Juriiif, das; dir Insurgenten nur verhandeln wollten, wenn sic bis ans Meer gelangt seien und daß ein weiterer Verhandlungsvcrfuch unnütz sei. Infolge von Gewehrseucr und in der Bcwrgnrs, daß die Insurgenten, deren Grimm durch die Kanonad' und infolie des ,rana:isnius auis höchste gestiegen war, Durazzo plündern tonnten, bemühte ich mich,/ Maßnahmen tzu treffen, um Sie, italienisch» Kolonie in die Gesandtschaft oder aut Schiffen in Sicherheit zu bringen. Bald daraus brach eine unbeschreibliche Panik aus. Ich begab mich zu dem F ü r st c n, teilte ihm die Flucht der Nationalisten mit und bat ihn, sich m i t d e r Fürstin und den Kindern in Sicherheit zu bringen und dann die Landungsdetachcments zurückzuziehen, um ernstere Zwischenfälle zu vermeiden, Das war notwendig, weil die katholischen Malissoren ein Gegenstand der Provokation sür die Muselmanen bildeten. Es wurde beschlossen, die katholischen Malissoren aus die Schisse zu bringen, die Fürstin aber erklärte, sie würde sich nicht von dem Fürsten trennen. Man beschloß dahsr, das; auch der Fürst zcittveise sich an, Bord der „Misurata" begebe Alle Anordnungen wurden in größter Schnelligkeit getroffen. Gegen Abend machte ich mich IN Begleitung oeo rumänischen Gcianötcn sowie des österreichischen, französischen und englischen Telegierten aus den Weg, um mit den Unterhändlern Iwr Jnsnrgentcn zusammenzntres en Aus derStraste nach Tirana begegneten nur einem holländi ch m Kapitän, der unter dem Geleit von drei unbewaffneten Insurgenten, welche d»c Parla- mcntärslaggc trugen, stand und erklärte, er sei gekommen, um namens der Insurgenten dem Fürsten mitzuteilen; I dre Insurgenten wollten ihm durch Unterhändler ihre Forderungen aü den Fürsten überreichen; 2. die Gefangenen würden alle erschossen werden, wenn bis morgen abeich 8 Ulir der Rapitä.i nicht mit einem Bricie des Fürsten zurücktehr'e, der eine günstige Antwort erhielte; 3, sie forderten, daß die Waisen niemals mebr a-oen sie gekehrt würden, — Dem Fürsten wurde geraten, sich sogleich in seinen Palast zu begeben, tvo er den Kapitän empfing, uno -.en Blies, betreffend die Forderungen der Insurgenten, Unterzeichnete, Der Fürst forderte, man solle ihm die Matrosenabtcilungen als Eskorte mitgeben. Ich verhandle noch mit meinem österreichischen Kollegen über diese Frage, damit keine Zwischenjälle ein- trelen oder cs zu einem Konflikt kommt, in den die italienischen Matrosen verwickelt werden könnten. Der von den Insurgenten mit den Forderungen abgesandte Kapitän berichtet, diese seien 2000 Mann und mehr stark, Tie Bewegung scheine überhaupt einen religiösen Charakter zu haben, aber es sei nicht ausgcschlofUe 4 dis an den Prsirden die treuen Anhänger Essad Paschas im geheime» teilnehmen. Jedenfalls handle es sich/, da dieser niemals die Möglichkeit hatte, mit seinen Anhängern in Verbindung zu treten, sicherlich um ein. Erhebung spontaner Natur, Die italienische Gesandtschaft ist voll von Mitgliedern der Kolonien, von Albanesen und den diplcmnr- tischcn Vertretern, dcncn Gastsreundschaft gewährt wird,
Tie Kämpfe mit den Aufständische».
