Nr. 15?
Erstes Blatt
9
164. Jahrgang
Der Sietzener Anzeiger
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jährlich 3Ht 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pj.; durch die Post Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Beilellq. ZeilenvrciL: IokaI15Pf„ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und.Gcrichlz- faal": Karl Neurath; tür .Stad! und Land": Kurt Bendt; tür den Anzeigenteil: £\ Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Sin neuer Balkankrieg?
Seit dem Ende des zweiten Balkankrieges ist die Frage nach dem dritten wiederholt mit Sorge aufgeworfen worden, denn der Bukarcster Frieden hat so viel Fragen in der schwebe gelassen, und es ist in diesem osteuropäischen Wetterwinkcl so viel Konflikts, und Zündstoff, so viel Neid, Hast und Revanchcsehnsucht zurückgeblieben, daß die Bedingungen für einen friedlichen Ausgleich noch lang« nicht gegeben sind. Wahrend die albanische Frage noch ungelöst rst. wahrend der epirotische Konflikt zwischen Albanien und Griechenland immer nicht endgültig bcigelegt ist, während zwischen Griechenland und Bulgarien noch sehr ernstlickie Unstimmigkeiten bestehen, hat sich seht gleichzeitig der gri e - ch i j ch - t ü r k i s ch c Gegensatz wieder in einer Weise zu- gespitzt, dast die Pessimisten bereits ernstlich mit der Mvg- lichkcit eines dritten Balkankrieges rechnen.
Wie immer suchen die Gegner die grösterc Hälfte der Schuld dem anderen zuzuwälzen. Die Türken beklagen sich über die Verfolgung der Mohammedaner in den von Griechenland eroberten mazedonischen Gebieten, vor allem in Saloniki. Die Griechen stellen das in Abrede und versichern, dast diese Zwischenfälle jedenfalls ein Kinderspiel seien gegen die Verfolgungen, Mißhandlungen und Bedrückungen, denen die in Thrazien und Kleinasien lebenden Griechen seitens der ottomanischen Bevölkerung ausgesetzt sind, und die auch von objektiver Seite beglaubigt werden. Griechenland, das noch seinen beiden siegreichen Kriegen heute einen ganz anderen Machtfoktor auf dem Balkan darstellt als srüher, will sich diese „bewährte" türkische Taktik nicht länger gefallen lassen, und der Leiter der griechischen Politik. der Kreter Vcnizelos, dessen Rechnung mit der von ihm Bitter gehaßten Türkei noch immer nicht beglichen ist, führt eine verdächtig scharfe Sprache. Die Athener Regierung hat in einer sehr entschieden gehaltenen Note umfassende Entschädiqungsforder Ungen und Schutzmaßnahmen für die verfolgten Griechen verlangt, und fie hat für den Fall einer Ablehnung durch die Pforte die Verantwortung für die Folgen abgelehnt.
Gleichzeitig hat man durch die jetzt offiziell erfolgte Einverleibung der Inseln Chios und Mytilene der Türkei klar gemacht, daß man sich keineswegs auf Whrtc beschränken will. Wenn sich das Anncktionsdekrct auch mir auf die beiden größten der Griechenland zugefal- jlenen Acgäischen Inseln erstreckt und noch die Möglichkeit eines Austausches der den Darixrnellen vorgelagerten Inseln Lcmnos unv Samothrakc gegen den von Italien an die Türkei zurückzu gebenden Dodekannes offen bleibt, so wird man doch am Goldenen Horn erkennen müssen, dost jede Möglichkeit einer gütlichen Verständigung abgeschnittcn -wird, wenn die griechischen Forderungen, die allgemein als 'berechtigt anerkannt werden, abgewiesen werden, oder wenn .sich die türkischen Machthaber auch nur auf ihre alte Taktik des Hin-.ögerns und Verschleppens zurückziehen sollten.
