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Hr. |50 Nettes Blatt

Erschein« <i>8ch nnt Ausnahme de« Sonntag«.

|64. Jahrgang

Di«6i«fcoRT LmmtirntlöNrr" werden dem »2>«zeiger" vwunol wöchentlich beigeleat. da« KrefjHod füt «cb Kreis ftiefcor zweimal ««chrecktich. D« ,D»»ietsch-f!lsihrll Set,, reichen,«n nionatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen

Zamrtag, 6. Juni |9|4

Rolationsdruc? und Verlag der Brühl'scherr Universitäts - Buch- und Sieiudruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktu)n:e^DH2. Tel.-Adr.:Anze,gerElesen»

Spaziergänge durch die Gelverbeaurftellung.

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Bergbau de s G r o ß he r z o g l n m s Dessen. Di« Gewerbe-Ausstellung Osiest-n 1914 ist den hessischen Berg- hautrrederrden ein willkommener Anlatz gewesen, den gegenwärtigen 'Stand und die wirtschastliche Bedeutung ihrer Betriebe einmal IN ^wrm «ner SammeloUmstellung der wnteren Okffenllichkni vortu südreu. Dieser A-nsstelluiig ist denn auch ein kleiner Führer nni aul Weg gegeben worden, der chcht blau einen Katalog der au? gesellten Gegenstände, sondern daneben auch, allerdings in ge­drängter IW, einen lleberblicl über dam Werden und Wesen, de« hessischen Bergbau« bieten soll. Mannigfache Ouellen 'standen brersnr, wie aum dem Vorwort hervorgehr, zur li<ersugung. In erster Io ^ ziemlich reiche geologische Lileralur seil ciwa dem Jahre IfMlO, um tue Iuh eine Reihe van Fonchern rühmliche Verdienste erworben haben. 'Daneben geschichtliche Berössenilichungen, Ar echv - und Akten. Die Kürze der für die Herstellung dem Führers weriiigboren Zeit hat natürlich nicht erlaubt, daraus hier etwas Botlnondigem eu geben vielmehr ist im wesentlichen eine über- wchtirche Zuiommenstrlliing dem Wichtigsten über die einzelnen Arten von Mimroloorkommen erstirbt worden.

RI»t den Bergturnriescn an Ruhr und Saar, >n Lothringen und ubertchteiien tonn und will sich der hessische Bergmann, wie es tu dem von Bergrat G Köbrich ini staatsverlaq herausge- gcheivn kreislichen Führer bertzl. Nick, messen. Doch sollen sinne Berussgenoisen in anderen Ländern deshalb nicht gering von ihm denken Denn was er »örberl, ist null! schlecht, und im Vergleich der Grone dem Landes auch nicht wenig. Ter Betrieb ist in un verlenndarer Eutnrnkluna begriffen

Unsere hetsischen Londmleuie aber können vier leben uud lesen, datz der wirtschajtlichc Wert dem hessischen Bergwesens für dam Land recht bedeutend ist, daN schon viele Millionen hier dem sargen Basaltbvden dem Bogelbergm entrungeii und den srüher fOndRDÖrflid) armen Doriern zugute gekommen sind und daN noch me! niehr an solchen schätzen der Erschließung harren

sae körinen aber auch lernen, datz der Bergmann keinen Grund hat, in ialscher Bescheidenheit die wirtschastliche Bedeutung seiner Arbret tontet derienige» anderer Erwerbmzweige, selbst nicht ein anal hinter der des Landwirts zurückzustellen, denn die Mengen, die der obeihessische Bergbau jetzt sährlich liesert, können sich neben den Mengen der landwirtschastlichen Erzeugnisse Oberhessens durchaus sehen lassen.

