bcm fo ist. fährt Jaurüs fort, tlonn besteht zwischen Bivta ni und uns eine tiefe Kluft. Wie kommt cs dann, daß Oürunri den Beisbmd Retraults, Müloys und Augagucurs gefunden hat?
Bi Viani erklärte einem Bericksterftatter, der ihn über die Frage des D r e i j <r hrg e se y e s interviewtem Wir sind entschlossen, dasgegcnwärtige Militärgesetz anzuwcndcn Dazu würden wir uns allerdings nicht an eine unabänderliche Formel zu binden Hoden. Wir werden die Abänderung des Militargesetzes erst nach seinen Ergebnissen und entsprechend den Bedürft nissen der militärischen Verteidigung ins Attge sassen. In dieser Hinsicht bin ich mit allen Kollegen einig. Der neue Unterricht smini st er Augagneur erklärte bei einem ihm zu Ehren in Lyon veranstalteten Bankett: Er sei Anhänger der Rückkehr zum Z w c i j a h r g e s e tz; aber diese Rückkehr könne erst dann erfolgen, wenn alle ersorder- lichen Maßnahmen getroffen seien, damit keinerlei Störung und Verwirrung in der nationalen Verteidigung hervorgerufen wiirden.
Die gemäßigt republikanische und konservative Presse beurteilt das Kabinett Viviani im großen und ganzen ungünstig Nur die Weigerung Combcs, in das neue Kabinett einzutreten, scheint ihre Verstimmung etwas zu mildern.
Tic neue Fassung der Regierungserklärung.
Paris, 14. Juni Die ursprüngliche Fassung der Erklärung zum Militärgesetz, welche die erste Kombination des Ministeriums zum Scheitern brachte, wurde mit Genehmigung Divianis folgendermaßen gbgcändert:
Die Regierung wird binnen kurzem Gesetzentwürfe über die militärische Vorbereitung der Jugend und die Reorganisation der Reserven einoringen. Die Entwürsc sind bestimmt, die Descnsivkraft der Nation zu erhöhen, die stets nur daran gedacht hat, die Ehre, Freiheit und die Heimat z» schützen. Erst wenn die Entwürsc, die allen Ergebnissen der Erfahrung und den Anforderungen her nationalen Verteidigung Rechnung tragen, angenommen und in Kraft gesetzt sein werden, kann die Regierung eine Erleichterung der militärischen Lasten Vorschlägen.
Ueber die neue Fassung herrscht ein Einvernehmen. Die Regierung wird sich am Dienstag den Kammern vor- srellen.
Befremdliche Aeutzerungeii des spanischen Ministerprätzventen.
Der „Temvs" veröffentlicht eine Unterredung seines Madrider Korrespondenten mü dem Ministerpräsidenten Dato, der u. et. über die volitischc Lage in Frankreich folgendes gesagt habe: Die Abkürzung der Mklitärdienstzeit durfte vor allem eine Schädigung des sranzösischcn Patriotismus bedeuten. Inden Augen aller würde dieses bedeuten, daß Frankreich fürimmer die Folgen der Katastrophe von 1870 ratifiziert und annimint. Die Erörterungen in der französischen Presse gelegentlich her unangenehmen Zwischenfälle in gewissen Garnisonen gaben zu verstehen, daß Frankreich immer noch in Elsaß» Lothringen Brüder hat. Aber neben dieser Gefühlsseilc gibt cs noch eine Frage der Vernunft. Frankreich gehört zu den stärksten Nationen der Welt. Uni das Recht auf Achtung zu haben, muß es die Kraft besitzen. Dieser Radikalismus, an welchem die französische Politik leidet, darf aber nicht so lockil gehen, daß er die Nation aus Gnade und Ungtzlade den Feinden auslicfcrt. Deutschland vermehrt seine Rüstungen, imd die daraus erwachsende Vermehrung der Steuern wurde ohne Murren angenommen. Auch Rußland ist nicht untätig. Man muß, so schwer cs auch sein mag, diese Bewegung mitmachen oder verschwinden. Die Aufrechterhältung des Drrijahr- gcsetzez wird in Frankreich mit Unrecht als eine nationale Frage angesehen, sie ist eine Frage der internationalen Ruhe. Die Macht Frankreichs schwächen, heißt Frankreich in die unbestreitbare Unmöglichkeit versetzen, die von ihm seinen Verbündeten gegenüber eingegangenen BerpftichtUNgen zu halten. Es beißt das europäische Gleichgewicht gefährden, und wenn jemals düse unvorsichtige Politik die Oberhand gewinnen und eine inte.