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stündlich eintrefsen, da dem Kreuzer der Besch! an der Küste Klein-Asiens zugiirg. Der KreuzerBreslau" steht seht unter dein Befehl des Fregattenkapitäns Ke l tn er; sein erster Offizier ist der vor einigen Wochen an Bord gegangene Kapi länlcutnant Grabau, während der Dienst des Raviga- tionsossizierS noch in den Händen des Kapitänlentnants v. M o h l liegt, der bereits an Bord war, als sich der Kreuzer noch an der Blockade gegen die Küste Montenegros beteiligte. Die Tätigkeit derBreslau" nach dem Eintressen vor Du razzo wird sich mit in erster Linie aus den persönlichen Schutz des Fürsten von Albanien und vor allem auf den Schutz der deutschen diplomatischen Vertretung in Durazzo zu richten haben. Für den Dienst der neuerdings wieder aufgenommcncn Kreuzfahrten in der Levante bleibt jetzt nur noch das Flaggschiss der Miltelmcerdivision, der PanzerkreuzerGo eben", ver­fügbar, der die Küsten von Klein-Asien und Syrien ausgesucht bat. Von Durazzo aus wird der KreuzerBreslau" wieder in direkter und unmittelbarer Funkspruchverbindung mit der Heimat stehen können, wie dies dem Schiss auch im ver­gangenen Jahre bei seiner Blockadctätigkeit an der Küste Montenegros möglich war.

Eine neue Hiobspost für den Fürsten von Albanien.

Rom, 20. Juni. Hier kursieren Gerüchte, daß der zum Entsätze von Durazzo mit 2000 Mann H i l f s - truppen heran rück ende A z i z Pascha zwischen Schiak und Fieri gefangen genommen sein soll. Auch hätten die Malissoren in Durazzo ihr vollständiges Miß­trauen gegen die holländischen und österreichischen Offiziere erklärt.

Wien, 20. Juni. Auch hier wird die Gesang en- nah mcAzizPaschas gemeldet: Aus Durazzo wird sogar gemeldet, daß Aziz dicRegierungverraten habe, weil er verstimmt sei, daß man ihn nicht auf die Ministcrliste gesetzt habe. Er habe 2000 Bewaffnete gesammelt und vor­gegeben, sie dem Fürsten zur Verfügung zu halten. Er sei in Valona verhaftet worden. Ein Teil seiner Leute hätten sich zerstreut, ein Teil soll Fieri erreicht haben, um sich dort mit den Aufständischen zu vereinen. Die Landung Ismail Kein als in Valona wird hier lebhaft begrüßt, dagegen herrscht in Durazzo Besorgnis: man weiß nicht, ob er sich für oder gegen die Regierung entscheiden werde.

Deutschs» Reich. __

Der Kaiser ist am Freitag im Sonderzuge nm 7.45 Uhr in Hannover eingetroffen und hat im Königlichen Schloß Wohnung genommen. Auf der Fahrt zum Schlosse, die der Kaiser im osscnen Automobil zurücklegte, wirrde er von dem sehr zahlreichen Publikum herzlich begrüßt. Der Kaiser begab sich in der Uniform des KünigSulanenregie ments am Freitag vormittag im Automobil zur W a n d e r- ausstellung der deutschen L a n d w i r t s ch a s t s g e- sellschast auf der Großen Vult, wo er um 10 Uhr 'ein- traf. Als der Kaiser an der Brüstung der Kaiserloge er­schien, brachte der Fürst von Schanmburg.Lippe ein drei- sachcs Hurra auf den Kaiser aus, das bei den vielen Tau­senden, die in dem Voxsührungsring versammelt waren, brausenden Widerhall fand. 2700 Knaben und Mädchen sämtlicher Schulen, ivelche in dem großen Ring ausgestellt waren, sangen die Nationalhymne und führten darauf Frei­übungen aus. Der Kaiser ivinkte den Kindern bei deren Abmarsch andauernd freundlich zu. Es folgte nun die Vor­führung von mehrcreu hundert preisgekrönten Rindern und Pferden, darauf die Vorführung des Pferdematerialsi des Militärinstituts sowie die Vorführung einer kombi­nierten, vollständig bespannten Batterie in »rllen Fahrarten. In tziegenwart des Kaisers wurde dann das Tournicv deutscher Pferde und darauf das des Reichsverbandcs für deutsches Halbblut mit einem großen Jagdspringen fort­gesetzt. Der Kaiser besuchte zum Schluß noch die Sonder- ausstellung der Landwirtschaftskammer der Provinz Han­nover und verließ dann durch ein Spalier von Schulkindern unter den andauernden Hochrufen des Publikums die Aus­stellung um 1 Uhr. Der Kaiser begab sich von der Aus­stellung nach dem Generalkommando, wo er das Frühstück bei dem Kommandierenden General v. Emmich nahm. Um drei Uhr fuhr der Kaiser mit Gefolge in Automobilen nach Eilvese zur Besichtigung der Funkspruchstation. Abends speiste der Kaiser beim Ob-rpräsidcntet, v. Wentzcl. Nach der Tasel trag der Lehrergesangverein einige Lieder vor.

