Ausgabe 
10.2.1914
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 34

Der «letzener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchenitich <ü«tz-rner,f«mil ienblätle,; zweimal wöche»tl.Iir«ir- dlalNile den Xre!» Sietzen ccienslogundFrenagl: zioetnia! monatl. Lind- «irilchaftliche Seitsrage, flernsprech - Allschlüffe: lür Li« Redaktion 1IL, Verlag >,. Expedition Sk Adresie kür Depeschen: «nzeiger Gießen. Annahme van Anzeigen

Erster Blatt J64- Jahrgang Dienrtag, JC

GiehenerAnzeiger

Dienrtag, tv. Zebruar M4

General-Anzeiger für Oderhessen

b,z oormittäfls 9 Uhr. Hottttionsönid un& Verlag der vrühl'schrn Uikw.-Buch- und SteiRdnukerei R. Lang«.

Bezugsvret»:

insnatlichTSPs, viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 i?!.; Lurch diePoft AL.!.viertel» sährl. ausschl. Bestellg. Zeile,wrew: lokal ISVs., auswärts 20 Mennig. Lheiredakteur: 31 Goetz. Berantwortlich lür de,i polit. Teil: Aug. Goetz: für .Feuilleton", .Ver­mischtes" und.Gerichts­saal": Karl Neurath: für .Stadt und Land":

Redaltien, Erpeditio» und Druckerei: Schulftrahe 7 - AuzeigEü:' $!'««£

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

TaAeskalcndcr aus dem Jahre 1813/14.

10. Februar: Napoleon überfällt bei Thamvcaubert 5000 Rüffc» unter Sacken und reibt sic vollständig aus.

Die Ariftr in der Zenttumrpartei.

Der Rückzug -es Kardinals Kopp hat die Verstimmung lm Zentrumslager und in den christlichen Gewerlschasten noch nicht beseitigt. Man weist, Last die von Rom aus unter­stütztenIntegralen" nicht ruhen werden. Darum hat nun die Zentrumspartei, die bei all den Streitigkeiten bisher nur ür der zweiten Linie gefachten hatte, zu einem vauptschlage all ihre Heerlager .^nsammengefatzt. Der Reichsausschust der Partei hat in Berlin eine geharnischte Protestversaininlung losgelassen, die ihre Wirkung in Ron, lvohl nicht versehleii loird, denn es lnird rund heraus erklärst, dast das Zentrum bleiben werde wie es ntar und dast denQuertreibern" sort- an die Tür gewiesen werde. Zu gleicher Zeit hat ü> Bochum eine Arbeiterkonserenz in das gleiche Horn gestoßen, und so gleicht das katholische Deutschland beute einem Heerlager, das von Ketzerrichterei nichts mehr lvissen will. Wir halten diese Kniidgebnii-gen für erfreulich, denn es war in der Tat die höchste Zeit, daß den anmastlichen fremden Ein­flüssen und den Hetzern gogen die konfessionelle Duld­samkeit die Tür gewiesen' wurde. Schon hatte die­selbe Zwietracht der Geister auch in Oesterreich um sich gegriffen, und der Fürstcrzbischof von Wien hat, wie wir der Köln. Polksztg." entnehinen, an das Hauptorgan der Quer­treiberBerliner Richtung" eine» Bries gerictilet, in dem er erklärte, da er überzengt sei, das; die kirchlich anerkannten Organisationen der Diözese mit jenerRichtung", die das Blatt alsKölner Richtung" bezeichne, nichts gemein haben, da er hierin in die Fnststapfen seines Vorgängers trete und sich eins wisse mit dem Klerus und den stets sür die kirch,- lichen Interessen cintretenden Laien, und da es seine Pflicht sei, alte jene, welche sich mit ihm össentlich einig erklärt haben, vor Verunglimpfung zu bewahren, so fordere er die Redab­tion auf, künftig die Beschuldigung obiger Organisationen, als von der sog.Kölner Richtung" infiziert, alsnicht mehr katholisch" oderweniger katholisch" zii unterlassen, da das Urteil lsterilber der kirchliaien Autorität allein znstehe.An­sonsten wäre ich genötigt, das Svnntagsblatt als unkatholisch und kirchliche Interessen schädigend zu erklären."

