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Nr. 125 vierter

Erschein« mtt Ausnahme des Sonntag«.

DieSießener ZamMendlätter" werden dem .Anzeiger' viernial wöchentlich beigelegt, da« ikreüblaN für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Di-randwirllchastttchen Stil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt 1H Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Aberhefjen

Samstag. ZO. Mai 1914

Rotationsdruck und Berlag der Brühl'scheo

Universttäts - Buch- und Steiudrrlckerei.

R. Lange, Gieüen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:b^,H2. Tel.-Adr.i'AnzeigerGlevel»

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Die Zrage der öffentIiH-r>:chtiicheii Leden;- versichciung in lfessen.

Mit Rücksicht auf das allgemeine Interesse, das sie bean- loriichen dürieitt geben wir nachstehend die Ausführungen des lt-t-ftskn zu so o l m s - La u b a ch über die öffentliche Lebens- vcrncherung in der Sitzung des Provinziattages vom 25. d M. wieder i

Im vorigen Jahre uitd auch schon früher ist in dem land- wirtschattttcki n Bercin für die Provinz Lherdessen die Frage der oitentlich rechtlichen Lebensvcrjicherung angeschnitten morden und eütar tinolge eines Vortrages des Direktors der Landcshypo- thekenbnnk Bastian, den er über die Entschuldung des ländlichen Grundoentzes hielt. Er schlug als Mittel vor die Amorlisattons- hhpvthek »i Verbindung mit billiger Lebensversicherung. Etwas tpater lit die Frage im Provinzialtag von Rheinhessen be­handelt worden. Aach einem Bor,rag in Darmsladt hat dann eine Beivrechung der Angelegenheit slattgeiunden, die aus Grün­dung einer eigenen Lebensversicherungsanstalt in .dessen abziclte Es hatte damals den Anschein, als ob der Gedanke bald Leben gewinnen wurde. Leider kam die ' ach,' aber wieder ins Stocken und tch muß konstatieren, das, daran schuld war die Stellung' nähme dcr^Großh. Rcgierimg Diese drückte bei jeder lßclegcn- heit ihre Sympathie der Apache gegenüber aus, sie hatte al»er inriltlsche lind andere Bedenken wegen der Anglicderung einer eigenen Anstalt an die Landeshnvotliekenbank und dann Zweiiellc sic daran, dass eine eigene Anstalt in Seifen prosperieren ko inte Ich glaube, durch Abwarten und durch Jägern kommen wir nicht weiter. Wir müssen uns entscheiden und zwar, komme» wir zu dem Entschlus,. das, die Verhältnisse in Hessen so liegen, das, wir keine eigene Anstalt gründen können, bann lassen wir es Sind wir aber der Ansicht, eine eigene Anstalt zu gründen, dann so schnell wie möglich vorwärts, denn fcnrd, Abwarten verlieren wir Zeit und Geld. Mein Antrag soll nur bezwecken, diese Ent schcidnng möglichst bald herbeizusühren. Mittlerweile bat der Provinziallag der Provinz Rheinhessen statlgcsunden und er hat entgegen deni Vorschlag seines Provinzialausschusses cin- stimmig einen Antrag Bambcrgcr-Sehl angenommen aus Ein­setzung einer Kommission, die die Sache prüsen und später dem Brovinzialla,^darüber berichten soll. So ist die Sachlage in Hessen.

