Der Rcichsvoranschlag für 1914 ist durch die Beschlüsse des Rnchstages in 2. Lesung um 8 4 2 655 Mart gekürzt worben. Er balanciert mit 3 497 930 350 Dtart statt 3 498 773 005 Mk brr Borlage. Durch Anleihe sollen 17747 160 i statt 17 697 160 Mk.) qeüeckt werden. Jnl Heeresetat sind 11V, Kuilleoiee« Mark abgestvichen worden.
Anträg«imReichstaa. Zur I. Voranschlag s- kesung beantragt im Reichstage Dr. <8 ra f von P ofadowS kt,-Wehn e r den Reichskanzler zu ersuchen, rin Interesse des Schutzes der Heimarbeiter auf eine beschleunigte und allgemeinere Durchführung des Hausarbeits- gesetz.es hinzuwirken. Der Antrag ist von Mitgliedern aKer bürgerlichen Parteien unterstützt. — Das Zentrum verlangt Entwürfe über den Ausbau des Koalitionsrechts der Arbeiter und Schaffung eines Reichseini- gnngsamtes, ein Antrag Schiffer-Magdeburg ersucht die Regierungen, im nächsten Voranschlag angemessene Beträge zur Bewährung von BeihilfenandaspreiißischeZen- trakinstitut für Erziehung und Unterricht ein- zusteklen. — Zur 2. Le sungder Militär st ras ge setz- novekle beantragt Dr. Müller-Meiningen, bei Verabredungen mehrerer Personen zur Fahnenflucht die Zuchthausstrafe um einen Monat bis zu fünf Jahren zu erhöhen.
Die Vcrkchrseinnahmen der deutschen Haupt- Und vollspurigen Nebenbahnen im 2lpril 1914 betrugen nach der im Reichseisenbahnamt ausgestellten Ueberiicht im Personenverkehr 89 312 207 Mk. im ganzen und 1474 Mk. aut einen Kilonreter, das ist gegen das Vorfahr 16 777 561 Mk. im ganzen mehr oder 21,92 Prozent pro Kilometer mehr: im Güterverkehr 184 682 457 Mk. im ganzen und 2954 Mk. pro Kilometer, gegen das Banal» 4 693 086 Mk. im stanzen weniger, oder 3,58 Prozent pro Kilometer weniger. Bei der Beurteilung der Ein- nahmcergebnissc ist die Lage des Osterfestes (1914 im April und 1913 ini Marz', zu berücksichtigen.
Ter König von Bayern kehrt am Dienstag nach 18tägigem Ausenthalt von 'Sarvar nach München zurück. Die königliche Familie gedenkt noch zwei Wochen zu bleiben. Der König hat sich icber den Aufenthalt sehr befriedigt ausgesprochen.
Der Abgeordnete Liebknecht hat, so schreibt man der Köln. Ztg. aus Berlin, im „Vorwärts" gegen den im Februar in Trier verstorbenen Gouverneur von Metz, Generalleutnant von Lindcnau, schwere Beschuldigungen erhoben. Er teilt mit, der .Verstorbene lzabe eine Schuldenlast von einer Million hinterlassen, von der die Gläubiger höchstens einige Prozent erhalten würden, und er habe sich seine Vermittlung bei Beschaffung von Titeln bezablcn lassen. Als Beweis dafür gibt Liebknecht eine von dem Verstorbenen Unterzeichnete Quittung wieder, worin er bestätigt, von einem Arzt einen Geldbetrag empfangen zu haben, mit der Mastgabe, dast die Summe verfallen sei, wenn der Arzt nicht spätestens bis zum 1, Juli d, I. zum preustischen Medizinalvrofessor ernannt worden sei. Diesen Mitteilungen stellt Liebknecht die Acußerunqen hoher Anerkennung gegenüber, die über das militärische Wirken Lindenans vom Kaiser vorliegen, und die in der Presse verschiedener Richtungen laut geworden sind, und erinnert daran, dast Lindenau auch sür den Posten eines Kriegsministers in Betracht gekommen sei. Die Blätter nehmen vcm diesen Mitteilungen Notiz und drücken die Erwartung aus, daß eine Untersuchung Klarheit darüber schassen nrüsse, ob sich der Verstorbene wirklich zu solchen Machenschaften habe hinreihen lassen. Ohne Unterschied der Partei weist man die sinnlose Verallgemeinerung zurück, mit der Liebknecht in diesem Falle ein Symptom der „kapitalistischen Korruption" erblickt.
nmlaits.