Der Ministerpräsident Venizelos, der zugleich Kriegs- uiinister ist, hat in der Kammer sehr ostentativ, wenn auch etwas übertrieben, behauptet, daß Griechenland in der Lage sei, int Kriegsfall 500 000 Männ unter die Waffen zu stellen. Ein kritischer Vergleich der griechischen und tür- kischen Strstitkräfte ist nun freilich nicht nur verfrüht,
sondern auch deshalb zwecklos, weil ein Landkrieg zwischen den beiden Mächten, seitdem sie keine gemeinsame Landgrenze mehr haben, ohnehin ausgeschlossen wäre. Die bulgarische Regierung hat aber nicht nur erklärt, daß sie einen Durchmarsch türkischer oder griechischer Truppen durch ihr Gebiet nicht dulden würde, sondern, was noch wichtiger ist, auch Rumänien ivürde angesichts eines solchen Ncutralitätsbruchcs nicht Gewehr bei Fuß bleiben. Aber auch ein Vergleich der beiderseitigen Flotteu- stärken, der sehr zu ungunsten der Türkei aussällt, ist eben deshalb hoffentlich noch verfrüht. Denn gerade da sich ein griechisch-türkischer Krieg notwendig als Seekrieg abspielen müßte, und da das als trauriger Ueberrcst der türkischen Flotte zurückgebliebene eine Geschwader sich mit der immerhin 24 Fahrzeuge umfassenden griechischen Flotte in keiner Weise messen kann, wird inan am Goldenen Horn schwerlich so unvernünftig sein, die Dinge auf die Spitze zu treiben.
Die türkische Taktik ging ja gerade dahin, zunächst die Reorganisation des .Heeres und der Flotte abzuwarten. Das weiß man in Athen, und eben deshalb geht die griechische Regierung so scharf ins Zeug, um möglichst schnell eine Entscheidung herbeizuführen, die, wie die Dinge liegen, nur in einem Nachgeben der Pforte bestehen kann, da jede andere Taktik Selbstmordtaktik wäre. Auch von der Diplomatie der Mächte wird bereits in diesem Sinne auf die Psortc eingewirkt, und von der Zusammenkunft des Königs Karol von Rumänien mit dem Zaren Nikolaus in Ko n st a.n tza sowie von dem Besuche Sa- sonows in Bukarest ist gleichfalls ein müßigender Einfluß zu erwarten, da Rumänien entschieden sein Fest- halten an einer Politik des Friedens bekundet hat und auch dem Zarenreiche ebenso wie allen anderen Mächten neue Verwickelungen auf dem Balkan zurzeit in keiner Weise erwünscht sein können. Man wird also wohl daraus rechnen können, daß trotz aller Alarmuachrichtcn der freilich nach den neuesten Erfahrungen nicht mehr allzu hoch bewertete Einfluß der Mächte und die erfreulicherweise mächtigere Logik der Tatsachen sich stärker erweisen werden als das Kampfgeschrei und die Revanchelust der Balkankampshähne.
Konstantinopel, 14. Juni. Eine amtliche Kundmachung des Kriegsministeriums beruft in Durchführung des neuen Militärgcsctzes die Rekruten der Jahrgänge 1887 bis 1883, welche noch nicht gedieM haben, unter die Fahnen.
Es wird bestätigt, daß der erste Dragoman dergriechischen Gesandtschaft gestern abend dem Grobwesir eine Note, nicht eine Erklärung, wie zuerst verlautete, überreicht hat,
Tie Haltung Griechenlands.
Athen , 14. Juni. (Agence d'Athönes.I Die Regterung hat von der Antwort der Pforte auf die dieser gestern übermittelten griechischen Note noch keine Meldung. Obgleich bis zur Erteilung der Antwort noch eine gewisse Zeit verstreichen dürfte, sind die griechischen amtlichen Kreise auf Grund der offiziösen Mitteilungen der Pforte und der Erklärungen des Großwesirs gegenüber den Botschaftern überzeugt, daß die Pforte die bekannte Taktik beobachten wird, die in vagen Versprechungen von Pazifizie rungsmaßnahmen in Kleinasien besteht. Die öffentliche Meinung verlangt jedoch laut die soiortige Wiedereinsetzung der flüchtigen griechischen Familien in ihre Besitzungen urch unverzüglichen Ersatz für den veruffachtcn Schaden.
Das Blatt „Hestia" schreibt, die Regierung werde auch ge
nügende Bürgschaften dafür verlangen, daß ähnliche Ereignisse sich nicht wiederholten.
Ter kürzlich in Amerika gekaufte Kreuzer „Helli" hat drc Reise nach Griechenland angctrcten. _
Ein Kabinett Viviani.