Ein neuer österreichisch-ungarischer Bot- schaster in Berlin. Das WienerFremdenblatt" mel­det: Wie wir erfahren, wird der langjährige österreichisch­ungarische Botschafter am deutschen Hofe, Graf v. Szö- gh« ny-Mar ich, welcher seit 53 Jahres, im öffentlichen Dienste steht und seit 1892 die österreichisch-ungarische Mo­narchie in Berlin vertritt, demnächst in den Ruhestand treten. Als Nachfolger ist P r i n z G o t l f r i e d z u H o h c n- lohe-Schillingssürst, der seit 1907 als Botschafts­rat in Berlin tätig ist. auserschcn. Bekanntlich ist Prinz zu Hohenlohc-Schillingsfürst mit der Erzherzogin Marie Henriette, einer Tochter des Erzherzogs Friedrich, ver­heiratet. ,

Suilattfi.

Der König von Sachsen ist am Freitag nachmittag 4 Uhr in Zarskoje Sselo eingetrofsen. Beim Verlassen des

die den Weg vorzüglich abschließt und bedeutende Stimmungs­werte birgt. Sie bringen außerdem noch ein Urnengrabmal aus deutschen, Muschelkalk und ein Kinüergrab. Die Hessischen Stcinbrüche G. in. b. H , Londorf, bringen vier Grabstein nach Entwürfen des Architekten Ernst Schmidt, von denen zwei in Lung- stein, zwei in Basaltlavatnfi bergestcllt sind. I. Atz b ach ist mit vier Steinen vertreten, von denen die Urne in rotem Sandstein und das Familiengrab besonders hcrvorzuhcbcn sind. G. ü a u b a ch bringt zwei gute Lolzkreuze in schlichter Form, die sich an glltei alte Vorbilder anlehncn: ein gleiches gUt von dem gegenüber- stehenden Grabkrcuz, das in reicher Filigranarbeit einen besonder-, guten Eindruck macht. Es ist ausser Werkstatt von Schloisermcistcr D. S ch ö n I. und von Architekt Schmidt entworscn. Gebr. R c i n - h a r d in Flacht haben die Kunststeinarbeiten der Urnenhallc ausgcsübrt, die uns in technischer Vollendung zeigen, daß der Kunst­stein tatsächlich ein moderner Architcktnrftcrn geworden ist. Die Ver- vutz- und Rabitzarbeitcn an dieser Urnenhallc sowie a» der Gruft sind von Gustav Ehr. Schmidt in seinem eigenen Svczial- edclputz ansgcführt. Die zwei Metallnrncn und die Treibarbeiten in der Gruft (Grabplatten und Blumenhalter) sind von der- Firma A. GracfcftEo. nach Entwürfen von Ernst Schmidt hergestclli.

Die gärtnerischen Anlagen sind von Wenzel ft Thor- westen in Frankfurt a. M. ausgcsührt. Mit kleineren Arbeiten sind noch vertreten: August S t u mp,, Homberg, LouisMül - ler und Ludwig Dann», Schreincrmeister in Gießen, Sack ft Jughardt in Gießen, sowie I. B. Häuser, Gießen.

Kurze Nachrichten ausl Kunst und Wissen- schüft. Der ,Pokal-Anz." meldet aus London: Der Schriftsteller Branton Thomas, der Bcrsasscr vonCharlcys Tante" ist gestorben.

