m. 79
Der «k|tiur Ssjei^tt
«iijrmt liiftliä), äuget Swuitags. - Beilagen: viermal wöchentlich «>ehe»er>i««lli,ybtätterz znxmiatwöchentl.Xreir« dlatt sür ><niir«,t Hießen ,'Lteustag nndFreilag); xivetnial neonat. £«,»> wirtschalkeche Seltsrage» Ferchprech - ?!nschlnfie: s ‘ijr die Redattion 112, Ccrlaq u. Expedition öl Adreste für Depeschen: «nzefger «iejen. jw.sIwk Mit Anzeigen stir die Tagesnunnner bis vormittags S Uhr.
Erstez Vlatt M-Jahrgang
GietzenerA
Zreitag, 5 . April j( 9 M
General-Anzeiger für Oberhessen
H«tofieits*nitf imö Verlag »er Srühl'schen Unw.Snch- ,«» Zteinöruckerei R. Lange.
Be-ugSvrelA:
monatlich 75 Ä.» viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole* u. Zweigstellen monatlich 6ä Ps.; durch die Post DL.3.— viert «4- jährl. auL'schl. Bestell-. Zeileuoreis: lokalläBf^ airSwärtS 20 Bieuntq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den volit. Teil: Aug. Goetz: für /Feuilleton", »Vermischtes" und„Gericht4- faal": Karl Nenratb; für „Stadl und Land":
Ne-aition, Lrpcdilion und Druckerei: Schulftratze 7. Anz-igm"-ü:' sTsttf!
Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.
Rochetterkan-al und Aurschuhkomödie.
Daß aller nuten Dinge drei sind, wird man dom dritten Ausschuß, der mit so außerordentlicher „Gründlichkeit", den Rochetteskandal untersucht und erst nach sehr hcsligen Mel nungsverschiedenheiten, in deren Verlauf der Aussch iss - Vorsitzende, Jaurös wiederholt mit dem Austritt drohte, seinen Bericht erstattet hat, süglich nicht behaupten können. Die ersten beiden Ausschüsse, denen ebenfalls JanreS pro sidicrte, waren ausgcgangen Nne das Hornberger Schießen. Der dritte, der infolge der Neuaufrollunq der Rvchetie- afförc durch die Ermordung Ealmetlcs eingesetzt wurde, war mit ga:iz ungewöhnlichen Befugnissen ansgestattet wor den Es ist der erste parlamentarische Ausschuß, dem rieb terkichc Gewalt zugesprochcn imwde, der also Zeugen unter Eit» vernebmen konnte. Wenn inan in Frankreich erwartet tuitte, daß dieser ganz besondere Ausschuß ganz besondere Ergebnisse zeitigen würde, io hat sich das als eine außerordentlich große Täuschung erwiesen.
Freilich, in den eingeweihteu und vor allem in den interessierten Kreisen halte man das auch gar nicht erwartet, sondern man hatte das Gegenteil erhofft. Und dieser interessierte Kreis war ein sehr großer. Er beschränkte sich nicht enna ans diesenigen, welche noch heute fürchten müssen, durch den Rochetteskandal bloßgestellt zu werden, sondern er erstreckt sich in letzter Linie auf die ganze» Regierungs parteien, die durch die Veröffentlichungen der Rochettc- affäre nicht ohne Grund eine Einbuße an politischen Prestige zu erleiden befürchten. Diese in Frankreich weit verbreitete Auflassung kann am besten durch die Eriuner lug an einen Vorgang aus der ersten Zeit des Rochetteftandals erläutert werden. Der ebenso geriebene löse unverschämte Millioncnschlvindlcr war damals zu dem Direktor des Blattes „Rappel" gegangen und hatte ihm eine Statistik vorgelegt, derzniolgc die frmizösischen Sparer in den letzten zir»ei Fahrzehnten durch die Finanztransaktionen der Großbauten zehn Milliarden Francs verloren hätten. Ter Ti rektor des „Rappel" riet entsetzt ans: „Das ist ja sehr ernst, man könnte mit einer solchen Veröffentlichung die Republik vernichten' Warten Sie, bis ich den Finanz- minister gesprochen habe!" Der Finanzminister mar Eail- tanr. und Cailkaur >var derselben Ansicht wie der Direktor des „Rappel", und die Statistik erschien nicht und Röchelte konnte unbehelligt nach Mexiko verduften Die Republik aber war wieder einmal gerettet.
