Ausgabe 
27.5.1914
 
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fni ntii _bcu Aufständischen zurück geschlagen. Vier hollän- drsme LiNjicrr, sowie etwa 30 Gendarmen und zwei Maschineu-- acnehre Nclen in die Hände der Aufständischen. Es gad Totr und Verlmmdttr und die Panik wuchs. Obwohl der Fürst und dre Fürstin sich anfangs sträubten, entschlossen sie sich doch, wie ihnen geraten wurde, sich mit den Kindern und dem Hose ans derMisnrota" ei n zu s ch i f fr » Infolge von Verhandlungen des italienischen und rumänischen lüesandien sowie tcs österreichisch-ungarischen Gcsandtschaftsiates und der englischen und^ französischen delegierten des internationalen Kvntrollaus schusics mit den Aufftändischen, hielt man cs für ratsam, wenn der FüNt, wieder in das Palais zurückkehrte. Er begab sich mir der Fürstin donbin und Unterzeichnete einen 'Gele i t s b r i cf, der den Aufständischen gesandt wurde. Alle Italiener, vom Oiesandten und Admiral bis zum letzten Matrosen, haben mit ruhiger tzeicherbeit ihre P licht getan. Am 24. Mai kam der holländische Hauvtmann Earr Nach Durazzo und teilte mit, das! die Aufständischen nur mit dem Kontrollausschuß verhandeln woll­ten, den sie auch mit Achtung aufnabmen, und dem sie ihre Wünsche, nämlich Rückkehr zur vttomanischen Herrschaft, oder Inter­vention Europas, ausdrückien.' Den Uebcrrcdungstll listen des ita­lienischen Tragomans gelang es, sie zur Auslieferung der Ge­fangenen zu beivegen.

Die Lage bleibt dunkel und gestaltet sich schwierig, weil die Führer der Aufständischen sich verborgen halten und es beinahe un­möglich ist, mit der unwissenden und nnzsvilisicrten Masse zu verhandeln. Inzwischen hat man angekündigt, dass Schleust von Durazzo nach Südalbanien geschickt nwrden würde.

Die dargestellten Tatsachen, die daraus sich ergebende Lage und die für die Zukunft möglichen Ereignisse bildeten und bilium zwischen mir und Graf Berchtiwld den Gegenstand eines leb­haften Meinungsaustausches, der von dem gegen­seitigen Vertrauen und der vollkominenen Lonali tat begleitet wird, die stets die feste Grundlage unserer herz­lichen und intimen Beziehungen gebildet haben und sic auch sernerbin bilden werden. Das Ergebnis dieses Meinungsaus­tausches lässt sich solgendermastcn zusamnienfafsan:

1. sind Italien und Oesterreich fetzt wie früher einmütig entschlossen, die Konsolidation des albanischen Staates und die Autorrtät des Fürsten zu wünschen. Die süngsten Er­eignisse können die in der Evirusrrage einmal getroitenen Eni- fcheidimgen nicht mehr ändern. Auch hierin und Italien und Oesterreich völlig eftnnütig. 2. werden die beiden Regierungen alle 'Anstrengungen machen, um eine Intervenfton der Armee in Albanien zu vermeiden. Sie wollen so schnell wie möglich die zur Sicherung des Fürsten, seiner Fauiilie und der Gesandt­schaft in Durazzo gelandeten Abteilungen zurückrufen. 3. sind die beiden Regierungen natürlich unter der Voraussetzung, dast die anderen Mächte zustinmie.i, überemgetomnien, daß eine Abteilung der internationalen Truppen ans Skutari nach Durazzo gesandt werde. Die italienische Regierung hat in diesem Sinne Schritte bei den anderen Regierungen un­ternommen Und setzt sic noch fort. 4. Tie beiden Regierungen sind einig in dem Wunsche, dast der internationale Äoutr.'ll- ausschuß gegenüber den augenblicklichen Schwierigkeiten und mit den am zweckdienlichsten scheinenden Mitteln die albanische Regierung wirksam unteifftütze, um die Schwierigkeiten dieses kriftscheii Slugcnblicks zu überwinden.

