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Nr. 155

Der Sletzener Anzei-er

erscheint tätlich, anher Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich GietzeoerZamiliendlätter: zweimal wochentl.Nreir- dlatt für öe-Xreir Kietzen (Dienstag ukrL> Freitag): zn>er7nal monatl. Omd» wirtschaftliche Seiftragen s^erusvrech - AnfthtiHe: tür dre Redaktion 112 , T^ertaq u. Expedition 51 Adresse für Depesche«: Anzeiger Giehe«. Annahme oav Anzeige» für die Tagesnurnmer bis vormittags S Uhr.

Erster Slatt

16^. Jahrgang

Montag. 6-Znli X9X4

GiehenerAnzei

General-Anzeiger für Oderhessen

«otalionrtn«, ,vd Verlag der vrühl'schen Univ.Guch- und Steindruckerei K. Lange. Redaktion. Lrpedition und vrnckerei: Schulstratze 7. An^igemeü- v? B-L

VezugSPreiO:

monatlich 75Bf.. viertel» jälirlich Lik. 3.20: durch Abhole- v . Zweigstellen monatl'ch 60 Ps.; durch diePos Mk.2. viertel- jätirl. ausschl. Aestellq. ZeilenpreiS: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Lerautwortlich sür dcu polit. Teil: Aug. Goey: für .Feuilletons. .Ver­mischtes' und(Aerrchls- soal": Karl 9teuralh; iür ^Tladt und Lauo":

wiener Hoftrauerkabalen.

Tie Wiener Trauerseierlichkeiten haben mil einem auj- fällib«n und häßlichen böachllanc; geendet. Durch den Te- monitrationsgang des Hochadels hinter dem Trauerzuge zum Westbahnhof ist mehr herausgckommen als allen Bc- leiiigten lieb ist. Was wollten die 130 Mtglicder der Aristv- kratic, die Fürsten Trautmannsdorf, Starhemberg, Lobko- wiv» Windtschgrätz, Fugger, Thun, Thurn und Taris, Hohen­lohe und die zahlreickwn österrefchifchen und ungarischen Grasen, die zu Fuß erschienen, um dem toten Franz Ferdi- nand und seiner Gattin das letzte Geleit zu geben ? Tie pro­testierten gegen die Jntriguen und Hofkabalen. die dein er­mordeten Erzherzog und der Herzogin von Hohenberg nicht nur zeitlebens den Aufstieg erschioerten und verbitterten, sondern auch noch angesichts der Todesbahren die alten Borurteile und vermeintlich»-» Vorrechte geltend machten. Man traut seinen Lugen und Ohren nichts und doch ist es ,V '.Sur der Sarg des Erzherzogs soNte ursprünglich nach der Hofburg gebracht werden Ten der Herzogin wollte das Holmarschallamt direkt nach Artstettcii dirigieren, weil die ehemalige Gräfin Chotck kein Mitglied des Kaiserhauses sei und die Einsegnung in der Hofkapellc nur Mitgliedern der kaiserlichen Familie zukomme. Und nur, weil irgendein Vernünftiger darauf aufnicrksam machte, daß die'össent- lichc Meiming darüber sofort den größten Lärm schlagen werde, sah man schließlich von dieser ungeheuerlichen 'An­ordnung ab. Tie Frau, die sterbend den Leib ihres tßatten zu decken suchte, die Frau, die Kaiser Franz Josef in seinem Tank an das Volk diein der Stunde der Gefahr treu bei ihrem Gemahl Ausharrenbe" nennt, durfte also doch gnä- digerweise im Tode ihren Gatten aus der letzten Fahrt be­gleiten. Aber die Hosetikrtte imißte doch noch andere Mittel, um zu zeigen, daß sie nicht vergessen, nicht tolerieren kann. Tic von den militärischen Kreisen gewünschte starke Ver­tretung aller Teile der Armee bei der Trauerfeter als ge­schlossene Kundgebung der ganzen Monarchie wurde ver­hindert und bintcrtriebrn. Man verwendete die Truppen nur in der Stärke, die zur Spalierbildung nötig war. Für die Uebersührung der Ermordeten von der Hofburg aus den Westlmhnhof war zunächst gar kerne Beteiligung des Mili­tärs vorgesehen. Erst um 5 Uhr nachmittags erholte sich das Dofmarschallami eine kaiserliche Verfügung, ivonach die Wiener Garnison durch Spalierbildung an der Leichenfeier teilzunehmen habe. Auch die Erzherzoge wurden erst sehr spat veranlaßt, am Bahnhosc zu erscheinen. Das unglaubi- lichstc und peinlichste aber war die Behandlung der Kin­der des loten Erzhrrzvgvaares, -sic Ivoren nicht cUva die ersten, die ihre toten Eltern in der Hosburglaprlle sehen dursten, sondern die letzten, die man zu den Leichen ließ. Erst als die offizielle Leichenfeier beendet war, dursten die un- cbenbnrtigen Nachkommen einer Herzogin von Hohenberg an den Sarg ihrer Eltern. So imtfbe der Unterschied einer ebenbürtigen und einer nichrcbenbürtigen Ehe bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch im Tode gewahrt oder doch an gedeutet. (

