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Kivcbc und Schule.

Ansprache beim bessischen Brltag,

Auf Anordnung Sr. .'igl Hoheit des Grostlierzwgs wurde ai» Sonnlag von den Knilzeln aller evangelischen Kirchen unseres Landes die folgende Ansprache verlesene

Teure evangelische tsla»ben»qenvssen! Der unserem Vater - lande in einer Zeit friedlicher Entwickelung so frevelhaft auigc zwungenc Krieg mahnt unser Volt mit unerbittlichem Ernst, seine ganze Krasl für den Schutz de» mit dem Blute unserer Väter er ivorbenen teuren Vaterlandes einzusetzen, mahnt uns Christen, dies zu tun in der demütigen Beugung unter Gottes gewaltige Hand, die auch in dieser Fügung stärker ist als Menschenhand, Nicht in fluchtiger Äuswallturg könitcn die Taten getan und die Opfer gebracht iverden, die diese ernste Stunde der Weltgeschichte vvn uns fordert, sondern nur mit der tiefsten sittlichen Kraft unseres Volles und in deni Glauben, der unseren V steril in schioersten Stunden Mut, Halt und Trost verliehen: im Glauben an den lebendigen Gott, der die Geschicke der Völker ivic des Einzelnen nicht dem blinden Spiel des Hasses und der Leidensäiaft preisgibt: im Glauben an den Heiland, der uns die Treue bis in den Tod ge halte», und an ein ewiges Reich des Friedens bei Gott, In diesem Glauben ziehen unsere Söhne gegen der Feinde gewaltigen An­sturm: in ihn> verbunden soll hinter dem Heer der Streiten­den das Heer der Beter stehen, das sich vor dem Thron des Höchsten um seine Heiligtümer schart. Zur ernsten Einkehr vor seinem Gott ruft diese Zeit unser Volk in allen seinen Ständen, oben mid unten: zur aufrichtigen Buße, zur religiösen und sittlichen Erneuerung, wo wir in der langen Friedenszeit schlaft und untüchtig geworden sind, zum Trost und zu stiller Er- gckung, wenn es uns Schiveres zu tragen auscrlegt: aber auch zur Ermutigung und Stärkung aus den ewigen Oucllcn unserer Kraft, Mögen die Kirchenglocken in der vor uns liegenden Zeit offene Ohren und Herzen finden! Mögen aber auch alle Unter­schiede der Partei und des Standes verschwinden vor der einen groben Aufgabe, bei deren Erfüllung jeder an seinem Platze mitzuwirken bat! Gesegnet sei heute mehr als je jedes Werk erbarmender Bruderliebe und opferwilliger Hilfsbereitschaft in unserer Mitte! Der Starke helsc k«m Schwachen, der Wohl­habende denen, in deren Haus mit dem W^zug des Gatten, des Sohnes Sorge und Not eingckehrt sind I Wir begrüßen aufs wärmste alle Unternehmungen zum Woblc unserer tapferen Krieger und ihrer Familien und sind gewiß, daß mit den Geistlichen die Vertreter und Glieder unserer Gemeinden an diesen Bestrebungen regen Anteil nehmen werden, Gott, der Herr, aber gehe nicht ins Gericht mit uns! Er segne und schütze unsere Männer und Jünglinge, die zu heißen, Ringen fürs Vaterland hinausziehen, und lasse sic auch dem Feinde gegenüber sich als Christen erweisen. Er behüte mit seiner Votertreue ihre zurückblckbendcn Familienglicder, Er gebe unseren! lieben deutschen Volk nach seinem heiligen Willen Ge­lingen und Sieg, nach innen aber Besinnung auf ihn und sein Won und gesegnete Früchte der Wiedergeburt aus den Tiefen un­seres Glaubens!"

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Berlin, II. Aug. In den Schulen wurden beute vor Beginn der UaterNchtS anläßlich der Krieges besondere Feiern abgchalten, bei welchen Gebete für un'er Peer und unsere Marine gesprochen und in die Gebete besonders die Lehrer eingeflochten wurden, die z» den Fahnen geeilt sind. Durchweg ernnrhnten die Schulleiter die Kinder, überall helfend cinzuarcilen, insbesondere den Müttern zur Sette zu stehe», während die Väter für das Valer- lavd kämpiten. Die Schule wird deshalb möglichft wenig Haus­arbeiten aufgeben.

Kn» Stadt «nd Cond«

Gießen. 12. August 1914.

