lZ6 vierter Blatt
Erscheint Ilgilch mit Ausnahme de? Samitag».
16H. Jahrgang
Di- „«testen« ,sami»en»IStt«" werden dem ^knzciger" »ieirnal wöchentlich beigklegt, da» „»reirdlalt ffir den Krtis Siesten" zweiinal Wöche-Iilich. Die ,.Landwirtschaftlichen seit. Ir»G«n" erscheinen nionnilich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhchen
§LMZtag, iS. Junt M4
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universiläts - Buch- und Steindnickerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strafte 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^! 12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen»
»afernenspaliere.
Von Major ».Spitzel, München.
Wer jemals deine Manche in glühender Sonnenhitze mit- gemacht, ennneri „ch nicht mit Behagen an den Genug eines erfrischenden lästigen Apfels. wer nicht au» den, Manöver an ine blaubereiftc» Ztvelitvgen, die so einladend und greifbar nahe an den Baumen I mgnt ? Und trotzdem io st alle Gaue unteres deutschen Vaterlandes iür de» Obstbau geeignet sind, wird doch io wemg Oblt gebaut, so wenig, Hatz wir eine Obsteinwhr von 12» Millionen Mark benötigen. Nock, weniger begreiftlich ,sr diew Vernachlaiiigung, da das deutsche Obst an Wohlgetcknnack Aroma, Bekömmlichkeit und Haltbarkeit icglichcs srcmdc Obst bei weitem übertrffft Infolge des geriiigen 'Anbaues ist das Lbst auch sür die meisten zu teuer, so dost aur den Kops der Bevölkerung im Jahre nur 17 Pfund treffen ,ll 5 Mark Ter 'Franzoke. Engländer. Italiener, Javaner itzt drei- bis vier- mol so viel Cbft wie der X rutsche Für ?llkohol, Zigarren
unddiegesährlichcnZigarettengibtder Deutsche
zusammen d r e i M i l l i a r d e n Mark l! aus, für Obst nur 35 0 Millionen Mark. Es ist dringend nötig, vier mehr Obstbäumc anzupslanzen, und das wird s,ch auch sehr gut bezahlt machen, denn das Jahr 1917 wird uns wirksame Zücke bringet,, wenn der Nachweis gelingt, datz bis dahrn Teutschlaich seinen Obstbedars foiblt decken lann. Verteuert dar, das Obst durch die Zölle nicht werden, sie sollen nur dazu dienen, datz der Obst grotzhandel zuerst seinen Bedarf in Deutschland deckt und der, Rest sm Ausland. Bisher war es gerade umgekehrte er kaufte zuerst jm Ausland, den Reftbedart nötigte er dann unseren Bauern und Obstzüchtern zu Schundvreisen ab. Ten Preis im Ginzelverkaut tiktierte er hoch, io hatte also der Konsument von lenem lpllsgen Einkauf nichts, und der heimische Obstzüchter kam kaum aui seine Kosten
Das mutz nach jeder Richtung anders werden! Ter Handel mutz zuerlt das Inlandobst kauten, der Obstbauer mutz einen annehmbaren Preis erhalten, der Konsument mutz annehanbat, d. h. billiger als jetzt kaufen können, und der Zwischenhandel mutz sichm» einem gerechten, annehmbare» Nutzen begnügen, aber nicht viel zu billig kaufen und viel zu teuer verkaufen. So mutz es werden^ und deslxub und die Zölle gerecht. Wie erreichen wir aber 1 » Deutschland bis 1917 eine Verdoppelung der Obsternte? l. dadurch, datz wir schlecht tragende Obstbäume durch fleißig und gut tragende Obstsorten urmpsropten, 2. datz wir bei, jetzigen >soricn,mrrwa>r beseitigen und uns aus wenige, aber beliebte soorien beschränken, 3. datz. wir die Obstbäume nicht verhungern und verdursten lassen, sondern sie alle Jahre kräftig düngen, und zwar den Quadritmeter Baumscheibe mit 70 Gramm Kalk stickstoff und 50 Gramm schwefelsaurem Ammoniak, mit 200 Gramm Thomasmehl, mit 70 Gramm Kainit und 60 Gramm 40- vrozenrigem Kal,, und drei Wochen später mit 250 Gramm kohlensaurrm