Nr. 59
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Erstes Blatt
Jahrgang
Mittwoch, \\. März 19^
General-Anzeiger für Oderhesien
Rotafion$öru(f uni Verlag irr vrShl'schen Univ.-Such- uni Zteiuönukerei 8. Lange. Redaktion, Srpeiition uni Druckerei: Schulftrahe 7.
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rnonatlich75V^vienel- jährlich 'Llk. 2.20-. durch Abhole- lr. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post All. 2.—viertel« jährl. ausichl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auslvärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Alig. Goetz; für .Feuilleton", .Ver- mischtes" und.Gerichts» faal": Karl llleurath; für .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.
Zum Rücktritt des italienischen Rabinetts.
Rom, 10. Mär,. Der italienische Ministcrrat bcschlos, heute früh 10 Uhr den Rücktritt des Gcsamtlabinelts.
Giovanni Giolitti, der „Zauberer von Montecitorio", zieht sich als Siebzigjähriger zum dritten Male von den Geschäften zurück. Gewiß kann er auch bei diesem Rücktritt die Nebcrzeugung mit sich nehmen, daß er sich mit seiner Lösung auch der schwierigsten volitischen Aufgaben den Dank der Nation Verdi'nt hat. Gr war immer der Ministerpräsident der sachten Hände uiib liebte leine stärlcn Mittel. Dinge, die reisen wollten, lies; er reifen, rückte hinter den Kulissen das, was er für die nächste Zukunsi brauchte, gewissenhaft vorher zurecht und halte den unschätzbaren Instinkt, im rechten Augenblick sich selbst an die Spitze der Entwicklungen der anderen zu setzen. Hier ist auch das Geheimnis seines ans Wunderbare grenzenden Einflusses auf die Parreien der Kammer zu suche». Als die Sozialisten ansingen, ihm fürchterlich zu werden, bot er ihnen Vertretung im Kabinett an und säte dadurch soviel Zank und Hader in die Partei, daß sie durch Zwietracht und Spaltung geschwächt wurde. Als er entdeckte, mit ioelcher Opfer- frendigkeit sich Bauern und Arbeiter in Tripolis für das „größere Italien" schlugen, als er den gewaltigen Wert der Jmperialisierung der unteren Klassen erkannte, trat er, eine unerhörte Kühnheit, mit dem Wahlrecht der Analphabeten vor die Kammer, nahm den Gegnern den Wind aus den Segeln und ging mit 377 Ministeriellen in der neuen Kammer glatt durchs Ziel. Freilich, aus diesem neuen Parlament heraus erwuchsen ihm auch jene Schwierigkeiten, denen er sich jetzt nicht inehr gewachsen fühlte. Während der Tripolistagc versprach er, daß über den ge wattigen pekuniären Opfern des Krieges die drängenden inneren Resormeu nicht vergessen locrden sollen. Aber die derzeitige Schlußabrechnung für-Lydien hat sich dermaßen hochgestellt, daß Giolitti in die größte Verlegenheit käme, wenn ihn jetzt die Parlamentsgruppen, die ihn befehden ,und Sturni gegen ihn blasen, an jene Versprechungen erinnern wollten. Ei» anderer als Giolitti ivird den Ansturm bestehen müsse».
