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Sin Notbuch des Grafen verchkoio.

An dic Mitglieder der Delegationen ist am Dienstag nach einer Oienpester Depesclw ein von, Ministerium de» Aeußern vvr- getegtes Nördlich liber che Batkanpvlitik Oesbcrrrickxilngarns »er. teilt worden

Das Notbuch enthält 926 diplomatische 'Aktenstücke aus der Zeit vom August 1.912 bis znm 6. November 1913. be­ginnt mit einer Zirkutardepcsche. ,vorin ein MeinungsauStamch über eventuelle geilte affame Tchrüle der Mächte bei chr Pforte und btn Ballanstaatcn angeregt »tri), um einer drohenden Störung des Friedens am Balkan vorzubcugen . ?1uS dieser und noch deut­licher aus dem folgenden Telegramm vom 14. September 1912 an den Geschäft»lväger >» Berlin erstellt, daß dem Wiener Kabinette das Bestehen der damals noch geheim .gehal­tenen Verträge zwischen den Bai kan st aalen be­kannt war, und daß cs, seiner bisherigen Politik getreu, nichts unversucht lassen ivvllte, um in enger Fühlungnahme mit den anderen Großmächten an der Erhaltung des Statusguo am Balkan mitzuwirken.

Einen breite« Raum im Rotbuche nimmt Albanien ein, für dessen Schaffung Oesterreick-Ungarn und Italien unausge­setzt Hand i» Hand eintraten Sie vereinbarten das der Londoner Reunion vorgelegte albanische Statut, die Poricküäge über che Abgrenzung des neuen Staatsgebietes und taten am 23. Juni 1913 den ersten schritt am Bukarester Hose, der zur Wahl des Prinzen zu Wied führte.

Weitere Aktenstücke zeigen, ivie sich das Wiener Kabinett ge­nötigt sah, oft mil größtem Nachdruck seine Interessen Ser­bien und Montenegro gegenüber zu verteidigen, wo man mit der Uneinigkeit der Machte rcckmen zu können glaubte, bis die Monarchie endlich gezwungen war, am 18. Oktober 1913 die serbische Regierung den Ernst der Lage in unzweideutiger Weise erkennen zu lassen. In den Bulgarien betreffenden Aktenstücken ist betont, daß das Wiener Kabinett den r u m ä n i - scheu Wunsch nach einer Kvmoensativn für berechtigt halte und der Sofioter Negierung den Rat erteile, durch eine direkte Aussprache mit Bukarest die Grundlage zu einer dauernden Ver­ständigung zu lege«.

Das Rotbuch bringt dann eine Zusammenstellung von Schrist- stücken über Rumänien, die pssenbar dazu bestimmt ist, die schwankende und so viel angegriffene Politik des Grasen Berchtold gegenüber Rumänien zu rechtfertigen. Am 3. November 1912 wild dem Gesandten in Bukarest aufgetragen, dem König Karat zu erklären, daß Oesterreich Ungarn bereit sei, den rumänischen Komrensationsansprüchen seine Unterstützung zu leisten Zum Beweis der Rumänien betreffs seiner KompensalionSanspcüche gewährten diplomatischen Unterstützung werden noch, eine In­struktion vom 21. März 1913 bezüglich des Eintretens für die 'Abtretung silistrias sowie Telegramme vom 23. Juni 1913 an die Gesandten in Athen und Belgrad in Angelegenheit der Bukarcstrr Friedenscerhandlungen angeführt. Zur Frage der Revision des Bukarester Friedens wird in einem offiziösen Aus­zug aus dem Rotbuch gesagt: Der Gedankenaustausch zwischen den Kabinetten über die Anwendung des Grundsatzes des Rc- visionsrechtes der Mächte fuhrt, wie aus einem Telegramm des Grasen Thurn vom 11. August 1913 zu ersehen ist, zu einer freundschaftlichen Aussprache zwischen dem Wiener und dem Peters­burger Auswättigen Amte, dic in ihren Auffassungen über den Bukarester Frieden vielfach übereinstimmcii. In einem Telegramm Vom 16. .August 1913 reproduziert der Botschaster Grat Thur» eine Aeußerung des Herrn sasonow, die dahin lautet, der Mi­nister konstatiere mit Befriedigung die in der letzten Balkan- Phase zutage getretene Solidarität der Auffassungen beider Ka­binette und meine, eck wäre im Interesse der beiden Nachbor- nionarchien gelegen, wie bisher, in einem Gedankenaustausche über die schwebenden Fragen zu bleiben, um gemeinsam an der Erhaltung des Friedens am Balkan zu arbeiten.

