Nr. 42
Ter Slrtzener Hnjeijft
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Erstes Blatt
164. Jahrgang
Donnerstag. 19. Zebruar 1914
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Tagcskalcndcr aus dem Jahre 1814.
19. Februar: Tie Franzosen räumen Tanzig, das von den Preußen besetzt wird.
Der Krankenstand der deutschen und des französischen Heeres.
Jin Reichstage ist von nationalliberaler Seite eine Anfrage an den Reichskanzler gerichtet worden, worin unter Bezugnahme aus Mitteilungen französischer Blätter über den angeblich schlechten Gesundheitszustand im deutschen Heere um Auskunft über den^Ktankenstand des Heeres gebeten wird. Die Ansrage bezieht sich aus unlängst veröffentlichte sensationelle Meldungen des Pariser „Journal", worin der Gesundheitszustand der deutschen Armee unter Angabe ganz positiver Ziffern grau in grau gemalt wurde. Jene Meldungen und Ziffern sind unterdessen bereits von offiziöser Seite als durchaus un- zutrejfend zezeichnet worden, und cs wurde sestgestellt. daß der Ärankenzustand in der preußischen Armee sowie im sächsischen und württembcrgischen Kontingent für Januar dieses Jahres 58,7 vom Tausend der Iststärke gegen 55,9 im Januar v. I. betrug und daß der Gesundheitszustand zurzeit besser sei als je zuvor.
Tic Scnsationsmachc des Pariser Blattes versolgtc offensichtlich den Zweck, die Franzosen über die ganz un- gewöhnlizl) schlechten Gesundheitszustände im eigenen Heere zu trösten, worüber ja in den letzten Wochen mehrfache Alarmmeldungen in die Oeffentlichkeit gedrungen sind. Daß es sich hierbei aber nicht etwa um sensationelle Erfindungen handelt, hat sich bereits einwandfrei auS den Verhandlungen in der französischen Dcpntiertenkammer ergeben, in der so positive Angaben über die massenhaft austrctcndeu Erkrankungen im Heere gemacht wurden, daß sie füglich nicht zu bezweifeln sind und auch von der französischen Regierung nicht ernstlich bestritten lvurden. Stellte doch der Berichterstatter, der Arzt Dr. Lacherud, seft, daß im Januar in 76 Garnisonen die Masern und in 60 Garnisonen das scharlachsicber geherrscht hatten, und die in twn letzten Tagen aus Frankreich gekommenen Rachrichten lassen erkennen, daß die Verhältnisse sich seitdem noch wesentlich verschlimmert haben. Geradezu erschreckend war die von Tr. Lachaud ausgemachte Statistik .wonach man im Januar bei einem Männschastsbestande von 717 415 Mann 194 053 Revierkrankr, 44 191 Lazarcttkranke, 21570 Hospitalkranke, ferner 280 Todesfälle und 1489 zeitweilig wegen Dienste untauglichkeit Entlassene verzeichnet habe. Das würde also besagen, daß zu dieser Zeit rund 38 Prozent des gesamten Mannschaftsbestandes dienstuntauglich waren, ein geradezu abenteuerlich hoher Prozentsatz!
In erfreulichem Gegensatz hierzu steht eine unlängst veröffentlichte Statistik, wonach die Zahl der Erkrankungen im deutschen Heere in den letzten 20 Jahren annähernd um ein Viertel, die Zahl der T o d e s s ä l l c aber von 3 pro Tausend der Kovfstärke im Jahre 1893 auf 1,9 im Jahre 1913 zurückgegangen ist. Mit lvclchen Sorgen man diese ungeheuren Unterschiede im Gesundheitszustand des deutschen und des französischen Heeres in Frankreich verfolgt, geht aus einer soeben ags Paris übermittelten telegraphischen Meldung hervor, ^wonach die „Humaniis" ^ine am 15. August v. I. von der Sanitätsabteilung des Kriegsministeriums an den Gc- neralstab gerichtete Note veröfsentlicht, in der erklärt wird, daß die Zahl der Krankheits- und Stcrbefällc in der srank- zösischcn Armee weitaus größer sei als in der deutschen und vielleicht sogar größer als in allen Armeen der Welt. Diese
sehr wider den Wunsch und Willen der französischen Regierung veröffentlichte Note stützt sich offenbar aus das seinerzeit von Dr. B i n c t, einem hervorragenden sranzösifchen Militärarzt, sehr sorgsältig zusammengetragene Material, aus dem hcrvorging, daß von allen Heeren der größeren' europäischen Staaten die französische Armee den nngün- stigstcn, die deutsche den günstigsten Gesundheitszustand habe.
