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erscheinl täglich, außer sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich HietzeverZamiNenblätter; zweunatwöchenÜ.Lielr- blattfürd«nLrek«ietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. kand- wirtschasklich« äeistragen Fevijprech - Anschlüsse: iür d,e Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresie iür Depesche»: Anzeiger Gießen. Annahme van Anzeigen iür die Tagesnummer bis vormittags 3 Uhr.

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(5H. Zatzkgang

enerAnjeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

Montag, 8. Zum IW

Bezugspreis:

monattich75Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestell^. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz: für .Feuilleton", ^Ver­mischtes" und.Gerichts- faal": Karl Neurath; für .Stadt und Land":

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.Guch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpcdition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeig^ni"»:' tz? Beck.

Zur Verschuldung unserer Landwirtschaft.

Während man erwartet hatte, daß die seit 1906 ge­besserte Rentabilität unserer Landwirtschaft der Entschul­dung der Güter dienstbar gemacht werden würde, läßt, so lesen wir in derDeutschen volksw, Korresp", die seit 1886 fortgeführte Statistik der H y p oth e k e n b e weg u n g bedauerlicherweise erkennen, daß die Verschuldung in neuester Zeit außerordentliche Fortschritte gemacht hat. Tie hypothekarische Verschulduugsznnahme, d, h. der die Löschungen überschreitende Betrag der Eintragungen be­trug im Durchschnitt des zwanzigjährigen Zeitraumes 1886 bis 1905 rund 283 Mill, Mark, dagegen im Jahresdurch­schnitt 1906 bis 1912 nicht weniger als 643 Mill, Mark, Während des 27jährigen Zeitraumes von 1886 bis 1912 hat die hypothekarische Verschuldung in den ländlichen Bezirkender preußischen Monarchie um 10168 Millionen Mark zugenommen; seit 1910 bewegt sich dieselbe zwischen 730 und 740 Mill, Mark jährlich.

Das sind geradezu erschreckende Summen, die in der Steigerung der Güterpeise keinesfalls ihre Rechtfertigung finden. Sicherlich nnrd man es mit Genugtuung begrüßen dürfen, daß die Erträgnisse des landwirtschaftlich genutzten Bodens beträchtlich gesteigert wurden und die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse gegen die Caprivi-Aera eine im allgemeinen zufriedenstellende Höhe erreicht haben, aber man sollte auch damit rechnen, daß mit dem erhöhten Agrarschutz das Wohlergehen der Landwirtschaft nicht dauernd gesichert erscheint, wenn ein stetig und abnorm wachsender Teil der landwirtschaftlichen Erträge in Form von Zinsen an das mobile Kapital abgesührt, der Land­wirtschaft also entzogen wird. Durch die fortgesetzt steigende Hypothekarvcrschuldnng gerät die Landwirtschaft in eine unerwünschte Abhängigkeit vom mobilen Kapital, die in Zeiten von Mißernten oder selbst schon in ungünstigen Erntejahrcn zu Katastrophen führen kann, namentlich im .Hinblick auf die ununterbrochene Steigerung der Produk­tionskosten und öffentlichen Abgaben.

Die Gründe für die enorme hypothekarische Ver- schuldungszunahmc find nur Jiim geringeren Teile in Melio- rationsbautcn zu suchen: erheblicki mehr wird sie durch das Erbrecht verursacht, hauptsächlich aber leider durch die Mobilisierung des Grundbesitzes, Es läßt sich leider nicht leugnen, daß die Verkaufslust in unserer Land­wirtschaft einen geradezu ungesunden Umfang angenommen bat, namentlich beim Großgrund- und Zwcrgbesrtz, in den östlichen Provinzen sowie den Regierungsbezirken Wies­baden und Kassel leider auch beim bäuerlichen Besitz, In der Regel werden die Güter zu übermäßigen Preisen bei ganz ungenügender Anzahlung, unter Uebernahme bereits vorhandener Hypotheken und übergroßer Re st k a u s g eld e r, die als neue .Hypo­theken eingetragen werden, erworben. Solche Verhältnisse sind wirtschaftlich unhaltbar; sie bedingen die Beschleuni­gung des Weiterverkaufes, erniedrigen den Grundbesitz zum S-p e k u l a t io n s o b j e k t und vernichten den alten seß­haften Besitzerstand mit der angeborenen Liebe zur heimat­lichen Scholle, , '