Nun hat Präsident Poincarö es doch vorgezogen, der jetzigen Parlamentsmchrheit das entscheidende Zugeständnis zu niachcn. Herr Viviani, der erst rauf» Erledigung einiger Vorlagen zur Vorbereitung der Fugend für den Militärdienst und zu technischen Verbesserungen dazu hcran- treten wist, das Trcijahr-Gesetz zu ändern, hat das neue Kabinett gebildet. Es ist bemerkenswert, daß gerade lfeute ein Aussehen erregender Artikel der Petersburger „Börsenzeitung" verbreitet wird, in dem von militärischer Seite, angeblich dem Kricgsministcr Suchomlinow selbst, Frankreich ausgefordert wird, seine Schuldigkeit zu tun, nachdem auch Rußland has seine getan habe, um das Bündnis auf der Höhe zu erhalten. Das Blatt vergleicht die Stärke des deutschen Heeres (880 000 Mann) und des östcrreichisch-un- garifchcn (500 000 Mann) sowie des italienischen (400 000 Mann )und erklärt, es sei deshalb nur natürlich, wem, Rußland sich fiir berechtigt halte, von Frankreich eine Ziffer von 770 000 Mann zu crlvarten. Aber dieses Kontingent könne nur unter der Bedingung erreicht werden, daß die dreijährige Dienstzeit aufrecht erhalten wird. Man darf gespannt darauf sein, wie das Echo daraus aus Paris lauten wird :
Paris, 13. Juni. Präsident P o i n c a r ö hatte mit Viviani eine halbstündige Unterredung und forderte ihn auf, das neue Kabinett zu bilden. Viviani hat angenommen. Er hat die Absicht, zu Beginn des heutigen Nachmittags seine früheren Mitarbeiter aufzusuchcn und wird um 3y, Uhr ins Elyssc zurückkehren und den Präsidenten von sein»» Schritten unterrichten.
DasKabinettViviapiistendgültiginfol- gender Weise konstituiert worden: Präsidium und Aeußeres: Viviani, Justiz: Bienvenu-Martin, Inneres: Malvy, Unterricht: Augagneur, Finanzen: Noulens, Krieg: Messimy, Marine: Gauthier, Kolonien: Raynaud, Handel: Thomson, öffentliche Arbeiten: Renault, Ackerbau: David, Arbeiter- und soziale Fürsorge: Coupba.
Bon den Mitgliedern des neuen Kabinetts Viviani haben fünf, und zwar Viviani, Malvy, Augagneur, Ray- naud Und Renault gegen die dreijährige Dienstzeit gestimmt. Der neue Kriegsunnister Messimy hat, wie bekannt, als Deputierter während der Aussprache über das Drcijahrgesetz einen Antrag aus eine dreißigmonatige Dienstzeit cingebracht, aber schließlich fiir das Dreijahr- gesetz gestimmt.
Paris, 14. Juni. Das Kabinett Viviani wird in den linksrepublikanischen Kreisen zumeist mit lebhafter Sympathie ausgenommen. Man sieht fast allgemein voraus, daß das neue Kabinett, das alle Bedingungen der Lebensfähigkeit in sich trägt, in der Kammer eine starke Mehrheit finden wird. Nur aus derüußerstenRechten macht sich einiges Mißtrauen bemerkbar, das hauptsächlich durch die mit der Militärfrage begründete Weigerung Combes hervorgeruseu wurde. Jaures erzählt in der „Humanits", Viviani habe Combes erklärt, daß die Kaserncndienstzeit, welche ergänzenden militärischen Maßnahmen auch getroffen würden, nickst abgekürzt werden könne, solange Deutschland daraus nicht verzichtet, seinen Mannschoftsdestand zu vermehren. Wenn
Zernsprecher ohne Draht.
Die au'fsehenerregendeir Ergebnisse, die kürzlich in Paris von Fregattenkapitän E o l i n und dem Schifisleutnant I c a n c e mit verbesserten. Avvaratcn in der drahtlosen Telephonie erzielt worden- sind, veranlassen uns, dem wichtigen Problem einen Augenblick erhöhte Bc-ochtung zu schenken. Die ersten Versuche, ohne Draht izu telephonieren, sind, was nicht allgemein bekannt sein dürste — •weit älteren Datum» als die verwandten und inzwischen von so großem C rsolq gekrönten Experimente i» der Telegraphie. Bereits int Jahre, 1880 befaßte sich Graham Bell, der Erfinder des Tcle- Vhons, mnt dem Problem, der drahtlosen llebcrmittelung von Gesprächen / Er konstruierte damals das Photophon, mit dessen Hilfe er bis a.us 200 Meier obne Draht telephonieren konnte. Tic mit diesem "Apparat erreichten Ergebnisse dürscn sonach als die erste praktischst Lösung der drabtlosen Telephonie gelten. Simon. Duddcl sind Rmbmer setzten die Vcrsuck« fort und verbesserten die „Gc- sprächsspistonz" nach und nach auf 15 Kilometer. Es würde hier zu weit füpren, alle seitdem erzielten weiteren Ergebnisse aufzuzählcn; es gensfgt, an die Namen bekannter Forscher, wie Poulsen. Forest, Majoroma, Fessenden, Goldfmith, in neuerer Zcst Bann,, Grmdcll- Matthews und Colin und Jeanee zu erinnern, um die einzelnen Stufen, der mühseligen Fortschritte