- narionalc Katastrophe herbciführen sollte, dann würde es mehr denn jemals heißen: Wehe dem Ncsiegtcn. Aber ich giaudle nicht, daß es dazu kommen wird. Uebrigens hat Frankreich das ihm wahrlich von der Vorsehung beschiedene Glück gehabt, in den schwersten Augenblicken seüicr Geschichte erneu Mann zu finden, welcher die Gemüter auf den rechten Weg bringt. Dü Aufgabe des Präsidenten PoincarS ist gewiß nicht leicht. Und cs scheint selbst, daß gewisse hervorragende Politiker sich anstrcngen, seine Stand- Hastigkeit zu erschüttern. Aber der Sturz Poincares würde gewiß der Sache jener wenig förderlich sein, weiche zu Ungunstcn des Weltfriedens arbeiten.
Die Monarchenbegegmmg in Lonstanza.
In Bukarest betrachtet man, wie von dort gemeldet wird, den Zarcnbesuch als ein überwiegend familiäres Ereignis. In der Tat würde der Zar wohl nicht mit seiner Familie die Reise angetrcten haben, wenn nicht die Verlobung einer der Töchter des Zaren mit dem Sohn des rumänischen Thronfolgers bevvrstände Indessen, Herr Sa- sonow wird seinen Herrn nicht vergeblich begleitet haben. Man sagt, die österreichisch-rumänische Militärkonvention laufe 1916 ab, und die Russen wünschten dieses Abkommen nicht mehr erneuert zu sehen Ob sich die rumänischen Politiker durch russische Lockmittel zu einer dreibund-feindlichen Haltung einsangen lassen, kann erst die Zukunft erweisen.
Constanza, 14. Juni. (Agence Roumaine.) Das russische Geschwader kam Degen 8 Uhr morgens in Sicht. Während es in die Reede ernfuhr, versammelten sich die Mitglieder der Königssamilie im Empfangspavillvn. Um V Uhr 40 Min. fuhr die kaiserliche Jacht „Standard" in die Reede ein, begleitet von der Jacht „Almas", während sich die übrigen Schiffe am Eingang des Hafens gegenüber den rumänischen Schissen aufsteÜten. Die kaiserliche Familie begab sich an Land. Die Mitglieder der Königssamilie schritten ihr zur Begrüßung entgegen, während die Militärkapellen die russische und rumänische Nationalhymne intonierten. Kaiser Nikolaus und König Carol küßten sich einander zweimal herzlich. Der Kaiser war begleitet von den Großfürstinnen Olga, Tatjana. Maria und Anastasia, dem Großfürsten-Thronsolger Alexei und einem zahlreichen Gefolge. Der Kaiser, der König und der Thronfolger Prinz Ferdinand nahmen über die Truppen, die die Ehrenbezeugung erwiesen, eine Revue ab, worauf im Empfangspavillon die Vorstellung vor sich ging. Sodann begaben sich die offiziellen Persönlichkeiten in die Kathedrale, wo der Bi- schof der Mederdonau Nifon ein Tedeum zelebrierte, dem die gesamte kaiserliche und die königliche Familie mit Ausnahme des Großsürsten-Thronsolgers beiwohnten. Die hohen Gäste und die Mitglieder der rumänischen Königssamilie begaben sich zum Gottesdienst durch ein großes Truppcn- spalier. Als Kaiser Nikolaus auf dem Wege die Haltung deS 5. RegimentesderrotenHusareu bewunderte,ließderKönigden Wagen halten und gab dem Regiment den Namen „Kaiser Nikolaus U". Dem Tedeum folgte ein intimes Frühstück im Pavillon der Königin Elisabeth, währcitd der Ministerpräsident zu Ehren des russischen Ministers des Aeußern, Sasonow, «n Frühstück im Wmrizipalkasino gab.