Englands Admiralität versorgt sich mit Oel. Wie aus City-Kreisen berichtet wird, hat die englische Regierung Anstalten getroffen, der anglo-persischen Company eine Garantie von 40 Millionen Mark zn gewähren unter der Bedingung, daß die Admiralität das Vorkaufsrecht auf die gesamte Produktion in den Oelsckdern der Company erhält.
Griechenland und die Türkei. Aus Berlin, 18. Mai, wird gemeldet! IN hiesigen diplomatischen Kreisen sieht man in dem Satz der türkische,, Thronrede, daß die Jnselsrage nur von den Großmächten entschieden werden könne, eine nur uoch schlecht verhüllte Drohung gegen Griechenland. Andererseits ist die Türkei entschlossen, die Entscheidung der Mächte betr. Chios und Mythilene um jeden Preis umzustoßen.
Turkhan Pascha ist am Montag in Ofenpest ein- getrosfcn, um mit dem Grasen Bcrchtold zu konferiere».
Ein Abenteuer des Königs von Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: König Mions wurde am gestrigen Montag, als er ohne Eskorte einen Spaziergang in der Nähe der Esplanade Caballerizes unternahm, voneinerWachefestgenom- Mtn, die ihn ntcht erkannte. Der König sagte: Ich bin der König, kennst du mich nicht? Der Soldat bat um Verzeihung !unb präsentierte darauf. 'Der König entfernte sich sehr belustigt.
Schadow wenigstens die Schätzung und das Wohlwollen Goethes erioorben. seit jener Zeit entspann sich zwischen den beiden ein Briefwechsel, der von seiten Goethes mit steigendem Interesse und Wohlwollen geführt wurde, und cs kam zum Austausche freundlicher Gesinnungen und freundlicher Spenden zwischen dein Dichter und dem Bildhauer. Es hat den Anschein, als ob sich Schadow in älteren Tagen auch mit Goethes Kunstcmschauungen mehr be- sreundet bat. In seiner wunderlich-spröden Weis« hat er in seinen „Kunstaniichten" den Tod Goethes folgendermaßen verzeichnet! „Einen herben Verlust erlitt die ganze zivilisiertc Welt am 22. März 1832 durch den Tod des Herrn von Goethe. Seine Erzeugnisse als Dilettant in der Kunst, mehr noch freilich seine Schritten, werden ihn auch dem ausübenden Künstler unvergeßlich und unentbehrlich machen."