So nmrdrn dem Führer zufolge erzeugt su Obcrhessen nn Jahre

1911 1913

Getreide .......... 191263 t 218 .->70 t

Kartogetn.......... 256 821 t 391 172 t

öeu, etnsrhliehllch Klee und Luzerne 232 488 t 393 024 t

B r ffitirf o h l e »....... 231 601 t 174 563 t

Grs«irer «e........ 360 178 t 400 241 t

Der SBrrt der Bergwerksvrodukuon betrug im Jahre 1911 4-44C*690-UKarF, tnr Jahre 1913 4 626 959 M«rrck Vergleichsweise sei.erwähnt, da^dir Äunaltzne aus Holz und Nntzrrnhe in den Do iaauiulwaldungen der Provinz Oberbesten im Jahre 191 l mrr 2.609 533 Ms. betrug. Erst unter Zurechnung des Pruttoerlöses der oberhestischen48e«aeiudewllldunget, mit 2 166 864 Mk. überbolt der Rohertrag der oberbcssischen Forstwirischast >4 766 397. Mk.) deuieuiqrn dem Bergbaues um ein Geringes. Der Wert der tähr- lnhen Effenerzvrodnktwn Oberheiienm ist dopvett so groß n»e der Gesamtwert der jährbichcu Obsternte der Provinz. Berücksichtigt man datz in den obiMn Zahlen der Mo-ntanproduktion noch nicht ent- hüten sind die Gewinnung bon Ocker, Baurit, Kieselgur und die aus der Mntzung der zahlreichen Heil und Sanerguellen erwach­senden Werte, so tritt die hervorragende Bedeutung der Boden­schätze sür das gesamte Wirtschastslcben der Provinz Obechcssen erst an das rechte Licht.

Aber auch über die Grenzen Hessens hinaus ist die oberhessische Montarrprodnknon keineswegs ohne Bedeutung. Hessen nimmt nach seiner Größe und Bevölkerungszahl die siebente Stelle unter den deutschen Bundesstaaten ein. Mit seiner Eiscncrzsörderung dagegen rückt es an die dritte Stelle, die ihm allerdings in den aller­letzten Jahren von Bayern streitig gemacht wird. Dabei stehr der Wert der hessischen Eisenerze erheblich über den, Reichsdurchschnut. Bezeichnend für den Umfang der oberhessischen Eisenerzproduktion ist die Tatsache, Hatz Oberdcsjen mehr Eisenerze särdcrt als iedes einzelne der benachbarten preutzischen Lahnreviere Wetzlar, Weil -

bürg und Dlllenburg, die ein allgemein bekanntes Bergbaugeb,et darstcllen.

Der Braunkohlenbergbau Und die Salinenrndustrie Hessens nehmen mu ihrem llmsang ziemlich genau die den, Lande nach Grötze und Bolkszahl .zukomniende stelle cm, sind also ledenialls nicht unbedeutend. 'Der Brannkohlenbcrgdon verdient eine weitere Entwicklung besonders: denn seine Bctriebsgrundlagen sind gesund und erireulzch, und nur Vorurteil steht der Einführung des Braun- kohlrnbrandes in die industriellen Betriebe hindernd entgegen.

Man hört nicht selten den Vorwurs, der Bergbau werde durch uichthkssische llnlcrnebmcr betrieben, und seine Früchte kämen daher nicht dem Hessenlande zugute. Hiervon ist nur richtig, datz in der Tat im Lande selbst leider nur selten sich Leute linden, die den einheimischen Bergbau fördern und belreiben. Nicht richtig ist die Darstellung, als habe das Land keinen Nutzen vom Bergbaubetrieb. Vom Rohertrag der Bergwerke Oberkestens slietzen rund 60"» in Form von Barlahn und Versicherung»- und Wokljahrtsausgaben den beschäftigten Arbeitern und Beamten un­mittelbar wieder zu. Für Grundermerb und Grundenlschädigung werden sährlich etwa 2,6»» ausgcwendet, die naturgemätz ebenfalls im Lande bleiben. Ebenso hoch etwa ist der Aufwand an Steuern, die dem Staat und vorzugsweise den Gemeinden zugute kommen. Der Grubenholzbedors verzehrt trotz dem weit verbreiteten Tage­baubetriebes 4,1 «» des Rohertrags! das Holz wird säst ausschlictz- lrch in Hessen gelaust. Für andere Materialien weiden etwa 12°», iür Neuanlagen etiva l0°» anzusetzen sein, von denen asterdings ein Teil Maschinen, Aulbereitungsapvaratc usw. anher Landes geht, ein anderer Teil, Bauholz, Mauersteine, Fährlöhne usw., aber zwvisellos im Lande bleibt. 'Alles in allem kommen also vom Bruttoerträge des hessischen Bergbaus rund 80«» dem Hessenland und seinen Bewohnern unmittelbar wieder zugute, dam sind bei einem Berkausswert von 4 686 959 Mart im Jahre 1919 rund 3,7 Millionen Mark.

