Ausgabe 
22.5.1914
 
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fall? erschienen war, zu der Entfernung Essäbs. Der Fürst dankte in kurzen Worten.

Durazzo, 20. Mat. Essad Pascha hißte bei seiner Kohitulalion eine weiße Fahne, istach seinem Eintreffen auf dem KriegsschiffSzigetvar" wurde ihm der Säbel adgenommen. Essad, der in der Kapitänsbafute interniert wurde, wird als Offizier in Festungshaft behandelt.

Najch einer Akitteilung von unterrichteter Seite läßt der Fürst von Albanien eine Untersuchung gegen Es­sad Pascha durchführen, von deren Ergebnis die Ent­scheidung des Fürsten über das weitere Schicksal Essad Pa­schas abhängt Hier erwartet man, daß die Angelegenheit ohne Aufschub erledigt wird

Wie dieTribuna" mittcilt, drangen am 19. Mai, 4Uhr morgens, die Nationalisten unter Führung von halländischen Offizieren in den Konak Essad Paschas ein und erklärten ihn für verhaftet. Essad schloß die Tür auf und feuerte mehrere Revolvcrschüssc gegen die Holländer ab, worauf ein heftiges Gewehrseuer begann. Auch sieben Kanoucn- schüsse wurden abgegeben und zwar, wie Augenzeugen ver­sichern, von österreichischen Offizieren, welche vier Tage zuvor in Turazzo eingetrosfen waren, um dem Fürsten beschütze zu übergeben, vom Fürsten aber noch zurückgehalten worden waren. Nach den ersten Kanonenschüssen zeigte Essad Pascha eine weiße Fahne, worauf Moltedo zu ihm in den Konak ging. Essad ergab sich ausdrücklich den Italienern. Eisads Frau flehte den italienischen Offizier an, ihren Mann zu retten. Durch diplomatische Verhandlungen wurde fest­gelegt, wie Essad abgeführt werden sollte. Admiral Trisari kam aus eine Aufforderung des Fürsten in den Palast, und es wurde beschlossen, nachdem der Fürst zugcsagl halte, daß Essad nichts geschehen solle, diesen durch ein ilaticnisch-öster- reichisches Pikett abführen zu lassen.

Um 8 Uhr vormittags wurde Essad Pascha, nachdem er dem italienischen Dragoman seine Revolver übergeben hatte, von einem gemischten Pikett in Begleitung des Sekre­tärs des Fürsten Armstrong unbehelligt auf den österreichi­schen KreuzerSalvator" gebrackst, wo er zu seiner Sicher­heit zur Verfügung des Fürsten festgehalten wurde Er b e - teuerte seine Unschuld in >eder Hinsicht Bei der Beschießung seines Konaks waren drei seiner Diener ge­lötet worden.

Wien, 20. Mai. DieAlbanische Korrespondenz" mel­det aus Durazzo: Essad Pascha hat durch Agen­ten die Landbevölkerung aufrcizen lassen und ihr den Be­fehl erteilt, gegen Durazzo zu marschieren: die Bewegung nahm jedoch für Essad eine ungünstige Wendung. In Tirana und Schjak erhoben sich die Bauern gegen die Grundherren und töteten mehrere Beys, darunter zwei Mitglieder der Familie Toptani.

Einer Blättermeldung zufolge sei mit Zustimmung Oesterreichs und Italiens beschlossen worden, Essad Pascha nach Tripolis zu deportieren

Durazzo, 21. Mai. Essad Pascha ist gestern auf Befehl des Fürsten von dem österreich-ungarischen Kriegs­schiffSzigetvar" an Bord eines italienischen Schiffes ge­bracht worden, das nach Brindisi in See ging. Vor seiner Freilassung Unterzeichnete Essad Pascha ein Protokoll, in welchem er sich verpflichtete, sich in die inneren und äuße­ren Angelegenheiten Albaniens nicht mehr einzuinrschen. Abends um 11 Uhr ist Essad Pascha mit seiner Frau in Brindisi angekonnnen Beide reisen nach Neapel weiter.

Die weiteren Schritte des Fürsten.

Der Fürst hat die demissionierenden Minister ersucht, ihre Portefeuilles zu behalten. Der Minister des Post- und Telegraphenwcsens Hassan Bei-Prisckitina hat einstweilen zu seinem Ressort die von Essad Pascha bisher innegchab- ten Ministerien des Krieges und des Innern übernommen. Die Aufstandsbewegung der Bauern vor Du­razzo ist friedlich b e i g e l e g t. In der Stadt herrscht vollkommene Ruhe.

Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pascha ist am Mittwoch nachmittag von Oscnpest nach Wien abge­reist, von wo er sich nach Berlin begibt.

Pariser Pressestimnien.

Paris, 20. Mo,. Di« Blätter beschäftigen sich leb­haft mit den Vorgängen in Mbanien. DerTcmps" schreibt:

Die Verhaftung Essad Paschas war nur dadurch möglich, daß österreichische und italienisch« Truppen in Turazzo gelandet wurden. Hierdurch nnrd ein europäisches Problem auf­geworfen. Wir wollen die Wsichten Oesterreichs und Italiens Nicht verdächtigen, aber itir Vorgehen bedarf, um gültig zu sein, der Zustimmung der anderen Großmächte. Wir wollen keine Scknvicrtgkeüen hcrvorruien, aber wir verlangen, daß die sra»- zösijche Diolomatie die Mächte des Drcibnndes daran erinnert, dan die Trivcl-Entnite existiert. Wir wollen, daß Frankreich, feine Verbündete» und seine Freunde die sich darbietcnde gün-z stige Gelegenheit benutzen Als wir im Jahre 1907 infolge der Ermordung mehrerer unserer Landslcuic gezionngcn waren, in Casablanca Truppen zu lande», als die Revolte von 1911 uns nötigte, den General Monier nach Fez zu schicken, wußte! jedermann in Deutschland, daß Frankreich nur der gebieterischen Notwendigkeit Rechnung trug. Das hat die deutsche Regierung rrmuligt. Einsprüche zu erheben, welche ihr schließlich den Kongo eingetragen haben. Wir wollen den gegenwärtigen Stand zu kei­nen Gcbietsvergrößerungen benutzen, aber da die Diplomatie des Dreibundes, und insbesondere Deutschlands, Nils in ocr- schiedenen Punkten zu Leibe rückt, wünschen Nur. daß Frankreich IN jenen Punkte», wo man seines guten Willens bedarf, z,l verstehen gibt, daß dieser gute Wllle entsprechend vergolten werde. Ist dies hinreichend?

DasJournal des Debats" schreibt:

Wenn Italien und Oesterreich-Ungarn, die ein unabhängiges Mbanien verlangten, in Verlegenheit geraten, dann können sic sich nur selbst die Schuld zuschrciben. Ws sie im Jahre 191» die Errichtung eines unabhängigen Albaniens verlangt haben haben sie eine unversiegbare Quelle von Zwistigkeiten geschassen' Es »t nur gerecht, wenn sic die ersten sind, die darunter zu lei­den haben.

schlecht zu der Fest-

TasJournal des Debats nähme Essad Paschas:

Die aus Ersuchen des Fürsten Wilhelm von den Mannschaften der fremden s,atwns,chse durchgeführten Polizei,na,mabmen hatten teincsloegs den Clwraktcr einer Intervention. Sie hätten ebensogut von ruülschen. englischen oder französischen Mann­schaften dnrchgeiübrt werden können, wenn diese auf der Reede von Durazzo anwesend geivescn wären. Um aber in dieser Hinsicht sedcs Mißverständnis zu zerstreuen und für den Fall, daß die österreichi­schen und italienischen Zusicherungen nicht genügend erscheinen sollten, könnten die anderen im internationalen Kontrollausichuß vertretenen Mächte gleichfalls Schiffe nach Durazzo enticnden. Vor­läufig ist da nichts anderes zu tun.

Die Lage in Durazzo

Durazzo, 20. Mai. Der gestrige Nachmittag und Abend verlieicn ohne Zwischenfall: die Nationalisten durchstreif­ten den ganzen Abend die Straßen. Die von den holländischen Ossizieren gclrostenen inilitärischen Vorkehrungen wurden unver­ändert ausrcchterhalteu. Es verlautet, daß Leute Essad Paschas den nationalistisch gesinnten Mafar Bcv und Mulnrü Bey ge­tötet, Rcsek Beg und Abdl Bey, sänitlüb Mitaliedec der Fa­

milie Toptani, schwer verwunde! hätten. Ter Leibarzt des Für­sten, Dr. Berzhausen. begab sich im Auftrag des Furlten mtt Verbandszeug nach Tirana. Das Kabinett bot gestern abend dem Fürste» mündlich seinen Rücktritt an.

