ritte berechtigte Forderung dcS Militärs'. ?tur in dem Umfang toie bisher ijt sie nicht nötig. Es ist wohl zu beuchten, daß viele Leute den strengen Arrest lieber ertrugen, als eine langandauernde Gefängnisstrafe, auf die sonst erkannt werden mutzte. Die Strafe soll streng sein, aber nicht Körper und Gei st zerrütten. Es stcbt doch nichts im Wege, selbst bei Fahnenflucht von der Vcr- setzung m die zweite Klasse des Loldatenstandes unter Umständen abzusehen. Man kann das Vertrauen zu den Kriegsgerichten haben, datz sie im einzelnen Fall auf das Richtige erkennen. Bei Fabne, lucht im Felde werden sie zweifellos immer daS strengere Urteil fällen.
Abg. Wnldstein (Dp.):
Wir muffen uns entschieden dagegen verwahren, datz von der Lex Erfurt als von einem Abenteuer gesprochen wird. Das ganze Haus mit Ausnahme von ganz wenigen Konservativen hat ibr zugestimmt. Ist denn vor 1885 der Zustand hinsichtlich der Koutrollversammlnngen so unerträglich gewesen? Damals warj das Rechtens, was heute die Kommission verlangt. Die führungen FehrenbachS waren recht bedenklich und können zuj Manchen Mitzvcrständniffen Anlatz geben. Von allen Seiten wird, der jetzige Zustand als unerträglich empfunden. Ich kann mir; nicht denken, daß der KriegSminister ciuer Verbesserung wider-; strebt. Wo steckt dann aber der Widerstand gegen diese notwendige. Reform? Eine so veraltete Ltrasart. wie der strenge Arrest, derj zu Zeiten Friedrichs des Grotzcn angebracht war, ist heute un-> möglich. Man spricht immer von militärfreundlichen und militär-, feindlichen Parteien des Hauses. In diesem Falle sitzen die! Mililärsreunde auf der linken Leite (Beifall links).
Kriecisminister v. Falkenhayn:
Wenn gesagt wird, die ärztliche Untersuchung vor Verbüßung der Arreststrafe laffe merkwürdige Schlüsse zu, so erinnert das an Aeutzerungcn, die bei der Erfurter Uebung gemacht wurden. Es hieß, die Verwaltung habe Betten bereit gestellt, um Kranke auf- zunebmen, habe also die Absicht gehabt, eine Uebung abzuhalten, bei der die Leute krank gemacht werden mühten. Jedermann, der in Arrest geführt wird, wird untersucht, das ist eine der menschenfreundlichsten Einrichtungen die es gibt. Daran ist nichts auszu- setzcu. Ob der Zustand vor 1874 so schlecht war, weih ich nicht, ich kann nur versichern, daß die damalige Heeresverwaltung unter dem Minister von Kainecke dre feste Ueberzeugung hatte, datz nach den Erfahrungen bei den Kontrollversammlungen derartige Bestimmungen nötig waren. Ob die erste reichsgerichtliche Entscheidung 1885 ergangen ist. hat damit gar nichts zu tun. (Unruhe liulr.) Jedenfalls waren darüber von der Heeresverwaltung sehr eingehende Erwägungen angestcllt worden. (Unruhe und Zurufe links.) Ja, ich war damals noch nicht Kriegsminister. Wenn der Abg. Waldstein sagte, die Vorschläge, die hier über den strengen Arrest gemacht würden, seien so selbstverständlich, datz er nicht glauben könne, ich leiste Widerstand dagegen, nnd weiter fragte, wer ist es, der Widerstand leistet — so muh ich ihn enttäuschen.