In dem Urteil über die Ursachen dieser Erscheinung stimmen Binet und Lachaud freilich nicht überein; jener führt sic aus die schlechteren hygienischen Zustände in Frankreich, dieser aus die plötzliche Heeresvcrmchrung zurück, durch die man gezwungen gewesen sei, die Rekruten in unzureichenden und hygienisch unzulänglichen Käsernenräumcn unter- zubringcn. Gegen die Theorie Binets ist einzuwendcn, daß der Prozentsatz der Sterbcsälle in der Bevölkerung Frankreichs nur unwesentlich größer ist als in der Deutschlands. Die Erklärung Dr. Lachauds aber bedeutet eine schwere An klage gegen die französische Militärverwaltung, deren mangelnde^ Vor- und Fürsorge allerdings seil dem Kriege von 1870,71, wo sie zur Katastrophe sührtc, dieselbe geblieben zu sein scheint. Im übrigen ist aber die Hauptursache der trostlosen Zustände im französischen Heere noch aus einem ganz anderen Gebiete zu suchen. Durch die letzte Heeresverstärkung ist man gezwungen, die Rekrutierung bis zum äußersten zu treiben, denn Frankreich, das ja an Bevölkerung weit hinter Deutschland zurückgeblieben ist, muß einen viel stärkeren Prozentsatz in das Heer ein- stellen, also zum nicht geringen Teil untaugliches Material, welches den Anstrengungen des Dienstes nicht gewachsen ist und nur zu leicht die Beute von Krankheiten, von Epidemien wird. Woraus sich ergibt, daß ein Teil der französischen Armee sich nur auf dem Papier, in den Listen der Krankenhäuser befindet und Jaurtzs sich noch als ein Optimist von reinstem Wasser erweist, wenn er sorgenvoll ausruft: „Wenn jetzt eine internationale Krisis ausbrächc, so wäre e i n A ch - tel unserer Truppen durchaus unbrauchbar".
Die Krifls in Schweden.
Das neue schwedische Ministerium hat eine vermittelnde Tätigkeit aufgenommeu, nur über die heikle Lage hinwegzukommeu. Das Endergebnis wird sein, daß die Zweite Kammer früher ausgelöst wird, als vorgesehen war und daß di: Heercsrcjorm dann in dem Rahmen sich vollzieht, wie der König und seine Getreuen es wollen. Wir erhalten sollenden Bericht:
Stockholm, 18. Febr Vor gut besetztem Hause gab die Regierung in beiden Kammern des Reichstags eine Erklärung betreffend ihre Politik ab; in der Ersten Kammer durch den Minister des Aeußern Wallenberg, in der Z >v e i t e n durch den Ministerpräsidenten H a m m a r - s k j o e l d. Nach einer historischen Darlegung der Ministerkrise führt die Erklärung aus: Der Konflikt, der zwischen dem König ülnd seinen früheren Ratgebern entstanden ist, sei nach Ansicht der Regierung nicht derart, daß die Lösung der Verteidigungsfrage deswegen zu verschieben sei. Tie Regierung wolle deshalb dem König Vorschlägen, daß die Vorlage betr. bii neue Verteidigungsordnung dem Reichstage erst dann vorzulcgen sei, wenn die Wähler durch die Auflösung der 2. Kammer Gelegenheit gehabr hätten, mit Rücksicht aus diese Fra^e ihre Stimmen abzugeben. Tie Regierung beabsichtige, die Anhänger der Berteidigungsvor- lagcn aus den verschiedenen Parteien zu Vereinen, um diese große Frage unter Beiseitesctzung der Mcinungsverschieden heilen in anderen Punkten, die bei der gewöhnlichen Wahl im Herbste zu ihrem Rechte koinmen könnten, zu lösen. Der Zeitpunkt de r Auflösung werde b a l d m ö g l i ch st b e st i m m t und kurz daraus werde der H a u p t i n h a l t d e r Verteidig nngs rcfo rm veröfsentlicht 'werden. Die Reform werde berücksichtigen, daß die für die Verteidigung
notwendigen Mittel durch eine Wehrst euer oder auf andere Art aufgebracht würden unter Rücksichtnahme der wirklichen Steuerfähigkeit. Die Regierung Halle die Lösung der Verteidigungsfrage sßdreinbar mit der kräftigen Entwicklung der sozialen Resormarbcit. Im Zusammenhang mit den Reformen der Wehrkraft stehe nach der Meinung der Regierung eine Reform des Mililär- st r a f g e s e y e s. In den Fragen, die nicht mit der Ver- teidigungssrage zusammenhängen. wolle die Regierung Zurückhaltung beobachten. Endlich betont die Erklärung, daß die militärische Stärkung Schwedens ausschließlich zum Zwecke der Verteidigung des Landes erfolge unter Berücksichtigung des Grundsatzes der neutralen Stellung des Landes.