Beförderung von Reisegepäck und Lebensmitteln.

Vom 11, Mobilnurchungstage (12, August) ab darf nach einer amtlichen BaSanntmachung Reisegepäck wieder an­genommen und mit allen Militärloürlzügen beförchert wer­den, Ferner werden vom gleichen Tage an bis auf weiteres sämtliche Militürlokalzügc zur Beförderung von Lebens­mitteln, wie Getreide, Mehl, ^>alz, Kartoffeln, Fleisch, Wursttoarcn, Brot, Eier, Butter, Käse, Gemüse, Hüssen- srüchte, Obst usw, freigegeben. Auch Vieh darf in beschränk­tem Umfange mtt diesen Zügen befördert werden. Hierüber geben die Dienststellen nähere Auskunft, Die Freigabe der Militärlokalzüge für Lebensmittel und Vieh erstreckt sich

liefen wir in München ein: glühend bramnte die Sonne nieder. Und welches Bild dort! Wer den Münchener Hauptbahnhof kennt, kann sich über dessen Veränderung keine Vorstellung machen. Nur das Militär herrschte: auch hier die diensttuenden Soldaten mit ausgestecktcm Seitengewehr, das bei der baperifchen Armee wohl dreimal so lang ist, wie bei uns und sehr respektier! ich aussieht. In und vor dem Bahnhof Menschcnmassen, die durch­einander wogten: im Bahnhof selbst vielfach abgesperrt, so daß Stauungen unvenneidlich ivaren. Zunächst versuchte ich meinen Koffer weiter zu erpedieren. Es wurde mir aber von drei Seiten bestätigt, daß Gepäck überhaupt nicht mehr befördert würde. Bor den Gepäckhallen auch wieder Mllitärposten und auf den Bahn­steigen - längs der Geleise -- türmten sich bereits die Koffer in allen Größen und Farben, Die Flucht aus Oesterreich, Ober­bayern usw, war eben eine allgemeine und plötzlich. Man mußre froh sein, wenn man selbst noch besördert wurde! Zunächst hatte ich aber ein paar Stunden Zeit, die ich im Warlesaal zum Mittag eisen benutzen wollte: dort herrschte aber ein solches Gewühl von Menschen und eine Lust zrmi Ersticken, daß ich in ein nahes Restau­rant eilen mutzte, Hier fand ich noch ein Plätzchen und erfuhr von zwei bayerischen Offizieren, daß man am Morgen dieses Tages in München drei serbische und acht russische Spione erschossen habe. Während wir noch davon sprachen, wurden schon wieder zwei Leute vermutlich auch Spione ergriffen und zunächst mal verhauen: gleichzeitig rannte ein mit vier Offizieren be­setztes Auto in einen Wagen hineiln und konnte nicht mehr vorwärts nach rückwärts: ich konnte dies alles von meinem Platze aus sehr gut beobachten.

Da auch mein Schnellzug nach Frankfurt der allerletzte war, der für das Publikum abgelassen wurde, rechnete ich mit einem enormen Andrang und stellle mich genau hundert Minuten vor Abgang an der Sperre aus. Das war nicht angenehyi, aber wert­voll, denn hinter mir wuchs die Menge von Minute zu Minute und drückte mich und andere bereits an das eiserne Gitter: dazu die Hitze! Aber schon eine halbe Stunde vor Abgang wurde der Zug in die Halle gestoßen und sogleich die Sperre geöffnet. Rück­sichtslos wurde gestürmt, aber ich bekam, weil ich vorne war, einen guten Platz iür die weite Strecke, Auf die Minute wurde abgesabren leider ohne Gepäck! Ob ich meinen Kosser überhaupt je wiedcrsehe? In vorzüglicher ichneller Fahrt, aber mit über­füllten Abteilen ging es bis Würzburg,

Ueberall, wo wrr dielten, wurden wir begeistert empfangen, auch an allen durchfahrenen Stationen rief mau uns zu und schwenkte Tücher oder kleine Fahnen: Zivilpvsten bewachten die Strecke mit einer Binde um den Arm: aber zu essen oder zu trinken gab es nichts und ein Spciiewagen lies nicht mit. Auch die Tätigkeit des Roten Kreuzes, den durchfahrenden Militär­zügen Erfrischungen anlzubieten, hatte noch nicht eingesetzt In Würzburg wurde sehr lange gehalten, dann wurden wir aus erg totes Geleise geschoben und schließlich lagen wir voll« zwei Stun­den fest, weil Militärzüge vorgelassen werden mutzten.

