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Erstes Blatt
164. Jahrgang
Mittwoch. 1. April I9J4
General-Anzeiger für Oberhessen
Rot<rtionsfcr*Ä Verlag i« vribl'schr» Uaiv.-Vuch- und SteiadruSerei K. Lange. Ne-attion, Lrvedition und vnukcrci: Schnlstraße 7
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moiiatlichlöVchvierlil- iäbriich Mk. 2.20: durch Abhaie- n. Zweigstellen monallich Kö Ps.: durch diePost Mk. 2.— oiertet» jährl. ausjchl. Bestellst. Zcilenvreis: lokal läPj-, auswärt.' 20 Viennia. Chelrcdakteur: 21 Goetz. Verantwortlich iiir den volit. Teil: Aog. Goeg; für .Feuilleton', .Vermischtes'und,Gerichts- !ool": klart Sleuraib: lür .Stad! und Land': Kurt Bcndt; iür den Auzeigenteck: p. Beck.
Dl« heutige Nummer umfaht 14 Seiten.
m Bischofssitz und Aardinalshut.
iirch das Ableben des Kardinals Kovv ist nicht nur u : nlesische Bischofssitz natant gclvorden, sondern die lionen deiltschcr Katholiken haben dadurch zugleich ztc Vertretung im „heiligen .Kollepiiim" verloren & der Kardinälc war vom Papst Sixtus V. »ns 70 : , setzt worden.
das letzte Konklave ani 30. Juni 1903 zur Papstivalsl entrat, bestand cs noch aus 62 Kardinalen, während i rit nur mehr 53 sind. Von diesen sind, imc wir schon < festgestellt haben, die größere Hälfte, nämlich 30, jl\-. iier, und nur 23 geltvre» anderen Nationen an, dar- • der deutschen 0.
liegt in der 'Aatnr der Saa>e, daß dies von den de. : >, Katholiken als eine schlvere Benachteiligung cmp- wird, und cs heißt denn auch seit einiger Zeit, daß - angekündigtcn Ernennung neuer Kardinale die von will er Seite geäußerten Wünsche berücksichtigt werden Das geheime Konsistorium, in den: die Ernennung cdinälc erfolgt, sollte ursprünglich im März stattwurde aber dann auf den April verschoben. Es beißt, i„ if Italiener und fünf Ausländer zu Kardinalen ge uaach werden sollen. Unter den letzteren werden unter an- eine genmnii der Erzbischof von Wien, Tr. Psllfl, der Erz- - von Gran und Ftirstprimas' von Ungarn Tr. Csct >.»n und als deutscher Vertreter der Erzbischof von Köln wartmann, sowie der Apostolische Nuntius in Mün- fn ühwirt.
Zweifellos würde cs unter den deutschen Katholiken 6'sriedignng erregen, und es wurde ja damit nur eine WktV der ausglcichenden Gerechtigkeit erfüllt werden,
: enigstens zwei deutsche Kirchensürstcn mit dein roten 'st ec'leidet würden, zu denen sich früher oder später als wein er Vertreter im Kardinalskollegium auch der noch zu neu. >idc Nachfolger des Fürstbischofs Kopp gesellen .-.-I- Aber die Bedeutung dieser Frage braucht nicht über- u werden, den» unter den zurzeit 53 und demnächst ich niehr als 60 Mitglieder zählende» Kollegiums oder.'! deutsche Vertreter einiger,nahe» ciuslnßlos. ist dafür gesorgt, daß die Italiener, denen noch dazu " 'onrer sekundieren, über die Mehrheit ini Kollegium ni, woraus e. sich denn auch erklärt, daß aus dem '- i" >>c seit dem 16. Jahrhundert kein Papst mehr hcrvor- -pi. der nicht italienischer Nationalität war. Hat doch auch e i so maßvoller Ma.in imd gennrndtcr Tiplomat. wie e storbenc stopp es ivar, ebensowenig den Erlaß der ioe omäusenzhklita wie des gegen die christlichen Olewerl- ich-iten gerichteten Rundschreibens verhindern töiine».
