Nr. \\2
Der «ießener Snjeigtt
erjcheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Siehe iterLamllienbläNer;
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(Dienstag nnd Freitag); zweimal inonatl. landwirtschaftliche Zeitfragea ,r«r»lprech - Anschlilsse: mr die Redaktion 112, Bering n. Exvedjnon öl Adrcffe für Depeschen: Anzeiger Gießen, pimahme von Anzeigen nir die Tagesnnnlmer bts vorniittagS 8 Uhr.
Erstes Blatt
*64- Jahrgang
Samstag. 20. Zum M4
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen llniv.Guch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
!veznc,4vretS:
monatlich 75Pf., vierteljährlich W. 2.20, durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestell^. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. C-Hefredaktenr: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Gocy; für .Feuilleton", .Vermischtes" und „Gerichts- saal": 5^arl Neurath; für .Stadt und Land^: Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 16 Seiten.
politisclic woctzenscl)a»i.
. Gießen, 20. Juni.
der evangelische Bund gegen die weitere Ausbreitung des katholischen Ordenstvescns in Hessen Stellung utulmt, ist sein gutes Recht und wird niemand verwundern, ^re Gerster müssen ivach erhalten werden; die krästigo ■ C rl£'e-c lc ^ ute aus Rom iveht, wirkt ja auch alles eher als einschläfernd. Trotzdem halten wir die hessische Regierungsvorlage zur Revision der Ordcnsgesetzgebung mit der Mehr- yeit der Zweiten Kammer für annehmbar und zweckmäßig. a,as '.lussichtsrecht der Regierung wird dabei nicht berührt, und lmr hoffen, dag die maßgebenden Herren in Darmstadt Ji lc r.?,, ,lur Rechte, sondern auch ihre Pflichten kennen. Erfüllen sic diese, so lvird der Ruf der Zentrumsblätter nach einem oder, noch besser, mehreren ultramontanen Ministern niemanden erschrecken, noch aus seiner guten Laune bringen. Ter Bauernbnndlcr Wolf hat cs ja auch nicht so ernst gemeint, als er in der Kammer daran erinnerte, dag die Hmwen Minister der Kammer gegenüber sich in einer gewissen Abhängigkeit befinden. „Ein Wvrtlein kann sie fällen" . .
Gerechte Wünsche der katholischen Bevölkerung in Hessen werden auch ohne ultrainontane Minister erfüllt Hätte ein anderer die katholische Ordenssragc wohlwollender behandeln können als der Minister ». Hombergk? Wir ehren diesen Geist echter Großzügigkeit und Duldsamkeit, der von enger Bevormundung sich abwendct. Wie wir in Kunst und Literatur des Schutzmanns Einschreiten möglichst vermeiden wollen, so soll auch die religiöse und konfessionelle llebung von kleinlicher Einschränkung befreit bleiben. Ein vernüns- tmes Maß von Freiheit steht allen zu, auch dem katholischen Kultus. Wenn es sich, wie nachgcwiesen worden ist, in der Vorlage nur' um die Ordenstättgkeit in der Krankenpflege, aushclscnder Seelsorge und den bisher schon erlaubten Schulen handelt, dürfen wir Gerechtigkeit walten lassen. Die Pflicht des Einschreitens hat der Staat nur gegen Terrorismus und die Schürung des konfessionellen Unfriedens. Ferner muß die Schule vor zu weitgehenden Einflüssen der Kirche bewahrt werden. Was die Vermehrung der Lehrkräfte an den Schulen der Englischen Fräuleins betrifft, so besorgen wir davon nicht, wie die Abgeordneten Korell und Bach, eine Zurückdrängung der Simultanschule in Hessen. Der Regierung steht es ja auch hier zu, jeweils das Bedürfnis zu prüfen. Besonders der Antrag des Pfarrers Korell, die Englischen Fräuleins anzuweisen, dasselbe Schulgeld zu erheben >vie die übrigen Anstalten, ist nicht nach liberalem Geschmack. Mit solchen Mitteln kann man geistige Regungen und Strömungen schlecht bekämpfen, und cs war erfreulich, daß der Abg. Reh als Ansschutzberichterstatter erklärt hat, die Korellschen Anträge gingen nicht von der fortschrittlichen Volkspartei aus.