Aus die Sache selbst möchte ich nur ganz kurz cingehen und zunächst ein paar Worte sagen über das, was man unter össcntlich- acchtlichcr Lebensversicherung versteht, >vas ihre Tätigkeit ist lind welche Vorteile wir von ihr erhosscn und dann möchte ich noch eiugehen aus die Bedenket, der Gr. Regierung gegen die Er­richtung einer eigenen Landesanftall. Tie össentliche^ Lebensver­sicherung steht im Gegensatz zu der Privatoersicherung. Die össciit» Iichc Lebensversicherungsanstalt ist ein Institut des öffentlichen Rechts und öffentliche Körperschaften sind ihre Gründer. Tie untersteht nicht dem Aussichtsaull für Privatversicheruna, so», den, der Auisicht der Regierungen der einzelnen Bundesstaaten. Tie össentlichc Lebensversicherung ist ein Betrieb von Lebens­versicherungen aller Art, sowohl Ser grasten Lebensversicherungen wie der kleinen oder Sec sogen. Voltsveriicherung. Ich lege auf das letztere den Hauptwerk. Ich will aus den BegriffVolks- Versicherung" und aui den Streit, der über die Bolksversichcrung entstanden ist, nicht weiter entgehen. Ich bin aber bereit, aus An­frage Auskunst zu geben. Tic Vorteile, die man von der össentlichen Lebensversicherung erhofft, sind einmal die, dast sic zuttächsr billiger arbeitet tvie die Privatversicherung, iveil ihre Organisation sich einerseits an die bestehende behördliche Organi­sation anschließt und weil dadurch eine ganze Menge Sachen wegsallen, die bei der Privatversicherung notwendig sind lAus- stchtsratgehälter, Dircktorengchälter. billigere AkguisilionSkosten usw.i Ferner ist das Prinzip der össentlichen Lebensversicherung, daß die zur Anlage gelangenden Gelder den Landestcilen und >1 reifen wieder zugute lammen, die sic durch Prämienzahlung ausgebracht haben. Tie Änlagetätigkeit ist eilte sehr große, wenn die Versicherung prosperiert. »Ul Ihnen einen Begriff zu geben, tvie die Änlagetätigkeit der Privatversicherung aussieht, möchte ich folgendes verlesen:

In 1911 sind von 92 Privatunternehmen 4159 Millionen in Deckungshypothcken angelegt tvorden, und zwar 0,8 Proz. gegen 1,1 Proz. in 1909 aus ländliche Grundstücke und 99,2 Proz. gegen 98,9 Proz, aus städtische Grundstücke, Aui Groß-Berlin cntsielen von den in deti Städten untergebrachtc» Hypotheken 59,2 Pro;. ,58,2), auf die 21 Großstädte über 200 000 Einwohner 50,9 Proz. 31,1), aus die kleinen Städte 10,5 Proz. (10,7 j. Tic größte Lebens itnd Bolksveriichcrungsgesellschast Viktoria hatte

von einem Vermögen von 9.50 Millionen Mark 798 Millionen in städtischen Hhpotheke» angelegt und säst ausschließlich in großen Obieklen und zwar zu einem Wert bis 50 000 Mk. --- 4 Millionen, bis 100 000 Mk. = 72 Millionen und über 100 000 Mk. -- 722 Millionen. Natürlich wird von der Privatverficheruug, tocil ihr Betrieb mehr aus den Erwerb gerichtet ist, das Geld angelegt, wo es sich am besten verzinst, während die öffentlich-rechtliche Lebensversicherung die Gelder möglichst denen zukommen lassen will, die sic ausbringcn. Das wird am besten erreicht durch die Gründling einer eigenen LandcSanstalt. Das dürste genügen, um die wirtschaftlichen Vorteile darzutun. Aber die össentlichc Lebcns- vcrsicherung hat auch noch eine ideale Seite. Zunächst regt sie, wie jede andere Lebensvernch -ui, zur Spartätigkeit an. Vor allen Dingen ist ober der ' >ie, daß in der heutigen Zeit

bei dem 'Anwachsen der sozial Lasten der Staat und die All­

gemeinheit in erster Linie dazu ocruscn sind, für die Zukunst der Arbeilcrbevvllerung zu sorgen, ciu nicht zu unlcrichätzcndcs Mo­ment, da mau im Interesse der Gesunderhaltung unseres Volks- körpcrs nicht genug daraus hinmeiseu kann, daß cs Pflicht des Mannes ist, zunächst selbst für sich und seine Familie zu sorgen. Dan» ist die össentlichc Lebensversicherung auch geeignet »itb in der Lage, der cmincnlcn Gefahr der sozialdemokratischen sogen. Vollsiürsorgc gegenüber eine billig arbeitet,de Volksveriickerung Entgegen,znstellcn. Dieser Punkt ist mir mit der allcrwicht-git.- > -d Imin gar nicht genug unterstrichen werden. Es bestellt 8>c ich sürchtuug, daß in eine derartige billige sozialdemokratische Volks veriichckttltg auch andere Elemente gehen, die, wenn sic einmal in der Versicherung sind, der Sozialdemokratie mit "cib und Seele verpslichtct sind.

