noch der Verbindungsweg der militärischen Stützpunkte oder Verwaltungsstellen gestört, lieber die Ermordung von vier Deutschen in Monaco
durch Franzosen wird der „Voss. Ztg." ans dem italienische» Grenzvrte Bentimiglia berichtete Ms die Franzosen sich am 3. August der ftlrstl. Landesvcrwaltung be- müchliglen, aus Furcht, deutsch« Kriegsschiffe könnten den neutralen Hafen von Monaco zerstören, verleiteten sie de» .Kasinodirektor Kurz soioie drei andere Deuische namens H a u s ch i l d aus Berlin, K n a t t e aus Nürnberg und H v - brecht aus Hamburg. Der amerikanische Konsul legte sich ins Mittel. Mau versprach ihm, daß man den Direktor Kürz frcilassen werde.
Als der Konsul zwei Tage darauf sehr energisch die Erledigung der Angelegenheit forderte, wurde ihm in Nizza die Antwort zuteil, daß Kurz mit acht anderen Dcuks«l>e» in dringendem Verdacht der Spionage stehe. Drei Tage später hörte man, daß er bei einer Olegenüberstcllung mit seinen Anklägern von der in den Gerichtssaal eingedrungenen Volksmenge gepackt, auf die Straße geschleift und ermordet worden sei. Recht und Gesetz ist hier unten im Süden gegenüber Deutschen und Oesterreichern außer Kurs gesetzt. In anderen Teilen Frankreichs dürste es nicht besser, eher schlimmer sein.
Ter Fürst Albert von Monaco ist eines der ersten Opfer des Krieges geworden, und man weiß, wie der Korrespondent mitteilt, bis heute nicht, wo sich der von den Franzosen aus seinem Lande verjagte Herrscher von Monaco befindet. Der Korrespondent erzählt u. a. noch: Wie viele unschuldige Deutsche unter dem bloßen Verdacht der Spionage hier erschossen worden sind, ist unmöglich festzu- stellen. In vielen Fällen sind Deutsche aus französischem Territorium, noch ehe der Krieg erklärt worden war, mitten in der Nacht aus ihren Betten geholt worden, um nach wenigen Stunden füsiliert zu werden. Ter von einem Schuldner geäußerte Verdacht, daß der deutsche Gläubiger ein Spion sei, genügte. Zur Führung einer Untersuchung läßt man sich keine Zeit. Der Direktor Kurz wurde beschuldigt, daß ein an ihn gerichteter postlagernder Brief auf ein Komplott gegen Frankreich hingewiesen habe.
Ein Kricgsidhll auf hoher See.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Im Schein der Morgensonne steigt das Flugzeug an der deutschen Nordseeküste aus; es gilt, das neue Flugzeug zu erproben. Plötzlich tritt ein Moiordefekt ein, das Flugzeug muß auf dem Wasser landen. Glatt gelingt die Landung. aber bald stellt sich heraus, daß eine Reparatur mit Bordmitteln unmöglich ist. Der auffrischende Wind und die zunehmende See bringen das Flugzeug in eine gefährliche Lage und schließlich kentert cs. Der Führer, ein Seeoffizier, und sein Begleiter, ein Heizer, halten sich fast 43 Stunden, mehr unter als über dem Wasser. Dann nähert sich ein Fischerdampser und sofort fragt der Offizier nach englischen Schiffen. „Wat hewt man bloß mit die Engländers?" fragt der biedere Mann im Oelrock. „Mann, wissen Sie denn nicht,, daß wir schon seit über einer Woche mit England, Frankreich und Rußland im Kriege liegend' Der Manu steckt die Hände in die Taschen und schiebt den Priem auf die andere Seite. „Düwel, Düwel, denn man her mit dat Gewehr, Modell 71/84, keim ick noch." Der Mann hat tatsächlich noch nichts vom Kriege erfahren. Er nimmt die beiden Verunglückten auf und fetzt sie auf ein Torpedoboot über, das sie nach Helgoland bringt. Bon dort ist ja Gelegenheit, nach Deutschland zu kommen Aber der Wasserweg dauert den tapferen Piloten zu lange und schon am nächsten Morgen steigen sie mit einem fremden Flugzeug auf, um nach Cuxhaven zu gelangen.