Welche politische Riesenarbeit der Nachfolger Giolittis in Angriff nehmen muß, davon hat der scheidende Ministerpräsident wiederhott ein klares Bild entworfen. Giolitti kann iwar den Schwarzsehern beweisen, >oic gut Italien die Opfer und Prüfungen seines letzten Krieges überstanden hat, er lociß aber selbst nur zu genau, daß ucben diesciu hellirohen Bewußtsein auch ttese Schatten stehen. Der innere Ausbau des italienischen Staatswcsens läßt nichr als manches zu wünschen übrig. Die .Hebung des Volksschulunterrichts niuß mit größter Energie betrieben werden, um nicht iviedcr cin- zuschlaicn. Tie „Schande des Analphabetentums", wie Giolitti sich nicht scheute zu bekennen, darf nicht einfach verdeckt und vertuscht, sondern muß an der Wurzel gepackt und beseitigt werden. Italiens- Ansehen leide! in der ganzen Welt, so lange cs diese Schände mit einem anderen großen Staate Eurovas gemeinsam hat. Ein zweiter Rcformpunkt ist die Verbesserung des italienischen Verkehrswesens. Wie es jetzt immer noch damit bestellt istz, wissen am besten die reisenden Deutschen, die zu Hiindertlausenden jährlich Italien besuchen, und die Vergleichs» können. Der dritte und wichtigste Resormpunkt ist die s ü d i l a l i e n i s cki e Frage.
So reich Italien dem Gaste erscheint, der sozusagen oben im Salon empfangen wird, so arm stellt es sich demjenigen dar, der einmal unten in Küche und Keller nachschaut. Dem Lande fehlt es an Erz und Kohlen, den Hauptnahrungsquellen einer modernen Jndustricnation, und die ländlichen Zustände sind nicht im mindesten so geordnet, um alle Kinder des Staates zu beschäftigen und zu ernähren. Man weiß ja, wie viele italienische Staatsangehörige mit ihrer.Hände Kraft im Auslande ihr Brot suchen müssen, wie viele Dörfer durch Auswanderung ausgestorbcn sind. Von den Wcggezogcnen koin nien sreilich viele wieder, aber doch erst, nachdem sic ihre besten Arbeitsjahre der Kultur eines fremden Landes gewidmet haben. Auch etwas Geld bringen sie meistens heim, aber nur gerade soviel, um ein bescheidenes Faulcnzcrleben zu führen, und was sie sonst noch mitbringen, ist meistens sehr schlimm: Alkoholismus, Tuberkulose usw. Mau sehe sich doch nur einmal Süditalien abseits vom hauvtvertehrsstromc an !Aii» dem Tafellnnde Siziliens, der einstigen Kornkammer Italiens, dürftige Schasweiden! Die Höhen des Apc- ninengcbirges kahl und sonnenzerglüht. Die Wohnungen der Bevölkerung mehr als erbärmlich. Schon die Hintergassen Neapels oder Palermos überraschen durch Schmutz, Armut, Enge. Und in den Dörfern glaubt man manchmal nicht mehr die Ansicdlungen eines zivilisierten europäischen Staates zu sehen.
Das zu ändern geht über dir straft eines abgearbeiteten Ministers. Aber cs muß jetzt damit begonnen werden. Kürzlich erschien in Rom ein fiinszehnbändigeS Werk, das die neue Epoche einloitei, soll. Es enthält oen Bericht der „Enquetckommiision" über die Verhältnisse der Landarbeiter des südlichen Italiens. Schon um 1380 herum hatte eine solche Enquete stattgefuuden, und es wurde damals nach den Plänen des preußischen Majors Tonat und nach der Tbeoric Robert Kochs viel gegen die Malaria, gegen die Sümpfe, gegen die Kahlheit der Berghöhen getan. Die neue Engucie verlangt weit inehr, nämlich ausdauernde Kulturarbeit an den Menschen, die das innere Italien nach Giolil tis großen Außcncrfolgcn vorwärts bringen soll.
Rom, 10. März. Die „Tribuna" meldet: Ministerpräsident Giolitti bezeichnetc dem König S o n n i n o als den für seinen Nachfolger geeigneten Man».
CcutidK« Ueictz.
st eine neue M i l.i tärvorlag e. Tie Gerücht - über eine bevorstehende neue M i l i i ä r v o r l a g.c werden dem Wolffbnrean von zuständiger Stelle als völlig unbegründet bezeichnet.
