Nr. Z5
164. Jahrgang
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Montag. 30. März 1914
General-Anzeiger für Oberhessen
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monatlich 7öVs„ vienel- lährlich Mi. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Ko Ps.; durch diePost ALL.—vienel» jährl. auSschl. Besleüg. Zeilenpreis: lokallöPs„ miSivärts 20 Bienniq. Ehesredakleur: A. Goeq. Verantwortlich sür den polst. Teil: Aug. Eoey: sür „Feuilleton", „Vermischtes" und„KerichIS- saal": Karl Neurath; iür „Stadt und Land": Kurt Bendt; sür de» Anzeigenteil: H. BeL
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Tttgeskalcnder auo dem <sahrc 1814 .
30. MSrz: Schlacht auf dem Montmartre vor Pari» Blücher erstürmt mir Preußen und Russen den Bern u,ü> vertreibt von der Höhe die Truppen der Marschälle Mar,, mont und Mvrtier Paris ergibt ,'ich. Bei seinem Fall ruft Blücher : „Ihn, ist Luise gerächt"
Neuwahlen in England.
Die Krisis im Briten reich ist „och nngelösr. Das Rück- krittsgesuch des .Kriegsministers Obersten See ln ist fürs erste abgelelint. die Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des Generalstabschefs French und des General.iduibcinten äLwcrt ist vertagt worden, und das kennzeichnet die Voltige Ratlosigkeit de- Kabinetts Aiguitl,. Wenn es aber auch zum schließ gelingen toird, einen Ausweg aus dieser akuten Krisis zu finden, io bleibt doch die chronische, nämlich die "cklster-Krisis, unverändert sortbesteben. und hier zeigt sich auch nicht die geringste Möglichkeit eines Auswegs. DaS Kabinett Aiquitb befindet sich in einer ganz eigentümlichen Lage. Es bat fiir ein Gesetz, nämlich die Homernlc , :b i £ 1, das bereits in zwei Lesungen angenommen ist (in Zweiter Lesung im Juni 1913 nnt 388 gegen 270 Stimmen), die sichere Mehrheit im Unterhanse. Die Regierung hat sich durch die Vctobilt selbst die Möglichkeit geschaffen, über den Einspruch des Oberhauses zur Tagesordnung überzngehen, und sie wagt es doch nicht, das Gesetz durchzuführen, weniger weil die protestantische Bevölkerung Ulsters mit der Revolution droht — denn an den Ernst dieser Drohung glaubt mau in England nicht recht —, sondern iveil eilt Teil des Offizierkorps dem Kabinett die Gefolgschaft verweigert, und an dieser hochbedcutsamen Tatsache vermögen alle Bertuschungsversnche nichts zu ändern, sochbedeutsäm, weil sie zeigt, >vo die Grenzen des parlamentarischen Regimes in England gezogen sind, hochbedeulsaui, iveil es ein offenes, von der englischen Regiernngspresse vergeblich geleugnetes Geheimnis ist, das; die Opposition cinichli-ß- lich des Offizierkorps ihren Mut zum Widerstand daraus schöpft, das; der König mit seinen Sunipathien auf seiten der obstruierenden Ulsternner stetst.
Das ist der springende Punkt der Krisis, und darauf beruht die Schwierigkeit, lvcnn nicht Unmöglichkeit, sie zu lösen. Wenn sich zu den Zeiten der Königin Viktoria die monarchische Gewalt ans die Repräsentation beschränkte, so hatte sich dieser Zustand »nter König Eduard, der die auswärtige Politik bekanntlich fast selbständig leitete, bald geändert, und auch König Georg begnügt sich keineswegs mit dem Schatten der Macht. Freilich hat der Ministerpräsident Asguith wiederholt mit säst verdächtiger Gescktäs- tigkeit versichert, daß der-Monarch sich während der ganzen Krisis streng im konstitutionellen Rahmen gehalten habe, und es mag ja auch sein, dast ein direktes Eingreifen nicht erfolgt ist. Aber jeder Engländer weiß eben, daß der König .von Anfang an init seinem ganzen Herzen aus seiten der nnionistischen Homerulegegner stand, das: seine Sympathien den protestierenden Protestanten in Ulster gelten. Das hat den Opvositionsmut der Unionisten verstärkt, hat ihnen Sympathien in iveiten Kreisen verschafft, die nicht unbedingt zn ihrer Parteifahne schworen, hat Unsicherheit und Verwirrung in die Reihen der liberalen Partei getra-, geil und die Akiionskrast des Kabinetts Asguith ganz erheblich geschwächt.
