mtfmbrn; 5. Schrillt mj lmtmteQmftt, damit alle Mächte der' an Albanien grenzenden Staateu die ausdrückliche Erklärung abgeben, daß Europa einmütig s c st i st, seinen Beschluß, die Ilnversebrlheit, Neutralität und Unabhängigkeit Albaniens genräsi den Beschlüssen der Londoner Konferenz aufrecht ju. cr- hatten.
San (Ruliano hob seine alle Ueber^leugung hervor, das! in An» betracht der Lage in Albanien nnd der Beziehungen der Vertreter der versänedenr» Mächte an Ort und eotclle cs unbedingt Kot- wendig sei, stets mit großer R u ftc die verschiedenen Zmiichensälle zn-b c t rach t Ml, ivtlriic die Regierung, das Parlament imb das Land von der Richtung abziclnm können, die sie, >oie sie bei oerschiedeneii Gelegenheiten! bewiesen hätten, mit vollem Bewußtsein versolgeu. Der Ministrir sagte: Dies ist der Weg, aiy dem große Böller ihren großen Einfluß in der Welt erwerl>en und verdienen müßten, (Lebhafter Beifall,)
Keine Einmischung des deutschen Kaisers,
Köln, 10, Juni, Zu den Meldungen aus Durazzo, daß der Losmarschall des Fürsten von 'Albanien in einer besonderen Audienz von Kaiser Wilhelm die Zusage militärischer Unterstützung erhalten habe, ineldet der Berliner Derichserslatter der „Kölnischen Zciiüug" aus Berlin, daß den Stellen, die unterrichtet sein müßten, von einer besonderen Audienz des albanischen Hofmarschalls bei dem Kaiser nichts bekannt ist. Auch sei die Meldung von der Entsendung eines großen Tolles des deutschen Triippenlonlingentks »ach Sklitari unzutreffend sei. Richtig sei, daß die deutsche Regierung zu gesagt habe, sich an der Kundgebung in den albanischen Gewässern durch Entsendung eines K r i c g s > ch i s,f e s zu beteiligen. Hierin beständen zwischen den Großmächte» keine Meinungsverschiedenheiten, 'Ei,.es besonderen Ratschlage? an den Fürsten, a u s z u b a r r e n . habe cS von keiner Seite bedurft. Insbesondere sei der Kaiser nicht in die Lage gekommen, einen solchen Rai zu erteilen.
Neuer Mul in Durazzo,
Durazzo, 10, Juni, Gelten, Nachmittag hielt der Fürst Revue über die gesamten gegenwärtig in Durazzo stehende» Truppen ab, die sich aus Mirditen, Malissoren und Gendarmerie zusammensetzten Während der Revue wurden dem Fürstcnpaar begeisterte Huldigungen bereitet, Ani Abend lvurde eine große Anzahl Gewehre und Munition sowie ein Geschult nach Älessw zur Ausrüstung der dortigen Malissoren abgesandt, — bosmar- ßhall ». Trotha ist hierher zurückgekehrt.
Das Kabinett Ri bot.
Paris, 10. Juni, Bon den Mitgliedern des neuen Kabinetts haben sich Ribot, Bourgeois, Delcassö, Chau- tempch Elementes, Peytral, Jean Dupuv, Maunoury und Dariac für die dreijährige Dienstzeit, Tessane und Reoille gegen sic ausgesprochen.
Die feindselige Stimmung, mit welcher die Radikalen in ihrer gestrigen Sitzung das Kabinett aufnahmen, kommt in den radikalen und forialisttschen Blättern in der schärfsten Weise zum Ausdruck — Der „Radical" erklärt:
Das Ministerium Ribot bilde eine Herausforderung nach den radikalsten Wahlen, welche cs jeuials gegeben hat. Das Ministerium Ribot gehört nicht zu jenen zweideutigen Regierungen, welche Stimmenthaltung gestatten. Es wird das Zentrum und die Rechte für sich, und alle Gruppen der Linke» gegen sich hoben und deshalb muß es, falls nicht ganz unwahrscheinliche Verletzungen der Parteidisziplin Vorkommen, gleich bei seinem ersten Erscheinen in der Kammer unter den feindlichen Stimmzetteln der Radikalen und Sozialisten und der ehrlichen Linksrepublikancr zusammen» brechen.