Wir erhalten folgende Berichte:

Am Sonntag konstituierte sich in Berlin der Reichs- öüsschuß der deutschen Zentrumspartei. 44 Abgeordnete aus den verschiedenen deutschen Bundesstaaten waren an­wesend. 3lls Vorsitzender, lvurde der 'Abgeordnete Dr. S p a h n und als erster Stellvertreter Pars ch gewählt. Als zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden soll derjenige bape- rische Abgeordnete fungieren, der von der Zentrumssraktion der bayerischen Zweiten Kammer zum Vorsitzenden gewählt wird. Der Reichsausschust beschloß, einen Aufruf an die Mitglieder de rZenrrnmsparlei zu richten, in wel­chem es heißt:

Das Zusammenwirken katholischer und nicht- statholischcr Männer innerhalb der Zentrums- v a r t c i dient zur Erhaltung des Friedens unter dcu christlichen Koniessionen und zur Förderung gemein- imner Jnteresscu. Das Zentrum ist grundsätzlich c > n c

Politische und nicht eine koniessionelle Partei. Unter 'Ablehnung jeder weilercn Teiinitivn erklären wir: Das Zentrum^ioll bleiben, wie cs war und ist. Vom politischen Tlandpunkt aus must die Partei einen dauernden Wert darauf legen, dast ihre Anhänger in den sozialen Und wirttchafflichen QrganUkionen tatkräftig Mitarbeiten, um auch an ihrem Teile den wirtschaiilicknm und sozialen Ausstieg von Land und Volk zu fördern. Das gilt sür die christlichen Bauern­vereine und sür die auf christlichem und vaterländischem Boden langen Organisationen des Handwerks, de? kaufmännischen Mit­telstandes, der 'Angestellten und Beamten u,tf> nicht zuletzt auch sür die zahlreichen Kreise der gewerblichen Arbeiter, die in der christlich-nationalen Arbeiterbewegung dos tojrtschast- lichc und geistige Wohl ihres Standes am der Grundlage der bestehenden Gcsellscha t-ordmmg und des vaterländischen Gedan keil» erstreben. 'Alle Mitglieder der Partei müssen von der lieber- zcugung durch rungen sein, dast g genütor der steig wachenden

staats- und rcli llonsicindiiche» Sozialdemotralie die chrmlich-na.ionaft Arbci erb.wegnng nur dann voll zur Geltung komNien kam,, wenn alles hintan gehalten nstrd. was ihre Einig ­keit und ruhige Entwicklung gciährdet. Die segensreiche Tätig­keit der Partei ilnd der Fraktionen, ihre Disziplin und ihre Geschlossenheit sind fest veranlrrt in dem unerschütterlichen Ver­trauen der Zeiitrumslvähier. Dieses Vertrauen lvirdsrit längerer Zeit von einzelnen Personen und Prcß-

0 r g a ncii zu nnterwü hlen gesucht: selbst die kirchliche Gesinnung altverdienter kathvli'cher Mitglieder des Zentrums wird verdächtigt. Sa^grnndlose Angriffe weisen wir mit Ent r n st u n g zurück. Sie führen zur Verwirrung drr Gftister und erschweren dem Zentrum die Erlüllung seiner grasten Ausgaben, insbesondere auch den Kamps sür die Freiheit und Unabbängigkeit des latholischen Polkstcils. Tie Träger dieser Verdächtigung stell­ten sich selbst außerhalb der Partei, sie sind als Feinde des Zen­trums zu kelrachlcn und zu behandeln.

Eine katholische Arbeiterkonserenz gegen dieIntegralen".

