Nr. 154 vierres
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonnlog«.
Die „ »setzen, e Z-mtlientzlSNer" werden dem »Anzeiger^ »«rinnt wöchentlich beigelegl. da« „«rei^l-tt che den Kreis Stetzen" zweimal wöchentlich. Die „randwietschastlichen Seil, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt 104 . Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Samsrag. 4 .)uli 1914
RstationZdruck und Verlag der Brühilcheo Universitäts - Buch- und Sieindruckerei.
R. Lange, Gieße,r.
Redaktinn, Expedition und Druckerei: Tchul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:II2. Tel.-Adr.:Anze,gerGießen»
Die Weribmidschau in Köln.
Von Franz P. Br ückner.
— , r an , . _ . Köln. Ende Juni.
9 S R Sn 3Be ^' ““A 1 *' ~J? DI «°ln mit Wagemut und nom Deutschen SBerßnmb mit hoher Bcgeftterung erdacht und durchge- tuhrt. steht heute in allen Zeilen vollrndet da. Tie Ekstase des efitcn MemctzcnS und Mrterlebens, der Bewunderung und .es Ent- taulchtser ns, d ie im Beginn die vielen, allzu vorschnellen Urteile nach der etnen, nne nach der anderen Seite bin erzeugt hat. ist ver. ilogen. Man «irt heute mit sachlich-kritischen Augen durch diese künstlerische schau hindurchwandcrn, kühl und ernsthait einmal nachprütm, ob das, was vor langen Monaten schon viel zu laut und bombattttch rn die Welt hinaus geruscn wurde, auch wirklich hier und tn seiner ganzen weiten Umgrenzung zu sinden ist, ob wrr wirklich in unseren Tagen schon den neuen deutschen Stil haben. Bon diesem letzteren Gedanken ist die künstlerische -^tntrg der Austtellung ,a von vornherein ausgegangen Und sic sagte sich. Wollen wir d r Welt den neuen deutschen Stil zeigen, so ^ritten^irnr eben nur dte besten unter den deutschen Künstlern aut den Plan. Was die uns geben, ist durchgereist, letzthin redu« iserU. ist nnt nnem Worte: Dokument dieses neuen Stils Aber ein eh irr ivartn der Rechnung: Weil auch die ersten und aner» kanntenen. stilkuustler nur Menschen sind. Auch ein Bruno Paul oder ein. T,heodor Fischer haben mal ihre schwachen Stunden. Und gerade diese Dtt^e. dte doch von manchen Aeutzerlichkciten und Besthrmikungen diktiert weiden, lähmen allzu leicht die sreischöpse» rtiche .straft. Legt man also diesen höchsten, vielleicht auch sub- sektivlten Matzstab an. dann ist man einigermasten enttäuscht, dann versagt die Ausstellung doch in manchen wesentlichen Punkten. Ganz abgesehen davon, datz wir, die Lebenden, uns wohl nie über den teltsam vagen Begrttt: «nil einigen würden Aber im Grunde ist ein solch ervomerter und wohl auch einseitiger Standpunkt gar J™* Begnügen wir uns mit dem, was wir eigentlich
schon wissmt: dast der neue deutsche Stil im Werden ist, daß kaum ein Volk der Welt zur Stunde so weit ist, wie wir. Das qot uns schon 1910 die 'Ausstellung des „Münchener Bumdcs" gezeigt, deren beste Werke nach Paris gingen. Damals schon iahen wir und auch die anderen, wie weit die Franzosen gegenüber Deutschland und Oesterreich zurück waren. Und welche i-ruse der Entwicklung die werklünstlerische Bewegung während dieser vier Fohre durchlaufen hat, das kann uns die Kölner Ausstellung zeigen.
