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M. Jahrgang
iehener Anzeiger
General-Anzeiger sür Oberhessen
Donnerstag, M. Mal M4
Be;nqSvretS:
monatlich75Dt.,vierteljährlich Alk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goeh. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeg; für .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichts» snal": Karl Neurath; für ,Stadt und Land"
Notationrdnick und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruilerei R. Lange. Redaktion, Expedition «nd vrnckerci: Schnlstraße 7. Anseigmleil:' H? Be«!
Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.
Tageskalcndcr aus Aem Jahre 1814.
14. Mai: Marschall Davon st übergibt Hamburg den Russen. Tic Franzosen hatten ein Jahr schoniingsios in der Stadt gehaust, die dadurch einen Verlust von 89 Millionen Talern erlitten hatte.
Rechenbergs Zungfernrede.
Exzellenz Freiherr v Recheuberg, der frühere Gouverneur von Deutsch-Oflafrika, der neue Zentrum sabqe- ordnrte von Drminsbcrg-Heilsberg, hat in der Duala- Besprechung des Reichstags seine Jungfernrede als M. d. R. gehalten. Natürlich unter großem Interesse des Hauses. Die Abgeordneten sckuirten sich dicht um die Rednertribüne, nnd auch Staatssekretär Dr. Solf mit seinen Räten lauschte gespannt den Worten des „jungen" Parlamentariers.
Freiherr v. Recheuberg steht in der Dnalafrage nicht auf seiten der Regierung. Die Enteignung scheint ihm nicht in zweckmäßiger Form zu erfolgen. Er will nicht die Frage entscheiden, ob die Eingeborenen wirklich die Verbreiter der Malaria sind, und er kann den Eingeborenen, denen die Form der Enteignung Schaden bringe, nicht alles Verdienst an der Wertstcigcrung des Grund und Bodens in Kamerun absprechen. Diese Ansichten des Exgouverneurs stehen keineswegs im Gegensatz zu seiner früheren Politik als Reichsbcamler. Seine politischen Gegner haben ihm von jeher nachgesagt, das; er das richtige Verhältnis zu den deutschen Kolonisten draußen nicht finden könne. Die Klagen über zu milde Behandlung der Farbigen verstummten während seiner Gouvcrneurschaft nie. Auch unter den Beamten und Osfiriercn der Schutzgebiete hatte er bekanntlich stets Widersacher, weil er die Schutztruppc verringern oder teilweise in eine Polizcitruppe verwandeln und auch den Beamtenkörper nicht weiter ausgedehnt sehen ivollte. Mit deiner solchen Politik kann man vor dem Reichstage, der sparen will, wohl bestehen. Herr v. Rechenberg war ja immer in seinem Denken und Fühlen Zentrumspolitiker, und es ist an sich nicht auffallend, wenn er die kolonialpolitischen Folgerungen seiner Weltanschauung jetzt als Parlamentarier erst recht vertritt. Neu und eigenartig wirkt es nur, daß er nun da Kritik übt, wo seine Amtsführung einer nicht immer sehr sausten Kritik unterzogen ivurde. In die Kolonialbesprechungen des Rcichsparlamcnts ist durch die Teilnahme dieser Exzellenz jedenfalls eine neue Rote gekommen.
Die Unbecinflußbarkeit der Gesinnung, die politisch- diplomatische Begabung und die allgemeine Bedeutung der Person Rcchenbcrgs in allen Ehren, aber man sieht doch jetzt deutlich, daß seine Ernennung zum Staatssekretär, die beim Rücktritt Lindcqnists auch an den maßgebenden Stellen in Betracht gezogen wurde, eine Gefahr für unsere koloniale Entwicklung geworden wäre. Nicht nur bei der Mehrheit der Ostasrikancr, sondern auch darüber hinaus in den kolonialsreundlichen Kreisen der Heimat, hätte vielfach das Vertrauen darauf gefehlt, daß Rechenberg bei seinen Anschauungen in der Eingcborenenpolitik und in der Bc- jicdlungssrage das Kö.tonialamt ans eine glückliche Bahn führen könnte. Dr. Paul Rohrbach, einer der besten Kenner unserer Kolonien, hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Recheuberg nicht nur in Ost-, sondern auch in Südwest- osrika im höchsten Grade unbeliebt war. Man hätte ihn von vornherein nicht als außer nnd über den Parteien stehend, sondern selber als Partei betrachtet. Daraus wäre wahrscheinlich bald eine Kette von Reibungen, Konflikten und verbitternden Streitigkeiten entstanden, die zum Schaden unseres Kolönialwesens hätten ausschlagen müssen.
