Ausgabe 
1.8.1914
 
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sAxn Br,tsrhaft können Schutzleute nur mit Mühe die ÄT^chernnaisen atm&fzax..

Berlin, L Äug. Als die Kaiserin mit den Prinzen AdalVert. und Joachim von der Trauungsfeier im Beelevur nach dem Schloß zurückkehrre, wurde sie, ebenso wie das dgxausßolgeude kronprinzliche Pcmr, auf dem ganzen Wege mit Ovationen überschüttet. Die Kaiserin und die Kron­prinzessin dankten der Menge tiefbewegt auf das freund­lichste. Der Kaiser, welcher noch vor dem Generalstabs- gebande vorfuhr, traf erst nach 8 Uhr im Schlöffe ein. Das Publikum umdrängte ihn im Automobil und begrüßte ihn mit Donnerndem Hurra unter Tücher- und .Hüte- schwenken. Der Kaiser grüßte andauernd. Die Kundgebungen in der Umgebung des Schlosses dauern fort. Das Publikum hält s^hr gute Ordung inne. Prinz Heinrich hat sich noch Kiel begeben.

Hochzeit de» Prinzen Oskar.

Berlin, 31. Juli. Heute abend um 7 Uhr wurde im Kgl. «rchloß Bellevue mir Genehmigung Ihrer Mazeslären die Vermählung des Prin^n Oskar von Preußen mit der Gräfin Jmr Maria von Bm'sewitz stqndesamtlich durch den Minister des Königlichen Hauses Graf Eulenburg vollzogen und dxcrauf die kirchliche Einsegnung durch den General- superiutendenten Händler vorgenommen. Ter Feier wohn­ten die Königliche Familie und die nächsten Angehörigen der Braut bei, welche nunmehr den allerhöchst verliehenen Titel einer Gräfin von Ruppm führen wird.

Ovationen vor dem Kronprinzen.

Berlin, 31.Juli. Zwischen der fünften und sechsten Rachmsttaqsstund« versammelte sich, ebenso wie vor dem Kö­niglichen Schloß, eine nach Tausenden zählende Menschen­menge vor dem Palais des Kronprinzen. Immer wieder brachen die Tausende in brausende Hochrufe aus und stimm­ten vaterländische Lieder an. Kurz vor 6 Uhr erschienen der Kronprinz und die Kronprinzessin auf dem Balkon des PalaiS, von ungeheurem Jubel der Volksmenge begrüßt. Ter Kronprinz, der die Litewka trug, grüßte dankend und auch seine hohe Gemahlin winkte grüßend herab. Nachdem das kronprinzliche Paar sich wieder zurückgezogen batte, verharr­ten die Tausende vor dem Palais, die begeisterten Kund­gebungen unaufhörlich wiederholend.

Maßnahmen de« Bundcsrats.

Berlin, 31. Juli. Ter Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Erlaß von drei kaiserlichen Berord- nungen zugestimmt, betr. das Verbot der Ausfuhr von Verpflegungs-, Streu- und Futtermitteln, ferner von Tie­ren und tierischen Erzeugnissen sowie Kraftsahrzengen (Mo­torwagen, Motorrädern mid Teilen davon), Mineralölen, Steinkohlentcer und allen aus diesen hergestellten Lclen. Zu den beiden erstgenannten Verordnungen erließ der Stell­vertreter des Reichskanzlers eine heute im Reichsanzeiger erscheinend« Bekanntmachung, wonach unter das Verbot der Ausfuhr von Verpflegungs-, Streu- und Futtermitteln fallen: Roggen. Wenzen, Spelz, Gerste, Hafer, Buchweizen, Mais, Malz, Reis, Hülsenfrüchte, Müslereierzeugnisse aus Getreide, Reis, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, frisches Gemüse, Zwiebeln, Sellerie, Gemüsekonserven, Pflanzenfette, Heu, Stroh und sonstige Futtermittel aller Art, ferner Streu; unter das Verbot der Ausfuhr von Tieren und tierischen Er­zeugnissen fallen: Lebende Tiere und zwar Pferde, Maul­tiere, Esel, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Federvieh, Fleisch, Fleischwaren, Fettwaren aller Art, Milch, Rahm, Butter, Käse, Margarine, Eier, Fische, le- bcicke und nicht lebende, frische, gesalzene und gctrockiecte, sowie geräucherte Fleisch- und Fischkonserven >eder Art, Fleischertrakt. Die Verordnungen treten sofort in Kraft. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Ausnahmen zu gestatten und die erforderlichen Sicherungsmaßregcln zu treffen.