Man fragt verwundert, wer an diesem traurigen Aus- klang eines traurigen Ereignisses die Schuld trägt. Man weiß ja, daß zwischen deni verstorbenen Erzherzogspaare und einzelnen Mitgliedern des Kaiserhauses gcspannle Be- zichungen bestanden. DieGegenpartei" l«tte ihr Zentrum in Schloß Wallsec, bei Franz Salvators Gattin, des Kaisers Liebliügstochtcr Valerie, War der alte Kaiser Franz Josef in Wallsec zu Besuch oder spielte er in Ischl init Balrics

Znnen-Architettur und Möbel aus der Gewerbe-Ausstellung Siesten M4.

Wen» man die Wohnung des Kulturmenschen mit kritischem Auge betrachtet, ivricht ntan vonkünstlerisch" und vonprak­tisch", man spricht aber auch vongcschmackvvll". Dieser letzte Ausdruck scheint mir beides zusammen zu sassen und die richtige Bezeichnung zu sein für das Beste, was au, dem Gebiete der Dobnungskunst hervorgebracht wird. Ein doch künstlerisch durch- geblldeter Raum kann Auge und Sinn durch Form und Farbe ent­zücken. er kann aber zum Bewohnen sehr unpraktisch sein, wenn der Bewohner andere Lebensbedürfnisse hat, wie der Künstler, der ihn ichai. Ter Geschmack des B c to o h n e r S ist also dasWcsentliche berm Einrichien einer Wohnung. Leider ist uns ,m vorigen Jalrr- hundert viel von dem guten Geschmack der früheren Zeiten verloren gegangen, und nur langsam will der gute Geschmack wieder Gemein- gut des deutschen Volkes werden. Ucber Geschmack läßt sich streiten, sagt man mit Rechte und doch gibt eseinen Geschmack der Gegenivatt", der eben noch schwankend, später doch als der charaltiri- stischc unserer Zeit unduniercs Volkes erkannt werden wird. Au>- gabr unserer Ge rerbeau-stcllnng ist cs, nicht nur die hoch entüick.lte Technik, die guten Fertigkeiten der Gewerbetreibenden zu zeigen, sondern auch de» G c > st des guten Geschmacks, der ihre "Arbeiten beseelt. kD.-nn -gerade der sMöbelfabrikant, der Tckorateur, der Tapezier, sic sind am häusigttcn die Berater des kausenden Publikums, welches sich aus Mangel an eignem Stilgefühl gern leiten läßt und dabei mir zu oft an die Unrechte Schmüde lammt.

