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19.6.1914
 
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Der Sietzever Unzelger

erscheint täglich, außer SonntagZ. Beilagen: viermal wöchentlich SietzkmrLaimIirndlilter; smc>m(ri.niöcfien(LKttU= biaujür ben Kreis (Sie&tn (Dienstag unbSrcttag); zweimal monatt. Land­wirtschaftliche öcitfragtn Ferirsprech - Anschlüße: lür dt« Redaktion 112 . Verlag ». Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Togesnunimer dir vormittags S Uhr.

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*6$. Jahrgang

Freitag. *9. Zum *9*4

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotation?6w<f vtriaq der Srühischrn Unw.-Snch- mid Steindnukorri R. Lauge. Redaktion, Expedition und vruckerei: Zchulstrahe 7. Auzngdmeü:' H? AeL

BezugSvrei-:

monatlich 75Ps., viertel­jährlich Mt. 2 . 20 ; durch Abhole- rr. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePost Mt.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellst. Zeilenpreis: lokal aiLZwärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton". .Ver­mischtes" und^Gerichts» faal": Karl Neurath; für .Stadt und Land"

Mas Sir Edward Grey nicht sagte.

Tie Erklärungen der englischen Minister Churchill und kyrey rm Untcrhause über die Petroloumankäufe in sudpersre» sind wahre Kabinettstücke jener diplomati­schen ftnnst gewesen, das unwichtige zuverraten" und das wesentliche zu verschweigen. Mari Härte und las: Vor

V! Zähren wurde in Südpersien Petroleum gefunden. Einige a? veransdalten ein Wettrennen um die Konzession.

Ter Engländer bekommt sie. idente kaust die englische Ne­gierung das Aktienkapital der Änglv Persian Oil Compann um 44 Millionen Mark an. Ist das südpersische Petroleum diese 2,2 Millionen Pfund Sterling wirklich wert? Natür­lich nein! Schon aus dem Grunde riecht. weil die Transport­mittel fehlen, um cs au die britischen Schiffe oder an den englischen idandel heranzubriirgcii. Auf Packtieren klein- sässcrweisc kann man es nickst befördern. Motorwagen Ver­kehren nur zwischen Täbris und Tschulsa. Bis jetzt gibt cs in ganz Persien erst eine kleine Eisenbahn von 8,5 Kilo­metern zwischen Teheran und Schach-Abdul-Azim: sie wurde 1888 von einer belgischen Gesellschaft eröffnet und ist bisi heute die einzige ihres Stammes geblieben.

Um also das englische Petroleummonopol in Persien zu verwerten, jmüssen iEisenbahnen gebaut werden. Zupdiesean Zwecke allein gibt aber kein Kapitalist der Welt das nötige Geld her. Tie persischen Znkunftsbahnen haben vielmehr und das ist das Geheimnis das eine groß« Ziel: Das, Land langsam aber sicher in die Tasche zu stecken. England setzt sich nun mit Rußland in Persien zu Tische. Sonst hätte Staatssekretär Grey in seiner Rede nicht mindestens sechs­mal von den herzlichen Beziehungen zur russischen Re­gierung gesprochen. Was England jetzt in Persien zu tun hat, ist folgendes: Zunächst die Umklammerungslinie um die durch den englisch-russischen Vertrag vom 31. August 1907 festgesetzte britische Interessensphäre. England kniipst an sein indisches Bahnnetz in Karatschi an, führt eine Küsten­hahn nach Gwadar (an der Grenze Belutschistans und Persiens! von da nach Bender AbbaS ebenfalls der Küste entlang und von Bender 'Abbas folgt man nördlich land­einwärts genau der Linie Kcrman, die durch die anglo- russische Konvention in die Karten eingezeichnet wurde. Ucder diese Pläne Englands herrscht natürlich das aller- herzlichste Einvernehmen mit Rußland.