Mit etwa 2'."'. Stunden Verspätung kamen wir in Frankfurt an. Noch hätte ich gerade den wohl allen Gietzenern bekannten letzten Zug ab Frankfurt 11,13 erreichen können, aber der siel bereits aus und ich konnte erst anderen Tags affo am dritten Mobilmachungstage (4, Aug.) um 1,14 hierher abfahven mit einem Zuge, der kriegsiahrplanmäßrg dreieinhalb Stunden braucht.

Auch in Frankfurt ein ähnliches Bild wie in München doch hier wie dort eine heilige Begeisterung und eine vei> bffsenr Wut über unsere drei Feind«, die wie Raubttere aus ihrem Bersteck über uns hcrgesallen sind.

zunächst nur auf Transporte innerhalb des Eiseudahndirek- lionsbezirks Frankfurt a M, Ob und inwieweit demnächst auch Lebensmittel- und Biehfeudungen nach Bahnhöfen an­derer Bezirke angenornmen iverden, wird rechtzeitig bekannt gemacht, E i n A n s p r u ch a n f B e f ö r d e r u n g b e st e h t jedochnicht;sieerfolgtauchnurinsoweit.als die Züge nicht durch militärische Transporte bereits voll belastet sind. In Gießen hat die Änslieferung des Gutes bei der Eilgntabfertignng zu er- solgen. Me Beförderung geschieht ans weißem Frachtbrief zu den Frachtgutsätzen,

Tr inker-Fürsorgestellesür Stadt und Landkreir Gießen, Gießen 'Asterweg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag adend 6 bi$

7 V, Uhr.

** Aufbewahrung und Verwaltung von Wert­papieren, Das ftontor der R ei ch s ha u p t b a n k für Wert­papiere in Berlin SW, 11-, vausvogiciplatz 14, nimmt nach wie vor und zu den bisherigen Bedingungen Wertpapiere jeder Art zur Aufbewahrung und Verwaltung entgegen,

" G e » o s I e » j ck> a s I i > ch c Fürsorge, Die G i e b e n e r Zigarre»-Ge»osse»schastssabrik deschloß, iiir die Sin- gehörigen ihrer zu den statinen gerufenen Arbeiler wöchentlich je 10 iHf. zu bewilligen. Von deujeuigeu Arbeiler», die iniolge des Krieges ivege» Einschränkung des Betriebes auSIetzen müssen, er­halten die männliche» 10 Mk,, die iveiblichen 8 Air. pro Woche anSgezahlt. Diese? Beiiviei von Fürsorge seitens einer lediglich aus Arbeilcru bestehenden Genosteuichait verdient alle Anerkennung.

** Vereins-Spende, Ter Bauer'sche Gesang­verein bewilligte als Unterstützung seiner zur Fahne einberu- »enen Mitglieder beztv, deren Angehörigen vorläuffg 300 Mk, Außerdem wurden dem Roten Kreuz 200 Mk, überwiesen,

** Für da s Rote Kreuz, Das To »wert H lit­te nb erg stellte dem Roten Kreuz 36 komplette Bettstellen und Herr P, W. Wilson außerdem 36 fast neue Betten zur Berfstgung,

** E i n g e! ch in o l z e n e russische Orden. Die >nehr- sache Anwesenheit des Zaren i» Deutschland, und besonders t» Darmftadt, brachte fast regelmäßig einen ziemlich starken Ordens- regen des Zaren an Verivaltungs-, Polizei- und Hoibeawte die teilweise eine» nicht ui,bedeutenden Wert haben. Ein dortiger Polizeil>«ainler, der wiederholt Gelegenheit halte, mit den, Zaren persönlich zu verkehren, hat nun seine drei Orden, darunter eine goldene Denkuiüuze, einschmeize» lassen und den Erlös von 40 Mk. dem Roten Kreuz gestiftet.

Lauvkreis Gießen.