Auch der jetzige dritte Rochetteansschnß hat jifli offen bar als Motto seiner Tätigkeit den Satz erwählt: „Das ist ja sehr ernst, man könnte mit einer solchen Pcrösfent- lichttiig me Republik vernichten!" Wie in den beiden ersten so ist auch in diesem Ausschuß eine ganz umfassende Per-- tnschungstaktik geübt worden. Man hat nicht mehr festgestelll, als unbedingt festgestellt werden mußte, und wenn sogar der Vorsitzende Ja »res, der doch auch zur Regierungspartei gehört und an deren Schicksal mitintcressi'rt ist, wiederholt mit seinem Austritt drohte und nur mit Mühe zum Bleiben bewogen werden tonnte ,so laßt das tief blicken. Ist doch auch der Beschluß über den Bericht nur mit I t Stimmen angenommen worden, während drei
Paul Heyse f.
Nt ünchcn, 2. April. Paul Hchse ist heute nachmittag ö.20 Uhr verschieden.
Heyse, der Ewigjungc, wird in unserer Dichtung sortlcbcn als einer jener Götterlieblinge, die eine ftrablende Sphäre ^von Anmut und Schönheit umgibt und früh verklärt hat. Alle Stürme der Mode, alle Wandlungen der Stile, die Revolution der Aesthetik waren nnter ihm vorbeigebraust, ohne an den Kern seines Seins, ohne an den inneren Gehalt seiner Werke zu rühren. Das Zauber- hatte Gesellenk des Genius, das ihn befähigte, die Erlebnisse seiner Brust im vollendeten Ausdruck zu verkünden, hat seinen Lebcns- aang mit nie schwindendent Schimmer uingoldck. Was seiner Persönlichkeit den hinreißenden Schwung verlieh, sie^ heraushob aus allem Gewöhnlichen hoch in die Regionen des Ideals, das war die iichrvarlicbe Segnung dieses Auscrwäbltcn durch das Geschick, die Fülle lauterer Harmonie, die ihm von Aniang an mitgcgcbcn war. Rur ganz selten wird einem Volk und einer Zeit solch ein Bcgna- detcr der Natur geschenkt, der ein Siegreicher ist lind ein «rönnen menich von Kindesbeinen an. Und noch seltener ilt eine voll allen tieicrelt Konflikten befreite, in ircicr Sicherheit geschlossen lvaltcndc Schüvierkrait in unserer nordischen, so tief zerklüfteten, vom Zweitel zerwühlten Dichterwelt. Ei» heiter im Lichte wandelnder, aus nn erschovflicher Fruchtbarkeit fröhlich mitteilender Poet wie Hchse, der in den romanischen Literaturen wohl einige Parallelen nnhet. z. L. bei Ariost oder Lovc/ist in unserer Dichtung cm lsh köstliches Wunder, daß er wie eine glückliche Insel ans nnserm —chri'tluilt ragt. ^
Und. seine Taten, die einen bleibenden Wert der dcutlchcn g.ia« tung ausmacheii, sind seine ttzedichte und seine Novellen, Uno er war eilt Klastiker der Novelle! Seine Geschichten Hoden alle einen «pan nendcn. rein üosilich intercssantcll Inhalt: es kam ihm darant an, den „Falken", wie er nach einer Novelle Boccaccios die einer jeden Novelle besondere Mid eigentümliche, sie unterscheidende Situation nennt, in seinen Geschickten ju finden, und in diesem suchen ist er bis -um Grotesl-Schanerlichcn, Rassiniert Gcivemierhaitc», 'lben- tenerlichcn -üwcilcn gegangen. To lockten ilm überhaupt aurer- gcwöhnlick.c, seiten. voriommende, eigen geartete Phänomene des Lebens. Dem Pathologischen, dem Exotischen und Rätsewollcn Nt er zugcwandt, und in der langen Reihe feiner Erzählungen hat et <nn Konipendiun: psychologischer Lösungeit und Feinheiten, ja Rani nierthcilen geboten, bas den Büchern Bourgeis nichts nochlteht und .Hchse einen testen Plan unter den großen Kennern der -Seit sichert. Und Wicke Stoffe, die von einem merkwürdigen Erlebnis, von ekstatischen und schwülen Leidenschaitcu, von peinvollen Konflikten erzählten oder die Geschicke einiacherer Nkenickien wenigstens in die großzügige ionnimdurchleuchtete Luit Italiens rückten, inngab cr bann mit dem Prachtgcwand einer loundexvollen pwrnt. o» lernen bestell Novellen ist ein einheitlicher Stil, eine durchgehende rtrm-
dagcgen stimmten, zwei sich der Stimme enthielten und mehrere Mitglieder fehlten.