Diese^neuc Bewegung steht heute nicht mehr in den Anfängen. Lie Gedanken einer künstlerischen Reformierung und Durchdringung in Handwerk, Handel und Jndstric haben sich durchgesetzt. Ihr Sinn und ihre kulturelle Schwungkraft ist weithin anerkannt. Seit sieben Jahren besteht nun der deutsche Berkbund. Was er bei seiner Gründung wollte, war ein gewaltiger Unterschied gegenüber der handwerklichen Resormbewcgung des verhangenen Jahrhunderts. Er beschränkte sein Denken und Wirken Nicht auf Einzelgegenstände, sondern faßte das ganze Leben als ein einheitliches Ganzes auf, in das die Entwicklung einbegriffen und das sic zerstört hat. To will er das ganze Leben mit künstlerischen Gedanken durchdringen, und hinter den Theorien stehen die Taten, die vollbracht sind und heute noch geleistet werden: man braucht, ja nur die Bahnbrecher der neuen Bewegung zu neunen, die schafsenssrohen und -starken Künstler: Ban de Beide, Behrens, Olbrich. Riemerschmid u. a. Ni. Sie sind fast alle vom Maler ausgegangen. Darum auch die stärke Tendenz zum Malerischen hin, die die neue Kunst bis heute noch bewegt. Sie prägte nach der Entformung und der Entgeistung der überwundenen Epoche dem Gegenstand des gewerblichen Lebens die eigene künstlerische Note auf und hauchte den Erzeugnissen der Massenproduktion ein künstlerisches Leben ein. So ist die Kölner Ausstellung eher eine retrospektive Kunst sch au.
Wenn man mit diesen ein wenig zurückgedämmten Gedanken und Erwartungen durch die Ausstellung wandert, kann man die Fülle, die von allen Seiten und aus allen Gebieten aus einen entströmt, nach ihrem Wert und ihrer allgemein kulturellen Be- deutuiig leicht und sorgsam cinordnen. Der Deutsche Werkbund legte von allem Beginn Wert auf eine knappe, durchaus nicht umsangreiche oder gar ermüdende Qualitätsschau. Aber gestehen
wir es nur. Bei der Durchführung kam eS anders: man übernahm sich IN der Quantität So kommt man leicht zu der An- Itcht. als ob der Werkbundgedanke im Fonschreiten sich ntcht vertiert, fondern verbreitet und gar verflacht habe Man hat geglaubt. über die Jury schimpfen zu müssen, aber sie hatte noch viel rigoroser Vorgehen sollen. Dast man der Werkbundschau das Scherzwort nachwarf, sie sei eine Ausstellung des Sofakissens ist nicht so ganz ohne Sinn. Tie streng sachliche Disposition ward zu Zeiten außer acht gelassen und gerade in den vielen Lokalabteilungcn ist manches durchgeschlüpit, was mit derWcrkbund idee kaum etwas zu tun hat. lieber all deut Kleinen und Kleinlichen verliert der Befangene und Unkritische gor zu leicht den Blick aus daS eine große Ziel. Und doch steht dies Ziel heute viel tiefer, schärfer Umrissen und in seiner ethisch kulturellen Auswirkung viel eindringlicher da, als etwa noch vor 8 Jahren, da in Dresden die letzte große Kunftgewerbeausstellung war. Weil eben das künstlerische Schaffen sich aufs innigste mit der stetig erstarkenden volkswirtschaftlichen Tendenz unserer Zeit verbunden hat. Tic Anregung ging vom Werkbund aus, und das ist ein großes Verdienst Der Künstler stieg von seiner einsamen, eigensinnigen Höhe herab zur realen Well, eine verwaschene Romantik ward übcrlünt von dem Wollen einer lneuen Zeit, von dem Pathos 'der modernen Arbeit. Aus mittlerer Linie traf man sich, der Ausgleich hat sich — nickst vollzogen, aber aufs ernsteste angebabnt. Und als ein Dokument dieser neuen Kunstgesinnung, als ein Ausgleich zwilchen fretichövierischer Intuition und dem gesteigerten Formivillen einer technisch-mdu stricllen Epoche sehen wir diese Ausstellung des Deutschen Derk- bnndeS in Köln.
