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Der Sletzener Anzeiger
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Erster Blan
M- Jahrgang
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger sür Oberhessen
Mittwoch, r». Mai Mir
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monatlich75Pf., vierteljährlich Mt. 2.20: durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goet;. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz: für „Feuilleton^, „Vermischtes^ und.Gerichts- faal": Karl Neurath; für „Stadt und Land"
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Uuiv.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulstratze 7. Anze.gmwü:' si? B-c?.
Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten.
Aufruhr in Albanien.
Fürst Wilhelm in Gefahr!
Aus der Residenz des ehemaligen Prinzen zu Wied und drrmoligeu Fürsten von Albanien ist eine Hiobsbotschaft cin- gctroffen. die alle bisherigen Unglücksnachrichtcn übertrifft. Bor den Toren von Durazzo, in der zwei Stunden entsernlen L, rtschast S i a k, steht die Revolution, keine epirotischc, reine griechische, keine malissorischc. sondern eine — türkt s ch e! Die offiziellen Depeschen nennen den Aufruhr muselmanischen Fanatismus. Zum größten Teile find die Aufruhrer Bauern, die gegen ihre Bcis aufgebracht sind. Ihre Forderung: Befreiung vom Militärdienst und Einiichrung der türkischen Sprache statt der albanischen in den Schulen. I l b a n i c n s K a n z l e r E s s a d P a s ch a wird beschuldigt, leine Verivrcchungcn nicht gehalten zu haben, und Wilhelm I. von Albanien muß die Kanonen italienischer Kriegsschiffe nun gegen seine eigenen Untertanen zu Hilfe rufen. Kann es eine peinlichere Lage sür den Monarchen eines neuen Staatswesens geben? Wie ist diese neueste Rebellion zu bewerten? Nach den großen Verlusten der Türkei aus dem Balkan können sich gewisse türkische Kreise nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß ei» in der Mehrheit mohammedanisches Land wie Albanien von einem christlichen Fürsten regiert werden und unter dem Schutz der europäischen Mächte vorwärts kommen soll. Für diese Kreise, die überall ihre Agenten und Fürsprecher haben, gilt es als Grundsatz, daß Mohammeds Anhänger nur unter der Aegide des türkischen Reiches gedeihen können. Gin Verzicht auf diesen Grundsatz erscheint ihnen ein Fiasko des türkischen Staatsgedankcns auch heute, nach der Zurüekdämmung aus Europa, ja heute erst recht. Als im vorigen Jahre die Kandidierung des Prinzen zu Wied durch die Großmächte für den albanischen Thron bekannt wurde, ließ man in Konstantinopcl viele hervorragende Albanesen, die sich vorübergehend mit Erlaubnis der türkischen Regierung dort aufhielten, in die jungtürkische Ko- miteezentralc rufen und verlangte von ihnen die Unterschrift zu einer Erklärung, worin sic sich für einen mohammedanischen Fürsten und gegen den Prinzen zu Wied aussprechen sollten. Wer sich nicht fügte, wurde mit sehr unzarten Mitteln über die türkische Grenze geschafft, und obwohl die türkischen Planmachcr für ihre Absichten in Albanien damals nicht genügend viel Parteigänger fanden, haben sie den Gedanken einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Albaniens den Großmächten zum Trotz nicht aufgegeben. Man erinnert sich wohl noch gut des türkischen Putsches Anfang Januar dieses Jahres: 200 Parteigänger Jzzet Paschas reisten von Konstantinopel nach Valona in der Absicht, bei Nacht zu landen und die Bevölkerung auszuwiegeln, um den früheren türkischen Kriegsminister zum Fürsten von Albanien zu proklamieren. Die provisorische Regierung von Albanien, noch rechtzeitig gewarnt, verhängte sofort den Belagerungszustand über Valona und ließ ini Einverständnis mit dem Kontrollausschuß und den holländischen Gendarmerieofsizicren die türkischen Abenteurer festnehmen, soweit sie ihrer habhast werden konnte. Die verhafteten türkischen Offiziere waren mit großen Geldsummen und Schecks lversehcn, ein Beweis, wie gut alles in Konstantinopel ooc- ■bereitet war.
Tann kani der Prinz von Wied. Albaniens Küstenbewohner und die Intelligenz des Landes gingen ihm mit den freundlichsten Gefühlen entgegen. Aber unter der Landbevölkerung im Innern, insbesondere in den Bergen, brütete die türkische Apathie. Tie dort lebenden Bauern, die
Eichener ttonzertvercin.