Cattaro, 20. Mai. 'Der kleine geschützte KreuzerAd- irriml prfarft Tiarf) ^5) U t Ü } A 0 SU QCQCIt-

Oie mexikanische Zrage.

Niagara Falls. 20. Mai. Die Unterhandlungen wegen der mexikanischen Frage haben heute nachmittag offiziell begonnen. . _ . . -

Die Lage in Mexiko. Aus Mexiko C i t v wird vom 20. Mal gemeldet: D i e La ge wird a l^ sehrernu an ge­sehen Man befürchtet, daß in einigen Dagen ein Au fit and ausbrechcn wird. Die Telegraphenleitung nach uc-an Luis Potofi durchschnitten. Es heißt, daß lne Konittlutionalisten Geiadaliara angreisen.

Huerta ha! eine Erklärung abgegeben, dav er die mexika- .lschen Friedensdelegierlen ermächtigt habe, feinen Rücktritt an- jubieten, falls dies zur Lotung der mexikanische» Frage notig ie>.

Dentschsr Reich.

Der Kaiser stattete am Mittwoch nachmittag dem Reichskanzler einen längeren Besuch ab

Der Vorschlag eines Reichstarifs für die Arbcits- und Gehaltsverhältnisse der R e ch t s a n w a l t s b u r e a ii b e a m l e n ist vom Vertreter­tag des deutschen Anwaltsvereins mit der Begründung abgelehnt worden, daß die Verschiedenheit der örtlickzen Verhältnisse die Festsetzung und Beobachtung gleichmäßiger Grundsätze nicht gestatte Deshalb hal>en die Vertreter der heteiltgten Bureauangestelllenorgailijationen fVerhand Deutscher Rechtsanwalts- und Rotariatsbiireaubeamten Wiesbaden, Verband Deutscher Burcaubeamten, Verband der Bnrcanangestcliten Deutschlands, Bund süddeulsckfer Aiiwaltsgehilscii-Verbände) beschlossen, einmütig gegen diese sachlich nicht gerechtfertigte Stellungnahme der Or- gantsatiou der Rechtsanwälte Verwahrung einzulegen, zu­gleich aber überall da, wo lokale Auwaltvereinigungen bestehen, mit diesen in örtliche Tarisverhandlungen einzu- treteu Es wird zu diesem Zwecke die Abhaltung eines Allgemeinen Deutschen Anwaltsange st eil­ten-Tages geplant, der am 7. Juni in Leipzig statl- sinden und zu einer einmütigen Kundgebung der deutschen Anwaltsangestellten ausgcstaltet werden soll.

Tie Betriebseinnahmen der preußisch­hessischen Staatseiscnbahnen betragen im April 1914 gegenüber ?lpril des Vorjahres im Personenverkehr 11,8 Millionen Mark, gleich 2,3 Prozent mehr, im Güter­verkehr 3,6 Millionen, gleich 2,6 Proz. weniger, insgesamt unler Berücksichtigung einer Mchrcinnahme aus sonstigen Quellen 9.8 Millionen, gleich 4,89 Prozent melzr 1914 fiel das Osterfest in den Monat April, im Vorjahre in den Monat März. Der April des laufenden Jahres hatte des­halb zwei Feiertage inehr und zwei Werktage weniger ats der April des Vorjahres. In diesem wurden überdies die Einnahmen aus dem Güterverkehr durch den damals aus- brecheuden Streik der Bergarbeiter ungünstig beei.mlußt.

