Ausgabe 
18.8.1914
 
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Nr. *92

Der Sitjtlg«

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerHamilienbiättcr: zweimal ivöchenlstUrei;- blattsSrdenllrekSieheii (Dienstag und Freitags: zweimal msnall. kand- wirtschaftlich« öcttsragen Fernjprech - Anschlüsse: für die Redaktion IIS, Verlag u. Expedition 61 Adresse snr Depeschen: Anzeiger Gieße«. Annahme von Anzeigen snr die Tagesnnmmer bis vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt

*64. Jahrgang

Dienstag. *8. August *9*4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck rmd Verlag der vrühl'schen Unio.-Such und Steiaörwdcrei R. Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei: SchuRtrahe 7. An^,gm!-ü: H?B«L

Bezugspreis:

monatlich76Piv»ec»ei- jährllch Alk. 2.20; durch Abhole- n. Zweigstellen inonatlich 64 Ps.i durch die Post Mk.2.viertci» jährl. ansschl. Bcslellq. Zeilenpreis: iokallöPs, auswärts 20 Psenniq. Chefredakteur: A Goetz Perantwortlich snr den polit. Teil: Ang. Goeg; füc .Feuilleton', .Ver­mischtes" und.Gerichts­saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land":

Wb geht in öer Türkei m? sich?

Es war zuletzt gemeldet worden, England habe in Ge­meinschaft mit Frankreich ein Ultimatum an die Türkei ge­richtet; gleichzeitig wurde jedoch von London aus berichtigt, es habe fklj mir um ein Ersuchen um Auskunft gehandelt. Man darf also annchmen, daß die Türkei sich in den nächsten Tagen entscheiden soll, und die heutig« Meldung, daß der türkische Minister des Innern zusarnmen mit dem Kammer­präsidenten Besuche in Sofia und Bukarest ab­statteten, scheint diese Annahme zu bestätigen. Will England dem Zarenreiche den Durchgang durch die Darda­nellen verschassen? Dann würden freilich auch die anderen Balkanstaaten an diesen Dingen interessiert sein, und für Tlumänicn sowohl wie für Bulgarien wäre die ent­scheidende Stunde gekommen. Die Türkei scheint nicht übel Lust zu haben, gegen den rustischcn Nachbar loszuschlagen, und wenn es wahr ist, daß! Rußland an der Grenze Ru­mäniens Truppen zusammengezogen hat, so wäre cs nicht unwahrscheinlich, daß der Brand auch auf den noch heißen Boden des Balkans übergeht. Uns wäre ein Ueberein- kormnen der Türkei, Rumäniens und Bulgariens natürlich nicht untmllkommen, denn dann würden die russischen Streitkräftc derart festgelegt, daß sie für deutschen Boden überhaupt keine Gefahr mehr wären.

lieber die Lage in Lüttich hat der Gencralqnartier- Meister v. Stein nunmehr den letzten Schleier gelüftet. Alle unsere Borbercitungcn hatten den erwarteten Erfolg. Nach her Einnahme von Lüttich versuchte die deutsche Regierung nochmals, mit der belgischen zu einem friedlichen Einver­nehmen zu konnnen, aber in Brüssel beharrte man bei der früheren Antwort. Schließlich hat man in Berlin wohl nichts anderes erwartet, aber im Auslände kann das lopate Bemühen Deutschlands, das nicht auf Eroberung ausging, nicht mehr verdächtigt werden.

Auch über die letzten Gefechte mit den Franzosen erhalten wir heute weiteren sehr freimütigen amtlichen Aufschluß. Da­nach war, wie wir gleich vermutet hatten, der Kamps bei Mülhausen nur einGelegenheitsgefecht", das die deutschen Truppen siegreich bestanden, wonach sie ihren strategischen Aufmarsch in der geplanten Weise vollendeten, liebereilte und tollkühne Vorstöße ohne gute Vorbereitung verfehlen ihren Zweck. Das haben nicht nur die Franzosen erfahren, müssen, sondern auch eine kleine Truppe aus der Festung Straßburg. Bei dem Bogesenpaß von Schirmeck hat diese kleine Truppe bei ihrem Vorgehen einen Mißerfolg gehabt; doch handelt es sich nur um einen ganz unbedeutenden lste- legenheitskampf, der uns einige Geschütze kostete. Die näch­sten Tage werden aber vielleicht schon Nachrichten über Lwuplentschcidungen bringen.