Da überdies der Ertragsfähigkeit des Bodens gewisse Grenzen gezogen sind, so ist mit Sicherheit vorauszusehen, daß der Fortgang der Hypothekarverschuldung im jetzigen

Tempo schon in naher Zeit eine neue Agrarkrisis! I heraufbeschwören muß, eine Krisis, die um so verhängnis­voller werden dürfte, als gegen sic die wirtschaftspolitische Gesetzgebung ohnmächtig bleiben dürfte. Bei allem Wohl wollen sür die Landwirtschaft wird nicht damit gerechnet werden dürfen, daß die Rcichsgcsetzgebung den bestehenden Agrarschutz wesentlich verstärkt, oder daß die Landesregie­rungen sich bereit finden lassen, der Landwirtschaft auf andere Weise wesentliche Erleichterungen zu verschaffen, Tie enorme Hypothekarverschuldung sollte die landwirt­schaftlichen Körperschaften dazu bestimmen, nachdrücklichst dem Beispiele der Ostpreußischen Landschast nachzueifern, die bereits seit etwa sieben Jahren Maßnahmen getroffen hat, um eine Entschuldung landwirtschaftlicher Güter herbeizu- sühren, und zwar 1, durch Ersetzung der teueren und künd­baren Privathypotheken durch billigen und unkündbaren landschaftlichen Kredit, 2, durch Eintragung der Vcrschul- dungsgrenzc als Voraussetzung des erweiterten Landschafts- kredites, 3, durch Festlegung der Schuldentilgungspflicht, 4, durch eine Lebensversicherung, Möge die Landwirtschaft aus eigener Entschließung baldigst zu der Ueberzeugung) gelangen, daß der hypothekarischen Verschuldungszunahmc energisch Einhalt geboten werden muß.

Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung in Zranireich.

Die Bildung eines Kabinetts Viviani, die am Sams­tag morgen bereits als abgeschlossen schien, ist im letzten Augenblick gescheitert, Tie von Biviani zu einem Ministerrat einberufcnen neuen Minister konnten sich bei Abfassung der in der Kammer zu verlesenden ministeriellen Erklärung über den Punkt, der die d r e i j ä h r i g e D i e n st- zeit betrifft, nicht einigen, Herr Biviani wollte näm­lich in seiner Erklärung die Aussicht auf eine Verminde­rung der Dienstzeit versprechen, sobald die Verhältnisse der auswärtigen Lage dieis gestatten würden. Einer seiner neuen Minister, der Radikale Godart, der das Arbeits- portefcuille erhalten hatte, bestand jedoch ausdrücklich dar- aus, daß in der ministeriellen Erklärung die Zusage der Rückkehr zum zweijährigen Dienst öffentlich gemacht werde. Es scheint, daß noch ein paar andere Minister sich auf die Seite Godarts stellten, und daß darauf eine ver­worrene und heftige Erörterung entstand, die damit schloß, daß Vrviani seine Ministerkombination als über den Hausen geworfen erachtete,

Paris, 6, Juni, Präsident Poin-care hat infolge der Ministerkrise seine Reise nach Rouen zu dem dort morgen stattfindenden internationalen Schützenfest aufge­geben, D c l c a s s e hat aus Gesundheitsrücksichten die Bil­dung des Kabinetts abgelchnt, Jean Dupun hat ebenfalls das Anerbieten abgelehnt, das Kabinett zu bilden und dem Präsidenten Potncare geraten, das Senatsmitglied Peh» t r a l damit zu beauftragen, Peptral hat jedoch gleichfalls abgelehnt, das Ministerium zu bilden.