Die preußische vesoldungsnooelle.
Berlin, 18. Febr. Der dem Abgeordnetenhaus!: zu- gcgangcne Gesetzentwurf zur Abänderung der Besoldungsordnung bewirkt eine Anpassung der Gehälter der prcußi scheu E i s c n b a h n a s s i st c n t c n und der ihnen gleich stehenden Beamten in Klasse 13 an die der RcichSpostassi ftenlcn. Soweit dadurch Ucberholungen von Beamten der Klassen 14 bis 16 erfolgen, oder die erforderlichen Oiehaltsabstände verschoben würden, ist auch eine entsprechende Um gcstaltung in den letzteren Klassen vorgesehen, wobei jedoch an dem .Höchstgehalt von 3600 Mk. scftgchalten wird. Wo darüber hinausgegangen werden mußte, geschieht dies durch Gewährung pensionssähiger Zulagen.
Entsprechend der Ausbesserung der Unterbeamten der Oberpostdircktionen müssen ferner die Gehälter der Un- tcrbeamtcn der preußischen Gehaltsklassc 4 eine Ausbesserung erfahren. Die Vorlage geht indes weiter und sicht bei sämtlichen vier ersten Unterbeamtenklassen ebenso bei den mit Einzelgehältern unter 1700 Mk. au^a"' 'Orten Unterbcam- ten eine Gehaltserhöhung von je 100 Mk. vor. Ferner ist eine Aufbesserung der Klasse 5 auf 1300 bis 1800 Mk. in Aussicht genommen. Von Klasse 6 ab ist grundsätzlich von. einer Ausbesserung abgesehen worden. Die Mehrausgaben für das kommende Etatsjahr sind auf insgesamt 15,5 Mill. Mark bei der Eisenbahnverwaltung und 3,8 Millionen bei den übrigen Verwaltungen ermittelt. Die Mehrausgaben an Pensionen und Hintcrbliebenenbezügen werden im Beharrungszustand auf 4,3 Mill. Mk. geschätzt. Tie in dem Ge sctzcntwurs noch vorgesehene Neuregelung der Gehälter der gesandtschastlichen Beamten bedeutet keine Besoldung-Verbesserung. Das Gesetz soll mit dem Ersten des auf die Verkündung folgenden Vierteljahres in Kraft treten. _
Dcnttdi» Heid?,
Jni preußischen Abgeordnetenhaus stand am Mittwoch im Mütelvunkt der Erörterung zuncichsih ein Antrag des Abg. Tr. ». Camve (Ntl.), der die Regierung ersucht, in erhöhtem Maße und schleuniger als bisher eine Verstaatlichung der Bureaus der L a n d r a t s ä m t c r vorzunehmen. Rach lebhaften Auseinandersetzungen über die Tätigkeit der Landratsämter wurde der Antrag dem Budgetausschuß überwiesen. Tann wandte man sich dem Kapitel „Polizeivcrwaltung von Berlin und Umgegend" zu.
Zur Reichstags st ichwahl in Jerichow zwi- schen dem bisherigen sozialdemokratischen Abg. Haupt und dem Konservativen Gutsbesitzer Schiele wird in der/der Parteileitung der Fortschrittlichen Volkspartei nahestehenden „Freisinnigen Zeitung" folgende Stich Wahlparole ausgegeben:
- FnmReichstagswahlkreis Jerichow I und II haben «IN kommenden Freitag die Wähler darüber zu cntscihndc», ob der künl tige Verirelcr des Wahlkreises der Rechten oder der Linken des Reichstag« angchörcn soll. Bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1912 galt die Stichwahlparole: Keine Stimme einem Kandidaten der Rechtsparteien! Seither hat sich die Gegncr- schast gegen die Konservativen nicht vermindert.
Die veziehungen des Komponisten des „Zre schütz" zu Siehen.