Aber eS zeigt sich noch ein anderes: Wir find nachgerade io sachlich, so einsach und selbstverständlich geworden, daß wir sähniüchltg der neuen belebenden Gedanken warten, die die älteren Künstlerpersönlichleiten nicht mehr hineintragen können. Wir erwarten alles von der jungen Generation. Sie muß anregen und befruchten. Der große leitende Gedanke ist die Durchdringung des ganzen künstlerischen Lebens mit einer architektonischen G e s a m t i d e e. Tie jungen Kräfte müssen nun dag andere geben: das Frejgelöstc, das Anmutige, den Schmuck und die Farbe. Aber gerade die jungen Kräfte wissen uns aus dieser Werkbuni»- schau nickit viel Eigenes, Ungebundenes, überwältigend Neues zu sagen: der ftische Ausblick aus die Zukunft bleibt uns verwehrt. Mehr als rin Querschnitt gibt sich diese Ausstellung, allerdings als ein prägnanter, sehr reichhaltiger Querschnitt.
Ueber das Architektonische ist an dieser Stelle schon gesprochen worden. Die architektonische Gesamksttmmnng läßt den etgcn- schöpferischcn Willen erkennen, jene innere Zucht und den wirklichen Respekt vor der Forderung des^Tagcs, vor dem strengen Bewußtsein, daß nur das aus einer Schau Wert und DascinSrecht hat, was dem unmittelbaren klar erfaßten Bedürtnrs der modernen .Zeit einen kraftvollen und natürlichen Ausdruck gibt. So verkörpern sich im architektoniichen Gesamtbild in lebendigem Auswtrken die ichoffenden Kräfte unserer Zeit würdig und mit innerer Selbständigkeit. Ern eigenartiger Rhvthmus schwingt durch die architektonische Gesanttstimmung, ein Rhythmus, der sich ran äußerlich mit dem -Begriff der Einheitlichkeit umschreiben läßt. Man fühlt allenthalben dos kaniequettte Wollen eines ganz persönlichen Geistes, eines starken künstlerischen Temperaments. Eine Zahl von architektonischen Limen durchzieht den Gesamtkomplex, leise anhebend, schwellend und sich steigernd, dann wieder zurückebbend und retardiereich. Und wenn man mit diesem Rhvihnrus cchmal mitgeht, dann fühlt man deutlich die bewegenden Elemente, fühlt auch deutlich als etwas Fremdes, gar nicht HierhergehörigeS Bauten, die man in einem anderen architektonischen Milieu vielleicht nicht ablehncn würde. Das monumentale P o r 1 a 1 g e b ä u d e weist mit feinen ftemden, antikisieren- den Elementen die Gedanken gleich in eine falsche Richtung. Der Bau ernüchtert durch seine prätentiöse Art, die ganz äußerlich im Geist der Antike untcrtauchte, ihn nicht im modernen Sinne durchzubilden und zu entlösen verstand und darum dem Werkbundgcdanken so sremd wie nur möglich gegenübersteht. Auch das Kölner Haus spricht als Architektur nickst mit. Der entwerfende Architekt ließ sich von dem Gedanken leiten, das neue
Köln darzustcllen als eine Frucht der ausgesprochenen romanischen Kultur. Aber diese in sich so fruchtbare Kultur in einer individuellen Durchgetstigung dem modernen Empfinden nahe zu bringen, konnte dem Architekten nicht glücken. Aber schlimmer noch daß diese Stilloiigkcit auch aus das Innere hinübcrgreist. nirgends auch nur amtähernd cinen geschlossenen Eindruck überniittrln kann. Die große Halle sollte aus dem Zusammenwirken Pf Architektur, Bildnern und Maleret'eine einheitliche Raiimni.kung darstellen: dockt kaum jemals ward eine solche Unzulänglichkeit gesehen Die Dinge, die sich aus dem Wust bcrausheben. schd zumeist Schär ungcit von Künstlern, die längst in ihrer Bedeutung ane rkannt st ad. _
jjrleö. Krupp.