Aber es gibt noch andere Pläne, die Sir Edward Greh > nicht nannte, von denen er aber ganz leise andeutungsweise sagte:Wir haben große Schwierigkeiten zu erörtern gehabt: es ist außerordentlich schwierig, gewisse Zwischenfälle zu schlichten." Damit war nichts anderes gemeint, als die über­aus schwierige englisch-russische Verhandlung über die l r a n s p c r s i s che Bahn, die sozusagen durch die Konven­tion von 1907 einen Querstrich von Norden nach Süden zieht und allerlei illusorisch zu machen droht, was damals über russische, englische und neutrale Sphären in Persiens vereinbart wurde. Sir Edward Greh erklärte schon vor zwei Jahren, im Juli 1912, in einer Rede, wenn die Iranspersischc Eisenbahn gebaut werden solle, müsse sich England eine große Aktiv nsfrciheit bezüglich der Bauten, der Lei­tung, der Verwaltung, der Vertretung der britischen Inter­essen, der Frackft und Personentarife und insbesondere be­züglich der Spurweite ausbcdingen. Das war kurz nach der Pariser Konferenz, in der man sich bemühte, eine Stn- dtcngesellschast für die iranspersischc Bahn und ein Kapital von 100 000 Pfund Sterling zusammenzubrtngen. England

soherzlich" cs sich auch mit Rußland versteht will doch Vorsichtigerwerse die trans-persische Bahn mit indischer Spurweite bauen, damit die russischen Militärzüge nicht ein fach wciterfahren können. Schon Lord Curzon, der ehemalige Generalgouverneur Indiens, betrachtete das russiscki-englisckio Abkommen mit Persien mit größtem Mißtrauen, weil der britischen Herrschaft in Indien gefährlich. Bisher hatte man immer getrachtet, Rußland von Indien so fern als möglich zu halten, und nun soll aus cininal eine Bahn gebaut wer­den, die im Ernstfälle russische Truppen in wenigen Tagen an die indische Grenze führen könnte. Das mit der verschie­denen Spuriveite ist nämlich auch kein wdsicheres Schutz­mittel. Tie Technik kann über Nacht Eisenbahnwagen mit verschirbbareii Achsen cinrichten, die beide Spurweiten be­fahren können. Man sieht, Englands Pläne in Persien hoben nicht nur einen, sondern mehrere Haken. Sie sind auch nicht, wie Greh meinte,eine Sache, die nur uns (England und Rußland) betrifft". Es besteht vielmehr zwischen der russi­schen und der deutschen Regierung eine Abmachung, wonach in dem Augenblick, da Rußland, England oder irgendeine andere Nation an den Bahnbau in Persien geht, die russische Regierung gcmeinsani mit Deutschland an den Kauter die beiden Länder in gleicher Weise interessieren­den Strecken zu schreiten hat. Es handelt sich um die Bahn nach Mesovolamien bezw. die Linie Bagdad-Aleppo, die mit Teheran und Täbris in Verbindung gebracht werden soll. Davon hat Sir Edward Greh auch Nichts gesagt. Sache der deutschen Divlomatie wird cs sein, ihn gelegentlich daran zu erinnern. Es lift das eben unser persisches Geheimnis!

Die kritische Lage in Durazzo.

Durazzo ist nicht von den Aufständischen gewonnen worden, was Sensationsmeldungen verbreitet hatten. Am gestrigen Donnerstag nachmittag herrschte Ruhe in der Stadt. Wer weiß aber, was der nächste Tc^ brachte oder bringt. Tie Mirditen, die dem Fürsten ihre Hilfe leihen, allerdings nur alsVerteidiger", tvic sie sagen, sind von den Auf­ständischen geschlagen worden. Daß mittlerweile einige Kriegsschiffe der Großmächte eingetroffen sind, mildert drc persönliche Gefahr, in der Fürst Wilhelm schwebt.