R om, 24, Mai, „Giornale d'Jtalia" veröffentlicht folgendes Trlegramni ihres Korrespondenten in T u r a z z o; Gestern mittag verkündete rin Kanoirenschust den Beginn des Kampfes, Es war der holländische Oberst Thomvsoii, der von den tzügeln Du- razzos aus zwei Geschütze gegen die Äiisstäiidischen befehligte, die Schüsse waren jedoch wirkungslos, Tic albanischen Truppen standen lunier dem Besch! der Majore Glnys, Rosjclma »nd des Druvt- Manns Gumpenberg, ter in der Schlacht schwer verwundet lvurde. Die Bevülkerimg Durazzos geriet in Schrecken und verbarrikadierte sich in den Däusern, weinend die italienischen Seeleute sich zur Ber teidigung der Gesandtschaft und des Fürstenvalastes zurechtmachten, Nachmittags Ivuroe der Kamps heftiger. Das Automobil eines Italieners namens Mosria brachte Tote und Verwundete in die Stadt, Zahlreiche muselmanische Frauen flüchteten in die italieiriscke Gesandtschaft ünd aus Schisse, die den Flückstlingen zur Verfügung gestellt worden waren. In der Stadt sind mehrere hundert Verwundete, Tie Verluste der Aufständiichcn sollen groß sein, D u r a z z o, 24, Mai, Das M inist« riuni hat gestern abend seinen Rücktritt überreicht. Ein falscher Alarm' entstand infolge eines Gewehrschusses, der zusällig losging, während ein österreichischer Wachiposten seine Waffe lud, The Maliilorcn haben sich geweigert, den Befehl, gegen die A u s st ä n d r - scheu zu marschieren, auszufllhren, indem sie erklärten, der Zioeck ihrer Gegenwart sei nur der Schutz des Fürsten, Tie italie- Znische Gendarmerie unter dem Befehl holländischer Offiziere marschiert gegen die Aufständischen von S ch i a f. Man hört in Durazzo Schickse von Gewehren und Maschinengewehren in der Richtung aus Schiak, >
Die Europäer, die darum ersuchten, an Bord der italienischen Schiffe gebracht zu werden, und die italiönischen Matrosen sind on Bord der Schiffe zurückgekehrt. bis aus eine 30 Mann starke Besatzung, die zum Schutze der italienischen Gesandtschaft zu- Lückbliebcn. Tie Aufständischen Machten vier holländische Offiziere zu Gefangenen, Eine Abordnung der Aufständischen mit Mitgliedern des internationalen Kontrollrrusschusses, die den Aufständischen enigegengesahrcn waren, um mit ihnen zu
vcrweitung vom Rohgummi bis zum Riesenschlauch ist zu sehen, Jnvalidcnsahrzcuge, Geldschränke in allen Größen, Zementwaren und Kunststein, Wand- und Bodenfliesen, Haus- und landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, eine unabsehbare Fülle,
Etwas versteckt sind die cheniische Industrie und ihre Zweig- acbiete, die hochinteressante Glasbläserei, Farbenfabrikation, Seifensiederei und die Keramik in Daus IV untcrgebracht, dem ehemaligen Laboratorium Licbigs, D a u s V ist in der Dauptsaäw dem oberhessischcn Bergbau gewidmet, und wenn der Laie diese reichbeschicktcn Räume durchsclweitet, dann Ivird er einen Einblick bekommen in die außerordentliche Bedeutung, die der Bergbau für Oberhesicn bat. Eine größere Anlage gibt ein natürliches Bild von einem Braunkohlenstollcn im Betrieb, in dem sich Jahrtausende alte Baumstämme rinden, die durch die Gewalt der Erdbewegungen zu den unglaublichsten Formen zusammcngepreßt sind. In demselben Dause sind auch verschiedene Bohrmaschinen ausgestellt, die jedermann interessieren, während die dicht dabei untergebrachteu Erzeugnisse der Salinen wohl mehr für ältere Herren Nlit guten, Lebenswandel brstinnnt sein mögen.
Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten dürfte der riesige Dandwebstuhl sein, auf dem' der Damast sür den großhcrzog- lichen Dos gewebt wird. Der an sich so einfache Wchstuhl birgt ein verwirrendes Grslecht von tausenden von Fäden, zwischen denen der Weher gelassen und ohne merkliche Kraftvergeudung sein Schiffchen bewegt, daß es zum Staunen ist. Im Raum daneben ist auch ein mechanischer Webstuhl in Tätigkeit, Autogene Schweiß- onlaacn rm Betrieb, die Sattler und Ofensetzer sind im selben Dause untergcbracht.