Und dabei ist das, lvas diese milden, durch ihre Partei- Itellnilg beeinflußten parlamentarische» Richter festgestelll baden, schon sür recht unbescheidene Ansprüche hinreichend, obwohl der Kern des Rochettcskandals ebenso nnailsgeklart blieb wie die unvereinbaren Widersprüche zwischen den Aussagen Monis' »nd Fabrcs. Der Ausschuß hat lvohl oder übel sestjlctlen müssen, daß unter beut Ministerium Monis eine Intervention der Regierung zwecks A u f s ch n b s des R v ch c t t e p r o z c s s c s erfolgt ist, und dajj den Herren Eaillanx und Monis eilt bcklagcns- lverter „Mißbrauch des Einslnsscs" vorzuwerfcn ist, wcnli man sic auch von der „Korruption" freiacsprochen hat.
Tic analogen Borwürfe lverdcn gegeli d'li itzcncral staatsmiwalt Zabrc uitb ben Präsidenten des Apellalivns» Hofes erhoben, und es wird betont, daß die Röchelt.-affäre besonders schlvierig als Symptom sei, da sie „ein lleb-l enthalte, das sich auch sonst bemerkbar macht, und das, wenn das Land jich nicht rührt, sich in, Innern des polit, schen Systems weiter cntlvickcin und vcrtiescn könnte,"
Das Land lvird sich aber kaum rühren, denn die maßgebenden Politiker lvcrden cs nicht tun. Muß man sich doch erinnern, daß schon der erste Rochetteansschnß nicht etwa den mangelnden Eifer, sondern den Uebereifcr der Justizverwaltung tadelte, „der lvohl die Schuldigen trefsen, aber für die Bürger gefährlich werden ln»»". Für die Bürger, das heißt für die Regiernngsparteien. Es ist dahw auch mir eine leere Phrase, wenn s'tzt der drille Röchelte» ansschuß den Herren Monis und Eaillanx bezeugt, daß sic sich „dem begründeten Tadel aller Burger ausgesetzt" haben. Die maßgebenden Bürger lvollen keine Klarheit, sonderli Vertuschung, lind das war seit dem Panama-« slandal bei allen französischen Affären der Fall. Man lvird in Znlnnst in Frankreich um eine Redensart nach Analogie des Hornberger Ickneßens nicht verlegen sein, man braucht nur zu sagen: Die Affäre ging ans lvie der Rochctte aiisschuß. Wenn aber dieser sich damit tröstet, daß solche Dinge in allen Ländern vortommcn, so muß das cm schieden zllrückgewiesen werden. In ihren Assären iliar- schieren die Franzosen an der Spitze der Zivilisation, fast hätten wir nnhöslichcrweise gesagt: der Korruption.