ES ist für die breitere Ccffcntlirtjfcit nicht uninteressant über dieses größte Industrie Unternehmen der ganzen Welt vou Zeit zu Zeit etwas Näheres in Bezug aus seine Ausdeh nung und Entwickelung zu erfahren Tie Mitteilungen, die Krupp selbst in seinen Jahresbetichlen darüber macht, sind meistens sehr spärlich und beschränckeu sich auf die wächltg- sten Zissern über das Jahrescrgebnis in finanzieller Hinsicht. lieber seine Leistungsfähigkeit aus produktivem istebict schweigt er sich aus. Die zu dem Unternehmen gehörigen Werke außer dem Essener sind die Friedrsch-Alfied-Hütte in Rheinhausen bei Duisburg, das Grusomoerk in Buckau bet Magdeburg, die Germaniawerst in Kiel, ein Tttthllverk in Amten, 3 Hüttenwerke am Rhein hei Neuwied, EngerS tmd Sahn, ein Werk in .Hamm, 1 Kohlenzechen in Westfalen und .zahlreiche Eisencrzgrubcn ini Siegerland, tn Nassau, im Westerwald, in Spanten und Nord-Afrika, serner eine Reederei in Rotterdam und die Schießplätze in Meppen und Tangerhüttc. Aus diesen Werken beschäftigt er insgesamt 80000 Arbeiter. Der st ohkenverbrauch der Werke stellt sich auf 3.>30000 Tonnen; das sind auf den Arbeitstag 11 <67 Tonnen oder 1177 Waggons Aneinander- gereiht würden diese Waggons eine Strecke von etwa sechs .Kilometer einnehmen. Der Wasserverbrauch der Werke beträgt 19,1 Millionen Kubikmeter. Die Länge der Wasserleitungen innerhalb und außerhalb der Werke erstreckt sich über etwa 500 Kilometer. Das Gaswerk der Finna lieferte 15,8 Millionen Kubikmeter Leuchtgas für 22815 Flammen. Die Gasleittingen haben eine Gesamtlänge von 486 Kilometern. DaS Elektrizitätswerk 150 Silonttr. unterirdisch und 42 Kilomtr. oberirdisch verlegte Kabel und speist 2880 Bogenlampen, 39.100 Glühlampen und 3800 Elektromotoren. Das eigene Eisen bahn netz hat 151 Kilomtr. Gleis, auf dem der Berkehr mit 56 eigenen Lokomotiven und 2538 Wagen sich abnstckelt. Das Telegraph ennetz der Fabrik hat 90 Kilomtr. Leitung, 17 Stationen mit 29 Morseapparaten, durch die 31000 Telegramme tm letzten Jahr befördert wurden. Akißcrdem bestehen 1020 Kilomtr. Fcrnsprcchleitungen, aus denen im Durchschnitt täglich 11000 Gespräche gefiihrt werden. Auf den 3 Sch i c ß p 1 ä tze u der Firma wurden aus 4375 Geschützen 35 000 Probeschüssc ini letzten Jahre abgegeben, zu denen >70 000 Kilogramm Pulver und 1077 000 Kilogramm Geschosse oerbrauchl wurden. Die Kons »man st alten der Firma unterhalten 99 Pcrkauss- stellen. Es gehören dazu Schlächtereien, Dampfbäckereien, Mühlen, Weinkettereien, Eisfabriken, Bürstenfobriken, Tütenfabriken, Schneidertverkstätten, Ähuhmacherwerkstät- ten, Plättanstalteu. Die Ausgaben der Firma und der Familie Krupp für gesetzliche Arbeiterversicherung und sonstige WohlsahrtSeinrichtungen beliefen sich im letzten Jahre auf 19,7 Millionen Mark, bei einem Brutio-Betriebs-Ueber- schuß der Werke von 49,8 Millionen Mark und 36,6 Billionen Mark Reingewinn.
Fraucn-RunLs-chaii.
Die Abhärtung des kleinen Kindes.