— Darntstädter Künstler - Kolonie. Anläßlich der Erössnimg der Ansstellnnq der Dormstädter Künstler-Kolonie fand heule mittag ans der Matbildenhöhe ein Festmahl statt, an dem xr Grostherzog, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden sowie zahlreiche kiesige und auswärtige Gäste tcilnahmrn. Ter Grostherzog sprach sn kurzen Worten der Versammlung seinen Gruß aus und gab seiner Freude imb seinem Danke Ausdruck über das Zustandekommen der Ansstelluua und trank aick das Wohl Inner Darmstädter Künstlerkolonie. Geheimer Rat Römbeld, der Vorstand des Grvstherzoglichen Kabinetts, hielt eine Ansprache, in der er hervorhob, dast sich die Darmstädter Knnstlerlolonie zu einem wvhlgeiestigten staatlichen Organismus entwickelt babc, von denr man erwarten dürste, dast er auch in Zukunst an der Entfaltung der künstlerischen Kultur unseres Vaterlandes seinen Anteil Koben werde. Dast dieses gesagt werden könne, sei den? festen und treuen Willen zu danken, mit dem der Großherzog trotz Sorge Und Mühe, auch durch schwere Rückschläge nicht entmutigt, den vor 15 Jahren betretenen Weg weiter gegangen sei. Der Redner sprach sncraut dem Grostherzog seiimn Donk sür die Förderung, die er der Dormstädter Künstlerkolonie habe angedeihen lassen, und allen, igc zu dem (Zustandekommen der Ausslellirng beigetragen hiben. aus und schloß nnt einem Hoch aus den Grostherzog. — Der Groß. Herzog hat eine Meist- twn Auszeichnungen verliehen, ll. a. erhielten der Vorstand des Gwstherzoglichen Kabinetts R ö m h e l d den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Erzellenz sowie der Verkäster des Festspieles Freiherr Ernst v. Wol- zogen Und der Komponist des Stückes Professor A. Mendelssohn das Ritterkreuz des Ludwigsordens.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 19. Mai 1914.
Straßenbahn Gießen—Wieseck.
Eine Einigung in der geplanten Straßenbahnlinie Gießen— Wieseck scheint »wischen der Stadtverordnetenoersammlimg und der Gemeinde Wieicck noch in weiter Ferne zu liege». Nachdem die Stadtverordnetenversammlung am 24. April den Beschluß gefaßt hotte, daß nach ihrer Ansicht allein die Linienführung der Bahn entlang der Kreisstraßc Wieieck durch die Grabenstroße und Kvrnblumenstraße poch dem Luwenplatz in Betracht kommen könne, hat die Ge m einde Wr.es eck geltem abend in einer Bürgerversammlung den -o^chluß ge-- saßt, daß die .Bahn durch die Gießener Strotze fahren solle. Wir erhalten über die Versammlung folgenden Bericht!
^ Wiescck, 19. Mai. Am Montag abend sand hier eine gut besuchte öffentliche B ü r g c r v er s a m ml u n g .statt, die sich mit der Linienführung der elektrischen Straßenbahn befaßte. Noch eingehender Aussprache wurde einstimmig beschlossen, an den Gemeindeoorstand eine Entschließung zu richten, in welcher betont werden soll, daß nach Ansicht der Ber- sammelten die Gießen er Straße als zweckmäßigste Linie sür die Straßenbahn in Betracht komme. Der Gcmetnderat soll ersucht werden, in seiner Sitzung am Dienstag jxmentsprschend zu beschließen, ^
** Universität. Dr. Reinhard Dem oll, der gestern einen Nus als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule in Karlsruhe erhalten hat, wird diesem Ruse selbst, verständlich Folge leisten und im Herbst sein neues Amt an- ireten. Dr. Denioll ist in verhältniSniästig jungen Jahren Ordinarius nemordcn. Er ist am 3. Dezeuiber 1882 in Kenzingen (Amt Emendingen) bei Freiburg i. Br, geboren, besuchte das Gymnasium in Konstanz »nd studierte feit 1901, zunächst Jura in München, dann Medizin in München, Frei- burg, Paris. Bon 1906 an widniete er sich in Freiburg den Naturwisscnichastcn »nd promovierte 1908 bei Prof, Weismann, Im Wintersemester 1908 habilitierte sich Dr, Demoll an der hiesigen Universität, wo er zugleich Assistent bei Professor Dr. Spengel wurde. Durch seine unermüdliche Wirksamkeit hat er auch da? sportliche Leben an unserer Universität sehr günstig beeinstußt und nanicntlich dem Schilauf und dem TenniSipiel eifrige Freunde zugeführt.
" Der Grostherzog hat am 25. April dem Vorsitzenden deS Vorschußvereins e. G. m. u. H. Butzbach, Jak. Wilhelm Hei! in Butzbach, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Prinz Heinrich von Preuße» durchfuhr heute morgen abcrnwls im Automobil unsere Stadt. Er befand sich ans der Fahrt Frankfurt—Marburg, um dort dem weiteren Verlauf des Prinz-Heinrich-Flnges beizuwohnen.