Aus Sen Reichstagsausfchüffen.

:: Berlin, 29. April.

Die Auswärtige Politik im BndgetauSschutz.

Der Budgctausschnß des Reichstages setzte heute die Er­örterung der auswärtigen Politik iort. Zunächst unter­hielt inan sich über Einzelsragen der Batkanpolitik, unseres Ver­hältnisses zu Rußland und England. Der Berichterstatter, Abg. Nassermann, ersuchte dann um Auskunft über dic mexika­nischen Wirren und über die Betätigung der deutschen Regie rung. Er fragte ferner, inwieweit die Nachrichten zutrcsscn, daß die mexikanische Revolution im Zusammenhang mit Unternehmungen großer Erdölgcsellschastcn stehe. Tie mexikanischen Wirren brächten den deutschen Interessen Verluste von Hunderten von Mil­lionen Mark, außerdem bestehe große Gefahr für das Leben von Deutschen in Mexiko. Auskunft wäre auch zu wünschen über den Fall des deutschen DampfersBpiranga". Dic Behandlung dieses Tamviers steht doch zum mindesten im scharfe» Widerspruch zu der ungehinderten amerikanischen Waffeneinfuhr sür die Rebellen.

Der Staatssekretär gab einen kurzen Ueberblick über die Vorgeschichte des jetzigen Konftikis. Tie deutsche Regierung habe da, wo cs angezeigt war.»r sichtig vermittelnd gewirkt, sich jedoch im wesentlichen «us den Schutz der deutschen Interessen beschränken müssen. Zum Schutzdicnst sind zwei kleine Kreuzer,Nürnberg" nach der Westküste undDresden" nach der Onknste entsandt worden. Ter Gesandte in Mexiko sei ermächtigt, den Bedüritiqen durch Gewährung von Borichüffen und Beihilfen, zum Verlassen des Landes behilflich zu sein. Den im Innern des Landes lebenden Deutschen sei geraten worden, sich in die Hasen-, Plätze zu begeben und eventuell das Land z» verlaisen. Dic Aktion der großen südamcrikanischen Republiken habe Deutschland in Mexiko unterstützt. Ter Erfolg dieser Aktion wird aber vielfach skeptisch beurteilt. Die Behauptung, daß Erd- ölinteresscitten ihre Hand sm Spiele haben, vermöge er aus ihre Richtigkeit nicht nachzuprüien. Bon dem TampserBpiranga" habe der amerikanische Kommandant zunächst verlangt, daß er mit den Waffen, im Hafen bleibe. Die amerikanische Regierung habe das aber sofort korrigiert, und der Kommandant hat sich entschuld digt. Die amcrikmffsche Regierung habe ihre Wünsche dahin sest- gelegt. daß der Tampser die Waffen enkweder NN Bord behalten oder sie in der von den Amerikanern besetzten Zollstüttc entladen möge. Die Hamburg-Amerika-Linie hat darauf die Weisung er­teilt. daß das Kriegsmaterial, das übrigens zum großen Teil ameri­kanischer Herkunft sei, von dem Dampfer zurückbeiördert werden solle. Bezüglich der Zukunft Mexikos bemerkte der Staalsselretär, daß nach den Erklärungen des Präsidenten Wilson nichts gegen die Ilnabbängigkeit des Landes unternommen werden soll. Tie Hal­tung Deutschlands müsse neutral sein. Tic Beant­wortung der Frage eines Zentrumsabgcordneten über die Haltung der deutschen Regierung, ialls die Unabhängigkeit Mexikos bedroht würde, lehnte der Staatssekretär ab.

Ter Berichterstatter ersuchte iveiter um Auskunsl über dic Lage in Marokko. Tie Unttnverffiug Maroklos icheine im Nteientlichen vollendet zu sei». Wie hat sich der deutsche Hon dcl unter den neuen Bcrbältnffsen entwickelt? sind Behinde­rungen des deutschen Handels cingetretcn? Wie stcbt es mit dem Ausbau des HasenS von Tanger? Der Zustand der meisten marvk, kanifchen Häsen scheine sehr schlecht zu sein: insbesondere klage das Berffcherungsgewerbe darüber, sind die deutschen Interessen bei dem nun in Kraft getretenen Minenreglcment gewahrt worden ? Die Minenabgaben seien offenbar viel zu hoch. Warum konnte das Eingehen der Niederlassung der Orientbank nicht verhindert werden? Warum ist das schutzgeiuch Raiiulis abgelehnt tvorden?