Ich bin es wirklich gewesen (Heiterkeit), und zwar in Ueb reinstimmung mit den verbündeten Regierungen. Es ist s-ehr wobl erwogen worden, ob man in der Milderung des Strafrechts jetzt weitergehen könnte. Die Sache ist allseitig ventiliert worden, aber jedes weitere Vorgehen in dieser Richtung rief Widerspruch und Unstimmigkeiten hervor. Ta hat man sich gesagt, eS ist unmöglich, bevor nicht die allgemeine Neubearbeitung des Strafgesetzes durchaeführt ist. Wie die Abgeordneten van Ealker und Fehrenbach soll man die Sache sehr nüchtern erwägen. Auch die Bestimmungen hinsichtlich der Fahnenflucht im Komplott sind nach meinen Erfahrungen nicht möglich. Etwas Derartiges wirkt aus die Truppe zu schwer ein. Im Interesse der Disziplin ist cs dringend geboten, die Mindeststrafe nicht herabzusetzen. Fehrenbach hat selbst angedeutet, datz die Heeresverwaltung aus den ^Antrag Müller- Meiningen nicht eingehen könnte, weil es möglich sei, daß man sich zu einer Herabsetzung auf sechs Monate entschließen könntet Wenn solche Meinungsverschiedenheiten entstehen können, dann m iffen «re auch mir gcrcchterwcise zubilligen, daß ich in einem solchen Zweifelsfall sage: Dann wollen wir nicht an das Gesetz rühren.
In der kurzen Zeit von SonnbenL bis heute, Montag konntt ich die Konsequenzen nicht prüfen. Im Falle der Fahnenflucht im Felde mutz auf Versetzung in die zweite Klassd Erkannt werden, wie bei Fahnenflucht eines Offiziers auf Entfernung aus dem Heere. Die Kommissionsbeschlüsse wollen nur die Möglichkeit zulaffen, diese Strafe auszusprechen. Es besteht volles Vertrauen zu unseren Richtern, aber es wäre ein technischer Fehler, da eine Knnn-Vorschrift einzusehen, wo der Richter auf die härtere Strafe erkennen mutz. Auch in diesem Falle sind die Vorschläge nicht wirkliche Verbesserung des Gesetzes. Ich kann daher nur Wiederhofen: Schließen Sie sich der Heeresverwaltung an. Jetzt ist nichts weiter zu tmwtten als bis zur Neubearbeitung des Strafgesetzbuches den Regierungsentlvurf anzunehmen. (Beifall rechts.)
9kbg. Dr. Mnller-Meini^en (Vp.)r-
Wir würden vielleicht auch ohne Konzessionen die kleinen Verbesserungen annehmen. Aber die lrt und Weise des K r i e g s m i n i st e r s hat uns die Entscheidung sehr schwierig gemacht. Die Zumutung des Kriegsministers, als ob wir die Disziplin der Armee untergraben wollen, weisen wir aufs aller- schärfste zurück. (Beifall links.) Der Kriegsminister hat bei feinen Ausführungen eine gewisse Dosis Talmudistik gebraucht. (Heiterkeit.)
Abg. von Brockhausen (Kons.)S
Am Sonnabend hat man sich über die langen Reden und die Dauersitzungen beschwert. Und nun hat die Forschrittliche Volkspartei bei dieser Frage schon dreimal gesprochen. (Zuruf links: Und nun kommen Sie auch noch! — Heiterkeit.) Wir sind für die Regierungsvorlage.
Abg. Gröber (Zentr.):
Durch die Erklärungen des KricgsministerS ist eine neue Situation geschaffen. Wir beantragen daher, diesen Gegenstand von der Tagesordnung abzu setzen.
Der Antrag wird gegen die Rechte angenommen.- Es folgt die zweite Lesung der Novelle zur
Gedöhrenstrdnunl, für Zeugen und SachverWibige.
Tie Novelle bringt eine Erhöhung dieser Gebühren. Abg. FischerHannover <Soz.) begründet einen Antrag, die Mindestgrenze der Zeugengcbükuen von 20 auf 30 Pfennige zv erhöhen. DaS Reich wird dabei nicht zugrunde geheii.
Ter Antrag wird abgelchnt. '
-ibg. Haas sBp.) begründet einen Antrag, die Gebühren de, Sachverständigen, falls ein ü b l i ch e r P r e i s für die den Sach, derftiindigen aufgctragene Leistung besteht, diesem Preis ent- sprechend zu bemessen.