Fühlungnahme der Türkei.

Sofia, 17. August. sAgence Bulgare.) Ter tiirkische Minister des Innern Talaa t Bey und der Präsident der türkischen Kammer sind hier eingetrofsen und vom bulgarischen Eisenbahnminister sowie den Mitgliedern der ottomanischen Gesandtschaft empfangen worden. Beide werden morgen nach Bukarest Weiterreisen.

Konstantinopel, 17. Aug. Der Minister des In­nern und der Kammerpräsident sind nach Bukarest ab­gereist. Tie Reise wird mit der Regelung derJnselfrage n Zusammenhang gebracht.

Tie Haltung Rumäniens.

Sofia, 17. Aug. Von diplomatischer Stelle wird hier bestätigt, Rußland verlange von Rumänien reien Durchmarsch durch die Moldau, so daß Ru- nänicn sich entweder für oder gegen die Tripleentente oerdc entscheiden müssen. (Bert. Tagebl.)

Selgien beharrt bei seiner zeindseligkeit.

Berlin, 17. August. TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nach der Einnahme von Lüttich hat die putsche Regierung durch Vermittelung einer neu­ralen Macht in Brüssel m i t t e il c n lassen:

Die Festung Lüttich ist nach tapferer Gegenwehr im Sturm ciwmmen worden. Die deutsche Regierung bedauert cs am das nessle, daß es infolge der Stellungnabme der belgischen Regierung egen Deutschland zu blutigen Zusammenstößen gekommen ist. Deutschland kommt nicht als Feind nach Belgien. Nur unter dem swang der Verhältnisse hat es angesichts der militärischen Maß­ahmen Frankreichs den schweren Entschluß fassen müssen, in Bel ien einzurücken und Lüttich als Stützpunkt für seine weiteren filitärischen Operationen besetzen zu müssen. Nachdem die belgisck>e irmee in heldenmüttgem Widerstand gegen die große Ueberlegcn- eit ihre Wafsenehre auf das glänzendste gewahrt hat, bittet die »utschc Regierung Seine Majestät den König und die belgische legiernng, Belgien die loeiteren Schrecken des Krieges zu ersparen. >ie deutsche Regierung ist zu jedem Abkommen mit Bel­sen bereit, das sich irgendwie mit Rücksicht aus ihre A n s - inan der s e tz n n g mit Frankreich vereinigen läßt. Deutschland versichert nochmals feierlich, daß es nicht von der Ab- cht geleitet gewesen ist, sich belgisches Gebiet anzueigncn und ihm dies durchaus fern liegt. Deutschland ist noch immer bereit, is belgische Königreich unverzüglich zu räumen, sobald die Kricgs- ge es ihm gestattet.

Die darauf am 13. August eingegangene

Antwort Belgiens

it folgenden Wortlaut:

Der Uns von der deutschen Regierung unterbreitete Vorschlag iederholt die in dem Ultimatum vom 2. August formulierten wderungen. Getreu seinen internationalen Verpflichtungen kann elgien nur seine Antwort aus dieses Ultimawm wieder- ölen, umsomehr, als seit dem 3. Aug. die Schrecken des Krieges sein Gebiet getragen worden sind und die Garantiemächte loyal id unverzüglich seinem Hilferuf entsprochen haben.

DasGeheimnis" von Lüttich.

Ter Generalquartiermeister v. Stein veröffentlicht folgenden amtlichen Bericht:

Berlin, 17. Aug. Das Geheimnisvon Lüttich kann entschleiert werden. Uns war stiachricht zugegangen, daß vor Aus­bruch des Krieges französische Ofstziere und vielleicht auch einige Mannschaften nach Lüttich entsandt ivaren, um die belgischen Trup­pen in der Handhabung des Festnngsdienstes zu unterrichten. Bor Ausbruch der Feürdseligkeüen war dagegen nichts einzuwenden: mit Beginn des Krieges aber wurde es ein Nentralitäts- bruch durch Frankreich und Belgien. Wir mußten schnell handeln. Die mobilen Regimenter wurden an die Grenze geworfen und auf Lüttich in Marsch gesetzt. Secks Friedensbrigade nmitArtillerie und Kavallerie haben Lüttich genommen. Danach wurden sie dort mobil gemacht und erhielten als erste Verstärkung ihre eigenen Ergän- zungsmannschasten. Weitere Regimenter konnten nachgcschoben wer­den, die ihre Mobilmachung soeben beendet hatten. Unsere Gegner sprachen bei Lüttich von 120 000 Deutschen, die den Vormarsch wegen Schwierigkeiten in der Vervslegung nicht antreten konnten. Sie haben sich geirrt, die Pause hatte einen anderen Grund. Jetzt er st begann der deutsche Aufmarsch. Die Gegner wer­den sich überzeugen, daß die deutschen Armeekorps gut verpflegt und ausgerüstet den Vorniarsch antreten. Seine Majestät iwt sein Wort gehalten, an die Einnahme der Forts von Lüttich keinen; Tropfen deutschen Blutes znchr zu setzen. Der Feind kannte unsere schweren Angriffsmittel nicht, daher glaubte er sich in den Forts sicher. Doch schon die schwächsten Geschütze unserer schweren Ar­tillerie veranlaßten jedes durch sie beschossene Fort nach kürzester Frist zur Ucbergabe. Die noch erbaltcnen Teile der Befestigung retteten dadurch ihr Leben. Die Forts aber, gegen die unsere schweren Geschütze feuerten, wurden in kürzester Zeit in Trüm­merhaufen verwandelt, unter denen die ^Besatzung be­graben wurde. Jetzt werden die Forts wieder zur Verteidigung ein­gerichtet. Die Festung Lüttich soll den von unseren Gegnern ge­faßten Plänen nicht mehr dienen, sondern den deutschen Heeren ein Stützpunkt sein.

Das Gefecht bei Mülhausen.

Berlin, 17. Aug. Das Gefecht bei Mülhausen war ein Gelegenheits gefacht. Anderthalb feindliche Armeekorps waren in das Oberelsaß ein­gedrungen, während unsere dort beftndlichen Truppen noch in der Sammlung begriffen waren. Sie griffen trotzdem den Feind ohire Zaudern cm und warfen ihn auf Be l - fort zurück. Danach folgten sie ihrer Aufmarschbestim- inung. Währenddessen hat eine kleine Festungs- abteilnng ans Straßburg am 14. ds. eine Schlappe erlitten. Zwei Festungsbataillone mit Ge­schützen und Maschinengewehren aus Festnngsbeständcn waren an diesem Tage im Bogesenpaß von Schir­meck vorgegangen. Sie wurden durch feindliche Ar- tillerieseuer von Dvnon her überfallen. In der engen Paß­straße sind die Geschütze und Maschinengewehre zer­schossen und unbrauchbar gemacht, liegen ge­blieben. Jedenfalls sind sie vom Feinde er­

beutet wvrden, der später ans Schirmeck vorging. Ein unbedeutendes Kriegsereignis, das kei­nerlei Einfluß auf die Operationen hat, aber den Truppen gegen Tollkühnheit und Unvorsichtigkeit ein warnendes Bei­spiel sein wird. Die wieder gesammelten Festungstruppen haben den Festungsbereich unverfolgt erreicht. Sie haben zwar ihre Geschütze, aber nicht den Mut verloren. Ob bei diesen Vorgängen Verrat der Landcsbcwohner mitgcwirkt hat, wird noch festgestellt werden.

Aus Italien.

Rom, 17. Aug. Der König empfing' heute den öster­reichisch-ungarischen Botschafter v. Macchio zur Entgegen­nahme seines Beglaubigungsschreibens. Der italie­nische Botschafter in Berlin, Bollati, hat sich nach Flnggi begeben und konferierte dort mit di San Gi u l i a n o.