Bevor Karl Maria v. Weber die Sonne des Ruhms beichten, Ivar er gezwungen, sich durch Konzerte den Unterhalt zu verschaste». Es war im Jahre 181 l, als das junge, nur von wenigen erkannte Talent auf einer Gastspielreise durch Tcntschland die hessische llni- versiiätsstadt berührte. Um sich einen gulen Konzertbesuch zu sichern, vstegte er den kunstsinnigen Familien der Städte, die er mit seinen Konzerten beglückte, seine Auiwartung zu machen. Als er die Besuchsliste sür Gießen scststcllen wollte, wurde er auch an den Buch bändler Hcvcr gewiesen, dessen äußerst musikalische Familie mit ibren .Konzertabenden den Mittelpunkt der Gicßenci Mnsikireunde bildete. Ter Komponist wurde von der Familie des Buchhändlers mit oisenen Armen ausgenommen. Er wurde als Gast der Familie eingcladen und wohnte bei ihr, bis er sich wieder von Gießen verabschiedete. Zwilchen ihm und ihr entstand sehr schnell ein inniges Freundschaftsverhältnis. Weber saß mit der 15jährigen talentvollen Tochter des Buchhändlers, der er Klavierunterricht erteilte, zu den meisten Stunden des Tages am Klavier, spielte mit der Schülerin leine Werke zweihändig und nahm von der feinsinnigen Familie so viel Anregungen aus, daß er oft Nächte hindurch aus seinem Zimmer verbrachte, um die Fülle der Gedanken und Einfälle niedcr- zuschrciben. Schließlich tvcrr der Konzcrtabcnü gekommen. Es Ivar ihm ^gelungen, die als Sängerin damals schon berühmie Tochter des Staatsrats Emmerling zur Mitwirkung zu gewinnen, aber aüch ohne sie wäre der Erfolg, den er an diesem Äbenld errang, nicht ausgchiiebcn. Man hatte den Künstler in der Fanlilie des Buchhändlers .Hetzer kennen gelernt, und wäre auch dann zu seinem Konzert gegangen, wenn cs der Takt nicht geboten hätte. Dar Abend schloß mit einer für damalige Zeiten nicht nur außerordentlich hohen Einnahme ab, sondern brachte dem Kvmvonistcn auch Ovationen, wie er sic in den anderen Städtenl, die er aut seiner Gastspielreise berührt hatte, nicht erleben durste. Außer einer Sftmplwnie und einer Ouvertüre von Mozart und einem Rondo von Schenk brachte das Programm ein Klavier-Konzert von Eberl »nd italienische Kan- zoncttcn, die Weber selbst sang. Tas Äönzert schloß mit freien Phantasie-Variationen. die der Komponist imvrovierte. —• Tie Tage, die Weber in Gießen verlebte und die freundliche Aufnahme und Beachtung, die er in der Universitätsstadt gefunden hatte, machten ihm die Abreise schwer. Gleich nach seiner Ankunst in Würz- bnrg schrieb er denn auch an einen Freund:
, Tas Hetzcriche und das Emmerlingsche Haus batten sich ganz"in mich geteilt, und war ich nicht bei einem, so konnte man mich gewiß beim andern finden. Mein Konzert (wovon ich Ihnen hier eine» Zettel betilcgel siel äußerst brisant aus, sodaft sich niemand erinnert, ein so volles Konzern gesehen zu haben, ich »ahn, 82 fl. ein, wovon die Unkosten ea. 20 sl. betrugen. Ich rechne es unter Miracnlosa. nun 2 Konzerte gegeben zu laben, und bei keinem Cabalcn gehabt zu haben, sondern auss bereitwilligste und tbätigste unterstützt worden zu sein. Ein einziges kleines Rckontrc hatte ich mit Herrn Regierungsrat Schwabe den ich um die poiizcilichc Erlaubnis ersuchen mußte. Ter gute Mann fragte mich nach den gehörigen Attestaten über meine zulängliche Geschicklichkeit. — auch ob ich einen Paß hätte und dergleichen Tinge mehr, kurz, behandelte mich wie einen Va,aluntcn: ich sagte ihm die Meinung etwas derb, vcr- sichctrc ihm daß ich keine Hunde tanzen ließ die der Attestaten allenfalls l-cdüritcn, und brachte den guten Mann zuletzt in die größte Verlegenheit. Tic Erlaubnis erhielt ich übrigens au, der Stelle durch den Gouverneur Herrn General von Wittgenstein, abei ich muß gestehen, daß ich doch nicht übel erbittert war,' besonders mar der Kontrast so auisallend. daß in dem Augenblick, wo man mich mit Ehren überhäufte und sich so sehr freute, daß ich nach Gießen gctvmmen war, ich mich cbcn- ialls schnell, als ein sich, zum aus der Stadt transportieren ge- cignetcr - - anstragen lassen sollte. Dieser kleine Ilebcrgang aber wurde mir herrlich dnrät den allgemeinen Bcviall, der wirklich enthusiastisch Ivar, versüßt, den ich am Abend meines Konzertes- ärndtete."