Bor den Neuwahle n hat die liberale Regierung begründete Scheu. Tie große Mehrheil, welche sie im Jahre
1900 erzielt hatte, war 1910 schon etwas zusammen- geschriimvit, und bei den Nachwahlen hat sie seitdem erhebliche, wenig Gutes verheißende Schlavven erlitten. So wird sie nur im äußersten Notfall zum Mittel der Parlaments- auflösung greisen, denn der Ausgang der Wahlen wäre angesichts der Stimmung int Lande durchaus ungewiß. Aber es ist nicht nbzuseben, wie sie um dies letzte Mittel herumkommen will.
In der sozialdemokratischen Presse war init Behagen aus die Lage in England hingewiesen worden, wo man vom Militär nicht den unbedingten Gehorsam verlange wie bei uns. Das gibt der amtlichen „Nordd. Allg. Ztg." Anlaß zu iolgenden Bemerkungen, die unsere Aus- sührungen vom letzten Samstag ergänzen mögen, aber diese staatsrechtliche Frage keineswegs erschöpfend behandeln. Dazu müßte auch auf die Geschichte des englischen .Heereswesens eingegangen werden.. Die „Nordd. Allg. Ztg." führt aus;
Das lXvteit über die Entwicklung der Homerule-Krisis nmß der Eigenart der englischen Verhältnisse gerecht werden. Bei Anwendung des deutschen Maßstabes könnte die .Haltung, die ein großer Teil der Armeeoifiziere gegen die Regierung eiiigenounnen hat, ungeheuerlich erscheinen. Unter den IN England obwaltenden Umständen ist sie es nicht. Die Osiizierkorvs sind in Dingen der inneren Politik aus das Parteiprogramm der jeweilig e n P a r l a m e n l S m e h r h e i t n i ch t v e r v s l i ch l e t In der Ulsterirage besuchen sie sich in parteipolitischem Gegensatz zü den Liberalen; denn die Ossizlerkorps sind ganz überwiegend u II i u n ist i s ch. Tie Schwierigkeiten sür das Ministerium Asguith werden dadurch vcrichärit. Man versteht, das; der Premierminister eine Vorsicht Übt, die darauf berechnet ist, dem vereinigten Königreich das Unglück eines Bürgerkrieges zu erivaren. Die Behutsamkeit, mit der nian in England in diesem Falle das Volitiiche Verhalten der Offiziere behaichelt, kann von unparteiischen Beobachtern nicht als Schwäche ansgelegt werden.
L o n d o n , 29. Mürz. Ministerpräsident Asguith und einige andere Minister verließen London am Ende der Woche und begaben sich aufs Land. Diese Tatsache wird als Anzeichen sür die Entspannung der inneryolitischen Lage betrachtet. C a rson traf in London ein, um an den Montags- Verhandlungen des Unterhauses teilzunehmen.
Die Reise des Kaisers.
Kars». 29. Mär;. Die Fahr! der „tzoheuzollern" führte bei gutem Wetter teilweise an der Küste entlang. Heute morgen hielt der n i i e r an Boro Gottesdienst ab. Gegen 10 Uhr trafen die Kaiserschisfe unter Salut auf der Reede von Korfu ein. Ter Kaiser empfing alsbald den Besuch der griechischen KöniaSsamilie an Bord der „Hobenzoliern", Ivo auch die Mittagstafel itattsand.
D u r a z z o . 29. Mär;. Bei der heutigen Fahrt des deutschen Kaisers durch die albanischen Gewässer richtete Fürst Wilhelm an den Kaiser ein F unken tel e g ra m »i, in dem er ihm seinen Gruß eMbietet und ihm einen angenehmen Aus- enthalt aus Koriu Ivünickt. Ter Kaiser sandte deni Fürsten als Erwiderung ein herzliches Tanktelegramw.
DcuticBss llcicto.