Die englischen Arbeiter in Berlin. Aus An­laß des Besuches der englischen Arbeiter und Angestellten fand am Mittwoch abend eine vom Empfangskomitee ver­anstaltete Massenkundgebung für den Frieden zwischen Deutschland und England in dem Rie­sensaale derNeuen Welt" auf der Hasenhaide statt. Die weiten Räume waren Kopf an Kopf gefüllt. Die Gesang­vereine des deutschen Werkmeisterbundes trugen einige Lie­der vor. Alsdann begrüßte Staatssekretär a. D. Dern- b u r g die Engländer i» englischer Sprache namens der eigentlichen Kameraden der Gäste, der deutschen werk­tätigen Bevölkerung und der deutschem Arbeiterschaft. Der Gcncralsupcrintendent von Berlin, Lahusen, begrüßte die englischen Gäste im Namen der evangelischen Kirche Berlins, ebenfalls in englischer und deutscher Sprache. Andere deutsche und englische Redner schlossen sich an. Die Abordnung der englischen Arbeiter und Angestellten wurde Mittwoch nachmittag in der Halle des Bundcsrats im Reichstagsgebäude durch den Staatssekretär Dr. Delbrück in Vertretung des behinderten Reichskanzlers empfangen. Staatssekretär Dr. Delbrück dankte dem eng­lischen Sprecher in herzlüifen Worten für die dem Reichs­kanzler aus Anlaß des Tra.uersa.lles in dessen Familie bezeugte Teilnahme. Er versprach, diesem davon Kennt­nis geben zu motten und fuhr dann fort' Eines herzlichen Empfanges können Sic sicher sein. Erblicken wir doch in Ihrem Kommen ein neues Zeichen dafür, wie stark das Ge­fühl der Ziisammengchörigkeit des deutschen und eng- lischen Volkes gerade aus kulturellem Gebiet entwickelt ist. Tie englischen Arbeiter und Angestellten folgten am Mitt­woch vormittag einer Einladung der Stadt Berlin nach dem Rathausc als Gäste und wurden vom Oberbürger­meister Mermuth willkommen geheißen.

Auslanv.

Die deutschen Entschädigungsansprüche nach dem südafrikanischen Krieg. Im englischen Unterhaus fragte Godsre« Baring lUnionists an, wie die gegenwärtige Lvge bezüglich der Forderungen sei, welche deutsche Slaatsangehörige erhoben hätten, deren Eigentum wahrend des südafrikanischen Krie­ges zerstört oder beschädigt ivordcn sei und wie hoch sich die Fordes rungcn bezissertcn. Parlarncntsuntcrsekrctär Ae l and erwiderte, die Angelegenheit erfahre eine sorgfältige Prüfung, aber die brittsche Regierung müsse sich Mt der südafrikanischen Regie­rung in Verbindung setzen, bevor diesbezügliche Mitteilungen ge-, macht werden könnten. Die Höhe der Forderungen betrage 121 000 Pfund.

Im englischen Unterhaus wurde der Gesetzentwurf über die Trennung von Kirche und Staat in Wales in dritter Lesung Mt 328 gegen 251 Stimmen angenommen. Der Entwurf, der vom llnterhause nnnmehr in drei autetnandcrsolgen- den Sitzungen angenommen worden ist, geht jetzt an das Oberhaus. Nach der Parlamentsakte wird eine Ablehnung durch die Lords nicht verhindern, daß der Gesetzentwurf in kurzer Zeit Gesetz wird.

An» Stadt nnd Land.

Gießen. 22. Mai 1914.

Zum Umbau der alten Klinik.

Das für den Wettbewerb zur Erlangung von Plänen über die Einrichtung der alten Klinik für Zwecke der städti- ichen Verwaltung eingesetzte Preisgericht hat in seiner zweiten Sitzung am Mittwoch die Entscheidung gefällt Von den eingereichten 14 Entwürfen wurden als die besten erachtet die Entwürfe mit den Kennworten:Barbara" "^Ue Raume neue Bezeichnungen",Provisorium",Achte

, 4-"^Preisgericht verteilte die zur Preisverteilung vc fugbare Summe von 2000 Mk. in folgender Weise'

600 Mk. dem Entwurf mit dem KennwortBarbara Verfasser. Karl Schön. Regierungsbaumeistcr a.' OUU Mk. dem Entwurf mit dem Kennwort:Alte Räun neue Bezeichnungen. .Verfasser: Architekt Hai Meyer, Weben.

500W21. dem Entwurf mit dem Kennwort:Provisorium*,

Verfasser: Architekt H. G a r n o n , Gießen.

406 Mk. dem Entwurf mit dem Kennwort:Achte das Alter", Verfasser Georg Mohr, Gießen, Land­grafenstraße 5

Der Wettbewerb ergab, daß die in der Raumbedarss- nachweisung ausgeführtcn Räume einschließlich Reserven in den vorhandenen Gebäuden zweckentsprechend unkergebracht werden können.

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** Zum Leutnant befördert wurde der Fähnrich W a l t e r im Ins.-Regt. Kaiser Wilhelm <3. Größt,. Hess.) Nr. 116.