Düngekalk, dies alles im Frühjahr und im Herbst nochmals mit 300 Gramn, Aetzkalk, 4. dadurch, datz wir die Baumicku-iben nicht verkrusten lassen, sondern immer locker halten, und 5. durch ummngteickn- Neupslonzungen von Obst jeder Art, also Most- und Wirtschastsobst und Qualitäts- oder Daselobst. Most und Wirtschailsobst durch Strotzen- und Feldobst, aut neuen, modern angelegten Obstplantagen mit wenig, aber ervrobtesten Sorten. Taselobstbau durch Garten- und Spalierobstzucht. Im Garten empfiehlt sich der Pnromidenbaum, da er sehr bald trägt, und im Spälicrobstbau sollte jeder Quadratmeter. ja jeder Quadrat- dezrmeter Wand ausgenütz! lverden. Belchen Obstreichtum hätten wir, wenn olle 200 Millionen Quadratmeter spaliergeeigneter Würde intensiv mit Spalierobst ausgcuützt wären. Da empfiehlt sich vor allem der senkrechte Kordon mit 40—50 Zentimeter Zwischenraum, weil er am raschesten die Wände begrünt und — eine .Hauptsache — am raschesten Früchte, herrliche Früchte bring! Zur baldigsten 'Ausnützung der Wände, 200 Millionen Quadratmeter Fläche, sind aber möglichst viele erstklassige, mustergültige, begeisiernde Vorbilder nötig. Dazu eignen sich in hervorragender Weise die .Kasernen! Verkehren in den beutjdjen Kasernen doch jährlich über eine Million Soldaten des aktiven Heeres, der Reserve .und Landwehr: alle im empfänglichsten Alter, besonders wenn der Haupimann, der Leutnant sie zu begeistern weif,! Drei bis vier Millionen Angehörige, Verwandte, Freunde auch Freundinnen, besuchen die Soldaten, betrachten
dabei genau die Kaserne. Welche Fülle von Anregungen wird da gegeben, und loie ost wird das Kascrncnvorbild in der Heimat erfahrungsgemäß nachgemacht!
Keine Schule, kein Ghmnasiilm, kein Lehrer- oder Priester - seminar, kein Lazarett, Krankenhaus, Spital, Sanatorium, kein Genesungshaus, Erholungshaus, keine Klinik, kein Waisen- oder sonstiges Wohliängkeitshans, kein Psarrhaus und kein Kloster, lein Post- und Bahngcbäude, überhaupt kein staatliches oder gemeind- liches^Gebäude, keine Fabrik und kein Arbeiterhaus, keine Billa, kein Schlotz und Herrensitz, kein Bauern dpi. >a selbst keine Irren- oder Sttaianstalt ohne Spaliere! Aus dieser noch nicht einmal vollständigen Auszählung geht hervor, wie alle Berufe ohne Ausnahme milwirken können, Obst und Svalicrzucht aut >ene Höhe zu bringen, welche m wirtschaftlicher, ästhetischer und vor allem gesundlmilicher Hinsicht erwünscht, io dringend nötig ist Es handelt sich also um eine durchaus naiionalc Tat, von der sich niemand ausschließen sollte, ganz gleich, ob er Beamter, Plärrer, Lehrer, Professor, Industrieller oder Landwirt, Groß- oder .Kleingrundbesitzer, Arzt, Fabrikbesitzer oder Fabrikarbeiter, Privatier oder Rentier ist.
Wenn die Offiziere, Aerztc und Milrtärbeamten, die Unteroffiziere und die Mannschaften erst setzt benannt werden, so soll damit keine Abstufung angedeutet werden. Das Beste zuletzt, und so sei mit einem Appell an sie alle die Bitte gerichtet, sic möckiten für die Hebung des deutschen Obstbaues ihren Einfluß und ihre aussührendc Betätigung geltend machen, besonders die Kasernen und militärischen Gebäude mit Obstspalieren, die Gärten, Höie, Exerzier- und Tchietzplätzc statt mit anderen Bäumen mit Obstbäumen nachdem Rat der Provinzialobstbaubeamten und der Obst- nxüiderlehrer und Bezirlsobstgärtncr bepslanzcn lassen. Die Soldaten aber sollen das Kaserncnvorbild und .Kasernenbeispiel in ihrer Heimat nachmachen und dafür wirken, datz diese Vorbilder überall nachgeahmt werden.