Die Rücksichten auf Rußland.

Paris, 7, Juni, Bezüglich der von den nationalistischen Blättern verbreiteten Meldung, daß der hier zur Vorbereitung der russischen Reise des Präsidenten Poincare aus Petersburg esn- getrossene französische Botschafter Paleologuc fotort nach sei­ner Ankunft Biviani ausgesucht und ihm erklärt habe, er würde so fort zurücktreten, falls dem Dreiiahrcsgcsetz auch nur

I ber geringste Abbruch geschehe, wirb von Viviam in einem an denTcmps" gerichteten Schreiben scstgestcllt, daß er im Verlaus der Kabinettskrise den Botschafter Paleologuc nicht gesehen habe, daß er Mit demselben seit drei Monaten lein Wort geweckljclt und datz derselbe weder eine direkte noch eine indirekte Mitteilung an ihn gerichtet Izabc, Allerdings, bcmerlt derTemps" dazu, müsse ei,an daran erinnern, daß Paleologuc pstichtgemäß in seinen letzten Berichten die Auftnerksamkeit der Regierung aus die ernsten Folgen gelenkt habe, welche bei der gegenwärtigen europäischen Lage eine iBerringcrung der militärischen Macht Frankreichs nach sich ziehen könnte, Paleologuc Hobe übrigens schon, als ihm der Petersburger Botschaiterposten angeboten iourdc, in seinen Unterredungen mit dem Ministerpräsidenten und Minister des Aeußcin Doumcrgue die unversehrte Auirechterhaltung de» Dreijahrsgcsetzes als ünabwcislichc Bedingung iür die Annahme dieses Postens be­zeichnet, Dounicrgne habe ihm erwidert, daß dies selbstverftändlich sei und übrigens dem Programm der Regierung durchaus ent­spreche, Man könne deshalb amrchmen, daß Paleologuc, falls das Drestahrsgcsctz nicht ausrcchtcrhaltcn werden könnte, von seinem Posten zurücktrcten wurde,

Paris, 7. Juni, Toumerguc hat dem Präsidenten Po in care geraten, Viviani oder Ri bot mit der Ka­binettsbildung zu betrauen.

Aus Mexiko.

Tampico,-6, Juni, Der konstituftonalistische Gou­verneur Louis Bobullero teilte dem Konsul der Ver­einigten Staaten Miller mit. er habe Nachricht erhalten, daß Huertas Kriegsschiffe, der kleine .Kreuzer Zaragossa" und das KanonenbootPravo" nach Tampico zu gehen beabsichtigen, um den Hafen zn bombardie­ren oder zu blockieren. Er teile dieses dem Konsul mit, damit die vor dem ,Hafen liegenden amerikanischen Kriegsschiffe aus der Feuerlinie gehen könnten.

Deutsche» Reich.

Veränderungen im Aus >v artigen Amt, Der bisherige erste Sekretär der Botschaft in Paris, Botschaftsrat v, Radowitz sowie die bisherigen ständigen Hilfsarbeiter bei dem Auswärtigen Amt, die Legationsräte N a d o l n y und Dr, v, Gülich sind zu Wirklichen cLgaftonsrälen und Vortragenden Räten im Auswärtigen Amt ernannt worden,

Zuschlag zur Erbschaftssteuer in Bayern, Die bayerische Kammer der Abgeordneten hat einstimmig den Gesetzentwurf betreffend die Erhebung eines 2 5p roz, Z u s ch l a g e s z u r R c i ch s e rb s ch a f t s st c u c r angenom­men, Das Gesetz hat rückwirkende Kraft ab I, Januar 1914, Die voraussichtliche Einnahme der.Steuer ist auf 1 700 000 Mark veranschlagt worden,