In der Beilage zum N a 1 u r a r z 1 veröffentlicht Dr. Franz Schöncnberger folgenden beachtenswerten Aussatz:
Es ist eine weitverbreitete Meinung, die Naturheilkunde behandle nur mit Wasser, und wer sich abhärten wolle, müsse reichlich kaltes Wasser anwenden — je häufiger, um so besser. Ganz zu Unrecht! Die kalten Uebcrqieüunaen des kleinen Kindes Härten ebensowenig ab wie die'nackten Beine im Winter! Wer sich ab- härien will, muß seine Hanl zu rascher uno guter Reaktion erziehen. Nicht mit Unrecht nennt man lemanden. ver einem selbstlos die treuesten Dienste verrichtet, eine „gute ehrliche Haut". Stockt die Hauttättgkeit, so sind Gesundheit und Leben in Gefahr. Wie angstvoll wartet man in schweren fieberhaften Erkrankungen auf den Augenblick, wo die Haut ausängt, feucht zu werden! Schwitzt der Kranke, d. h. arbeitet die Haut wieder, io wird es besser mit ihm. Dabei ist die Haut derjenige Körperteil, der in Krankhcitssällen Anwendungen am leichtesten zugänglich ist. Grund genug, sie nicht so zu vernachlässigen, wie das gewöhnlich der Fall ist.
Wenn sich die Haut einem Bitterungs- oder Temperaturwechscl rasch genug anpassen soll, so müssen die Muskelfasern, die ihre Blutgesäße umspinnen, imstande sein, sich bei Kättereizen sofort kräftig zusammenzuztehen, bei Wärme dagegen entsprechend zu erschlaffen. Man bezeichnet diese Eigenschaft der Haut als „Federkraft". Versagt sie bei Kälte, so geht dem Körper zuviel Wärme verloren und man „erkältet" sich. Umgekehrt sindct leicht eine Ucberhitzung statt, wenn er sich nicht rasch genug entwärmen kann. In beiden Fällen sind Erkrankungen die Folge. Die Federkraft der Hanl ist davon abhängig, daß ihre Nerven, Muskeln und Adern ständig in Uebung bleiben. Uebung macht jedes Organ letstungssähig: auch die Haut. Daher muß mau sie öfters mit Lust und Wasser in Berührung bringen. Dadurch werden die Nerven angeregt, die Muskelfasern und Blutgefäße gezwungen, stets aut dem Posten zu sein. Das gewöhnt sie an ihren Dienst. Alarmiert man doch auch ab und zu die Truppen im Frieden, kontrolliert die Wachtposten usw., um sie so auf den Ernstsall vorzubereiten.
Ein Beispiel dasür, daß schwere Erkrankungen die Folge sein können, wenn die Haut nicht imstande ist, Temperaturschwankunaen genügend Rechnung zu tragen, liefern uns die Zimmersische. Die Haut des Fisches ist aus plötzliche Veränderungen der Wasserwärme nicht eingerichtet, weil sie unter natürlichen Verhältnissen nimm-» Vorkommen Gibt man nun im Winter den Fischen beim Wasserwechseln eiskaltes Wasser ins Bassin, so sträuben sich ihre Schuppen, die Tierchen bekommen schimmelartige Flecke und gehen bald ein.
Frische Lust an die Haut, das ist das natürlichste und beste Mittel, um sich abzuhätten. So empfindlich junge Kinder gegen unzweckmäßige AbhättungSversuche sind und so sehr ich lalle Ueber- gießuugen, häufige kalte Abreibungen, kalte Bäder, sehr leichte Kleidung, das Bloßlassen der Arme und llntcrtchcnkel auch bet kühlem Wetter und ähnliches in diesem Alter verwerse — das tägliche Luftbad ist den Kindern unentbehrlich, und schon die Kleinsten der Kleinen sollten sich mehrmals am Tage auf einem Bettchen oder einer Decke nackend ausftrampeln können. Fast alle Kinder decken sich.beftn Schlafen aus. Und wie fieuen sie sich, wenn sie einmal
nackend umherspringen können. Unsere Jungen treiben sich oft halbe Tage lang aus den Badeplätzen umher. Das ist das Walten des noch unverdorbenen Instinkts.