Staatsselretär LiScv: Die verhsindeten Regierungen können diesem Antrag nicht zuftimmen.
Der Antrag wird abgelehnt.
Abg. Eohn (Sog.) begründet einen Antrag, wonach den Zeugen au» für i, bcrm ästige Wartezeit eine Entschädigung ge- währt werden soll. * “
Abg. Haas (Dp.)
lehnt den Antrag als unzweckmäßig ab. kr wuroc sich gegen die Richter wenden.
Der Antrag wird abgelchnt.
Eine sozialdemokratische R e s olu t i o n , die den Berlauf von einfachen Speisen und alkoholfreien Geträn. len in den GerichtSgebäuden anregt, wird abgc lehnt.
Abg, List Eßlingen (Nat.) weist eine Bemerkung des Abg. Cobn lSoz.) zurück, als ob öffent. liehe Beamte recht viele Anzeigen erstatte», um dann als Zeugen vor Gericht zu erscheinen und Diäten zu schinden.
Abg. Haas (Dp.) stimmt zu. Damit ist die zweite Lesung der Gcbührenorbnu
l
Sie MdamtriersudverMueu.
Di e Kommission beantragt, die Linie nach Au st r a l i e „ bis zun, 31. März 1917 a u f r c ch t z u e r h a l t c n.
Eine Resolution fordert für die Missionare freie Ausreise und nach sc jüns Jahren freie Rück- und Ausfahrt.
Abg. Henke (Soz.):
Der Hauptgrund für die Bcrweisung der Vorlage an die Ludgeikommission ist Wohl die Schaffung des Provisoriums gewesen, das uns seht zur Annahme empfohlen wird. Hätten meine Freunds diese Absicht der bürgerlichen Parteien gekannt, dann hätten sie dem Beschluß nicht zugestimmt, D ie S u b v e n - tioncn für Reedereien müssen aufhörcn. Auch ohne diese Subventionen kann sich die Schiffahrt behelfen. Ganz andere Faktoren haben die Berkehrsziffern gehoben. Di- Vorlage ist der Anfang einer neuen viel umfangreicheren Siibventions. Politik. Das Provisorium ist geradezu skandalös. (Vizepräsident Tr. P a a s ch e rügt den Ausdruck „skandalös".)
Tie Vorlage wird ohne weitere Debatte nach den Kom- MissionSbeschküssen in zweiter UNS dritter Lesung angenommen. Die Resolution gelangt zur Annahme.
Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes betr. Bürgschaft des Reiches zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Militärbedien stets.
Eine Rc-olution verlangt alsbald einen Gesetzentwurf, der Bürgschaften de« Reiches über den Kreis derRcichS- und Militärbedien steten hinaus, dem Bedürfnis ent- sprechend, vorsiehn
Abg, Dr. Arendt (Rp.) bitte! um Ablehnung der Resolution. Sie führt uns in Uferlose. Abg. Goctting (Natl.):
Die Resolution verübt auf einer Vereinbarung Der Parteien. Sie sollte daher angenommen werden.
Abg. Gvhrc (Soz.):
Die Resolution kann zu Mißverständnissen Anlaß geben. Wir legen wenig Wert darauf.
Abg. Westarp (Kons.):
Die Mehrheit meiner Fraktion ist gegen die Resolution.
Die Resolution wird abgclehnt. Das Gesetz wird in zweiter und auf Antrag des Abg. Dr. Wendorf lVp.), auch gleich in dritter Lesung angenommen.
Sie dritte Lesung der Lesoldungsnonelle.
Dazu liegt ein Kompromitzantrag der Nationalliberalen, der fortschrittlichen Volkspartei und der Rechten vor. Danach soll im Herbst 1915 ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, durch den mit Wirkung vom 1. Januar 1916 die Bezüge der gehobenen Unterbeamten um mindestens 100 Mark in jeder Stufe aufgebessert werden. Ferner wird eine Resolution borgeschlagen, wonach die .Erledigung der durch das Gesetz nicht zur Erfüllung gelangten Teile der Beschlüsse des Reichstags zweiter Lesung mit Wirkung vom 1. Januar 1916 ab tunlichst herbeigeführt werden soll.