-i- Ettingshausen, 10. Aug. In der Piarrei Ettinqs- Hauseii-Hattenrod, die jetzt »och etwa 850 Seelen zählt, gingen in der Kollekte am Beitag 700 Mk. ein, so daß dir jetzt 775 Mk, abgesandt werden konnten,

Kreis Lauterback,

X Schlitz, 10. Aug. Wie 1870/71, so wird auch diesmal hier, und zwar in der Vorderburg, ein Lazarett mtt 40 Belten eingerichiei. Die Opierwilligkeit des Schlitzerlandes bei den stamm- luiigeu iiir das Rote Kreuz ist außerordentlich groß. So brachte die bienge Bürgerschaft über 1 7 00 Mark zusamnwn. Ti« Dörfer Ober- und Unter-Wegfurth und Nnterichwarz, die zusammen etwa 320 Etiiwohner zählen, und zwar durchweg Leute in kleinen Verbältniffe», ivendeten 377 Mk Uetzhanlen init 170 Einwohnern brachie 190 Mk. auf, Hartershausen mit 270 Einwohnern 300 Mk., Hemme» mit 170 Einwohnern 171 Mk. Die gleiche Opi-rwillig- keit, wie sie hierzulande noch »ie erlebt wurde, tri» in allen Ge­meinden des Schlitzerlandes zutage.

Kreis Friedberg, h, Ober-Mörlen, 11, Au^, Von einem Däühleu- suh-rwerk wurde' das zweijährige Kind des hiesigen Ein­wohners Buchenau überfahren und. auf der Stelle getötet.

Hefsrn-Naffan,

(h) Frankfurt a. M,, 11,Aug, Die hier roohnenden und zurzeit hier weilenden Amerikaner Hiekien heute imFrank­furter Hof" eine stark besuchte Versammlung ab, iu der die Bildung eines Vereins beschloffcn wurde, der sich mtt allen Kräften der notleidenden deutschen Kriegcrffrauen und -Kinder widmen will. Eine Sammlung für die deutschen Familien, deren Ernährer im Felde stehen, ergab eine bedeutende K-umme,

Gicßener Strafkammer.

Gießen, den.11, August 1914.

Freigesprochen wurde das Dienstmädchen Katharine Sp. aus Frankfurt a, M, von der Anklage der intellektuellen Urkundenfälschung, Dieselbe war seinerzeit in schwangerem Zustande hierher in die llniverfilätsiraucukliuik gekommen und bat hier angegeben, sie heiße Therese Seil, Als sie dann ein Kind bekam, wurde auch dieser Namen in das Standesamtsrcgistrr eingettagen. Die Angeklagte gibt an, sie habe die falschen Personalien nur angegeben, weil 'sie Angst gehabt habe, es würde in ihre Heimatgememdc berichtet, daß sie außerehelich geboren babc, davon, daß diese Namcnsangabe auch für den Einttaq ins Standesaintsregisler maßgebend sei, habe sie nichts gewußt, sei auch darauf nicht aufmerksam gemacht worden, Der Nachweis, daß die Angeklagte wußte, daß ihre Persoiialangabe für den Slandesamtseinttag ,rrmck>legend sei, konnte heute nicht geführt werden.

Ein Jahr zwei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust erhielt der Dienstmann Christ, N, aus Gießen wegen Verbrechens gegen 3159 StGB, Derselbe hotte seinerzeit nach Verhandlung einer Beleidigungsklage gegen seine Ehefrau vor diesigem Schössengericht iu der Landgrasenstraße wic- dcrhvtt lau! ,,Psui" gerufen und hatte deshalb einen Strafbefehl über 6Mk, erhalten, gegen den er Einspruch erhob und die Sache zur Hauptverhandlung brachte. Um nun ein,freisprechendes Utteil zu erzielen, hat er versucht, drei Personen zu einem Meineid zu verleiten und hat sich mm wegen der Geringfügigkeit, einem Wert von sechs Mark, eine derartige Strafe zugezvgen. Ausgesetzt

wurde die Sache gegen den Schreiner Karl M aus Brette» wegen Betrugs im strafrechtlichen Rückfall, da eventuell Begnadigung und Niederschlagung der Sache in Betracht kommen könne.

Letzte JTaoimcfttcn.

Blockade der montenegrinischen Küste.

Wien, 12, Aug, Gestern mittag wurde über die mon­tenegrinische Küste die efsektive Blockade verhängt. Den Schiffen der befreundeten und neutralen Mächte wurde eine 24stündige Auslausfrist gewährt. Den ausländischen diplo­matischen Vertretungen wurde die Blockade notifiziert.

Die Zuversicht in Oesterreich.