Landwirtschaft.
Wespen und Hornissen.
In manchen Jahren sind diese gefürchteten Insekten überaus zahlreich. In Küchen und Obstverwertunqsräumcn, wo Gelee gekocht und Fruchtsast hergestellt wird, sind sic nur abzuholten, wenn alle Türen und Fenster geschlossen werden. Tie Früchte der Obst- bäumc und die Weintrauben werden ost l'dinrer von ihnen heim- gesucht. Selbst kleine Säckchen und lange Schutzstreifen von Gaze- ltossen nützen nicht viel. Sobald der Regen einsetzt, sind sie verschwunden, sie haben dann unter den Blättern der Bäume und Sträucher, an der Unterseite der Aeste und Zweige, auf dem Erdboden unter Gras und Moos, in Mauerritzen oder unter Dachziegeln rasch Unterschlupf und Schutz gesunden, und sobald der Regen aufhört, sind sic wieder da. Wenn ein warmer, trockener Vorsommer der Entwickelung ihrer Brui günstig ist, so sind di« Wespen und Hornissen im Spätsommer itnd Herbst besonders zahlreich.
Die Weibchen, die im warme» Kompost, unter der dichten Moosdecke, in der Baumrinde oder i» hohlen Baumstämmen überwintern, kommen lhrde März oder Anfang 'Avril zum Vorschein, bauen sofort ihre aus einigen Zellen bestehenden Nester, legen darin ihre Eier ab und zickhen ihre Brut heran. Int der ersten Hälfte des Sommers sind sie nicht schädlich, sondern eigentlich nützlich, da sie auf schädliche Raupen und Larven Jagd machen und diese ihrer Brut als Futter heimtragen, Bald bauen die jungen Arbeiter das Nest werter, das in einem hohlen Baumstamm sich besindet oder am Balkenwerk wenig besuchter Gebäude, auch an Bäumen in Kugelform frei aufgchängt ist und seitlich in der unteren Gegend eine Oefsnung zum Ein- und Aussliegcn hat.
.hinsichtlich ihrer Lebensweise unterscheidet sich die Hornisse kaum von der Wespe ; die Hornissen sind bedeutend grötzer und bunter als die gelblichen Wespen. Letztere bauen ihr kunstvolles Nest in der Rüpel in der Erde. Man unterscheidet, rode bei den Bienen, in jedem Volke dreierlei Arten: Weibchen, Männchen und Arbeiter Die letzteren besitzen, wie die Königin, den gefürchteten Giftstachel, welcher den schlankeren, mit längeren Fühlern versehenen Männchen fehlt. Alle lieben Sützigkeiten, die sic aber weniger den Blüten und Bäumen als dem Obste entnehmen. Ter Schaden, den sic am sühen Obste anrichien, ivird dadurch noch gröber, datz sie anderen Insekten, z, B. Fliegen und Ohrwürmern durch die beschädigte Stelle erst Zugang zum saftigen Frucht-
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ftelsch verschaffen Entsetzlich Hausen sie in manck-en Jahren an den reisenden Weintrauben. Ivo nur das vollständige Umhüllen der Traube» mit Gazebruteln sicheren Schutz gewährt. Mit gutem Erfolg werden ausgchöngte 'Arzneigläser itnd Weinslaschen mit Wasser oder sützcm Vranntweiu angewandt: in schlimmen Wespen- sahre» kann man darin osb ut einem Tag Hunderte der Raub- gästc sauge». Am besten tötet man im Frühjahre die einzelnen mit dickem Leib herumfliegcndcn Weibchen durch Niederschlagen IM Flug oder mittels eines Fangnetzes. Jetzt tm Juni sind noch alle sich zeigenden Wespen und Hornissen Weibchen, deren icdcs bald die Stammutter eines ganzen Wespcnstaates wird. Später hat das Töten einzelner Tiere nunig Wert: da mutz man schon die Nester zerstören, und das ist oft recht gefährlich! Ei» andern: Froster sckmdcn der Hornissen und Wespen besteht darrn, datz sic im Spätsommer die Honigbienen am Stande tausendfach wegsangen >i»d verzehren, wenn diese schwerbeladen vom Ausflug beimkchren.