Die „Lanterne" schreibt:
Was immer Herr Ribot morgen tu» und erklären wird, die Parteien der Linke» werden ihm einmütig antworten: Sic waren der Feind des Volkes, wir werden ihnen unser Vertrauen nicht bewilligen,
Iaurös schreibt in der „Humanitö":
Man >vird versuchen, durch trügerische Versprechungen und verdeckte Drohungen die Republikaner ladm zu legen. Aber ich hege die feste Ueberzcugung, daß diese sich nicht täuschen lassen werden. Das Ministerium Ribot wird entweder gleich an seinem ersten Tage in der Minderheit bleiben, oder es wird, wenn es gilt, nur eine gcnz verschwindende Mehrheit haben, deren Hauptbestandteil die Rechte und das Zentrum bilden werden. Wird das Kabinett Ribot dann noch die Kraft und die Bcrivegenbeil haben, weiter zu bestehe»?
Das Blatt BriandS, die „P e t i t R e p u b l i q >i e", fordert die Republikaner auf, zu dem Ministerium Ribot Ber- trauen zu haben, denn es werde nicht rückschrittlich sein, habe doch Ribot bereits unzweideutige Zusagen betr, die Finanz fragen gemacht, welche alle anderen Angelegenheiten weit überragen,
Tie gemäßigte republikanische Presse bringt dem neuen Ministerium lebhafte Sympathie entgegen, Die konservativen und nationalistischen Blätter haben zwar an einzelnen Persönlichkeiten des Kabinetts mancherlei auszusetzen, wünschen ihm aber gleich-
Regcl zu überwinden haben. Daß aber auch in hohen Kreisen die Anschauungen je nach der Zweckmäßigkeit wechseln, zeigt ein Fall, iu dem eine unstandesgemäße Heirat von dem Mitglied eines Dvuasteiigcschlechts geradezu gefordert lvurde. Es handelt sich »m das sehr alte Tnnastcngcschlecht der Grasen zu Erbach, und der Fall ist um io interessanter, als gerade in diesem Ge schlecht noch vor wenigen Jahren ein harter Kamp) durch langwierige Prozesse geführt wurde und eine unstandesgemäße Heirat eines Grasen zu Erbach gelöst wurde, locil er sonst seine Zugehörigkeit zu dem Geschlecht verlieren sollte. Jener andere Fall spielte im 18. Jahrhundert, In dem Geschlecht waren Erbschaflsprozcsse und in deren Folge Landesteilungen au der Tagesordnung gewesen, was einen ungemein schädlichen Einfluß aus die Bdr- mögensverhältnisse des Hauses halte, L 0 schlossen denn zwei Brüder einen Vertrag. Grgs Ludwig von Erbach machte sich in diesem gegen seinen jüngeren Bruder verbindlich, keine standesgemäße Ehe cinxugehe», um nicht durch abermalige Teilung de» Glan, und das Ansehen des Hmises zu vermindern, Graf Ludwig von Erbach aber scheint ein ,chr flotter Herr gewesen zu sein, der durchaus nicht der Else entsagen wollte. Er Ivar ein lehr großer Jggdsreund, der mrist auf seinem Jagdschloß Krähcnberg lebte und dann auch dort ini Jalnc 1781 von seinem Bcrtragsrecht Gebrauch machte, indem er mit einem einfachen Bauernmädchen Ehristine Sofie Küchler eine morganatische Ehe cinging. Er legte dieser seiner Ehe- gattin und den mit ihr erzeugten Kindern den Namen Trcuberg bei. Gras Ludwig von Erbach lvar damals kein Jüngling mehr, der sich leichtsinnig in die Ehe stürzte, sondern ein Mann von 5«? Jahren, Vielleicht leitete ihn der Wunsch, in einer drohenden Krankheit ein liebendes Weib um sich zu haben, denn er ward später von schweren Leiden gevlagk! und zehn Jahre nach seiner Eheschließung starb er in Heidelberg, wo er Heilung luchte,