Schwerlich wird sich die Mehrheit der protestantischen Bevölkerung Hessens über die voraussichtliche Annahme des neuen Ordensgesetzcs sonderlich erregen. Wir hoffen aber, daß der Beweis des' Entgegenkommens von katholischer Seite recht gewürdigt wird. Das Streben etwa nach kirchlicher Herrschaft über den Staat oder nach zunehmender Einmischung in rein weltliche Geschäfte wird nach wie vor entschieden zurückgcwicsen werden. Im Zeitalter PiusX. ist jedenfalls an eine Rückkehr des Jesuitenordens ins Hcssen- kand, die der sozialdemokratische Abgeordnete lllrüh so dringend zu wünschen scheint, nicht zu henken.
Spaziergänge durch die Sewerbeausstellung.
v.
Ter durch seine sorgfältige Pslcge in prächtigem Wüchse stehende Garten wird auf der rechten Seite sehr wirkungsvoll durch das Haus II abgcichlossen, dessen Entwurf und Ausführung von dem Geschästssührcr der Ausstellung, Herrn Architekten H Kocker- b e ck, stammt. Es ist ein dreiflügeliger Bau, dessen Stirnseite kleine Säulenhallen vorgelagert sind, die im Verein mit dem schlanken Mittelbau sehr originell und zierlich wirken. Wesentlich gehoben wird der freundliche Eindruck dieses Baues durch die geschmackvolle Verwendung kräftiger Farben und die schlank aufstrebenden Giebel. Die Vcrschindelung des Hauses ist von Johannes Haber- mebl in Allmenrod, der seine Schindeln alle im .Handbetrieb hcrstellt, und von Jobs. Hansel VI. in Dirlammen. Die Tcrrazzvarbcitcn find von Nizza und Maraldo in Gießen, die Bemalung von Georg Wagner in Gießen ausgeführt. Die Gipsarbeitcn sind von George in Alienmorschcn. In dem großen Laden stellt die Färberei nnd chcm. Waschanstalt B r a bach und Fischer eine große Slnzohl gefärbter und gereinigter Kleider, Stoffe, Dekorationsgegcnstände usw. aus, die samt und sonders den Eindruck der Neuheit machen und die Leistungsfähig- keit der Firma im besten Lichte zeigen. In einem im Stil einer altbessischcn Bauernstube eingerichteten Kostraum für Branntweine stellt Krause u. Co. (Inh. Rub. Gutermutb, Großcn-Lindcn) alle Arten von.Schnäpsen und ihre Nebenprodukte aus, wie Weinessig und Gärungsesssg.
