Ausgabe 
10.3.1914
 
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Nr. 58

Erster Blatt

M. Jahrgang

Der «letzenrr Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamIIirnbiäNeri zweimal wöchenli.iirei!- blattiärdenAreiLSichen iLtenstagund Freitag); zweimal manatl. tand- wirtschastliche Zeitsrggrn ^«rnjvrech - Anschlüsse:

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Dienstag. JO. März J 9 ^

General-Anzeiger für Oberheffen

Kföafrton, Lrpe-ition nn- Druckerei: Schnlftratze 7.

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jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.: durch diePost M. 2. viertel- jährl. ausschi. Besteüq. Zeilenprcis: lokal 15 Ps^ ausipärts Mennig. Chesredalteur: A- Goetz, Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', ,Der- mischtcs' und.Gerichls- saal": Karl Neurath; iür .Stadt und Land": Kurt Bendt; iür den Anzeigenteil: tz. Beck,

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Tagcskalcndcr aus dem Jahre 1814.

> 0. Marz: Entscheidung bei Laon durch einen von Borck und Kleist ausgesührtcn Ucbcrfall zu Gunsten der preußischen Lassen. Verlust der Franzosen 1500 Man» Tote und Per wundele. Ter Sieger erbeutet 46 Kanonen und 131 Muni- tionswagcn.

Eine russische Anfrage?

* Wad) einer Meldung aus Petersburg soll der russische Botschafter in Berlin, Herr Swesbejew, an den Staats­sekretär des Auswärtigen, Herrn o I ag ow,in der sreund lichsten Form" die Frage gerichtet baben, ob der viel er­wähnte Artikel derKöln. Zig." über die russischen Rüstungen etwa den Wünschen oder den Anschaunngen der deutschen Regierung entspreche? Der Botschafter soll diesen Schritt angeblich damit begründet haben, daß die deutsche Negierung der russischen eine ähnliche Frage vorgelegt habe, als die Rede Sasvnows über den deuisch-russische» Handelsvertrag veröffentlicht wurde.

Die Petersburger Meldung klingt wenigstens in dieser Forni durchaus wahrscheinlich, kann gar nicht zutresfen. Der angebliche Vergleich mit der Rede SasoiivwS ist in keiner Welse zugkräftig, den» dort handelt es sich um die Aeußerung eines verantwortlickeii Staatsmannes, hier Uin den Artikel eines nicht etwa offiziöse», sondern nur zuweilen offiziös benutzte» Blattes, noch dazu um einen Artikel, der von dem Blatte ausdrücklich als private Arbeit seines Petersburger Korrespondenten bezeichnet worden ist. Weiter aberscheint die Meldung von der angeblichen freundschaftlichen Anfrage schon deshalb keine Glaubwürdigkeit zn beanspruchen,weil die in dem fraglichen Artikel berichteten Tatsachen über die russischen Rüstungen und die unfreundlichen Gesinnungen, die man au den'maßgebenden Stellen im Zarenreich gegen Deutsch­land zur Schau trägt, kaum ernsthaft zu widerlegen sind, wenn man auch die in dem Artikel gezogenen Schlußfolge- ruugen nicht ohne weiteres oder jedenfalls nur mit sehr starken Vorbehalten zu unterschreiben braucht.

Rußlands angebliche Kriegsvorbereitungen, über die die .Köln Ztg." dieser Tage einen alarmierenden Artikel brachte, wollen in der Presse nicht zur Ruhe kommen, und schon hört niqn da und dort die Vermutung, die Behaup­tungen derKölnischen" verfolgten nur den Zweck, auf neue HeereSsorderungen vorzubereiten. Demgegenüber hält es das Kölner Blatt für zeitgemäß, etwas abzuwiegeln, iiidem es sich gegen die Vermutung wendetals ob jener Artikel über die Kriegsvorbereitungen Rußlands außer der Feststellung mehrerer wichtiger Tatsachen noch allerlei Neben­zwecken dienen oder vielleicht gar diesen seinen Ursprung verdanken solle". Das Blatt sagt:Wir müssen solche Unterstellungen auss entschiedenste zurückweise». Ter Artikel ist eine selbständige Arbeit unseres Petersburger Vertreters, nicht mehr, nicht weniger."

Freilich bat das Organ des russischen Finanzininisters die in der Auslassung derKöln. Ztg." enthaltenen An­gaben so summarisch dementiert, daß schon deshalb Miß­

trauen am Platze war, welches doppelt geboten erscheint, weil es gerade der Finanzminister ist, der alles und noch etwas darüber leugnet. Man merkt die Absicht, eine un­günstige Einwirkung auf die Kurse der russischen Werte zu .verhindern, und man wird verstimmt.