Wo man sie nur findet, vernichte man die Nester, deren Vorhandensein das mit lautem Summen begleitete Ab- und Ztt- tllcgcn der Insekten oerrät: man tue das ober erst zur Obstzeit, da viel schädliches Ilngezicicr, wie oben schon angeführt, tn> Fiühsommcr als Futter für die Brut eingetragen wird. Man gehe aber nur in der Nacht oder ganz srüh am Morgen an die Arbeit, wenn im Neste »och alles unbeweglich ist. Frei- hängende Nester werden am beste», wo es dle Umstände gestatten, mit erner Fackel verbrannt oder so abgcschnitten, datz sie in ein untcrgehaltenes säckchen fallen, und dann werden sie verbrannt. Um das kunstvolle Nest zu erhalten, kann man das Säckchen auch i» einen Eimer mit heitzem Wasser werten und so die Tiere löten Tachlatlenneftcr zu entfernen ist schon schwieriger: es gelingt nur Mit raschem, scharfem Messerschnitt und kann auch nur zu trühcr Morgenstunde, in der späten stlbendstundc oder nachts geschehen, wenn das Völkchen zu Hause und ganz ruhig ist. Bei der Vernichtung der Erdncstcr kann man sich eines Räucherapparates bediene», oder man kan» Wasser m den Bai, eingiesten, dem man Benzin oder Terpentinöl zugesetzt bat: doch mutz man vorher alle Fluglöcher bis oul das eine lest verschließen und dann nach dem Emblascn des Rauches oder dem Eingictzcn des Wassers auch dos letzte dicht mit Erde zustotzen und lest- treten. Hat temand aut einer Wanderung einmal ein Hornlssen- odcr Wespennest ausgesunden, so hüte er sich, daran zu rütteln oder gar darin herumzustochern. TaS kann ihm den Tod bringen: selbst schnellstes Davonlaufen nützt ihm nichts. Es ist schon vorgekommen, datz die wildgewordcnen Tiere ein Pferd so verstochen haben, datz es dem Giftstachel der vielen Tiere erliegen mutzte.
Gr.
= Wiesenbau- und Weidckursus in Reichelsheim , Odw. Tia Landwirtschostskommer veranstaltet vom 6. bis 3. Juli in Reichelsheim i. Odw. einen Wiesenbau- und Weide- fnrsus mit Borträgcn über: „Tic Stellung der Wiesen und Weiden sm landw. Betriebe" lOekonomierot L e > t h i g e r - Tormstadt). — „Bedeutung der Wiesen und Wenden für die Gesundheit und den Zuchtwert der Tiere" l Dr. Müller- Tarmstadt). — „Die bisher im Odenwald ausgesührtcn Wiesenmelioratronen und Jungvieh- weiden und ihre Bedeutung tur die Landesvichzuchl" (Oekonomieral Lang Darmstadt). — „Zweckmätzige Auswahl der Wiesen- und Weidepslanzen unter Berückiuhtsgung ihrer Ansprüche an Boden und Klima" (Dr. H a m a n n - Tarmstadt :. — „Die Anlage und Unterhaltung von Wiesennieliorationen" lKültnrtcchnikcr Ohl- Darmstadt). — „Düngung und Pflege der Wiesen und Weiden" (Dr. Wetz - Heppenheim). „?lnlage, Betrieb und Unterhaltung von Weiden" (Domänepächter Schneider- Hos-Kleeberg). # — „Die Umwandlung von lEichenschölwaldungen in Futterflüchcn, insbesondere Weiden" tDr. W e tz - Heppenheim:. Daneben linden Demonstrationen aus Wiesen und Weiden sowie eine Besichtigung der Iungviehweidc der Landwirtschaitskammer bei Grotz-Brcitenbach, sowie der Weidewirtschaft des Herrn Sicscrt-Frondorf statt. Der Kursus sindet nur dann statt, tvenn bis zum Schlutzterminc für Anmeldungen, den 20. Juni, mindestens 40 Teilnehmer sich angemcldet haben. Die Teilnahme an den Vorträgen und Demonstrationen des Kursus ist kostenlos. Zur Bestreitung der Unkosten, ffir Wagen- sahrtcn usw. haben jedoch die Teilnehmer zugleich mit der Anmeldung den Betrag von 5 Mark an die Kasse der Landwirtschafts- kammer in Darmstadt einzusenden. 2lnmcldungeii tvcrdcn unter gleichzeitiger Einsendung von 5 Mark an die Landwirtschaftskammer in Darmstadt bis zum 20, Juni erbeten.