Ein Eventualantrag Dr. Spahn (Zentr.) will, falls der Gesetzentwurf bis 1. Januar 1916 nicht die Zustimmung von Buudesrat und Reichstag findet, den gehobenen Unterbeamten der Post vom 1 . Januar 1916 ab eine pensionssähige Zulage von i00 Mark gewähren.
Schatzsekretär Kühn:
Durch die Beschlüsse der zweiten Lesung und den Antrag, die Regierungsvorlage teilweise wieder herzustellen, ist eine neue Lage geschaffen worden. Der Reichstag hat bei der zweiten Beratung Beschlüssen der Budgetkommission zugestimmt, die die verbündeten Regierungen nicht annehmen zu können erklärt hatten. Bleibt der Reichstag bei diesen Beschlüssen, so ergibt sich für die Zukunft eine eigentümliche Situation. Der derzeitigen Stellungnahme entsprechend mutzten sie den Entwurf, nachdem sie einmal die darin enthaltenen Gehaltsaufbesserungen als erforderlich und durchführbar anerkannt haben, in der nächsten Session wieder vorliegen. Auf Annahme einer solchen Vorlage war aber beim 'Reichstag nicht zu rechnen und die Gehaltsaufbesserung mutzte so 'in der Schwebe bleiben, bis die für Ergänzung der Besoldungsordnung vorgesehener! Erwägungen abgeschlossen sind, was immer geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. Geschädigt wären die in der jetzigen Vorlage bedachten Beamten, die das schwer empfinden würden. (Sehr richtig! rechts.) Der Trost, daß ein künftiges Besoldungsgesetz mit rückwirkender Kraft vorgesehen werden könnte, würde versagen, auch deshalb, weil einem Deckungsgesetz jedenfalls eine rückwirkende Kraft nicht beigelegt werden könnte. (Heiterkeit.) Ich glaube, das ist kein Grund zur Heiterkeit, ich stelle nur eine Tatsache fest. (Sehr richtig!)
Datz dementsprechend auch die Frage einer Aufbesserung der höheren Postbeamten — und das ist der wesentliche Inhalt der Resolution — als erledigt gelten mutz, brauche ich nicht weiter hervorzuheben. Mehrere Parteien haben nun versucht, das, was die Regierungsvorlage vorsieht, schon jetzt zu erreichen, durch teilweise Wiederherstellung des Entwurfs, sowie durch Heraufsetzung der Gehälter mehrerer Besoldungsklaffen. Darin liegt materiell und im großen und ganzen auch hinsichtlich der Befristung eine Abweichung von dem Varschlage der verbündeten Regierungen nicht vor. (Hört! Hörtl — Bewegung.) Und die Regierungen glaubten, unter diesen Umständen etwaige Bedenken gegen die im Anträge gewählte Form zurückzustellen. Ich kann daher im Namen der verbündeten Regierungen erklären, datz, wenn der Reichstag den Entwurf mit dieser Maßgabe annimmt, sie ihm ihre Zu - stimmung geben werden. (Lebhafter Beifall.) Eine Deckung für die hieraus entstehenden Ausgaben würde nach Ihren bisherigen Beschlüssen allerdings zunächst nur bis 1916 vorhanden sein. Die verbündeten Regierungen sind hiermit bis an die Ihnen vertretbar scheinende Grenze gegangen. Jedem darüber hinausgehenden Abänderungsantrag würde sie aber ihre Genehmigung versagen.
Abg. Ebert (Soz.):'
Man will also wieder die elementarsten Grundsätze der Sozialpolitik aus den Kopf stellen. Wäre der Reichstag fest geblieben, so hätte er alles erreichen können. Wenn die Vorlage scheitern sollte, werden wir bei der dritten Lesung des Etats einmalige Zulagen für die Landbriefträger beantragen.
