache im Streite gemacht haben, um Frieden und Wahrheit zu schützen, welche man m i t Füßen getreten hat, Gott lei mit uns!"
Das Kaiserpaar begab sich darauf auf eine Terrasse und wurde von einer ungeheuren Menschenmenge begrüßt. Schließlich wurde ein Tedenm in der Kathedrale abgehalten.
Der Großfürst Nikolajcwitsch als „Befreier" der Polen.
Wien, 24, Aug, Das „Fremdenblatt" erklärt M dem von dem russischen Generalissimus Großfürsten Nikolai Ni- kolajewitsch erlassenen Aufruf an die Polen:
Die Rolle des Großfürsten, welcher als Befreier der Bolen nicht nur innerhalb der Grenzen Rußlands, sondern auch derjenigen Oesterreichs und Preußens austritt, ist die blutigste Satire äui alles, was Rußland seit ISO Zähren getan habe, und es überbietet alles, was jemals an politischer Heuchelei und Ver- drehung der Tatsachen in das Gegenteil geleistet worden ist, wenn der- Großfürst den Polen zurust, daß das russische Heer ihnen die glückliche Nachricht von der Versöhnung mit Rußland bringe, worauf sic jo lange gehofft. Woher kommt cS, daß die russische Regierung nicht schon längst im eigenen Hause mit der Beireiung angesangen hat? Erst die Proklamation der österreichisch- ungarischen und der vreußische» Armee, die den Polen die Befreiung von dem moskowitischcn Joch ankündigt, hat die großmütige» Gefühle des russischen Großfürsten geweckt, Iahrzchnte- lang waren die Polen ein Grenzvolk, wie die Ukrainer, Finnländer, Deutschrussen, Juden, Armenier und Kaukasier, Mit einem Schlage wurden sie l i e b c Brüder, die unter dem Zepter des Zaren neu ausleben werden. Der russische Oberbefehlshaber muß sich seiner Sache sehr wenig sicher suhlen, wenn er mit einer Kundgebung hervorlritt, die kein ehrlicher Russe lesen sann, ohne zu erröten. Die kühne Behauptung, daß die russischen Heere im Vorrücken seien, ist der Proklamation würdig. Die russischen Truppen sind in ihrer großen Mehrheit aui dem Rückzüge, und nach dem Zeugnis des Großsürsten ist ebenso die russische Politik im Innern aus 'dem Rückzug begriffen, mif dem Rückzug in vollster Panik,
Cholera in Rußland.
Wicn, 25, Aug, Die russische Gesandtschaft in B u k a- r e st machte, wie hierher gemeldet wird, der rumänischen Regierung die amtliche Mitteilung, daß vom 19, bis zum 23. August in Podoiien 104 Fälle von Cholera asialica vorkamen, von denen 94 tödlich verlausen sind,
Tic Haltung des verstorbenen Papstes.
Wien, 25, Aug, Tie „Reichspost" meldet <ruS Rom: Der Arzt des verstorbenen Papstes Dr, Marchiafava äußerte sich gegenüber einem Korrespondenten der „ReichS- post", daß^ der Pap st dringend gebeten worden sei, mit seiner großen Autorität gegen den Ansbrnch eines Krieges zu i n t er venieren, Der Papst erklärte davaus wörtlich: Der einzige Herrscher, bei dem ich mit Aussicht <ruf Erfolg intervenieren könnte, weil dieser Monarch stets in Treue dem heiligen Stuhl ergeben war, ist Kaiser Franz Joses, -Iber gerade bei ihm kairn ich nicht intervenieren, denn der Krieg, den Oesterreich führt, ist gerecht, nur allzu gerecht.
Aus dem Reiche.
Hanau, 25, Aug, iPriv-Tell Der Landgraf von Hessen hat in seinem Schlosse Philivvsruhc bei Hanau Räume mit 60 Betten für die Pflege verwundeter Offiziere und Mannschaften zur Verfügung gestellt.
Au» Staöt und Canfe
Gießen, 28 . August 1914 .
Fürsorge für die Familie der zum Krieg Eingezogenen.