In der Tat können die auffallend starken Rüstungen Rußlands ebensowenig geleugnet werden, wie die unfreund­liche Haltung gegen Deutschland, die ja bei der Aktion gegen die d eu l s ch e Militär Mission in der Tür - fei hinreichend zu Tage trat und unter dem neuen Go­re ni h k i n - Kurs alles ehclr als eine Abschwächung er­fahren hat. An dieser Tatfache wird auch nichts durch die Meldung geändert, daß der Zar dieser Tage ein in sehr frenndschaftlichen Ausdrücken abgefaßtes Handschrei­ben an Kaiser Wilhelm abgesandt haben soll, denn man iveiß, daß selbst die herzlichsten Reden bei den Mo­narchenbegegnungen zum Schluß nichts an dem Kurse der russischen Polilit geändert haben. Dieser Kurs richtet sich nicht etwa nur gegen Deutschland, sondern nicht minder, ja in erster Linie gegen Oesterreich-Ungarn, wie auch die Rüstungen durchaus nicht einseitig gegen die deutsche, son­dern ebenso sehr gegen die österreichische Grenze gerichtet sind.

Die Spionageprozesse gegen die Brüder I a n d r i t s ch haben darüber so umfassende Aufklärung gebracht, daß die Dementis der Petersburger Offiziösen ivirklich keinen sonderlichen Eindruck machen können, noch dazu nachdein Herr Sasonow, der zurzeit noch Minister des Auswärtigen ist, durch seinen Vorschlag, in London gleichsam eine Zentrale der Tripelentente zu schassen, seiner dreibundfeindlichen Politik den Stempel aufgedrückt hat. Wenn in der Diplomatie überhaupt so freigebig mit An­fragen gearbeitet würde, wie das die Petersburger Presse glauben machen ivill, dann hätte die deutsche Regierung in diesein Fall um so eher Grund zu einer freundlichen Er­kundigung gehabt, als aus dem vorher erwähnten Anlaß die Regierung des Zaren. Selbstverständlich hat inan ab.w von Berlin aus nicht angefragt, vielmehr mit jener Freude, die bekanntlich die reinste ist, mit Schadenfreitde festgestellt, daß die französische Regierung die aus Schasfung einer Londoner Zentrale gerichtete russische Anregung alsbald erheblich abschwächte, während ihr an der Themse offenbar ein stilles Begräbnis bereitet worden ist.

'Gerade hierbei hat sich aber gezeigt, daß auch in der Weltpolitik nicht alles so heiß gegessen wird, ime es gekocht wird. Tie russischen Rüstungen sind unbestreitbar, und es liegt in der Natur der Sache, daß man sie ebenso tvie in Schweden, wo man gerade jetzt umfassende Abwehrmnßo nahmen vorbereitet, und in Oesterreich-Ungarn auch bei uns mit Ausmerkfamkeit verfolgt, wobei allerdings zu be­achten ist daß unsere neuen Wehrmaßnahmen diesen Faktor schon berücksichtigt haben. Im übrige» hat der russisch» japanische Krieg gezeigt, daß man sich immerhin vor einer Ueberschätzung des russischen Kolosses hüten soll, schon weil die inneren Schwierigkeiten im Zarenreiche einen Faktor bilden, den man für absehbare Zeiten wird in Rechnung stellen können. Selbstverständlich entbindet das nicht von demtoujourS en vedette", aber Anlaß zu ernstlichen oder gar aktuellen Besorgnissen ist aus alle den hier angeführten Gründen nicht vorhanden. Vom Säbelrasseln, das man nun einmal an der Seine pne an der Newa liebt, bis zum Säbelziehen ist noch ein weiter Weg!

Deutsche» Reich.

Ter Kaiser staitete am Montag vormittag dem Reichskanzler einen längeren Besuch ab.

Ein Etatnotgesetz wird in den nächsten Tagen dem Reichstage zngehen, da eine Verabschiedung des Vor­anschlags bis zum l. April d. I. nicht durchführbar ist. Durch das Notgesetz, das seit einigen Jahren eine ständige Einrichtung geworden ist, wird der Reick>sianzler ermächtigt, die notwendigen und dringenden Ausgaben in den Monaten April und Mai zu leisten. Durch das Notgesetz lvird der Reichskanzler ferner ennachtigt, die Fortsetzung des Baues von bereits i» Angriff genommenen Bauten nach näherer Bestimmung des Notgesetzes fortzusetzen. Da auch im preußischen Landtage der Voranschlag bis zum l. April nicht verabschiedet 'werden kann, so wird dein Etatsgesetz der übliche Notparagraph eingesügt werden, der für die bereits vor Verabschiedung des Etats geleisteten Ausgaben Indemnität erteilt.