jraucii>Huii6i(foau.
Zur Fräste der weiblichen Fortdildunstsschule».
Eine der dringlichsten und wichtigsten Fragen, die den städtischen Schulverwaltungen zu lösen gestellt ist, ist die Einrickttung von Ptltchtschulen iür lue Mädchen, die nach der Entlassung aus der Volksichute ,n den Fabriksaat oder einen gewerblichen Betrieb übertreten, wett die Not des Lebens sie dazu zwingt, die Pflicht, den Arbeitsverdienst der Familie zu steigern, ihnen die Möglich keit, einen anderen Berus zu erwählen, vorentdält. Der Reichs tagsbeschlutz vom 27, Dezember 1911, durch den der § 120 der Reichsgewerbeordnung eine neue Fassung. erhallen bat, gibt setzt den Gemeinden das Recht, autzer den wechltchcn Lehrlingen im Handelsgewerbe auch die gewerblichen Arbeiterinnen du rät Orts staiui zum Besuch einer Fortbildungsschule zu verpslichien. Leider ist bisher von diesem Recht wenig Gebrauch gemacht worden. r.ie Gründe ergeben sich wohl aus den nicht u »beträchtlichen Kosten, die den mit schutlasten schon übcrbäusten Gemeinden durch.die Einrichtung der Fortbildungsschule für Mädchen erwachsen, sodann auch aus den Widerständen, die von Handelslammern und wirtschastlichen Beieinsgungen besonders im Westen des Reichs dem Zwangsiortbildungsschulunterricht der Mädchen cntgcgcnge - setzt worden sind, weil man fürchtet, datz die Betriebe durch die Verlegung der Unterrichtsstunden in die Arbeitszeit gctchädigt wer den würden.
Es dart in der Tat nicht geleugnet lverden, datz hanz ansehnliche Beträge iur die Einrichtung und den Betrieb der Mädchcniorl- bildungsschule auigewendet werden müssen. Datz aber trotz aller Einwendungen in den vraklischen Untcrrichtsiächein, wie im Weitz- nähen und in der Hauswinschoft auch abends iruchtbringender Unterricht erteilt werden kann, bewerten die Ersahrunaen, die map schon in einer Reibe von Städten gemacht hat. Vieltach hat man Widerspruch erhoben gegen die Ausdehnung der Fortbltdungslchut- pilicht aut die in gewerblichen Betrieben beschästigten Mädchen. Ihre Zahl ist gewaltig grotz. Plan gehe nicht tchl, wenn man ihre Zahl letzt aui mehr als 2 Mtllioncn schätzt. Davon stnd nur iüni Prozent gklermc Arbeiterinnen, und auch dieser Prozentlatz nt noch zu hoch gegriffen, da sich unter den 5 Prozent auch die nur angelernten beiinden, d. h. solche mit ganz geringbemellener Lehrzeit. Von diesen 2 Millionen 'Arbeiterinnen kommen-rund 30000» für die Fortbildungsschule in Betracht. Mindestens L85 000 gehören davon zu den ungelernten Arbesterinnen. Datz auch ftc^dcr erziehlichen Beeinsluisung über die Vokksichulzcit und der ,vortbudungl bedürfen, wer wollte es leugnen? Gerade ihnen dart drc Wohltat der Beschulung um so weniger voremhalten werden,^als src den schwersten Versuchungen im Leben ausgesetzü lind. «>e bedürfen bei den Geiahien, die das buntschillernde Leben nnt leine» Lockungen mit sich iüdn, und mit Rück'icht aut die tchnnerigeck Ausgaben, die der künftigen «rbeiterftau erwachten, der wert gehendstcn Fürsorge. Jetzt tritt sre an diese Ausgaben ,o ost gänzlich unvorbereitet heran, da der Lebensweg bu werraus meinen
Mädchen aus der FaiMic in die Volksschule, aus der Volksschule in den Fabriksaal und ausKdeM Fabriksaal in die Ehe führt. Ueberaus beklagenswert ist es, wenn die Arbeitcrftau nicht die Fähigkeit besitzt, ihr häusliches Arbeitsgebiet mit Erfolg zu bebauen.