— A usderamcrikani sch en Bevölkern ngs st allst, k. Aus Washington wird berichtet: Nach den nun vorliegenden amtlichen Stalistiken des amerikanischen Volks,zählamtes erreicht die Zahl der in den Bereinigten Dlaaten lebenden Weißen von ausländischer Abstammung insgesamt 32 248 382 Kopie bei einer Gesamtbevölkerung von 81 7319,57 Menschen, Ties sind die Ergebnisse der Volkszählung des Jahres 1910, Unter dem fremden Element werden 10 374 200 Personen gezählt, deren Muttersprache Englisch ist. Das deutsche Element steht an zweiter Stelle mit 8 817 271 Köpfen oder 10,8°» der Gesamibevö!kerung. In weitem Abstande folgen die Italiener mit 2 151000 oder 2,61°/» der Gesamtbcvölkerung, die Polen mit I 770 000 oder 2,1 dieJuden mit 1 876 600 oder 2,1»» d«-Schweden mit >485000 oder >,8°», sie Fraiizosen mit 1 357 OM oder 1,7»» und die Norweger mit 1009100 Kopsen oder 1,2»° der Gesamkbevölkcrung der Bereinigten Staaten,
wohl eine lange Lebensdauer, da es Frankreich ven der „Tyrannei der geeinigten Radikalen" befreie,
Paris, 10, Juni, Ribot stellte heute mittag dem Dräsl- denten Poincare im Elhsse die Mitglieder des Kabinetts vor. Die Mrnistcr treten morgen nachmittag jit einer Mimstcrrats- sitzung zusammen, um die Fassung der ministeriellen Erklärung sestzustclle». Am Freitag erscheint die Regierung vor der Kammer, Die Gruppe der geeinigten Radikalen hat bereits beschlossen, die Regierung über ihre Politik vor der Kammer zu befragen.
vcntsche- Reich.
Veranstaltung einer Kleinhandels -„Enquete", Am TienStag fand, wie lürz gemeldet, im Rcichs- tagsgebände eine Vorbesprechung über die Frage der Veranstaltung einer Kleinhandelsenqnete statt. Aus Einlcr düng des Staatssekretärs Dr, Delbrück hatten sich eine große Anzahl von Kommissaren der verbündeten Regierungen, inehrcrc Mitglieder des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, Vertreter des deutschen Handetsrages -sowie einiger großer Tetailtisteirverbände und sonstige Sachverständige eingcsunden. Den Borsitz- führte in Vertretung 'des Staatssekretärs, der durch eine gleich-zeitig stattfindend« Sitzung des Rüstungs- und Liesernngücmsschujses verhindert war, der Direktor im ReichBamt des Innern Caspar- An de» einleitenden Bortrag des Referenten des Reichsamts dcS Innern schloß such eine lebhaste Aussprache, in ivelcher alle einschlägigen Gesichtspunkte eingehend erörtert wurden, Tie Besprechung dauerte nach einer Mittagspause bis in die Abendstunden fort. Am Mittwoch lvurde, wie uns mitgeteilt wird, die Beratung im engeren Kreise der Regie- rungsvertreter fortgesetzt.
Zur Besteuerung der Znndholzersah mitte l wird uns geschrieben: Zurzeit besteht n i ch t die Absicht, dem Reichstage eine Vorlage über die Besteuerung der Zünd- holzersaymittcl vorzuschlagen, Lb der Zündholzindustrie Erleichterungen gewährt werden können, steht noch nicht sest. Man ist an zuständiger Regierungsseite der Ansicht, daß die Zündholzinduslrie selbst zu einem Teile Schuld trägt an der augenblicklichen schlechten Konjunktur, Eine Verstaatlichung der Zündholzinduslrie ist gänzlich ausgeschlossen, das Reich ist jeder Monopolbildung abgeneigt.
R e i ch s t a g s a b g, Lesers. Aus S t u ttgart wird gemeldet: In N e u h a u s e n aus den F-ildcrn. wo er seit 1898 als Pfarrer und seit 190-4 als Dekan wirkte, ist am Mittwoch früh 8 Uhr der R e i ch s t a g s a b ge o r d n c t e Leser nach schwerem Leiden gestorben. Leser, der seit 1903 den 17, würtlembcrgischen Wahlkreis Ravensburg vertrat, gehörtr der Z c n t r u m s p a r t c i an. Er war vor 14 Tagen an einer Nierenschrumpsung hoffnungslos erkrankt aus Berlin zurückgekchrt.