Durazzo, 18. Juni, 1.35 Uhr nachmittags. (Agcnzia Stefane, Bisher l-errscht Ruhe. Soeben tvurdcn die Ver­stärkungen, die aus italienischen und österreichisch-unga­rischen Matrosen bestanden, zurückgezogen. Heute früh um 5Uhr fuhr der von der albanesischen Regierung gechar­terte österreichisch-ungarische D am p ferH er­zeg o w i n a" an der Küste entlang und feuerte mehr­mals auf Schiak und Katva.ja. Der Kontroll- ausschuß trat heute zusammen, um Protest zu erheben gegen das Verschwinden des Brieses, den die Aufständischen an sie gerichtet haben.

Durazzo, 18.Juni. Der gestrige Kampf hörte bei Sonnenuntergang auf. Die Hospitäler sind mit Verwun­deten überfüllt. Man wollte die Mirditen zu einem neuen Sturmangriff bewegen, sie weigerten sich aber und erklärten, sie würden sich nur zur Verteidi­gung von Durazzo schlagen. In der Tat begaben sie sich in die Laufgräben. Um 7 Uhr abends besuchte der Fürst die Verwundeten, die von italienischen und österreichisch- ungarischen Matrosen aufgelesen wurden. Es ist unmöglich, die Zahl der gefallenen Mirditen genau anzugeben. Man glaubt, daß ungefähr 200 getötet und ebensovicle verwundet wurden. Um 9 Uhr abends verursachte ein falscher Alarin

eine neue Kanonade und lebhaftes Gcwchcjeucr. Um 10'., Uhr war die Sladt wieder ruhig.

Uebrr die Niederlage der Mirditen

wird weiter gemeldet: Tie Nkrrditen, die etwa 1090 Mann stark waren, wurden von Marc Gion und Jssa Botjelinatz befehligt. Zwei Bataillone niarschicrten aus der Straße nach Schiak in gedrängten Kolonnen, als sic die Hügelketten er reichten, zerstreuten sie sich in die Ebene und suchten hinter Gebüschen Deckung. Rechts und links von der Straße tour den. zwei Geschütze nach vorn geschasst, die den Hügel bei Rasb ul beschossen. Als die Mirditen dicht vor der feind­lichen Stellung ankamen, wurden sie heftig von den Auf­ständischen angegrissen und auch von einem Maschinengewehr beschossen. Die Angreifer stürmten von dem Hügel herab und drängest bis zum Weißen Sec vor und sührlen ein erfolg­reiches Umgehungsmanöver aus, trotzdem die beiden Ge­schütze ihre Stellung änderten. Die Mirditen wurden ge­schlagen und flohen. Einige konnten die über die La­gunen führende Brücke nicht mehr erreichen, warfen sich ins Wasser und ertranken, andere wurden umzingelt und n i c - dergc metzelt. Gegen Mittag brach in der Sladt eine Panik aus. Bei dein Kampfe ist eine Kanone in die Hände der A u s si ä n d isch c n gefallen, die andere wurde beschädigt. Die A u s st ä n d i s ch c n drangen nicht in die Stadt ein, sondern machten in bet Sbcnc Halt, wo sie in regelinäßigen Abständen die Angrisse bis zum Abend forlsetzten. Bei diesen Kämpfen wurden zwei weitere Kanonen beschädigt. Nur eine, die wieder ausgebessert worden war, sandte von Zeit zu Zeit ihre Kugeln hinaus in die Ebene.

Der Fürst ritt bei den gestrigen Kämpfen die Ge­schützstellungen ab. Er sprach der freiwilligen Bedienungs­mannschaft Dank und Anerkennung aus und bedauerte, daß er wegen des Mangels an einer eigenen, geschulten Geschütz­mannschaft auf die Hilfe der Freiwilligen rechnen müsse. Nach Augenzeugen sind die Verluste der Regierungstruppen deshalb so groß, Iveil die Rebellen nicht nur vorzügliche Stellungen bezogen hatten, sondern auch sonstige mili­tärische Fähigkeiten auswiesen, die von guter Organisation und strategischer Beziehung zeugten. Der von der albam-' schcn Regierung gecharterte LloyddampjerGisela" ist heule nachmittag hier cingctrossen.