Zn der neuen preußischen Hinterlegnngs- ordnung, die am 1. April d. I. in Kraft tritt, sind die Ausführungsbestlinmungen erlassen worden. Nach diesen Bestimmungen sind Hinterlegungen Angelegenheiten der Justizverwaltung, auS diesem Grunde ist Hinterlegnngs- richter der Präsident des Landgerichts. Der Landgerichts­präsident ist befugt, die Annahme zur Hinterlegung und die damit zusammenhängenden Geschäfte einem Gericlstsschrei- ber zu übertragen, dagegen nicht die Herausgabe von Hinter­legungen. Die Annahme und Herausgabe von Hinterlegun­gen sind schriftlich zu beantragen. Nach der Ausführungs- bestiinmung sind alle bei den Amtsgerichten in einstweiliger Verwahrung befindlichen Werte vom l. April d. I. ab als auf Grund der .Hinterlegungsordnnng hinterlegt anzusehen. Für sämtliche Hinterlegungen gilt vom 1. April ab das neue Recht.

Zum T t e l l e n v e r m i t t l e r - G e s c tz. Ter nationallibe- rale Abg. K e i h a t fr hatte in einer kleinen Anfrage über Rechts- unsicherh eiten aus dem Gebiete des Stellenver­mittle r g e s e tz e s bingcwiesen und daraus aufmerksam gemacht, das; der §3 Abs. 1 dieses Gesetzes in den verschiedenen Bundes­staatennglcichmäßig gchandhabt werde. Das Reichs»Mt des Innern hat aus diese Anfrage nunmehr s ch r i j t l i ch wie ialgt geanlw ortet : Aus der Anfrage ist nicht ersichtlich, welche Entscheidungen höchstgcrichtlichcr Instanzen zu 8 3 2lhs. 1 des StellenvermiNlergcsetzes vom 2. Juni 1010 gemeint sind. Soweit hier bekannt, liegen auf dem bezcichneten Rechtsgebiete voneinander abweichende Entscheidungen vor über die Zulässigkeit einer ge­werbsmäßigen Vermietung von Wohn- und Schlafftellen durch Stellcnvermiitler. Das Königlich Preußische Kammergcricht hat die monalsweisc Vermietung eines Zimmers durch Stellen- : Vermittler an eine Person, die nicht als stellungsuchende in Frage kommt, sür strafbar erklärt. Tic in dem bctrei- senden Urteil vertretene Aussassung, daß das Verbot des § 3 des Stellenvermittlcrgcietzes vom 2. Juni 1910 auf die Vermietung an Stellung juchende Personen nicht beschränkt sei, wird auch von den Lberlandesgerichten in Dresden und Hamburg geteilt. Das Obcrlandesgericht in Hamburg will aber »ns den im h 3 des Stel- lenvermiltlcrgcsetzes gebrauchten AusdrückenWohnstellcn" imd Tchlafftcllcn" folgern, daß das Verbot nur die vorübergehende Per mietnng ans Stunden und Tage trcsic, während das Lbcrlandes- gcricht Dresden diesen Worten die Auslegung gibt, daß sie im Ge­gensätze zu Wohnungenräumlich beschränkte und bescheidenere ein­zelne oder doch wensge Räumlichkeiten und Gelegenheiten zum Woh­nen und Schlafen sür einzelne Personen rmd gegen geringeres Ent­gelt" bedeuten. Sosern sich in der Rechtivrcchung mit der Zeit eine einheitliche Auffassung nicht ergeben sollte, würde eine Regelung durch Gesetz erwogen werden müssen.

Konzert der Großh. hoskapelle in Schotten.

Schotten, 9. März.