Von wesentlicher Bedeutung sür die Abhärtung ist die K l e i - düng ; sie besteht säst durchweg aus zu dicht gewebten Stoffen. Sie läßt infolgedessen die irische Lus! zu tveuig an die Haut treten und hält die Ausdüustungen^zurück. Ueber der Haut liegt dann eine übermäßig warme, mit Sclbstgiften überladene, seuchte Luftschicht. Der Körper kann sich daher nicht genügend entwärmen, und die Ausscheidung von Blutgasen erfolgt der verminderten Spannung wegen nicht ausreichend. In dieser seuchtwarmen Kloakenlust erweicht die Haut: ihre Nerven, Muskelsaseru und Blutgesäßc erschlassen. Sie gleichen einer Besatzung, die wegen Mangel an Uebung sorglos geworden ist, deshalb im entscheidenden Moment den Äavs oerltett und dann leicht vom Feinde überrumpelt wird. Die Stoffe müssen möglichst vorös sein, so daß der Haut- dunst ungehindert entweichen und frische Lust an den Körper kommen kann.
Sehr verweichlichend wirken übermäßig warme Zimmer; ^zu warme Zimmerluft macht überaus empsinbltch gegen Kälte. So fiteren die Bewohner der Tropen schon, wenn die Temperatur aus nur wenige Grad sinkt. Die Stubcnwärmc sollte 18 Grad nicht übersteigen.
Wenn von Abhärtung gesprochen wird, denkt säst jeder an kalte Abreibungen. Güsse und Bäder. Gewiß härten auch sie ab, nur muß man sich vor jeder Uebertreibung hüten. Es gcht Leute, die alle Morgen kalt baden oder sich kalt abreiben und dabet wohl und munter sind. Viele aber bleiben bei solch amvhibienhatter Lebensweise ansällsg und reizbar oder toerden es. Besonders Kindern schadet man säst immer damit. Sie werden durch kalte Ueber- gießungen, häufige kalte Abreibungen geradezu empfänglich gemacht für Erkältungen und bekommen dann alle Augenblicke einen Katarrh oder eine Halsentzündung. Nicht selten ist auch eine große Erregtheit des Nervensystems die Folge derarttger AbhärtungS- verluchc. Solche Kinder schreien im Schlasc auf, sind erregt und jähzornig und leiden unter Appetttlosigkeit usw.
„Kleine Kinder und Puten muß man warm halten," sagt der VollSmund mit Recht. Der Säugling vermag die Wärme, die man ihm durch kalte Tauchungen oder Ucbergießungcu entzieht, nicht rasch genug zu ersetzen. 2luch daS Nervensystem wird dabei zu stark erschüttert. Man badet den Säugling im ersten Monat 35 Grad, später von zwei zu zwei Wochen einen Grad niedriger bis aus 30 Grad Dann aber nur 3 bis 4 Minuten. Während des Badens die Haut sonst reiben. Kann das .Kind sitzen, so Rücken und Nacken fleißig bevlanschen. Allmählich daS Wasser um etwa 5 Grad abkühlen, damit sich die im warmen Bade weit geöffneten Poren schließen. 'Aus diese Weise wird jede ErkältturgSgetahr beseittgt und zugleich die Blutslut (Reaktion) nach der Haut befördert. Die allmähliche Abkühlung des Wassers ist den beliebttn llcbergießungen vorzuztehen. Kalte ?lbgießungen sind bei Kindern durchaus verwerflich.
Nach dem Baden das Kind in ein grobes, aber weiches Tuch wickeln und h-ehulsam trocken reiben. Den Hautfallen am Halse, in den Achselhöstlen, am Aster und an den Schenkeln beim Baden wie beim Abtrvck'nen besondere esorgsatt zuwcnden, da such hier dte Ab
sonderungen leicht zersetzen. Dadurch wird die Haut entzündlich gereizt und wund. Nach dem Austrocknen etwas Reispuder oder Kar- lottelmehl cinstrcucn. ?lbends säubert man die untere Körperhälite mit kühlem (etwa 25 Gradj Wasser.