Nicht selten wird den Bergbautreibenden andererseits bar geworfen, datz sie das Land und seine Mineralschätzc weithin mit Bergbauberechtignngcn bedeckten, die nur vaoicrne Rechte dar- ftellten und dem Grundesgemümer eine ständig drohende Störung, anderen Bergbaulustigen eine unerwünschte sperre, niemandem aber ein Nutzen seien. Die Zahl der Bergwerksverleihungen in Obcrhessen beträgt zurzeit rund 1400. Davon lauten aus Eisen- und Manganerze rund 1188, auf Braunkohlen rund 175, aus andere Miniralien der geringe Rest. Bon den Eiscn und Mangan- crzgruben sind bisher mehr als 10 Prozent in Förderung gewesen! ein sehr beträchtlicher Prozentsatz, wenn man berücksichtigt, datz es schon wegen Arbeitcrmangcl gar nicht möglich wäre und vor allem nicht im Interesse der übrigen Beruse läge, alle Berg­werke oder eine große Zahl aus einmal in Betrieb zu nehmen. Auch ist es »nil !dem Heiaussördcrn der Erze nutzt gAan! sic müssen auch abgesetzt werden. Und dies kann bei Alassenangebvt nur zu Berlustpreisen geschehen. Ter Eisenerzbergbau ist gewißlich noch der Steigerung fähig. Er bcsinbet sich zurzeit in eruer sehr gestruden Entwiiklrrng, die man sördcrn, aber nicht icherstürzen soll. Im Jahr 1856 wurde die obcrheffische Esten und Man ganerzsSiderung Unter Ausschluß der letzt nrcht mehr hessischen LandestaUe aus rund 28 000 t im Wert von 611000 Mi. geschätzt. Jetzt nach ungefähr 60 Jahren bat sich die Menge versüni zehnjachl, der Wert vcrsrebentochl. Letzteres 'erklärt sich damit, datz man jetzt nicht mehr bloß die rcühstzen Erze gewinnt, sondern auch die Dinrchsthistttserzc noch nutzbringend verwerten will. Auch her den Braunkohle» ist es wearger die Unnrögtichkest des Färderas als vielmehr die Schwierigkeit des Absatzes, dre der sofortigen starken Erhöhung der Kohlenproduktivn entgegensteht.

Die wirtschastliche Bedeutung der Wetterauer Braunkohle möge durch einige statistische Eingaben ersichtlich gemacht werden. Der Braunkohlenbergbau ist in Dessen letzt etwas über 100 Jahre alt. Seit 1859 sinh 9 435 000 t Braunkohlen aus den Gruben der Provinz Obertzcssen gewonnen worben. Wenn man berück­sichtigt, datz. in den ersten Jahrzehnten des bongen Jahrhiinderts tue Produktion sehr gering war sic betrug zum Beispiel von 18591874 nur 612 000 t so wird man nicht sehr fehl­greisen, wenn man die gesamte bisher aus oberhessstchen Boden entnommene Braunkohle aus 10 Millionen Tonnen schätzt. Eine nanihaste Produktion haben mir erst seit 1875, Sie betrug in den neun Jahren 19051913 3 650000 Tonnen, und wird am Ende dieses Jahrzehnts aus 4>» Million Tonnen gestiegen sein. Der Wert her seit 1875 geförderten Kohle beträgt rund