Wien, 12, August, Die Blätter heben neuerdings die hohe Bedeutung des deutschen Sieges bei Mülhausen hervor, wodurch der Lieblingsgedanke des französischen Gencralstabes, sofort bei Krstgs- beginn zur Erhebung des Geistes der französischen Armee diese in elsässisches Gebiet einbrechen zu lassen, gescheitert wäre. Die Blätter erklären, jeder Tag verstärke die Erwartung, daß durch die deutsche Offensive »asche Entscheidung herbcigeführt würde.

Gefangene Rüssen.

Wien, 12, August. Nach Blättermeldungen ttasen gestern vormittag _ auf dem Nordbahnhofe imter starker Bedeckung etwa 8 0 Russen, teils Deserteure, teils Wehrpflichtige ein, die bei dem Versuch, über die Grenze zu gelangen, ststgenonrmen wurden.

Ein Stimmungsbild aus Rußland.

Wien, 12, Aug, Die Blätter veröffentlichen den Be­richt eines Czernowitzer Mittelschulprofessors, der noch aben­teuerlicher Fahrt aus Odessa hier eingetrofsen ist und bis

zum 6, August in Odessa sich ausgehalten halte, In Odessa, wo die Stimmung keineswegs für dem K r i e g w a r, wurde von halbwückisigeu Burschen unter Füh­rung der Polizei eine Kundgebung sür den Krieg veranstaltet. Die Nachricht von dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen nahm die Intelligenz mit Bedauern auf, weil Deutschland mit Oesterreich-Ungarn die Polen befreiten, die übrigen Russen aber unter der Knute des Zaren ließen. Die russischen Zeitungen liefern Berichte über Heldentaten der Kosaken, Die Don- und Uralkosaken sollen die Ndobrl- machung sehr kühl ausgenommen haben, angeblich sollen auch Meutereien vorgekommen sein. Der Plan der russi­schen Regierung, die Kosaken als Avantgarde zum Einsall in Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu verwenden, scheint gescheitert.

Dir Siegesnachricht von Luneville.

Berlin, 12, Aug, Der Kaiser empfing gestern abend 7 3 /* Uhr bmt Botschafter Fürsten Lichnowski und den bisherigen deut­schen Gesandten in Brüssel v, Below-Saleski, Als im Schlosse die Nachrich- von dem Siege in Lothringen eingetroffen war, befahl der Kaiser, die Nachricht soiort in der Umgebung des Schlosses durch Schutzleute dem Publikum bekannt- zugcben, was auch gcschab Die Nachricht wurde fteudig be­grüßt und mtt Hurrarufen ausgenommen, _

Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug, Goctz.

Amtlicher Teil.

Betr,: Me Roie-Kreuz-Tätigkeit,

An die Grotzh. Bürgenneifterne« der Landgemeinden des Kreises.

Wie uns mitgeteilt iporbrn ist, meloen sich iottwährend Frauen und Mädchen aus den Landgemeinden bei der hiesigen Zweigstelle des Roten Kreuzes an, um sich hier im Interesse des Roten Kreuzes zu betätige». Gleichzeitig erfuhren wir, daß der Bedarf des hiesigen Roten Kreuzes schon mehr wie gedeckt ist. Wir empfehlen Ihnen deshall', die in Ihre'. Gemeinde wobnenden Frauen und Mädchen, die sich für die gute* Sache bereits hier in Gießen gemeldet haben oder noch zu melden beabsichtigen und die Ihnen jedenfalls nicht wibekannt sind, in ihrem eigenen Interesse daraus hinzu- weisen, daß vorderhand eine Einberwung derjenigen, die sich ge­meldet haben, nach dem Vorgesagten wohl kaum zu erwarten ist, daß aber ihre Menste sür das Rote Kreuz demnächst nicht nur in Ansprmh genommen, sondern auch undedingt notwendig sein wer­den, Es werden sich also in Kürze atle Frauen und Mädchen, die vom Lande sind, auf dein Lande fürs Vaterland betätigen können. Weiteres wird von dem zurzeit in Bildung begriffenen Kreiskomttee durch Vermittlung der Ortsausschüsse bekannt gegeben,

Gießen, den 11, August 1914,

Grvßherzogliches Kreisamt Gießen,

_ Pr. H 1 i n <s c r. _

Betr,: Wirtsckwffliche Maßnahmen im Kriegsfälle: hier: Ernte und Feldbestellung,

An d« Grvßh. Bürgermeistereien vcr Landgemeinden des Kreises,

Ein großer Teil des jetzt in der Ernte be'indtichen Ge'reides wird wegen der Erschwerung des Tran:Portes nicht in die Groß- müblcn gebracht werden tonnen.