Das Befinden des Groß-Herzogs von Meck- len b u r g-Strelitz besorgniserregend. Aus Neu- Strelitz vom 10, Juni wird gemeldet: Der heute vormittag um 9>/. Uhr ausgegebene ossiziellc Kranlhcitsbericht über das Befinden des Großherzogs von Mecklcnburg-Stre- litz lautet: In dem Befinden des Großherzogs macht sich jetzt eine große Schwäche geltend, so daß der Gesundheitszustand sehr besorgniserregend- ist. Berlin, gez. Bier, Schillbach .
Ueber Bücke Bürget Hofsorgen schreibt die „Vossische Zeitung": Durch eine freundliche Indiskretion wird folgendes Schriftstück und Zeitdokumcnt bekannt:
Vertraulich,
Scine hochsürstliche Durchlaucht der Fürst haben gelegentlich der inusikalischen Abendunterhaltung im fürstliche, i Residenzschlosse am 30, v, M, die Wahrnehmung gemacht, daß die meisten Damen im falschen Anzug erschienen waren, d, ff. nicht ausgeschnittene Kleider trugen, wie es vorgeschrieben war, sondern halbhohen Ausschnitt- Seine Durchlaucht der Fürst haben das Hofmarschallamt beauftragt, dies zur Kenntnis der bei Hose verkehrenden Damen zu bringen und lfaben sich dahin ausgesprochen, daß Damen, welche in Zukunft nicht in der auf der Einladung vermerltcn Toilette erscheinen, durch die Herren Kmnmer- herrcn usw. auf den falschen Anzug aufmerksam gemacht werden. Seine Durchlaucht der Fürst verlangen nicht den sogenannten Berliner Ausschnitt, ivohl aber, daß z. B. die Aermel ganz kurz gehalten und aus alle Fälle ohne Futter sind. Es muß unter allen Umständen ein sichtbarer Unterschied zwischen halbhoher und ausgeschnittener Toilette bestehen.
Bückcburg, de» 6, Tczeniber 1913.
Fürstliches Hosmarschall Amt,
Wie heißt es doch bei Restroy: Ja, die Welt steht auf kein' Fall mehr lang, lang, lang.
Auslanv.
Eine französisch-deutsche Zollkonferenz. Der Ausschuß für den Handel Frankreichs mit Deutschland und zahlreiche deutsche Teilnehmer des iniernationalen Han- delSkammerkongrcsses hielten am Mittwoch in Paris eine Sitzung ab, in welcher nach eingehender Erörterung der gegenwärtigen Zollschwierigkeiten in einem Bcschlußantrage der Wunsch ausgesprochen wurde, daß eine französisch-- deutsche Zollkonferenz möglichst bald zusammen- trcten möge, um die Frage zu prüfen, in welchem Maße die beiden Regierungen zu einer auf den, Grundsätze gegenseitiger Zugeständnisse beruhenden Verständigung gelangen können,
D> i« e u r o p ä i s ch e F a h r p l a n k o n f e r e n z für den Winterdienst 1914/15, verbunden mit einer Wagenbeistel- lungskonserenz, ist am Mittwoch in Bern eröffnet ^vordem Bertretcn sind die Eisenbahnverwaltungen von 19 Staaten,
Neue vermiitlungsversuche in Mexiko.
Niagara- Falls, 10. Juui. Zwischen den Bermitt- lern und den mexikanischen Delegierten haben lange Besprechungen stattgesunden- Wie man erfährt, haben die Gegenvorschläge der Bereinigten Staaten die Mexikaner nicht vollständig zufrieden gestellt- Tie Mexikaner haben aber ihre Zuversicht ausgesprochen, daß die Meinungsverschiedenheiten in einigen weiteren Besprechungen bciaelegt werden lönnen. Es wird sogar vorausgesagt, daß anfangs nächster Woche eine Einigung erzielt werden wird,
Provinzial-Aurschutz der Provinz Oberhessen.