** Gewcrbeausstellnng Gießen. 'Tie Gewerbeaus stcllung hate auch am Donnerstag wiederum einen außerordentlich starken Besuch aufzuwciscn. Nachmittags waren die Ausstellungs­räume von Fremden überfüllt, während man sich abends in dem Garten und den beiden Rcstaurationsräumen drängte. Eine haupl- anzichung für die Gartenbesucher bildete das Nachmittags- und Mcndkonzert der Kapelle Bauer, die feljrn beifällig ausgenom­men wurden. Auch am nächsten Sonntag sollen wiederum 2 Konzerte lvon 47 u. 811 Nhrl stattsinden, deren Ausführung der Gieße- ner Regimcnt-kapclle übertragen worden ist. Am Mittwoch wurde die Ausstellung vom Ministerialral Schticphake und Oberregie­rungsrat Dr. Graes vom Ministerium des Inner», Mteilnng für Handel und Gewerbe,, besucht Tie Herren sprachen sich sehr anerkennend über die zahlreiche Beteiligung an der Ausstellung und die ausgestellten Gegenstände aus In den nächsten Tagen wird auch der Minister des Innern erwartet. Von den Ansstcllungs- leiter» wird darüber Klage geführt, daß gestern mehr als 40 Herren entdeckt wurden, die. trotzdem sie über 18 Jahre alt waren, mit eine Reihe von Besuchern sestgesteltt, die ans Karten cingctrctcn sogenanntenBeikarten" die Ausstellung besuchten. Ebenso wurde waren, welche au> einen anderen Namen lauteten. Die Betreffenden wurden zur Anzeige gebracht.' In Zukunst sollen auch die fälschlich benutzten Karten vernichtet werden.

** D i e O pc ret t en g a st svie l e des Emser Kur­th e a t e r s begannen am Mittzooch abend Mt einer hübschen Auflührung vonPolenblnt", die bei dem nur mäßig be­setzten Hause sehr starken Beifall fand. Die gefällige Musik ^kebdals Iveist einige hübsche Lieder auf, die zum Teil wiederholt werden wußten, und die Regie Herrn Schillers, sowie die Einstudierung durch Kapellmeister W e i n a ck taren das übrrgc, um dem Stück zu einem schönen Erfolg zu verhelfen. Es bandelt sich um einen jungen, verbnminelten Gutsbesitzer, dessen Be­sitzungen dadurch wieder in die Höhe gebracht iverden, daß sich eine verschmähte Polentochter als Wirtschafterin bei ihm ver­dingt, in der Absicht, ihm den Kopf zu verdrehen, und chn daittt sitzen zu lassen. Sie verliebt sich wider Erwarten auch in ihn und so endet die Geschichte mit einer Verlobung. Die Darstellung war sehr lobenswert. Herr Otto Schiller war ein ausge­zeichneter San Jan. Hans, 'Martini als Helsna spielte und sang ganz entzückend. Herr Abel war ein angenehmer, aber namentlich im rednerischen Teil Nicht durchweg besriedignder Graf Bolsslaw Einen Prachtkerl von einem Tr»'ttcl stellte Herr Beh- tensen hin. Eine ausdrucksvolle Tänzerin gestaltete Frl. Paul v, der in Frl. Koch eine resolute, sehr angenchni wirkende Mutter zur Seite stand. Eine ausg^cichnete Figur machte Herr Gros­ser als Mlrski. Die Kapelle tat unter Herrn Wetnacks Leitung ihre volle Schuldigkeit und ging gut mit.

** Stadttheater. Nachdem die Ausführung der reizenden OperettePolenblnt" evident erwiesen hat, daß das Eniler Knr- theater über vorzügliche Kräfte und ein tadelloses Zusammenspicl verfügt, ist sicher zu erwarten, daß das ziocitc Gastspiel am D o n - nerstag, de» 28. Mai, einen besseren Besuch aufzulveisen haben wird, zumal da die hier stets gern gesehene klassische OperetteTer B e t t c l st u d c n t" zur Slusfnhrung gelangt. BiNetbcstellungen bittet man an die Kasse des Stadttheaters zu richten.