Even deshalb ist weit bedcutsainer und politisch ein- nb.ic ndcr als die Frage, ob und wie die deutschen Kailiv stiken im Kardinalskollegium.vertreten sein werden, die an- ■bcrc Frage, wer auf den vcrwaisten Erzbischof- s« tz in der Breslauer Dom in sel berufen werden >nrd. auf welche Persönlichkeit Staat und Kirche sich einigen werden. Tenn ivcnn die Regierung auch, da cs sich ui Pr aßen ja um eine „akathvlische" Regierung handelt.
lein vositives Mitwirkungsrechl bei der Wahl hat, so stehen ihr doch gewisse negative Befugnisse, ein Einspruchs- r c ch t zu. das man freilich von kirchlicher Seite »ach Mög lichkeit ciiizuengcn sucht.
ä.ie Wahl, die von dein Tonitapite! vorgcitoniinen wird. 0^ >»>wrhalv dreier Monate nach ücni Ableben des Fürst lnschofs zu erfolgen. Wahlberechtigt sind nicht nur die Toni kapitularc, sondern auch die Ehreiidoinhcrreii, ivähreud die hegiermig ihrerseits zur Wahrung ihrer Einspruchsrechte cllicii ^vahlkomniifsar ernennt, zunicist den Oberpräsidenten oder Regierungspräsidenten. Bor der Wahl stellt das Tom orpitel eine Kandidatenliste ans, loobe: der vom Kardinal Rampolla im Namen des Paostcs Leo XIII. im Jahre 1900 veröffentlichte ^Erlaß „ad nolitiam" gewisse Einschräntun llen. vorsieht. So sollen „keine Greise, leine Kranken oder w»ü Behinderte" darin ausgenommen werden, und für einen Nichtprciißen bedarf es, auch wenn er ein Deutscher ist, der besonderen königlichen Genehmigung. Weiter soll darauf ge- ichcn werden, daß keine dem Landcsherrn nicht genehme Persönlichkeit auf die Liste gesetzt wird, denn cs heißt in dem erwähnten Wahlerlasse:
„Es in daher Sache des Kavitcls. nur ialebe auf die Liste zu nehmen, vv» denen es vor dem feierlichen Wahlakt sestftcht, das: sie außer durch andere Gaben, die erforderlich sind. NM die Kirche ZU leiten, zu schütze» und friedlich zu rcgicrrii, durch den Vorzug der Klugheit und durch ein eiiriges Bestrebe», die öffentliche Rnbc ZU loahrcn und die Treue zu halieu, sich auszuzeichnen und deshalb d e IN Landcsherrn Nickt minder g c II c h IN i i II d."
Wenn die Kandidatenliste fcrtiggestellt ist, wird sie dem Wahlkonnnissar zur Weiterbesörderung an die Regierung übermittelt, der sic nach deren Rückäußerung wieder dem Kapitel znstellt. Dann wird die Wahl vollzogen und dein Kommissar anitlich mitgeteilt. Erst hierauf wird die pipst- liche Bestätigung nachgesucht. nwrmlf die sogenannte Prä- kvnisation crfotgt.
Aus dem hier Gesagten geht hervor, daß die Regierung tatsächlich ein Eiiisprnchsrecht hat. Daß sic unter Um - standen von einem solchen Gebrauch zu machen gewillt ist, geht daraus hervor, daß sie den Poscncr Bischofstuhl bis heute lecrgelasscii hat. weil sie sich mit dem Vatikan nicht über einen geeigneten Nachfolger Stablewstis einige» konnte, nachdeni sic mit diesem fanatischen Parteigänger der Polen so schlimme Erfahrungen gemacht hatte.
Deutsche» Aeich.
Ter K a i s e r hörte, wie aus Kurf» gemeldet wird, am Montag den Vortrag des (stesandtcu v. T re u t lc r. Tiens lag nachmitiag machlc der Kaiser mit Gefolge einen Busilug in Automobilen nach dem Kloster Palasokastriga.