Wer einen Blick in die heutigen Berchältnisse getan hat, der weist, datz gewerbliche Arbeiterinnen, die nicht imstande find, sich einen Strumpf zu stopjen, einen Schaden an Wäsche und Kleidung auszubessern, ein Hemd zu nähen, das Bügeleisen zu handhaben, ein geniestbares Gericht hcrzustellc», geschweige ein einfaches Kleid anzusertigc», scharenweise zur Ehe schreilen. So geschieht es, dast manche Familie niemals aus einen grünen Zweig komm! oder zu einem sorgenfreien Leben gelangt. Wie rasch Männer, die vor der Verheiratung solide und arbeitsam waren, auf der Bahn, durch die sie infolge ihrer unglücklichen Ehe mit einer ihren Ausgaben nicht gewachsenen Frau geraten sind, abwärts gleiten, habe ich nur zu ost gehört. Und was für ein Geschlecht wird in solchen Familien grost gezogen ?
Wollen wir solchen Mitzständeir, die sich nun einmal herausge- bildct haben, und vor denen mir die Augen nicht vcrschliesten dürfen, wirksam begegnen, so müssen wir Einrichtungen treffen, die entsprechend den Fortbildungsschulen sür die männliche Jugend der Erziehung der weiblichen Jugend ftr dem gefährdeten Alter dienen und ihr Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die ffir ihr späteres Leben ganz unentbehrlich sind. Derartige Fortbildungsschulen sollen aber nur auf hauswirtschastliche Grundlage gegründet werden. Der eigentliche Berus des Weibes ist der der Hausirau und Mutter. Im Stande der Arbeiterinnen ist der Prozentsatz derer, die unverheiratet bleiben, sehr gering. Man wirk? der Masse der Arbeiterinnen geradezu eine Wohltat erweisen, wenn man ihnen iür ihren künstigen Hausberus eine gediegene Ausbildung gibt, wenn man sic rüstet sür den schweren Lebenskampf, den sie an der Seite des Gatten zu führen haben. Tie Gründung von solchen Fortbildungsschulen sür Mädchen ist im Staatsinler- essc geboten, und man soll die Opftr, die für ihren Betrieb vom Staat und von den Gemeinden gebracht werden nülsscn, nicht scheuen, da sie hundertiältigen Segen stiften werden, gröstcren Segen als die Schulen, die einen rein berufswissenschaftlichen Charakter tragen.
Die Mädchcnsortbildungsschulc darf, wo sic auch eingerichtet wird, nicht nur als Unterrichtsanstalt gegründet werden, in der Fertigkeiten gelehrt werden, sondern mutz von vornherein als Ev- ziehungsiaktor betrachtet werden, der dazu bestimmt ist, die uralten deutschen Frauentugerchen, Häuslichkeit, Fleih, Sittlichkeit zu pflegen und zu stärken.