Berufung de» Reichstags.

Berlin, 81. Juli. Für den Fall eines Kriegsausbruch-; ist die Berufung des Reichstags auf Dienstag, den 4. August 1014 in Aussicht genommen Die Erössmrng wird im Weißen Saale des königlichen Schlosses in Berlin um l Uhr nach­mittags erfolgeil. Die kaiserliche Verordnung wegen der Be- rufnng steht ,uxf> aus.

Beschränkter Nachrichtendienst.

Berlin, 31. Juli Bekanntmachung betr das Verbot der Veröffentlichungen über Truppen- und Zchiffsbe- wegungen und Verteidigungsmitlel vom 31. Juli 1914:

Aus Grund des 810 des Gesetzes gegen den Verrat mili- tärisäier Geheimnisse vom 3. Jrcni 1914 Rei<i>sgeseyblatt Seite 195) verbiete ich bi» auf weiteres die Veröffentlichung von Nachrichten über Truppen- wird Schisssbcwegungen oder über Verleidigunqsn»ttcl. eS sei denn, daß die Veröffent­lichung der Nachricht durch die zuständige Militärbehörde ausdrücklich genehmigt ist. Zuständig für'die Genehmigung sind die Generalkominandos. die stellvertretenden General- lommaichvs. die Marrnestcitionskommandos, das Gouverne­ment Berlin für die in ihrem Bezirk erscheinenden Druck­schriften. Zu RachrictNen, deren Veröffentlichung verboten ist, gleichviel ob sie sich aus Deutschland oder einen frem­den Staat bezieheir. sind besonders zu rechnen: Aufstellung von Truppen als Grenz-. Küsten- rrnd Jnselschup, Ucber- nxrchung der Haseneinsalrrten und Flußmündungen. Maß- nahvien zum Sctiutz der Eisenbahnen und zum Schutze des Kcasar-Wiltielm-Kanchlr, Aufstellung der dcezn bestimmten Truppe», Angaben über den cRrng der Mobilmachung, die Einberufung der Reserven und der Landwehr und das Klar- machrn (AuSrüslung! von Schiffen, Ausstellung neuer For- inationen und ihre Bezeichnung, das Eintreffen von Kom- manboS in den Grenzgebieten zur Vorbereitung der Ein- auartierung, der Bau von Rampen auf den Balmböfen im Grenzgebiete durch Eifcnbalmtruvven und Zioclarbeiter, die Einrichtung von Magazinen in deri Grenzgebieten und die Atlfkäufe von Vorräten durch die Militär- und Marinever- fvaltung, der Abtransport von Truppen und Torpedos aus den Garnisonen und die Richtung ihrer Eifenbahnfahrt. die Durchfahrt oder der Durchmarsch von Truppen anderer Elarnisonen unt-die Richtung ihrer Fahrt oder ihres Mar- fches, das Eintmssen von Truppenabteilungen ans dem In­land« an der Grenze und die Anerben ihrer Auslade- svationen und Onartiere, die Stärke und die Bezeichnung der in den Grenzgebieten cmfmarschierenden Truppen, der Angabe der Grenzgebiete, in denen sich keine Truppen be- fiiwen oder aus denen Truppen weggezoqe» werden, die '.'kamen der höheren Führer und idre Verwendung und etwaiger Kommandowechsel, die Angaben über Abtransport uw» Eintreffen höherer KömmandiKiedorden und der großen tzarivtgrcartiere, Störungen der ErjenbohntranspoNe durch Unglücks fälle und Unbrauchbarwerden von Eiienbatmen und Brücken, Arbeiten an Festungen und Küsten sonne Feldbe sesügungen, Bereitstellen von Wagenparks und Ardeirern für Zwecke des Heeres oder der i'Wtne. In- und Außer- dtenjrstellung von Kriegsschifje^ .Aüfcnihali rzud Bewegun­