Der „Gencralp ar d on". Das Kammergericht hat entschieden, daß der Generalpardan des Wehrbeitragsge- setzes auch sür bereits s ch >v c b e n d e V e r f a h r e n w c ge n S t e n e r h i n t e r z i c h u n g gilt.
Die Duell-Anfrage des Zentrums und die Anträge des Ausschusses zur Lösung der D u c l! f r a g e werden am Freitag und Samstag dieser Woche iui Reichstage beraten werden. Ter 16. Äusschuß schlägt bekanntlich vor, das Strafgesetzbuch dahin zu ändern, daß bei srevclhafter Herausforderung zum Zwei- kampi an Stelle der Festungshaft G e f än g n i s st r a s e von gleicher Dauer und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte tritt. Einen gleichen Standpunkt hat bereits der Sachverständige» äusschuß eingenommen, der den Vorcntwurf zu einem neuen deutschen Strafgesetzbuch ausgestellt hat. Er hat sich dahin ausgesprochen, daß in Anwendung des Grundsatzes, daß ein erhebliches sittliches Verschulden zur Anwendung einer strcn-
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gcrcn Strasart führen soll, der Täter, der den Zweikampf freventlich verschuldet hat, mit Gefängnisstrafe beltraft werden soll. Nach seiner Ausfassung hat den Zweikampf srcveitt- lich verschuldet, wer seinen Gegner absichtlich durch schwere und grundlose Beleidigung herausgesordert und zum Duell genötigt hat, der Häudclsucher und Raufbold, der es durch sein Verhalten aus den Zweikampf angelegt hat, auch wenn er cs verstanden hat, sich die Rolle des Geforderten zu sichern: derjenige, welcher einen andern durch Verletzung seiner Fa milienehrc (Ehebruch mit seiner Frau. Verführung seiner Tochter) zum Zweikampf treibt. Ein konkreteres Merkmal zur Kennzeichnung des erschwerenden Umstandes als „freventlich verschuldet" konnte der Ausschuß nicht finden, man nimmt jedoch an, daß der Richter bei AnwciiHnng dieses Begriffes jedesmal das Richtige treffen wird.
Zentrum und Reichsgesetz betr. Erwerbs - und Wirtschafts-Genossenschaften. Die Zcn- trumsabgeordnctcn Dr. Faßbendcr, Irl, Dr. Jäger und Wallenborn haben im Reichstage den Antrag gestellt, den. Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage möglichst bald eine Gesctzesvorlage zu machen, durch welche eine Abänderung des Reich sgesetzes betr, die E r -- wcrbs-undWirtschafls-Genossenschaften her- beiyesührt wird. Betreffs des Revisionswesens, der .Haftpflicht und der Bilanz macht der Antrag aussührliche Vorschläge, die bei Bearbeitung der Materie in Erwägung gezogen werden sollen.
Tic w ü r t t c m b e r g i s ch e Z w e i t c Kammer hat am Dienstag den Gesetzentwurf betreffend den Zuschlag zur ReichscrbschaftSsteucr in zweiter Lesung einstimmig angenommen.
Deutsch-dänische Verkehrsverbesserungen. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ende des vorigen Monats fanden hier Besprechungen zwischen Ausschüssen des Reiches, der preußischen, der mecklenburgischen und der dänischen Regierung statt, uin die Möglichkeit von Verbesserungen der deutsch-dänischen Vcrkehrsbcziehungen zu untersuchen. Die Besprechungen erstreckten sich ans die wirtschaftliche Bedeutung der Verbessern« gsmöglichkeiten, aus die Gestaltung des Fahrplans für die verschiedenen Verbindungen sowie auf andere Fragen vorbereitender Art, Die Erörtern» gen sollen demnächst fortgesetzt werden.
AirsLanv.
Tur t han albanischer Ministerpräsident.