— BernhardShawüberKrnoererziehung. Bernhard Shaw, wohl derjenige unter den modernen englischen Dichtern, der am meisten zum Widerspruche, aber auch zu fruchtbarem Nachdenken reizt, beschäftigt sich in der Vorrede zu seiner soeben als Buch erschrcnenen Komödie „M is a l l i a n c e" mit der Erziehung im Knrüer und mit dem VerholMrsse, das zwischen Eltern
und Kindern herrschen müsttc. Shaw ist natürlich mit der Erziehung, die man heutzutage den Kindern angedeihen lästi, nicht zufrieden. Nach seiner Meinung zwingen wir unsere Kinder, eine unendliche Menge von Befehlen »ich Verboten hinzunehmen, bevor sie imstande sind, den Befehlen und den Hemmungen ihres eigenen Gewissens zu folgen. Wir mllstten unsere Kinder lehre», dast das 'Auffinden des Lebensweges einzig und allein Sache der Ersahrung ist, und dast die Erzieihung, die ihnen setzt zuteil wird, nu,r crrä llebergangszustand ist, der sobald wie möglich den Forderungen des eigenen Herzens und der individuellen Einsicht Platz machen must Es gibt sür Shaw nichts Lächerlicheres als jenen Vater, der so zu seinem Sohne sprach: „Ich bin der Vertreter des Höchsten, deshalb mustt Tu mich nachohmen in allen Kleinigkeiten oder ich werde Dir de» Kops schon zurecht stutzen." Unsere Kinder dürfen nicht daran gewöhnt werden, ihre Eltern als unfehlbar zu betrachten. Die erste sorge der Eltern müstte sein, ihren Kindern die Fehler in ihrer eigenen Lebensbahn, in ihrer eigenen Erziehung zu weisen, damit die Ersahrung der Väter den Söhnen wahrhaft nützen könne, und sic nrcht attein auf abstrakte Theorien angewiesen sind. Die schlimmste Schuld der Eltern ist nach Bernhard Shaw ihr fortgesetzter Egoismus. Dieser Egoismus führt die Eltern zu einer phhsischen und moralischen Grausamkeit gegen ihre Kinder und dieser Egoismus zwingt Shaw, mit heistcm Elser das ganze gegenwärtige shstcm der Kindcrcrziehung anzugrciscn. Indessen verhehlt er sich nicht, daß die vraklischen schwierigkeitenz die Kinder nach seinen Normen zu erziehen, zahllos sind: aber er ist überzeugt, daß es wenigstens einen Mittelweg zwischen dem heutigen Absoliilismus und zwischen der „Revotuiion" gibt, den er, wie seine Feinde glauben, predigt:
kl. Acht „Grün de" gegen d t c T a s ch e n i nt Fra uen- klerdc. Bon Zeit zu Zeit wird die Taschentragc der Frauen von neuem angeschmite», und gewöhnlich veriäust die Sache im Sonde, weil sich keine Möglichkeit findet, Frauenkletder mit Taschen zu versehen. Die „Ncwhorl Tribüne" behauptet nun, die Wahrheit fet, datz die Frauen auch gar^ keine Taschen in ihren Klerdcrn haben wollen. In F-orm eines Scherzes stellt sie acht mehr oder minder stichhaltige Gründe hiersür zusammen: „Warum wollen Frauen keine Taschen im Kleide haben?" I. Weil sie von Natur aus kein Anrecht aui Taschen haben. 2. Weil die ?Aehrzahl der Frauen keine Taschen verlangt: wenn sie welche wollten, hätten sie src längst. 3> Weil die Frauen immer Taschen, die sic hatten, nicht benutzt haben. 4. Weil die Frauen auch schon genug mit sich her- ümkragen, auch ohne Tasche. 5. Weit Streitigkeiten zwischen Mann und Frau entstehen wurden, tvelche Taschen gefüllt werden sollten. 6. Weil der Ritterlichkeit des Mannes dadurch ein Ende bereitet würde, wenn er die Sachen der Frau nicht in feinen Taschen tragen könnte. 7. Weil lNänner Männer und Frauen Frauen und lman darf der Natur nicht ins Gesichi schlagen'. 8. Weil Taschen uber- txrnpt von lRännern entweiht sind: sie tragen darin Zigarren oder Pseisen, Kognakslaschen und kompromittierende Briete. Es ist nicht einzusehen, warum die Frauen ihre Taschen nicht ähnlich mihbrauchen sollt«».