Durch einen gewaltigen, aus Stein und Putz gebildeten Torbogen treten wir ,n die nach Plänen des Herrn Architekten Ernst S ch Mi d t hcrgeitcllte Fr redhossanlage, die ganz besondere Reize birgt und ,» der Tat „ein Platz der wehinntsvollen Betrachtung ist", wie der offizielle Führer sagt, Natur und Kunst sind hier auss innigste verichmolzen, und wenn erst die gärtnerisclnm
Sil l n ** V\. a f (im K /vi i ,s S«__^ w; . ' ... • , ' ' .
,, . ausgestellt, wäh
rend aut dem Platz vor dem Hauptgebäude die Erzeugnisse von Baialtstcinbrüchen sowie Pflasterciarbcitcn ausgestellt sind.
Damit wäre unser Rundgang beendet, obwohl wir manches überschlagen haben, sa die PerückcnMackwr, die aber auch ut den Be- klcidungskünstlcrn gerechnet werden können, die Schlosser, Ziml- gießer, Küfer, das Fröbelseminar, die vereinten Architekten und manches andere, was noch Anspruch darauf hätte, hier erwätmt , 1 , werden, Bor allem sind das, wenn auch nicht zum eigentlickien Ausstellungsgut gehörig, aber doch mit überlieferten Rechten auf besondere Beachtung bedacht, die lieben kleinen Mädels, die ihre blanken Augen so lustig unter den neuen Strohdächern Hervorblinkcar lassen, daß man vlötzlich wieder merft, wie fröhlich eigentlich dir Frühlingssonnc scheint.
Die kleinen, süßen Mädels! Beinahe hätte man sie vergessen! Also, lassen wir die Ausstellung und wenden wir uns ihnen zu. Aber, bitte! K. N,
verhandeln, ftst in durazzo angekonrnien. Sie stellte das Ansuchen,
mit dem Fürsten zu sprechen Der Fürst begab >ich intolgedesten m ÄegleitRng seines @)citer<iIftQbc3 intb bc3 ualtcntiajcn. ^rdmirais Triseri um 7 Uhr 30 abends wieder ans Land
Durazzo, 24, Mai. Die F ü r st i n begab sich um 9 Uhr abntb3 wieder ait Land. An Äord des itLlienrscyen ^.anzer^ kreuzers MisuraM" sind nur die Kinder des Fürhenpaares und das Gefolge zurückgeblieben. Italienische Matrosen ivurden aus Wunsch des Fürsten zur Bewachung des Palastes uuss neue aelandet . «
Balona, 24, Mal, (Agenzia Stesani), Der mtcrnatronale Kontrvllausschuß hat aus den Dampier „Peuceta' nach Dii razzo erngcschifft. Die Kabelocrbindung Balona-Durazzo,ist unter brachen, 500 Freiwillige aus Balona warten aus ern Schiss, das
' U 'st fo24,'a'ia'i. (St. St. Wiener Korr -Bureau,l Infolge der Ereignisse be, Siak und Kawaia stellte sich die Bevölkerung von Balona und aus der Umgegend jojort der R e g r e r u n q z u r B c rs üg II ng, NM die Jniereffcn des Vaterlandes zu verterdigen. Dank des Patriotismus der Bevölkerung besitzt die Regierung ge- nügenl-e Sireilkiältc, um die össeot'ickw Ordnung nnedcrh.rzustellen. In der ganzen Präfektur von Balona herrscht vollitandrge Ruhe,
Au» firiien.