Es ist cm .grober Fehler, besonders'in Ländern wie Alba­nien und Aetbiopicu, ivenn irgendeine Macht den Anschein cr-> weckt, als ob sic ihre Interessen mit der einen oder der andern 'lokalen Persönlichkeit in den Ländern identifiziert, in denen we­nigstens noch für oinigc Zeit die Bedingungen iür ein gesichertes Gleichgewicht Nicht envarict iverdcn können. Gedanke, Wille, Jiiteresscn.Machi undGlückdcrFührernnd ihrer Anhänger wechseln leicht. Wir müssen mit allen ein­flußreichen Männern in Lllbanicn freundschaftliche Beziehungen lunlerhalten, aber wir müssen unseren Eintlust auf den Eindruck gründen, welchen unsere Politik der albanischen Natron eiirflößt.

In Albanien können trotz unserer Anstrengungen, sic zu ver­hüten, weittragende Ereignisse eintrctcn, auch solche, welche auf die Ruhe am Balkan znrückwir- k e n, oder auf die Machtverhältnisse im adriatischen Meere, wo wir ein Lebcnsintcresse daran haben, das Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten. Dieses Gleichgewicht darf jedenfalls zu unserem Schaden oder zum Vorteil irgendeiner großen oder kleinen Macht uns gegenüber nichl verschoben werden, wenn unser Land nicht in gefährliche Abenteuer verwickelt werden soll. Wir wollen unsere Interessen glich sürderhin Uiwerletzt erhalten, ebenso die Politik, die wir in voller Uebereinstimmung mit unseren Verbündeten treiben, zu dem Zwecke, dieses Gleichgewicht zu erhalten, und wir glauben vertrauensvoll, dast das Zusammenwirken aller grasten Mächte, deren Ziele ja im besten Sinne friedlich sind, die Auf­gabe Italiens und Oesterreickz-llngarns in Albanien erleichtert wird, welch letzteres ein wichtiger Faftor des Gleichgewichts in der 'Adria ist.

Tie Rede des Ministers wurde in ihrem Verlaufe und am Schlust mit starkeni Beifall ausgenommen. In der sich anschliesten- den Aussvr. che wurde die albanische Politik der Regierung vielfach als den wahren Interessen des Landes widerstreitend bekämvit, insbesondere auch von revublikansschen Rednern, die sich beklagten, dast das gegenseitige Misttraucn zwischen Oesterreich und Italien den icdcr realen Grundlage entbehrenden neuen Staat geschaffen habe, und daß die Beziehungen nicht nur zu Serbien und Griechenland, sondern auch zu den Mächten der Trivlc-Ententc getrübt seien. Ein Redner sprach die Hoffnung aus, dast Gr ev die Initiative zu einer Jntervenlion aller Groß­mächte ergreifen werde.

Eine Darstellung in der österreichischen Delegation.

Oiscnpest, 26. Mai. Zu Beginn der Sitzung der österrei­chischen Delegation erteilte der Sektionsches (Wlrof Forgach namens des Ministers des Acußern, der z» gleicher Zeit der un­garischen Delegation beiwohnte, Auikläru ngcn über die IVorgängc in Albanien. Er führte aus: Bei Tirana brach eine Revolte aus, deren Ursache anscheinend in r c l l g i ö i c n und wirtschaftlichen Fragen zu suchen wir. Anscheinend haben dabe, auswärtige Balkaneinftüsic mftgewirft. (Zwischenruf des slowenischen T-elcgierten Kttrossec: Und der italienische Konsul? Fvrgoch erwiderte: Sicherlich nicht. Die Meldungen der B'älter über den Umiang und die'Intensität des Baüernaut- Kimdes scheinen übertrieben zu kein, siisbesond're hi' sich bisher die Nachricht von ~cx Nicdermetzc'ung der Beys ukht bestätigt. Glcichieitia mit dem 'Ausbruch der Revolte verschärfte sich der schon lange bestehende Gegensatz zwischen E s s a d P a s ch a und seinen Gcgncrninder Haupt st adt, welche Essad des Einvcrstäud- nisies mit den aufständischen Bauern beschuldigten. Das Zusammen­treffen ler Parteigegensätze mit der Bauernbcwegung erklärt die aluigercgtc Stimmung. Tic ?lusregung beginn! sich allerdings be­reits Durazzo zu legen und lvird hoffentlich auch anderwärts bald kübler Ucberlcgung weichen. Auch diese Vorfälle seien noch ' limausgeklärt und cs sei unmöglich, insbesondere alle Momente zu beurteilen, die den Fürsten oeranlastten, wie aus den italienischen Veröffentlichungen erhelle, aui dcn Ral dcs