Ich will nur noch mit ein paar Worten auf die Bedenke» der Gr. Regierung gegen Errichtung einer Lebensversick-erungsanstalt eingel.en Was zunächst die Anglicderung an die Landeshnvo- lhckenban! anlangt, so ist das in Preußen die Regel. .Hier in Hessen hat man juristische Bedenken und fürchtet Jntercssen- lonsliktc. Bei der über Hessen Innausgehenden Bedeutung der Sache glaube ich, daß die juristische Seite am besten durch das Reichsjustizamt geklärt werden sollte und ich glaube, daß sie mit Lcichtigteir zu klären ist. Bezüglich der Jntcresscnkonflikte glaube ich ich fühle mich da in Uebereinstimmung mit den Herren in Rheinhessen und sicherlich auch mit einzelnen Herren, die hier sitzen daß bei cftngermaßc» gutem Willen Mittel und Wege zu linden sein werden, wie man die Anstalt i» eine beide Teile befriedigende Verbindung bringt. Die Gr. Regierung sagt seiner, die einzelnen Gebiete seien von der Prioaiversiüterung so be­ackert, daß kein Raum für eine össentlichc Lebensversicherung mehr bleibe. Wenn man die Erfolge z. B. in der preußischen Provinz Sachsen sicht, wo große gut sundicric Privatgesellschaften sind, wenn man ferner hört, daß in der Privatvcrsicherung der Ncu- zugang in Deutschland in 1912 1000 400 Mk. und in 1911 noch mehr betrug, und das gerade in den Jahren, wo die öffent­liche Lebensversicherung ihren Siegeslauf über säst' sämtliche Pro­vinzen Preußens und die benachbarten Bundesstaaten bcgoirnen hat, so muß man zugeben, daß in der Lebensversicherung noch sehr viel Neuland zu erobern ist. Wenn man zwischen Deutschland und den anderen Länder» vergleicht, so sieht man, das; Deutschland i» dieser Beziehung noch sehr weit zurück ist. Die hessischen Spar­kassen stehen einer Arbeitsgemeinschaft mit der öffentlichen Lebens- versichernng sehr sympathisch gegenüber und die einzelnen Kassen sind dräut und dran, mit ihr diese Arbeitsgemeinschaft abzusckstic- ßen. Ich kann natürlich auf diese Gemeinschaft nicht näher eilt» gehen, aber klar erwiesen ist, dast es im Interesse der Sparkassen liegt, eine solche einzugchen. Ich glaube auch ganz sicher, daß die Privatversicheruna, die jetzt die öffentlich-rechtliche Lebensversiche­rung als ihre» stärlsten Feind bekämpft, ganz gut neben dieser bestehen kann. Ich glaube logar, daß die öffentliche Lebensversiche­rung den Bersicherungsgcdanlen propagieren wird und dadurch auch ein Borteil für die Privatversich.-rung heraussvringi. Achn- lich lagen die Verhältnisse bei der Gründung der hessischen LandeS- hhpothcienbanl. Jeder glaubte, sic würde den Privatbanken und Sparkassen eniinenten Schaden tun. Sie besteht aber zum Vorteile beider. Nachdem nun die Sparkassen vorgegangen sind, glaube ich, daß es hohe Zeit ist, daß wir die Frage ernstlich erwägen, ob wir nicht eine eigene Landesanstalt gründen wollen. Die Gr. Regierung hat auch noch getagt, wir brauchen keine eigene Anstalt, der Ver­band ist ja in Hessen zngelasscn. Ja, das tvird doch jeder zugeben müssen, daß diese unbekannte Institution keinen festen Fuß fassen kann. Ter Provinzialtag von Mainz hat meiiler Ansicht nach den richtigen Weg gciundcn. Tic Errichtung einer eigenen Lebens- veriicheiiingsanstali birgt ja kein Risiko in sich. Der Verband

tvird jederzeit bereit sein, die Anstatt zu übernehmen und ich glaub« sogar, daß er uns vollständig schadlos ltalien tvird. Ich bitte den Antrag »i der abgcänderlen Fassung anzunchmen.