** Kirchenrat Ernst Widmann f. Samstag, nachmittags 5Vs Uhr, verschied nach längerem schweren Leiden Kirchenrat Ernst W i d m a n n zu Darmstadt. Als Sohn eines Missionars am 29. August 1853 in Akrovong an der Goldküstc geboren, wirkte er nach Vollendung seiner Studien zuerst als Pfarrer 16 Jahre lang in Haingrüudau und Büdingen und wurde dann am 9. Juni 1893 als Nachfolger des jetzigen Prälaten 1). Dr. Flöring an die Tarmstädter Martiuskirche berufen, an der er bis zn seinem Ende tätig ivar. Außer seiner im Laufe der Jahre mit dem Zunehmen der Gemeinde stets wachsenden pfarramtlichcn Wirksamkeit betätigte er sich in einer Rrihc von gemeinnützigen und kirchlichen Vereinen. Jahrelang war er der Vorsitzende des Hessischen Landesvereins sür Innere Mission und widmete sich dem Bau und der Leitung der Epileptischen Anstalt Niedcr-Ram- stadt, die vor ollem seiner Initiative zu verdanken ist. Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in der Inneren Mission ließ er sich besonders die Fürsorge für die Arbeiterkolonie angelegen sein. Außerdem war er im Vorstand des Diakomsicnhauses „Elisabetben- stift", des Starkenburger Missionsvcreins und der Kirchlich-Positiven Bereinigung tätig.
** Aus dem Militärwochcnblatt. Hossmann, evang. Psarrassistent in Mainz, als Mil. Hilfsaeistlicher d. Großh. Hess. (25.) Div. in Darmstadt angcstellt. — Wagner, Großh. Hess. Gcrichtsossessor, unter Ueberweisung zu d. Int. d. XIV. M. K. zum ctatm. Mil. Int. Mscssor ernannt.
** Sonderzüge Gießen—Köln. Wie wir bereits mitteilten, sollen am 7. und 21. Juni von Gießen Sonderzüge zur Deutschen Werkhundausstellung nach Köln fahren. Es ist daher vorausgesetzt, daß sich eine genügend große Teilnehmerzahl bei der Geschäftsstelle der Deutschen Werkbundausstellung, Büngermei.ster H c ck m a nn in Köln-Deutz, anmeldet. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 40 bis 50 Prozent dritter Klasse, wobei die Wahl des Rückfahrtzuges freigestellt bleibt. Die Anmeldung geschieht durch die Vorsitzenden der Gießener Vereine, welche die Anmeldung an Bürgermeister .heckmann meitergeben. Für solche Teilnehmer, die einem Vereine nicht angehören, hat der Gießener Anzeiger eine Anmeldestelle eröffnet. Die Liste zum Einzeichnen liegt schon jetzt in unserer Geschäftsstelle aus.
** In der Festhalle der Gewerbe-Ausstellung tritt täglich der VortragsWnstler H. K e s ch - M a r i o mit einem täglich abwechselnden Programm auf und weiß das Publikum durch seine Darbietungen vortrefflich zu unterhalten. Eine gut geschulte Mimik und ein tvohlkliugendes Organ kommen ihm bei seinen Vorträgen zu Hilfe. Sehr zu begrüßen ist es, daß der Künstler nur streng dezente Sachen zum Vortrage bringt, so daß der Besuch einer jeden Familie zu empfehlen ist.