italienischcnGcsandten,deren, eallgc meine Pa­nik fürchtete, die Für st in und die Kinder aus ein Schiss zu bringen, worauf er dann stnort nach Durazzo zchrückkehrte Er wolle daher auch allen voreiligen Kritiken über das Verhallen des Fürsten enlgegentreten, welcher selbstlos eine verantwortungsvolle Kulturarbeit aus sich genommen habe. Es .wäre sehr bedauerlich, wenn segne Ausgabe in den jetzigen ernsten Momenten erschwert werden würde. Der Optimismus, der den, f uristrr des Acustcrn vorgeworicn worden sei, gehe nicht soweit, behaupten zu wollen, daß es dem noch nicht drei Aäonate regieren­den Fürsten bereits gelungen sei, die Bauernbevölkerung in eine llkulftirnation zu verwandeln. Ausstäiidc seien bei primitiven Völ­kern häufiger, aber von geringerer lBcdeutung als anderwärts. Die Ereignisse erhielten ihre besondere Bedeutung nur dadurch, bau man aus ihnen eine Unstimmigkeit zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien hcrauskonstruieren möchte. An last zur Unstim­migkeit sei in Esiads Sturz Nicht zu erblicken, sondern könne nur in Betracht kommen, wenn der Tätigkeit ge­wisser in Albanien anwesender Zeitungskorrespondenten Nlid ihrer

Hintermänner eine ihr nicht zukommcnde Bedeutung zugrmesscn würde. Essad nach seinem Sturze als »t a l i e u > > ch c n P a r t c i- mann hinzustrltcii, sei eine geschmacklose Verhltzuiig^ Da.ielvc gelle von der absurden Belürupiiing, wir hatten den stürz Ellads herbeigcsührt und dabei milgewirkt. Bei dem kurzen Kamvt be Durazzo stellten sich allster den kommandierenden hoUaiwischcn Stabsoffizieren veischiedeilc zusällig in Durazzo anweseme El^ Iropäer in den Dienst de- Fürsten. darunier Italiener, aiich e> Holländer, Deutsche und Oesterreich», Letztere waren Offtzicrc, welche zur Beranltallung eines Probeschicstens von der Nilandis i en Industrie den albanisäun Regierung die gelieferten Geschütze bc- glcitcten. Es ist seift begrcillich, da« die Offiziere bei d«m Alls beuch des Kampfes Nicht untätig bleiben wollten. Man kann dieses selbstverständlich nur dem Zusalle, dem Gebote unlwdiiigter älvt, keineswegs aber einem planmäßigen Vorgehen zuschreroen.

Dir jefciof Lage m Durazzo.

Rom, 26. Mai. TieAgenzia Steffl,n meldet aus Durazzo vom 25. Mai: Tic Nacht ist sehr ruhig verlaufen. Aus Befehl des Fürsten wurden beute vormittag sei,ic Kinder von derMisurata" ausgeschifft. Der österreichische .Konter­admiral hat dein italienischen Konteradmiral persönlich nnt- getcill, er habe heschlosseii, Matrosen zu landen, um zu sammen mit den italienischen den Sicherheitsdienst für die Königssainilie aufzunehmeii. Etwa fünfzig aldancsische «'.»Bk» kti Bord oin-s iifferrrffttf die n Torpedo­

boots an gekommen.