Fortschritte im Luftschiffbau.

Tie Lustschissahrt ist der süngste Zweig der Technik, und doch sind ihre Leistungen so überwältigend, daß cs heute wohl niemand mehr wagt, unter spöttischem Lächeln und leichtem Achselzucken den Menschenslug als einen phantastischen Traum zu bezeichnen. Noch vor 14 Jahren erklärte der berühmte englische Konstrukteur Hiram Maxim, er halte es für ein unnützes Bemühen, einen Bal­lon zu schaffen, der gegen den Wind slöge. Wenn er genügend Austrieb besitzen solle, uni er kolossale Timensioneu baden und sei dam, sehr empsindlich und leicht zerbrechlich. Zeppelin hat dieses Vorurteil zerstört und lenkbare Luitschiffe konstruiert, die bei Wind und Wetter trotz ihrer-großen Dimensionen dem Steuer in jeder Richtung gehorchen Während es die sranzösischc Molorluftschiff- sahrt mit ihrem Halbstarren Snstcm nur zu leidlichen Erfolgen brachte, hat in Tculschland Zeppelin mit seiner starren Konstruk­tion hinsichtlich des Nntzauitriebes, des Aktionsradus und der Größe jeden Rekord geschlagen. Ter bisher größte deutsche Luitkreuzer, das RcichsmariuclustschissL 2", das am 17. Oktober vorigen Jah­res einer Explosionskaiastrovhc zum Ovscr siel, hatte eine Länge 9">° 1l>0 Metern und einem Turchmesser von über 16 Metern: der gesamte Gasinhatt, der in 18 Zelle» verteilt war, betrug 27 000 Kubikmeter. Von den vier Motoren entwickelte» die beiden vorderen je 150 ?8 und die Hinteren je 209 PS Von der aut 22 000 Kilo­gramm berechneten Hubkrait entfiel e 16 500 aui das Luftschiff mit Maschiucnaulage und Ausrüstung und etwa 1100 Kilogramm aut di- Besatzung. Höhere Leistungen im Aktionsradius, in der Mit­nahme von Personen oder Kriegsmaterial bedingen eine erhebliche Vergrößerung des Deplacements der Luftschiffe.

Während der Fahrt verändern sich die Verhältnisse durch den Wechsel des Lustdrucks und der Temperatur. Was das Lustschfff beim Herabsteigcn aus den dünnen Luftschichten in dichtere, trag- iähigcre Schichten an Hubkrall gewinnt, verliert cs durch die Zu­sammenziehung des Gases unter dem Einsluß der Drucksteigcrung. Allerdings ist ein solcher Verlust zum 'Ausgleich der Wirkung des Brennstoffverbrauches ganz erwünscht. So wie das Deplacement ist auch das Gewicht einem ständigen Wechsel uutcrworscn; es wird kleiner durch den Verbrauch an Brennstoff, Abwersen von Ballast und Ablassen von Wasser, größer hingegen durch Regen- und Schnecbclastung, die bei einem großen Zevvclinluftschist ein bis zwei Tonnen erreichen kan». Tic Sonnenstrahlung kann beim Luft­schiff das Gas ohne Gefahr um 10 bis 12 Grad wärmer als die Luft machen; denn diese Erwärmung wird gemildert durch die kühlende Wirkung dcS Fahrtwindes. Tie Gcsamtgcstaltung in Form und Abmessungen muß daS Lustschiff stabil machen; der stabili- sicrenden Wirkung dienen auch die Flächen, die hinten angebracht sind, vermöge des Drucks, den sic bei Neigungen gegen die Fahrt­richtung Hervorrusen.