'^Freilichttheater. Es wird uns geschrieben: Die Absicht, die Freilichtbühne in die Nähe der Stadt zu verlegen und ihr durch Zuziehung von Berusskünstlern von anerkannter Bedeutung einen erhöhten künstlerischen Gehalt zu geben, ist in Gießen mit großer Freu.de begrüß: worden. Die Freilichtbühne am Ludwigsbrunnen hat zwar ihre großen Reize. Sie ist aber so fern von der Stadt, daß Leute, die weite Gänge nicht unternehmen, oder sich, warm geworden, nicht lange in den Wald setzen können, aus'ihren Besuch verzichten müssen. Noch mehr trifft dies für Auswärtige zu, dir auch sürchcn müssen, den Platz nicht zu finden. Für den Fall plötzlich cintrctcnden schlechten Wetters fehlen größere und sichere Untcrtreträunre in der Nähe. Daher war bisher gar keine Ausstattung vorhanden. Uniklerderäume, die Möglichkeit, die Garderobe auszuheben, fehlten. Einen ungemein peinlichen Eindruck machte es auch, die Spieler aus dem lichten Gebüsch in der Nähe hinter dürstigen Reisern gebückt nach dem Spielplatz schleichen und hier nun plötzlich in heroischen Rollen auftreten zu sehen. Nach langem Suchen ist es nun gelungen, einen vorzüglich geeigneten Platz dicht bei der Stadt ün Philosophenwald nahe der elektrischen Bahn zu ftnden. Geh! man von der Stadt her an der LtebigShvhe vorbei, längs des Ererzierplatzes, so liegt er etwa hundert Meter von der jenseitigen Ecke, etwa 50 Meter im Wald. Die „Bühne" ist sich im Grund jenseits des nach der Ecke lausenden und bestehen bleibenden Weges zu denken. Das Gelände für die Zuschauer steigt hier amphitheatralisch ziemlich stark an. Man sitzt mitten im Wald im Schatten, die Sonne kommt von der Seite, SchnakenAmd weniger zu befürchten wie in der Nahe der Wiesen. Um den Spielplatz herum sieh! man nur Bäunie, nichts stört die Stimmung, die bei I der Freilichtbühne von so großer Bedeutung ist. Auch Störungen,
J durch .„Zaungäste" schließt der Waldbestand ans. Ein Hintergrund find zugleich Kulissen werden durch Tannenpslanzungen geschaffen,
Die Msicht war, Anfang Juni Mit den Ausführungen zu beginnen.
Direktor Steingoctter hat in znvorkommeichstcr Weise seine llnter- stützung zugesagt, Oberregrsseur Dworkowski, der bereits das weit- berühmte Freilichttheater bei Oybin eingerichtet hat, ebenso >vie die ersten Mitglieder unseres hiesigen Stadttheaters haben sich in selbstlosester Weise aus Liebe zur Sache in den Dienst der Freilichtkunst gestellt. Wie aus dem gleichen Grund der freiwillige Leiter der Gießener Freilichtbühne sein hohes Kunstverständnis u. seine ganze freie Zeh opfert, dürfe allgemein' bekannt sein. Es dürfte erwartet werden, daß die .Stadt dos gemeinnützige, jeden Erwerb ausschließende Unternehmen aus das wärmste unterstützen werde. Sympathie wird ihm auch offenbar entgegengebracht, aber das zur Mode gewordene Schlagwort! „Nur keine Bäume fällen" soll dem Vernehmen nach Hindernisse bereiten. Nun handelt es sich nur um einen ganz kleinen Platz, etwa in der Grübe des Parketts des Stadttheaters, auch kommen mir schwache Bäume in Frage, da die größeren stehen bleiben können, ohne den Blick auf die Bühne allzusehr zu behindern, und wohl teilweise auch des Schattens halber stehen bleiben müssen. Die Bäume sollen außerdem zu 2 Naturbütten unmittelbar an der „Bühne" benutzt werden, die zunächst sür die Auiiübrung der „Versunkenen Glocke" nötig sind, aber auch beim „Pfarrer von Krrchicld" und