Der „Freischütz" hatte bereits die Unsterblichkeit des Kam vonistcn gciichcrt, als er immer noch in regem Brieswccbset mit der Familie des Buchhändlers Hetzer stand, durch die und durch den großen Ävnzcrtcrsolg ihm Gießen ans ,hcrz gewachsen ivar.
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— Ein Vorkämpfer gegen dieSchundliteratur. In unser» Tagen, in denen die Bemühungen, die schlechten Bücher zu unterdrücken, so lebhait sind, ziemt cs sich, eines Mannes zu gedenken, der sein Leben daran setzte, der Jugend eine gute Lektüre zu verschossen. Es ist Alerandcr Friedrich Franz Hossmann, der vor hundert Jahren am 21. Februar in Bernburg geboren wurde. Anfangs Buchhändler, widncete er fid) nach einem kurzen Universitälsstudium in .Halle ganz der schriftstellerischen Tätig
keit. Er lebte IN Zürich, Oioslar, Ballenstedt, Stuttgart und Dessau, übcrsicdcltc 1856 nach Dresden, wo cO auch am 11. Juli 1882 starb. Er war dreimal verheiratet »nd hinterlicß außer drei Töchtern die stattliche Zahl von 250 Erzählungen. Seine erste Arbeit lvar eine Bearbeitung der Märchen aus „Tausend lind eine Nacht" für die Jugend, die derartig cinschlug, daß er sich ganz der Jugcudschrislstellerci widmete. Welcher Art seine ungemein ninsangrcickcc Produktion war, beweisen am besten die Titel einiger seiner Erzählungen: „Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht", „Ter Tugenden Vergeltung", „Reue versöhnt", „Tic Kinder sollen dankbar sein den Eltern", „Wohltun trägt Zinsen" n. a. »i. Alle zeigen stark moralisierenden Charakter: sie verherrlichen die Tugend und einen sittlichen Wandel und malen das Laster und die Siitenlosigkeit mit den schwärzesten Farben, hier ist Hossmann oft von einer starken Pedanterie, Gcschmack- lvsigkeit und Umoahrschcinlichkcit. Ein wcienllichcr Teil seiner Tätigkeit bestand darin, spannende Geschichten des Auslandes zu bearbeiten. — Seinen größten Einfluß aus die deutsche Jugend bat Hossmann durch seine Sammelwerke ausgcübt: das Taschenbuch für die deutsche Jugend, den Teutschen Jugendsreund, die lange Zeit zuni eisernen Bestand jedes Weibnachtstischcs gehörten. Auch crnf die Erwachsene» blieb seine Tätigkeit nicht ohne Ein- sluß. Wen» auch sein Bioqravh, Viktor Hantzsch, jagt, daß Hoss« mann nichts von dauerndem Wert gcichasscn habe und seine Schriitcn als „Lcscsulter" zu charakterisieren seien, so muß man tu unserer Zeit doch dankbar des Mannes gedenken, der Positives für die Jugendliteratur geleistet hat.
— Die Toilcttcniragc im Parsifal. Im neuen Wiener Journal vom 14. Januar 1914 liest man: „Die Dauer der Ausführung vom Nachmittag bis in die ersten Nachtstunden bot die Erwägung der Toilettenfrage notwendig gemacht. Die Gesellschaft wird oie einstündige Pause nach dem zweiten Akt voraussichtlich dazu benutzen, um Toilcttenwechsel vorzunehmen. Die Damen, die zum Beginn der Vorstellung in Nachmittagstoilctte kommen dürsten — die Logenbclucherinnen also mit Hüten — erscheinen vermutlich Min dritten Akt schon in Abendtoilette. Tic Herren vertauschen das Jackett vom Nachmittag mit dem Frack." Dia-Süd deutschen Monatshefte bemerken dazu: In Monte Carlo ist den Besuchern des teuersten Platzes gestattet, ans die am Schluß des Werkes hcrabschwcbcndc Gralstaubc zu schießen.