Gießen, 20. Mai.
Ars X und letzte Konzert im 123. Vercinsjahr brachte einen Herrlichen Abschluß in der Ausführung des sür Gießen und wohl gür die allermeisten Zuhörer neuen Werkes: G. Fr. Haen- !dels Jephta. Dieses Wunderwerk scheint mir an Vielseitigkeit iund Reichtum alle andern Werke dieses unerschöpflichen Meisters zu überragen, selbst seinen Messias nicht ausgenommen. Mag -dieser auch in Charakter und Form geschlossener, einheitlicher lein und mag man ihm um seiner ungeheuren Wucht und Stileinheit willen den Preis zuerkcnnen, reicher, vielgestaltiger und dabei doch unberührt natürlich slicßt die Erfindung in seinem Jephta dahin Alle Empfindungen umsaßt dieses Werk von der tiestten und «rdabcnüen Tragik bis zur lieblichstmi Freude am chaiein. Man sollte dieses Werk öfter hören, um seine Schönheiten im einzelnen ganz kennen zu lernen; sicherlich wird es gerade dem Musikfreund immer wieder neue Herrlichkeiten erschließen.
Das Werk stellt insbesondere die Solostimmen vor eine große Ausgabe. Tie Hauvtschwierigkeit liegt in,einem gewissen Wechsel der Grundstimmung der Charaktere, der sich im Lause der Tinge vollzieht. Man darf etwa sagen, daß zunächst Hamor und I p h i s die Träger deslnrischen Elementes sind, der e i n - fachen, natürlichen Menschlichkeit — und daß Jephta und Hanna die heroischen Charaktere darstellcn. Später aber tritt eine Wandlung ein, weniger bei Hamor und Hanna - bei diesen zeigen sich mehr nur momentane Stimmungswechsel, am wenig sten bei Hanna —- dagegen wird Jephta unter dem Widerstreit seiner Gefühle aus dem Heroischen ins natürlich-menschliche Gebiet getragen, während in I p h i s der volle Umschwung zum Heroischen eintritt. _ . ^
Für die Solisten des geitrlgen Tages bedeutete diese Aufgabe .aus natürlichen Gründen eine säst unüberwindliche: Herr Tr. Moser hat den natürlichen Stimmcharakter für heroische Ausgaben und stand hier vor einer fast durchgehend lyrischen; sür !den Jephta wäre ein ausgesprochener Heldcntenor, aber mit der Fähigkeit, auch leichteren Stimmungen in so schöncrWeisc gerecht zn werden, wie dies Herrn Rn ge in seinen letzten Arien !vortrefflich geriet, am Platze gewesen. Frau Wern er-J cn s e n neigt, wie wir sa von früher her wissen nnd stets mit rettlosem Entzücken genossen haben, weit mehr zur Lyrik, als zn heroischen Gesängen, während Frl. von Ladiges eine im Werden begris- ifcne Heroine ist. der daher der Schluß bester geriet, als der -Anfang, obioohl ich nicht verkenne, daß sie stellenweise, insbeson-- jh«c bei tonmalerischen Gebilden, eine überraschende Leichtigkeit ßiersKiedergabc ciuwickclte (hie-und da mißriet cs freilich-auch).
durchweg Analphabeten sind, erhielten nicht die leiseste Ahnung von der neuen, selbständigen Regierung: ihnen blieb es ganz glcick>gültig, wer nun die Krone Albaniens trägt, und man hat es ihnen nicht schnell genug beige bracht, daß dieser Fürst der alleinige Herrscher des Landes geworden ist und nicht ein Vasall des Padischah. Bezeichnend ist, daß, nach einem Briese, einer der mohammedanischen Land^iuptlinge in Albanien kürzlich einem deutschen Reisenden "gegenüber äußerte: „Ich höre, daß jetzt der deutsche Prinz in Durazzo residiert: meinetwegen kann er residieren, wir weiden ihn nicht stören, wir erwarten nur, daß er uns nicht stört." Man sieht, die Durchdringung Albaniens mit dem Willen der neuen Regierung ist auch in den Anfängen noch nicht gelungen. Zwischen Fürst und Volk haben sich schon während der kurzen Zeit seiner Anwesenheit die Beis eingeschoben, die dem Volle klarmachen, daß die Regierung in Durazzo .nichts leisten wird, daß sie als einzigen Segen des neuen Regimes den Kriegsdienst fordert und die mohammedanische Sprache ausrottet. Es fragt sich mm, ob es dem Fürsten Wilhelm gelingt, aus eigener, oder was gefährlicher ist, mit fremder Kraft den Sturm zu beschwören, der jetzt aus den Bergen gegen Durazzo hcrunterbraust. Tic führende Intelligenz der Mohammedaner, die zur Schaffung Albaniens tatsächlich viel beigetragen und sich für die Wahl des christlichen Fürsten eingesetzt hat, ist cs, auf die nun alles ankommt. Hält sie zu bei* Fürsten, so kann noch alles gut werden. Bricht auch diese Mauer, so kann man dem deutschen Fürstensohn keinen anderen Rat geben, als unter dem Schutze der italienischen Schiffskanonen das undankbare Land zu verlassen und bessere Zeiten abzuwartcn.