gen von Kriegsschiffen, Jertiasrellung und Ausleaen von Sperren und Ausrüstung von Schäden mit Minen, Berände rung von Seezeichen und Löschen der Leuchtfeuer, Beschädi­gung von Schiffen und ihre Ausbefferung, Besetzung der Nachrichtenstellen, Bereitstellung, Herruhtung und Beschlagnahme von Schiffen der Kaufsabrteimarine für Zwecke der Marine, Aenderungen ihrer Orders, Bereitstel­lung von Docks, Veröffentlichung von Briefen der Ange­hörigen des Heeres und der Marine ohne Einverständnis mit den in der Heimat verbliebenen Militärbehörden. Vorsätzliche Zuwiderhandlung gegen das Verbot wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bis zu 5000 Mark bestraft. Unterschrift: Berlin, 31. Juli 1914. Ter Reichskanzler.

Teiegrammverspärnngen.

Berlin, 31. Juli. Rach Aushangtareln au dem Haupt­telegraphenamt, den Telegraphcnämtern und der Börse er­leiden voraussichtlich Telegramme Verzögerungen: Bon ein bis zwei Stunden nach Frankfurt am Main, Hamburg und Seraßburg; über zwei «runden nach BreSlau, Dourzig, Emden, England, Hannover, Italien, Posen, der Schweiz. Köln, Eoblenz, Erkürt, Insterburg, Freiburg, Heringsdorr, München, Stralsund und Stuttgart.

Beschränkungen de» Poftverkehr» i« Fulande.

Infolge Erklärung 7>cs Kriegszustände» werden von letzt ab bis auf weüeres verschlossene Privatsen- dungen (verschlossene Briese und Pakete) zur Postbrsörderung nicht mehr angenommen

1. nach Elsatz-Lotbringen.

2. nach den zum Regierungsbezirk Trier gehörigen Kreise» St. Wendel, Otcrveiler. Saarbrücken (Crivt:,

Saarbrücken (Land-, Saarlouis, Merzig und Saarburg Bz. Trier),

3. nad) Orten im Fürstentum Birkenfeld.

4 gach den zum Desebl-berriche der Festungen Slraßburg Elsaß» und Reubreisach gehörigen badischen Post« orten, das sind

a) im Bereich der Festung Stcaßburg die Orte: Alien- Heim, Appenweier, Aucnheim -Amc Kehl). Bobersweier, Tiersbcim. Dundenheim, Ichenheim, Kehl, Kork, Legels- burst, Leutesheim, Liättenau Baden , Linz, Bkarlen, Mer- ßenbeun Baden. Mrmvrechkshvse» -Amt Kehl), Reusrei- steit Amt Kehl-, Rbeinbiichossheim, Scherzheim (Amt 8rU), Schuiterivald, Sund heim -Badens, Urlotsen, Wags­hurst. Willstätt -Amt Kehl). Windschläg;

b) im Bercich der Festung Reu drei lach die Orte: Ach- karren, Bceiiach, Burkhcim. Gottenheim, Jechnngen. Ih> ringen, Königschaffbauien -Kaiserstuhl-, Krozingen, Men­ge» cBaden , Merdingen -Baden), Munzingen, Oberbergen iKaiserituhl , Obrriiiwmgen, Oberrotweil, Lpingen, Sas- bach (Kaiserstuhl», SchaNstadt.

5. nach der Rheinpfalz.

Die durch die Briefkasten ausgclieserten sowie die bei Ver- össenllichung dieser Bekanntmachung bereits in der Beförderung begriffenen veffchlossenen privaten Briesiendimgen und Privat- vakele nach den vorbezcichneien GcbietSicüe» und Orten werden den Absendern uirückgegeben oder, wenn diese nicht bekannt sind, nach den Boffchriflen für unbestellbare Sendungen behandelt werden.

Freiwillige vor.

Ueber die Einstellung von Nicht-Gedien- ten u. Freiwilligen Auf Grund des A98 der Heer- u. Wehr-Ordnung kann sich jede 'Persönlichkeit, die ihrer Dienstpflicht noch nicht genügt hat, bei Verfü­gung einer Mobilmachung einen Truppenteil (Ersatzbatail­lon usw) nach Belieben auswählen. Wenn erdies nicht tut.wirdbciderbaldcinsetzendcnAushebung überihn verfügt.