Bochnni, 0. Febr. Gestern fand hier eine von 1000 Abgeordneten katholischer Arbeiter Westdeutsch­lands besuchte Konferenz statt, ans der man in schärfster Form gegen das Organ der sogenanntenI n t e g r a l e n" im katholischen Lager Stellung nahm. Nach einem Vortrag des Arbeitersekretärs Gilsing lvurde folgende Entschlie­ßung angenommen:

Seit mehr als cincln Jahrhundert lverden die zu den chrisl-, lickien Gewerkschaften gehörigen kaiholiichen Arbeiter in ihren wirtsckmitlichcn und sozialen Lrganisationsbcstrebimgen durch Kreiie, die selbst die Miststände und Ungerechtigkeiten im Arbeitsvcrbält- nis nie vraktisch durchgekostet haben, nnausgesetzt gestört und be- ».inriibigt. Für die zutage liegenden sozialen Schäden, sür die Verteidigung der unentbehrlichen Rechte der Arbeiter iehlt ihnen jedes Gefühl. Während sie an der Organisationsvolitik der übrigen Stände vornbergchen, konstruiere,i sic ein Ausnahmcrecht gegen die Arbeiter und ihre Organisationen. Eine grotze Menge Slr- bcitssrcudigkcit ist durch die. fortwährenden Quälereien unter den strebsameren der katholischen Arbeiter zerstört worden. Gegen diese Treibereien erheben die Versa»,mellen lauten und schärsstc» Protest. Es erbittert sie, neben ihrer schweren Qrganisationsarbcit sich unausgesetzt von den Sozialdemokraten mit Waffen bekämpft zu sehen, die ihnen aps dem integralen Lager sort und fort go- liesert werden. Ter sich stets verschärfende Kamps droht mit jedem Tage neue Verwüstungen anzurichtcn und das katho­lische Deutschland in ein T r ü n> ni e r f e l d u m z u - wandeln, wird kein Einhalt den Treibereien geboten. Tie Gruppe von Quertreibern erschöpfen sich nicht mehr in der Arbciter- organisationssragc, sie haben sich zu eineni Skandal für das katholische Deutschland ausgewachsen. Die Versammelten er­warten, dast sich das gesamte katholische Deutsck^-

1 a ii d c r h e b t u n d k l a r a n s s p r i ch t, d a st e s d i e s e T r c i- bereien verabscheut und dah jetzt endlich ein Ende gemacht werden must. Fübrcr und Volk iniiiicit sich vereinigen m dem

Gedanken, daß die vielseitigen Ausgaben der katholischen Volks­teile eine weitere Störung nicht mehr dulden. Den rastlosen 'An­klägern. Ketzcrrichtcrn und Totengräbern unserer Einigkeit und Tatkraft weisen wir rücksichtslos die Tür!"

Eine Kundgebung derBerliner".

Neucnkirchen a. d. Saar, 9. Febr. Gestern wurde hier der Be rgarbeiter-Dele,gierten tag der ka t h o l i s ch c n Arbeitervereine (Sitz Berlins abgelprl- ten. Die Leitung der Tagung lag in den Händen des Reichs- tagsabgeordneten Kostman n. ES wurde einstimmig die Absendung folgenden Telegramms an den Bischof von Trier beschlossen:

Eurer bischöslichcn Gnaden gedenken in Liebe und Verehrung die am 8. Februar zur Generalversammlung in Rcunkirchcn zahl­reich anwesenden Delegierten der latholischen organisierten Berg­arbeiter des IaarrevierS. Zeh» Jabrc find wir den Weisunge» Eurer bischöflichen Gnaden in der sozialen Frage gefolgt, und wie der heutige Geschältsbericht zu erkennen gibt, hat unsere Arbeit reiche Früchte für unsere Mitglieder und unseren ganzen Stand gebrachl. Wir sprechen Eurer bischöslichtzn Gnaden für die uneiniüt»- liche Förderung der katholischen Arbeitersache lies gesuhlten Tank aus und verbinden damit die ergebene Bitte, auch fernerhin der­selben Freund und Förderer sein zu wollen. Un'erprseits gelobe» wir unverbrüchliche Treue und Gchoisamkcit gegenüber den Wei­sungen Eurer bischöflichen Gnaden und unseres Heiligen Vaters.