König Carol verlieh dem Minister S a s o n D lt> das Großkreuz des Carolordens und dem russischen Gesandten Poklevsky das Großkreuz des Ordens vom Stern von Rumänien.
Die Kotiopifdjfer Begegnung in amtlichem Lichte.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bespricht in ihrer Wochcnrundschau aucki den Besuch des Kaisers auf dem Landsitz des österreichisch-ungarischen Thronfolgers in Böhmen und erklärt u. a.:
Es braucht nicht näher ausgeführt zu werden, daß ein Beisammensein von drei M a r i ne fachmän n ern, wie es der Kaiser, sein Wirt und der Großadmiral sind, auch auf den Inhalt ihrer Gespräche nicht ohne Wirkung gewesen sein wird. Hiervon abgesehen, müssen wir, in Uebereinstim- nrung mit der „Wiener Abendpost", die politischen Deutungen, die einige ausländisckie Blätter dem Kaiser- besuch in Konopischt unterschieben wollen, als irrtümlich bezeichnen. Der wirkliche Wert der Zusammenkunft tvird durch solche Enlstellungsversuche nicht berührt.
Der Abschied.
Konopischt, 13. Juni. Um 3 3 /i Uhr fuhren der Kaiser, der Erzherzog-Thronfolger, die Gräfin Hohenberg und die Gäste in den Schwarzwald, in das zur Konopischter Domäne gehörige Revier. Auf dem Hubertusschlosse wurde der Tee eingenommen. Der Kaiser stifte im Speisezimmer mit den höchsten Herrschaften, während die Gaste auf der Veranda des Schlößchens den Tee einnahmen. Um 6V< Uhr kehrten die Herrschasten nach dem Schloß zurück. Nach der Tafel verabschiedete sich der Kaiser in überaus herzlicher Weise von der Gräfin von Hohenberg. Dann verabschiedete er sich von den Gästen der Tafel und bestieg mit dem Erzherzog Franz Ferdinand, welcher Admiralsnniform trug, das erzherzogliche Automobil. Der Erzherzog geleitete den Kaiser auf den Bahnsteig. Der Kaiser dankte dem Erzherzog in überaus herzlicher Weise und gab seiner großen Freude und seinem Entzücken über den tvunderschönen Aufenthalt Ausdruck. Dann verabschiedete sich der Erzherzog zunächst von dem Staatssekretär von Tirpitz. Um 10 Uhr 50 setzte sich der Hofzug zur Fahrt nach Wildpark in Bewegung.
Aus Albanien.
Durazzo, 13. Jüni. Am Nachmittag forderte die Lokalpolizei den Bürgermeister Gicoraskowitsch auf, sieb aus deni Gendarmericposten zu stellen. Dann führte sie ihn in die Wohnung, in der auch sein Bruder wohnt, der Dolmetscher der russischen Delegierten beim internationalen Kontrollausschuß ist. Es wurde eine Haussuchung vor- genommeu, die nichts Belastendes ergab. Der Bürgermeister wurde im Hause seftgehalten, wo er sich einem Verhör unterziehen mußte. Die Polizei soll sich bei mehreren muselmanischen Zeugen erkundigt haben, ob es wahr sei, daß der Bürgermeister gesagt habe, die Aufständischen hätten recht, die Erfüllung ihrer Forderungen zu verlangen. Die Zeugen sollen geantwortet haben, sie wüßten nichts davon. — Der russische Delegierte des internationalen Kontrollausschusses begab sich zu Turkhan Pascha und protestierte lebhaft gegen das Vorgehen der holländischen Gendarmerie.
Deutsches Reich.