Rom, 17. Aug. Ein am 16. August veröffentlichter Erlaß bestimmt: 1. Die Banken mit Ausnahme der Emis­sionsbanken nnd die Sparkassen mit Ausnahme der Postspar- kchsen sind berechtigt, die Auszahlungen auf Einlagen, die vor dem 5. August gemacht worden sind, ans 5 Prozent bis zum 10. September und auf weitere fünf Prozent vom 1b. September bis zum 30. September zu beschränken. Diese Begrenzung erstreckt sich nicht ans die industriellen Geldbedürfnisse zur Zahlung der Arbeitslöhne nnd zur Be­schaffung der zur Slnfrechterhaltung der Betriebe benötigten Rohstoffe. 2. Wechseln mit einer Bersallzeit bis zuni 30. wird ein Zahlungsaufschub von 40 Tagen bewilligt unter der Bedingung, daß mindestens 15 Prozent abbezahlt und sechs Prozent Jahreszinsen für die Verlängerung sofort bezahlt werden. 3. Für die Durchführung der Börsenopcra- tionen »»erden Erleichterungen gewährt Die Schecks auf Kreditinstitute mit Ausnahme der Emissionsbanken unter­liegen den gleichen Bestimmungen wie die Rückzahlungen von Depositengeldern. Bankziehungen und im Umlauf be- ftndliche Schecks müssen voll bezahlt tverdcn.

* * *

Der Zar.

Petersburg, 17. Ang. (W. B.) Der Kaiser und die Kaiserin sind mit dem Großfürsten-Thrvnfolger und den kaiserlichen Töchtern gestern abend nach Moskau ab gereist.

DerBerliner Lvkalanzeiger" bemerkt zu der Zaren­

reise nach Moskau: Einer alten Sitte entsprechend be­geben sich die russischen Herrscher bei Beginn eines Krieges nach Moskau, tro sie im Kreml Wohnung nehmen und ihre Gebete an den altgeheiligten Stätten zu verrichten pflegen. Beim letzten Kriege gegen Japan »mirde aus inneren» Sicherheitsgründen von der Moskanreise Abstand genom­men, weil man fürckstete, der Zar würde ein Opfer der gerade dort sich stark bemerkbar machenden revolutionären Betoegung werden. Den Reijeweg von Petersburg nach Moskau werden auch diesmal einige Regimenter zu be- »vachen haben.

Die Petersburger Telegraphen-Agenlnr erklärt die im Auslande verbreiteten Gerüchte, daß deutsche nnd öster­reichische Reservisten nach sSibi r i e n ver b an nt wor­den seien, für unrichtig. Alle diese fremden Untertanen würden nur bis zur Beendigung des Krieges in einigen öst- iichen Grenzbezirken des europäischen Rußland ihren Wohn­sitz erhalte».

Eine deutsche Warnung an Rußland.

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der UebcrschriftDeutsche Warnung an Rußland": Durch Vermittelung einer neutralen Macht ist folgendes zur Kennt­nis der russischen Regierung gebracht worden:

Die Meldungen aus unserem östlichen Grenzgebiet berichten übereinstimmend, daß die russischen Truppen, >vo sie preußi­sches Gebiet betreten haben, gegen Ortschaften und deren wehrlose Einwohner sengend und plündernd vorgegangm sind, be­sonders schwere Ausschreitungen sind ans den Gegenden von Sckfir- windl, Lyck und soidau gemeldet worden. Teutschland erhebt vor der Oeffcntlichkcit Einspruch gegen eine solch: dem Völker­recht znwidcrlausende Art der Kriegführung. Wenn durch sie die Kanrpsesweisc einen besonders schroffen Charakter airnehmen sollte, so trifft Rußland allein dafür die Verantwortung.

Ausländische Lügcnmeldungc«.

DieNorddeutsche Mlgemcine Zeitung" schreibt unter dem Titel:Deutschfeindliche Auslandsmeldungen":

Seit dem Ausbruch des Krieges hat nnfre Presse Tag für Tag die Unwahrheiten festgenagelt, die von feineren Tricks bis zum faustdicken Schwindel im t'luslande gegen uns verbreitet werden. Wir geben nachstehend noch eine Blütenlese: Der PariserNew Pork Herald" weiß zu melden, dem amerikanischen Botschafter in Berlin wurde die Berichterstattung an seine Regierung über llnr nli eu in Berl in v erbo t cn. Die LondonerT i- mes" bemerkt: Diese Untersagung des diplomatischen Verkehrs mit Washington beweist ein »oin normalen Zustand weit ent­ferntes Benehmen Deiitschlands gegen amerikanische Bürger und den Botsci-after. Brüssel. sRentermeldung': In Berlin seien crnsllichc sozialdemokratische Unruhen ansgebrochcn.