Blei Gutes und -Schönes wird gezeigt, doch auch manches, was in Bezug aut Geschmack nicht nmstcrgültig genannt werden kann. Besonders unter den Einzel-Möbeln, die außer Zusammenhang von einzelnen Schreinern gezeigt werden, sind manche schwierige und kunstvolle Arbeiten, die n>cit besser wirken würden, wenn ihnen der- Stcnipel einer künstlerisch gebildeten Bersönlichleit ausgedrückt worden wäre. Gute Beispiele in dieser Hinsicht sind die Ar­beiten von Zciß-Griedel (Architekt: B. T. A. Kran-Bad-Nau- bcim und E. H. Müller-Gießen -Architekt: B. T. A. Müller Güttingen!: auch G. Ha u b a ch- Gießen zeigt Geschmack in seiner Ausstellung. Ferner inöchte ich noch gleich nennen: die A l s s e l - der Möbelfabrik, welche in großem Raume eine reiche Auswahl von schönen und praktischen Sitzgelegenheiten bietet, und Schreiner W. H a r t m a II n - Münzcnberg lArchikell: Freundlieb Fricdbergi, dessen reich eingetcgter Schrank durch Form und Farbe ausgezeichnet wirken würde, wenn nur die allzu großen, fast weißen Einlagen nicht zu viel Unruhe brächten. Manch schöne Truhe ist noch >-usgcftcllt, doch würde es zu weit führen, diese alle zn nennen.

Bei den Ausstellungen in ganzen Zimmern möchte ich unter- sjhechen zwischen solchen in zgnz geschlossenen Säumen >iit dem

acht lachenden Lindern. so herrschte in Franz Ferdinairds Belvedere stets eine etwas gespannte und gedruckte Stim- mnng. Auch zwischen dem jetzigen Thronfolger, dem jungen Erzherzog Karl Franz Josef, und der Herzogin von Hohen berg ist es mehrmals zu Mißlzclligkeiten gekommen, beson­ders als die ungarische Unabhängigkeits-Partei gegen die Berzichtleistung aus die Thronfolge protesttertc und be­hauptete, Franz Ferdinand habe nach dem ungarischen Staatsgrnndgesetz zu der Berzichtleistung sür seine Kinder nicht das Recht besessen und die legitime (demahlin des zu­künftigen Königs von Ungarn müsse zur Königin gekrönt iverdcii. Sollte wirklich jenes ruhelose Jntriguenspiel, das Wühlen und Minenlegen, der ganze höfische Kulijscnlrieg, bei dem sich alles um dic,Frage drehte, ob Sophie Chotct Kaiserin werden und ihre Kinder^als erbberechtigt und erz- berzoglich auf den Stufen des Thrones sehen sollte, sollte das alles auch nach dem Tode des Erzherzogpaares aus­gespielt worden sei und bei Lösung der Etikctten- sragen initgewirkt haben? Man kann cs nicht glauben und cs wird hossentlich auch noch klargestellt, daß die genannten Fürstlichkeiten den Wiener Hoftraucrkabalen, die inan jetzt erleben mußte, vollständig sernstcheii. Wahr­scheinlich bleibt die alleinige Verantwortung für das, was vorgesallen ist, an dem Lberhofmeister des Kaisers, dem Fürsten Montcnuovo haften, von dem ja bekannt ist, daß zwischen ihm und dem er,nordeten Erzherzog oft recht tck-arsc Konflikte bestanden. Aber außer dieser Persönlichkeit ist es doch auch der ganze Wiener Hos, der sich jetzt vois jolchen Schatten und Flecken zu reinigen hat, damit nicht Lord Chesterfields berühmtes Wort von ihm gilt:Nichts ist an Höfen so, wie es scheint, oft ist es etwas ganzländercs, zuweilen gerade das Gegenteil"

Ein Handschreiben des Kaisers Franz Foses.

TieWiener Zeitung" veröffentlicht nachstehende? kaiserliche Handschreiben, das gleichlautend an den Minister­präsidenten Grasen Stürghk, den Ministerpräsidenten Grasen Tieza und den gemeinsamen Finanzminister Bie- linski gerichtet ist:

Tiejcrschüttcrt siche ich mtter dem Eindruck der un­seligen Tat, die meinen innigstgelicvten Neffen mitten aus seinem ckrnlter Pflichterfüllung geweihten Wirken an der Seite seiner hochherzigen, in der Stunde der Gefahr treu bei ihnt ausharrenden Geniahlin dahingcrant und mich und mein Haus in ichmerzlicktste Trauer versetzt hat. Wenn mir in diesem herben Leid ein Trost werden kann, so sind es die nnge.zätzlten Beweise warmer Zu­neigung und autrichligsten Milsühlens, die mir in den eben vcr- flotienev. Tagen aus allen Kreisen de.»B> r olkerung zugeiömmen sind. Eine verbrea-eriswe Hand hat mich des lieben Anverwandten und treuen -Mitarbeiters, hat schutzbod,listige, »cm zartesten Alter kaum entwachsene Kruder all dessen, was ihnen ans Erden teilen war, beraicht und namenloses ,Weh auf ihr unschuldiges Haupt gehäuft. Trr Wahnwiv einer kleinen Schar Irre­geleiteter vermag jedoch nicht an den geheiligten! ^Landen zu rütteln, di'c mich und meine Völker n NI s ch l i n g e n. Er reicht nicht heran an die Gefühle inniger Liebe, t-ic mir und dcnr angestammten Herrscherhause aus allen Teilen der Monarchie aufs neue in so rührender Weise knndge- geben wurden. Sechseinhalb Jahrzehnte habe ich mit meinen Völkern Leid und Freud geteilt, auch in den schwersten -Stunden stets eingedenk meiner erhabenen .Pflichten der Verant- Ivornmg der Geschicke von Millionetl. für die ich den, Mlmäckz- rigen Rechenschaii schulde. Tie neue schmerzliche Prüsnng, die Gottes imeriorschlicher Ratschluß über mich und die Meinen ver­hängt, wrrd in mir den Vorsatz stärken, aut dem als recht er­kannten Wege bis zum letzten Atemzug auszu harren,

Eindruck einer fertigen ?lusstattung littb solchen in Nischen, kleinen Näumchen und Kojen, bei welchen die Raumwirkung abgeschwächt wird, und eigentlich doch nur eine Ausstellung von Möbeln bleibt. ?tus Platzmangel oder Ileberfluß an Ausstellungsgut mußte die letztere Att wohl vvrhi-rrschcn: nur wenigen Firmen war cs möglich, einen genügend großen Raum mit allem, was zum Wohnen gehört, auszuslaUcn und so wirklicheJnncn-Archüek- turen" zu liefern.

An erster Stelle möchte ich nennen die Firma Hering- Mar­burg, welche nach dein Eirtwursc des ?lrck>. B. D. A, Docrbccker- Marburg^ein Mahagoni-Eßzimmer mit Erker im ersten Obergeschoß und ein Schlafzimmer und Anklechezimmcr im zweiten Obergeschoß eingerichtet hat. In Form und Farbe hell voliertes Kirschbanmholz mit hellgrün und dunkelblau sind gerade die beiden letztgenannten Zimmer vielleicht die besten im ganzen Hanse. Taß die Betten hier zur Ausstellung um einige Stufen erhöht wurden, wclckv: man sich in seinem Schlatzimmer zum Gebrauch nicht grade wünschen würde, braucht den ai,sgezeich!»-tcn Eindruck diese-:- Zimmers nick t zu stören. Besonders schön sind auch die Belcnchtungskörver. hier wie unten ini Speisezimmer, leicht und elegant. Ebensogut, doch in ihren eigentümlich matten Holztönen weniger in die -.'lugen fallend, sind die Räume der Firma R i II g s h a u s c n^- Nidda. Tas Eßzimmer mit dem vrachtvollcn Bütiet, dem ovalen Tisch und den anlzeimeln- den Gobelinsioffcn aus den tpitzinöbcln gibt eine sehr seine ruhige Stimmung, die vielleicht manchem lieber ist, wie die färbensrendige der Hcringschen Räunie. -Auch das Arbeitszimmer des Herrn Gc beimerat Gail l Architekt: Hans Meyer-Gießen! zeigt die vornehme Rnlic und die stumpfe Holzsgrbc der Ringhansen-schcn Arbeiten. Einen sehr guten Raum bringt auch S ch ä s c r tNarburg mit seinem blauen Mnsikziminer. Ob hier alle Möbel grade in ein Musikzimmer gehören, ob sie in ihren Ztiltormen alle zusammen passen, das braucht man bei diesem Raume nicht zn untersuchen. Sie vertragen sich alle und sind mit Vorhängen und Wänden, mit Bodenbelägen und Gebramhsgegcnständen und nicht zuletzt mil de», prächtigen Beleuchtungskörper zu einen, harmonischen Ganzen ver­einigt, dessen weihevolle Stimmung wohl zum Zweck des Raumes gehört. Ein weiß-schwarzes Schlafzimmerich ein gelb-blauer Salon dersell'en Firma leiden unter dem erwähnten Raummangel: man Hot keinen so guten Eindruck davon, obschon die Einzelmöbel eben salls sehr schön sind. Elin ähnliches Schicksal erleiden die sehr schönen, altmodisch behaglichen, und doch modernen Herrenzimmer Möbel des Herrn Stückrath - Gießen mit dem sehr einladenden grünen Ledersessel! sic können in dem zu engen und etwas zu ein-, sach ausgcstatteten Raume nicht zur Geltung komme». Noch weniger vcrnlögcn dis die groß emvlundencn Schlaizimmer-Psöbel in dem sehr kleinen slledenraun!. .Herr Brück- Gießen hat cs bester verstanden, rschttge serttge Räume zu schassen. Wenn auch die un­gewohnte Fovn des. Bülfets und der etwas f/. schwere Keleuchtungs-