zu bezeichnen. Inzwischen ist die Teuevkonie „durch trete elektrische Welle" in den Zustand praktischer Verwendbarkeit im kommerziellen Sinne des Wortes getreten, d. h. bge Ucbertragungsmöglichkestcn sind so weit verbessert, daß ein absolut! zuverlässiges und genügend starkes Funktionieren der Sendet- imd Ausnahmeapvarate aui große Entsernung gewährleistet ist. Duffe Methoden unterscheiden sich voneinander durch die Art und Weise.' wie sie die zum Telephonieren erforderlichen Hertzwcllen er-, zeugest' und deren Schwingungen so „abstimmen", daß sie die von der m'cnschlichcn Stimme hervorgerusenen Schallwellen zweckent- sprccheütd wiedcrgeben. Hier ist das System des Proscssors Banni de- .sonders tbcmcrkcnswerl. Es verwendet ein einfaches hydraulisches Mikrovlwn, dem man Uebcrtragungen der.Hertzwellcn bis aus zirka 1000 .Kilometer (wie z B. in der Versuchen zwischen Rom und Tri- volisl virrdankt. Ein Slvvarat dieser Ar« wird geqenwärtig auf der Stät'teausstellung von Lyon vorgesührt. Der junge englische Jnacnieu, • Harro Grindell-Matthcws erzielte mit dem von ihm er- hmbenen .Aerovhon" ein Telephonieren aus eine Entsernuug von 100—180' Kilometer: bei seinem System ist weniger die Entfcr- nunq die „überwunden" Werden konnte, bemerkenswert, als der Umstand dc >ß das Aerovhon ohne weiteres Ucbertragungen zwischen beweglichen Stationen (Schissen. Acroplancn) ermöglicht und somit speziell eine Verwendung im Seedienste und zu Kriegszwecken vei- ckorlcht Die l»on Colin und Jeance erreichten Verbesserungen gestatten ein T elevlionieren dis aui 200 und mehr Kilometer unter be- anders günstigen Umständen, bis aus zirka 100 Kilometer bei normalen lieber tragungsverhältnissen. Der gegenüber allen anderen Systemen erst alte Fortschritt besteht in der Verwendung von soge
nannten filtrierten Hertzwellcn, mit deren Hilfe ^sämtliche „Nebens- geräusche" zum Verschwinden gebracht werden, so daß die menschliche Stimme mit ihrer Klangfarbe überraschend klar zur Wiedergabe kommt. Man hat (wie dies bei den kürzlich zwischen Paris und Bowes, in l03 Kilometer Entsernung, gewechselten Gesprächen sestgfftellt wurde) geradezu den Eindruck, als ob sich die sprechende Person in unmittelbarer Nähe befinde. Man dars sich nach dem Stande dieser jüngsten Verbesserungen der sicheren Hoffnung hingeben. daß die allgemeine Anwendung der Telephonie ohne Draht bereits für die nächsten Jahre und in weitem Umfange bevorsteht; sind doch soeben Marconi Gespräche von London nach Berlin geglückt!
— Eine Holberg-Uraufführung in Dresden. Aus Dresden, 12. Juni, wird uns geschrieben: Ludwig Hol- bergs Meislerkomödie „Herr Villgeschrey" oder „Der Mann, der keine Zeit hat" erlebte im Kgl. Schauspiel- hausc bei seiner Uraufführung in der famosen neuen Uebersetzung und Bearbeitung Karl Mvrburgers eine fiöhlicheAuferstehung. Die Hauptgkstalt mit ihrem ewigen Lärm um nichts, der Mann, der vor lauter unnützem Beschäftigungssinn zu nichts kommt, dabei aber reichlich Gelegenheit findet, das Haus auf den Kovi zu stellen und das größte Unheil anzurichlen — wäre nicht ein guter Hausgeist da — gehört zu den ganz echten komischen Figuren und sührt über alle Zcitsotire ins Menschliche hinein. Holbcrg bvlt zwar nicht das letzte heraus, aber er läßt diese Figur da mit so viel Witz und Laune und glänzender Thealerkunst agieren, daß er auch das moderne Publikum auss lusbigste zu untcrhalten- wciß Besonders, wenn er eine so seine Jntcrvretation wie am Dresdener Königlichen Schausviclltausc findet. Das effpicltc sich den vollen Ersolg damit, wie es den köstlichen Stil des Werkes zu wahren und doch lebendig zu sein wußte. Hanns Fischer, der auäi die Regie führte, gab die Hauptfigur nicht eben so wirkungsvoll als möglich, aber dafür mit um so feineren, lietcren Reizen. Tie Pernille, Alice Vcrdcus, stand ausgezeichnet an ihrem Platze, von dem aus sie die ganze Vcrwechslungssarce des Stückes herzhaft komniandicrt. Sind noch die wirklich entzückende Leonorc der Jenny Schaffer und die ungemein komische Haushälterin der Blcibtreu zu nennen, besonders aber Meyers Tchlaufitr, der in seinem halben Dutzend Veikleidungsrvllcn voll sprudelnder Laune war. Von G r i e g s orächtigcr Streichmusik der Suite im alten Stil „Aus Holbergs Zeit" akkomvagnicrt, wirkte die Komödie so frisch denn je und wurde bei ihrer Wieder- crstehung aufs fieundlichstc begrüßt- Alfred Günther.