Die Jahresversammlung des Hansabun- d e s'. In Köln fand am Samstag in der Weickbunderusstel- lung die Jahreshauptsitzuug des Hansabundes statt. Der Präsident, Geheimrat Ri eher, gab einen Rückblick auf die fünfjährige Tätigkeit des Bundes und erklärte, wenn auch der Hansabund für die Erhaltung der jetzigen Schutzzollpolitik eintrete, müsse er doch den von mehreren Seiten geforderten lückenlosen Zolltarif sowie jede Erhöhung der bestehenden Agrarzölle ablehncn. In das Direktorium wurden neugewählt: Chefredakteur Falkenberg vom Vorstand des Bundes der Feftbesoldeten, Berlin-Frieden au, Oberin- geirieur Kischka-Baildon-Hütte bei Kattowitz, Wilhelm Reinhardt-Leipzig, Kommerzienrat Seiler-Nürnberg, Hofrat Sigismund-Berlin und Dr. Spitzer-Barmc». Nachdem der Fabrikbesitzer De t t cr-Berslau den Bericht des Finanzausschusses erstattet hatte, sprach der Geschäftsführer des Hansabundes, Regierungsassessor Dr. Kleefeld-Berlin, über die Arbeit des Hansabundes im Jahre 1913, der jetzt über 60 Landes- und Bezirksgruppcn, 565 Ortsvcreine, 1679 Vertrauensmänner und 1870 korporativ angeschlossene Vereinigungen zählt. Ten .Hauptpunkt der Verhandlungen bildete eine Anzahl Vorträge über den lückenlosen Zolltarif und seine Folgen fiir Industrie, Handel und Gewerbe, an die sich ein Bortrag des Professors Dr. Hö n ig e r-Freiburg über die Hypothekennot schloß. Henri Schwarz-Hamburg sprach über Wohnungsfürsorge für Privatangestellte.
Ausland.
Hatte Sir Edward Grey Hintergedanken bei seiner Erklärung über ein Abkommen mit Rußland? Die „Westminster Gazette" schreibt: Wir finden mit Bedauern in dem „Manchester Guardian" die llnter- stellung, daß Grey beabsichtigte, in seiner klaren, präzisen Antwort, die er am Donnerstag im llnterhause über das angebliche englisch-russische Flottenabkommen gab, sich einen Ausweg offenzuhalten. Es wäre höchst bedauerlich, wenn dieser Gedanke in der Presse des Auslandes Verbreitung fände. Wer sowohl die Frage als auch die Antlvort ansieht, wird sehen, daß. kern Raum für einen solchen Verdacht vorhanden ist. Es besteht kein Flotten- abkommen, es bestehen keine Verhandlungen für ein Flottcn- abkommen zwischen England und Rußland. Höfliche Rücksicht sowohl auf eine auswärtige Macht, als auch auf das Unterhaus erheischte, daß die offene Negierung von einer Erklärung unserer konsfttnttonellen Praxis begleftet würde Aber wer Greys Charakter und Methode kennt, kann keftien Augenblick dem Gedanken Raum geben, daß jene Erklärung die Wahrheit verhüllen sollte.
Au» Stadt und Land,
Gießen. 15. Juni 1914.
"Hoftrauer. Wegen des Ablebens des Großherzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg - Strelitz ist eine Hoftrauer vom 12. bis zum 25. Juni 1914 angcordnet worden.
" Der Großherzogempfing u. a. den Dr. med. Gmeiner, Professor an der Universität Gießen, den Dr Hohlweg, Professor an der Universität Gießen.