Der II nter ft aatssekrctär Zimmer mann erividertc, die handclsvolilffchc Lage in Marokko enttvickle sich besriedigend. Tic Annahnck, daß Frankreich bereits die Ruhe im Lande so wen hergcstellt habe, daß cs als Protcktionsmacht über dic Marokkaner zum Zwecke der Truvvenaushebung verfügen könne, teile er nicht. Für die baldige Ocsfnung des Häsens Agadir trete die deutsche Regierung ein, doch sei nach amtlichen sranzösischen Mit teilungen noch nicht an die Oessnung zu denken, da die Unsichcr- 7,eit noch zu groß und dic zur Beriügung stehende Truppenmacht im Süden zlur Beruhigung des Landes zu gering sei. Für den Bau des Hafens von Tanger werde jetzt daß Lastcnheft ausgearbeitet.

Eine Reihe anderer va,en harrten der Berbesscrung. Unsere In­teressenten seien selber tättg, die Möglichkeiten für die deutsche S ch i s s a h r t zu erleichtern. Daß die Deutsche Orientbank ihre Niederlassungen in Marokko ausgegeben hat, bedauere die deutsche Regierung lebhaft. Es stehe zu hoffen, daß >vtr mit Hilfe einer anderen Bank wieder zu einer deutschen Bankvcrtretung in Ma­rokko kommen. Der- llnterstaatssekretär äußert sich »och kurz über die Gründe, loeshalb die deutsche Regierung Raisuli nicht in das öeuffchc Schutzverbältnis ausgenonimen hat. Es sei nackgetviesen, daß Rafful, in der spanischen tsone Uirruhen angezettrlt habe.

Ein Nationollibcralcr besprach die bisherigen Er­folge der Franzosen in der militärischen Heranbildung der Marok­kaner, insbesondere in der Ausbildung von marokkanisckter stiei- lcrei. Die früher geäußerten Befürckstungrn seien im vollen Maszc eingctrosscn, wie auch aus der anderen Seite sich die Belürch- tungen über dic Gefährdung des Ko n g o g c b iet c s durch die Schlaskrankheit bewahrheitet htrben.

Der llnterstaatssekretär bemerkte, daß nach Aus­sage von Männern, die Ncukamerun aus eigener Anschauung kennen, die Schlafkrankheit dort nicht so gefährlich allstrete, wie, behauptet sei. Der neue Erwerb entspreche nach ihrem Urteil dem besten Teil von Altkamcrun und man müsse die Auffassung zu­rückweisen, als ob wir mit dieirm Erwerb ein schlechtes Geichäit gemacht hätten. Bezüglich der Fremdenlegion sei mit Frank­reich eine Verständigung erfolgt, daß M i n d e r s ä h r i g e, unter 20 Jahre alte Deutsche, die sich baben anwerben lassen, sretge- geben werben könne». Der Werbetätigkeit in Deutschland müsse gesteuert werden. Dic Wirkung öffentlicher Warnung vor der Fremdenlegion sei zweiselhast. Viel mehr könne die Familie und die Schule wirken.

Ucber die Lage in China äußerte lich der Unterstaats- sekretär im Sinne seiner früheren Ausführungen. In der Frage der Konzeffionserwerbung sei cs richtig, daß Belgien sich be­sonders erhebliche Kvnzeslionen in der Mongolei gesichert habe. Es bleibe aber dahingestellt, 00 es sich dabei um belgisckzes Kapital) handelt, sodann lwt dic französische Banguc Industrielle de Chine für emc Anleihe von 150 Millionen sich wichtige Lotvcrlräge zu Eisenbahn- und .hasenkvnzessionen verschafft. Es sei bedauer­lich, daß die deutsche Finanz sich zurückhält. Die Kon­zessionen, dic Deutschland aus Grund des alten Tsingtau-Ver­trages erworben hat, seien befriedigend gesichert. Dem Ausbau des Konsulatwcsens Iverdc volle Aufmerffamkeit ,»gewandt. Deutsch­land stellt unter den ausländischen Beratern der chinesischen Regie­rung eine sehr erhebliche Zahl, im Militättvesen den Masor Kinkel- maiin, für die öffentlichen 'Arbeiten den .Geheimrat Bauer, für dic Salzverwaltung di« Herren v. Sttauch und Dr. Mohr, für die Finanzen den Bankdirektor Arnold: scrncr werden gestellt zwei Hauptlcute als Jnstruktionsvssiziere, mehrere Lchrer beim Unter­richtsdepartement und der Landesgeologe Dr. Solzer beim Han­delsministerium.