Die neuen Zeppelinlusischiisc für Heer und Marine, die vor allem zur Ausklärung dienen sollen, weise» gegen früher einige Neuerungen aui. Die beiden großen Tcheimverscr werden nicht mehr durch eine besondere Akkumulatorenbatterie, sondern durch eine Dh-, namomaschinc gespeist, deren Antrieb von einem der Motoren in der vorderen Gondel erfolgt. Aus dem Rücken deS LustkteuzcrS ist i» der Mitte eine Plattform angebracht, die vier bis fünf Personen Platz bietet; lster kann auch ein drehbares Geschütz ausgestellt Iver- dcn, das so konstruiert ist, daß das Gelände unter dem Schiff in eincnl Winkel bis zu 45 Grad bestrichen werden kann. Die Einrich­tungen für drahtlose Telegraphie sind ganz besonders vervollkommn net worden. Zur Ausnahme der junkentcleqravhische» Zeichen dienen Höremvtängcr; ein sogen, itristalldctcktor in Verbindung mit Block- lvndensatvr. Telephon imd cchiebcspule zur, Abstimmung ermöglicht eine gute Verständigung bis aus 200 Kilometer. Ter Luftleilcc (Antenne) wird von einem frei hcrabhängendcn Kupierdraht gebil­det; auch alle größeren Mctallmassen und Maschinen des Luft­schiffes können einen Teil des Lustleiters bilden. Beim Zeppelin- luitschifs dient das ganze Aluminiumgerippe als Antenne, während bei anderen Systemen die Gondel allein als oberer Teil des Slrah- lungSgcbildcs dient, unter Umständen nebst einem Stück der Halte­taue, die mit Kupserdraht umwickelt sind. Zut Erzeugung der StrahlungScncrgic wird eine Wechsclstrommaschine von ,500 Walt Leistung mit einem der Luslschiffmotoren direkt gekuppelt. Die Gcbc- und Empsangsapparate sind in kleinen Schränkchen eingebaut und werden abwechselnd von zwei pfunkern bedient.

Einen vom Zcppclinlustschiff wcscntlicki abweichenden Typ stellt das neue Stahlluitschiff des Ingenieurs Unger dar. Tas Gerüst ist

Jf rrni c u »lUtit^dtatt.

Unveröffentlichte Briefe von Wnßners erster Krau,

Die Tragödie von Richard Wagners erster Ehe lag darin, daß seine gute, aber beschränkte Frau die lomplizicrtcn Empsin- dungen des Genies nicht verstand und da über Ungerechtigkeit und Gransamteit klagte, wo ein tiefer blickender Geist vielleicht resig­niert ffch abgeftinden hätte Durch Wagners Beziehung zu Ma­thilde Wesrndonck wurde ihre Eiicrsucht erregt, lind io kam es zu jener Katastrophe, unter der beioc so unsäglich gelitten und die schließlich mit der Scheidung endete. Wertvolle Aufklärungen über diese traurige Episode im Leben des Meisters bringen die menschlich ergreifenden Briese, die Minna an ihre Freu» - bin Emma Herwegh, die Ungc lind energische Frau des Dichter - Georg Herwegh gerichtet bat und zum erstenmal in den, von Wilhelm Herzog hcrauSgcgebcneuForum" veröffentlicht werden.