Der frühere türkische Bytschaftcr in Petersburg Turkhan Pascha Hai sich bereit erklärt, die Miiiifterpräsidentschofl ini ersten Kabinett des neuen Fürsten zu übernehmen. Turkhan ist Albanier und steht im 70. Lebensjahr. Er war eine Zcitlang türkischer Geschäftsträger in Wien, Bot- schaftcr in Roin und mehrere Mate Minister, einmal auch Minister des Acußern. Er gilt als russophil, und seine Ernennung wird als ein Zugeständnis an Rußland und als eine Folge der jüngsten Verhandlungen des Fürsten Wilhelm mit den russischen Staatsmännern in Petersburg angesehen. Er Hai dcni Fürsten mitgeteilt, daß er am Donnerstag in Durazzo cintresfen werde. Vom Einzug des Fürsten wird laut Berl. Tgbl. noch ein amüsantes Detail bekannt. Als Essad Pascha zur Begrüßung des Fürsten den „Taurus" betrat, sagte der Fürst zu ihm: „Ich ernenne Sie zum General." Essad Pascha bat darauf, die Generalsi uniform, die ihm der Fürst mitgebracht hatte, sofort om ziehen zu dürfen. Er wird zum Armeeinspcktor ernannt werden.
Mainzer Theate bklef.
Die deutsche Uraufführung von Lconcanallos „Zigeuner".
Man schreibt uns aus Mainz: Im Mainzer Ttadttheatcr fand die deutsche Uraufführung von Leoncavalloe- ;wc>- aktigem Musitoioma „Zigeuner" statt Es ,ft cm großzügig komvoniertes Wert, voll südländischer Lewen,chait. >as.Buck, von Enrico Favacchioli und Guigliclmo Emanuel IN reich a» dramatischen Momenten und lag dem Maestro besonders gul zur Vertonung. — Schön Fleana, das temocranientvollc Zlgenncrtind verliebt sich in Tarnar. den Prinzen, der sic wieder liebt, nach Zigeuncrart heiratet, ielbst Zigeuner wird und der Clcliebten alles opfert So lcidciffcha'tlich Flcanas Liebe ausstammt, so rasch verglüht sie. Tem Iugcndireuud schenkt sic ihre Gunst, nachdem sic ihn grausam verhöhnte, solange sie den Prinzen noch liebte. Tamar überrascht die beide» in der Hütte, lauscht hinter der gcschloksenen Tür, und zündet schließlich sinnlos vor Aul und Eifersucht die Hütte an. — Tamar wird wahnsinnig und bleibt schließlich leblos liegen, während die Flammen über der Hülle zusamnienschlagen, die Untreuen laut jammern und die Genossen den Prinzen erschüttert und drobend umringen. Zeitweise erinnert Fleana an Carmen, teilweise erinnert die wuchtige Mußt an die des Bu jazzo. Besonders schön in der Over ist ein Liebcsmotiv, das sich durch das Ganze dindurchzicht, bald llagcnd und süß Widerhall!, baW wild emporsteigt. Tie Darstellung loar gut. Besonders Margucrite Gauntier als Fleana leistete Vorzügliches. Levncavallo, der im ersten Rang unter dem Publikum Platz genommen halte, wurde bereits beim Betreten des Theaters lebhast begrüßt. Nach dem ersten Akte war der Beifall sehr laut, nach dem letzten wollte er kein Ende nehmen. Es war ein starker, ehrlicher Ersolg.