Die Haltung der Italiener.

Rom, 18. Juni. ..Vita" wünscht dem Fürsten von Al­banien, er nwgc seine Aufgabe mit wachsender Auwrität durch­führen. Es sei töricht, zu glauben, daß Italien sich der Festrgnng des Fürstentums feindlich zeigen könnte. Die Mächte hätten be­wiesen durch die Entsendung eines Kriegsschisses nach Durazzo, daß sie derselben Mriuung seien. Folglich stehe die Autonomie Albaniens mehr als je unter der Kontrolle Europas. Italiens Programm sei: looalstcs Desinteressement mit dem einzigen Ziele, in Albanien die Rübe zu sichern, die der festeste Schutz der italie­nischen Rechte im Mriatischen Meere sein müsse.

Tic TurinerSt an, va" vcrüficntlicht eine Korrcivondenz ans Durazzo, in der die mutige Haltung des Fürsten in wärmsten Ausdrücken hcrvorgehobcn wird. Der Fürst habe sich in die Feuerlinic begeben und erklärt, er würde sich nicht einschissc», selbst wenn die von den italienischen und den österreichisch-ungarischen Matrosen vor dem Palais errichteten Perschanzungcn sielen. Lieber wolle er aut den Stuten des Palais bei der roten Fahne mit dem schwarzen gldler stechen.

,.G io r n a l c d 3 t al io" schreibt zu den letzten Nachrichten aus Durazzo: Wir haben die Hosinung und das Vertrauen nach dem guten Beispiel, welches der Fürst im Lause des Montags den Soldaten gegeben hat. daß auch dicscsnial der Angriff der Aus-

vie Eroberung des größten hochgebirgsgletschers der Welt.

Die berühmte Bergsteigerin Fanny Bullock Work man dre schon so Bedeutendes IN der Bezwingung der höchsten Giviel der Erde geleistet Hai. setzt ihre Eroberung der Riescnberge des tzimalaia fort und bat nunmehr aus ihrer neunten Ervedition in die Schnee- und Eiswelt dieses Gebirges den größten Gletscher, den es außerhalb der Polarkreise und in einem Hochgebirge übcr- bauvt gibt, den Stachen oder Ro sen- G l et s ch e r im öst­lichen Feil de- Karokoruu, bestiegen. Den ersten ausführlichen Bericht über diese für die Geschichte des Alpinismus denkwürdigc Tat bietet Mrs. Dorkuian in Harvcr's Magazine.

Ter erste, der diesen Gletscher erblickte, ivar der Colonel H 2krachen, der im Oktober 1848 von seiner Zunge aus drei Kilometer emporstieg, ol ne aber von seiner imgebeurcn Große und Bedeutung eine Ahnung zu erhallen. Eine genauere Untersuchung Icuet- erst Mr-. Bullock Workman im Jahre 1911 ein. als jie 1911 zwei Wochen damit ocrbrachic, sein Becken zu erforschen und zwei seiner größten Abflüsse genauer zu studieren. Sic erklomm damals einen Berg von 21 000 Fuß Höhe, aber dann setzte so schlechtes Wetter ein, daß sie de» Gletscher selbst nicht besteigen konnte und UNI kehre» mußte. Ans ihrer letzten Ervedition nahm sic die schwierige Aufgabe Mit neuen Kräften i» Angriff, rer Glet- scher fuhrt feinen Namen mit Unrecht., den» selbst an den untersten Rändern a>bt es nur eine sehr spärliche Alpenflora, und ein paar winzige Schneerosen. di- die Bergsteigerin nach langem Suchen entdeckte, geben gewiß kein 'Anrecht auf diese Benennung. Nicht nur durch seine Größe steht er einzigartig da, sondern auch dadurch, daß er sich nicht von seiner Zunge und dem dahin führenden ^al erobern läßt. Zwischen das locnig bewohnte Nubra-Tal und die Gletscherzunge legt sich der breite reißende Nubra-Fluß. und die vier der fünf Furten, die durch diesen Fluß führen, sind in den füm Sommermonaten, der einzig möglichen Zeit für Bcrg- befteigiingeil im Himala>a, völlig ungangbar. Der Weg zum Rosen-Glctscher muß also von Baltistan aus unterilommen wer­den und nachdem der Reifende die letzte Vorratsstation. Goma im 'Saltoro-Tal, verlassen lzai, muß er seine Schar von La,t- kulis ia sogar seine Viehherde, und das Holz für das Lagerfeucr mit 'sich ncbmcn. gegen 10 Kilometer über die schwierigsten Kleticher steigen, den eisigen Maohond-Paß in 18 400 Fuß Höbe überschreiten und dam, aus einem seiner langen westlichen Abflüße nach dem Roien-Gletfcher hinab kommen, der etwa 16 000 tiuß doch ist und eine Ausdehnung »on 35 Kilometern hat Als Mrs. Workman Ende Mai von Kaschmir zu dieser Ervedition aut- bmcv wurde sie non ihrem Mrann. der als Pboiagravd und lGIcrschersorscher der Expedrtron angchörre, und crne» von der