25 Millionen Mark. Die Frage, wieviel Braunkohlen etwa noch iür eine künftige. Gewinniing in der Provinz vorhanden sind, ist von der hesstschei, Bergbehörde nntersuchi ivorde». Ae linker- snckiung hat ergeben, das-, gegciiivärstg sn Lberbeslen, durch Aui- schlüsse sestgcstelti, noch 117 Millionen Tonne» gewinnbare und 83 Millionen Tonnen möglichcrweise geivinnbarc Braunlohlen oorlsande» sind, so daß selb» bei 'Annahine einer »och nie er- rcichien Förderung von t Mitlio» Tannen im Jahr der Braun­kohlenbergbau noch 200 Jahre bestehen kann,

Man beginne de» Rnndgang tnirdi die Halle vom Eingang ans nach 1 1 il km herum. Die Längswand »chmen hier zunächst die 2lsstclter 1 -3) rin 'An der Ostebelwond iiiid an dem daber gelegenen Ende der Mittel-Insel stellen die Braunkablcnwcrke s59> aus. Man besucht dann durch den geradeaus sichtbaren Stollcneingang das Braunkoblcnbcrgwerk, dam man durch den anderen Stollen verläßt,' um wieder in ine Halle zu gelangen Hier besindet man sich inmitten der Eisencrzausstellcr. An der Giebelwand folgen die Ausstetlungsloten der salmen und Ouetlen, an der anschließenden Hälfte der Eingangs-Längmwand sowie aus der Mittel-Insel Mafchsneniobriken, Hütten und .lieselgiir und Bannt.

DieGrotzherzogliche n Beighe Hörde »Darm st adt stellen aus I. Beim Bergbau gefundene 2llteNümcr! 'Arbeits- Werkzeuge, Münze», Waisen vom Gefecht bei 'Atzenhain 21. März 1761). Haspel ahne Estenteile, römische Münzen, Probe von Gold aus dem Flntzsand der Eder, stcinsalzbohrkern aus der Trcsbolrung der Bohrgesellschast Hessen bei Psordt a. d. Fulda u.«. a.! wie bildliche Darstellung des Ertrags und der Worten des hessischen Bergbaus, Graphische Darstellung der 'Arbetterzahl und der Unsallzahlen und Unsaltnrsachcn im Braunkohlen- und Erzbergbau Hessens 1886 bis 1913 u v. in.

Tie Grobherzogliche theologische Landesan­stalt, Darm st adt bringt geotogisckie üaNen, Blätter Gießen und Atlendors, die besonders beachtenswert sind als erster Ausanq einer moderncii geolvgisckwn 'Ausnahme des Bagessberger^Basalt- massivs sowie der damit in Berührung stetundcn tertiären schichten und der Tektonik des ganzen Gebiets.

Das Mineralogische In st, tut der Grotzherzog- tichcn Londesuniversilät Gießen, Ludwigstr. 23, stellt in der Hauptsache eine Sammlung von Schaustücken ober- hessischer Mineralien aus.

Otto Fcnnel Söhne, Werkstäite iür geadänschc Instru­mente in E a s s e l, stellt verschiedene Gruben-Nivellierinstru- mente aus, sowie Grubenkomoasse wo. a. Die Gewerk­schaft Messel stellt Rohkohlen, schlacken, roh und behauen sPartalbaui, auch schlackcngrus als Füllmaterial für Zwischen­decken, Schlackensteine, Desstllalianmbrodukte und eine Darslellnng des ?Iiitc>ls der einzelnen Produkte am Rohmalerra! aus.

Tie GrubeSalzhäuser Bergwerk' bei Gcitz-Nidda bringt Rohkohlen und Holzstückc au» den, Kobkenlagcr, Versuchs- briketts, Schaukasten mit Pilanzenabdrücken ans der^ salzhäuser ktohle und anS deni Ton von Wicscck lLeibgabe des senkenbergi- schen Museums zu Frankfurt durch Herrn Mm stern-Franksurt.i

Die Fürstlich Solms-Braunselsschen Braun­kohlengruben ber Wöllersheim u. Weckeshemi haben Rohkohle, Preßsteine, Sargcrrisse durch die Gruben und eine Darstellung eines unterirdischen 'Abbaues lgemeinsam mit den übrigen Brauirkohlen- gruben von Oberhessciii ausgestellt.