Als Kriegsfreiwillige können sich solche Leute bei einem Ersatztruppenteil melden, die keine gesetz­liche Verpflichtung zum Dienen mehr haben, erner jugendliche Personen zwischen 17 und 20 Jahren, soweit sie sich nicht in solchen Be­zirke Haushalten, in denenderLand sturmaus, gebotenist,

Studentische Kundgebungen.

Breslau, 1. Aug, Der Allgemeine Studcntenaus schuß der schlesischen Friedrich-Äilhclm Universität hat fol gendes Telegramm an den Kaiser gerichtet: Die Breslauer «tudeutcnschait erlaubt sich Ew, Majestät die ehrsurchts- vollste Huldigung darzubringen und feierlich zu geloben, daß die Breslauer Sludeulenschast von heute derselbe Geist beseelt, wie ihre Komilitoncn aus der Zeit der Besrciungs und Einigungskriege. Auch sie ist bereit, den Hörsaal und die Bückzer gegen das Feld und die Waffen einzutauschen. In diesen, «inne rust sic Ew. Majestät ein donnerndes Mactc Imperator" zu.

Tie Aufnahme de» Kriegszustände» in Berlin.

Berlin, 31. Juli. Heute nachmittag verlas ein Ober leutnant des Alexanderregiments an der Spitze eines Wach- kommandos unter Trommelwirbel <nn Denkmal Friedrichs des Großen und anderen Stellen die Bekanntmachung dös Oberslkommandicrenden in den Marken, des Gouverneurs von Berlin, woichch über Berlin und die Provinz Branden­burg der Kriegszustand verhängt ivitzd, Die Bekanntmachung nmrde vom Pllbliknm init Hurrarufen rknd Hochrufen auf das Aleranderregiment aufgenvnnnen. Der Reichskanz­ler fuhr um halb vier Uhr vom Schlosse wieder nach dem Reichskanzlerpalais und wurde auch diesmal von der Be­völkerung mit begeisterten Zurufen begrüßt: dann folgten eine Reihe von Prinzen und Prinzessinnen, wobei die Kund­gebungen sich sffirmisch erneuerten Das kronprinzliche Auto­mobil wurde von einer ungeheuren Menscherrnrenge um­drängt, so daß es geraume Zeit nicht weiterfahren konnte Falsche Gerüchte.

Berlin, 31. Juli. Gegen den Verbreiter der fal- chen Meldungen, daß gestern die deutsche Mobilmachung befodlcn worden sei. ist bereits gestern die Verfolgung ein- gcleiler ivorden. Es handelt sich um eine Reihe von Zei­tungen. gegen die das Verfahren im Gange ist.

Banknoten müstcn in Zahlung genommen werden.

Köln, l August In der gestern abgebaltenen Sitzung der Vereinigung von Banken und Bankiers »n Rheinland uiw Westfalen (E L.) wurde die durch die neuesten Ereig­nisse geschaffene Lage besprochen. Es wurde sestgesiellt. daß aus allen Plätzen bei; berechtigten Ansprüchen des Publikums entsprochen werden konnte, daß die Danken auch zukünf- ffg gerüstet seien. Es muffe aber die Erwartung «rusge- 'prockcn werden, daß jeder einzelne im Jnteresie der All­gemeinheit seine Anforderungen aus das unbebrngl nötige ^.'ärs, beschränke. Allcrjeuc wurde es als äußerst wünschens­wert bezeichnet, daß da» Publikum durch die Behörden im­mer darauf bin gewiesen werde, daß Reichs banknoken ein gesetzliches Zahlungsmittel sind, und jeder­mann die Reichsbanknoten in Zahlung neh­men muß, damit die ungerechtfertigt nicht zu befriedigen­den Anforderungen an den Bestand von Gold- und Schade­münzen aufhören.

Tie An»sperr«ng

der Ricderlausitzer Tuä aufgehoben.

Kottbus, 31. Juli. Angesichts der politis ! y- - eigniffe erachtet eS der Arbeitgeberverband der SauV f Tuchindustrie für eine nationale Pflicht, die Ar rung sofort für beendet zu erklären. Tic Bcrbaiu. betriebe werden am 3. August morgens um 6 Uhr wiedz.. geöffnet. )

Tie Börsen.