indischen Regierung gestellten Tovogravhen begleitet. Außerdem stand ihr als Hauptstütze der ausgezeichnete Bergführer Cvvrien Savoifc zur Seite, mit dem noch zwei andere iiatienifche Führer und zwei Träger gekommen Ivare». Mit der Schar der die Lasten tragenden Kulis batte nian wieder sehr viel Ungelcgenhcitcn: doch nachdem sie noch i» den letzten Dörfern von Baltistan mit zaube. rischen sog. Tawiz-Amulcttcn versehen worden waren, konnte »m 4. Juli der Ausstieg beginnen, der zunächst über höchst gefährliche, und schwierig zu nehmende Eishügel nach den! Balivhoud-Gletscher hiuaufführte. Kurz vor der Höhe dieses Gletschers, den die Ein- geborncn wegen der merkwürdigen 'Abzweigung der Zuflüsse vom Mittelpunkt denSchmetterling-Gletscher" nennen, überraschte sie ein furchtbarer Schnccsturm, sodaß sie drei Tage lang bei ent­setzlicher Kälte warten mußten. Dann trat plötzlich vrächriges Wetter ein, und nmi wurden die Führer Savone und Ren vorange­schickt, um den Abstieg zum Bilaphond-Past zu untersuchen. Mrs. Workman machte unterdessen mit ihrem treuesten Träger Cheiwz Photographien in der interessanten Glctfchcrwelt. Die beiden glaubten sich ganz sicher: desto größer war das Entsetzen der Bergsteiaeri», als Chenoz plötzlich lautlos vor ihr in einem liefen Abgrund verschwand. Sie konnte ihm nicht Helsen, da er das eine Seil bei sich trug, und das andere die beiden Führer mitgenommen hatten. Sie mußten erst herbcigkholt werden und so blieb Chenoz fast zwei Stunden lang in dem treten eisigen Grab, bevor Hilfe kommen konnte. In Verzweiflung stand Mrs. Workman mit den Kulis an de» Abgrund: endlich kamen die Führer, und Reh ließ sich am Seil herab. Nach zehn Minuten hatte er Chenoz gesunden und brachte ihn heraul, aber Rettung war nicht mehr möglich, und der Träger starb. In tiefer Trauer begrub ,na ihn bei dem düstern Lager von Ali Bransa, wo sie nun zwei Tage blieben: dann ging die Wanderung weiter, zunächst über ein 19 000 Fuß hohes Schneevlofcau, und dann zweitausend Fuß. herab iinter den schlechtesten Schnccoerhältnisscn, wobei die Steigung nie weniger als 60 Grad betrug. Endlich war man auf der Höhe von 21 000 Fuß, die den Roscn-Gletscher bekrönt. Im dieser gigantischen Welt voii Riescngipseln, deren eilige Häupter. 26 000 bis 27 000 Fuß emvorstelgen, bot der Roscn-Gletscher einen gran­diosen Anblick mit seinen ungeheuren wilden Eisströmen, die sich in unabsehbarer Ferne in das Gebirgschaos verloren. MrS. Work- man nannte diesen Gipfel über dem Gletscher, den sie als Erste erklommen, dieZauber- oder Tawiz-Svi tzc".