Paris, 2. April. Die Kammer beriet über die vom R och e l I-c a il s sch » y vvrgcieaten Tckilußsoliiernilgen. Del«! h ave Regle , der sein Amt als Mitglied des Ansschusses medcr- geleat hat, erklärte, daß Monis, Caillaux, Fahre iiitft Bidaull h«.n >en konnten, eine Pertagimg des Prozesses gegen Rochette imirde die Nichtigkeit ilnd Berjährung der Klage» gegen den Finanzmann mit iicki bringen. Er verlas ein jnristischcs Gutachten, das von einer Persönlichkeit in hoher Stellung stamnit, und daran! abzielt, gegen Monns und Eaillanx Anklage zu erheben. Sie hätten .Drohungen gebraucht, um Fabrc zum Gchoriani zu zwingen: daran! stände die Aberkennung der bürgerlicktcn Ehrenrechte und eine Geldstrafe von mindestens 200 Francs. Tclahaye schloß mit der Anffordernng an die Regierung, die genannte» Minister gerichtlich zu verfolgen lBcisall rechts imb im Zentrum). Er machte lvcitcr Do um erg ne den Vorwurf, die Vergehen verheimlicht zu haben, oblvohl er sie kannle, lind damit die «ache eines Gauners zur Sache der Revublik gemacht zll haben. (Widerspruch links.) Er tadelte in gleicher Weise Sture«, der Monis und Caillour deckte, und schließlich auch Bicnvenn Martin. Dem eljenmligen Ministerpräsidenten Bartho » aber sprach Tclahaye seine aufrichtige Anerkennung ans.
m»ng fcstgehaltcii, die bald wunderbar die naive Gcgenslandslust der alten Novellen ansnimml, bald nervös, lliiruhig jagend, gehetzt und abgerissen vorwärts eilt.
Jnuncr aber ist es der „farbige Abglanz", an dem Hcttse das Leben erkennt. Das Milieu, das ec darstellt, ist »ns heute ickion merkwürdig fern: aber es bat eine anschauliche Buntheit, die vorher in unserem Schrifttum selten hcrvorirat. Es mutet uns fremd an, wie verliebt cr in das Aeußcre seiner Personen, das schöne Haar, den Nacken, ist, wie er die Süße der Landschait einatmct. aber darin gerade liegt ein bedeutsames Element seiner Kunst. Sbeofc stand dem malerischen 2l»iicbtvnng Münchens, den er in feinem Roman „Fm Paradiese" geschildert, in seinem ganzen Empfinden nahe: cr hat der deutichen Sprache cln«s Sinnliches, Plastisches verliehen, hat den von der Blässe deS Gedankens angekränkelten Körper »nierer Tichtung vom Blute der Malerei triuken lassen. Es ist die Welt Böcklins, Marecs »nd Feucrbachs, die sich oft im Wort vor uns entfaltet, und ,ö wird er unter uns iortlcben als der edelste Ge nosic jener großen Künstler, als der dichteri>ck>e Repräsentant idealistischer Malerei, die der deutschen Kunst dieser Epoche ihr charakteristisches Gepräge verliehen.
Eine eingebendc Würdigung des Dichters brachten wir gelegentlich seines 80. Geburtstages aus der Feder von Pa»line Lange in den Gießencr Familienblättcrn.
.,öiei»ermeier-3eit" oder „5chinkel-3eit"?
Im Kunstwart Verlag Georg D. W. Callweh-Münchcli« schreibt Ernst Rudorst: „Für die Periode von l8lk bis 1818 hat sich die Bezeichnung „Biedermeierzeit" eingebürgert. Tie wenigsten lvissen über den ilrivrnng des Wortes Bescheid, allein der Eindruck von etwas Spöttelndem, den cs lediglich als sölches macht, ist unleugbar. Wie sehr die instinktive Empiindung damit das Rechte trifft, darüber bekehrt ein Blick in dos Koiwcriations- lexilon. „Biedermeier", so heißt e-s da, „ist der Name eines von L. Eichrodt geschaiienen, zuerst in Gedichten der „Fliegen den Blätter" vorkommenden Figur, eines Typus von Beschränktheit, Vbilisterhaitigkeit, Trenberzigkest und Gutmütigkeit." Daher also „Biedernieierzeit" und „Biedermeierstil"!