Und doch hat es etwas unbefriedigendes, daß die Laufbahn eines so außerordentlich tüchtigen Kolonialpolitikers sozusagen im Redeströme der Reichstagsdebattcn ausmünden soll. Konnte man denn der Tatkraft dieses Mannes kein neues Feld bieten? Hat Albrecht Freiherr von Rcchen- berg gar keine andere -lussicht mehr als die, für eine Par- lamentspartci gelegentlich koloniale Fachreden zu halten? Recheuberg ist nämlich von Hause aus gelernter Diplomat. 1889 trat er in den Dienst des Auswärtigen Amts, war 1893 bis 1895 BczirkSamtmann in Deutsch-Oftasrika. 1893 bis 1909 Konsul in Sansibar, 1909 bis 1996 Konsul in Moskau und Generalkonsul in Warschau. Dann brach seine diplomatische Karriere ab. Er wurde 1996 Gouverneur von Dentsch-Ostasrika, 1912 in den einstweiligen. Anfang dieses Jahres in den dauernden Ruhestand als Wirklicher Geheimer Rat nnt dem Prädikat Exzellenz versetzt. Gegen seinen Willen! Er hatte sich um das Amt des deutschen Gesandten in Lissabon beworben. Aber was erwiderte man ihm aus der Wilhelmstraße: Sie waren 1905 Generalkonsul in Warschau; n>as Sie seitdem im Bereiche des Kolonialamts getan haben, ob Sie Gouverneur und Rat Zweiter Klasse geworden sind, ist für uns nicht maßgebend. Für das Auswärtige Amt sind Sie immer noch Generalkonsul. Wollen Sie das Generalkonsulat in Antwerpen? Das können Sie haben, viefleicht auch unter Umständen den Gesandtenpostcw in Teheran (der schlimmer als eine Pensionierung gewesen wäre), aber nie und nimmer Lissabon! — Harden hat in seiner „Zukunft" nachgewicsen, wie überaus ersprießlich Rechenbcrg in Lissabon mit Sir Arthur C. Hardingc, seinem einstigen Konsuikollegen von Sansibar her. gearbeitet hätte. Tic deutsch-englische Auseinandersetzung mit Portugal über dessen Kolonien wäre nicht stecken geblieben, sondern vielleicht heute schon Tatsache. Will man es nicht doch noch einmal mit Recheuberg versuchen? Er sagt nicht nein, und dem Reiche crio.ichft sicher kein Schaden.
Der Kaiser in Wiesbaden.
Wiesbaden, 13. Mai. Der Kaiser ist heute morgen 7.15 Uhr von Metz konimend ans dem hiesigen Bahnhof eingetrosfen. Zum Empfang waren der Kommandierende General des 18. Armeekorps, Exzellenz v. Schenck, nnd der Polizeipräsident von Wiesbaden, Kammerherr v. Schenck, anwesend. Nach kurzer Begrüßung begab sich der Kaiser mit Gefolge nach dem Fürstenpavilton nnd fuhr dünn in offenen. Automobil nach dem Schloß. Trotz der frühen Morgenstunde hatte sich ein zahlreiches .Publikum vor dem Babnhof und in den Einzugsstraßen cingcfundcn, das deni Kaiser jubelnde Begrüßungen darbrachte. Die Ausschmückung der Einzugsstraßen ist reicher noch als sonst. Mit allen Zügen treffen neue Gäste ein, die aus Anlaß des Kaiserbesuchs, der Maifcstspiele nnd der zahlreichen Veranstaltungen der Kurverwaltung hier ihren Aufenthalt nehmen. Vor dem Schlosse wiederholten sich bck der Ankunft des Kaisers die .Huldigungen des Publikums, auf welche der Kaiser durch Grüßen wiederholt dankte. Nach der Einfahrt des kaiserlichen Automobils in den Schloßhof wurden die Feldzeichen der hier garnisoniercnden Truppenteile von der 6. Kompagnie des Füsilierrcgimcnts v. Gersdorff (kurhessisches) Nr. 80 unter Führung von Hauptmann v. Losberg in das Schloß übergesührt.
Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinetts. Zur Frühstückstafel war der Kriegsminister geladen.