Zuges stmirde er vom Zaren herzlich begrüßt. Zv.m Empfange hatten sich crngcsundcn Großfürst Nikolaus und ander, Großfürsten, die Minister des Acußcrn, des Krieges und der Marine, die kaistr- liche Suite und der deutsche Botschastcr mit dem Personal. Der König stieg im großen Palais ab, wohin ihn der Kaiser begleitete.

Drei- oder zweijährige Dien st zeit in Frank­reich? Aus Paris wird gemeldet: Die Gruppe der geeinigten Radikalen hat in den D c e r c s a u s s ch n b 13 Mitglieder ge­wählt, die insgesamt Anhänger der zweijährigen Dienstzeit sind. Von den geeinigten Sozialisten -wurden in diesen Ausschuß 7 Mit­glieder und von den republikanischen Sozialisten 2 Mitglieder cnt- iandt, die gleichfalls durchweg Anhänger der zweijährigen Dienstzeit sind. In dem 44 Mitglieder zählenden Heercsausschuß sitzen in­folgedessen 2 2 Gegner des Drcijahrgcsetzes.

Rußland und Rumänien. DieLiberia" meldet aus Konstantmopel: Die Vertreter Rußlands und Rumäniens nntrr- nahmcn bei der Pforte einen gemeinsamen Schritt, um aus die Interessen hinzuwciscn, wclck>c ihre beiden Regierungen bei der Anfrcchterhaltung der Handelsfreiheit in der Meerenge haben. Dieser Schritt werde lebhaft erörtert. Man erblickt darin das erste Ergebnis der durch die Monarchcnbegegnung von Konstanza bekräftigten russisch-rumänischen Annäherung.

Die türkische Kammer hat am Donnerstag der Verlängerung des türkisch-deutschen Handels­vertrages um ein Jäh-r zugcstimmt.

Aus StaSt «Iid LarrÄ.

Gießen, 20. Juni 1014.

Schmiedeeiserne Arbeiten vom alten Friedhof zu Gießen.

Es ist ja hinlänglich bekannt, ivelche Fülle von An­regung die alten Grabdenkmäler des hiesigen Friedhofs dem Kunsthistoriker und Geschichtsforscher bieten. Doch auch der Architekt und Kunstgewerbler hat seine helle Freude an den wirklich künstlerisch gearbeiteten Sachen, nnd es verlohnt sich daher der Mühe, einige dieser Denkmäler, und zwar die geschmiedeten Tore der Grabh-äuser, etwas näher zu betrachten.

An dem der Kapelle zunächst stehenden Denkmal sicht man den Namenszug des kunstvollen Verfertigers, näm­lich die Zeichen P. 5g., und als Jahr dev Herstellung 1635 angegeben. Mithin ivar es noch im 30jährigen Krieg, wäh­rend alle Gewerbe schwer darniederlagen, während der Handel stockte und keine Aussicht aus Frieden vorhanden war, als der Schlossermeister sich an diese Arbeit machte. Offenbar hat er sich dabei an Vorbilder gehalten, denn, in der Marburger luth. Kirche findet sich ein Grabmalgitter vom Jahr 1592, das genau das gleiche Muster ausweist. Interessant bei dem hiesigen Gitter ist die Füllung des oberen Halbkreises. Rundstäbe in schön gebogenen Spiral­linien durchziehen ihn und an ihren Enden sind sie durch Bleche, die in Form von Blättern und Fratzen zugeschnittcn sind, abgeschlossen. Zu beachten ist ferner die bekrönende Spindelblume, eine in damaliger Zeit vielfach angewandte Verzierung. Blütenblätter, Staubfäden und Ketrhblätier sind in der dem Material des Eisens entsprechenden Form der Natur nachgebildet. Sehr sein ist die auf dem Grabmal stehende Putte, die mit cmsgcbreilcten Aermchen herab- zuschweben scheint.

Das danebenstehende Denkmal fällt mehr durch seine hübsche Architektur ins Auge. Es stammt wohl, da An­gaben über das Alter nicht zu sindcn sind, aus derselben Zeit wie das vorhergehende. Der Schmiedearbeit nach könnte es dem benachbarten eher voraargehen. Ist doch diese viel roher geformt, obtvohl sie genau dasselbe Muster auf­weift. Der Schluß liegt nahe, daß es aus der Werkstatt desselben Meisters stammt. Das Schloß zeigt eine etwas plumpe Art, ist nicht verziert. Einen sehr hohen Grad von künstlerischem Verständnis zeigt dagegen das über der Tür befindliche Fenster. Obtvohl sehr einfach gearbeitet, macht es doch mit dem hübschen Relief, das es umzieht, einen sehr seincn Eindruck.