Schotte» war gestern in froher ausregcnder Erwartung. Sollte doch in dem kleinen Städtchen von der Tarmstädter .hoskapelle ein großes Orchesterkonzert abgehaiten werden, zu denr der Groß­herzog sein Erscheinen anqckündigt hatte. Bon Nidda an waren alle Häuser an der Bahnlinie reich beslaggt, und die Hauptstraße der so hübsch gelegenen Kreisstadt bot einen überaus festlichen An- blick. Um i llhr nachmittag« traf das hohe Paar ein in Be­gleitung der Hofdame Freiin von Ropmanu sowie des Adjutanten Rittmeisters von zpchröter »ud fuhr unter den begeisterten Hoch- ruien her Menge direkt zur Turnhalle, in der das Konzert stattiand. Am Eingang überreichte die kleine Martha Kromm, eine Enkelin des Bürgermeisters, der Großherzogin einen Blumenstrauß. In tzier .Halle wurden dann die hohen .Herrschaften von dem Vertreter Des Kreises nnb der Stadt empiangen. Tic Halle selbst war ganz vrächtia geschmückt: links neben dem Konzertvodinm war eine kleine Loge iür da-Z Landcssürstenpaar errichtet, die mit Tcpvickien und Blattpflanzen hübsch dekoriert war. Nach dem Konzert, das den künstlerischen Höhepunkt in dem von Frau Baum ganz glänzend gespielten Harsenkonzert von Eamillc Saint-Taöns er­reichte, verließ da-Z Großherzogsvaar unter begeisterten Hochrusen der Zuhörer den Saal, um bei .Herrn und Frau Kreisrat Tr Merck den Tee einzunchmen, ZN dem Herr Bürgermeister Kromm, Herr und Frau Amtsrichter Dr. Brill. Forstmeister iind Landtagsabgeordneter Tr. Weber und Gemahlin, so:vie aus Gießen Freiiran van Liebig und Prosesior Dr. Opitz geladen waren. Gegen 7 Uhr abends trat das Großherzogsvaar unter lebhafter Begeisterung des vor dem Kreisamtsgcbände in dichten Scharen versammelten Publikums die Rückreise nach Tarm- stadt im Automobil an ^ . . . , . .

w c die Stadt und den Kreis schotten mul; der Bcruch des GroßherzogpaareS als ein außerordentlich denkwürdiges Ereignis angesehen werden und die hochbesriedigle Bevölkerung wird diesen Tag in frohem dankbarem Angedenken halten.

Das Konzert selbst nahm unter der umsichtigen Leitung von Hoikapellmeistcr Pani Olten Helmer eine» durchaus künst­lerisch sich steigernden Verlaus. Tie immer prächtig wirkende Frei­schütz-Ouvertüre des genialen Vorläusers von Richard Wagner war gut angelegt und dementsprechend nuanciert, doch waren ver­schiedene ereseendi von einem zu sehr überlietzten acccNerando um ihre Wirkung gebracht. Herr Konzertmeister Ernst Schmidt fDielte das Violinkonzert von Wiemawsti in T-moll. ohne aber dem an und iür sich immer noch danlbarcn, geigcrisck glänzend gesetzten Konzert besondere musikalische oder virtuose Physiomro- mie zu 'verleihen. Und auch die weiterhin im criten Teil des Programms gespielten (ohne Dirigenten) Variationen über

Gott erhalte Franz den Kaiser litten so kiangichö» sie stellen­weise vorgetragen wurden unter der geringen Disziplin des Ensembles. Wie iann z. B. der Anstalt vom achten »um neunten Takt im Thema von der einen Hälstc der ersten Violinen mit Aufstrich und dem anderen mit Mstrich genommen werden, oder an vielen anderen Stellen der eine Takt oder der andere von den Vertretern der einzelnen Jnstinmentengruvpen mit vollkommen verschiedenen Stricharten gespielt werden. Es ist doch bekanntlich auch ein großer Unterschied, ob der Bogen in der Mitte oder mit der Spitze oder dem Frosch gestrichen wird und ein eingespieltes Streicheniemble wird sich die Psiege eines einheitlichen Striches sehr angelegen sein lassen. Man sehe hier die Meininger Hoikavclle: hier wird peinlich auf solcheKleinigkeiten" geachtet und welcher Klang wird da airch erzielt.

Tic zweite Hälstc begann mit der echt französischen Geist sprühenden und ausgezeichnet zu Oiehör gebrachten Suite L'Ar- lesienne sür Orchester von George Bizct. Hieraus folgte das schon oben erwähnte Harienkonzcrtstück. Frau Baum versügt nicht nur über eine ganz ebenmäßig vollendet sichere Technik, die ihrem Instrument nur virtuos gerecht werden will, sondern weiß ihren Saiten vor allem nach der llanglichen Seite hin ganz wmiderbare Töne zu entlocken, ivozn als bestes noch konnnt. daß die Spielerin selbst eine so rassig musikalischc Persönlichkeit ist, daß ihrer Leistung der Höhepunkt des ganzen Konzertes mit Fug und Recht zuzucrkennen ist.

Den Beschluß der Vortrogsfolge bildete eine ungemein lcbens rollc. besonders in den Blechsätzen glänzend gesteigerte Wiedergabe der Tannhäiiier-Onvertüre von Richard Wagner. Hoikapellmeistcr Paul Ottenheimer und sein Orchester konnten hiersür begeisterten Bciiakl zugleich als Tank sür die Darbietungen binnehmcn.