Dem Musikdranra LeoncavalloS ging die einaklige Over eines Unbekannten voraus, ebenfalls eine Uraufführung sür Deutschlaird. Der Titel lautet: II ölait unc bcrgöre „War einst eine Schülerin". Der Text stammt von den, Franzosen R i v o i r e und wurde von 'Rudolf Prcsber übersetzt, iür die Musik zeichnet Marcel LattsS verantwortlich. Tie unschuldige Handlung hätte, wenn sie den» durchaus in Musik gesetzt werden mutzte, eine weniger moderne und schwere Musik verdient. Tie ganz moderne Musik, die teilweise geschickt illustrierte, den Stimmen aber recht schwere Ausgaben stellte und viel Sprcchgesang verlangte, paßte wenig zu dem Idol! eines Schäfervaares. das von einer Prinzessin gestört wird. Tie Prinzessin sieht den Schäfer mit der Schülerin eng umschlungen schlafen Ter Wunsch regt sich in ihr, den Schäfer als Pagen ' kjifeen und da sic einen Ring ihr Eigentum nennt, den chr einst eine Patin schenkte, der ihr drei Wünsche erfüllen kann, so -öaert sie nicht, von dcni Ring zu verlangen, daß er ihr die Liebe des Schülers zuwendc, der von seiner Schäferin nicht läßt, trotz aller^rttcn der Prinzessin. Toch als. ihr der Wunsch erfüllt Ivird,
erbebt ihr Herz unter dem Schmerz der Schäserin. Sie gebietet den, Ring, des Mädchens Liebe zu ertöten. Toch die Liebe stirbt nur scheinbar in der Schäferin, sie tomm! immer- wieder zum Turckibruck, auck> bei dem Schäler, und so bleibt der Prinzessin nichts anderes übrig, als dem Ring zu gebieten, das Paar wieder bedinaungstos zu Vereinen, das sich noch unter dem Zauber we.no. Ter Einakter konnte nicht erwärmen, der Beisall war nur schwach.
— Eine Iahrhundertausstcllung Westdeutscher Kunst. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Mit der großen Ausstellung 1816 soll auch eine rncksckmueichc Kunstausstellung verbunden sein, die einen geschlossenen Uebcrblick über die besten Werke westdeutscher Künstler des letzten Iahrlmuderts geben soll. An die Werke soll der höchste künstlerische Maßstab gelegt werden, so daß nur Werke ausgestellt.werden, die auch der Nachwelt etwas bedeuten. Tabei soll versucht werden, auch denen gerecht zu werden, die ihre Zeit verkannt lmt. In den drei Mittel punkten, die zur Sammlung der Kunstwerke eingerichtet wurde», Karlsruhe sür den Lbcrhbein, Franksuri für den Mittclrhein, Tüsseldorf sür den Niederrhein, sind jetzt schon so viele Kunstwerke angemcldct worden, daß die Ausstellung trotz der Bcsjränkung außerordentlich reich beschickt sein wird, so daß besonders auch für die Kunstsorschung die Düsseldorfer Ausstellung eine wertvolle Fortsetzung der Berliner Jahrhundcrtausstellnng von 1906 be deuten wird. Es wird beabsichtigt, sür die Ausstellung den Compo Santo des Cornelius nach den vorhandenen Plänen zu rekonstruiere». Tie Nachbildung soll später in dem von Professor Koctschau eingerichteten Düsseldorfer Stadtmuseum ihre .Heimat finden.
— Das Museum für Völkerkunde in Hamburg erwarb nach dem soeben erschienenen „Jahresbericht" rund 1000 Nummern aus den deutschen Schutzgebieten. Unter diesen befindet sich die Hälfte der ethnographischen Ausbeute von der zwecken Exvccilion des Herzogs Adols'Friedrich zu Mecklenburg, die baust» sächlich Nordkamcrun, ferner die Pygmäen Südkamcruns umlaßt.