Bloße Waschungen des ganzen Körpers erst mit warmem und zuletzt mit kühlem Wasser genügen auch. Doch zeigt das Behagen, mit dem sich das .Kindchen tu der Wanne dehnt, wie ivobltuend ihm das Baden ist. Vom zweiten Jahre ab braucht das Kind nur noch etwa zweimal die Woche warm (35 Grad: gebadet oder ganz ge- ivaschen zu werden.
kf. N o t h e l f e r i n n e n. Um den Mangel au Krankcn- vflcgerinnen aus dem Lande abzuhelsen, Hai der Verband evangelischer kirchlicher Frauenvcreine Hessens Pflegerinnen ausbildon lassen. Vier sind bereits in ihr Amt eingetreten und uvar arbeiten 2 neben der beruflich auSgebildeten Kranlent'chwester, ivährend 2 als alleinige Leiterinnen in ihrer Gemeinde tätig sind. Ihre Anstellung erfolgt entweder vom Gemcindesrauenverein, oder wo es noch leinen gibt, vom Kirchenvarstanh. Neben der Armen- und Kranlenpftege hoben sich die Nothelserinnen der Mütter- und Säuglingsfürsorge zu widmen und haben damit ein reiches und schönes Arbeitsgebiet. Wie groß die Arbeit ist, geht daraus hervor, daß die Pflegerin in BieberSheim in einem Jahr 136 Besuche gemacht und 15 HalbtagSpslegen oder Nachtwachen übernommen hat. In Retchenbach wurden sogar .507 Besuche gemacht. 'AIS Bezahlung wird neben einem Ftrum ein Stunden- bezw. Tages oder Nachtentgelt gewährt, der nach dem ortsüblichen Arbeitslohn berechnet wird. Die Ausbildung wir» vom Verband unentgeltlich übernommen, wenn sich die Bewerberinnen verptlickuen, mindestens 5 Jahre gegen Bezahlung die Kranken- und Hausvflege aushilts- weise auszuüben und sich zu diesem Zweck dem Verband zur Verfügung stellen. So nützlickt und notwendig diese Nathelierntnen vorläufig noch sind, so werden sic als vollgültiger Ersatz für die Kranlenvtlcgcrinncn nicht angesehen werden können ,und ihnen weichen müssen, sobald die genügende Zahl ausgebildclcr Pilcge- rinnen auch für das Land vorhanden ist.
— Norwegische Arbeiterinnen. Während in den anderen europäischen Ländern die Industrie bereits ein» große Zahl von Frauen zur Lohnarbeit herangezogcn l>al, steht Norwegen noch weit hinter den anderen zurück. Nur 35 077 Frauen werden in der Industrie beschäftigt, d. h. 13,5 Proz. allerJudusttie- Arbeiter überhaupt. Tic Ursache für diese geringe Beteiligung der Frauen an der EnverbSarbeit liegt darin, daß die arbeiiende Bevölkerung hauptsächlich noch t» der Landwirtschaft, im Forst, wesen und in der Schiffahrt beschästigt ist, tvv die Frauen mit- helfend tätig sind. Die Ncuhcft der Heranziehung von FiMien macht sich auch darin bemerkbar, daß von den Arbeiterinnen nur ein ganz geringer Prment'atz organisiert ist. Nur 11.0 Proz. aller berufstätigen Frauen sind den Organisationen bergetreteu, von den gewerblichen Arbeiterinnen 28,2 Pro, Die verhältnismäßig größte Zahl der organinertcn befindet sich im Druckerct- betrifib, wo 78,7 Prozent aller bcschätttgten Frauen Mitglieder der Arbeiter-Berbände sind. Die gcttnge Zahl der organisierten Arbeiterinnen zeigt wieder einmal, wie langsam sich grauen von der Koflpntbigfeit des Zusammenschlusses überzeugen teilen.