Tic Nutzung der Walchenseekräftc. Ter Fi- nanzausschuß der bäuerischen Abgeordnetciikammer lsat die Rcgieriiiigsvorlagc l etrcfscnd den Ausbau der Walchensee tröste aiigcilommeii. Für diesen Zweck sollen sechs Millionen als erste Rate in den anßcrordentlicben und 165000 Mark für Verzinsung und Tilgirn-g in den ordentlichen Voranschlag eingestellt werden.
Auslauv.
I in R och e t t c - A >i s s ck » s: setzten es die sozialistisch, radilalcn Mitglieder durch, daß der entsprechend dem Vor
schlag von Jaures angenommene Absatz der Lchlußiolge- rungeii, in welcher ans den van Monis und Caillaur ausf geübten „bedauerlichen und mißbräuchlichen Einfluß" bin- gewiescn wird, einer neuerlichen Erörterung unterzogen werden. Nach lebhafter Aussprache sprach sich der Ausschuß mit 11 gegen 8 Stimmen für die Streichung dieser Stelle aus. Jaures erklärte darauf, daß er unter diesen ilin- ständcn den Vorsitz nicht iv e i t e r f ü h r c » tön n t c und gab seinen Rücktritt. Ticsec Entschluß verursachte eine lebhafte Erregung. Tie radikal-sozialistksche Mehrheit des Ausschusses erklärte sich darauf bereit, das abgegebene Votum zurückzuziehen und genehmigte sodann den die Ralle des ehemaligen Ministers Monis und Eaillnux kennzeichn »enden Absatz. Jaures ließ sich darauf herbei, von neueni den Präsidententisch cinzunehincn. - Aic in den Wanbrl- güngc» der Kammer verlautet, wurde von der sozialistisch- radikalen Mehrheit des Ausschusses beschlossen, daß in die der Kammer vorznlegciidc» Scblußsolgcriiirgc» auch ein Lll'- satz ausgcnvniinen werde, welcher oie isaltung von Bartlion in ähnlicher Weise kritisiert, wie bei Monis und Eaillam.
Portugal und die deutsche Einfluß-Sphäre in Afrika. Aus Lissabon wird gemeldet, der Senator Pedro Martins habe die Regierung bezüglich der Meldung eines Pariser Blattes interviewt, wonach die portugiesische Angola-Kolonie der deutschen Einfluß- Sphäre in Afrika zugewiesen werden solle. Ter Frag-- stellcr verlangt, daß das Parlament und das Land über diese Angelegenheit genau unterrichtet iverden. Ter Marhic- ininistcr versprach, die Anfrage dem Ministerpräsidenten und Minister des Aentzern zu übermitteln.
Ein Bündnis der B a lI a n st a a t e n. In der Tpc- zialbcratung des Budgets dcS Aeußern erklärte in der^'erbi- schen Skupschtina Paschitsch in Beantwortung verschiedener Anfragen, daß zwischen Serbien, Montenegro und O'.riccheiilaiid ein Bündnis abgeschlossen ivordc» sei. Tie Vcr- trägc über den Bukarestcr und den Könstantinopelcr Frieden werden der Tlnvichlina in der nächsten Zeit unterbreitet ucrden. Tas Verhältnis Serbiens zu Rumänien sei daS gleiche wie das Griechenlands zu Rumänien. Tas Zusam- mentrcsje» des Ministerpräsidenten mit Bcniselos in Petersburg sei ein zufälliges gewesen und habe einen willkom- menen Anlaß zu einem eingehenden Gedankenaustausch gc- l ölen. Ter Antrag ans Abtretung von Istip und Kotschmia an Bulgarien sei weder von Rußland noch Serbien ans- gcgnngcn. Serbien iverde übrigens niemals einem derartigen Projcite beistimmen. Tas mit Rumänien Über den Baii einer Tonailbrückc erzielte Eiiwernehnien werde zur Entivicklnug der gegeiiscitigeii 5?andelsbeziehuiigcn beilragen. In der Sricntfrage habe Serbien dem französischen Projekte im Prinzip zugestimmt.