Gefahrvoll Ivar der Abstieg von dem eisumvan^rien Kegel in diesem Tausende von Kilometern weiten Schnee- und Eisreich der Berge und Gletscher. Nachdem sie die Höhe des Gletschers von 16ÖOO Fuß erreicht hatte, unternahm nun Mrs. Workman inu ihren Begleitern die schwierige Arbeit, ihn in ferner ganzen Länge von Kilometern hcrabzustergen und genau zu unter­

suchen. Besonders wichtig für die Eriorschung war der ober« Teil, von dem aus die ganze Gcbirgsgruvpc geographisch aus­genommen und drei Wochen lang iür die eingehenden Unter­suchungen ein Lager aufgcschtagen wurde. Auch hier wurden die Reisenden durch Schnecstürme arg belästigt: bei gutem Wetter jedoch gingen sic von hier aus an neue Eroberungen. Dabei entdeckte Mrs. Workman noch ein 6 Quadratkilometer großes i-chneeplateau von 2l000 Fuß Höhe mit zwei Spitzen, die sic das Silberlbron-Plateau und die Silberthron-Svitzen nannte. Bon diesem Plateau aus lokalisierte und vhotogravhierte sie eine Berggruvpc von über 26 000 Fuß Höhe, die iie »ach König Georg V. benannte, während iie einem der Gipset den Namen- »igiir-Marv-Spitze und einem andern Hardinge-Lpitzc gab. Auch einen unbekannten Gletscher, den KonduS, entdeckte sie.

TasFricdmannscheTubcrkuloscheilmittek. TicNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die lebhaften Erörterungen in den medizinischen Fachblättcrn und in der Tagcs- vresse über das Friedmannsckfc Tubcrkuloschcilmittel beschäftigten die Medizinalvcrwaltung schon längere Zeit und gaben Anlaß, die, fabrikmäßige Herstellung des Mittels zu prüfen und Aeußerungcn hervorragender Aerzte aus ver­schiedenen Teilen des Staates über ihre Erfahrungen mit der An­wendung cinzuhole». lieber das Ergebnis der Ermittelungen fand neuerdings eine Besprechung im Ministerium des Innern unter Zuziehung klinischer, pathologischrr und bakteriologischer Sachver­ständiger statt. Es rrgab sich eine llcbcreinstimmung der Meinungen dabin, daß von einor ausgesprochenen Heilwirkung des Mittels in Fällen von Lungen- wie sonstiger Tuberkulose nicht q^e s p r o ch c n werden könne. 'Aichcrerseits wurden sogar direkte Schädigungen nach Anwendung des Mittels scstgestellt. die teilweise aus dieses selbst geschoben werden müssen und sich teilweise daraus erklären, daß cs bisweilen niit fremden Bakterie» verunrei­nigt in den Verkehr gebracht wird. Tic Erfahrungen vcranlaßten eine Reibe angesehener Kliniker von der Verwendung des Fried- mamischcn Mittels überhauvt abzusehcn. Von eincni Verbot der Anwendung des Mittels muß Abstand genommen werden, weil dem deutschen Rechte die Beschränkung des Arztes in der Wahl dev Behandlungsverfahren fremd ist. Es muß der gewissenhasten Prü­fung des einzelnen Arztes überlassen bleiben, ob und in welchen Fällen er das Mittel noch weiterhin anwcndcn kann. Die Maß­nahmen, die von der Medizinalvcrwaltung ergriffen und »och in Aussicht genommen werden, um zu verhüten, daß das Mittel in verunreinigtem Zustand in den Verkehr gelangt, fanden die Zu­stimmung der Versammlung.