Tic Grotzherzogliche Braunkoblengrnbc Ludwigschoss- nung bei Wölfersheim bringt Rohbrarrnkoble, Fuubstürke aus dem Lager, Braunkoblenpretzsteine, schlalkenleichtsteine, so­wie Ucbersschtsblan des Verteilungsnetzes sür den elektrischen Strom, und Ansichten des Kraftwerks und der Grube Lndwigs- hossnung, Tarstcllimg eines unterirdischen Abbmies lgemeinsam mit den anderen Braunkohlengrubeni.

Die G e w e r k s ch a s t F r i c d r i ch , ist mit Stavel Briketts. Ligniistückc aus dem Kohlenlager und einer Darstellung eines Abbaues unter Tage (gemeinsam mit den anderen Braunkohlen- grubeni vertreten.

Tie WächtcrsbacherBra un kohle »werke stellen im vorderen Raum des unterirdischen Braunkohlenbergwerks ^Rob- braunkohle aus der Grube und in verschiedenen Körnungen, Schau­stücke aus dem Lager, Analysen und Bcrgasungsberichte, sowie die Darstellung eines unterirdischen Abbaus (gemeinsam mit den ober- hessischen Braunkahlen-VfrubenI aus.

Von den Braunkohlengruben Ober Hessens unh der Grube Winterfrcudc bei Wächtersbach ist gemeinsam

Fraucn-Run-fcba«.

Wie die Norwegerin ihr Wahlrecht benutzt.

In diesen Tageii der Erörterungen um das Wahlrecht der ßam scheint es angebracht, die Arbeit zu betrachten, die die Frau in einem Lande vollbringt, das ihr das Wahlrecht eingeräumt hat. Seit nunmehr sieben Jahren besitzt die norwegisck>e Frau das Recht tzunr Wälstcn! damals war cs ein beschränktes Wahlrecht, dos von der Höbe der Steuersummc abbing, aber die mit der Gewährung des Stimn,rechtes gemachten Ersahrungen müssen günstig gcwelcn sein, denn erst im vergangenen Jahre beschlotz^das norwegische Parlmneni die unbeschränkte Erweiterung des Stimmrechtes aut alle Frauen im 'Alter von mehr als 25 Jahren. Leon Eonsell har nun eme Führenn der norwegischen Frauenbewegung, die bekannte Journalistin Frau Ella 'Anker, ausgesucht und über die 'Wirkungen des Trranenwahlrechtcs besragt.

,SÄr Norwegcnnnen alle sind aul unsere Männer ltolz. Denn indem sie unsere Atitarben annalnnen, beivicsen sie Gerechtigkeits­sinn, Mut und Vertrauen zu unserem Temperament! sie wußten, datz Frauenrechte uns nicht hindern würden^ Frauen zu bleiben. Unsere Männer sürckstelen nicht, datz die Frauen ihre beiligen Pfhichien als Mutter und Gattin vernachlässigen könnten, die Märmer selbst wollten den 'Frauen den Blick aus größere Gesichts- Krise erösfnen. Tie norwegischen Frauen haben ihre neuen Rechte nrit Freuden ergriisen: in den Städten war ihre Wahlbeteiligung sogar größer als die der Männer, 73 Prozent der wablberrchtiglen Fronen gegenüber 72 Prozent der Männer. In den ländlichen Gegenden find wir freilich noch nickst so weil, aber brer wird Un- rerricht und Erziehung srucktbar wirken " Wozu habcn^nun die norwegkslden 'Frauen ihr Wahlrecht benutzt 2Glauben sie nicht, datz i»e Frauen ihren Einilntz dazu verwendeten, imParlament sine Frauenpartei zu begründen, sie ivählen und stimmen imc die Männer nach ihrer Ueberzeugung und gehören allen Parteien an. !Ank dicke Weise beeinslussen sie da» Programm der Parte, am besten. Die erste gute Wirkung unseres Eintrittes in die Politi, war, datz wir den Einfluß der Familie ins politische^ Leben hin- eintrngrn Der gute Ehegatte sieht durch seine Frau sein Stimm­recht oerdovvelt; und wo die Ehe unharnwnisch ist. heben sich die beiden Strnnncn gegenseitig wieder aus. Im übrigen hat das Wolckri'cht nie Zwist in das Familienleben gebracht. Es hat bei uns lEnmen das «erantwortungsgrsützl als 2Aütter und Gattinnen öestelgert Unser politisches Wirken galt zunächst der Verminderung der Säuglingssterblichkeit! wir haben durckgesetzt, daß alle in "tzabriken arbeitende Mütter 6 Wochen lang nach der Geburt mnes Kindes zwei Drittel ihres gewöhnlichen Lohnes werter bericben Wir hoben sür die ärmeren Volksichichtcn eine Matter- lck«stsverstcherung:vom Tage der Nrederkumt an bezieht die 'Mutter acht Wochen lung wngeiähr eine Mark, bleib, ,u v-use uud pslegl, & Und. Die Rechte unehelicher Kinder sollen erto-it-rt werden, >