um Wöhle meiner Völker, und wenn ich dereinst das Unterpfand ihrer Liebe als kostbantes Vermächtnis meinem Nachiolger hrntcr- lastcn kann, io tvird dies dcr^fchönste Lohn mei-ie>- väterlichen Für­sorge sein. Ich beauftrage Sie, alten, die in lesen kummervollen Tagen in bewährter Treue und Ergebenheit sic UNI meine» Thron geschart haben, meinen tüicmpsundrncn Tank knnözutun.

Wien, am Juli 1914. Franz Josct.

Kaiser Franz Josef und die vcriuaijtcn Kinder.

Wien, 4. Juli, Der Kaiser empfing die Kinder des verstorbenen Erzherzogs in Audienz, die 20 Minuten dauerte,

Tie Beisetzung des ermordete» Thronsolgcrpaarcs.

A m st e t t e n, 4. Juli. Um 10»/» Uhr jand in der Schlotz- Psarrkirche in Gegenwart des Erzherzogs Karl Franz Josef und der nächsten Bcnvandten der Verblichenen, zahlreicher 'Mitglieder des Kaiserlzauses und sonstiger Tranergäste die feierliche Einsegnung der Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin statt. Techant Tebncr nahm unter großer geistlicher Assistenz die feierlickie Handlung vor. An den Särgen hielten Offiziere die El)renwache. Um 11s o Uhr wurden die Särge durch ein Spalier von Feuer­wehrleuten und Veteranen durch das -Harktor zur Gruft getragen, wo in Gegenwart der nächsten Anverwandten die endgültige Beisetzung erfolgte.

Aus der Suche nach Cigauotvic.

Wien, ö. Juli. TcmWiener Korrespondenzbureau" gehen aus Belgrad solgende weitere Meldungen zu. TcmMali-Journal" zusolge lmt die serbische Polizei Ütoich- sorschungcn na chdem Komitatschi Ciganowic angestellt, gegen den der Verdacht laut wurde, daß er an dein -Atten­tat gegen den Erzherzog beteiligt gewesen sei. Die serbische Polizei hat von Eigmwwic noch keine Spur gesunden, setzt die Nachforschungen aber fort.

Tas BlattLdick" verzeichnet Gerüchte, daß die ser­bische Regierung zugesttmmt ba.be, die Uniersuchnng über das 'Attentat von einem öfter re ich. Polizeikom- inissar ans serbischem Gebiet führen zu lassen: cs erklärt dazu, es könne nicht glauben, daß Belgrad den Skandal und die Schande erleben solle, dem österreichischen Kom­missariat untergeordnet zn >verden, Das BlattBalccrn" beinertt, daß enväyntc Gerücht sei uni so unsinniger, als gerade -Oesterreich-Ungarn wegen der Verfolgung Unschul­diger einer internationalen Kontrolle nnterstelilt werden müßte. Für österreichische Beamte und Soldaten gebe es in Serbien nur den einen Empfang: die Spitzen der Ba­jonette!

Versuch, das Gefängnis in Scrajewo in die Luft zu sprengen?

Slawischbrod, 4. Juli. Gestern betraten 5 0 ser­bische Koniitatschis in t ü r k i scher Verklei­dung bosnisches Gebiet. Sic sollen die Absicht gelzabt haben, das Gefängnis in Serajcwo in die Luft zu sprengen, uni zu verhindern, daß die serbischen Gefangenen Geständ­nisse machen. Die Polizei hat das Gefangcnenhaus streng überwacht, da sic Anhaltspunkte dafür hat, daß tatsächlich ein derartiger Anschlag, geplant gewesen ist.