Verdient die Zeit zwischen den Freihiitskrsegen und der Märzrevodition in der Tat, durch einen so geringschätzigen Namen gekennzeickmct zn werden? Freilich, die Signatur „Blut und Eisen" paßt nickt auf sie, imd daß die inncrpvlilischen Zu stände während jener drei Jahrzehnte in deutschen Landen viel zu wünschen übrig ließen, wird niemand ablcugncn wollen. Was aber harr: jene Zeit dafür zuni Ausgleich an Bedcurung und ichövicrischer Kraft aus dem Gebiet des Geisteslebens einzujetzen! Ta lebten und wirkten, um nur die allerersten Namen zu nenne», in der Wistenicboit Männer wie die beiden Humboldts, die Brüder Schleiermacher, sanigny, Böckh: da dichteten Uh
Vas Programm der italienischen Regierung-
Rom, 2. April. Ministerpräsident Salandra hielt in der Tcputiertenlanimer heute seine Antrittsrede. Das Hans »nd die Tribünen waren stark besetzt. Snbandra führte aus: Das Ministerium setzt sich aus Männern zusammen, die verschiedenen Richtungen der großen libc raten Partei angehören. Der siegreiche Krieg gab uns das SeO'stbewußtsein ivieder und stärkte das Ansehen des italieni>chcn Namens in der Welt. Er forderte aber auch einen Verbrauch von Kräften, die ersetzt lvcrdc» müssen. Während die Flotte sich ans Grund der vorgeschlagenen Kredite entwickeln kann, fordert die Armee vom Vater lande, dessen Stolz und Hort sic ist, entsprechende Maß nahmen, für die wir in den Grenzen, wie sic die. Hilfsquellen des Landes ziehen, eintrelcn werden, ivcil wir wissen, daß ein ausgeglichenes Budget auch die notwendige und gute Vorbedingung sür die nationale Vcrleidfgnng ist.
Talandra fuhr fort: Angesichts der niilitärischen^Ope- rationen, die in Libpcn sortdancrn, wird die erste Sorge der Regierung sein, daß es der dort knmpscndcn Armee an nichts fehlt. Außerdem wird man die für -die Bedürfnisse der Strcitkrästc des Mutterlandes vorgesehenen Fonds auf füllen müsse». Für die bereits begonnene Durchführung des Programms, betreffend die Befestigungen, die Artillerie, die Luftschisjabrt, Pferde, militärische Gebäude, Vorräte und die Mobilisierungen wird die Regierung außerordentliche Kredite fordern, jedoch nicht über 200 Millionen Lire, die ans mehrere Rechnungsjahre zu verleiten sein werden.
Au» Hessen.
A u s d c r Zweiten K a m m r r Herr Abg. Justizrat R e h, Vorsitzender der Frattwn der Foriichr. Bolksv. im hessischen Land tag, schreibt uns: „In dem Bericktz des Gießencr Anzeigers über die Verhandlungen der 2. Ständelämmer vom vorigen Dienstag - ebenso, anscheinend van demselben Korreivondentcn herrührend, itt anderen Blättern — ist die Bemerkung enthalten, daß d^ Abq. Tr. Winkler während seiner Rede über den Heu- und Sauer- warm „fortivährend unterbrochen" worden sei „durch Unruhe und Lachen ans der linken Seite des Hauses". ^— Diese Behauptung ist absolut unwahr. Die wenigen Ab geordencten der Linken, die anwesend waren, haben sich weder unterhalten noch sonstwie Unruhe verursacht. Tie. Unruhe bestand in der Mitte des Hauses, und der 'Abgeordnete Tr. Winkler bat, als er nun zweiten öder dritten Male den Präsidenten um Herstellung der Ruhe bat, erklärt: „Ich sollte denken, daß gerade oie Abgeordneten, die Landwirte sind, Interesse sür meine Darlegungen haben und mir znhören sollten." Ich werde, wem, diese Taiiachc» bestritten werden sollten, durch eine Acnßernng des Präsidiums, die ich erbitten »«erde, oder aus andere Weüe die Unrichtigkeit der beanstandeten Notiz Nachweisen und bemerke noch, daß in der joolgenden Debatte ein Redner meiner Fraktion durch die llnrnhe des Hauses in solchem Maße gestört wurdc, daß er erklärte, er werde erst sortsahren, wenn die Herren ihre Privat- untcrhaltnng erledigt haben würden.
rb. Tarmstadt, 2. April. Ter parlamentarische A n s s ch u ß für V c r e i » sa ch u n g der Staatsverwaltung wird am nächsten Dienstag, de» 7. April, zu einer Beeatu»g zusainmentrcten. Zur Vcrbandlung stehen die Punkte: Reorganisation der Bauvcnvaltung und Vereiniachung des Kähenwescus.