Wiesbaden, 13. Mai. Aus Alterhöcbsten Befehl begannen heute abend die diesjährigen Fe st v o rst e l l u n - gen der Königlichen Schauspiele mit Gustav Freytags „Die Journaliste n". Ten Konrad Bolz gab Karl C l c w i n g aus Berlin. Das Haus war mit Rosengirlandcn geschmückt
und von einer glänzenden Gesellschaft gefüllt. Unter Führung des Intendanten Barons v. Mutzenbächer erschien in der großen Hofloge der Kaiser, den das Publikum mit Hochruscn empfing. Der Kaiser verneigte sich dankend. Neben dem Kaiser nahmen Platz der Kriegsminister v. Falkcn- hayn und Generaloberst v. Schofl. — Der Kaiser empfing in der Pause einige Damen der hiesigen Gesellschaft „ich nach Schluß der Vorstellung den Schauspieler Clewing nnd die Vertreter der anderen Rollen, denen gegenüber er sich über die Vorstellung äußerst befriedigt aussprach. Nach der Rückkehr des Kaisers in das Königliche Schloß wurden dem Kaiser vom Publikum stürmische Kundgebungen dargebracht.
Die Besprechung in Albanien.
Nachrichten aus Korfu zufolge schreiten die Besprechungen der epirotischcn Delegierten nnd der Mitglieder des internationalen KontrollausschuflcS gut fort, so daß sich die Lage gebessert hat. Im Ministerium des Aeußcrn fand zwischen dem griechischen nnd serbischen Delegierten eine Konferenz über das -lbkommen betresfend Sa- lonik statt. Die Delegierten gelangten zn einem Einvernehmen. Man glaubt, daß in der ziveiten Konferenz das, Abkommen unterzeichnet wird.
Die „Nene Freie Presse" meldet aus Durazzo: Der Miriditcnsurst Bib Do da Pascha ist hier eingetrosfen. 4009 Mann seines Stammes sind aus dem Märsche südwärts. Tie Geistlichen begleiten die Freiwilligen in den Krieg. Weitere 6000 Nordalbanescn gehen dieser Tage südwärts.
Ans Mexiko.
Washington, 13. Mai. Nach einer Depesche des Admirals Mayo wurde daS heftige Feuergesecht bei Tampico um Mitternacht wieder ausgenommen. Die Kon- stitutionalisten erwarten den Fall Tampicos heute. Präsident Wilson erklärte einer Abordnung von Jntereflenten des Ocldistrikts von Tampico, er werde, sobald eine der mexikanischen'Parteien dort im Mleinbcsitz sei, dieser Bor- stellungen wegen des Schutzes der Oelgucllen und betr. die Rückkehr der amerikanischen Angestellten zwecks Vorsorge für die Oelqueflen machen.
Mexiko, 13. Mai. Das Dekret Huertas, nach dem jeder Handelsverkehr mit den Vereinigten Starv ten aushört, ist heute aufgehoben worden.
Deutsche» Reich.
EincAnfrageimRcichstagzurReichsver sichern ngsordnung. Die Abgg. Trimborn und Dr. 51eu< tznann-bofer fragen im Reichstag an, ob der Bundcsrat gemäß 8518 der Rcichsvcrsichcrungsordmrng Anordmmgen erlassen will über die Abführung der Beträge an Ersatzkassen durch die Krankenkassen. Bekanntlich zahlen Arbeitgeber derjenigen Bcr- sicherungspflichtlgcn, die einer Ersatzkassc angchörcn, ihren Beitragsanteil nicht an die Ersatzkasse, sondern an die zuständige Krankenkasse, die nach 8 518 vervslichtet loerden kann, vier Fünftel dieser Einkünfte den Ersatzkassen zazusühren.
General Keim wegen Beleidigung Wctterlss zu 200 Mk. Geld st rase verurteilt. Aus Kalmar i. E. vom 13. Mai wird berichtet: Vor dem hiesigen Schöffengericht kam heute die Privatklage de? Reichs- Und Landtagsabgc- ordnetcn Abbe Wetterld und des politischen Direktors des „Nouvelliste d'Alsace Lorraine" gegen den Vorsitzenden des allgemeinen Deutschen Wchrvereins, Generals a. D. Keim, zur Berlfandlung. General Keim hatte in einem Artikel des „Tag", überschriebcn „Schwöb und Elsäfler" Wetterte Feigheit vorgcworscn. Außerdem hatte er von jämmerlichen Hetzern, von Bastarddeutschcn, alemannischer Herkunft, von entarteten Volksgenosieu und von einer Schandvrcss« gesprochen, wodurch sich Wetterte und der verantwortliche Redakteur
Tötende Strahlen.