Der italienische Geldmarkt.
Rom, 19. Aug. Ein königlicher Erlaß ermächtigt den Staalsminister, neue Staatsnoten zu 10 und 5 Lire bis zum Betrage von 350 Millionen auszugcben, die sämtlich durch die im Staatsschatz ruhende silberne Scheidemünze gedeckt sind. Ferner werden Scheine zu zwei und ein Lire ausgegeben, die ebenfalls durch die Höhe des Wertes der Scheidemünze gedeckt werden.
VuS Albanien.
Wien, 19. Aug. Die „Alban. Korresp." meldet aus Durazzo: Der Fürst begnadigte den seinerzeit vom Kriegsgericht in Valona zum Tode verurteilten serbischen Major Vezier Bey und seine Mitvcrschuwrcneu.
ihre Bedürfnisse und zeichnete sich durch hohen Gerechtigkeitssinn aus. So hatte ihn das vollste Vertrauen seiner Untergebenen in die Schlacht begleitet, und auch in den kritischsten Augenblicken derselben hat er es gerechtfertigt.
Prinz Ludwig zählte zu den durch den Sinn fürs Einfache begünstigten Führernaturcn — fürs Einfache, das ja im Kriege doch meist zum Ziele sührt. Er hatte kaum danach zu suchen nötig, er griii zu und griff nicht fehl. Eine gewissenhafte Prüfung seiner Entschlüsse ließ er jedoch nicht außer acht. Er war ein durchaus besonnener Führer, doch nie ein Zweifler. Und diese natürliche Begabung lieh ihm, bei aller persöntickien Bescheidenheit, doch ein Matz von Sicherheit, von Selbstvertrauen und Ruhe, das ihn auch zu entschlossenem Handeln befähigte.
Die Schlacht ist ein zuverlässiger Wertmesser der Persönlichkeit. Wenn unter dem Gefühle der Verantwortung, die sie dem höheren Führer auserlegt, keine Aenderung in dessen Wesen eintritt, wenn auch cii; scharfer Beobachter keine Verschiebung am inneren und äußeren Menschen wahrzuuehinen vermag, so spricht dies jedcusalls für die Echtheit seiner Eigenschaften und eine starke Natur. Tics aber traf im vollen Maße beim Prinzen zu. Seine unerschütterliche Ruhe bewahrte er vom Anfang bis zum Ende der Schlacht. Aufregung kannte er nicht, er befand sich durchaus in seelisck>em Gleichgewicht.
Seiner abgehärteten Gesundheit und seiner Jugcndkraft sowie seiner Ausdauer und Gewandtlreit als Reiter >»ar es zu danken, daß er auch bei den großen körperlichen Anstrengungen des Tages keine Müdigkeit empfand und seine Frische bis zum Gnbc der Schlacht belvahrte.
Was seinen Hessen bereits bekannt gewesen, in der Schlacht aber für alle erneut in die Erscheinung trat, war des Prinzen hoher persönlicher Mut, seine Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst, seine Nichtachtung seglicher Gefahr. Ein vornehmeres Beispiel konnte in dieser Hinsicht nicht gegeben werden: ein jeder erkannte, daß sich die Natur des Prinzen zeigte und nicht etwa ein Beispiel zu geben beabsichtigt war.
Auch Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl war diese Eigenschasl des Prinzen bekannt, wie aus einer Aeußerung Hervorbing, die er wenige Tage nach der Schlacht einem Offizier des Drvil'ionsstabes gegenüber tat. Aus seinen Worten und der Wärme ihres Tones klang zugleich wohltuend heraus, wie Seine Königliche Hoheit die ihm offenbar sympathische Soldatennatur des Prinzen Ludwig schätzte, sowie seine Führereigcnschasten anerkannte.