Tas F r ie d c n S b e d ü r fil js Bulgariens. Ter l ulgarifche Ministerpräsident hat an die Präfekten ein Rund- schrciien erlassen, in dem er ihnen zur Pflicht machte, die Bevölkerung zu versichern, daß oie Regierung keinerlei tric- gcrischc Pläne hege, und sie aufsordert, alle jene zu ver. hasten und vor Gericht zu stellen, die Gerüchte verbreite», um die leichtgläubige Bevölkerung ausznbcnten und zur Auswanderung nach Amerika zu verlocken.
Kritiler und Publikum.
Von Professor Tr. G. K rüge r.
Wie i*n hört, sind in unserer Stadt die Gemüter Ivicdcr eil,mal erregt, und die Kritik macht zwar nicht dcniPublikum, aber d<-. 'laaneiu, denen die öffentlichen Veranstaltungen aus dcu» (äc- di:l der Kunst alwertrant iiild, Sorge. Aclinliche Vorgänge iind auch in anderen Städten nicht unbekannt. Selbst das graste Fra»! iurt w st davon zu erzählen, wie dem, der sich für derartige Tinae i„.c. ä .rt, noch lebhnit in der Elinncruiig ist. Wirklich liege» ja .'Nä> in äner großen Stadt die Tinge grundsätzlich nicht viel anders. Die menschlichen Leidciischasrcn sind überall die aleiän». Ter Kri- .r aus irgend einem Grunde dem oder jenem Schininieler .ict ? ngcr, dcm oder jenem Theaterleiter oder Koiizcrtvorstand lwas anhängen will, kann inii der großen Macht, die das gedruckte Wart besitzt, seinen Mitmemcheil das Leben außerordentlich schwer ncachen und mrhr Schaden nisten als mancher Verbrecher. Ilmgc- f-ltrt o ag, lver die Freiheit ehrlicher Kritik zu untervilldcn oder rinzuengeil vrriucht mit der Macht orrsünliche» Einilussed. Ivkil r vom freien Wort Unannehmlichkeiten fürchtet für ferne Person iihrr 3. Ktbcn für das von ihm gefeitete Institut, Zusehen, ob er den . e »ici'l absägt, aus denn er sitzt: dmin riit dem sreicii, sachlich begründeten Wort steht »nd fällt dir Sache selbst.
Ich wochiie nun fast dreißig Jahre in dieser Siadt und habe M rttiff in Ai enge kommen »nd gehen sehen. Ich habe selbst lange rv •' >, gehört und erinnere mich, nachde»' der Aergcr erstorben
ist. ncstst ohne Behagen der Zeit, wo mefa „Sfr." manchen aus) st v r :. uhe ousrütteltc und oft herzlichen Pstisall, ebenso oft grim- iniarn Widcrspriich mislvsrr. Mit Willen und Wisse» habe ich das ... 'a, er Sachlichkeit nie übertreten und habe dock: manchen rer- l- - - t ich nickst verletzten wollte, vielleicht anch einmal Schaden
■ stOtci wo ich nicht daran dackstr, ihn anznrichtcii. So Hab' ich ou h-r Mitleid mit dem Kritiker gehabt, der lieb in die Nesseln r.,n mutz, er wag es aniangen. wie er ivill. lind io fühle ich anch n! - ui mir gänzlich unbekannten Manne, drin zurzeit das un-
' an legre Amt auiliegt, feinen Mitbürger» die musikalischen Speisen er >,-.!! k : ii'iir;ni oder zu verderben. Ich lulne um hr mit ihm, als ich ihn noch nie aus unsachlichem Wege crtapvt
P llcichl ist eS gestattet, das Gesagte durch Beispiele zu erläu ' i' sn unserem schönen Theater kehrt irrt riner Reihe von '.reu das Tarinstädlcr S vc rn per l ona l zu gern gellem Gastspiel ein. Es kann mchi doäl genug cingeichatzl ivcr- ' I,as diese Vorstellungen nicht,etwa nnr mr un,cr Musikleben,
■ n ar die Steigerung des geistigen Lebens IN »wcrcr Stadt . herbeupt bedeuten. Ich selbst, der ich viel -chonrS und Grotzes
'ri'-a mid gehört habe, genietzc jede dicirr ivaben ,n vollen Zugen. "incr Tperiivorstellung bin ich hinausgegangcn, ohne mich ln- acwcgt und gehoben zu iühleii. 2üe Hai mich inc Dankbarkeit "gsti. - erlassen, da» uns in unserem kleinen Gietzenio viel, geboten :i-irb m das manche größere Stadt uns beneiden mutz. Aber
ivohlgcmcrkt, ich habe nie als Kritiker da gesessen. Ich dnrste ge. nirßcn, ich durste dankbar sein, lind ipfitu je. eine Regung des Mißvergnügens in mir auisticg — wie sollie sie Nickst? —, so bare ich sie unterdrücken dürfen, weil es meines Amles nicht war, tie Schäden zu sehen, und niemand nach meiner Meiming ver. langte.