** Ge werbeausftellungGießen 1914. Ehrenabend für Herrn Pesch-Mario. Der außerordentlich gute Besuch, den die Feschalle seit dem Tag ihrer Eröffnung gefunden hat, ist neben der tüchtigen Wirtschaftsführung zweifellos auch ein Verdienst des Herrn Pesch-Mario, der mit seiner vornehmen und vielseitigen Vortragskunst zui- gewöhnlich rasch der Liebling des Publikums geworden ist. Es wurde deshalb auch allgemein freudig begrüßt, daß die
Ausstellungslcitung und Herr Kemper ihm einen Ehren- abcnd bewilligten, der bedauerlicherweise allerdings auch der osfizieUe Abschiedsabend war. Wie groß die Sympathie ist, deren sich Herr Pesch-Mario hier zu erfreuen hat, das wird am besten dadurch erwiesen, daß die Festhalle schon eine Stunde vor Beginn der Vorträge vollständig besetzt war, und daß eine ganze Masse Leute, die sich nicht früh genug für Karten gesorgt hatten, abgciviesen werden mußten, Herr Pesch-Mario hat diese Sympathien aber auch verdient; denn er ist einer der so seltenen Humoristen, die wirklich Hmnor haben, ein Humorist, der zugleich ein vornehmer Mensch ist. Er nracht nicht bloß Späße, er gibt in seinen Vorträgen zugleick) ein Stück Weltanschauung und Lebenskunst, weil er ein lauterer, lcbcnsstarker Optimist ist. lind darin liegt denn auch das Gcheiinnis seines Erfolges, daß er mit seiner ganzen Persönlichkeit hinter seinen Darbietungen steht, denen eine geschmeidige, gut durchgebildete Vorlragskuust und eine bewundernswerte Mimik den letzten Schliss verleiht. Sein rheinischer Humor, der sich durch vier Wochen hindurch von einer stets neuen Seite gezeigt hat und immer wieder Neues und Gutes brachte, feierte auch am Samstag abend wieder außerordentliche Triumphe. Herr Pesch-Mario brachte aus seineni unglaublich reichhaltigen Spielplan die beliebtesten Stücke und zwar in so großer Menge, daß allein schon die dynamische Leistung bewundernswert ist. Bon 8 bis 12 war er fast dauernd auf der Bühne, während sich die Zuschauer im Schweiße ihres Angesichts köstlich vergnügten und immer wieder klatschten und klatschten. Es würde zu weit führen, wenn wir hier erzählen wollten, was Herr Pesch-Mario alles brachte, und wer dabei war, der w-ird es ja vielleicht noch wissen; die anderen können sich heute abend darüber unterrichten, denn Herr Pesch-Mario hat versprochen, auch heute, an seinem eigentlichen Abschiedstage, denselben reichhaltigen Spielplan zu bringen. Daß ihm am Samstag auch besondere Ehren und 'Angebinde zuteil imlrden, ist selbstverständlich, und neben Blumen und Kränzen wunden auch dauerndere Andenken gespendet. Im Namen des Ausstelluugsvvrstandes überreichte Herr Prof. Krausmüller unter lebhaftem Beifall der Anwesenden ein oberhcssisches Kaffeegeschirr, indem er besonders darauf hinwies, daß Herrn Pcsch-Wario keinerlei Richtlinien gegeben worden seien über das, was er bringen dürfe; er habe ganz aus eigener Machtvollkommenheit sein Programm gewählt, und es freue ihn, daß der Künstler damit allgemeine Anerkennung gefunden habe. Mit langandauernden Beifallskundgebungen schloß der Abend sinnentsprechend. — Damit der Absckned heute nicht gar zu schmerzlich werde, wollen wir noch nritteileu, daß Herr Pesch-Mario nach einem mehnvöckstgen Gastspiel in Hagen jedenfalls wieder für einige Wochen hierher kommen iwtb. — Der Verkehrsausschuß hat der Königl. Eüenbahn- dircktion in Kassel folgendes Gesuch um Bewilligung von S 0 nn ta g s ka r t cn für die Strecke Marbu rg — Gießen eingereicht:
Die Königliche Eiscnbahndrrektioii bitten wir ergebenst, aus der Eiseubahnstrecke Atartmrg—Gießen die Einführung von Sonntagssahrkarlen genehmigen zu wollen. Würde es schon bisher in der Gießener Bevölkerung als ein Nachteil für die Gießencr Geschäftsleute empsunden, daß 2onutagegarten nach Gießen auf der Station Marburg nicht aus gegeben unrrdcn, so daß daS wohlhabende Hinterland vollständig von Gießen ab- gcschnitten war, so macht sich setzt während misercr Ausstellung dieser Mangel ganz besonders fühlbar. Der Verkehr nack> Gießen von Stationen, welche Sormtagskarten ansgeben, ist weü bedeutender als der von anderen Stationen. Besonders von Mnrbnr,'i fehlt hier der Verkehr gänzlicki, obgleich aus diesem Bezirk die Ausstellung reichlich beschickt wurde und dort muh großes Interesse hauptsächlich in den breiten Schichten des Mittelstandes und des Arbeiterstandes dafür vorhanden ist. Durch eine Verbilligung der Fahrt von Marburg nach Gießen ist eine bedeutende Verkehrssteigcrung mit positiver Sicherheit zu eiwarten und die Vorteile hiervon wird nicht nur die Stadt Gießen und unsere Ausstellung haben, sondern auch nicht zum geringsten Tell die Eisenbahn-Behörde.