rb. 2 a r m st a d t, 2. April. Tic D n r ch f ü h r u n g d c r B c - amten- und L c h r e r b e s o l d n n g ist zurzeit noch mit mancherlei Schwiprigkeiten rerknnpit, die man nicht voralissthe» konnte. So z. B. sind ltnffarfieiten oorhanden beionders bei solchen stellen, die teilweise durch gehobene Stellen ersetzt «vnrdcn. Es ist hier die Frage, ob mmmebr die gehobene Stelle als eine Versetzung i» ein anderes Amt ansgesaßt ioird oder nicht. Die Regierung lvird bei
land, Rückcrt, Justinus Kerner und Eichendorfs: Carl Maria von Weber schuf seine Lvern, vor allem den „Freischütz", mit dem er deni deutschen Volke ins Herz traf wie kaum ein anderer: die musilalischc Lyrik erreichte in den Schöpfungen Franz Schuberts, Felix Mendelssohns und Robert Schumanns ihre höchste Blütc- Peter Cornelius, Julius Schnorr, Moritz oou Schwind und Ludirig Richter zeichneten und malten: Schinkel gab durch seine Bauten nicht nur das Beispiel reinsten Geichinacks, iandern führte zugleich durch schövscrische Anregung aus dem gejäinten Gebiet des Bildens und Formens ein Neues heraus, dessen Wirkungen sich bis in die Gebrauchsgegenständc des täglichen Lebens erstreikten. Dem Auskliiigcii des Empirestiles wurde durch ihn ein irisches, ans griechischer Luelle schöpfendes Lebenselement zugeführt.
Daß die gesamte Geistcslust jener Tage solchen Erscheinungen entsprechend eine reine und seine sein mußte, liegt aus der Hand. Und so hat cs denn auch wohl kaunr- vorher oder nachher eine Geselligkeit gegeben, in der edelste Bildung des Geistes und Herzens bei größter Bcschcidimheit der äußeren Verhältnisse IN solchem Maße den ösrnndtvn des Verkehrs bestimmt hätte, wie gerade während jener Friedensiahre in der ersten Hülste des neunzehnten Jahrhunderts. Haben wir wirklich Veranlassung, mit unsrer Maschinenbrutalität und nnircr Impotenz aut manchem EKbiet künstlerischen Schassens mit leisem Spott ans unsre Großväter oder Ilrgroßväicr herabzuschen?
Viclleickst Ivürde cs sich ain ehesten empschlen, wenn doch irgendein Raine gegeben werden soll, Ludwig Richter oder Schinkel für Biedermeier zu setzen."
Die Kunstwart-Leitung schreibt dazu: Ludwig Richter cnip- tichlt sich schon deshalb nicht als Taufpate, weil er zu weit in. die.spätere Zeit hincinlebtc. Aber Schinkel-?,eit, das ließe sich bören. Zwar verbindet wohl jeder, der jene Zeit kcnnt^mit dein Wort „Biedermeier" kaum noch den ursprüngticheii «sinn, als Zeitbezcichnnng bat das Wort längst einen andern, bessern Klaiig bekommen, bei dem von Spott kaum noch etwas dnrchklingt. Aber Mich in diesem Falle sagt der Name „Biedermeier-Zeit" beitcnsalls »ick-ts sür unsre Schätzung ihrer Werte Bezeichnendes, während das Wort „Schinkel-Zeit" bezeichnend wäre.
In der Sitzung der Geographischen Gesellschaft in Christiania, der Mich der König beiwohnte, widmete der Präsident der Gescllichait in einer Ansprache Sir John Murray und dem verstorbenen Eislotien Beck einen Nach- rnt. Der italienische Gesandte überreichte Roald 'Atnimdsen die Goldene Medaille der Geograbhilchen Geiellichoit in Rom. Dar aut hielt Hauptmann D>'. Fi Ich» er einen Vortrag über seine antarttiscke Expedition. Dem Vortrag wurde lebhaitcr Bestall gezollt, . >