Wir erhielten folgende Meldungen:
Durazzo, 19. Mai. Starke bewaffnete Banden, teils muselmanische Fanatiker, teils gegen ihre Behs aufgebrachte Bauern, sind gestern in die zwei Stunden von Durazzo entfernte Ortschaft Siak cingcdrungen nnd haben den Kaimakarn vertrieben. In Durazzo sind Schutz- maßregcln getroffen worden.
Wien, 19. Mai. Die „Neue Freie Presse" meldet ans Durazzo: Gestern nachmittag 6 Uhr hatte Essad Pascha «ine Audienz beim Fürsten Wilhelm, die sehr stürmisch verlief. Sie endigte damit, daß Essad Pascha seinen Rücktritt gab. Darauf organisierte Essad mit seinen 5000 Parteigängern, die außerhalb Durazzos kampierten, nnd 300 Anhängern, die in seinem Hause untergebracht waren, eine Revolte und gab heute früh selbst das Signal zum Kampf, indem er den ersten Schuß gegen das fürstliche Palais abfeuerte. Die von Oesterreich-Ungarn gelandete Batterie erwiderte sofort das Feuer. Das Haus Essad Paschas wurde beschädigt. Es gab m c h - rereToteundVerwundete. Sofort wurden mehrere Kontingente österreichischer und italienischer Matrosen gelandet, welche das Haus Essad Paschas belagerten und die Stadt besetzten. Essad schickte einen Parlamentär und bat um freies Geleit auf ein italienisches Schiss. Dieses wurde ihm jedoch verweigert und um 9 Uhr er undseine Gemahlin auf das österreichisch-ungarische Stationsschiff gebracht.
Essad Pascha gefangen gesetzt.
Wien, 19. Mai. Essad Pascha ist gelangen gesetzt und an Bord des österreichisch-ungarischen Kriegsschiffes „Szigetvar" gebracht worden, wo er vorläufig zur Verfügung des Fürsten verbleibt. Näheres ist noch nicht bekannt.
Bei einem solchen Werke sind nun Ausagben gestellt, die mir reifste Künstlerschast voll erschöpfen kann: sicher wäre das bei Frau Paula Werncr-Jenscn auch durchaus det Fall gewesen, läge ihr eben der Geiamtcharaktcr der Hanna. So aber wurde auch diese ausgezeichnete Künstlerin erst dem Engel ganz gerecht: hier war restlos auch der SsimmmigSgehalt erschöpft. Gewiß: hier ist ja auch vielleicht der Höhepunkt des ganzen Werkes und wir können uns rau freuen, daß gerade hier auch das Gelingen auf voller Höbe war. 'Für die andern drei Solisten war die Aufgabe noch zu groß ; wir dürsen hier noch nicht den Maßstab reifster Künstlerschast anjegen, dürsen uns aber doch vieles wohlgelungenen freuen. Vortreffliche Stimmittel und musikalische Begabung sind bei allen unverkennbar und der Weg zur Höhe ist bcschritten: üluswahl der Gesangspartien nach dem Grundcharakter der Stimme dürste anznraten sein — die Beherrschung aller Register vom Hcroisch-Traaischen bis zum Lvrisch-Empfind- samcn ist doch stets nur ganz Auscrivählten gegeben.