Ein, Konservativer bedauerte den Niedergang des deut­schen Einflusses in China: er hätte gclvünscht, daß die bei den Dantpsersubrentioncn in Aussicht genommenen Ersparnisse ander­weit für die Verbreitung des deutschen Einflusses in China zur Verwendung gelangten.

Daraus wurden die Verhandlungen abgebrochen Der Leuchtiilausschuß nahm l>eute »ach längerer Pause seine Beratung wieder aus. Es sollte die dritte Lesung beginnen. Dazu liegen zivei 'Äuttägc vor, der bekannte Ko n t i n g e n t i c r u n g s a n t r a g dksZcu- trums und ein 'Antrag des Berichterstatters, Tr. v. Schulze- Gaevernitz lVp.ß der die Uebertragung der vom Reiche in An­spruch genommenen Befugnisse an Dritte auf einen Zeittaum von höchstens zwanzig Jahren (statt 30, hcrabsetzt und ausführliche Bestimmungen für die Reichsleuchtölgesellschast trifft. Es ent­spann sich eine kurze GeschÄtSordnungÄwbottc. Da der Berichter­statter an der Sitzung nicht teilnehnien konnte, wurde Ver­tagung beschlossen.

Der Ausschuß für Haufierhandel und Wanderlüger setzte seine Beratungen bei dem Anträge des Zentrums fort, den Hausierhandel von der Bcdürsnissragc abhängig zu machen. Tic Regierungen erklärten dazu, daß sie dem Anträge aus ior mellcn und sachlichen Gründen nicht zustinimen könnten. Es sollen aber weitere Untersuchungen über dic Bedüxfnisfrage eingelettet werden. Zwei Sozialdemokraten und ein Fortschritt- l e r sprachen sich gegen den 'Antrag aus. Tic Vertreter der N a - tionallibcraten und der Konservativen erklärten, daß der Zentrumsantrag gescstgcberisckle und verwaltungSrechtlichc Schwic rigkciten biete, daß er auch nicht genügende Rücksicht nehme auf den berechtigten Hausierhandel, und daß cs an ausreichendem statistischen und volkswirtschaftlichen Material zur Beurteilung der Ttreitsrage schle. Nach weiterer Beratung lvurden die Ver­handlungen abgebrochen.

Landcrpolizeilicher Prüfungstermin der Straßenbahn Sietzen-ttrofdorf.

th. Gießen, 29. April.

Gestern nachmittag fand im 'Bürgermeistcreigebäude im Stadt- verordnelen-Sitznngssaal der landcspolizeiliche Prüft,ngstermin für das Projekt einer Straßenbahn von Gießen nach Kroidors statt, soweit cs sich um dic Linienführung bis an die hessisch-vreu- ßischc Grenze handelt. Dic Verhandlungen wnrden ftlr das Krcis- amr von, Rcgicrungsrat Langermann geleitet. Als Ver­treter des Ministeriums, Abteilung sür Finanzen, war der Bau­rat Kn a v p - Tarmstadt erschienen. Ferner waren im Termine vextrcten die Eisenbahn-Direktion Franks,,ri a. M. durch Ober baurat Rügcnbcrg, die Ober-Postdircktiou Tarmstadt durch Ober-Postriffpektor Beutler, die Bieberlalbahn durch den Di­rektor Dr. Dreweß, dic Kultur-Inspektion durch Kultur In­genieur M e u n i c r , die Stadt Gießen durch Oberbürgermeister Keller, Direktor St ölte und Sladtbaumcister Braubach, ferner das Kreisamr durch Bauinspektor Hechler »ich das Polizeiamt durch Regierungsrat Gebhardt. Außerdem ivaren Stadtverordneter Heinrich W i n n und Kaufmann Gabri e l er­schienen.