Abg. Spahn (Zentr.):
Die heutige Erklärung des Staatssekretärs steht nicht in Uebcreinstimmung mit seinen Ausführungen vom 7. Mai, als er im Grunde genommen die Berechtigung der Wünsche der Unterbeamten anerkannte. Er bewegt sich in einem Widerspruch. Die ganzen Bestimmungen des Kompromitzantrages sind inhaltlos, wenn nicht unser Antrag angenommen wird. Er bringt erst eine Festlegung für die Regierung, und da erklärt der Staatssekretär, das sei nicht akzeptabel. Was andere Staaten tun. kann für uns nicht ausschlaggebend sein. Preußen hat im Landtage bereits eine Besoldungsvorlagc, die unabhängig von uns im Reichstag ihren Weg geht. Ich kann die Gründe des Staatssekretärs nicht würdigen. Ich bitte unseren Antrag anzunehmen und dann abzuwarten, ob der Bupdesrat den Mut hat, die Vorlage scheitern zu lassen. (Lebh. Beifall.) Er wird sich dann klar sein müssen, datz er die Verantwortung nach innen und außen zu tragen hat. (Lebh. Beifall.)
Staatssekretär Kühn:
Dr. Spahn ist im Irrtum, wenn er glaubt, daß immer urw in jedem Falle für die verbündeten Regierungen nur finanzielle Rücksichten maßgebend sind. Ich habe mehrfach ausgcfühct, datz die Regierungen eventuell geneigt sind, den gehobenen Unterbeamten auch ein höheres Gehalt zu geben, datz es zurzeit aber nicht geschehen kann, weil nach der Auffassung der Regierungen mit der Grupe der Unterbeamten gleichzeitig andere Gruppen ausgcbessert werden müßten. Dazu ist die Sache jetzt noch nicht reis. Würde der Antrag Spahn angenommen, dann könnte sich wieder der Zustand ergeben, den gerade die Regierungen vermeiden wollen, nämlich datz die gehobenen Unter» beamten ^^lleir^.aujgf^Äert. werden.. Der „ Unterschied ijt.eyt
wesentlicher. Ter Antrag geht über das bisherige Zugeständnis hinan.. Ich kann Ihnen b c st i m m t erklären, datz die verbündeten Regierungen mit diesem Antrag den Gesetzentwurf nicht an nehmen. (Lebhafte Bewegung, Rufe im Zentrum: Unerhört!)
Abg. Schiffer-Magdeburg (Natl.):
Wir alle waren damit einverstanden, datz die Vorlage bei Negierung etwas sehr Notwendiges war. Der Konflikt ist nu, dadurch entstanden, daß sie mehr hätte enthalten können. Wir sind der Meinung, daß es notwendig war, daß die Erhöhung der Besoldung der Unterbeamten verstärkt werden mutzte, und weiter hielten wir es für geboten, die Verbesserung der Einkommen der höheren Beamten in die Vorlage hineinzuarbeiten. Das war eine Konsequenz der Vorlage des Jahres 1909. Dr. Spahn hat heute, unter dem Druck der Darlegungen, im Gegensatz zur Zentrums- presse den Standpunkt eingenommen, den wir einnehmen. Dr. Spahn war der Meinung, datz der § 8a nichts wert sei. Wenn wir dies glauben wollten, müßten wir der Regierung de" ^ o r » rouif illoyaler Handlungsweise machen. (Sehr richtig! links.) Soviel herauszuholen wie möglich, ist hier eine politische, moralische Verpflichtung. Ich kann mir den Fall nicht denken, daß die Vorlage abgelehnt wird, weil noch mehrere Beamtenkategorien hineingezogen werden sollen.