7ie Li"silhru"g von posttreditbrlesen

wird voraussichtlich bald erfolgen, so daß von der Ein­richtung bereits in der diesjährigen .Hauptreisezeit vom reisenden Publikum Gebrauch gemacht werden kann. Im Rcichspostamte wird zurzeit erwogen, welche Bezeichnung die Einrichtung führen soll, in Vorschlag gebracht sind Postgntbrief" undPostabgalwbrief". lieber die neue Einrichtung werden setzt folgende Einzelheiten be­kannt gegeben: Die Postkreditbricfe sollen in Form eines Heftes (Größe 12> -: 8 1 /i Ztm ) ausgestellt werden, das zehn Quittnngsforntularc für die 4lbhebnng von Teilbeträgen enthält: sie können auf alle durch .30 teilbare Summen bis 3000 Mark lauten. Die Gültigkeitsdauer beträgt vier Mo­nate. Die Ausfertigung der Pvstkreditbriese wird den Post­scheckämtern übertragen. Bestellungen nimmt außer diesen jede Postanstalt entgegen. Der Besteller lmt den Betrag, ans den der Postkreditbrief lauten sali, mit Zahlkarte zur Gutschrist ans ein Krcditbrieskonto bei dem Pvstscheckaintc, zu dessen Bezirk die Einzahlungsstekle gehört, cinzuzahlen und auf dem Abschnitte der Zahlkarte Namen und Wohnort des Einzahlers und derjenigen Person anzugebcn, auf die der Postkreditbrief lauten soll. Der Inhaber eines Post­scheckkontos kann den Betrag für den Postkreditbrief von seinem Guthaben ans das Krcditbrieskönto überweisen. Der Postkrcditbrief wird vom Postscheckamt der vom Einzahler bezeichneten Person als Einschreibbrief unterEigenhändig" portofrei zngesandt. Abhebungen, die ebenfalls durch 50 teilbar sein müssen und aus 50 bis 1000 Mark lauten dürfen,. können gegen Vorlegung des Pvstkredltbrieses bei allen Postanstalten, also auch beiden in kleinen Orten befindlichen Postagcntureii, im Reichs-Postgebiet sowie in Bayern und Würltemberg erfolgen. Ter Abheber Hai seine Berechtigung zur Empfangnahme von Teilzahlungen durch Vorzeigung einer auf ihn lautenden Postauslvciskarte nachzuweisen.

'Als Olebühren sind in Aussicht genommen: 1. sür die mit Zahlkarte zu leistende Bareinzahlung oder sür die lleberiveisung von. einem Postscheckkonto die nach der Post­scheckordnung sestgesepicn Gebühren: 2. eine Ansfertigungs- gebühr von 50 Pfg.: 3. für jede Rückzahlung a) eine feste

Sin unbekannter Liebesroman Thaüerays.

Bisher unbekannte und un »eröffnt t lichte Liebes­briefe des großen englischen Romcmdichiers Thackercm, die ans dem Besitz des vcistorbcneii 'Major Lambert stammen, werden Ende Februar in New Bork versteigert lverden. Ter er- greiieiide Jnlwlt dieses Hcrzcnsrvmans, der den geistrcicbcu Ver­spotter aller Sentimentalitäl als unglücklich lickenden Schwärmer vorführt, wird setzt zu,n erstenmal bekannt und verleiht dem Bilde des genialen Gesellschastssatirikcrs einen neuen menschlich rührenden Zug.

Tie Dame, der der Poet eine hoffnungslose Neigung dar- kiachie. war Mrs. William H. Broockncld. die Gattin eines Geistlichen, der ein guter Freund von Thackeral, war. Das in­time Berhälinis zwischen den Beiden wurde auch nicht gestört, als die Lcidenickait des Dichters sür die. Gattin des andern immer stärker zutage trat. Thackeral! gab sich auch gar keine Mühe, im Bewnstlsein der Ilnscbnld und Rcinbeit seines Gefühls seine Neigung zu verbergen. Dem Manne schreibt er die glühendsten Htzmnen übe, den Wert seiner Frau. ..Ihre Unschuld, ihr Blick, ihre engelhaffe Süße und Reinlichkeit," heißt es in einem Schreiben von 1847 an Brooksield,entzückt and begeistert mich in höchstem Grade, und manchmal, wenn ich sie anblicke, dann gerate ich in eine ganz wilde Raserei. Dieser Zustand ist aber nicht im min- desieil gefährlich. Es ist eine Art küttstleriichcn Entzückens, eine geistige Sinnlichkeit, wenn ick so sagen darf, stlnderc Tinge in der Natur brrühre» mich ebenso stark: Kinder, Landschaften,