Dclegicrtenversammlung des Vaterlän­dischen Frauen Vereins, Aus Berlin vom 6, Juni wird gemeldet: Heute vormittag um 11 1 . llfjr begann int Abgeordnetenhause in Gegenwart der Kaiserin die Dele- gicrtenversammlung des Vaterländischen Frauenvereins, Nach einer Begrüßung der Kaiserin durch den Wortführer, Staatsminister v, Möller, folgte ein Vortrag der Vor­sitzenden des Vaterländischen Frauenvereins für den Kreis Brcslan-Land, Frau Rittergutsbesitzer Käte Frcmberg- Schottwitz, über den Ausbau und die Wirksamkeit der Gc- meindekrankenpflegestationen des Vaterländi­schen Fraueuvercins, Geh, Medizinalrat Professor Tr, Eis

Sprechendes Licht.

Bon Fritz S e i tz, kos. Die überraschenden Erfolge, die die noch io junge Technik der drahtlosen Telegraphie in den allerletzten Jahren zu ver­zeichnen hatte, ließen ein Verfahren ganz in Bergesicnheit geraten, das einst viel bestaunt wurde. Im Jahre 1902 gelang es näm­lich dem bekannten Plastiker Ernst Ruhmer aus dein Wanniee in der Nähe von Berlin, ohne Drahtverbindung über 7, später sogar über 15 'Kilometer weite Strecken'zu telephonieren. Wenn diese gar iein ausgedachte Apparatcnanordnung auch keine Durchführung in großem Stil gestattet, wenn sie auch nie die praktische Bedeutung bekommen wird, die heute die drahtlose Telegraphie erreicht hat. verdient sic doch auch heute noch als Musterbeispiel sür die Lei­stungen der modernen Physik höchstes Interesse,

Sehen wir uns einmal die Scndestatwn an Ort und Stelle genauer au! Zunächst fallen uns zwei Haupttcile auf: e,u Tele­phon und ein Scheinwerfer Was haben diese beiden Apparate miteinander zu schassen? Wenn wir in einen Telephomrichter hineinsprcchcn, so treffen die Schallwellen, die die menschliche Stimme erzeugt, zunächst ou> eine dünne Blechmembran, die i» Schwingung gerät und damit die bintcr ihr emgcvackten Kohlen- korncr mehr oder weniger zuiammenprcßt. Der durch sie gehende elektrische Strom wird dadurch in seiner Stärke em wenig beein- slüßr und man kann diese verhältnismäßig geringen Schwan­kungen durch Einschaltung eines Induktors noch verstärken. Wird nun der Strom eines solchen Kohlcnkörner-Telephons an eine Wogcnlicht-Aulagc angcschlossen Und spricht man in das Mikrophon hinein, dann hört man deutlich, wie der Lichtbogen die Worte gleichzeitig spricht und finden, also seine stärle wahrnehmbar ändert. Diese eigentümliche Erscheinung einer sprechenden Bogen­lampe, die Professor Tr, <pimon zuerst beobachtet hat, wirkt be­sonders überraschend, wenn das Mikrophon in einem entkernten Raum untcrgebrachr ist. Zunächst siebt jedermann in der Bogen lampe einen gewöhnlichen Beleuchtmigskörpcr, und man ist nicht wenig erstaunt, wenn sic plötzlich zu sprechen und zu singen beginnt, ... .

Diese an sich schon böchlt merkwürdige,^ Berfuche regte» mm (5 Ruhmep zu weiteren Experimenten an, sollte es nicht möglich sein, die sprechenden Lichtstrahlen durch einen Scheinwerfer wie aus' Leuchttiirmcn weit hinausstrahlen zu lassen, sie irgendwo wieder auijusangeii und hörbar zu machen? Er glaubte nult der Lösung tiefer Frage der kurz zuvor entdeckten Marconi Telegraphie entgegenarbeiten zu kömicn. Das zuckende BogenlickU auf einige Entjernung entweder durch eine davor gesetzte Linse oder durch einen dahinter angcordneten parabolische,, Spiegel aus größere Strecken zusammcnzuhalten und hinauszuscnden, das dot zunächst' keinerlei Schwierigkeiten, Aber wie nun die Emoiangsstario» aus bauen'-' Wie aus'den Lichtwellen, die nur unser Auge wahr- nimmt, wieder Schallwellen werden lassen, die unserem Ohre Las gesprochene Wort wieder zujlchren? Eine Lösung wäre un­