A. Graefe u. Co., G. m. b. H., kunstgewerbliche Werkstätten für Metallarbciten, Gießen, bringt eine Anzahl Heiz- körperverkleidungen, Ornamente, Grabtafcln, Urnen und Schau- fenstermodcllc in reicher Auswahl. I. B. Häuser, Eisen- und Maschinenhandlung, Gießen, hat Irische und amerikanische Dauerbrandöfen, Landöfen, Herde, Waschmaschinen u. a. ausgestellt. Auch mit Grabdenkmälern und Kreuzen ist die Firma vertreten. Die Budcrus'schen Eisenwerke in Wetzlar, deren wir schon bei unserem ersten Rnndqang gedacht haben, hat ihre weltbekannten Fabrikate ebenfalls hier ausgestellt. In der Form und der Ausführung vorzügliche gußeiserne Gliederkcsscl und Radiatoren für Zentralheizungen sowie alle übrigen Zentralhcizungs- bestandteilc. Ferner sind Gußrohren vorhanden, Fvrmstücke, Kanal- tcile und sonstige Gußwaren. Ter von der Firnis hergcstellte Edelputz Terra Budera ist u. a. an dem Portal zum Friedhof angewendet. Tie Svczialiabrik für Holzbearbeitungsmaschinen Klein unb Stiefel in Fulda bringt ihre Universalbandsägemaschincn unt Fräse, Kreissäge, Langlochbohrmaschine mit cmgebautcm
Immer winziger werden die Hoffnungen des Fürsten Wilhelm von Albanien! Zwar sind nach dem großen Gemetzel vom letzten Mittwoch keine schweren Schläge mehr gefallen, und durch das Eintreffen von Kriegsschiffen jauch ein französisches Schiss ist am Freitag vor Durazzo angelangt) wird ein großes Blutbad wohl verhindert werden. Aber die Großmächte scheinen sich nicht geeinigt zu haben, selbst Gewaltmittel anzuwenden, um dem Fürsten sein Recsime zu beivahren. Wenn auch in der italienischen Presse inzwischen einige Lobpreisungen des Fürsten erschienen sind, so deutet doch alles darauf hin, daß man in Rom mit einer gewissen Schadenfreude die Erfolge des Aufstandes, den man wohl auch heimlich gefördert hat, beobachtet. Die „Neutralität', der man sich befleißigt, ist von einer besonderen Art. Die albanische Regierung, die man zu fördern vorgibt, hat einen österreichischen Dampfer gechartert, der bcioassnet wurde und die Aufständischen vor Durazzo durch ein paar Schüsse behelligt hat. Darüber große Aufregung in den römischen Blättern, die auch den wenig glaubhaften Bericht verbreiten, der dort anwesende englische General habe gedroht, das Schiss in den Grund zu bohren, wenn cs weiter so vorgehe. Italien null dem Kontrollausschuß wieder die nächsten Schritte Aberlassen pnd den Rücktritt des Fürsten Wilhelm beschleunigen.
Warum aber greifen die anderen Großmächte nicht ein? Wir würden dem Neuwieder Herrn gewiß alle Erfolge gewünscht und gegönnt haben, allein der Versuch darf wohl als gescheitert betrachtet werden. „Zu tief schon hat der Haß gefressen und zu schwere Daten sind geschehen, die sich nie vergeben und vergessen." Wer hat noch nicht von der Blutrache der Albaner gehört? Hat das kleine Land, dessen Bevölkerung nicht einmal so groß ist wie die einer deutschen Großstadt, etwa Beweise gegeben, daß es ein sried- lich zu regierendes Land sei? Gewiß, die türkische Verwaltung war verlottert, aber sic war den Albanern nur darum erträglich, weil ihnen dadurch ihre „Freiheit" garantiert war. Trotzdem die zahllosen Aufstünde noch in den letzten Jahren, die iveder Tschavid Pascha noch Tor^nt Schcsket Pascha ganz niederzuzwingen wußten. Wer sind die Miriditcn, deren Hilfe sich Fürst Wtlhalm jetzt erfreut? Sie sind ein katholisches Bergvolk mit eigenen Sitten und einem fürstlichen Führer, der aver keine Monarchcngcwalt besitzt, sondern ein „Herzog'' istp wie ihn die alten Germanen sich erkoren. Ein solcher Herzog ist der vielgenannte Prenk Bibdoda, ans den man in Durazzo die letzte Hoffnung zu setzen scheint. Er führt vielleicht 2000 Männ mit sich heran, aber wer weiß, welche ehrgeizigen Plän« er verfolgt! Ist es denkbar, daß Fürst Wilhelm, auch wenn alle Empörer mit Hilfe der Großmächte nicderge- zwungen wären, auf die Treue und Anhänglichkeit seines „Volkes" rechnen könnte? Die Wiener „Neue Freie Presse" ist so töricht, die Albaner des Undanks gegen den Fürsten zu zeihen:
Da ist ein Volk, das aus devk Kriege verstümmelt, getreten und mißhandelt hervorging. Die Nachbarn wollten cs vernichten, und jeder hat einen Fetzen von Albanien an sich gerissen, und die Widerstrebenden wurden gemartert oder vertilgt, und die Absicht war, jede Erdenspur dieser Nation zu verwischen. Nach so viel Blut und Leid kommt ein Fürst, den sich manche vielleicht anders gedacht haben, und der trägem eine Hoffnung für alle war. Der Wüstcnlöwe vergißt nicht, daß ihm der Andrvklus einen Span aus der Tatze gezogen hat. Die rebellischen Albanesen haben nicht einmal so viel Fähigkeit, dankbar zu sein, wie ein reißendes Tier, und verdienen die Knechtschaft, in die ihre Verführer sie wieder hineinziehen wollen.