anderen Stücken passende Verwendung sinden, andernfalls durch ein paar Aeste maskiert wcv- den können. Dabei dienen sie für die Mitipielenden als Garderoben und für Nichtipicltage als Untertreträume, an denen es im Philo- sophenwald doch fehlt. Daß die Bäume zurzeit im Saft sind, schadet bei der beabsichtigten Verwendung nicht. Bäume unnötig wegzuschlagen, ist natürlich zu verwersen, aber in einem Heranwachsenden Bestand muß das Zuwachsende soweit fallen, daß das Verbleibende sich frei cntivickeln kann. So lichtet der Oberiörster ununterbrochen, schlägt allerdings auch jeden schlagreisen.Baum kurzerhand weg/ selbst wenn er an und sür sich sehr schön ist. Rur vereinzelte Ausnahmen worden hierbei gemacht. Der Gartenarchitekt sagt! ,Ln einem Garten oder Park dars die Axt nie ruhen." „Man erinnere sich des großen Lichtens, das auf Anregung des Kaisers im Hamburger Park vorgenammen worden ist. Der ziemlich eintönige Philo- sovaenwald kann dabei eine Verschönerung und Abwechselung gut vertragen. Wir wollen daher hohen, daß die Stadtverwaltung bald chre Zustimmung erteilt. Die Kunstfreunde, die elektrische Bahn, die Gewerbetreibenden, letztere besonders auch im Hinblick aus die Gcwerbeausstcllultg, würden davon Nutzen haben. Gießen als erste Stadt Mitteldeutschlands, die eine schöne Freilichtbühne erhält, würde um einen Anziehungspunkt reicher werden. Weiterhin ist zu wünschen, daß die selbstlosen Bemühungen des Leiters der Freilichtbühne durch Zeichnung zahlreicher Abonnements Unterstützung sinden, Tie gehörte Ansicht, daß man sich für den Fall schlechten Wetters nicht binden walle, ist hinsällig. An solchen Tagen fallen die Vorstellungen aus. -Auch sind die „Sechserkartcn"" in weitestem Umfange übertragbar, die Preise dabei ganz ungemein niedrig, besonders wenn man in Betracht zieht, daß viele erste Kräfte Mitwirken. Sehr zu beklagen tvsäre es, nienn der schöne Gedanke jetzt nicht zur Aussührunq käme. So willige und so geeignete Mitwirkende werden sich nicht wieder zusammenfinden, K, /
** Frohsinn. Es gibt ein Keimlein mehr oder minder groß in jeder Menschenbrust, das gleich einer schönen Pflanze gehegt und gepflegt weihen will, damit es nicht ersticke, sondern Ivachse und gedeihe und mit dem Menschen gehe durchs lange liebe Leben. Dieses Keimlein ist der Frohsinn. Und doch >vie selten begegnen uns wirklich frohe Menschen! Unser Leben mit all seinem Lupus und seiner Vergnügungssucht, mit seiner Jagd nach Gold und Elewinn, der Sucht, cs anderen, höher stehende» cs gleich zu tun, läßt keine Zeit, iencs kleine Pflänzchen,^das doch so herrlich ist, zu beachten! so wird cs bald erstickt. Schon die Eltern sollten daraus bedacht sein, froh sein zu können, um auch die Heiterkeit tm Kinderherzcn zu pflegen. Wer eine frohe, glückliche Jugend gelzabt hat, ist auch später ein froher Mensch, Man nimmt den Frohsinn mit hinüber in die Reife, und bringt das Leben einmal dunkle Stunden und wirklichen Kummer, bann wird ein gesundes, fröhliches Herz nicht gleich daran zu Grunde gehen, sondern sich wieder ausrafsen und von neuem tätig eingreisen ins Menschenleben. Ein Kind, das irohc Mensche» um sich sieht, ist auch wieder froh und zufrieden. Aber tveun es von der Wiege an nur verdrießliche Gesichtec' um sich gesehen hat, wird es ebenso. Der Griesgram zieht in sein kleines Herz ein und erstickt schon ftühzeitig das Keimlein Frohsinn.