Der Antrag Grünewald und Geno s s _c n , b e- treffend Ueberweisung der Wahlprüfungcn au das Großh, Oberlandesgericht, ist vom Zweiten Ausschuß der Zweiten Kammer mit allen gegen eine Stimme abgelchnt ivordcn. In dem jetzt gedruckt vorliegenden Ausschußberichi heißt es;
Die sämtlichen übrigen Mitglieder des Ausschusses vertreten den Standpunkt, daß das Recht, die Legitimation der Mitglieder zu vrüsen und über die Gültigkeit der Wahlen zu entscheiden, ein wesentliches, durch die verschiedenen Verfassungen garantiertes Recht der gesetzgebenden Körperschaften sei, auf welches diese ohne zwingende Gründe nicht verzichten sollten. Es wurde daraus hin- gewiescn, daß mit ein Grund für die seiner Zeit ini Reichstag angeregte Frage, die Wahlprüiungcn einem besonderen Gerichtshof zu übertragen, der gewesen sei, daß cs bei der groben Zahl der, zu prüfenden Mandate kaum möglich sei, dieselben innerhalb einer Legislaturperiode zu prüfen, und daß es häufig vorkomme, daß über Wahlprüfungen oft erst kurz vor Schluß eines Reichstags entschieden wurde. Dieser Grund treffe für unsere Zweite Kammer nicht zu, da es sich in dieser immer nur um die Prüfung weniger beanstandeter Wahle» handle. Ernste Mißstände, die es rechtscrtigen könnten, aus das Recht, die Legitimation der Mitglieder selbst zu prüfen, zu verzichten, hätten sich bis jetzt bei uns nicht ergeben, es könne nicht anerkannt und müsse vielmehr eine cntgcgcnstchende Behauptung zurückgcwicsen werden, daß die Mitglieder des Wahl- Vrüsungsausschusscs, bezw. die Abgeordneten bei ihren Entscheidungen über die Gültigkeit der Wahl rines Abgeordneten sich von Parieirücksichten leiten und die objektiven Momente dabei außer acht ließen. Es wurde daraus hingewiesen, daß man darüber, ob geringe Ordnungswidrigkeiten, welche bei Wahlen Vorkommen, zur Ungültigerllärung einer Töahl führen müssen, verschiedener Auffassung sein könne und daß solche divergierenden Auslassungen mit zwingenden Gründen nicht aus die verschiedene Parteizugehörigkeit der Abgeordneten zurückgesührt werden dürsten, auch die Mitglieder der Gerichte seien Menschen und Hallen in zweiscl» hasten Fällen sicher auch verschiedene Ansichten,
Die Gewährungdes Heilverfahrens anin- validenversicherie Mitglieder der Fürforge- kasse für Gemeindebeamte, Der Abg, lleoel hat in der Zweiten Kammer folgende dtTinNÜche Anfrage gestellt: Ist cs Großh, Regierung bekannt, daß die Jnvalidenversichc- rungsanstalt für das Großherzogium Dessen wiederholt versicherten Gcmeindebeamten und -Bediensteten, welche zugleich Mitglieder der Fürsorgekasse sind, ein ärztlich beantragtes Heilverfahren 1269 bis 1274 RBO,> verweigert hat, iveil die Fürsorgekasse nicht einen Teil der Kosten übernahm, obschiin letztere nach den gesetzlichen Bestimmungen Aufwendungen sür Heilverfahren zu machen nicht in der Lage ist? Was gedenkt Großh, Regierung zu tun, um diesen die betreffenden Mitglieder der Fürsorgekasse schwer schädigenden Mißstand alsbald zu beseitigen?
Zur Abänderung des Feldftrafyesetzes vom 13, Juli 1904 hat Äbg, H a u ck in der Zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht:
Ich beantrage zu Anikel I:
Dem ersten >rmtz des Absatz 4 in Artikel 17 folgende Fassung zu geben;
Das Sammeln von Unkraut oder anderen Bodcner- zieugnissen, die für den Besitzer des Bodens keinen Wert haben, bleibt stroslos, cs sei denn, daß es sich um besamte Grundstücke handelt, oder von dem Eigentümer, sonstigen Nutzungsberechtigten oder der Ortspolizeibehörde verboten ist.