Dazu müßte man eine Frage stellen: War es der Fü r st, der dem „Wüstcnlöwcn" Albanien den Spar» aus der Tatze zog? Nein, eigentlich müßten, tvenn das Dankgcsnhl entscheidend wäre, die Albaner zur Abstattung ihres Dankes
Elektromotor; ferner Bandsägen mit Bohrmaschine und Drehbank, Hobelmaschinen, Fräsmaschinen und Mcsscrschleismaschinen. Anton Breuer, Gießen, stellt Fahrräder der Cüofahrradwerke in Köln aus. In dem zweiten EckvavUlon hat die Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf ihre bekannten Badcprodukie in reicher Auswahl übersichtlich zusammcngestellt.
Hinter dem Haus kl scheu imr zunächst zwei mächtige Rohre der Budcrus'schen Eisenwerke. In einem hier auigestclltcn Zeltbau sind dann vorzugsweise landwirtschaftliche Maschinen zu sehen. W. H e l w i g, Maschinen» und Pflugfabrik in Treysa <Bez. Kassel) bringt ihre „Treysaer"-- und „Hasna"-?lckergeräte, wie Häufel- vllüge, Jätpflüge, Wiesenkultnrgeräte u. a. Die Fabrik landw. Maschinen und Eisengießerei A. I. Tröster in Butzbach, die neuerdings ihre zahlreichen Erzeugnisse im Betrieb vorführt, hat Drillmaschmcn, Hackmaschinen, Schrotmühlen u. a. ausgestellt. Gg. S ch i c f e r ft e i n, Maschinenfabrik in Lich, bringt Haspel-Heuwender, ihren Patent-Wiesen Hobelmars. einen Federzahnkultivator, eine Zickzack-Egge sowie ihre zum Patent angemeldetc elastische Fedcrcggc. Edgar Borrmann bringt Zentrifugen, Keltern und andere landwirtschaftliche Geräte.
Aus dem Wege nach Alt-Hessen hot die Fabrik für Städtebcdarf C. n. G P a n s e in Wetzlar allerlei nützliche Geräte zur Straßcn- reinigung ausgestellt, darunter sehr praktische Kehrmaschinen. Im Haus VI, das nun noch weiter beschickt wurde, bringt neben den bereits besprochenen Gegenständen Schreinermeister Kehr aus Henchelheiin Gartenmöbel aus Nawrhvlz. Auch die Stuhlsabrik Ferd. G c r m c r in Heuchelhcim ist gut vertreten.