Sehr gut war die Leistung des Orchesters. Etwas mehr Ruhe in den beiden ersten Teilen des Werkes und insbesondere bei den Sologesängen hätte ich mir gewünscht: hier wurde stellenweise etwas gehastet. Die einzeln l>crvortretcndcn Instrumente, insbesondere die Bläser waren ausgezeichnet. Höchstes Lob verdient Frau Nebelung - Knapp: wir dürfen uns dazu graMlreren, neben Herrn Proscssor Trautmann eine so ausgezeichnete Begleiterin hier in Gießen zu l>abcn. Präzision und Tonschönhcit waren vortrefflich. Herrn G o e r l a ch möchte ich wünschen, daß unsere liebe Orgel nicht heimtückische Mängel hätte, die ihm ohne seine Schuld die Freude verderben und scheußlich störend wirken. Herrlich war die Orgel aber besonders bei Begleitung des Engels.
Köstlich war der Kindcrchor, frisch, schwungvoll und besonders die Soprane überraschen!) klangschön: da wächst ein köstliches Gut heran, dessen Pflege wir uns angelegen sein lasten sollten. Ter Akademische Gesangverein löste die ihm gestellten Ausgaben im Rahnien seiner stimmlichen Mittel: eine erfreuliche Ausgeglichenheit aller vier Stimmen, sodoß es keine der andern zuvorzutun reizte, verdient alles Lob. Es geriet nahezu alles, wenn auch hie und da ein Einsatz etwas zu schwach Lang und die Soprane auf einzelnen boet) gehaltenen Tönen nicht ganz rein waren: solche fleinen Unsälle hängen manchmal an einer momentanen Indisposition einzelner Stimmen. Für die Naturchöre und insbesondere sür den Schlußchor wäre freilich ein weit stärkerer Chor erwünscht: da müssen gewaltige Klangmallen wirken, die hier fehlte». Aber wer denkt da nicht an frühere Jahre, wo der Chor kauu,! halb, ia nur ein Drittel so stark war, wie heute —,
Durazzo, 19. Mai. Heute früh entwickelte sich ein Kampf zwischen der holländischen Gendarmerie und der Leibgarde Essad Paschas. Das Haus Essad Paschas wurde beschossen. Das Gesccht endete mit der Gefangen nähme Essad Paschas, der sich gegenwärtig an Bord des österreichiscks-ungarischen Kriegsschiffes „Szigctvar" in Gewahrsam befindet.
Durazzo, 19. Mai. Ter italienische Kreuzer „Dettor Pisani" und eine Anzahl italienisckier Torpedoboote'sind hier cingctrosfen. — Die A u s ständi s chen, die sich Durazzo genähert haben, stellen die Forderung, vom Militärdienst befreit zu werden, und verlangen Einführung der türkischen Sprache anstatt der albancsischen in den Schulen. Sie beschuldigen Essad Pascha, die ihnen gegebenen Versprechungen nicht gehalten zu haben. — Wie es heißt, ist Abdi Bey gestern ans dem Wege nach Tirana getötet worden.
Mitteilungen des Grafen Bcrchtold.
In der österreichischen Delegation machte gm gestrigen Dienstag Gras B e r ch t o l d nach ihm zugegangcncn Mitteilungen über die Lage in Albanien solgcndc Ausführungen: Die in den setzten Tagen verschäriten Gegensätze zwischen den Anhängern Essad Paschas und ihren Gegnern führten zu Bandenbildungen in der Nähe von Durazzo, was in Durazzo selbst Anlaß zu Besorgnissen gab. Zum Schutze der Sicherheit des Fürstenhofcs verfügten die Kommandanten des italienischen u nd des österreichisch-ungarischen Stattonsschisfes in ge- geuscitigeni Einvernehmen die Landung einer Matrosen- äbteilung, doch kam as nicht zu einem Eingreifen. Die italienische Regierung, welche nur ein viel kleineres Kriegsschiff als das unserige vor Durazzo liegen hat, hielt die Torvedobootsslottille zurück, welche seit einigen Tagen dort kreuzte. Essad Pascha befindet sich zurzeit an Bord unseres Kriegsschifles. Etwaige weitere Nachrichten behielt sich der Minister vor, den Delegationen mitzuteilen.
Die Niagara-Konferenz.