** I m Lichts pielhausc wird, wie uns die Direktion mitteilt, von morgen ab der in allen Städten so riesiges Aufsehen erregende Riesen-KunslsilmDnrch Nacht und Grauen" vorgeführt. Das ,L>amburger Fremdenblatt" schreibt über diesen Film:Der Film:Durch Nacht und Grauen" zeichnet sich vor­nehmlich durch die Schönheit der kolorierten Bilder ans. durck, die die Interieurs einen lebenswahren, warmen Ton erhalten. Tas Stück ist reich an starken Kontrasten und führt in die Tiefen mcnschlichei' Verderbnis und menschlichen Kummers, und zwar in realistischer' Nacktheit. Unumwundene Anerkennung verdienen Regie und Darstellung Ar die packende Bilderfolgc und das dramattsch bewegte Gestenjviel."

** Güterregister. Gütertrennung haben verein- batt: Eberhard Ranft, Wirt und Weistbinderineister zu Allen- d o r s an der Lumda, und dessen Elxesrau Eltsabethc geb. Lotz.

** Grundstücks» erfeljr. Ein Grundstück zu Gießen, Walltorstraßc 41, das auf den Namen des Johann Jakob L a t h c r und der Marie Lather geb. Deibel, dessen Ghefraul, in Gießen, als Gesamtgut der ErrungcnschastSgenieinschast, eingetragen war, soll Freitag, den 10. Juli, vormittags 9 Uhr, durch das Amtsgericht Gießen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. Ter Bersteigcrungsvermerk ist am 17. Januar 1914 in das Grundbuch eingetragen worden. Grundstücke zu Gießen, Krosdorser Straße 17, die aus den Nampii der Eitler, Emilie geborene Eckhardt, Witive des Karl Euler IV., eingetragen waren, sollen Freitag, den 10. Juli, vormittags 8 , Uhr, durch das Amtsgericht Gießen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. Der Bersteigerungsvermerk ist am 30. Avril 1914 in das Grundbuch eingetragen worden. Grundstücke zu H i tz k i r ch c n, die aus den Namen des Schmieds Georg Birk in Hitzkirchen cingetrager waren, sollen am Samstag, den II. Juli, vormittags 10 Uhr, auf dem Tienstzimmer des Großh. Ortsgerichts zu Hitzkirchen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. Der Versteige- rungsvcrmcrk ist am 28. Oktober 1913 in das Grundbuch einge­tragen worden. I

** Die Arbeiten an der Umgehungsbahn.

Bon der Umgchungsbahn sind die Arbeiten zu Los 2 aus­geschrieben. Das Unterbietungsverfahren Hai die merkwür­dige Erscheinung gezeigt, daß der Unterschied zwischen dem Höchst- und Mlndestfordcrndei, rund 600000 Mk. beträgt. Die höchste Forderung ist rund 1.300 000 Mk., die niedrigste über 700000 Mk. Es handelt sich um 570 000 Kubikmeter Erdbewegung, die Errichtung eines mehrere Kilometer langen und bis 20 Meter hohen Dammes, sowie um Erbauung von fünf Brücken und Durchlässen.

** Schlägerei. Am Mittwoch abend entspann sich gegen 11 Uhr in einem Hause der früheren Schützcnstraßc eine Schlägerei, in deren Verlauf der eine der beiden Kämpen übel zugerichtet wurde. Ein vorübergehender Schutzmann konnte dem Lärm, der sehr die Nachbarschaft in Mitleiden­schaft zog, ein Ende machen und Ruhe stiften.

**JnderLahngeländeteLeiche. Gestern mor­gen wurde die Leiche des Arbeiters Becker aus Ensbach unweit der Mühle aus der Lahn gezogen, nachdem ein vor­überfahrendes Motorboot die Leiche ans Ufer gespült hatte. Es ist anzunehmen, daß Becker seinem Leben selbst ein Ende gemacht hat. Er wird seit sieben Tagen von seiner Familie vermißt, lieber die Gründe zu dem Selbstmord fehlt noch die Aufklärung.

** Kleine Mitteilungen. Bei der Motorensabrik in O b e r u r s e l stürzte die 62jährige Brigitte Möller infolge eines Schwindelansalles in den Bach. Sic erlitt hierbei schwere Verletzun­gen, die nach kurzer Zeit ihren Tod herbeiführten. Ein schwerer Unsall ereignete sich in dem Geisenheim er Kaolinwcrkc. Beim Ueberfahren einer Drehscheibe stürzte cin Sandwagcn um. Der Ar- better Wendltn Kilian aus Geisenheim geriet unter den Wagen. 'Der Verunglückte brach etncn Untcrschcnkcl, ferner erlitt ex ver­schiedene Quetschwunden.