!Am Abend wurde das Konzert wiederholt, da eine zu große Nachirage nach Karten stattgesunden hatte. Hosientlich iolgen noch andere kleinere Städte der kunstbegeisterten Stadt Schotten und veranstalten gute Orchesterkonzerte mit vor allem künstlerisch musikalischem Programm, dann wird der Sinn für wirklich gute Musik auch in die Gegenden des Reiches getragen, die nicht an derQuelle" sitzen können.

Iubiläumstonzert des vauerschen Gesangvereins.

Gießen, 8. März.

Das Jubiläums Konzert keS Bauerichen Gemngv'reins bedeu­tet einen großen .Erfolg und stellte die Leistungsfähigkeit des Chores, wie die Begabung und das Geschick des Leiters ins heilste Licht. Gebührt dem Dirigenten. Herrn Görlach, das Lob, Haft er mit gereiftem Kunstverständnis seine Ausgabe be­herrscht, so nicht minder den Sängern, daß sic mit ganzer Seele

die ihrige ZN umfassen und mit Einsetzung aller Kräfte durchzu­führen suche». Truvpen und/Führer stehen in innigster Verbindung in geistig belebender Wechselwirkung zueinander. Hinzu tritt ach beiden Seiten: ernstes Streben, rastloser Eifer und völliges Aus. gehen in die gestellte Aufgabe.

Gleich die erste Nummer: V. LachnersAllmacht" (mit In­strumentalbegleitung) bildete eine Glanzleistung. Die malerischen Momente waren sorgsam hcrausgehoben. Der Zug bcgcisterungs- vollcr Grüße im Lobpreisen Jchovahs riß unwillkürlich mit. Die einzelnen Phasen, in denen sich der Herr der Welt offcn- bart, hielt eine sciniühlige Mittlung scharf abgegrcnzt vonein­ander: der brausende Sturm, das Rauschen der Wipfel und Saaten, Donner und Blitz über allem thronend der Gott der bnld und des Erbarmens.

Das Vaterländische kam in den beiden Chören:Reiters Morgcnlied" (in der schöne» Bearbeitung von H. Pütz) und Lützows wilde Jagd" zum Ausdruck. Tie vortreffliche sprach- tcchnische Schulung des Chors zeigte sich in dem Vortrag des letzte» Liedes, in dem die Wiedergabe der verschiedenen Klang- nnd Sprechnuaneen bei dem sliegenden Temvo außerordentlich schwierig ist. An einigen Stellen wich der Dirigent offenbar absichtlich von der sonst üblichen Auffassungs- lind Vortrags­weise äh.

War der Grundton der erste» Chöre aus das Höhe-Heilige und Vaterländische, aus das Krastvoll-Mannbaite gestimmt, io sangen die letzten Nummern vonLenz und Liebe, von seiger goldner Zeit". In wirkungsvoller Steigerung reihten sich die Chöre:' L. Frühlingszeit, o Lieb und Leid" von P. Polster,Bei der Mühle" von G. (Krim undBrautiahrt im Hardanger" von H. Kjeruli aneinander, um in C. AttenhoiersTer Barde Lenz"' (iür Männer-Ehor, Sopran-Solo und Orchester- ihren Höhepunkt z» erreichen. Tie schöne Dichtung von E. Schönebergcr gab dem Komponisten Gelegenheit zu einem in Ausbau und Steigerung glänzenden Tongemälde, bas, wenn auch gerade nicht modern in den Harmonien, so doch geschmackvoll in der Wadi der A-is- drucksmittel. eine» tiefen Eindruck bei den Hörern hintcrließ.

Das Sopran-Solo in diesem Werke hatte in Frau 2k. K ä NI v - sert, Kammersängerin aus Frankfurt a. M eine vortreffliche Vertreterin gesunden, deren glanzvoll mächtige Stimme am Schlüsse jubilierend über Chor und Orchester schwebte. Ihre schönen Stimmittel, wie auch die vornehme Art ihrer Tongebung kamen natürlich in den einzelnen Liedvorträgen noch mehr zur Geltung. d'AibertsWiegenlied" »nd R. Strauß'Frcnndliche Vision" waren nach dieser Seite hochachtbare Leistungen. Daß Arnold MendelssohnsDie wandelnde Eilocke" wiederholt w«den- mußte, konnte mit Rücksicht aul die reizende Komvosition und ihre launige, humorvolle Wiedergabe nicht wundcrnchmcn. Die.