Gießen, 10, Juni,
Anwesend: Provinzialdirektor Geheimerat Dr, Ilsinger als Vorsitzender und 4 Mitglieder,
Beginn 9, Ende 11»/, Uhr,
Aus der Tagesordnung der heutigen Sitzung stand außer der Stadtverordnetenwahl ein
Antrag aus Enteignung von Gelände zum Ausbau der Eder st ratze und der Paral- lelsti.'aßc zur Stein st raße von der Schott-
straßc bis zur Eisenbahn zu Gießen, Ter Enteignungsantrag war durch einen gestern eingclaufenen Schriftsatz aus eine Fläcize von 3'/,» Quadratmeter begrenzt worden. Da über diese Fläch« wahrscheinlich Eiirigung erzielt wird, wurde die heutige Verhandlung aus Antrag der Parteien ausgesetzt.
Die Stadtvcrordnctenwahlen wieder vor dem Propiuzial-Ausschntz.
Die Stadtverordneten wähl zu Gießen im Jahre 1913, Ter Kreisausschuß des Kreises Gießen hatte bekanntlich die Stadtverordnctcnloahl für ungültig erklärt und je >/»° der entstandenen Kosten den ^Reklamanten Psaff-und Kumpf sowie die übrigen 8 /io der Stadt Gießen auferlegt.
Nach Ansicht des Kreisausschusses hatten die Reklamanten nur teilweise obgcsiegt, weil auf ihre Reklamation hin nur die Wahl der drei Riedrigstbestimmtcn fiir ungültig erklärt worden war, während die Nichtbestätigung der übrigen 14 Gewählten auf die Beanstauduug durch den Großh, Krcisrat zurückzusührcn sei, -
Ter Anwalt des Joh, Gg. Pfaff verfolgte hiergegen Berufung an den Provinzialausschuß und begründete sie damit, daß cs eine teilweise Aufhebung nicht gebe und auch einerlei sei, ob die Reklamanten ihre Absicht direkt oder durch Vermittlung des Großh, Kreisrats erreicht hätten. In der heutigen Sitzung wurde der Berufnngsantrag, der sich nur auf die Kostencntscheidung bezog, auch aus die Hauptsache ausgedehnt, und dahin erweitert, auch ans Grund der Einwendungen des Berufungsklägers sämtliche Wahlen für ungültig zu erklären und der Stadt Gießer, sämtliche Kosten des Verfahrens aufzubürden, Ter Provinzialausschuß gab der Berufung statt und erkannte unter Aufhebung der Entscheidung des Kreisausschufses dahin, daß ans die Beanstandung des Grvßh, Kreisrats und die erhobenen Einwendungen die Wahl sämtlicher Personen für ungültig erklärt werde. Tie Kosten des Verfahrens fallen, ivweit darüber nicht bereits rechtskräftig entschieden ist, der Stadt Gießen zur Last,
Zu der Verhandlung wird uns noch geschrieben: Bauunternehmer Joh, Gg, Pfaff hatte gegen die zweite Entscheidung des Kreisausschufses am letzten Tage vor dem Eintritt der Rechtskraft des Urteils Berufung angemeldet. Er hat dann innerhalb einer ihm gestellten Frist die Berufung damit begründet, daß ihm zu Unrecht ein Teil der Kosten (zirka 100 Mk.) des Versahrens auferlegt worden seien und später noch die Entscheidung des Kreisausschusses damit nngesochten. daß auch die Wahlen von Brück, Haggen- müllcr und Fourier als nicht gültig aufzuhebcn seien, unter demselben Gesichtspunkt, der für die Ungültigkeitserklärung der Wahl der übrigen 14 Mandate maßgebend gewesen sei. Es sei, wie der Kreisausschuß festgestellt habe, bei deni Wahlakt gegen die güttigen Bestimmungen verstoßen worden und infolgedessen müsse daher die Wahl der 17 Mandate für ungültig erklärt werden. In diesem Falle hätte auch die Stadt Gießen die gesamten Kosten des Verfahrens zu tragen. Es sei nach der Städieordnung bei allgemeinen Wahlen, wie sie in der Stadt Gießen im Gegensatz zu Bezirkswahlen vorgenommcn werden, überhaupt nicht statthaft, einzelne Mandate für ungültig zu erklären,
Ter Vertreter der Stadt Gießen, Magistratsassessor Tr. Seid, widersprach der Ansicht, daß bei dem Wahlmodus, wie es in Gießen geübt wird, nicht auch ein Teil der Mandate für ungültig erklärt werden könne. Er wies darauf hi», daß Psaff seine Berufung innerhalb der gewährten Frist nur damit begründet habe, daß ihm zu Unrecht ein Teil der Kosten auferlegt worden sei. Nach den klaren Bestimmungen der Städieordnung könne aber eine Entscheidung, wie sie der KreismiSschuß gefällt habe, wegen der Kosten überhaupt nicht angesochten werden. Tie weitere Begründung der Berusiing sei verspätet geschehen und könne keine Berücksichtigung sinden.