So haben in dieser Schlacht nicht nur die hessischen Truppen ihre Feldzeichen und Geschütze mit frischem Lorbeer schmücken dür- sen, auch die Geschichte des hessischen Fürstenhauses wurde um ein weiteres Ruhmesblatt bereichert.
Ter Reichskanzler über die Lage.
Christi« nia, 19. August. Hiesige Blätter berichten über eine Unterredung, die am 15. August der Reichskanzler dem Publizisten Björn Björnsvn gewährt hat. Dieser berichtet:
„Der Reichskanzler, der sehr gut aussieht, obwohl eine riesige Arbeitslast ihn seit Wochen an den Schreibtisch scssclt, sprach mit Wärme von dem mustergültigen Verhalten der neutralen Staaten und mir vornehmer Zurückhaltung von den Machen- sclxmcn der Gegner Deutschlands. Nur einmal zeigte er so etwas wie Erregung, als er von England sprach. Der Reichskanzler sagte u. a. folgendes:
Daß die nordischen Länder und Holland sich io entschieden neutral verhalten, wird in Deutschland sehr dankbar empfunden. Wir sind entschlossen, diese Neutralttät mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu stützen. Dies gilt insbesondere von unseren unmittelbaren Nachbarn .Holland und Dänemark. Ich lat fünf Jahre lang alles. um den Weltkrieg zu verhüten, sogar nach der jetzigen, allgemeinen Mobilmachung versuchten loir alles, wgs möglich war: aber vergeblich. Rußland scheute nicht vor der schweren Verantloortung zurück, den Weltbrand zu entfesseln. Ich erhielt soeben von unserem Botschafter in Konstantinopel ein Telegramm, in dem ihm mitgeteilt wird, daß an dem dortigen englischen Botschastsgebäcche ein Plakat angeschlagen sei, daß die deutsche Flotte in der Nordsee eine furchtbare Niederlage erlitten und zwanzig ilrrcr besten Schisse verloren habe. Kein wahres Wort ist an dieser^Ge- schichte. Sie sollte natürlich dazu dienen, bei den Türken Stimmung zu machen. Tie frivole Politik Rußlands trägt die direkte Schuld an dem Kriege.
Wir kämpfen beule nicht nur für uns. Besonders die skandinavischen Länder müs'en ja verstehen, daß es auch um ihre Existenz geht, wenn Rußland siegen sollte, daß also mit unserem Schicksal auch dasjenige anderer germanischer Länder von höchster Geisteskultur verknüpft ist. Das läßt uns, die wir reinen Gewissens in den Krieg ziehen, mit doppelter Entschlossenheit kämpfen. Man hat oft den Einwand gegen mich erhoben, daß ich zu viel ethische Momente in die Polittk trüge. Betrachten Sie die Haltung unseres Volkes, bedenken Sie, was es heißt, daß auch unsere Sozialdemokraten, die mir so oft in der inneren Politik Schwierigkeiten bereitet haben, jetzt Mann für Mann mit uns gehen. Es sind tiefe sittliche Kräfte, die alles vorwärts treiben. Noch eins: unsere Mobilmachung ist noch nicht ganz beendet, und schon erzielte unsere Armee beträchtliche Erfolge bei Lüttich, Mülhausen und Lagarde. Das Land ist vom Feinde gesäubert. Das Volk aber, das sich im Vollbesitz seiner moralischen Krast wie ein Mann erhoben hat, und so Bewundernswertes zu leisten vermag, das kann nicht unter die Räder kommen und kommt nicht unter die Räder."
Ein Aufruf des deutschen Wertbundcs.
Das deutsche Volk hat nicht nur gegen eine aanHe Welt in Waffen zu kämpfen, es hat sich auch einer förmlichen Sintflut von Lügen und Verleumdungen zu erwehren. Alle Zeitungen draußen sind voll von „deutschen Niederlagen" und von „belgischen, französischen, russischen und englischen Siegen", In Deutschland herrscht „Hungersnot und Revolution" und „die Bundesstaaten empören sich gegen Preußen". Unsere Soldaten sind „schlecht gekleidet, ichlecht genährt und desertieren". So belügen die englischen und französischen Agenturen die weite Welt.