Neuere Forschungen, von denen kürzlich i wieder in der Fachpresse die Rede war, ' haben überzeugend bar« geian, daß selbst innere Organe'(für die Man srühcr keine Befürchtungen gehegt hatte:, von den dunklen Encrgiewcllcn der Röntgenstrahlen angegrissen werde». Die franzönschcn Forscher Barthslem» und Darier konstatierten bedenk ichc Kops-, Herz- und Magenasscktionen bei den längere Zelt in Behandlung befindlichen Personen: auch konnten nach ergiebiger Röntgenbestrahlung dem Sonnenstich ähnliche Ersck>cinungcn sestgeiiellt werden. Die systematischen Forschungen des deutschen Röntgenographe» Aibers- Schönberg haben alsdann überzeugend dargctan, daß die .1-Strahlen imstande sind, bestimmte, im Innern des Körpers besindlichc Gewebe umzuwandeln und schließlich zu töten. Bei den zu den Versuchen verwendeten Meerschweinchen und Kaninchen ließ sich nach einer Bestrahlung von etiva 370 Minuten eine totale Abtötung der Svermatozoen seststcllen. Weitere, u. a. von den deutschen Gelehrten Frieden, Scldin. Scholtz, Philivv und von den Engländern Filden, Brown und Atsrcd T. Osgood angestelltc Forschungen ergaben anatomische Beweise für die obigen Erveri- mente sowie die Feststellung, daß sich beim Menschen, sobald die „StrahlendosiS" entsprechend verstärkt wird, ähnliche Wirkungen auf die betreffenden Organe zeigen. Die grundlegenden Arbeiten von H. Heinekc oriemierten daraus über die Veränderungen an den die Blutbereitung betreffenden Organen : hier ergab sich eine Vernichtung des lymphatischen Gewebes, sowie der Zellen der Milzpulpa iind des Knochenmarkes. Speziell die Zerstörung des Knochenmarkes (die bei den Versuchstieren nach etwa dreistündiger Bestrahlmig cinsetzte. nach 10—12 Stunden ihren Höhepunkt erreichte und nach 5—6 Tagen völlig abgeschlossen war zeigt zur Genüge. welche unheilvolle Kraft den dunklen Wellen inncwohnt. Vergessen wir indessen nicht, hinzuzufügen, daß das zerstörte Knochenmark der Regeneration sälfig ist, die, wenn keine Komplikationen störend einirelen, nach etwa 2—2Vi Wochen beginnt ünd nach 3—4 Wochen als vollständig beendet gelten kann. Weitere recht bedenkliche Schädigungen innerer Organe (n. a. nach Fcst- strklnngcn von Birch-Hirschfcld betraten den Verlust der Augen. Wimpern. Trübung der Hornhaut, Atrophie her Netzhaut-Ganglienzellen und sogar des Sehnervs. Schließlich konnte eine Zer- störuna dm weißen Blutkör,nnchen (und zwar int kreisenden Blute am stärksten) konswtiert, sowie andererieris überzeugend nachge- wieskn werden, daß die Röiugcnbestrahlung niemals einen Ein
fluß aus die menschliche Niere (der lange Zeit hindurch besürchtet worden war) ausübt.
— D i e Auffindung von F r a n kli n - R el iq ui e n. Ist der nuesten Nummer des „Muscums-Jonrnals" wird von der überraschenden Entdeckung einer Sammlung von Probestücken aus dem Polarkreis berichtet, die von Sir John Richardson und anderen während der arktischen Expeditionen Sir John Franflins (1819—1827) gemacht worden ist und die seitdem verschollen war. Einige versteinerte Pslanzcn, die auf einer dieser Erveditionen gesammelt waren, sind im Londoner Naturgeschichtlichcn Museum ausgestellt: aber andere, von deren Vorhandensein man wußte, waren nicht auszufinden. Schließlich ergaben genaue Nachforschungen, daß sich in dem Museum des Marinehospitals Kisten in ihrer ursvrünglichen Verpackung betauden, die der Marincarzt Sir John Richardson dort nicdergelegt hat, und hierin fanden sich eine große Anzahl von arktischen Fundstücken, die von sencn Exvcditioiicn bcr- rühren. Die Sammlung, die in das Britische Museum übersührt wurde, umfaßt Mineralien, Felsstückc und valaeozoische Fossilien, von denen manche Exemplare noch von Richardson mit Zahlen bezeichnet sind.