Durazzo, 26. Mai. Der gestrige Tag verlies ruhig. Heute morgen wurden die letzten Verwundeten aus Schiak abgeholt. Die Aufständischen ließen die Verwnndcten an Ort und Stelle behandeln: die Zahl der zurückgekehrten Gefangenen betrügt 100. Der Kontrollausschuß ist in der italienischen Gesandtschast zusflnunengetreten. Er begab sich darauf in das Palais des Fürsten. Das Ergebnis der Be­sprechungen wird geheim gehalten. Auch ein Ausschuß der Nationalisten begab sich in das Palais, um über di« innere Politik und die Maßnahmen zu beraten, die für die Aufrccht- erhattung der Ordnung in der Stadt notwendig sind. In Schiak wird die Ankunft Aufständischer ans Tirana erwartet, welche gleichfalls Wünsche vortragen wollen. Es heißt, sie wollen die Wiederherstellung der 'türkischen Regierung ver­langen.

Entsendung von internationalen Truppen nach Durazzo.

R o m, 26. Mai. Die Agencia Stesani meldet aus L o n- dou: Die russische Regierung teilte der französischen und der englischen Regierung mit, daß sic mit der Entsendung von .internattonalen Truppendctachements nach Durazzo zum Schutze des Fürsten Wilhelm und der Kontrollkom­mission einverstanden sei. Die französische Regierung sei ebenfalls geneigt, die italienische Regierung besteht daraus, und die Regierung von Oesterreich-Ungarn leistet keinen Widerstand. Die Entscheidung der deutschen und der engli­schen Regierung ist noch nicht bekannt.

Aus StaSt «nS LKRS»

Gießen, 27. Mai 1914.

Die Wahl eines Beigeordneten in Gießen.

Morgen, Donnerstag, werden die Stadtverordneten in geheimer Sitzung über die Wahl eines Beigeordneten be­raten. Wir stehen damit vor einem Schritte, der für die Stadt Gießen von großer Bedeutung sein wird und der kaum getan werden kann, ohne daß eingehende grundsätzliche Er­örterungen stattfinden. Die Fragen werden so zu stellen sein: welche städtischen Ausgaben stehen in der nächsten Zulunft im Vordergründe und inwieweit sind Kräfte vorhanden, die mit diesen Ausgaben eng vertraut und als besonders sach­kundig anznsprechen sind?

Da wir in Herrn Oberbürgermeister Keller einen Juristen ander Spitze der Verwallung haben und in ehrenamtlicher Bcigeordnctenstclle ebenfalls ein Jurist tätig ist, wird man ohne Frage davon absehen müssen, noch einen Juristen in die Verwaltung zu bringen. Es wird sich vielmehr darum handeln müssen, für die technische Arbeitskraft des früheren Oberbürgermeisters Mecum einen geeigneten Ersatz zu schassen. Wir haben nach dem Rücktritt des Herrn Mecum schon darauf hingewiesen, daß das Stadt­bild Gießens sich znm Teil ungünstig entwickelt hat. weil der frühere Oberbürgermeister wohl ein tüchtiger Techniker war, aber tu den Fragen des Städtebaues keine ausreichende Be­gabung und Erfahrung hatte, lins scheint, als müsse dieser Gesichtspunkt bei der bevorstehenden Beigeordnetenwnhl vorangestellt werden. Man denke nicht, daß nun gleich an die Errichtung neuer Rathäuser oder städtischer Prunk­baute« hcrangezogcn werden solle. Selbst wenn cs richtig ist, daß die bauliche Entwicklung der Stadt Gießen in den nächsten Jahren einen gemächlichen Lauf nehmen mag so sind doch die Gelegenheiten, wo der Stadtverwaltung ein architek­tonisch und künstlerisch gebildetes Auge nottut, überaus zahl­reich und mannigfaltig. Auch im kleinen kann da viel ge­sündigt werden, Wir verweisen daraus, wie z, B. beim Neubau des Hotels zum Einhorn und bei dem Anbau des Logen- gcbäudes an der Ost-Anlage Fehler hätten vermieden werden können. Wenn das Großh. Ministerium als höhere Instanz Entscheidungen fällt, die gegen das baukünstlcrischc Interesse verstoßen, so wird die zuständige städtische Stelle bei der erforderlichen Energie schon Mittel und Wege finden, der besseren Ncberzeugung zum Recht zu verhelfen.