— Ein elsässisches Museum rn Nancy. Soeben ist in Nancy das „Elsässifche Museum" eröffnet, das aut Betreiben des M. Deutsch de la Meurthe mit Untmtützung der Handelskammer und zahlreicher sranzösischer und elsäliischer Persönlichkeiten geschaffen worben ist. Die „Maison Msaciemnt' ist cm kleines Kons, das ikrsprüngsich in Zügendorj stand und als ein
wahres Juwel des elsässischcn Hausbaues aus dem 18. Jahrhundert gelten kamt. Las alte Bauwerk, das durch die Schönheit, die Anmut und die Einsachheit seiner Architektur entzückt, befindet sich numnchr bereits 5 Jahre in Nancy: es wurde seiner- zeit in Zützenborf sorgsam Stück tür Stück abgebrochen und zur Ausstellung in Naney wieder ausgeöaut. Mit leinen zierlichen Balkons und dem reizvoll absallenden Lache, mit der schön geschnitzten Tür Ntü> den kleinen mit holzgeschnitzten Pilastern geschmückten Fenstern erregte cs von Anfang an das Entzücken der Kenner. Natür.ich hat dies elsässifche Haus auch seine Geschichte, es trägt noch heute die Namen seiner ersten Besitzer, Harg Rcb und Margneritc Stoltz, und an der Eingangstür haben sich auch spätere glückliche Bewohner verewigt, Jakob, Moritz und 8lnna Marewitz. Schon damals bei der Ausstellung im Jahre 1908 entstand der Plan, dieses Juwel elsässischer ländlicher Baukunst in Nancy zu erhalten, und daraus entwickelte sich das Projekt eines ständigen elsässischen Museums. Das nötige Kapital wurde herbeigebracht, und nun enthält dieses clsässischc Haus von Nancy eine hübsche^ Sammlimg von Möbeln, Geräten und Religuien aus dem Elsaß des 18. Jahrhunderts. Da sieht man Spinnräder und Wcbevahmen, am Kamin stehen Bierkrüge, man sieht die schönen halzgeschnitzten Betten, die einfachen Stühle, Sessel und Bänke, alte Pendeluhren und alle die mannigfachen Geräte, die ein Haus wohnlich und gemütlich machen. Mit Stolz aber weisen die Franzosen darauf hin, daß nun gleich Straßburg auch Nancy sein eigenes „Elsässisches Haus" hat, das die Erinnerung an die Vergangenheit lind an die Kultur des Elsaß' künftigen Geschlechtern vor Augen sühren wird.
" liiic» vj u c 11 ) euenrmais in
Chicago. Unter großer Teilnahme fand am Samstag in Chicago die feierliche Enthüllung eines Goethedcnkmales statt, die sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung des Deutschtums m der Stadt Chicago gestaltete. Ter deutsche Botschafter Grat Bernstorff hielt eine Ansprache und legte im Namen des Großhcrzoqs von Sachsen einen Kranz an dem Denkmal nieder und drückte dem Denkmalkomitee das Interesse des Groß- Herzogs an der Einweihungsscicr aus. Auch die Straßburger Universität sandte ein tclegravhisches Glückwmischschrerbcn der LchiUcrvcrern der Stadt Frankfurt und die Akademie der Kumte m M ü n ch c n ließen Kranze an dem Denkmal nicder- legen. Professor Caruth von der Univeffität von Californien hielt die Festrede. Ter Ernwcihungssticr ging ein großer Umzug aller deutschen Vereine voraus. Der Schöpfer des Denkmals ist Professor Hahn- München.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schast. Der Kammervirtuofin Maria Wieck in Dresden ist der Titel Professorin der Musik erteilt worden. Sie ist 1832 tu Leipzig geboren.