Wir Deutschen lachen über solche Machenschaften und halten sie gar für Dummheiten, weil wir die Wahrheit kennen und erleben. Aber die Volker draußen sollen an deutscher Art und Kraft irre werden, sie sollen gegen Deutschland eingenommen werden lin des Wortes buchstäblicher Bedeutung) — so will es überall die feindliche Verleumdung. England beherrscht die Ueberseekabel und benützt sie mit völkerrechtswidriger Gewalttätigkeit. Frankreich liefert leichten Herzens rasch fertige Phrasen für die leichtgläubige Masse. Solche planmäßige Verleumdung soll alte Freundschaften Deutschlands stören und in böse Entfremdung verwandeln: durch solche Verleumdung soll Deutschland politisch vollends isoliert werden.
Gegen solche Gefahren ist allseitigc Aufklärung eine vaterländische Pflicht und Notivcndigkeit. Es gilt, mit allen Kräften die Wahrheit über Deutschland und unsere Erfolge draußen der Welt zur Kenntnis zu bringen und die wirklichen Tatsachen den wartenden Völkern zu vermitteln: durch Depeschen und durch Zeitungen, durch Briese und durch Broschüren. Das kann vielfach jeder einzelne Deutsche leisten, indem er Bekannten und Freunden draußen Zeitungen und Zeitschriften zusendct zur persönlichen Kenntnisnahme und zur weiteren Verwendung für die fremde Presse; auch jede geschäftliche Korrespondenz kann dazu Gelegenheit geben und soll dazu benutzt werden. Mit solcher persönlicher Tätigkeit muß und soll jetzt auch eine allseitige und planmäßige Bearbeitung Hand in Hand gehen.
Die Organisation dieser Aufgabe hat der Deutsche Werkbund übernommen. Der Deutsche Wcrkbuird hat seine große Kölner Ausstellung, die dem deutschen Gedanken in der Welt zu dienen bestimmt war, geschlossen und er stellt sich und seine Beziehungen jetzt in den Dienst der deutschen Wahrheit in der Welt. Der Deutsche Werkbund ist in der Lage, alle noch möglichen Verbindungen der Post und der Schisfahrt auszunutzen und aus sicherem Wege Nach- richten und Zeitungen ins .Ausland zu befördern.
Der Deutsche Werkbund bittet deshalb darum:
1. ihm Zeitungen in allen Svrackzeu zu senden, welche Lügennachrichten über Deutschland und die deutsche Kriegsführung eutbalten, und
2. ihm vertrauenswürdige Persönlichkeiten im Ausland zu nennen, an die zur Aufklärung wahrheitsgetreue Nachrichten und zutreffende Zeitungsberichte gesandt werden können.
Wir bitten uin schriftliche Mitteilung an die Geschäfts- stelle des Deutschen Werkbundes: Berlin, Schöneberger Ufer 36 z.
Gegen die PreiStreibcr.
Saargemünd, 18. Aug. Die großen Mühlen von Ernst Bloch, dem Präsidenten der hiesigen Fruchtbörse, sind wegen Preisüberbictung militärisch gesperrt worden. Gegen den Besitzer ist ein Strafverfahren eingeleitet,
(Boss. Ztg.)
Papst plus X. f.