— Gin gefährdeter Sagenbrunnen. Aus Marburg schreibt man uns: In der Nähe des Dorfes Schröck unweit Marburg sprudelt in waldiger Umgebung seit vielen Jahrhunderten ein ergibiger Quell, der „Elisabeth-Brunne n", imi den die Sage einen bunten Kranz geschlungen hat. Wie die Legende erzählt, hat die heilige Elisabeth hier einst um die Psingstzcit ihr Linnen gewaschen und die Sonnenstrahlen dienten der Heiligen dabei als Wäscheleine. Wenn sie nämlich die gewaschenen Stücke in die Lust warf, blieben sie wie durch ein Wunder hängen, bis sie trocken waren. Noch heute wird die Quelle als Erinnerungsstätte an Elisabeth viel ausgesucht, doch ist der Born seit kurzem in Gefahr, seines romantischen Nimbus auf nüchterne Art beraubt zu werden. Der Genreinderat des Torfes Schröck hat den löblichen Beschluß gefaßt, eine Wasserleitung anzulegeu und an die zuständige Behörde das Ansuchen gerichtet, als natürlichen Wasserbehälter den Elisabcthauell benutzen zu dürfen. Das Bc- kanntlverden dieses Planes lfat indeß Proteste mancherlei Art herausbcschworen, so daß neuerdings soaar das Landratsamt in Marburg sich ins Mittel legte, um die Verwendung der übrigens von einem hübschen Gewölbcbau überdachten Quelle zur Speisung der Wasserleitung nach Möglichkeit zu verhindern.
— Röurische Altertümer in Algier. Von einer interessanten archäologischen Entdeckung in Algier berichtet der Chesarchitckt der historischen Monumente Algiers A. Ballu. In Dschcmila, dem alten Euiucl der Römer, ist es gelungen, die Fundamente des römischen Rathauses sreizulegcn, die Stätte, in der die Senatoren jener Stadt einst tagten und die Schicksale der in Nordasrika angesiedclten Römer berieten. Die Stadt wird setzt durch methodische Ausgrabungen sreigelegt. Die Arbeiten haben ergeben, daß das alte Cuicul zwo, prächtige große Plätze erbaut hatte und eine Anzahl schöner Tempel besaß, von denen besonders zwei von hohem archäologischen Interesse sind. Auch die alten Markthallen und die großen Bädcranlagcn sonne ein Theater und eine ganze Reihe römischer Häuser wurden sreigelegt. Die Häuser brachten als Funde einen reichen Mosaikschmuck.
— Pcrgolcse-Feiern in Neapel. Zur Erinnerung an Giovanni Battista Pergolese wird >m nächsten Monat in Neapel ein monumentales Grabinal, das in der Kathedrale errichtet worden ist, feierlich enthüllt: Zugleich wird auch eine Gedenktafel mit einem Bronzemcdaillon des Komponisten aus Kosten der Stadt an dem Hause angebracht, in dem er sein berühmtes „Stabat Mater" schrieb und in dem er auch gestorben ist. Aus diesem Anlaß wird das „Stabat Mater" von dem Chor und dem Orchester des Konservatoriums, zusammen über 100 Musikern, in der Kathedrale auiaeiührt werden, und am Abend wird im Theater Sacchini eine Aufführung seines zweiten berühmten Werkes, der „Serva Padrona", veranstaltet.
— Ein norwegisches Musikfest wird vom 1. bis 7. Juni bei Gelegenheit der Eröffnung der Aitsstellung »nd zur Feier des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Norwegens von der Gcsellschast der norwegischen Musiker veranstaltet werden. Das Programm umfaßt drei Orchesterkonzerte, drei Kammermusikkon- zerte und ein Konzert sür religiöse Musik. Zur Ausführung gelangen die besten Werke der norwegischen Musiker wie Eduard Grieg, Holföan Kjeruls, Jan Sclmer, Christian Sinding, Soendsen u. a. Sie werden von einem Orchester von 90 Musikern und einem Chor von 500 Stimmen vorgetragen.
— Kurze Nachrichten au s Kunst und Wissen- > ch a i t. Die Akademie der Medizin in Paris wählte den Straßburger Chirurgen Julius B ö ck e l einstimmig zum Mitglied. — Der dritte Kongreß der Internationalen Bcr- einigungfürRechts-undWirtschastsvhilosovhie findet vom 2. bis 5. Jiuii d. I. in F r a n k s u r t a. W. statt.