Frau Herwegh hat i» einer bemerkenswerten Charakteristik die guten Eigcnichaite» Minnas, ihre Auiopfcrungsfähigk-it uns praktische Tatkraft gerühmt.Allerdings," fährt sic dann sort, um später IN riiicm Leben von Kamps, Entbehrungen und der ärgsten Proia noch so viel Atem zu bcbalteu, um trotz allem mit einen, Manne wie Wagner Schritt hatten zu können, ihm stets ebenbürtig zu blechen, dazu hätte es vielseitiger Naturanlagen und einer Schwungkraft bedurft, die die gute Minna wohl nie besessen, jcdcniallS zu vileqen nie die Muße gehabt hat. Ter Kern war vortrefflich. Tie Welt ivirb cs nie eriohren, was diese gute treue Proletarierscele Alles für ihren Mann gethau hat." Nachdem Minna selbst Frau Wesenoonck ausgesucht hatte, schreibt sic an Emlna am >4. Juli 1854;'Keilt lieber Man» konnte recht gut sein und mir meine schmerzen lindern, wen» er sich nicht von geioissen Menschen herum bolen ließ, sein Her, ist gut, aber sehr schwach! Daher kommt eS auch, daß er mir ist, reckt liebe gute tröstende Briese schreibt abeck mir auch noch älterer die bösesten gemeinsten Sache» brieitich zuschleudcrt. An­dere in den .Himmel erheb! und mich in Grund und Boden tritt. ToS, meine liebste Emma, krißt mir noch mein Her, ab! Weinen kann ich über diese Gemeinhcite» nur sehr selten und das ist für mich sehr schlimm; aber eS würgt mir mein Herz i», Leibe herum, als ob eS ab-,edreht würbe. Aus Deinen freund­schaftlichen Rat damals, war ick, bei der bewußten Frau, benahm mich ganz, wie wir beide nicht anders gekannt, d. h. nobel, fte war auch höchst dankbar inrd freundlich gegen mich, begleitete mich noch Hand in Hand bis an die Treppe .und Alles war abgemacht und gut, lnnierher jeooch, hat i,c fich'S anders über­legt, ihrem Mann Intt sic gesagt, ich hätte sie furchtbar belei­digt, ohne ihm ,edoch die reinste Wahrlieit über das gepflogene Be-hältniS gesagt zu haben, zu Richard hat sic min gar ein

Hallo gemacht tvie tief und abscheulich ich sie gekränkt, trotzdem ich delikat genug war dieser Frau nicht einmal den verhängnis­volle» Brie) zu zeigen, den ich ooch in meiner Tasche trug."

Klagen über ihre» Mann wechseln dann mit Beteuerungen, di- erkennen lassen, daß sie noch immer a» ihm hängt.Ich lebe lehr cingeschränkl und sitze dennoch auf dem Trockenen," schreibt sie am 21. Dezember 185!,mein guter Manu schein! in Venedig selbst sehr viel zu gebrauchen wie das stets der Fall ist, wenn er allein lebt, daß nichts ihr mich übrig bleibt. Neujahr sollte ich Geld von ihm zugewiescn bclommcn, gestern jedoch schreibt er mir, dast er es selbst nöthig gebrauche, reckst hübsch das, doch ich beschcide mich und werde nick,t gerade Hunger sterben, wenn ich »ur Tach, und eine warme Stube habe, Richard ist viel lrauk in Italien, erst dorbie ihm ei» gastrisch nervöses Fieber, das ihn 12 Tage in dos Bett bannte. Seit beinahe 5 Wochen hat er eine große offene Wunde am Bein, die iorlwährend eiderie und hei­lige Schmerzen dabei empiand, Ter verhängnisvolle Tt>sto»' den ich seines Anlasses ivegen gar nicht liebe, scheint nur mit große» Unterbrechungen und Anstrengungen in das Leben gc- rusen werden z» können. Wollen sehen was bis dahin noch

alles gcschieo. Mir icheint es als ob bei solchen Arbeiten kein Ollück dabei wäre, vielleicht irre ich mich hierin, wir wollen daher sehen, toas das Ende bringt und ob diese Oper den Leuten ge­fällt, ick, wünsche es von Herzen!" In, folgenden Jahre, alS

noch eine letzte Wiederversöhnung der beiden Ebcgattcu ersolgr, sucht sie ^,zu vergessen und gesund zu werden," denn die

Ausrcguugen haben ihre Hcrzenskraukheit sehr verschlimmert; Meinen Mann Mit einem anderen tauschen, möchte sch nicht um eine Welt, im Gegenthcil, ich möchte in Ruhe und Frieocn in einer Ecke der Well mein biS'Tn Leben vollend verbringen, glaube das," Begeistert schreibt iie von der ersten Ausführung des .Lohcngrin" in Dresden »nd fährt dann fort;Ich muß mich öfter an .Richards Werken erheben und erkrättigcn, sonst

könnte sch keinen freundlichen Blies an ihn schreiben unter uns gesagt.) An mir hat er geiviß eine glühende Verehrerin seiner früheren Werke; mir ist als hätte ich sie mitgeschaffen da ich ihn Während dem vtlegen, alle häuslichen Sorgen alles» put meine Schultern nehmen durste. Wie so .ganz anders ivar es in den letzten Jahren unteres Beisammenseins."