Tie Stichwahl von Borna-Pegau in amtlicher Beleuchtung. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Stichwahl von Borna-Pegau hat mit dem Siege des Sozialdemokraten über den bisherigen Vertreter des Wahlkreises, den Freikonservativen v. Liebert, geendet, ein Ergebnis, daß in allen nationalen Kreisen bedauert werden muß. In der .Hauptwahl waren für v. Liebert 8810 und für den nationalliberalen Kandidaten etwa 6500. im ganzen also über 13000 bürgerliche Stimmen gegenüber etwas über 12000 sozialdemokratischen Stimmen abgegeben worden, und da die Nationalliberalen den überwiegenden Teil ieuer 6500 Stimmen gestellt hatten und sofort eine entschiedene
Ttichwahlparole zugunsten v. LicbertS auSgabcn. und ofjen- bar auch befolgten, hätte es kaum mehr als einer bloßen Stimmcnthaltnng des sreisinnigen Restes bedurft, um dem bürgerlichen Kandidaten zum Siege zu verhelfe,!. Nicht einmal hierzu hat sich die frei» sinnige Wählerschaft verstehen können, sondern sie ist ihrer großen Mehrzahl uarl> aktiv für den Umstürzler ein- getretcn; nur hierdurch kann der Zuwachs von etwa 2250 Stimmen, den dieser erhalten lyrt, erklärt werden. Zurückzu» führen ist dieses Verhalten aus die Winke, die von dem parteiossiziöscu Berliner Blatte, also doch wohl von der Berliner freisinnigen Parteileitung ausgegangen sind. Der Gegensatz zwischen Rechts und Links bei den bürgerlichen Parteien muß dadurch eine verhängnisvolle Verschärfung erfahren. Es kann nicht nmndernehmen. daß die Organe der Rechten dem Freisinn jede' Wahlhilfe sür die Zukunft auslüiidigen uni) daß sie ihn ein für allemal mit der Sozialdemokratie in einen Topf iversen ivollcn. Wenn die Volts- Partei die Unterstützung der Umstürzler zur ständigen Wahlparole zu machen gedenkt, so hört vom Standpunkt der staatserhaltenden Politik in der Tat jedes Interesse daran auf, die Fortschrittler und Soziaidcniokratcu im Wahlkampf unterschiedlich zu behandeln. Für die Folgen mag sich dann der Freisinn bei der eigenen Parteileitung bedanken. Daß er dabei Gefahr läuft, immer mehr zu einem Anhängsel der sozialdemokratischer Kartei zu werden, liegt auf der Hand. Wie sich die in den Richlerschcn Traditioueu großgewordencu fortschrittlicheu Voe.titer mit dieser Entwicklung abfindcn loolle», warten wir ab. Tie hochmütige, oft geradezu geringschätzige Behandlung ihrer Partei durch die sozialdemokratische Presse zeigt ihnen fast täglich, daß sie nicht mehr viel Zeit zu verlieren haben.
A b g. A b r e s ch a u S der Hast entlassen. Wie die „Reue Badische Landeszeitung" erfährt, ist der Abg. A b r c s ch am Samstag vormittag kurz nach l0 Uhr aus der .Haft entlassen worden. Ter Grund sür die Hastcnt- lassung des LaiidtagSabgevrductcn Abresch scheint der zu sein, daß das Gericht den Aufenthaltsort des im Mittelpuult der Angelegenheit stehenden Fräuleins Ilse v. Harder ermittelt hat und daß deshalb von einer weiteren Verhängung der Untersuchungshaft abgesehen werden konnte. Abresth hat sich nach Neustadt a. d. H. begeben und wird wegen der gegen iiyi unternommenen Maßregel den Klageweg bejchrciten.
AusIanS.
Vom R o ch e t t e - A u s s ch u ß. Obgleich der Rochctte- AuSschuß beschlossen hat, seine Verhandlungen bis zur Fertigstellung seiner Schlußfolgerung geheim zu halten, sind die Blätter doch in der Lage, über die letzte Sitzung des Ausschusses mancherlei Einzelheiten zu verüsscntlichcn. Der Antrag I a u r tzs, der Kammer die Ergebnisse der Arbeiten des Ausschusses in einer c i n g e h e n d c n D a r st c l l u n g vorzulegcu, wurde mit 19 gegen 8 Stimmen angenommen. Das von Jaures ansgcarbcitete Exposö, das an 10 Seite» umfassen soll, wurde ebenfalls lebhaft besprochen. Es heißt, daß der erste Satz dieses Exposes folgendermaßen lauten soll: Es ist erwiesen, daß Monis, aus Ersuchen Caillaux', dem Oberstaatsanwalt den Wunsch kundgegebcii hat, einen Aufschub des Röchelte -Prozesses zu erlangen. Mehrere Aus schußmitglieder, namentlich Lesevre und Barres, erhoben gegen den Ausdruck „Wunsch" heftigen Einspruch und verlangten, daß dieses Wort durch „Kefehl" ersetzt werde. Doch wurde schließlich der von Iauräs oorgefchlagene Wort laut angenommen. — Ter von Röchelte an JaursS gerichtete Brief hat allgemein lebhaftes Erstaunen hervorgernfcn. Man fragt sich bisher vergeblich, zu welchem Zwecke Rv
Gieszcner StaSttkeater.
Wahrheit.
Schauspiel von Karl Adelt M e tz.