Im Artikel 43 hinter der in der Regierungsvorlage vorgc- schmen Einfügung anzugliedcrn:
„Artikel 32 Nr, 3. Artikel 36, Artikel 38 Nr, 7, Artikel 40,"
Deutsche» Reich.
Ein Dan kerlaß des Kaisers, Der „Reichsan- zeigeV veröffentlicht folgenden aus Wiesbaden vom 14, Mai datierten Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler; Aus Ihrem Berichte habe ich mit großer Befriedigung entnommen, daß zahlreiche Deutsche im In - und Anslande freiwillige Beiträge zu den Kosten der Verstärkung der Wehrmacht geleistet haben. Es ist mir ein .Herzcnsbedürfn-is, allen, die durch solche Beiträge ihren vaterländischen Opfersinn in rühmlicher Weise betätigt haben. Meine Anerkennung und Meinen Dank aus- zusprcchcn. Dieser Erlaß ist zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
Zur Frage der Auslösung der national- liberalen Sondergruvpen, Der Geschästsführcnde Ausschuß der nationalliberalen Partei hat, so schreibt die „Natl, Korrestz.", durch seinen Unterausschuß am Donnerstag, 21, Mai, unter dem Vorsitz des Abg. Dr, v, Krause in Erfüllung des ihm vom Zentralvorstande erteilten Auftrages mit den Vertretern des Reichsverbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend und des Altnationalliberalen Reichsverbandes über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Auslösung beider Verbände verhandelt. Die in durchaus parteisrenndlichem Geiste geführte Besprechung ergab den allseitigen guten Willen, etwa vorhandene Unzuträglichketten zu beseitigen. Insbesondere wurde die beiderseitige Bereitwilligkeit und Absicht scstgestellt, bei künftigen Meinungsverschiedenheiten streng darauf zu achten, daß die Auseinandersetzungen nach Ton und Form sich in den durch die Zugehörigkeit zu derselben Partei gebotenen Grenzen halten. Man vereinbarte, bei etwaigen Differenzen eine Verständigung durch Vermittlung des Geschästsführenden Ausschusses zu versuchen. Die Vertreter beider Verbände bezeichneten in eingehender Begründung die Erhaltung ihrer Verbände im Par- telinteresse als notwendig und deren Auslösung als undurchführbar, Dagegen wurde aus beiden Seiten der Wunsch laut, zu einer häufigeren persönlichen Fühlungnahme zu gelangend um Meinungsverschiedenheitenmöglich st au s- iugleichen und Streitigkeiten vorzubeugen, Ter Gctchästssnhrende Ausschuß wird nunmehr zu diesem Ergebnis der Verhandlung Stellung zu nehmen haben,
Die englischen Arbeiter und Ange st eilten verließen am Samstag mittag Berlin, Zum Abschied auf dem Bahnhof hatten sich Vertreter der Berliner nationalen Arbeiterverbande eingefmrden.
Tic GemeinderalSwapten in Elsaß-Lothringen, Aus Straßburg wird gemeldet; bier gingen am heutigen Sonntag die Gemeinderaisnachwahlen bei wenig reger Beteiligung vor sich. Bemerkenswert ist das Ergebnis in der Jn- dustriestadi Thann, wo die Sozialdemokraten unterlagen und im neuen Gemcinderai nicht mehr erscheinen. In Z a b e r n lwben die Nachwahlen eine wescnilichc Aenderung der bisherigen Zusammenjetzung des Gemeinderais »ich, ergeben, In M ü l h a u s e n ging in allen drei Bezirken die Kompromißliste durch. Gewählt wurden 7 Fortschrittler, 8 Zentrum und 3 Wirtschaftler, zusammen 18 gegenüber 18 im ersten Wahlgang bereits gewählten Sozialdemokraten, In Siraßburg scheint ein Tieg der Kompromißliste gesichert. In Kol mar siegte die Blocklistc, das Zentrum brachte noch 5 Kandidaten durch, Ter neue Gemeinderat setzt sich zusammen aus 22 Fort- ichrittlcrn, 5 Sozialdemokraten und 6 Anhängern des Zentrums,
Aurlanv.