möglich gewesen, hätte man nicht schon damals ein wunderbares Element gekannt: das Selen, das als roter, sleckiger Niederschlag: aus scleniger Säure durch Schweseloxyd ausgcsällt wird. Erwärmt man diesen Niederschlag langsam aus 97 Grad, dann wächst seine Temperatur stanz plötzlich aus 220 Grad, cs wird metallisch-kristalli­nisch und zeigt nun eine ganz besondere Eigenschaft, die für unsere Versuche von größter Wichtigkeit ist; je stärker es belichtet wird, desto besser leitet es den elektrischen ström. Im Dunkeln läßt es ihn überhaupt nicht durch. Das machte sich Ruhmer zunutzet er sing an der Empsangstation die ankommenden parallelen Licht­strahlen in einem parabolischen Spiegel aus und leitete sie dadurch alle nach dessen Brennpunkt, wo eine sehr lichtempfindliche Selen­zelle eingebaut war. Durch sie führte der Strom eines gewöhnlichen Telephons hindurch, und wenn man nun in das Mikrophon der «endestanon hineinsprach, dann konnte man am Hörer der Empfangsstation das Gesprochene deutlich wahrnehmen. Welch ein Umweg, den hier das Wort machen muß ! Erst sind es Schall­wellen, dann elektrische Wellen, Lichtwellen, die den Acther durch­queren und die schließlich, wieder in elektrische Wellen umgesetzt, fic Membran des Hörers in Schwingung versetzen uttb dadurch sür das menschliche Ohr hörbar werden, Tic drahtlose Telegraphie mit Hilic des Lichtes ist eines der glänzendsten Brapourstückchen der Physik,

Tic dankbaren Frauen, Uns wird geschrieben: Eine Reihe deutscher Frauen hauptsächlich aus Magdeburg, hat be­schlossen, dem kürzlich verstorbenen, verdienstvollen Frauenarzt Pros, Tr. Willi Thorn in Magdeburg ein Tenkmal zu setzen. Das Tcntmal soll aus einer Rclicibüstc bestehen, die Proicstor Bosselt Herstellen wird, Tas Reliei soll die Inschrift tragen: Willi Thorn die dankbaren Frauen Magdeburgs," Es solt im Neubau der gynäkologischen Abteilung des ^udcnberger Kran­kenhauses angebracht werden, da Pros. Thorn lange Zeit an diesem Kranlenhaus gewirkt hat, Ter Magistrat der Stadt Magdeburg Hot seine Einwilligung erteilt,

Das verpönte Wort, Hat George Bernard Shaw ein Monopol daraus, das Wortblutig" von der Bühne herab gebrauchen zu dürsen? Tiesc Frage beschäftigt gegenwärtig die literarisch interessierten Gemüter Londons, Im Englischen hat das Wort srcilich gar häufig den streng verpönten Nebcnsinn eines Fluches: der Ire aber gebraucht cs wörtlich zur Bezeichnung von etwas, das mit Blut behaftet ift,_fo daß jener unvasjendc Klang sür ifyit gar nicht vorhanden ist, Shaw, der ,a ein Irre ist, hat das Wort, das bei jedem gutgesinnten Engländer ern ent­rüstetesShocking"! hcrvorruit, imPygmalion" gebraucht, und der Zensor hat cs ihm durchgehen lassen, was freilich vichach ein bedenkliches Schütteln des Kopses veranlaßtc. Nun hat ein iri­scher Postbeamter Bernard Meartlw ein Drama geschrieben, das im Court-Thcatre ausgcsührr wird, und der Zensor hat die Erlaubnis mir Unter der Bedingung gegeben, daß bas Wort blutig", die im harmlosesten Sinne nach dem irischen Sprach­

gebrauch angewandte Wort, gestrichen wird,Wenn Shaw als Ire das Wort in allcrschlrmmsten Sinne gebrauchen darf", io klagt der Tirektor Joh,warum wird cs dann einem irischen Post­beamten in harmloicster Bedeutung verboten? .Hat etwa Shaw ein Monopol aus dieses Wort in jedem Sinne?"