Brüsseler Meldungen an holländische Blätter besagen: Cie deut­schen Truppen benutzrm elsössische Frauen und Kinder als Avant­garde. Pariser und Londoner Ausstreuungen in den skcmdinn- viscken nnd italienischen Blättern lauten: Abgeordneter Lieb­knecht sei erschossen worden, »veil er sich gnvergert habe, seinck Psticht als Reserveoffizier (!) zu erfüllen. Rosa Luxemburg sei erschossen »vorden, »veil sie einbcrusene Militärpslickstige zur Fahnenflucht überreden wollte; auch andere Sozialdeinokraten seien erschossen »vorden, weil sie nicht am iiricge teilnchmen wollten.

Londoner Prcßmeldungen von» 14. August verbreiten: Ber B c l s o r t »steht eine Million Franzosen, von denen TeUe die schweizerische Grenze überschritten und Basel besetzt hätten. Die russische Mobilmachung stehe vor ihrem Abschluß». Am 16. Aug. würden zwei Millionen Russen gegen Dentschland nnd Leslcr- reich-Ungarn bereit sein. In Bessarabien seien sechs österreichische Kavallericregimenlcr vernichtet »vorden. lieber 600000 Russen befänden »ich an der russisch-türkischen Kaukasus- grcnze. Ain englischen Konsulat in Konstanfiiwpel sei aintlich auSgehängt: Am 15. August habe eine große Seeschlacht in der Nordsee »stattgefunden, bei der 22 dentsck»« und vier englische Schiffe gesunken seien. CKmeral French fei in Belgien gelandet und lzabe gemeinsam mit der belgischen Armer ein deutsches EliterriterregimeM vernichtet."

ES ist dafiir gesorgt »vorden, daß alle mit Berlin in Verbindung gebliebenen Stellen des auswärtigen Dienstes über solche Lügen täglich Bericht erstatten und ihnen die für die Gegenlvehr geeigneten Weisungen fortlaufend zugehen.

Hollands Neutralität.

Amsterdam, 17. Aug.Telegraaf" behauptete ge­stern, daß die holländische Kar to ffe l ansf u h tt nach Deutschland die Neutralität verletze. Offiziell wird dieser Behauptung widersprochen, da die Untertanen eines neutralen Staates jeder kriegführenden Partei Lebensmittel zuführen dürfen.

Spanien bewahrtstrikte Neutralität".

Berlin, 16. August. Die spanische Regierung hat amtlich durch den hiesigen Botschafter Polo de Ber- nabi der deutschen Regierung mitgeteilt, daß Spanien in der gegenwärtigen Krise strikte Neutralität befolgst Der Geburtstag des Kaisers Franz Josef.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:

Kaiser Franz Joses vollendet a»n 18. August sein 84. Le­bensjahr. Schlveres Leid hat dieser Zeitabschnitt dem ehrwür­digen Herrscher gebracht. Durch ruchlose Hand wurde ihm der nächste Thronerbe und dessen Gemahlin entrissen. Unter dein Zwange der Notwendigkeit für die Sicherheit des österreichisch ungarischen Reiches gegen die fortdauernden feindlichen Anschläge von serbi­schem Boden aus Bürgschaften zu schassen, hat der greise Monarch, dessen Friedensliebe selbst die schlimmsten Schinäher nicht bestreiten können, zu den Waffen greisen müssen. Nicht nur berechtigte, son­dern notwendige Abwehr sollte den Mächten des Dreiverban­des zum Borwaird dienen, um einen Wcltbrand zu entfesseln. In all den Tagen des Leides und in den Stunden^eimslestcr Entschlie­ßungen wird es dem Kaiser nnd König Franz Joses ein erhebender Trost gewesen »'ein, seine Völker ohne Unterschied des Stammes sein Leid einmütig mitlragen und nun sie ebenso einmütig in t r e u e st e r H i n g a b e in den Krieg ziehen zu sehen und zu ivisscn, daß ihr Herrscher das Schivert zog, um das Gemeinwohl aller