Berlin, 31.Juli. In der heutigen Sitzung der Zen- iralausschußsitzung der Reichsbank wurde von dem Präsi­denten Erzellcn; v. Häven sie in daraus hingewiesen, daß nach einem Zwisckenausweis vom 29. Juli der Mecallbestand um 59 Millionen Mark gegen 5 Millionen Mark im Vorjahre abgenommen hat, dagegen seien die Anlagen um 655 Mil­lionen gestiegen, während sie im vorigen Jahre um 4 Mil­lionen abgenommen hätten. Die Schatzanwcisungcn wäre» um 16 Millionen gegen 8 Millionen im Vorjahre zurück­gegangen, von den vermehrten Anlagen sei aber ein großer Teil aus Girokonto stehen geblieben. Dieses iveist eine Zu­nahme von 250 Millionen Mark auf gegen eine Abnahme von lL Mill. Mark im Vorjahre. Die Höhe der ungedeckten Noten belaufe sich auf 480 Millionen (312 Millionen Mail im Voriabre' d. h. cs wären immer noch 70 Millionen steuer­frei. Angesichts der bekannten politischen Verhältnisse und angesichts der internationalen Gcldlage sowie im Hinblick aus die Tiskontcrhöhungen bei ausländischen Zcnlralnotcn- instiiuten stabe sich das Tireklorium veranlaßt gesehen, die Erhöhung des Diskonts um 1 Prozent, von 4 aus 5 in Vor­schlag zu bringen. Rach diesen Mitteilungen wurde noch eini­gen Stadtanleihen die Beleibungssähigkeit zugesprochcn.

B e r l i n , 31. Juli Das Bekanntwerden der Erklärung des Kriegszustandes in Deutschland vcranlaßle an der Börse begeisterte patriotische Kundgebungen,

London, 31. Juli. Der Börsenvorsiand l>crt beschlos­sen, die Fondsbörse unverzüglich bis auf weiteres zu schließen.

Tie Spareinlagen sind gesichert.

Berlin, 31, Juli, DieBerliner Korrespondenz" vcr- össentlichk folgendes: Augesichts der in einzelnen Orden auf« tretenden Besorgnisse der Bevölkerung wegen der Sparein­lagen in den öffentlichen Spartzassen, Hai der Minister des Innern unter dem 30. d. M darmis hingrunesen. daß kein Anlaß zur Beunrulrigllng vorliegt. Fiir sebe öffentliche Spar- kässe hastet ihre Stadt oder der Kreis oder der sonstige Kommunalverband, der sie ermächtigte, mit ihrem gesamten Vermögen und der gesmnten Steucrkraft. Die Gelder der ösfenNicben Sparkassen sind fenier im Krirgssall als Pri- txlteigentum absolut sicher und jedem Zugriff des eigenen Staates sonne des Feindes entzogen. Die öffentlichen «par- kafscn bieten daher dem Einleger die denkbar größte Sicher» licit. Es kann den Sparern nur empfohlen werden, culch im Kriegsfall alles verffiglore Geld dort niederznlegen, nicht aber Ersparnisse abzulieben. Die letzten Tage liaben bewiesen, daß in weiten Kreisen des Publikums völlige UnkenntniA über den Zahlungsivert der RcichSbanknoten herrscht, ES wird daraus ausmerkscun gemacht, daß durch das ctzesctz vom l, Juni 1900 (ReictzsgcsetzblaU Seite 515) den Reichsbank- noten volle gesetzliche Zahlkraft beigelegt wird: sie sind des- halb wie die Goldmünzen von jedermann in jedem Betrag« zu dem vollen Rcnnwert in .sahlirng zu nehmen. Wer die Annahme einer ihm geschuldeten Sanninc in Reichsbankuoter, ablehnt, setzt sich den Folgen des AnnahnieverzugeS au». Die llmwechsetung der Reictisbanffioten in Goldmünzen er­scheint deshalb völlig zivecklos.

Befreiung vom ftande«amtlichcn Aufgebot.