KünstlicheDöhcnsonnealstzcilinittclgcgen Tuberkulose. Im Lause der letzten Zeit hat man mehr und mchr^von den Erfolgen gehört, welche in .Hochgcbirgsortcn Mit der Sonnenbestrahlung bei der Behandlung von Knochen- und Gelenltuberkuloien, besonders im Kindesaltcr, erzielt worden sind. Das Bedeutsamste darüber hat mau aus der Anstalt- des Dr, Rollier in Lepsin lSchweiz, gehört, Jahrealte Geschnnirc und Eiterungen verschwanden durch die ^onncnlichtlnstrahlungen, Fisteln verschlossen iich, Abszesse heilten zu, Tas Studium der Strahlenwirtung lehrte, daß cs vornehmlich die kurzwelligen, ultravioletten Strahlen des Sonnenspcktrums waren, welche eine lebhafte Reaktion in dem bestrahlten Organismus herovrriesen. Aber nur in der Höhe des Hochgebirges ist eine derartige Wirkung zu erzielen: denn hier strahlt dös Licht mit voller Kraft, je weiter cs talwärts strömt, werden einige seiner Bestandteile vor allem die ultravioletten Strahlen von dem Staub und der Feuchtig­keit der Luft absorbiert. Tie c-onne der Ebene ist also für Heil­wirkungen dieser Art nicht mehr tauglich. Es galt diesem Mangel aut irgend eine Weise abzuhcllen, und für die vielen, die in ab­sehbarer Zeit nicht in der Lage sein werden, eine langanhaltende Kur im Hochgebirge durchzumachen, einen Ersatz zu schaffen. Einen iolchen liefert uns die Elektrotechnik durch die Herstellung von rlrftrijdien Lampen, die dag Sonnenlicht an Zusammensetzung und Intensität imitiere». Zunächst dient eine besondere Konstruk­tion von Bogenlampen dazu, deren Licht, durch Hohlspiegel konzentriert, auf den zu Bestrahlenden fällt, Tas Bogenlicht eignet sich vor allem dann, wenn man aus tuberkulöse Herde, die aus oder unter der Haut lokalisiert sind, einwirkcn will. Während die ultravioletten Strahlen, die in diesen, Bogenlichte sehr reichlich sind, hauptsächlich die an der Lbcrilächc liegenden Herde bceiniluiien, nicht aber in die Tiefe dringen, besorgen dies andere langwellige Strahlen, Eine andere Form der Anwendung, diekünstliche Höhensonne" genannt, ist die an ultravioletten Strahlen über­reiche Quarzlampe, deren Pole durch Quecksilbcrsäden ge- bildet werden. Durch eine geeignete Verbindung ziveier solcher Lampen kann man den Patienten von allen Seiten bestrahlen. Tic künitlichc Höhensonne kommt überall dort zur Anwendung, wo man eine Allgcuieinbestrahluiig des Körpers beabftchtigt. Die Bestrah­lung mittels dieser künstlichcii Lichtquellen steht, wie neuere Ilntcr- suchungen aus der Vulprusschen Klinik in Heidelberg zeigen, in keiner Weise der Sonnenstrahlung nach, Tie Reaktionen der .Haut und des Körpers sind die gleichen, und auch die Heilerfolge lauten vielversprechend. Natürlich bildet die Strahlcnthcravie krin AN- hcilwittcl gegen die Tuberkulose, Allein bei voriichtcgcr Auswahl passender Fälle dürste es gelingen, zahlreichen Kranken Lcurfung zu bringen.