Das in Plänen vorliegetide Projekt, welches der Vor­sitzende Regier,ingsrat Langer mann zur Einsichtnahme cmp- ftehlt, lag aut Tischen aus: cs sieht eine Linienführung von der Ecke BahnhosstraßeNeustadt durch die Neustadt über die Lahnbrücke, die Rodlikinicr Straße cinbicqend neben der Hardt- Altee bis zur Hardt, dann rechts um den Hardtberg, bis zur Lan­desgrenze vor

Dcr Vertreter ins Ministeriums, Baurat Knapp, bemerkt, daß er Eintvendungen gegen das vorliegende Projekt nicht zu machen habe. Oberbürgermeister Keller üvergibt einen bei ihm eingegangenen Einspruch des Stadtv. W i n n , der vom Regierungsrat Langermann zur Verlesung gebracht wird. Darin weist Herr W,n daraut tun, daß ler schon in der Stadtverord­nete,wersammlung Widerspruch gegen die Linienführung der Bahn erhoben hot. er habe dem Wcheripruch die gleiche Begründung gegeben, wie er sie heute mache. Es sei zu beanstanden, daß dic Baku von der 'Neustadt durch die llntersübrung der M a i n - W c se r b a d i, lausen soll, loctche ein Profil von 4,85 m habe. Diese Untcrsührung genüge schon jetzt dem Verkehr nicht mehr: durch das zahlreiche Fuhrwerk, das dort verkehre, seien schon öfters Unsällc veranlaßt worden, (tzeradezn gesährlicl, sei der heutige Zustand an Markttagen, wo der Verkehr nur mit "Utzerster Vorsicht sich gbiprelen könne. Durch eine Straßen- bahnftihrung an jener Stelle würden die G e s a h r e n sür den Verkehr noch erheblich vermehrt, so daß die Bichörde nicht ruhig abwarten könne, bis cs zu spät sei. Auch au, der Lahn- brücke bestehe schon ,etzt eu, sehr reger Fuhrwerksoeriehr und die die Brücke überfahrenden schwere» Lastsuhrwerke tönnten ichon ictzt der Biebertalbahn nur mit großer Mühe ausnnnchen. besonders fei dies der Fall, >penn die Fuhrwerke sich aus der Brücke begegrien. Mit einer Straßenbahn über diese Brücke würde der Fuhrwerksverkcbr noch mehr beengt und erschwert werden. An der stiodheimer Straße sei vorgesehen, daß das rechte Bankett um etwa 1,11 m verschmälert werden soll. In Rücksicht aut den starken Fußgängerverkehr ist diese geplante Maßnahme un­möglich. Schließlich würde die vorgesehene Verlegung der Biebcr-

talbohtt um 1,05 m mit großen Lchwicrigleilen und Köllen lur die Stadt Gießen verknüpft sein.

Oberbürgermeister Keller erklärt, er habe den Einspruch Winns erst kurz vor der Versammlung erlmlten, so daß cs un- möglich gewesen sei, in eine Prüf,mg der berührten tcchuischeu Fragen einzutrctcn, er müsse sich seine Erklärungen Vorbehalten

Rcgicrungsrat Gebhardt hält die Fahrbahn der Brück, für breit genug, um noch eine Straßenbahn darüber zu jührcu. D,c llnterftihrung an der Neustadt sei allerdings etwas schmal, es se, »ach seiner Ansich! aber doch nicht unmöglich, mil einer Straßenbahn durchzukommen. Es gäbe in der Stadt gefährlichere Stellen ftir den chlgenieffien Verkehr, wo dic Straßenbahn durch- sährt, die Lenker der Fuhüverke inüsscn eben vorsichtig sein. Er sagt aber als Vertreter des Polizeiamtcs zu, dic vorgr- bcachten Bedcnkem zu vrüfen.