Die griechische Kammer hat im Prinzip mit 8l gegen 26 ^-timinen die Abtretung der Insel Sas. s e n o an Albanien beschlossen.
Die Reform der Landesverteidigung in Schweden, Dem schwedischen Reichstage ist eine Rcgie- ruiigsvorlage betr, die Reform der Landesverteidigung zu- gegniigen. Danach umfaßt die Wehrpflicht die Zeit vom 20. bis zum 42, Lebensjahre, während sic nach dem gegenwärtigen Gesetz vom 21. bis zum 42. Lebensjahre besteht, Tie llebungszeit der Infanterie ist aus 340 Tage festgesetzt. Die Kricgsbcreitschat lvird verstärkt, Rescrveabteilungcn werden in großer Ausdehnung organisiert. Die Flotte wird aus acht Panzerschiffen vom Tyv des Panzerschiffes „Sverige" und lü Torpedobootszerstörern bestehen. In Hernoesand wird ein Stützpunkt sür die Küstenperteidigung des nördlichen Schwedens errichtet. Die Gesamtausgaben werden auf 63 Millionen Kronen für die Verteidigung zu Lande und 30 Millionen sür die Verteidig nngzur See geschätzt. In diesm Jahre sollen 56 Millionen bezw, 30 Millionen gefordert werden. Es ist eine erstmalige W e h r st e u c r aus große Vermögen geplant, die etwa 75 Millionen einbringen soll.
Au» StaSt unv Lanv»
Gießen, 2b, Mai 1914.
Die Straßenbahn Gießcn-Wicseck,
= Wiesc ck, 25. Mai,
Ebenso schnell, wie die Verhandlungen als gescheitert angesehen werden konnten, gab die Wiesecker Einwohnerschaft ihr Votum gegen den Beschluß des Gemeinderais ab, Ebensalls mit einer unzweideutigen .Klarheit, aber einmütiger und geschloffener stehen die Wiesecker hinter ihrem Beschluß, Wer noch der Meinung war, daß die Behauptung, Vio der Einwohner sind gegen den am letzten Dienstag gefaßten Beschluß zu hoch gegriffen, konnte sich am Samstag abend überzeugen, daß es in Wieseck heute nur noch sehr wenige gibt, die den Wunsch nach eznar Straßenbahn nicht haben. In der sehr stark besuchten, össenllichcn Bürgcrversammlung am Samstag
abend im Zieglcrschen Saal war wohl niemand
anwesend, der allen Ernstes den Standpunkt vertreten hätte, cs bei dem letzten Gemeinderatsbcschliiß zu lassen und ans die Slraßcnbahn zu verzichten. Aber der Wunsch wurde laut, daß es hoffentlich das letziemal sei, daß die Einwohnerschaft in einer solchen Weise zu der Angelegenheit sprechen muß. Dies konnte sür den Fall versprockwil werden, daß man endlich alle Experimente betr, der Liniensührmrg unterläßt, Ueier die Bei- tragsleistimg soll gegebcncnsalls eine nochmalige Versammlung entscheiden,
Tic Rednerliste der Versammlung wies nicht weniger als 57 Namen auf, Gcmeinderat O b w a l d erklärte, warum der Be- , schluß zustande gekommen ist. Vier lange Jahre habe man sich • bemüht, um die Angelegenheit zum Abschluß zu bringen. Als man sich soweit glaubte, kam der Bescheid, alles, was bisher geschehen. sei wertlos. Da sei es begreiflich, wenn dem Gemeinde- rai der Geduldsfaden reiße,
Bürgermeister Schombcr macht darauf aufmerksam, daß ein Gemeinderaisbeschluß nicht einfach rückgängig gemacht werden kann, sondern nur rm Vcrwaltungsstrertversahren durch die Bürgerschaft angcfochten werden könne. Als er daraus aufmerksam gemacht wird, daß ihm als Vorsitzenden doch auch einfachere Mittel und Wege zur Verftigung stehen, verspricht er, die Anssührung des unglückseligen Beschlusses auszusetzen und in einer Gemeinderatssitzung im Lause dieser Woche die Angelegenheii erneut zur Beschlußfassung v o r z u l e g c n. Dies wird an- erlanni und mit Freudm begrüßt.