Wenn der Abg. Ebert die Regierung gefragt hat: Könnt ihr die Verantwortung für die Ablehnung tragen, dann kann sie sagen: Jawohl! Wir aber stehen hier vor einer nackten und brutalen Tatsache. Durch die Ablehnung der Vorlage würden die Beamten schwer geschädigt. Ter Vorwurf des Umfalls wird immer von denjenigen erhoben, die in dieser Sache fest, bleiben aber (zum Zentrum gewandt) sonst bei jeder Gelegenheit Umfallen. (Heiterkeit und Widerspruch im Zentrum.) Wir wollen hier praktische Politik treiben, und der gegen uns gerichtete Vorwurf wird im Lande draußen keinen Widerhall finden. Es wird einseben, datz das Ablchnungsspiel auf Kosten der Unterbeamten geschieht. Das Land wird verstehen, daß wir das nicht mitmachen, denn die Zeche bezahlen schließlich die Unter- beamten. Auf die Gebaltssähe, die jetzt ausstehen, warten tausende von Beamten und Beamtenfraucn. Und die Rücksicht auf alle die Erwartungen sollte Sie schon bestimmen, unseren Antrag anzunehmen. (Beifall bei den Nationalliberalen.)
, Die Besoldungsvorlage wird unter Llblehnung des kompromitzantrages nach den Beschlüßen zweiter Lesung angenommen.
Schluß gegen 9 Uhr.
Dienstag: dritte Lesung de§ Etats.
Lanöwirtfchaft.
Londwirtschaslliche Kreisscha» zu Schotten.
In Ergänzung des bereits veröffentlichten Berichtes über di Beschickung der landw. Kreisschan teilt uns der Landwirtschastsi kcnnmer-Ausschuß für Oberhessen noch folgendes mit:
Landw. Maschinen und Geräte wie Mähmaschinen, Henwendei Getreidemäher, Säemaschinen, Pflüge und Eggen aller^Art loerden ausgestellt von den Maschinenhandlungen Bernhard Schäfer in Nidda und Heinrich Jäger IV. in lilsa, Wagenbauer Ludwig in Schollen wird mehrere selbstgcbautc Wagen ausstellen und die weltbekannten Fabriken von I. Melotte in Aachen und die Gloria-Scparatoren-Gesellschaft in Berlin iverden Milchsevaratoren und Buttermaschinen neuester Konstruktion zur Schau stellen.
Milchwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Bauernbutter und Bauernkäse, sowie Molkcreibutlcr und Molkereikäsc werden von Iti Ausstellern einer sachverständigen Prüfung unterstellt. Besonders interessant und lehrreich wird die wissenschaftliche Abteilung der Krcisschau werden. Das Großh. Ministerium des Innern, Abeilung für Landwirtschast, Handel und Gewerbe, stellt eine Ucbersichtskartc des Dienstbezirks der Großh. Kulturinspektion Gießen, Pläne von den Viehweiden Hartmunnshain nnd Ober- Scerncn, Uebersichtskarten der im Kreise Schotten ausgcsührten Hutweidenmeliorationen und verschiedene Pläne über ausgeführlc Wasserleitungen in Wettcrield,' Rilvvertsburg und Laubach ans. Der Großh. Fcldbcreinigungskommissär in Büdingen bringt Pläne über die FeldberciNigungen in den Gemarkungen Bolkartshain und Ober-Seemen zur öffentlichen Besichtigung, und das Großh. Kr eis amt Schotten zeigt seine Zeichnungen von der Gestütsstation Mfa. Das landw. Institut der L a u d e s u n i v c r s i t ä t Gießen wird verschiedene, aus der Anstalt hervorgegangenc Arbeiten zur Schau stellen. Die L a n d - wirtschastskammer für das Großherzogtnm Hessen beteiligt sich durch Ausstellung folgender Gegenstände: Photographien und Pläne aus dem Bauberalungsdienst, Bücher und Pläne aus dem Buchsührungsdienst, Saalgut und Achrcnbüschel aus den Hessischen Saatbaustellen, Karten bczw. Darstellungen aus dem BcrsuchSivesen und graphische Darstellungen über die Ergebnisse der statistischen Erhebungen. Tic Ausstellung des Landwinschasts- kammcr Ausschusses für Ober Hessen besteht in folgendem: lieber' sichtskarten über die in der Provinz getroffenen Maßnahmen und Einrichtungen und Förderung der Landwirtschaft, Stammtaseln der wichtigsten Blutlinicn im Vogelsberger Zuchtvichgcbiet mit'Tier- photographicn, das Obcrbcssischc Obstsortiment nnd das Obstsorti- ment für den Kreis Schotten, tabellarische Uebersichten über die Verteilung der wichtigsten Obstsorten auf die drei klimatischen Bezirke der einzelnen Kreise, füvpcrlidjo Darstellung der Ergebnisse der Felddüngungs , Wiesen- und Weidedüngungsversnche nach den Untersuchungen des agrikullurchcmischen Laboratoriums des landw. Institut» Gießen. Ferner iverden noch die landw. AuSkunstsstellc in Kassel und das Kalkslickstofsbureau in Frankfurt demonstrative Darstellungen liber die Tüngerwirkungcn ihrer Fabrikate liefern.