Naciidem das oben schon wiedergegebene. Urteil gefällt war, hat der Oberbürgermeister den VorschlagSanSschuß zu einer Sitzung am Freitag herufen, um dazu Stellung zu uchinen. Wenn die Stadt keinen Einspruch erhebt, wird das Urteil 14 Tage nach der Zustellung rechtskräftig. Ta bis zur Zustellung des Urteils aber mindestens drei Wochen vergehen, wird das Urteil im günstigsten Falle in der zweiten Hälfte des Juli rechtskräftig, wenn die Stadl Gießen keinen Einspruch dagegen erhebt. Wann die neuen Wahlen stattfinden werde», entscheidet die morgige Tagung der beiden Ausschüsse.
Aus StaSt un- Land,
Gießen, II. Juni 1914.
" Ta g es kale nde r sür Donnerstag, II. Juni: SteinS Garten: I. Abonnenicnts-Konzeit. Abends 8)4 Uhr. lSolisl: Herr Sliimmel.)
G e w e r b c - A n s st e I l » n g: Konzert der Kavclle Weller.
Dnrgerverein (Sieben: Vaupl-Persginmlnng abend» 8h, Uhr in, Cols Ebel, viera»! um 97, Uhr: Lesscntlicber Vor- ,,ag des Geh. Medizinalrats Proleffor Dr. Sommer: .Die Ge- nnung der Lahn snr die Stad! (Sieben. 8
** Landes-Universität. Ter Großherzog hat den Privaldozenten Dr. phil. .Hans Freiherr v. Liebig zum außeretalsmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesuniversität ernannt.
** Gewcrbeausstellung Gießen. Es hat sich das Bedürfnis hcrausgestellt, a» männliche Personen über 18 Jahre, die sich hier auf kurze Zeit besuchsweise auf- halteu, besondere Karten zur Ausgabe zu bringen und die Geschäftsleitung hat deshalb veranlaßt, daß den Inhabern von Dauerkarten und Aus schuß Mitgliederkarten solche Karten aus Antrag auf dem Ausstellungsburcau ausgefolgt werden können. Die Karten berechtigen zum beliebigen Besuch der Ausstellung während dreier aufeinanderfolgender und auf der Karte anzu- gcbcnder Tage und kosten I Mk. Von den Vorverkaufsstellcii und der Ausstellungskasse werden diese Karten nicht aus- gegeben. Wr männlich« Personen unter 18 Jahren und für weibliche Personen, die sich besuck>Swcisc hier aufhalten, können von den genannten Karteninhabern Beikarten zu 60 Pfg. gelöst werden. — Benefiz Pesch-Mario. Die Direktion der Festhalle I. Kemper & Co. hat dem beliebten Vortragskünstler Pesch-Mario zu Samstag, den 13. Juni, abends 8 Uhr, einen Benefiz- und Ehrenabend bewilligt. Wohl selten hat sich ein Künstler so schnell die Symvalhien der Gicßencr erworben, wie Herr Pesch-Mario. Nicht allein, daß er durchaus cinwandsreie Vorträge bringt, auch das, was er bringt und wie er es bringt, hat ihm den für Gießen außergewöhnlichen Zulaus und Beifall gesichert. Wer hat seinen „Abend int Gesangverein „Jupheidi" gesehen, ohne nicht Tränen zu