Durch den in Terra Budera von der Firma Aufdermauer 8- L a b e r c n z in Gießen ausgeftihrten Bogen des Friedhofs- vortalcs, der auf mächtigen Basaltsänlcn ans den Hessischen S t e i n b r ü ch e n G. m. b. H., Londorf, ruht, treten wir nun in einen der stimmungsvollsten uitd künstlerisch wertvollsten Teil der Ausstellung, in den nach EMwürfen des Herrn Architekten Schmidt hergestcllten Friedhof. Zu den idyllischsten Plätzen alter Sicdelungen gehören die Friedhöfe, jene stillen Orte, die uns allen heilig sind, und von jeher haben sich Künstler und Gärt»cr bemüht, ihren traulichen, wehmutsvollen Charakter in künstlerisch geschloffener Form zur Geltung zu bringen, Mit der Stilverwildcrung, die ungefähr um das Jahr 1830 bei uns ein- gerissen und auch heute noch nicht ganz überwunden ist, kam nach einiger Zeit auch über unsere Friedhöfe die Hochflut der Geschmacksverirrung. An die Stelle schlichter, charaktcrvollcrKreuze und Gedenksteine trat die protzige Fab: -wäre, die mit ihren verlogenen Formen alle Stimmung ertötete, und in ihrer nackten Nüchternheit jedes fein empfindende Gemüt verletzte. Darm hat der nendcutsche Stü
sich an Europa wenden, besonders aber vielleicht an Oesterreich? Oder an Italien? Das ist cs ja eben, daß Albanien sich als Spielball Fremder fühlt. Es lvar ein sehr gewagter Versuch, den der Prinz zu Wied unternahm, als er" auf dem heißen Boden des früheren türkischen Vasallenstaates zu regieren gedachte. Wenn er erfolglos zurückkehrt, trifft ihn lvedcr Tadel noch Spott, denn derer, die es vielleicht besser gemacht haben würden, als er, sind sehr wenige, lind dann muß cs in unserem Volksinteresse heißen: Keine deutsche Thronkandidatur in Durazzo mehr!
„Ruhe" in vurazzo!
Durazzo, 19, Juni, Bis nachmittags war alles ruhig. Der französische Kreuzer „Edgar Quinet" ist hier eingelrossen.
Aus K o n st a n z a ist eine Anzahl rumänischer Freiwilliger eingetroffcn, die sich dem Fürsten zur Verfügung stellten.
Die Toten.
Durazzo, 19, Juni, (Agcnzia Stefan!,) Bei den gestrigen Kämpfen sind 400 M a n n der Besatzung von Durazzo gefallen. Auch die Aufständischen hatten viele Tote, Aus der Ebene dringt ein starkerVcrwcsungsgeruch in die Stadt,
Die Hilfe Prenk Bibdodas.
Skutari, 19, Juni, (WienerCorr,-Bur,) Prenk Bibdoda erklärte, falls K r o j a sich nicht freiwillig ergebe, werde er, um nicht Zeit zu verlieren, die Stadt nicht air- greifcn, sonder» unter Rückendeckung westlich vorrückcn, um sich Durazzo zu nähern. In Durazzo wurde gestern nacht wieder ein Lichtsignalwechsel zwischen der Stadt und Rasbal beobachtet,
Schüsse vom Dampfer „Herzegowina",
Durazzo, 18, Juni, (Verspätet eingetroffcn,) Heute morgen Ssi» Uhr bombardierten die Freiwilligen Ingenieur Häßler, der preußische Rittmeister der Reserve v, d, L i p p e und der Journalist Lorch mit einem Skodageschütz, das sic nachts im Aufträge der albanischen Regierung an Bord des gecharterten Dampfers „Herzegowina" gebracht hatten, dieseindlichenStellungenbciKa- waja und Rasbul, sowie den Bazar Schiak, Insgesamt wurden 80 Schüsse, die guten Erfolg hatten, abgegeben. Auch im Lause des Tages gab die Batterie mehrere Kanonenschüsse ab. Sonst verlief der Tag ohne besondere Ereignisse. Als gegen Abend die Vorposten starke Ansammlungen derAufständischen nördlich! von Durazzo bei, der Porta Romano meldeten, ging die „Herzegowina" mik dem von den genannten Freiwilligen bedienten Geschütz ab, um die Stadt vor einem neuerlichen Ueberfall zu schützen und mit dem Aufträge, den Feind am Vorgehen zu bindern und die vorgeschobenen Mannschaften der Regicrungsirnvvcn bei der Abwehr eines eventuellen Angriffes zu unterstützen. Gegen 10 Uhr abends war tatsächlich von der Porta Romana st a r- kes Geschütz jener vernehmbar. In Durazzo dauert die Panik fori. Sehr viele Familien begeben sich in andere Orte von Albanien, In den Spitälern werden die zahlreichen Verwundeten aus das sorgfältigste gepflegt, Tic Damen der österreichisch-ungarischen und der deutschen Kolonie widmen sich mit größter Aufopferung den Verwundeten, Tie Fürstin besucht die Verwundeten täglich nnd erkundigt sich nach ihrem Befinden. Auf der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft wird eifrig gearbeitet, für die Verwundeten Leib- und Bettwäsche herzustellcn. Im Gelände des gestrigen Kampfes wurden heute noch mehrere Dole und Verwundete ausgelesen.