In diesen ioaffenklirrcnden Tagen wird der Tod des streitbaren Oberhauptes der katholischen Kirche, der heute gemeldet wurde, weniger Aufsehen machen, als es in fried- lict-en Zeilen der Fall gewesen wäre. Pius X., der beim Ausbruch des Weltkrieges alles, was in seinen Kräften stand, daran gesetzt hotte, für den Frieden zu wirken, ist, wie aus Kummer darüber, daß es ihm nicht gelungen ist, ins Grab gegangen. Er war in Geistcsftagen, wie wir ans den letzten Jahren wissen, durchaus kein Mann stiller Duldung und Ergebenheit. Er hat das religiöse Leben unserer Zeit in die regste Bcivegung gebracht, nicht nur, indem er dem katholischen Volke neue strengere Satzungen gab, sondern indem er, oftmals herausfordernd, Kritik übte au
dem Kultus Andersgläubiger. So dürfen wir es aus« sprechen, daß er den konfessionellen Frieden nicht immer ungetrübt erhalten hat. Aber auck> die Ruhe seiner, Katholiken hat er mehrfach durch jähe Eingriffe unter» krochen. Angesehene katholische Männer und Gelehrten wurden auf harte Gewissensproben gestellt und schließlich inuß» tcn sie sich aa«ch gegen ihre innere Ueberzeugnng der päpstlichen Gewalt beugen. Die einschneidendste Wirkung hat das Auftreten Pius X. auch im tnnerpolitischen Leben Deutschlands gekerbt. Das Zentrum sah durch ihn seine Parteigrundsätzc angesochtcn, und der Kampf, den es u»r seine llebcrlicserung führte, >var noch nicht entschieden. Nun ist durch den Tod des Papstes vielleicht nicht nur ein Waffenstillstand eingetreten, sondern her Kamps um den Charakter der Zentrumspartci und die Organisation der Arbeiterbewegung wird vielleicht ganz zu Ende sein.
Pius X., vorbei Giusevve Sario, ist Papst seit dem 4. August 1903. Geboren am 2. Juni 1835 in Riese, Provinz Treviso, studierte er in den Seminaren zu Treviso und Padua: mu 18. September 1858 imrrde er zum Priester geweiht. 1875 wurde er zum bischösl. Kanzler gewählt, am 10. Nov. 1884 zunr Bischot von Mantua präkonisiert, am 12. Juni 1893 zum Kärdmal- priester kreiert und am 15. Juni zuin Patriarchen von Venedig ernannt. Nach seiner Krönung a>n 9. Aug. 1903 wurde Pius X. als vorwiegend der chriittich-pricsterlichen Seite seines Amtes sich widmende Papst begrüßt. In der päpstlichen Verwaltung hat er cnne Reihe von Reformen durchgeführt. In neuerer Zeit hat er sich besonders bemüht, jede liberale Richtung m der Theologie, besonders in der Blbelioissenickiast und Krachen geschickte zu unter- drückcn, auch lzat er sich mehrfach sckzars gegen den sog. Resvrm- kathollzismus, wie ihn besonders französische und italienische Theologen verrrateu. ausgesprochen. Am 18. Sept. 1908 feierte Pius X. sein 50jähr. Priesleiiudiläum und erließ aus diesem Anlaß ein Ausschreiben an den kath. Klerus über die Pflicht des priestrrlichen Amtes. Dem vielfach kurz nach seiner Wahl von der italienischen Presse geäußerte Wunsch, der Papst möge den alten Hader zwischen Staat und Kivchc ein Ende machen, stellte der Osservatore Romano ein offizielles Communique entgegen, worin cs heißt, daß Pins X. sich ebenso wie sein Vorgänger sub hostih dominatione betrachtet.
Rom, 20. Aug. Nach dem Krankheitsbericht über das Befinden des Papstes um 3,25 Uhr nachmittags wurde der Vorsteher des Vatikans zum Papst gerufen, um ihin die Sterbesakramente zu überreichen. Breivsan und Mönche beten im Nebenzimmer. Die Kardinale sind in den Vatikan gerufen worden, darunter Kardinal Bernsiiw Danutelln und der österreichisch-ungarische Boffchafter, der bayerische Gesandte und andere Diplomaten, die beim Vatikan beglaubigt sind. Das Leiden war Bronchitis.
Au» StaSt unS Canti
Gießen, 20. August 1914.