Zur allgemeinen Genugtuung hatte sich Prof, Dr, U r st a d t - Gießen aingefunden, welcher erklärt, daß er lieber nach Wieseck m i 1 der Straßenbahn gefahren, als wegen der Sttaßenbahn nach Wieseck gelaufen wäre. Man möge auch nicht denken, daß er als Stadtverordneter als Vertreter der Stadt oder auch nur einer Gruppe gekommen sei. Als Landtagsabgcordnetcr vertrete er auch Wieseck, er habe also deshalb die Pftichi, auch die Interessen Wieiecks zu vertreten, Ties steht in keinem Widerspruch mit seiner Tättgkeit als Stadtverordneter Gießens, Er legt sodann seine in der fraglichen Gicßener Siadlverordnetmsitzung eingenommenen Standpunkt dar nnd kommt aus den bekannten Wiesecker Beschluß zu sprechen. Er kann den Wiesecker Gemvinderäten die ausgestiegene Verärgerung sehr gut nachsühlen, aber das, was man cherausgelesen, habe nicht in dem Schreiben des Herrn Oberbürgermeisters Keller gestanden. All die Schreiben und Versprechungen seien auch in Gießen vorhanden, diese seien aber rechtlich vollkommen unverbindlich. Auch der Gang der Verhandlungen sei damals nicht richtig gewesen, der beste Weg sei der vom Oberbürgermei st er Keller vorgcschla- g c n e, der den festen Willen habe, die Angelegenheit so bald als möglich zum Slbschluß zu bringen,
Bürgermeister Schombcr ersucht, sich zunächst über die Linienführung auszusprcchen und betont ganz besonders, man möge hierbei die O s s e n h a l t u n g nach Ilten B II s e ck im Auge behalten. Von verschiedenen Seiten nßrd erklärt, daß als Linienführung innerhalb Wiesecks nur die Verkehrsstraße, die Gießc- ner Straße in Betracht kommen kann, das habe Wieseck bereits in einer Eingabe an die Stadt Gießen mit 854 Unterschriften dargetan, Ter Weitersührung nach Alten-Buseck ständen keine Schwierigkeiten im Wege, Der Gemeinderat habe doch bereits beschlossen, eine neue Straße vom Unterdors nach der Alten» Busccker Straße zu eröffnen, cs stlehe dann nur ein kleiner Stall im Wege, der mit geringen Kosten beseitigt werden könne,
Nrrch langem hin und her — Mitternacht war längst vore über — konnte der Vorsitzende Scherer feststellen, daß die folgende Entschließung einstimmig angenommen worden ist:
„Die heute abend versammelte Bürgerschaft Wicsccks erllärt, daß als Liiriensührung der elektrischen Straßenbahn innerhalb Wiesecks nur die Gießener Straße in Betracht kommen kann.
Die Gießener Straße ist die Verkehrsstraße Wicsccks und als solche der einzige Zugang nach Gießen, Tie Versammelten ersuchen den Gemeindevorstand, in diesem Sinne zu beschließen und mit der Stadt Gießen zu verhandeln.
Um die Wetterführung der Bahn nach Alten-Buseck zu ermöglichen, gibt die Versammlung dem (bcmeindevorstand die Er- mächttgnng, sich ergebende Schwierigkeiten aus Kosten der Gemeinde zu beseittgcn.
Ferner «wsucht die Versammlung den Gemcindcvorstand, unbedingt an der Einführung von Abonnements sestzulialten."
Das erfreuliche und bedeutsame hieran ist, daß die A n - nähme dieser Entschließung in einer so stark besuchten Versammlung nicht den geringsten Widerspruch erregte und in völliger Einstimmigkeft erfolgen konnte. Es ist das jedcnsalls ein