Wir wissen es «wohl, daß bei der Beigeordnetenwahl andere wichlige Gesichtspunkte hinzukommcn. Der neue Be­amte muß ein tüchtiger Organisator sein, der die städti­schen Betriebe beaufsichtigen und rentabel gestalten kann. Nur ein. selbständiger, energischer Mann, der sich von Einflüssen mancherlei Art frei zu halten versteht, ist hier an, Platze. Wenn sich die Stadtverordneten morgen zur Beratung über dicsb Angelegenheit zusammcnfindcn, so ist es durchaus nicht erforderlich, daß sie gleich zu endgültigen Beschlüssen ge­langen. Am besten wäre es unseres Erachtens, die Beigeord- netenstcllc öffentlich auszuschrciben. Dann findet sich viel­leicht ein Bewerber, der den zu stellenden Anforderungen noch besser zu entsprechen vermag als Herren, die aus nächster Nähe etwa ins Auge gefaßt worden sind und als Schützlinge dieser oder scner Stadtväter dann vielleicht keine ganz un­abhängige Wirksamkeit entfalten könnten. So dringend ist die Wahlen tschei düng nicht, daß man nicht 'damit noch einige Wochen warten könnte. Soviel wir hören, ist dies auch die Stimmung bei der Mehrheit der Stadtverordneten.

»* Ta g e s ka l eder kür Mittwoch, den 27. Mai: Licht­spielhaus: Aufführung der Over .Martha' (6 1 /, imb 9 Uhr).

Tr > n ker- Fn r s or ge st e11 e kür Stadt und Landkreis Gieben, «Neben ttsterweg 9. Sprechslunbe jeden Tonncrstag abend 6 bis 7'/. Uhr.

** Gewcrbcausstcklung Gießen. Die beiden Hauptgewinne für die Gcwcrbcausstellungslotte- ric im Werte von 10000 bezw. 4000Mk. sind von der Lottc- riekommission angekauft worden. Der erste Preis besteht aus einer Vicrzimmerwohnung (Salon, Wohnzimmer, Speise­zimmer, Schlafzimmer und Küche), der zweite Preis aus Schlafzimmer und Toilettezimmer. Beide Preise werden noch durch Ankauf von Kunktzu-a-ifftänden eraänzt. Die anaekaus-