August Gabriel bemerkt, daß auch er der Ansicht sei, daß der Viadukt au der Neustadt bei dem jetzt schon starken Verkehr sür eine Straßenbahn keinen Raum mehr bietet, aber die größte Ge­fahr bringe sür den Verkehr auf der Lahnbrücke und aus der Rodhcimer Straße das Neben ei nandcrgehen der Bie­berbahn und der Straßenbahn. Tie Ausführung der vrojekticrten Linienführung sei undenkbar. Er verweist daraus, daß täglich 10 Züge nach Rodheim und 10 Züge von Rodheim die Strecke passieren, hierzu kommt der gewaltige Verkehr von Slutomobften und Lastwagen. Will man die Straße nach Rodheim sür eine Straßenbahn benutzen, so könne dies nur unter Benutzung der Sch icnendcrBicbcrtatbahn geschehen, zu denen eine dritte Schiene eingebaut werden kann, oder der Staat oder dic Stadt m ü s s e d i e B i e b e t ta l b a h k a s e n. Mit der Linienftihrung bis zur Hardt ist Herr Gabriel einverstanden, die weitere Strecke um die Hardt herum durch das Ncustädter Feld nach Krofdorf ist nach Vlnsicht des Redners falsch. Tie Strecke müßte vor der Hardt links am Hardtberg entlang nach H c u ch e l h e i m , von dort am Windhos votbei bis Slbendstern führe» und dort sür den Güterverkehr an dic Staatsbahn anschliefjen, dann aber von Abend- stern nach Kroidors weiter gehen. E8 sei dies, wie Gabriel be­hauptet, der kürzere Weg und man könne dann auch bis Rodheim eine Verbindung Herstellen, wodurch das Hinterlandbahn-Projckt gefördert und zum Teil schon verwirklicht werde.

Obcrbaurat Rügcnbcrg setzt voraus, daß die Stadt ffffcßen wenn sic die Bahnnter der Unterführung an der Neustadt durch­führt, vorher um die Genehmigung der Eisenbahnbc- Hörde nachsucht. Die Liniensühruug, dic von Herrn Gcchricl vor­geschlagen sei, über HeuchelbeimÄtzendster» würde niemals die Genehmigung erhalten, da die Nsieber t a l b a h n , weiche dic Konzession habe, dadurch geschädigt würde. Ganz ohne Aussicht aber sei cuie Beförderung von Gütern zwischen (ffikßen und Abendstern.

Regseriiiigsrat Langermann bemerkt, daß es nicht die Auf­gabe der Verhandlungen ist, neue Projekte entgegenzunchmcn und deren Aussübrbarkeft zu prüsen, man habe sich allein nrit dem Projekt, welches vorlikge, zu beschäftigen und gegebencnsalls Ein­wendungen, die sich dagegen richten, entgegenzunehmcn.

Der Vertreter des Ministeriums, Baurat Knapp, erklärt, daß ihm die oorgeiragenen Bedenken gegen die Liniensührung über die Lalmbrücke und die Rodheinier Straße inimerhin bcachtcns- wen erscheinen, er verweise atn'e daraus, daß es ähnliche schwierige Verkehrsprobleme in den Großstädten ebenfalls gebe, man aber trotzdem dott Straßenbahnen baue, und daß sich der Verkehr bei einiger Vorsicht ganz ungesährtich nachher gestaltet. Man müsse natürlich das hier Vorgetragene eingehend prüfen. Er bitte um flngaben, wie stark der Verkehr über die Brücke und durch den Durchlaß der Main-Weierbahn eigentlich sei.

Der Vertreter des Polizeiamts verspricht, den Verkehr, wie er sich tatsächlich ergeben wird, sesfftellcn zu lassen, er »erweist aber daraus, daß es innerhalb der Stadt viel gefährlichere Stellen für den Verkehr glitzt und daß trotzdem dort die Straßenbahn fährt, ahnenden Verkehr zu hindern oder zu erschweren.

Stadtvmordneter Win n weist daraus hin, daß über die Lahn­brücke zur Stadt meistens sckwere Lasnahrwerke mit Kohlen, Bau­material, Ladungen nicht unter 7080 Zentner, verkehren: hierzr kommt der starke Verkehr nach Bichlcrs Brauerei und umgekehrt von dort zur Stadt. Lastfuhrwerk kann aber bekanntlich nicht so schnell aiisweichen, wie der leichte Wagenverkehr, den wir in der Stadt antrcftcn. Der Redner bittet, diesen Umstand bei der Prü- sung mtt in Erwägung zu ziehen.