** Gießener Pädagogium. Man schreibt uns: Das
Großherzogliche Ministerium des Innern, Abtg. f. Schulangclcgen- heiten, hat die Genehmigung erteilt zur Errichtung einer Unterstufe des Gießener Pädagogiums, in die schulpflichtige Kinder ausgenommen werden dürfen. Damit ist die Anstalt in die Zahl der Schulen eingereiht, durch deren Besuch der gesetzlich sestgelegten Schulpflicht genügt wird. Eine wichtige Etappe in der Entwicklung des jungen Instituts! Gegründet Ostern 1912 als „Brackemanns private Vorbereitungskurse" wurde cs Ostern 1913 bei der Ueber- siedclung in das ietzigc Heim, Bleichstraße 6, in das „Gießener Pädagogium" umgewandclt und erhielt nunmehr, nachdem der Leiter - Dir, Brackemann — im Februar und Anfang Mai die sür das Großbcrzoglum Hessen vorgeschricbcnen pädagogischen Prü- sungcn vor einem Hohen Ministerium in Darmstadt erfolgreich ablegte, die volle staatliche Konzession, So ist der feste Boden geschossen, auf dem die weitere Entwicklung des Pädagogiums sich erfolgreich aufbauen kann,
** D as Fest der silbernen Hochzeit feiern ant heutigen Dienstag Obcrpostschaffner Heinrich Rühl und Frau, Steinstraße.
Landkreis Gießen.
— H o lz h c i m , 18. Mai. Am Sonntag hielt H. Kiruh- ner-Gießen im Saale des Gastwirts Sames einen gut besuchten Vortrag über die Krankenversicherung. Nach einer kurzen Erläuterung über die Organisation behandelte Redner eingehend die Frage der Versichern ng s p fli ch t, der ev. B e f r c i ung, sowie insbesondere die freiwillige Versicherung Weiter beschäftigte er sich in ausführlicher Weise mit den R e g ei lei st u n ge n (Mindestleistungen) der Krankcntassen, sowie mit den Mehrleistungen. Auch die An- und A b m e l de p s li ch t deS Arbeitgebers wurde berührt un!d dabei besonders darauf auftnerksam gemacht, daß die Beiträge bis zur vorschriftsmäßigen Abmeldung weiter zu zahlen sind. Zum Schluß gab der Referent noch Aufklärung über allgemeine Fragen (Inanspruchnahme der Kassenärzte usw.) sowie über die Abmeldung und Bcitragsleistnng der unständig Beschäftigten. Me nach Schluß des Vortrags an den Vortragenden auch auf dem Gxbiet der Unfall- und Invalidenversicherung gestellten Anftagen wurden von ihm bereitwilligst beantwortet.
Kreis Büdingen.
§ Bl oleld, 17. Mai. beute fand in bem festlich geschmückten Saale des Gastwirts Nobl der Bezirkstag des Krieger- vereinsbezirkeS Nidda unter bem Vorsitze deS Vezirks- präsidenten I n n g - Ober-Mockstadl statt. Sämtliche Vereine des Bezirks hatten Vertreter gesandt. Zu Beginn der Tagung über- retwte der Vertreter des Großh. KreisnmtS Büdingen, RegiernngS» nMor feiernen», mit berzlichen Worten dem diesigen Kriegec- verem die vom Großberzog verliehene Fahnenschleiic, Ter Bereit, ist der erste des Bezirks, der diele SlttSzeichnung erhält: er ist am 22. August 1^85 gegründet worden. Ter Vorsitzende deS Vereins, Bürgertneisier S ch ä I e r, dankte für die Ehrutig, Ter Gesangverein .Liederkranz' überreichte einen silbernen Fahnennagel.
Kreis Alsfeld.
X Groß-Felda, 18, Mai. In der verflossenen Nacht fanden Leute aus der Straße im Ort einen Radfahrer bewußtlos liegen. Aus seinen Papieren sbeflte man fest, daß es ein Bursche aus Emmenrod war. Man brachte den Bewußtlosen, der eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, ans einem Wagen nach Hcmsc und holte ärztliche Hülse.