teu.Gegenstände sind in der Ausstellung durch Plakate ge­kennzeichnet. Der Ankauf der weiteren Gewinne erfolgt erst kurz vor Schluß der Ausstellung. Es hat sich hcranse- gcstcllt, daß eine Reihe von Familien für ihre über 18 Jahre allen Söhne Bcikarten zu 60 Pf. gelöst hat, statt Dauerkarten zu 5 Mk., wie dies von der Ausstellungs­leitung bestimmt war. Da hieran vielfach die Unkenntnis dieser Bestimmung Schuld trügt, so nmcht die Ausstellungs- leitung die Besitzer solcher Karten darauf aufmerksam, daß der Umtausch dieser Beikartcn in Dauerkarten unter Var- rcchnung der verauslagten 60 Ps. an der Tageskasse erfolgen kann. Die Kontrolleure sind strengstens angewiesen, auß Jiinehaltung der von der Llusstellnngslcitnng getroffenen Bestimmung zu achten und jeden Fall der Zuwiderhandlung zu melden. Es wird ferner darauf aufmerksam gemacht, daß die Karten mit dem Namen der Inhaber zu versehen sind und daß diese Karten nicht von anderen Personen benutzt werden dürfen. Trotz des anhaltenden Regcnwetters ist ein starker Besuch der Ausstellung zu verzeichnen. Eifrig begeben sich die Besucher von Stand zu Stand und suchen das Neue und Eharakterifttsche für sich zu gewinnen, rt. a. war gestern die Bergschule aus Bochum (Westfalens mit 57 Stu­dierenden und 3 Dozenten hier, um unsere Ausstellung, be­sonders die Bergwcrtsabteilung, zu besichtigen. Ferner war die Oberktass« der gewerblichen Fortbildungs- schnle aus Wetzlar mit 30 Schülern der Mcchantter- abtcilung unter Leitung, ihres Fachschulleiters O st e r aus Wetzlar hier anwesend.

** Landesuniversität. Der juristischen Fa- kultätsprüsung unterzogen sich diesmal zwölf Kandi­daten. Davon bestanden acht (zwei mit gut, einer im ganzen gut, fünf genügend).

" Die mündliche Prüfung für Finanz-Aspi­ranten der mittleren Finanzbcamtcn fand in Darmstadt statt. Unter den 35 Kandidaten bestanden die Prüfung die Finanz- aspiranten Ludwig Höhn an zweiter Stelle und an vierter Stelle Hans Becker, beide aus Gießen.

**Ter dritte hessische Schlosse rm eist er- t a g wird in den Tagen vom 4. bis 6. Juli in O f f e n b a ch abgehalten.

** D a s Konzert in der Gewerbeausstel- l u n g, das für heute abend 8 Uhr angesetzt worden war, fallt wegen des schlechten Wetters a u s.

** Stadttheatcr. Das Kgl. Kurthcater Bad-Emls wird, wie bekannt, morgen Donnerstag ein Gastiviel geben. Zur Auf­führung gelangt die Millöckerschc OperetteDer Bettclstudcnt". Beginn der Vorstellung abends 8 Uhr.

**K apirän Jean Ina utn", ein Lustghmnastiker und Tiirmscilkünstler, kommt in diesen Tagen von Bingen hierher, um auf dem Jurvlatze an der Lahn mit seiner Frau und einer Truppe von Variete-Künstlern während der Psingsftage Vor­stellungen zu geben. <

** Die Frauen nnd die Wirtshauskonz^s- s i o n. Nachdem in den letzten Krankenkassensvahlen ein Teil der hiesigen Frauen das Wahlrecht ausgcubt Hat, ^ommt nun imVerein für F r a n c n st i m m r e ch t" ein Thema zur Behandlung, das sich, wie man uns schreibt, mit einer künftigen Erweiterung des Genieindewahlrechts aller Frauen befaßt. Der Vortrag des Pfarrers Grein aus Käichen b.Fricdberg überDie Frauen und die Wirtshauskou- zession", das sog. Gemeindebestimmungsrecht, wird vor allem das Interesse der Frauen in Anspruch neh­men dürfen, da eine reichsgesetzliche Neuordnung der Be- dürfnisfrage bevorsteht. Daß den Frauen ein Recht auf Mitbesttminung bet Erlanbniscrteilung innerhalb der Ge­meinde zustehen sollte, ist längst anerkannt, da sie unter dem Alkoholismus am meisten zu leiden haben. Der deutschen Zentralstelle für das Gemeindebestimniungsrecht in Berlin, die seit Monaten Untenschriften für eine Petition zur Neu­regelung der Bedürfnisfrage sammelt, ist auch von Gießen eine stattliche Anzahl Namen zu gegangen. Es ist also zu er­warten, daß die Interessenten die Gelegenheit zur näheren Belehrung am 29. Mai, Freitag abend S l k Uhr, im Hotel Schütz gern benutzen werden.