Die Königliche Eisenbahn-Direktion bitten wir, unser Gesuch einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen imd die baldige Einführung der Sonntagskarten Marburg—Gießen rnzuordncn.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Der Verkehrsaisschuß.
** Die Entwürfe für den Umbau d>r alten Klinik sind am Samstag im Sitzungssaal der Stadtverordneten ausgestellt worden. Der Besuch ist sehr rege, doch sind es zumeist Fachleute, die sich einfinden und an den Plänen oft scharfe Kritik üben.
** Arbeitsjubiläum. Heute konnte der Dreier Heinrich Adolph aus Klein-Linden auf den Tag zurückblicken,an dem er vor 25 Jahren als Lehrling bei der Firma H. Schasffhedt eingc- tretcn ist. Aus diesem Anlaß wurde er von den FirmenJnhabern mit einer goldenen Uhr und mit einem reichen Geldgfchcnk bedacht, auch wurden ihm! von den Beamten und von seinei Arbeitskollegen Geschenke überreicht. Wie üblich, fand der Jubiar seinen Arbeitsplatz sestlich geschmückt vor. Es ist dies, wie uni berichtet wird, in den letzten Jahren der 7. Jubilar geivesen, den de Firma Schassstaedt beschäftigt, ein gutes Zeichen dafür, daß sie cs versteht, sich gute Arbeitskräfte daueriw zu erhalten.
** I n d i e Klinikeingeliefert wurde amSams- tag der Wcißbinder Philipp Bender von Krofdorf, der in die Scheuertenne gestürzt war. Er hat schwere irn ere Verletzungen erlitten.
*• Bei den Ausschachtungsarbeiten zum Neubau des Hotels Einhorn löste sich am Freitag ein alte Wand und stürzte ein. Während der eine Arbeiter sich rasch in Sicherheit bringen konnte, wurde der Arbeiter Lei' aus Gleiberg bis an die Brust verschüttet. Er konnte rasch herauSgegraben werden und erlitt nur einigeHantabschürsiigen.
** Gewitter. Nachdem gestern den ganzen Tagüber der Donner von allen Seiten her um unsere Stadt gesollt hatte, ging gegen 7 Uhr ein kurzes, von heftigem Rgen begleitetes Gewitter nieder.
** D i e Feuer streue, die jetzt auf der alten Hrsch- apotheke angebracht ist, wurde heute vormittag mit grßcr Ausdauer erprobt. Ob das Getöse wett genug hörbar ist, muß erst noch festgestellt werden.
Kreis Schotten.
Laubach, 14. Juni. In große Gefabrgeriet ein Fuhrknecht aus Utphe, der zwischen Villingen und NnpertS- barg die Bahnstrecke kreuzte, als gerade ein Zug heranbanstr. Es gelang dem Knecht in, letzten Augenblick noch, die jiferde herumzureißen. Der Wagen wurde vollständtg zertriniiiert, Pferde und Mann blieben unverletzt.
Hessen-Nassau.
X Altenkirchcn, 14. Juni. ?luf Grube Petcrsacki verunglückten 4 Bergleute dadurch tödlich, daß der ördcrkvrb herabstürzte, in dem sie sich befanden. Die Unglücklüen nwrett auf der Stelle tot. Sic waren Familienväter und sämicki in der Umgebung von Altenkirchcn ansässig.
r. Fellingshausen, 12. Juni. Heute stand „ni Krieger- verem seit ungefähr vierzehn "Tagen zum drittciima- an dem Grabe eines Kameraden. Der Veteran Jobs. S ch m i d UI wurde ziir letzten Ruhe bestallet. Er hatte den Feldzug 187171 bei detn Jnj.-R«gt. Rr. 83 in Kassel mügcmaiht.