Es ist deshalb anzustreden, daß da« Getreide möglichst am Ort seiner Gewinnung oder doch in dessen, Umgebung gemahlen wird. Es sind nun auf dem Lande noch zabtreiche Kieinmühlen vorhan­den, die erst m den letzten Jahren stfflgelegt wurden.

Sollte dies auch in Ihrer Gemarkung zutrcssen, so weisen wir Sie an, alsbald die Wiederherstellung dieser Mirhlen zum Betrieb zu veranlassen, soweit noch brauchbare Bctriebseinrichtungen vor­handen sind oder rechtzeitig herqestrllt werden können,

Gießen, den 11, August 1914,

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I)r, ll s i ii g e r,

Bekanntmachung.

Bet r.: Schutz der Obstbaumpstanzunqen an den Kreisstraßen,

An die Größt,. Bürgermri,lernen der Landgemeinden

des Kreises,

Wft weisen Sie hiermit an, in Ihrer Gemeinde in ortsüblicher Weise bekannt zu geben, daß dao uno- sugte Abernten und Herab­schlagen von Obst an den deni Kreist geyörigen Obstboumvffan- zungen an den Kreisstraßen straidar ist, Tie Sicherung der bevor­stehenden Obsternte ist in der über »nstr Vaterland hereingebroche­nen schweren Zeit von der allergrößten Bedeutung, Wir lind über­zeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um den Obftsrevel ganz zu unterbinden.

Die Aufsichtsorgane sind angewieien, gegen Obstfrevler mtt der grüßten Strenge emzuschreiten und es wird :edermann gebeten, unsere Benrühungen nach Kräften zu unterstützen,

Gießen, den 11, August 1914

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Ör, U sing er,

Bckanntmaehunq.

Betr,: Wirischastliche Maßnahmen im Kriegsfall: hier Ernte und Feldbestellung,

Zum Ersatz der Arbeitspserde, die durch die Aushebung der Landwirtschaft entzogen worden sind, wird sowohl für die Ernte als auch für die Neubestellung der F'lder die Verwendung von Rirchviehgesponnen in ausgedehntem Maße erforderlich.

Me Veräußerung noch vorhandener Pferde sowie von Rind­vieh, das zum Zug verwendet werden kann, muß daher mrter allen Umständen vermieden werden, ?luch sind die Landwirte darauf hinzuweisen, daß die Gewöhnung von Jungvieh in erforderlicher Zahl an den Zug alsbald begonnen werden müsse.

Die Groß h, Bürgermei st ereien werden hiermit an­gewiesen, auf die Durchführung dieser Maßnahmen hinzu- wirken.

Gießen, de» 11, Auaickt 1914,

Grvßherzoglstyes Kreisamt Gießen,

Dr. Usinger,

Bekanntmachung.

Betr,: Sonntagsruhe im Gewerbebetrieb,

Me Beschränkungen im Gewerbebetrieb an Sonntagen ge­mäß der 105», 105b, 105ci der Gewerbeordnung sind bis auk weiteres ansgehoben.

Gießen, den 11, August 1911.

Grvßherzogllches Polizeiamt Gießen.

Hcmmerde,

Bekanntmachung.

Betr,: Sonntagsruhe im Handelsgewerbe,

Me Beschrärckungen im Handelsgewerbe an Sonntagen gemäß 8 105b Abs, 2 der Gewerbeordnung sind bis auf weüerrs aufgehoben,

Gießen, den 11, August 1914,

Großherzogliches Pvlizeimitt Gießen,

Hemmerde, ___

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung Treis an der Lumda,

In der Zeit vom 14, bis einschließlich 27, August 1914 liegt aus Großh, Bürgermeisterei Treis an der Lumda

das Drainagcprojckt für Flur 16 mrd 17 nckst Beschluß der Vollzugskommission vom 25, Juli 1914 zur Einsicht der BeteLigten ofsen,

Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschlusses während der obengenannten Offenlegungsirist bei Grotzh Bürger­meisterei Treis an der Lumda schttftlich und mit Gründen Vä­schen einzureichen.

Friedberg, den 26. J»ti 1914.

Der Gvotzherzogliche FeldbernnigirngstonMissär: ' Schur tchspah n, KreiÄ utttuuum »