80 bis 100 Jahre jünger als diese beiden mag wohl das dritte, an die Kirchhofmauer angebaute Grabmal sein. Es gehört einer noch jetzt lebenden alten Adelssamilie Gießens, was auch durch das Wappen über dem Tor bekundet wird. Hier merkt man schon die fortgeschrittenere Technik insofern, als alles genauer gearbeitet ist. Als neues Ornament treten die Blätter und Ranken auf, die der Barok in Deutschland einführtc. Zu beachten sind die schön ausgebildeten Tür­angeln und die Art ihrer Befestigung. Die Architektur des ganzen Häuschens zeigt ebenfalls den damals herrschenden Stil sowohl in der schön geschweiften Dachlinie als auch in den aus dem Holze hcrausgeschnittenen Oberlichtern. Die einzige gußeiserne Arbeit an dem ganzen Tor ist faag 1 schon erwähnte Wappen.

Wenn man erwägt, welche Summe von Arbeit in diesen Türen liegt und wie einfach d)ie damaligen Werkzeuge waren, daß dem Schlosser noch keine Nietmaschincn, Schweißappa­rate u. dgl. zur Verfügung standen, so muß man den Mei­ster» für diese künstlerischen Leistungen volle Anerkennung auSsprcchen. Unser heutiges Schlosscrgewerbc aber, das sich nach dem Niedergang vor 20 Jahren wieder zur alten Höhe aufzuschwingen beginnt, kann sich diese Arbeiten nur zu gutem Beispiel ancignen.

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** Tageskalendcr !>ir SnmStaq, den 20., und Sonntag, den 21. Jul», W e w e r b e a » s st e I l» » g: Heute Samstag , Berg- manustag, Tonntag: Jungmeistertag: Konzerte von 111,47 »»d 8II Uhr.

Stabil beater: Wobltätiikeils-Borslellinig : Engel Inder Knust. Samstag abend 7 Uhr und Sonnlag nachmittag 4 Uhr.

O b c r h e > s i i ch e r K u n st v e r e > n. Die Gemälde-Ausstellung ist täglich von 111 Uhr. Mittwochs von 3 bis 5 Uhr, und an Sonntagen von 113 Uhr geöffnet.

Lberbeslisches M »s e » m nnd K a i l' s ch e Samm­lungen, Geöffnet Sonnlag vorinittags 111 Uhr unentgeltlich.

M nie» m für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vorinittags von II1 Uhr »nentgelttich.

(Beibe Museen sind auch Mittwochs und CaiiistaaS vo» 3 bis » Uhr gegen ein Siiitrittsgeld voil 2 I Psg. fite die Person geöffnet.

E e y l o n - A u s st e l l u » a > in Botanische» Garten vormittags voll 9-12 Uhr. Nachmittags nur sur Vereine nach vorheriger Anmeldung.

Lichtspielhaus.- Täglich Vorstellung.

U »i o » - T h ea t e r: Täglich Lorsleliung.

** Das Großhcrzogspaar begab sich am Donnerstag vormittag 7 Uhr 20 Min. im Auto nach Lich und kehrte nachmit­tags 1 Uhr 45 Min. nach Jagdschloß Wolssgartcn zurück.

** E r lt e « n u n g. S)er Kaiser hat zum Mitglied der kaiserlichen Diszivlinarkammer in Darmstadt den königlich Preußischen Militärintendanturrat Schaniberg auf die Dauer des von ihm bekleideten Staatsamtcs ernannt.

..., ** Professor Dr. Otto I m m i s ch , Ordinarius der klas- ,ischen Philologie in Königsberg i. Pr. hat den Ruf an die Universität Freiburg i. Br. angenommen.

** Pfarramts Personalien. Ter Großher- zog hat am 17. Juni d. I. den von dem Herrn Oberhof- hofinciiier Dr. Freiherr» von Leonhards auf die evangelische Piarrslcllc zu Burg Gräfenrode, Dekanat Rodheim, präsen­tierten Psarrassistenten Bernhard Mangold zu Bretzen­heim für diese Stelle bestätigt.