Berlin, Sl. Juli. Auigebotsliesreiim-ien für Militärpslich- tige zu erteilen, sind durch einen bekannt gegebenen Erlaß be« preußischen Minister« des Innern vom Veginn der Molnlmaäiuna an alle Standesbeamten ermächtigt, sofern beide Verlobte Deutsche sind Einer Rückfrage bei der ober-n Vedörde bedari es nicht Ferner sind österreichisch-ungarische Staatsangehörige, die durch die Mobilmachung ihre« Heimatlandes bctrosien sind, für eine Ehe­schließung in Preußen allgemein durch einen Erlaß de» Minister« des Innern vom 31. Juli 1914 vom Aufgebot betrnt Für die An­gehörigen anderer Staaten bewendc! e« sich bei den bestehend» Bestimmungen.

Teutsche Preffestimmen.

B e r l i n . 31. Juli. ZurpolitischenLage schreibt dieKreuzzeiiung": Die deutsche Regierung hat sich acht Tage lang entsprechend ihrer bisherigen ruhigen und sried- lichen Haltung zur Lösung der schwierigen Krise die redlichste Mühe gegeben. Die politische Siluation hat sich deffen un­geachtet von Dag zu Tay und nach jeder Richtung durch die Schuld und nach der Absicht des Dreiverbandes ganz erheb­lich verschlechtert. Auch aus die Bolksstimmung dürste eine länger andauernde politische Hochspannung kaum noch von günstiger Einwirkung sein. Der ungeheure Jubel über die Talfreudigkeit der österreichischen Regierung ist verflogen, die bell auslodernde Flamme naiionaler Begeisterung unter dem Drucke des Hangens und BangenS vor einer Enischeidung und unler polizeilicher Einwirkung in sich »usammengesunken. Bismarck« Wott von der Begeisterung, die sich nicht e,n- vökeln lasse, findet auch für den vorliegenden Fall seine Be­stätigung An Stelle der Begeisterung ist Rervosität getreten. Tie deun'che Regierung ist in ibren Bemühungen um die Er­haltung des Friedens bis dort an die Grenze des Möglichen und im Interesse des eigenen Landes Zulässigen ge­gangen. Tie Berantworlung für ein Scheitern der sriedlichc-n Bestrebungen würde nun und nimmer ihr zur Last fallen können. S«e darf versichert sein, daß man im Volke von ihrer bis zum Letzten einwandfreien und korrekten Haltung durch­drungen ist. In derBoss. Ztg." beißt eS: Deutschland will den Krieg nicht und fordert ihn nickt heraus. Alle Bür­ger würden fick glücklich schätzen, wenn die Sriegswolkcn an uns oorüberginqen. ohne sich ,u entladen. Muß es aber fei», dann in Himmels Namen Tann soll und wird sich Bismarcks unvergessenes Trodworr bewadrbeiten, daß ganz Deuffchland ausiliegen wird, wie eine Pulvermine. Daß dies nicht ge« schehe. liegt bei Rußland. Rur wenn Rußland den Krieg rbcn- öwenig will wie Deutschland, nur wenn Rußland sich in »wölsier Smnde besinnt, ob der Einsatz des furchtbaren Spie­les wert ist, ist das Verhängnis auszuhalten, das uns alle bedroht, dir wir in Europa wohnen. DieDeutsche Tages­zeitung" äußert sich zu dem Erlaß der deutschen Aussuhr- verbore: Diese Maßnahme zeigt, wie ernst die Lage in Deutschland ausgesaßl wird. Man ist sich eben der Tatsache bewußt, daß eine unbefriedigende, ja schon eine unklare Ant­wort aus Petersburg die sokonige Mobilmachung in Deutsch­land zur Folge haben muß. Hoffen wir, daß Rußland sich noch in lej^er Stunde serner schweren Verantwortung bewußt wird. TerBerliner Lokalanzeiger" läßt sich aus Pelers- burg melden, die Lage gelte im dortigen Auswärtigen Änit als säst hoffnungslos. Tie Kriegsparieien, die Nationalisten und Panslawisten arbeiteten mit Hochdruck für den Krieg. DieRowose Wremja" sagt, ein Krieg mit Oesterreich wäre äußerst populär. In demselban Blatte heißt es aus Krakau,