Anders der Kritiker. Er darf nicht dankbar sein. Er bat cm Amt und rine Meiiinng. Man verlangt von ihm. wickl n»d io lange man in ihn- ch'N Sachverständigen sicht, lliibciangenheil Iiild Cffcnljcit. Welh- dem Kritiker, der jc daraus Rücksichi nehmen würde, ob er inir oder anüercii zu Lirb oder ZN Leide schreibt. Ist er aber nickst sachverständig, so seid ltnr ohne Sorge: er wird schneller in der Versenkung verschwinden, als Ihr cs erwarte» fnögt. Noch nie lmt ein -lickst sachocrfländiizer Kritiker ein Pnbli tum längere Zeit'zum Narren halte» können. Anch i>» Pnbiilum sind elementare Gewalten lebendig, die einen solchen Wicht weg blasen, ehe er sich's versieht.
Aber etwas anderes bleibt zu bedenken. Wir Und hier in Gics-cn von der Gnade der Tarmstädtcr abhängig. Verschnupsen wir sie, so kann es geschehen, daß sie uns ioie unartigen Kindern unscr Vergnüg'» eni'.irlwn. Ilpd da darf di: Frage wohl rul- geivorse» werden: lohn- es sich, scibst NM oereckstigicr Kritik willen, ein Verhältnis zu geiährdeii, aus dem für unsere Stadt io viel Schönes, io viel Gutes hcrvorgegangen ist und hoilenrlich noch Winter um Winter herrorgchcn wird? Ich bin geneigt, dirie Frage ,n verneinen. Aber dann gibt es nur einen Weg: man streiche eie Kriri! nach der Vorstellung »nd setze an ihre Stelle die bcsehrendc Einleitung in das anszuführeiide Werk. Im Ernst geredet: was haben denn die Tarmstädtcr dolwn. daß ihrr Lci- stnngen hier im rinzeliicn zergliedert werden? Tie kommen doch nicht zu uns, um Lob zu ernten oder Tadel zu linden, eie kommen oder lullten koinincn in beut Bewußtsein, daß sie bei uns eine Mission criiilfen, daß sie vielen Huiicerlcii, denen lßeld bentel oder denen Zeit es picht erlaube», die Theater großer Städic :>, besuchen, Stunden weihevollen Genusses berciic», daß sie ihnen die Augen und die Ohren öffnen für die Wunderiverke der Knust. Tas ist ihre mühsame, «her große Ausgabe, und darin sollen sie sich durch leine Kritik beirren lassen. Aber der Kritiker? Er darf nicht danlbar sein, denn er ha! ein Amt und eine Meinung, und die Freiheit feiner Kritik ist unantastbar
Nun „handeli es sich ja »ich: nur um die Cm und um Tarmstadh Auch die an unseren Konzerten geübte Kritik steht immer wieder zur Tcbaitr, Wir wissen cs alle, und keiner weiß cs besser als ich, mit welckicn Schwierigkeiten unser Konzert- verein ZN ringen Hai. Immer größer werden die Ansprüche, und immer schwerer wird es, sie zu besriedigcn. Ist eck doch noch nicht einmal gelungen, unserer Siadtverwatrung eine einigermaßen namhafte Unicrstützmig in klingender Münze für ein Unternehmen abzuringen, alt dcm die Ccsscntlichkeit doch wahrlich in hohem Maße interessiert ist. Keiner von uns soll den kleinen Finger bieten, es ZN schädigen, alle sollen wir rührig sein, es ZN stützen
und iördern, wie wir nur könne». Aber inner Kritiker? Ter hat ja aor kein Jiitercsse daran, ob es dem Konzcrtoercin gut oder schlecht gehl. Er darr gar »i.ö: einmal danach sragen. Sein Amt verpflichtet ihn zu offener Meinnngsäußerung über die Güte »njerrr Konzerte, und so lange er dabei sachlich blciüi und ieinen Maßstab nicht vom .Himmel holt, mit ihn an linier irdisches Gießen anzulegcii, io lange darf ihm keiner dreinreden. Er ist ia jes'M von IMS, die wir auch nickst von gestern sind und ehren haben zu hören, iiiibrnonimcn, anderer Meinung zu sein als uiiscr Kritiker.