** Die neuesten lkriegsereigniffe interessieren jetzt unsere Oeser mehr als alles andere. Trotzdem infolge der Einberufungen unter die Zahne unser personal auf eine sehr kleine Zahl zusammengeschmolzen ist, sind wir in der Lage, den Textteil unseres Blattes in solchem Umfange erscheinen zu lassen, daß eine lückenlose Uebersicht der Ereignisse geboten werden kann. Unser Telephondienst mit dem amtlichen lvolff-Bureau ist erweitert worden, so daß wir mit der lviedergabe neuester, zuverlässiger Nachrichten allen anderen Blättern, soweit sie an demselben Tage noch in unserem Bezirke ausgegeben werden, voraus sind. Meldungen über größere Schlachten usw. werden durch Extrablätter verbreitet, die anderen in den Nachmittags- und Nbendstunden einlaufenden Nachrichten sollen von heute an abends in unserer Geschäftsstelle durch Lichtbild bekannt gegeben werdep. Ls ist klar, daß wir jetzt und in den kommenden Tagen wünsche unserer Leser und Mitarbeiter, die in gewöhnlichen Zeiten erfüllt werden konnten, öfter unberücksichtigt lassen müssen; die Einsender müssen sich bemühen, ihre Empfindlichkeit darüber zu unterdrücken. Ungezählte Nufruse und namentlich auch gutgemeinte Gedichte sind uns zugegangen; sie wandern, soweit Nüressen angegeben sind, zum großen Teil zurück. Ulles Brauch, bare verwenden wir, soweit wir Raum haben, gerne, und wir hoffen, daß unsere Zeitung, die sich aller Sensations- mache enthält, auch in dieser ernsten und schweren Zeit unseren Lesern, deren sich viele neue angcmeldet haben, ein treuer Begleiter sein wird.
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** Erlaubniszur Annahme eines fremden Ordens. Der Großherzog hat dem Ferdinand Freiherrn von Reitzcnstcin zu Dresden die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Kaiser von Japan verliehenen Verdienstordens der Ausgehenden Sonne 5. Klasse erteilt.
"Ruhestandsversetzung. Tie Großherzogin hol den Kreisgeoineter Adam Keil in Dieburg und den Lehrer an der Volksschule zu Gou-Algeshcim Karl Palzer auf ihr Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt.
** Gießener Strafkammer. Die Sitzung Freitag, den 21. August, fällt aus.
** Die Krankenversicherung während des Krieges. Infolge des Krieges ist ein großer Teil der Familienväter aus der seitherigen Beschäftigung ausgeschieden und von denc Arbeitgeber aus der Krankenkasse abgemeldet: worden. Mit dein Austritt aus der Krankenkasse verlieren auch die Angehörigen der betr. Mitglieder etwaige seitherige Ansprüche aus ärztliche Behandlung usw., wenn sie nicht u m - gehenddie W e i l e r v e r s i ch e r u n g des zu den Waffen Einberufenen bei der Krankenkasse beantragen. Wenn auch durch das Notgesetz vom 4. August 1914 alle Mehrleistungen (dazu gehört auch die ärztliche Behandlung der Familien-« angehörigen) aufgehoben ivordcn sind, so können die Kassen auch für die Folge aus Verfügung des Vcrsichcrungsamts höhere Leistungen gewähren, wenn die Leistungsfähigkeit der betr. Kasse gesichert ist. Eskanndeshalbnichtdrin- gendgenugdaraushingewiesenwerden, daß die Weitcrversicherung umgehend bei der betr. Krankenkasse beantragt wird. Die Weitcrversicherung ist aber auch für solche Personen von besonderem Wert, die infolge Arbeits- Mangel oder Betriebseinstellung ohne Arbeit sind und die Wohltaten der Krankenversicherung auch während ihrer Arbeitslosigkeit nickt entbehren können. Die gemeinnützige Rechtsberatungsstelle des Evaugel. Arbeitervereins Gießen! ist zur unentgeltlichen Beratung und Aufklärung in den Sonntags, vormittags von 11 bis 12 Uhr, Hinter der West- Anlage 11 pari., stattsindenden Sprechstunden gern bereit.
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