Die Lage in vurazzo.

D u r a z z o, 5. Juli. P r c n k B i b d o d a ist mit hundert Mami hier ciiigetroffen. Er verlangt zur weiteren Be­kämpfung der Insurgenten 10000 Franks. Die Aus-

körper die Harinonie des Eßzimmers stören, und die Fülle der -Holstermöbcl in der Rauchnische etwas überwältigt, so bleibt doch ein Raum von guter Wirkung, Form und Farbe, Gediegenheit der Möbel und passende Ausstattung bilden ein wohltuendes Ganze, Zwei Zimmer von H e cken r o t h - dcrborn (Architekt B. T. A. Toerbcckcr-Marburg) können sich an den lleincn Zimmcrchcn im zweiten Obergeschoß nicht ganz zur Geltung bringen. Während das grau-grüne Frcnidenzinimer clwas sehr einfach bleibt, zeigt das Herrenzimmer eine vrakttichc und schöne Einrichtung: besonders der große Schrcibttsch wird bei manchem den Wunsch erwecken, auch soviel Platz zum Schreiben haben zu können.

Eine besondere Stellung nimmt die Ausstellung der O b c r - hessischen W e r k st ä 1 1 c n ein. Wir haben cs hier nicht mit einzelnen Ausstellern zu tun, sondern mit einer- Gesaintbeit, deren künstlerischer Gesckmrack wohl fast ganz durch denjenigen ihres Gründers gekennzeichnet ist. Herr Architekt B. T. A. Hans Burg lGießen! hat sich die sehr dankenswerte -Aufgabe gestellt, die aut dem Lande verteilt sitzenden kleinen Meister zu pereinlgen, um ihnen einerseits grösz:re Lcistungssähigkcit, andererseits größeres -Absatzgebiet zu geben, -Er will nickt mit den großen Fabttkcn vornehmer Möbel in Wettbewerb treten: sein Wunsch ist, der einfache Mann möge endlich wieder cinjchen, daß einfache, solide, mit handwerksmäßiger Sorgfalt gearbcitcle Möbel fcsser und verhältnismäßig billiger sind als die Schundmöbel der billigen, Möbclsabriken mit ihren meist unverstandenen Tliliormen. Alles, was uns die Ober-Hessischen Werkstätten zeigen, hat Stil, es ist der Geschmack ihres künstlerischen Leiters, der überall durchblickt. Alles ist auch gut und solid gearbeitet, ioivcit man das von außen sehen kann. Es muß sich zeigen, ob die Möbel dauerhaft, und ihre Formen den Käuscnr angenehm sind. Blanche Formen erschcimm ungcwohist, mancher Zierrat ist vielleicht unvraftisch. ?Ran sicht heutzutage sehr daraus, daß die Möbel möglichst glatt sind, damit sich nicht soviel Staub anser.-n kann. Ter hier ost wicderkehrendc geschnitzte Fries wico in seinen scharfen Ecken nicht leicht rein zu halten sei. Man inuß aber auch zn- gestchen, daß eine jede Schnitzerei doch auch wieder ihr Sckönes hal und ivieder Mode werden kan». Es ist eben Gcschmacklachr! Jedenfalls sind die Hauptsormen fast aller Möbel gut und die Ausmachung der Räume dazu passend. Leider kommt auch hier kein Raum ganz ttchttg zur Geltung: es sind immer nur Kojen, zu eng, um ein rühriges Bild zu geben Wenn uh Einzelnes heransgreise, sa treffe ich wohl immer den künstlerischen Leiter, . nicht den eigentlichen Anssleller init meiner Kvitik. Die Küche !9!r. 88' scheint mir Weniger sür eineHerrschaft", mehr sür eine Familie mittleren Standes zu sein. Für Herrschaften ftot man andere Einrichrimgen nötig und wird eine schönere Farbe des Ganzen wählen. Tas Spersczinnucr ,89 ist recht gut. Neu, aber Praktisch stich tzch seitlich ausgchachen NolhachusieL» an