Gießen, 30. März 1911.
Eine Urauisührung an einen, Herne» Theater ist fall allemal ein g e i e l l i cki a s t l I ch e S Ereignis, aber kein künstlerisches, denn ein Autor, der es mit sich und seinem Schossen ernst meint, wir» sich nickt mit einem billigen, lokalpatriotischen Beiiall begnügen, sondern vor dem anivruchsvolleii ZuschauerkreiS einer iremden Bühne zu bestehen suchen. Herr Metz hat mit seinen! Schausviel Wahr heil diesen Ehrgeiz offenbar nicht besessen und so halber denn hier in Gießen bei einem beisallsrendigen, znm Teil aus Freunden und Belaniiten zuiammengeietzleii Pnbliknm einen sich von ?lkt zu Akt steigernden Beiiall gesunden, und zum Sckiluiie wurde ihm sogar von .iinbeiamiter Hand ein Kranz mit roter Schielte gespendet, so daß alle äußeren Zeichen eines Erfolges vorhanden Ivareu.
Eine ernsthafte Kritik aber, die Echtes von Unechtem scheiden soll lank! in diesen Büsall nicht einstiinmen. Der Gang des Dramas und die Absichten des Verfassers bleiben während der vier Auszüge reichlich i»> imtiaren, und die svrgchliche Form ist nicht darnach angetan, den Mangel an Klarheit zu beheben. Man vermißt daneben vor allem aber auch einen soigerichtigen Ausbau lind Fortgang der Geschehnisse, denn nachdem sich die Vorgeschichte durch drei Akte Inildurch in sehr breit ansgeivoiinenen Geiprächen um den tunstlich l.erbeigeiührten Koniliki herum^ewimdi-n hat, beqinnt die eigentliche Handlung erst, wenn das Ltück zu Ende kommt Keine der Personen spricht dabei aus einer Notwendigkeit heraus alle reden mit dem Munde des Vertaiiers, und toenu euch immer wieder periichert wird, daß wir es mit bedeuienoeu Menschen zu tun haben, so kann mau aus dem, was sie sagen, diesen Eindruck leider nicht gewinnen. Neu ist die ,cdee, die .vauvtver,amm- luna eines Freidenkervereins auf die Bühne zu bringen, und wenn Man darin auch nicht durch neue Gedanken überraicht wird, ,o enibrl man doch wenigstens, was der Veriaiier will, nämlich daß ein rechtzeitiger Schuß die erfreuliche Wirkung erzeugen kann, zwei grundiätzlielie Gegner^ an der Leiche einer von be,d>-u geliebten Frau plötzlich als Freunde zu sehen.
Tie Wiedergabe, die unsere Bühne dem Stücke unter der Lei- tuna des Herrn' Tworkowski hatte angedeihen lassen, zeugte von einer außerordentlichen Arbeit und war auss torgsältigste und gewissenhafteste oorbereitet. Durch starke Sttiche imd bedent-
sanle lleberarbeitungen Ijnfte die Regie der Büh;iemvtrku»g Rech- uimg getragen, und jeder einzelne Darsteller gab sein Bestes, um dem Stück zu einem Erfolg zu verhelsen. Herr Rotteck sand sich mit dem aut llmwegeii zur Wahrheit wandelnden Professor Dr. Kraft sehr gut ab und bemühte sieh nicht vergeblich, einen Men- ichen ans die Bühne zu stellen. Herr Höcker als Tr. Goetz ging ebenfalls mit starkem Ersolge ins Zeug. Er verstand es durch sein stummes Spiel am Schlüsse, über die endlos lauge Pause hiu- wegzutäuschen und durch sein leidenschastlich überstürztes Svrechen seinen wenig bedeutungsvollen Reden einigen Eindrm! ;n sichern und sie dadurch an; ein gewisses Maß eiuzuschränkeii. Frl. Ttettner steuerte die int Angelpunkt des Stückes stehende Frau Maja mit ihrem starken Talent aus, ohne der »roblema- tiicheu Frauengestalt aber eüi schärferes Prosit verleihen zu lön- ne>>, als ihr zugewieieu ist. Bo» den übrigen Darstellern sind noch Herr Schubert als Liebert und Herr Volck als Dahmer besonders zu erwähne», aber auch alle übrigen standen Mannhaft au; ihrem Posten. K. N.