_ ** Ucbcrtragcn wurde nm 16. Juni d. I. dem

Schulamtsaspiranten Adam Böller aus Stadecken eine

Lehrerstelle an der Volksschule zu Hcchtshcini, in demselben. Kreise: dem Schulamtsaspiranten Joseph Räppte aus! Karlsruhe eine Lehrcrstelle an der Volksschule zu Oberts­hausen

** Steuerpcrsonalien. Am 19. Juni d. I. wur­den die Stcucraufschcr Wilhelm Mitschkn zu Lampert­heim und Valentin Kissel zu Alsfeld an das Hauptstcucr- amt Worms, der Steucraufscher Ludwig S ch w i n n zu Lautcrbach an das Hauyisteueramt Mainz und der Steuer-- ausschcr an der Zuckerfabrik Groß-Uinstadt Paul Pi l- than zu Groß-Umstadt in den Steueranssichrsbezirk Groß- Umstadt versetzt, sämtlich vom Tage ihres Dienstantritts an.

Erledigt ist die Stelle je eines Bczirkssteucraufschers zu Lampertheim, Alsfeld und La u t e r b a ch und die Stelle eines Zuckcrstcueraufsehers an der Zuckerfabrik Groß-Umstadt.

** Schulaugelegen!)eiten. Erledigt sind acht Schulstellcn an der Volksschule zu O f s e u b a ch. Hiervon sollen drei mit katholischen Lehrern, eine mit einer katholi­schen Lehrerin und vier mit evangelischen Lehrerinnen besetzt werden. Eine Lehrcrinstelle an der katholischen Volksschule zu Herbstein, Kreis Lauterbach.

** S i ti goldenes Jubiläum. Heute begeht Amts- gcrichtsdirektor Geheimer Justizrat Heinrich Gebhard die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 50 Jahren für den hessischen Justizdienst als Gcrichtsakzcssist beim da­maligen Hofgericht der Provinz Oberhessen in Gießen ver­pflichtet wurde. Der jetzt 73jährige Jubilar wurde in dem kleinen Bergstädtchen Battenberg a. d. Eder, im ehemaligen hessischen Hinterland, als Sohn eines Justizbeamten geboren und studierte in Gießen und Heidelberg. Nach seinem Staats­examen wurde er nacheinander in Schotten, (tzrünberg, Laubach, Hungen und Alsfeld verwendet und als Staats­anwalts-Substitut Ende 1871 in Alsfeld angestellt. Seit 1875, wo der Jubilar als Stadtgerichtsasscssor nach Gießen kam, wirkt er als richterlicher Beamter in unserer Stadt beim Amtsgericht und ist beinahe 25 Jahre ununterbrochen als Vorsitzender des Schöffengerichts tätig. Geheimrat Geb­hard wurde 1894 zum Amtsgerichtsrat, 1903 zum Ober­amtsrichter, 1904 zum Geheimen Justizrat und am 1. April d. Js. infolge der neuen Besoldnngsordnnna zum Amtsge­richts-Direktor ernannt. Die Art Und Weise seiner Wirk­samkeit am Schöffengericht hnt den Beamten zum popu­lärsten Richter nicht nur in unserer Stadt, sondern in der Provinz Obcrhessen gemacht. Geheimrat Gebhard liebt es nicht, aus harte Strafen zu erkennen, denn er ist nichts we­niger als ein Buchstabenjurist. Er läßt sich in seinen Ent­scheidungen von milden, menschlichen Erwägungen leiten.