* „Vom T cufe I geholt". Aus Berlin wird uns geschrieben : „Vom Teusel geholt" nennt die Ucbersctzung Knut Hamsuns grandiose Bühnendichtung, der die Kammersviele des Tcutscksm Theaters deutsches Hcrmatsrecht erobern woNten. „Dom Teufel geholt", aber vom Teufel Leben, der grausam »eine Peitsche über den Gestalten dieser Tichruug schwingt. Und wo Pecksckcnhicbe prasseln, gibt cs Wehegeichrer, verzerrte Lippen, die Not, Haß, Zorn und Verzweiflung spiegeln und Töne in die Welt bauchen, die dunkel emvorstcigcn aus den tiefste» Finsternisse» der geguälten und wehrlosen Kreatur. Und wehrlos und gequält sind sie aile, die da mit dem Leben Schockier treiben möchten, wehrlos und gequält, bis auf jene beiden Menschen, die
ohne Kalkül dem Gebot der Natur folgen und stark erscheinen, weil sic nicht nehmen, sondern geben. — Wer ist der Held dieser Tramcnhandlung und was ihr Wesen? Ist cs dieser plumpe ungeschlachte Peter Bast, der Nabob aus Argentinien? Wie er, dieser derbe unft gerade Sohn der Wildnis, in diesem Stücke au de: alten türkischen Tabakspscise die Tiamantcn erkennt, die die klugen Rechner alle als blindes wertloses Glas sahen, so besitzt er das Geheimnis des Lebens: die Krack, offenen Herzens und offener Arme der Welt und den Menschen zu begegnen. Und sie alle um ihn her, die naiven Egoisten und die berechnenden Egoisten — wehrlos werden ,'ie alle vor diesem plumpen Naturburschen, der da Freude sucht und Freude sät, lacht, genießt und gibt. Ec stirbt, bei der impulsiven Rettung anderer, durch den Biß der Schlange- Leben, die hier aus der Bühne als südamerikanischc Kobra erschein,; die andern aber sterben an sich selbst und an ihren Taten ab. Ta ist die alternde Frau, die ebeuialige Chansonettcnsängerin, die aus Klugheit die Gattin eines siebzig»ährigen Greises ward: und doch nicht aushörcn kann, feig an ihre Jugend sich anzuklammcrn, als diese Jugend schon Gespenst geworden ist. Die grauenvolle Angst dieser Frau vor dem Alter hat Hamsun erschütternd geschildert und bis in das Reich des Verbrechens gesteigert. Auch sie gibt, diese alternde und lcbcnshnngrrge Frau: sic aber gibt, um zu emvsangcn und so wird es ihr Los, verschmäht zu werde,: wo sie wirbt. Wo sic liebkost, wird sie getreten und an der Süirde, das Lebe» käuslich machen zu wollen, entzünden »ich Blitz nur Blitz alle schlechtesten Triebe ihres Wesens zu einen, Feuer, das von ihrer Menschlichkeit nichts zurücklasscn wird als einen verächtliche» Aichcnbarffcn. Hinaus in die Höhen einer tiefsinnigen und blutvollcn Phantastik sührcn in diesem Drama Knut Hamsuns Wege: hinaus zu Höhen, die nie von der breiten Masse eines Thearerpublilums ganz erstiegen werden. So antwortete denn auch aut Hamsuns Rus das Zischen Berliner Premierenvubli knms, dessen Blick lieber ans der Habenseite des Lebensbuches verweilt als aus hem Sollen. Max Reinhardt aber bat mit einer schlechthin wunderbaren Aufführung sich selbst übertroffen und seine besten Kämpser, die Ehsoldt, Schrldkraut, Moissi, Arnold und Abel, in eine Schlacht geschickt, von der er wohl wußte, datz kein Sieg wahrscheinlich war.
— Kurze Nachrichten ausl Kunst und Wissenschaft. Ter Regierungskommissar bei den staatlich unterslükten Theatern in Paris, der Schriftsteller Adrien Bernherm, der sich insbesondere durch seine Bemühungen, den sranzösischcn Schauspielern ein sorgenloses Alter zu verschaffen, bekannt gemacht bat, ist gestorben. — Am Dienstag nachmittag starb in Paris der Journalist Alsrcd Edwards, her durch die Gründung des „Matin" aus die gegenioärtige Gestaltung der sranzö- siichcn Presse einen bettächtlichcn Einffnß gcivonnen hat. Edwards hat ein Alter von 57 Jahren erreicht.