- Deutsche Kunst i it Italien. Aus Berlin wird gemeldet: Tie Verhandlungen Ivegen des ständigen deutschen Kuiistvavillons zu Ausstellungszwecken in Venedig iind abgeschlossen. Tie Verlwndlungen, die unter dem Ministerialdirektor Leivald im Reicktsamt de-s Fmiern stattiaiiden und au denen außer einem Vertreter Venedigs der Bildhauer Proieiior Ludwig M a u z e l als Vertreter der Allgemeinen deutschen Kunst- genosieiischast, und der Maler Proiessor Gras Leopold v. Kalchreuth als Präsident des »eutschen Künstlerbundes teilnahwen, hatten das Ergebnis, daß fetzt auch Dentichland wie andere Länder für Kunstausstellungszwecke in Venedig einen eigenen Pavillon hat. Es handelt sich um ein Haus, in dem vor Jahren einmal die Bayer» im AuSsteliungsgebäude Giardim Pubiiei ihre Kunst zeigten. An dem Belitz sind die beiden großen deutschen Künsiler- organisativncn, die Allgenieine deutsche Kunstgenoiseuschast und der Deutsche Künstlerbund gleichermaßen beteiligt. Die Kosten sür das Haus wurden von privater Seite aufgebracht. Die Unter- haltungskosten übernimmt das Reich. Die erste Ausstellung Ivird im Rahnren der großen internationalen Kunstausstellung in diesem Frühjahr abgehalten.
— Ter Geschichtskenner. Von dem sranzäsischen Schäststeller und uuerichövitichen Humonsten Alvhonse Altais erzählt sein Biograph, der deni Meister, eine oemnächst erscheinende umsayeilde Lebensbeschreibuilg widinet, eine lustige Geschichte auS der GiMnaiiastenzen. Der stmge AllaiS lag mit 16 Jahren lern
von Paris seinen Studien ob, deren behagliche Ruhe nur selten gestört lvurde. Eines Tages aber kam ein neuer Geichichtslehrer, und dieser wollte sich zuilächst einmal von dem Wissen seiner Zöglinge überzeugen. Lluch AllaiS konnte sich dieser unangebrachten Neugierde des Herrn Prosessors nicht entziehen, doch beharrtc er beieits bei der ersten Frage im. schönen Stillschweigen. „Nun. mein Lieber," sagte der Lehrer freundlich, „Sie scheinen nichls von Geschickte zu wissen." „Aber dock, Herr Professor, die Taten weiß ich sehr gut." „Also schön. Gerad: dos ist sonst immer die schloache Seite der Schüler. Sagen Sie mir bitte einige Daten aus." Mit stoischer Ruhe beginnt Altais auf gut Glück einige Zahlen hinzuwerfen: „968 . . . >330 .... 1612 .... 1818" Ter Professor hört erstaunt zu. Er macht augeuscheiulich die größten Anstrengungen, mit diesen Zahle» die betresienden Ereignisse zu verbiliden und einen Sinn in diese Äittworten zu hängen. Kopfschüttelnd unterbricht er schließlich den zahleiikundigen Schüler und fragt: „Aber was ist denn z. B. 1913 vasliert?" „Ja, das weiß ich nicht," gesteht Allais errötend. „Ich habe nur die Taten behalten, das klebrige habe ich vergessen."
- Neue französische Kolonial marken. Noch im Lause dieses Jahres werden in der sranzäsischen Kolonie der Somali-Küste neue Bäeimarken nnSgcgeben werten. Tie Wcä- zeichen find von Monlader und von dem Stecher Houriie ent- worsen: einstweilen erscheinen nur drei Markenrnveii und eine neue Ttrasporlo-Marke. Die Wertbewül;nungen stehen Iwch nicht fest. Zwei der Marken haben Hochsorntat: aus der einen, die blaue Färbung erbäli, gewährt man einen Eingeborenen, das Tambmin schlagend, und eine Ziegenherde. Tie zweite Briet marke, die ickwar; und grün ist, zeigt das Bildnis einer ara bischen Schönhät aus Tscknbouti. Die dritte Marke weist Brät sormat aut und bringt eine Ansicht des Viadukts von Holle-Holle: die Farbengebung ist bier blangrau aui rosa. Die Straivorto Marke, von roter Färbung, zeigt einen Bündel strahleniörniig angeordneter Lanzen. Auch iür die übrigen französischen Kolonien, vor allem iür den sranzösische» Kongo, Guadeloupe mid AcadagaSkar iverdcu bald, vielleicht noch in diesem Jahre, neue Marken zur Ausgabe kommen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der Boätand der Königlichen Geographischen Geiellichafi in Louläiu hat beichloisen, dem Geh. Regierungsrat Aiired P e n ck von der U n i v e r i i t ä t B e r l i n ihre Stiitermedaille ;u verleihen. Ter König hac die Berleihimg genehmigt.