die Verantwortung des Vaters wird erhöht, das uneheliche Kind kann den Namen des Vaters annehmen und ist auch erbberechtigt. In der Ehe haben die Fram-n das gleiche Bestlimmingsrecht über tste Kinder wie der Vater und die Bestimmungen über dre Ehe­scheidungen sind erleichtert. In dieser Richtung arbeiten wir tapjer weiter, gemeinsam mit den Männern und in völliger Har­monie mit ihnen."

ks. Landesvrganisation für Jugendpflege. Die Korrespondenz Frauensrogen schreibt: Das bayerische Kultusmin, sterium hat soeben beschlossen, eine Landesorganisation für Jugend­pflege zu schaffen und die Bildung von Orts-, Bezirks- und Kreis ausschüi'sen anzuregen. Bei den dein Entschluß voranqebenden Beratungen waren Bertreterrnnen von Juqenüpilege- und Lehre, rrnnenvereinen und die Vorsitzende des Ortsausschusses für weib liche Jugendpflege in München zugezogen. Man beabsichtigt, die weibliche' Jugendpflege staatlicherseits in gleicher Weise zu iördern wie die männliche. Man kann nur wünschen, datz das gute Bei­spiel Bayerns in anderen Staaten Teutschlands Nachahmung findet, da bisher nirgend der weiblichen Jugend die gleiche Animerksam- feit zu gewandt wira wie der männlichen.

tf. Die Ortszulagen der Lehrer und Lehrerin­nen. Die Korrespondenz Frauentagen schreibt. Gegen die Be­stimmung des Lehrerbesoldungsgesetzes, die es den Kommunen in die Gewalt gib«, die Lehrerinnen oon der Gewährung von Orts zulagen auszuschlietzen, hat sich der Verein deuischei' katholischer Lehrerinnen in einer Petition an die Unterrichtskommission des preußischen Abgeordnetenhauses gewandt. Es wurde verlangt, daß überall da, wo'den Lehrern Ortszulagen gewährt werden, ,se auch den Lehrerinnen zuerkannt werden. Außerdem wurde aus die Unterschiede in den Ortszulagen hingewiesen, die zwischen 50 und 600 Mark schwanken, und darauf, daß das Verhältnis der den Lehrerinnen gewährten Zulagen zu den b«n Lehrer» zugestandenen oft ungerecht ist. Trotzdem der Wunsch der Lehrerinnen als be­rechtigt anerkannt wurde, hat sich die Kommission den Anträgen gegenüber ablehnend verhalten und sie der Regierung nur als Material üderwieien. Eine Erklärung des Vertreters der Re­gierung wurde leider nicht abgegeben.