»nd hier steht cs nun anders als vorhin. Hier kann die LoiiNlg nickt lauten: fort mit der Kritik. Unsere Konzerte ver- anstalte» wir unter unserer Verantworlung und haben die Taigen ZU tragen. Fit die Kritik sachlich. >o liabcn Ivir von ihr ZN lernen. Ist sie lediglich bissig, so richtet sie sich selbst und ivird an sich irlbst zu Grunde gehen. Vollends iann nickst ins Gewicht iallcii, ob sich der eine oder andere Künstler vielleicht in seinem bcrechiigicu Seibstbeivußtscili, vielleicht alich nur in seiner lieben Eitelkeit durch kräftige Kritik geträntt fühlt, Tic Fälle dürsten übrigens sehr selten gewesen sein, daß Künstler von Ri» bei uns zu Ilnrechi kritisch schleck - bcl andrlt wurde», und nmgc lehrt weiß ich mich mlbr als eines Falles ;>l erinnern, daß große Künstler sich im kleinen Gieße» nickst besondere Mühe gaben und die Kritik geradezu heranSsorderten.
Stelle» wir „ns aber aus den Siandvunlt, Kriiik vcrtrigeii ZN kömmt und zu wollen, so hülsen mir damit auch eine Mahnung an das Publikum verknüvicii. Tas Publikum ist gar zu sehr geneigt, ans der Kritik stets nur den Tadel heranszichörcii und über das Lob hinwcgzulcseii. Taß es selber loben will, bat es durch seinen Bestall gezeigt. Vom Kritiker verlangt cs beinahe, daß er ihm hinterdrein noch Wasser in de» Wein schüttet, und gegen eine Kritil, die nur lobt, verhält cs sich oft geradezu ablehnend. Tas wäre min kein Unglück, in, Gegenteil, b-i ivl- cher Stimmung kann die Kritik, auch die gcinv.de. nur gedeihen. Aber etwas anderes ist bedenklicher, linier Publikum hat keine Maßftäbe. So kann cs poisicren, daß, wenn bc, der wohlvvrbr- reitricn Wiedergabe einer schweren Sstmvhvnie virllcicht einmal die Bläser vcriagcn »der in einem gewaltigen Tcatorienckwr der Einsatz mißlingt und der Kritiker dies und anderes pflichtgemäß rügt, das Publikum die Nase rümpft: die Ausführung', denkt es, wird Wohl danach gewesen sein. Eine Woche daraus ist rin anderes Konzert, mit beicheidcncn Mitteln vorbereitet „nd ans geführt: von milder Feder wird es kritisiert, Tas Publikum schwelgt und zieht Vergleiche, die regelmäßig zu Ungnnstcil der Unternchinung aussallen, über die eiste strenge Kritik zu Gericht gesessen hat. Ter Kritiker aber bat in beiden Fällen lachlick- gehandelt. Nur verscknedcnc Maßstäbc Hai er angewendet, und mußte er anivenden: denn er kann von Crchestervei einen nickt verlangen, was er vom Konzertverein als ietbirvenländlich in 'Anspruch nimmt, »nd kann und darf beim „Sängcrkranz" gut