Washington, 19. Mai. Präsident Wilson hat den amerikanischen Vertretern auf der Niagara-Konferenz mitgeteilt, daß die Regierung die endgültige Beilegung der Streitigkeiten in Mexiko als Bedingung sür die Zurückziehung der amerikanischen Truppen ans Veracruz ansehe. Der Präsident gab den Delegierten keine besonderen Instruktionen mit, sondern ersuchte sie, sich abwartend zu verhalten uird Vorschläge entgegenzunehmeu, wobei er hinzu- sügte, daß der Frieden ihm von derEntfernungHuer- t a s und der Aufrichtung einer strengen und gerechten Regierung abhängig erscheine, einer Regierung, die bereit sei, unbeeinflußt» Wahlen vorzunehmen. Die Abgesandten Huertas erklärten sich bereit, den Rücktritt Huertas zu empfehlen unter der Bedingung, daß zuvor eine endgültige Entscheidung über die Art der Regierung getroffen werde, die folgen solle. Die militärische Lage in Mexiko bereitet der amerikanischen Regierung Sorge, da ein plötzlicher Ausbruch von Feindseligkeiten gegen die amerikanischen Truppen oder Verwicklungen in Tampico befürchtet werden, die die ganze Lage ändern könnten.
vcutscbe- NcicH.
Der Aeltestenrat des preußischen Abgeordnetenhauses, das auch am Dienstag bei der dritten Lesung des Voranschlags war, beschloß am gestrigen Dienstag, vom 26. Mai bis 9. Juni P s i n g st s e r i e n eintreten zu lassen. Bis zum 26. Mai soll die erste Lesung der Besoldungsnovelle und fleine Vorlagen beraten werden. Nach Pfingsten wird die 2. und 3. Lesung der Besoldungsvorlage und die ersten Lesungen des Fideikommiß- und Fischercigcsetzes stattsinden. Voraussichtlich wird der Landtag
wir sind eben sehr, sehr viel anspruchsvoller geworden! Und daß wir das hier in Gießen geivorden sind, verdanken wir in erster Linie Herrn Professor Trautmann. Recht verstanden ist das das größte Lob, das man einem Dirigenten spenden kann: denn darin liegt die Anerkennung, baß er das ganze musikalische Leben einer Stadt zur Höhe zu führen verstand — und das ist nicht leicht! Auch die Aufführung von üaendcl's Jephta verdanken wir in allererster Linie seinem Wirken; sie war im ganzen vortrefflich' -b-
Thomas ttoschat
Ter bekannte Volksliederkömvonist Thomas Koschat ist im Alter von 71 Jahren in Wien gestorben.
Thomas Koschat, der Sänger des allbekannten Liedes „Verlassen bin i" ist an Arterienverkalkung, 71 Jahre alt, in Wien gestorben. Erst vor wenigen Jahren halte er sich in den Ruhestand begeben.
ttoschat wurde in Biktring bei Klagenfurt geboren und hat aus der Wiener Universität Phllosophie und Naturwissenschaften studiert. Bald aber gab er sich ganz dem Vokalbcrui bin, erst als Chorführer an der Wiener tzosovcr, dann als Mitglied der Tom- und Hofkapclle. Ter Riesenerfolg seiner Lieder enthob ihn bald materieller Sorgen. Von d?m schönen Kärntnerland aus haben sich seine Gesänge, ursprünglich sür Männerguartett geschrieben, in ein- und mehrstimmigen Bearbeitungen, mit oder ohne Zither- und Klavierbegleitung in allen Tonlagen das ganze deutsche Sprachgebiet erobert, während auf ihrem geistigen Heimatboden, Kään- ten, mehr und mehr das Tentsä-c mit dem rapid anwachfenden Slooenisch zu kämpsen hatte.
Koschat war eigentlich bis zuletzt froh und sangessrisch und war nach wie vor der beste Interpret manches ferner melodiösen, gemütreichen und humorvollen Lieder, zu denen er auch selbst die Dichtungen schrieb. Weitaus das verbreitetste von allem, was Koschat komponiert hat — und seiner Werke gibt es eine große Zahl — ist sein bereits genanntes „Verlassen, verlassen bin i". Es ist eines der wenigen Kunstlieder, die zu einer volkslied- artigen Popularität gekommen sind. Sehr bekannt sind seine Quartette und Chöre und die Melodien des Singspiels „Am Wörthersee", Werke, die in Text und Konlposition nach ihrer lyrischen Art und ihrem Humor an die besondere Weite der Kärntner Volkslieder erinnern und auch in der Faktur den dort heiurischen volkstümlichen Liedern und mehrstimmigen Gesängen nachgeahmt sind. — -•