Es wird hieraus ein Einspruch der Allgemeinen Kleinbahn gegen das städttsclre Projekt einer elektrischen Bahn nach Kroidorl oerlcsen, welcktcin sich der erschienene Direktor Dr. Dreweß anschließt. Er- bemerkt, daß vor 16 Jahren, als das Projekt der Biebertalbahn vorlag, die Vertreter der Stadt Gieße» erklärt baben, die Lahbrücke und der Viadukt der Main- Weierbahn seien nicht breit genug sür dic Kleinbahn. Es unterblieb daher die Einillhrimg der Bahn bis OswaldS- gartcn, wie man plante, die Lahnbrücke aber wurde mit einem Koftenauswand von 30000 Mark von der Bieberlalbahn aus beiden Seiten verbreitert. Würde man der Stadt dic Benutzung der Fahrbahn der Brücke zu einer Straßenbahn überlassen, so müßte sic einen Test der ausgeivendeten Kosten iür die Berbreiterung zurückbergüten. Es sei unmöglich, die Lage der Gleise der Biebcr- talbah», wie es das städlische Projekt ins dlugc raffe, um etwa einen Meter an die Häuser heran zu verlegen. Nach der Ansicht der ?lnlieger an der Rodheimer Tttaße, die diese bei Projektierung der Bicbertalbahn als Beschwerde dagegen seinerzeit verbrachten, toar die jetzige Lage der Gleise damals schon störend und es Ivurdc eine Zlbgrcnzung der Bahn vom Bürgersteig durch Gitter ver­langt. Es gehe daeaus hervor, daß die Rodhcimer Straße sür 2 Bahnen nicht breit genug sei, in der sich der Verkehr feit! 16 Jahren doch gewaltig gesteigert hat.

'Obcr-Postinspektor Beutler erklärte sür die Oberpostdirck- tiou Tarmstadt, daß er es noch sür vcrsrüht halte, Anträge zu stellen, denn noch liege der Traktus >der Bahn nickt fest, er be­halte sich aber die Anträge betreffs der Höchipannungsieftung der Stadt Gießen bis später vor.

Der Vertreter der Kulturinspeltion stellt Anträge betreffs der Durchlässe und bringt Wünsche kulturtechnischcr Art vor, deren Erfüllung als selbstverständlich beim cvll. Bau der Bahn zugcsagt werden.

Kreisbauinspektor Hechler bemerkt, daß die Benutzung der Brücke» uich Straßen, soweit sie Eigcnttun des Kreises sind, durch dic geplante Trambahn von einer Genehmigung des Krcisausschus- ses abhängig sind.

Oberbürgermeister Keller bittet um eine Abschrift des Pro- tololls über die Verhandlung .In der 'Angelegenheit der Straßen­bahn nach Kroidors im preußischen Gebiet habe er ein Schreiben des Regierungspräsidenten erhalten, ivelches er wegen der dann geiorderten ?lftngen erst zur Beratung der Stadtver­ordneten stellen loolle. Bis dahin könne man die erhobenen Einwendungen prüfen und dann erst IN der .Sache in einem neuen Termin verhandeln.

Baurat Knapp bemerkt, daß er nach Prüfung der Pläne die erhobenen Bedenk,NI wegen der Brücke Nicht in dem Maße teilen könne, wie sic hier vvrgetragen seien. Wünschenswert wäre eine Abmachnug der Stadt mft der Bicberbahn, wonach die Straßen­bahn durch Einbouung einer dritten Schiene aut demselben Glcis- wcg bis zur Hardl-'Allee sahrcn kann. Wie schon bemerkt, gebe es in jeder Stadt derattlgc Vcrkehrssckmiicrigkcitcn für den Ver­kehr. Wenn man sich von Bedenken.solcher ?lrt lcften lasse, wie sie hier geäußert seren, dann könne man überhaupt keine clek- ttischeu Bahnen bauen. Der Verkehr müsse sich eben an die gegebe­nen Ber-SItnissc der Entwickluirg gewöhnen mtd gewöhne sich auch sehr schnell daran'.

Damit war der Prüfungsterinin beendet. _

Provinzial-Ausschutz der Provinz Obcrhcsicn.

Gießen, 29. April.

Anwesend: ttzeheimerat Tr. Usinger, als Vorsitzender und 4 Mit-,lieder. Beginn 9, Ende 121/, uh,-.

1, K tage desI. Pfeffer zu G i e ß e n gegen die siadt Bad-Nauheim wegen .Heranziehung zu ® i r6 c f ° ft c n 6 c 1 1 g c n. Auf Grund des Art. 21 der '.lllgcmeftien Vauordnuug und des 8 ö der Ortsbau- satzung der stadt Bad-9ßauheiin wurde Pfeffer sür seine in