Der Kreuzer „Breslau" vor Durazzo.
Der Kreuzer „Breslau", der sich jetzt dem internationalen Geschwader vor Durazzo anschließen soll, kann dort
unter der entschiedenen Förderung unseres Großhcrzggs, dem die Geschichte deshalb wohl noch einen ehrenden Beinamen verleihen wird, in den Städten entschieden schon einigen Wandel geschaffen. Aber da das Land städtische Moden immer erst annimmt, wenn sie in den Städten schon überlebt sind, müssen wir mit Bedauern sehen, wie heute mancher schürre Bauernsriedhof verödet, wie an die Stelle der naturwüchsigen Heimatkunst die schablonenhafte Fabrikware, der oberflächliche Protzengcist tritt. Es war deshalb ei» dankenswertes Untersangen der Ausstellungsleitnng, daß sic auch eine Friedhofsanlagc erstrebte, und man muß es Herrn Architekten Ernst Schmidt nachrühmen, daß cs ihm gelungen ist, etwas wahrhaft Mustergültiges zu schaffen. Er hat die gegebenen Verhältnisse in all ihrer Enge trefflich ausgenntzt und hat es voihüglich verstanden, die vorhandenen Bäume in seinen Entwurf einzu- gliedcrn. Sö ist aus der ganzen Anlage ein lieber, stiller Ort geworden, an dem man gern einmal länger varwellt, um in beschaulicher Ruhe die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Merkwürdig, daß man in dieser Umgebung nicht einmal die Eisenbahn als besonders störend empfindet: man hört sie kaum. Das Wasser in dem schlichten, von dem Bauunternehmer Georg Becker in Gießen aus Backsteinen gemauerten Brunnen, der mit einer Blumenschale aus der Fabrik von Gracse 6- Co. wirkungsvoll abgeschlossen ist, plätschert so traulich, und hin und wieder wagt ein Vögelchen einen scheuen Ton, wie man es sonst auf wirklichen Friedhöfen hört.
Und schmucke Grabmale sind ausgestellt. Architekt Schmidt hat eine Urnenhalle in sehr sein abgcstimmten Verhältnissen geichaffcn, in der schöne Urnen aus verschiedenem Material ausgestellt sind. Daneben ist eine kleine Gruft in eine schon bestehende Anlage eingebaut, die von Gustav Chr. Schmidt (Gießen) stimmungsvoll geschmückt wurde, und zwar so, daß die Dekorationsmalerei sich sehr glücklich dem stimmungsstarken, ganz groß aufgcsaßten Bild von Fries anvaßi. In satten Farben hat der Maler hiei die leidende Menschheit am Kreuz auf die Leinwand gebannt: arm, bloß, nackt... am Martervtahl, den die gedankenlose Menge tagtäglich neu errichtet für alle, die anders sind als sie, für die großen Naturen, fcfe sie nicht verstehen und nicht begreifen kann. Mit mehreren Plastiken ist Jobs. K ö d d i n g vertret-n. Ein kleines Grabdenkmal, die Auferstehung des Lazarus darstellend, in stark im Ausdruck und kräftig in der Linie. Etwas weichlich erscheint die Körperbehandlung bei dem großen Gipsmodell, auch ist hier der rechte ?lrm des Mannes nicht ganz glücklich in den Raum gebracht. Sehr schön ist die Grablegung.
Schölls W e r k st ä t t e n für Grabmalkunst lTarmstadt) bergen eine gute Famllicngrabanlagc aus deutschem Mnschelkal!,