Sic begleitet dann Wagner aui seiner Reise nach Paris und pflegt ihn, als er dort erkrankt.Leider ist Richard ein lehr ungeduldiger Patient der selbst dann, immer seinen Un- muib gegen mich auSströmetl läßt. Nichts will er bullen, wenn man ihn güttlich etwas einredet." Doch ist sic auch hier sehr un­glücklich, da ihr Mann sic vernachlässigt.In Paris ist mir durchaus nichts Gutes begegnet." lautet ihr Resümee dieser Reise aus Dresden vonl 15, Dezember 1861,erst Umzug. Richards Kranckheip, Tannhänser Affäre böse Laune von weiten R,

dann Einvacken und wieder Abreisen, da hast Tu alle Meine au- genehmeu Erlebnisse von dort; die Schlimmsten ,edoch verschweige ickt Dir,"Am 24, v, M. ivar der Tag unserer sogenannten Silbernen Hochzeit, den ich sehr traurig (solo' verbrachte. Könnte ich diese 25 Jahre aus meinem Leben streichen, daun vielleicht würde ich auch wieder lustig. Nun, man muß sich nicht versündigen und inimcr noch froh sein, daß einem das Fell nicht lebendig über die Ohren gezogen worden ist . . . Bis lünitigen Avril bleibe ich hier, wohin ich dann meinen Wanderstab lenke, wissen die Götter! DaS Alles dankt man den Tristan'S."

Echo der Franc narbe i-t. DaS russische Pi j - i,i fte ri» nt für Wege und Verkehr hat einen Erlaß crös'net, wonach den Vllwaltungen de-, Moskauer Eifenbahnbezirks ge­stattet wird, unter gewissen Beschränkungen weibliche In- ge »teure anznstellcn. - Die GenossenschaftDie Frauen. Wohnung" faßte aut ihrer letzten stark besuchten Generalver- sammlung einstimmig den Beschluß, ihre Anteilscheine aus 200 Mk. zu erhöhe». Diese Summe darf in monatlichen Raten von 9 Mk. eiugczahlt werden. Das österreichische Unterrichts­ministerium hat vor lurzem an di; Landesschulräte einen bc- merlenswcrtcn Erlaß gerichtet. Dieser Erlaß berechtigt auch ledige Lehrcrmuen, sich in Zukunst im amtlichen VerkehrFrau" zu nennen. Ter Entschluß des Ilnlerrichtsminifteriums stützt sich auf eine Rundsragc an die österreichisch.-» Landesschulräte, die isch der Festlegung des TitelsFrau" gegenüber sympathisch stellen und sie als wünschenswert emptebleu. - Ter Deutsche Schrill- st e l l e r i n n e n b u n d beabsichtigt vom 28. -ns 90. Juni aul der Buchgewerbe-Ausstellung Leipzig eine» Kongreß zu ver- anstalteu und ruft damit zum ersten Male alle deutschen Frauen der Feder zu gemeinsamer Arbeit und zum Zuiammenschluß aus.

- - Die A r m c II d i r e k t i o u Berlins beschloß, dem Bor - nlulldschastsamt Berlins zur llnterstützung , unger Mütter die Summe von 9000 Mk. zunächst einmalig zukom­men zu lassen. Der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte hielt vom 21. bis 22. Mai seine .Hauptversammlung zu Berlin ab und »eierte zugleich sein 25jähriaes Bestehen. Bekanntlich bat dieser Verband eine Jugendobtci- l u n g geschaffen, die den Zusammenschluß seiner jugendlichen Mitglieder mit gleichaltrigen Kolleginnen be­zweckt und beruiliche Inte resse», Wandern und anderen geeigneten Sport fördern will. Die erste Gruppe bildete Stettin, dem bald als größte Gruppe Berlin folgte. Letzteres ist nun die Zentrale mft einer besonderen AuSlunit;nette, die allen anderen Gruppen im ganzen Deutschen Reich mit Rat und Tat -ur Seite steht. Am 15. Mai feierte die Frauenaruppe Berlin für dos Deutschtum im Ausland Allgeni Schuloerern) ihr 25jähriges Bestehen.