»«'Mit der S ch w e i n e s e u ch e und Schweine- p e st sind nach den letzten amtlichen Veröffentlichungen 15 Gehöfte in O b e rh« ss e n in 10 verschiedenen Gemeinden und 4 Kreisen befallen. Zwei Fälle davon sind neu binzn- gekommen. In Starkenburg bestehen zurzeit sechs, in Rhein- Hessen ein Fall von der Schwcincscuche und Schweinepest.

** Kleine Mitteilungen. Vom Unglück veriolgt wird einc Familie in Si l b c r g. Vor längerer Zeit fiel ihnen ihr Söhn- chcii aus dem Bett und brach das Genick und letzt kam ihnen ihr sünffährigcs Mädchen, das einzige Kind, dadurch ums Leben, daß c« sich schwere Brandwunden zuzog. - Eine Erweiterung ibrcs Ge- schästsbctricbcz beabsichtigt die KonservenfabrikHelvetia" in Ulrvß-Gcrau. Das Aktienkapital soll von 1250 000 2Rk. auf 1 750000 Mk. erhöbt werden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr kommen 6 Prozent Dividende zur 'Auszahlung.

Landkreis Gießen.

O k> euchelheim, 25. Mai. Tie Schülerzahl ist vier gegen das Vorjahr um 22 Kinder zurückgeaangen. Tie achtklaslige Schule ist mit 532 Kindern iu das neue Schuljahr eiugetreteu, mit­hin entlaNe» au! eine Lehrkraft 54 Schüler.

A Ober-Bessin ge u, 26. Mai. Am Sonntag hielt Ingenieur Serth von der SteiniSmühle bei Münster im Saale des Gastwirts Jacob einen Vortrag über seine Reisen in Shrien, Palästina und Aegvpten, welchen er durch etwa 60 selbst ausgenommene Lichtbilder erläuterte.

ll. Lollar, 24. Mai. Nächsten Mittwoch, den 27. Mai, abends 8 Uhr, findet aus hiesigem Rathause eine öffentliche Ge- mcindcratssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1 Bachschau an der Lumda (Beseitigung der Slnständei, 2. Be­schwerde von verschiedenen Einwohnern über den starken Antomobil- verichr aus der Ortsstraße, 3. Llnkaus der Fuhrwerkswage an der alten Bahnlwssttaße. Eine Kirchen Visitation fnnb heute in der Kirche zu Kirchberg durch den Superintendenten für Ober- Hessen, Herrn Tr. P e t c r s e n - Darmstadt, statt.

Krcis Alsfeld.

h Alsfeld, 26. Mai. Der Direktor des hiesigen Stadt- tbeaters, Willi Reuß, ist mit Hinterlassung recht erheblicher Schulden seit ei-igen Tagen spurlos verschwunden. Auch den Schauspielern blieb er die letzten Gagen schuldig. Die schwer in Not geratenen Künstler spielen nunmehr aus einige Faust und eigene Rechnung weiter.

Kreis Lauterdach.

R. Souterbad), 26. Mai. Wege» Verheiratung der bis­herigen Lehierin der W a n d e r b a u S h a l t n n g s s ch u I c iür den Kress Lauterbacb mußte der Unterricht maugclS einer ausgebildeteu Lehrerin seit Frühjahr 1913 ausgesel.t werden. Nachdem sin iimi- mebr iu uräuleiu Anna Iöckel von liier, die an der Lllice- I ch » l e zu Wieben einen einjährigen 2tusbildungskursus besuchte, eine Narblolgerin aeumden hat, so können in diesem Jahre die Koch- knrse wieder aiöqenommen werde».

Angersbach, 24. Mai. Die am Freitag anberaumte landespolizeiltche Prüfung der Pläne für den 'Ausbau des Bahnhofes zum Wagenladungsverkehr ist erfolgt und es sind dabei Beanstandungen nicht gemocht worden. Es sind ziemlich erhebliche Aenderungen und Der-