ks Die Ausgabe sür die höheren Schülern. Die Korrespvndeiii Frauensragen schreibt! Vergleicht man die Summe, die der preußische Staat und die Gemeinde für die höheren Knabcn- und Mädchenschulen aufwenden, so zeigt sich, wie wenig ocrlstiltnis mäßig sich die össcntlichen Körperschaften um die Ausbildung der Mädchen kümmern Der Staat hat, wie gus dem letzten Etat hervorgeht, nur 5 Lyzeen in eigener Verwaltung und gibt dafür 364 930 Mark aus. Autzerdcm unterstützt er noch nicht!!,atliche Anstalbn mit einem Betrage von 1 642823 Mark. Diesen lßesamt- leistnngen des Staate» von rund 2 Millionen für die höheren Mädchelychnlen siebt eme Summe oon 19 Mllionen Mark für

die höheren Knabenschulen gegenüber, ivooon 15 Millionen ^?ärk aus 251 eigene Anstalten entfallen. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse bei der Gemeinde, sie wandte 8 700000 Mark für höhere t dchenschulen, 28 Millionen Mark sür höhere Knaben­schulen aus. Tie Gesanitauiwcndung sür Preußen sür die öffent­lichen höheren Mädchenschulen seitens des Staates und der Ge­meinde betragen 10 Millionen, ffir die höheren Knabenschulen jedoch 50 Millionen Mark.

ks. Vom' Sommerhnl Der Frühling hat uns keine Hüte gebracht, und jetzt, wo der Sommer naht, ist die Hutmode de, dem mittelgroßen Canotier angelangt. Die neuen Formen sind meistens sehr einsack, der Canotier ist seitlich etwas angehoben und besteht ans leichtem Stroh oder Satin, sehr elegante Hüte wer­den auch auS svitzen angcserligt und stellen sich dann als eine 'Art Krinoline" mit leicht angehobenem Rande dar. Neben der Cano- tienorm kommt indessen auch wieder der ganz einfache 'Matrolenhut in Mode. Er ist sehr breit und ganz flach und scheint sich besonders in England einer großen Belicbthcil zu erfreuen. 'Als Garnituy verwendet man ein breites samtband, das wie ein gefaltetes Taschentuch oben auf dem Kovie des Hutes angebracht wird. Für die Canyliers sind alle Arten von Blumen sehr beliebt, doch zieht man einfarbige vor, daneben findet man nickst so häufig auch unreife Früchte, besonders grüne Kirschen, hleben weißen Rosen, Astern, Narzissen und loesßen Seerose» und verschiedenen Früchten findet man natürlich als Garnitur alle Arten oon Bän­dern und besonders auch Federn und ganze Flügel. 'All diese sGarnituren sind fast ausschließlich in Weiß gehalten schlparz lindel weniger ^Anwendung und das Neueste auf dom Gebiete des

-Federschmuckes sind weiße Hahnenfedern, die man gern in eine Büschel hoch auirichtct und an der Vorderseite des Hutes anbringk. Schmale, zu beiden Seilen des Hutes lach in die Lust strebende Flügel werden gern zu einer 'Art Zweispitz ä la Napoleon gelärmt. Sehr elegant crfckieint auch ein Hut, der rings herum mit einen breiten Rüsche aus schwarzem Tüll garnsert ist, tobac das Ganze wie eine Art Lampenschirm wirkt. Tie Vorliebe sür Weiß in der Hutmode erstreckt sich aui die Hutnadel». Man sieht letzt vieliacki solche in Form von Pfeilen, die zugleich auch bestimmt lind, den, Schleier iestzuhalien, und mit weißen Diamanten, weißem Bcrg- krjstall, ledenialls mit weißem Knapt verziert sind. Das neueste Ereignis aus deni Gebiete der Huttnode ist die Rückkehr der ganz großen Formen. Besonders bevorzugt sind in dieser 'Art die gro­ßen Eanoners, die ebenso wie die mittlere Größe seitlich etwas ist die Höhe streben: aber auch runde Glocken sindcn ihre Liel>- lhaberinnen, ebenso wie der ganz flache, brcitk Malelot, Zu diesen grasten Hüten gehören natürlich auch große Blumen. Gewaltige Anemonen und riesige weiße Rosen werden »um sckmiuck dieier Hüte bevorzugt.