EinigeMfteilimgen darüber sind wohl von allgemeinem Interesse,
Die Unlerstützung von Familien in den Dienst emgetretener Mannschaften ü'l durch das Reichsgesetz vom 26. Febr, 1686 lnebst Nachtrag vom 4, ?lug, 1814 geregelt. Sie ist darnach zunächst Sache das
Reichs, Dieses gewährt icder Ehefrau, die dessen bedarf, einen monatlichen Zuschuß von 9 Mark, für jedes Kind 6 Mark, Auch Ellern und Geschwister, die von den Eingezogenen unterhatten wurden, erhalten 6 Mark monatlich, Ueber diese Reichsunterstützung hal eine aus vier Stadlverordnclen bestelzende Reichskommis - s i o» unter dem Vorsitz des Oberbürgermersters zu mti'cheiüen. Rack: Beschluß des Kreises ist sie befugt, diese Unterstützung im Fall wlrklichen Bedürfnisses um ein Viertel zu erhöben. In den aller- meisten Fällen bleibt auch mit dieser Erhöhung die Unlerstützung weit hinter dem Bedürfnis zurück. Deshalb bat die Stadtverord- netenversammlung dem Oberbürgermeisler Mittel zur Veriügung gestellt, um die Unterstützung auf die erforderliche Höhe zu bringen, und für die nicht weniger ganz schweren Fälle sind aus privaten Spenden Mittel bereit gestellt. Die Prüfung, ob und urte weit stdtische Miättel bis zum Höchstmaß der Halite des Reichszuschusses) und weitere Liebesgaben zu bewilligen find, liegt dem städtischen W o h l s a h r l s a u s s ch u i: ob. Seit bald 14 Tagen halten die Reickiskommission und der Wohliahrtsausschuß fast täglich Sitzungen ab, um die eingelauienen Unlerstützungsgeiüche zu erledigen. Es sind deren bereits zwischen iüns- und sechshundert. Wer mit solchen Dingen vertraut ist, wird es zu würdigen wissen, welche Fülle von Arbeit und auch von Schwierigkeiten da? bedeutet, und wird sich nicht wundern, weim nicht alles so rasch ging, als man wünschte 6 und die Beteiligten hassten. Es ist wirklich das Menschenmöglichste geschehen, um den Leuten zu ihren Unterstützungen zu verhelfen, lind auch, um sie gerecht zu wertesten, Aber gerade das ist — darüber gibt sich der Wohlsahrtsausschuß selbst 'gar keinem Zweifel l in — bei der übergroßen Zahl von Geiucheir, d,e zu prüsen waren, bei der überaus großen Verschiedenheit der 'Lage der Einzelnen, bei der Undurchsichtigkeit vieler Verhältnisse nur in sehr unvoll- kommener Weise möglich. Wenigstens für das erste Mal, Ber weiterer Prüfung wird sich noch manches llären und manches bessern jassen, Ter Wohlfahrtsausschuß wird, imterstützt van der hingehenden Arbeit unserer Bezirksvorsteher, alles
daran setzen, um das Wort einzulösen, daß wir unseren auszichenden Kriegern
gegeben haben, daß ihre Angehörigen nicht darben sollen, Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten cr- scheint aber die Bilte berechtigt, mil dem Urteil und Beschwerden über die Tätigkeit des Ausschusses zurückzuballen. Als unberechtigt muß allerdings schon jetzt die nicht selten gehörte Meinung zurück-! gewiesen werden, als ob bereits zu viel unterstützt würde, Ts mag ja einzelne Fälle geben, in denen der zum Krieg eingczogene Mann oder Sohn schon bisher pflichtvergessen nichts zur Unterhaltung ihrer Angehörigen getan haben. Dann steht eine solche Familie, wenn sie auch nur die gesetzliche Reichsunterstützung empfängt, letz: tatsächlich besser, als früher. Aber einmal darf man solch« seltene Fälle nicht verallgemeinern — und dann: wer dari sich darüber entrüsten, da es sich dabei doch immer um recht bittere Armut handelt. In der großen U eberzahl sind die gewährten Unter st ützungen kaum oder doch grade eben hinreichend, umderbitter st cnRotzu steuern.