In Beleidigungsklagen versteht es der Vorsitzende der Schüs­sen meisterlich, die Parteien zur Nachgiebigkeit und zur Ver­söhnlichkeit zu bewegen und ein hoher Prozentsatz dieser Klagen endet durch einen Vergleich. Manch altem und er­bittertem Hader zwischen Verwandten oder Nakhba.ru, der gewöhnlich als Beleidigungsklage vor die Schössen kommt, hat der Jubilar durch einen Vergleich zu einem versöhn­lichen Ende verholsen, selbst wenn die Parteivertreter das Gegenteil angeraten hatten. Auf diese Seite seiner richter­lichen Tätigkeit, in der es ihm so leicht auch keiner gleich! tut, kann der Jubilar mit Recht stolz sein. .Aus Anlaß des Jubelfestes sind Geheimrat Gebhard zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog hat ihm bas Ehrcnkreuz des Verdienstordens Philipps des'Großmü­tigen verliehen. Die Richter des Landgerichts und die Be- aniten der Staatsanwaltschaft widmeten eine prächtige Blu- < menspende, die von dem Präsidium des Landgerichts und 1 dem Großh. Oberstaatsanwalt tu der Wohnung des Jubilars überreicht wurde. Zu einer überaus erhebenden Feier ge­staltete sich die Beglückwünschung, welche den. Jubilar heute im Schöffengcrichlssaale von den Richtern des Amts- gerichtS, den Beamten der Gerichtsschreiberei, der Amts- anwattschast und den Gerichtspollziehern dargebracht wurde. Der Schöffengerichtssaal war festlich geschmückt, der Amts­sessel des Jubilars war mit Guirlanden umwunden. Herr Amtsgerichtsrat Wachtel hielt namens der Gratulanten eine wirkungsvolle Ansprache, in der er die Verdienste des Gefeierten während seiner langen Dienstzeit und seiner nahezu 4lljährigen Tätigkeit im Amtsgericht Gießen her­vorhob und ihm insbesondere dafür dankte, daß durch seinen Einsluß die kollegialen Verhältnisse am Amtsgericht Gießen geradezu mustergültig geworden seien. Namens der zur Feier Erschienenen überreichte er herrliche Blumenspenden. Sichtlich gerührt dankte der Jubilar für die ihn so über­aus ehrende Feier. In geradezu bewundernswerter, kör­perlicher und geistiger Frische denkt der Jubilar in das neue Amtsgerichtsgebäude demnächst einzuziehen. Möge ihm auch ferner noch gedeihliches Wirken in seinem Beruf vergönnt sein.

** Aus der Rechtsanwaltschaft. Am 9. Mai wurde der Rechtsauwalt Georg Lind zu Laubach zur Rechts­anwaltschaft bei t>em Amtsgericht Grünberg zugelassen, nachdem er die Zulassung bei dem Amtsgericht Laübach auf- gegeben hatte. Am 16. Mai hat der Rechtsanwalt Theodor Weber zu Fürth die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Fürth aufgegeben.

** Der Bergmannstag, der anläßlich der Ge­werbeausstellung hier tagt, begann heute früh mit einer Be- grüßungsfeie r in Alt-Hessen, woran sich zunächst ein Vortrag anschloß. Es sind Vertreter aus fast alten mittel­deutschen Bergrevieren erschienen.

** Zu dem oberhessischen Jungmeistertag, der morgen statlfindct, haben sich rund 300 Jungmeister an- gcmcldet, die in Althessen, wo auch der Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Kaufmann statlsindet, von dem Ausstel­lungsvorstand begrüßt werden. Eine rege Teilnahme der hie­sigen Gewerbetreibenden auch an dem Festessen ist sehr er­wünscht. Aus Anlaß des Jungmeistertags ist von 11 1 Uhr Konzert im Ausstellungsgarten,

** Oberhessischcr Kunst verein. Aus der aus­gestellten Sammlung von Professor Kaiser wurde beute wie­der 1 OelgemäldeFrühherbst" angekaust und geht in hiesi­gen Privatbcsitz über. Die gegenwärtige Ausstellung ver­bleib! voraussichtlich nur noch acht Tage einschließlich zweier Sonntage. Aus Wunsch wurde heute ein größeres Kinder- gruvpenbild (Porträts) von A. Wimmenauer-München aus hiesigem Prioatbesitz ausgestellt.

**EngclinderKunst. Wie man uns schreibt, hatte die gestrige .Hauptprobe der Engclausführungeu im hiesigen Stadtthcaicr einen vollen Erfolg. Die lebenden Bilder und die musikalischen Vorträge ernteten einen außerordentlichen Beifall, so daß nicht genug darauf hingewiesen werden kann, sich den Genuß nicht entgehen zu lassen.

** Halte st elleBade» bürg. Der Zug, der Gießen oum 2.17 Uhr verläßt, hält von heute an nach Bedars an der Badenburg.

** Keine BahnaufdenFeldberg. Die kürzlich ausgelauchte Mitteilung, daß in absehbarer Zeit der Bau