Sehr erfreulich ist c», daß von den verschiedensten Seiten durch Stisinngen von Ehrenpreisen Pränriierungsmittcl des Landwirt- schastskanimer-Ansschusies und hierdurch der Ansporn für den Prciswettbewerb erhöht wurden.
Von Korporationen und Vereinen lzaben namhafte Preis- stistungen venri ligt der Krcisausschuß Schotten, die Stadt Schotten, der Landespserdezuchtverein, der landw. Prvvinzialverein, der landw. Bezirksrcrein, der Kreisrinderzuchtverein, der Kreiszicgen- zuchtvercin,di^ Molkereigenossenschaften Hoherodskops in Schotten und Ulfa, die Spar und Tarlehnskasse Schotten, ferner haben der Fürst zu S t o l b e rg - W e r n i g c r o d e und Geheimrat Schönscld in Tchmten ihr Interesse für die Bestrebungen der Landwirlschait durch Stiftung von Ehrenpreisen bekundet.
Eine wichtige Erfindung! In Deutschland ist der Kassce im Vergleich zum Tee der iveitcm das verbreitetste Getränk, doch ist zu beachten, daß der Genuß von Tee langsam, aber stetig zunimml. Diese Erscheinung ist nicht etwa daraus znrückzusührrn, daß eine allmähliche Geschmacksänderung in der Bevölkerung vor sich geht, iondeni sic fiinbct ihre genügende Erklärung in der seichtere,, und einfacheren Art der Zubc-reitung. Genügt es docki, ein. geringes Ouantum der im Laden erstandenen getrockneten Tceblätte- nu: heißem Wasser zu übcrgießcn, um eine Tasse Tee triiilieitig zur Verfügung zu haben. Planche Hausfrau und so mancher Liebhaber des K'affiees hat in, stillen den Wunsch gehegt, daß die über alle» geschäpte Tasse Mokka einfach Und ebenso rasch ziiNl Genul: bereit wäre. Drin Ecsabilwcrk Mainz ist es Naöl jahrelangem Beinuhen gelungen, chw Kaffeebohne die wertvollen Substanzen unter vollkommener Erhaltung de» WoblgeickmiackcS Mid de» Aromas zu entziehen und in Pulversvrni darzustellen. Dlcue» Kalscepulvcr, dos unter dem Namen „Ecsabukasscc" in den Handel lvinml, löst sich säst momentan, ohne auch nur die Lvur eine» »mhcs zu hinterlassen, in heißeni und kaltem Wasser, wie auch ,n Milch. Danrit ist, was Etnsachdeil der Zubereitung betriul, ccr Tee sogar weit übertroffen, dc'Mi in wenigen Augeu- blicken ili oer Kaffee in beliebiger Stärke trinksertig. Die Vorteil! de» Eelabukaliees liegen aut Per Hand. Nicht nur die Hausfrauen, die Ea>e und .PMelbcsiher werden sich der neuen, handlicheren Form des Kaffees mit Vorliebe bedienen, sondern Fuiiggcscllcn, ^porisleuic zeber Llrt, Forschungsreiseiide, Heer und '.l'tutuic »er» bin den Eelabukafsee besonders freudig begrüßen, ss 15 /..