Da wird die private Wohltäligkcrt noch viel zu tun bekommen. Und Gaben und Spenden dafür, die in der Bürgermei st erei, Zimmer Nr, 15, entgegengenommen werde», sind ebenso nötig, wie solche an das Rote Kreuz,
Ganz besondere Schwierigkeit bietet die Lage aller derer, die disber in etwas besseren Erwerbsverhältnissen standen, z. B, vieler, die ein eigenes Geschäft betriebe» haben. Sie werden sich bitter« Einschränkungen auserlegen müssen, wenn sie durchkommen wollen, , Meistens haben solche Leute ein etwas teueres Logis, Manche er- i möglichen sich das dadurch, daß sie Mieter- oder Kostgänger in das Haus nehmen, die jetzt natürlich in den meisten Fällen auch weg sind, Soll imd darf man solche Leute nötigen, alsbald ein kleineres Logis zu nehmen, Möbel zu verkaufen? Selbst, wenn sie cs wollten, müßten sie doch die Kündigungsfrist einhalten,
Ueberbaupt: wie soll es mit der Miete gehalten werden? Unsere Hauswirte sind ebeil doch auf diese Einnahme angewiesen, und nicht wenige geraten durch starken Ausfall selbst in große Verlegenheiten, Andererseits reichen die gewährten Unterstützungen kaum zur Zahlung der Miete »eben der Bestreitung des nötigsten Lebensunterhaltes, Wie sollen die Bedürfnisse der Vermieter und der Mieter in Einklang gebracht werden? In nicht wenigen Fällen würbe es sich empfehlen, wenn die Miete direkt au» der Stadtkasse gezahlt würde. Dann müßten aber als Gegenleistung die Vermieter sich bereit finden lassen, in eine Herabsetzung der Miete zu willigen
Eine sehr wertvolle Unterstützung der Arbeit des Wohlfahrtsausschusses ist die Volksküche, Es mag sein, daß dadurch die bei manchen Leuten bestehende Neigung, auf Kosten anderer zu leben und selbst nichts zu tun, bestärkt wird Dadurch soll man sich aber die Freude an diesem schönen Werk nickt trüben lassen Es ist schon eine wirkliche große Freudle, zu sehen, mit welcher Hingabe die Frauen n, Männer, u, eine ganze Scbar wackerer Jugend Tag für Tag arbeitet, wie von unsere» BezirkSvorstehcrn das Bedürfnis geprüft ivird, wie unsere Frauen am heißen Herd die riesigen Tövse regieren, wie die Kinder schleppen, .Kartoffeln schälen usw. Und dann: so lange unsere Kriegsunterstützung
nicht,erhöht werden kann, ist die gute Kost der Volksküche unentbehrlich, ivenn den Kindern Kraft uich Gesundheit erhalten bleiben, nicht ihre bleichen Gesichter uns einst Ibet dm hoimkehren- den Vätern verklagen sollen. Eine Lust ist cs auch, jeden Mittag die Sckzaren von Kindern und familienloim Männern zu sehen, die im Garten der Ebelschen Mrilichast ihre Suvde essen. Auch Brüder von der Landstraße sind darunter. Allerdings acht es »ich! an, diesm solche Suppen auf Markm, die in den Häusern erbettelt werden, z» verabfolgen, Eriahrungsgeinäß muß die Prüfung der Bedürftigkeit in einer Hand liegen Mag auch an der Einrichtung der Volksküche iroch manches unvollkommene zu bessern sein, sie ist schon letzt ein unentbehrlickzes Glied in der Kette der Liebesarbeit unserer Stadt, und sie ist der kräftigen Unterstützung wert, die an Geld und Naturalim icderzeit gern mt« gegmgenommen wird.
Vor allem aber wird jedem» der jetzt an diesm großen Aus- gabm arbeitet, klar, daß keinerlei Einrichtung genügt, wenn sie nicht getragen und ergänzt wird von der verständnisvollen Mitarbeit aller, wmn nicht Teilnahme und Hilfe von Mensch zu zu Mensch, von Nachbar zu Nachbar das Beste tut. Wenn diese schwere Zeit nur dazu hilft, dann hat sie ihren unvergänglichen Wert für uns, ganz abzesehm von allem, nras sie sonst davon hossm. S,
Bon anderer Seite ivird uns noch geschrieben:
In unseren Tagen wird für die Angehörigen unserer in das Feld gezogenm Truppen besser gesorgt als in früheren Kriegen,
Das Reichsgesetz vom 26, Februar 1866 und 4 , August 1914 sichert den Angehörigen im Hilssbedürstigkeitsfallo Unlerstützung zu, der Ehefrau in den Sommer,nonatm 9 Mark monatlich, Kindern unter 15 Jahren und hilisbedüritigen Angehörigen im selben Haushalt 8 Mark monatlich,
lieber den Begriff der Hilfsbedürstigleil wird man natürlich verschiedener Ansicht sein. Wir denken nicht dabei an die in unserer Gegend sehr seltmcn Fälle der Arbeitsscheu, die dann als Arbeitslosigkeit ausgegeben wird, die im Gefolge die Hilfsbedürftig- keit haben,
Es ivird von dem gesunden Sinn der Bevölkerung als selbstverständlich erwartet, daß in diesen ernsten Zeitm ,eder, auch bei schwächste, tut, was in seinen Kräften steht. Es gilt der Erhaltung der Familie, es gilt der Hermbringmrg der Ernte, der sorgf'älligcn Bearbeitung des Bodens, auf daß er neue, gute Ernte bringe.