Farbenbaimiomen. Musik nslv. . . . Mein guter alter Freund, Tn und Gott der Allmächtige. Ihr dürft alle meine Gedanken kennen, die sich mit Deinem Weibe beschäftigen. Ich liabe INI,I, er die edelmütige Art bewundert, mit der Du Zeuge meiner iell- scnnen 'Anfälle warst. Wen» ich einmal von Neid ergriffen nn-r »der von dem, ,»as Tn Lcidenschast nennst, oder von einem schlimmen Gedanken, dann bade ich fie längst aus meinem Innern ln-raus- gerissen." Es gelingt ibin. den Freund völlig zu beruhigen: in einem späteren Briese bcrickiel cr von seiner Arbeit an seinem RomanPendennis", von seiner Gicht und sciner Scdnincht. Mrs. Brookneld zu sehen, die lange iort gewesen ist:Ich babc ganz stupides Zeug inr ..Pendennis" geschrieben, weit ich Euch nicht sehen kannle, und ich werde ganz zu Grunde gehen, lvenn Ihr nocp länger iortblelbt." Sein wahres Gcsühl^enthüllt er ein Jahr sväier in einen, Briese an die verehrte Frau:Wir wollen einander lieben, so lange wir hier aas Erden sind, und auch später. Wenn iie zuerst sortgehen, so werden Sic für mich im Himmel baten und mich auch dahin bringen. Gelte ich zuerst, so wird mein schönster Gedanke, das schwöre ich Ihnen, der sein, mick, daran zu erinnern, dast Ihre Liebe mich überlebt und mit beständiger Zärtlichkeit mein Andenken segnet. Ich kann nicht

ganz unteraehen, solange ich in Jhrcin Herzen lebe. Darin liegt eine Art Besiegelung und Gennstheit des Himmels. ' >,,l einem andern Briei schreib! cc vom Dampfer in rover aus. der ihn zu einer Reise aus der Heimat sorttragt, an Mr.-. Brooksield: Wenn ich älter werde, dann will ich so -ahni, lo ruhig und u> gesittet in meinem Benehmen sein, dast iw Lic nicht mehr auch nur im geringsten durch meine allzn große .lunnerklamkeit ver­letzen ioerdc. Soll ick letzt schon anlangen und wieder ,,-Ars. Brooksield" sagen> Aber nein, das brauche ich wobt nickst, meine teure gnädige Frau. Sic werden immer ..meine lcnre gnädige Frau" bleiben, und ich werde seinIhr wohlgesinnter Großvater .

Ein Onkel d-r Dame Hallam, der Vater von Thackeratzs Freund Llrtbur Hallam. hat dann augenscheinlich an den allzu häufigen Besuchen des Dichters bei seiner stcicknc -tnslotz genom men und Thackeray verteidigt sich »I einem Briese, IN dem es heißt: , Ick bade Gott sei Dank meine Neigung ,ur coie me verborgen. Ihr Mann weist davon >o gut wie ick, und ich denke, ich habe so guten Anspruch aus die Liebe zu Euch beiden hast sic selbst ein naher Verwandlcc Nicht IN präge stellen und aus der Welt schaffen kann." Trotzdem kam es zu e,»cm,Zerwursn,s zwischen Thackeray und den Brooksield-.

Jahrmarkts der Eitelkeiten

vic!

das dem Schövier des argen bereitete.'Ich sehe

nickst ein. lcke ein Mann eine io schöne, so unglüGiche und so entzückende Fra» nicht lieben sollte." tckrnbt er 18-,2 an die ge­meinsame Freundin Mist Pcrry. Cm ,lnc im

Gatte, wie immer er sie auch belüindclt haben man bei dem Gedanken dieser Liebe gleichgültig bleiben wllte . . » tvun'chte. ich hätte sie nie geliebt. Eine Frau bat nur mir ihr -viel getr,cbe und mich beiseite geworien ans einen Wink ihres Sern, und Meister t So Fühle ich die Sache. Gestern habe ich die Briese von Jahren sorigevacki. Sie machten mich mckst weinen. ,ander» kiesten mich lacken, »nd deswegen gab ich mein Öerz ,°rt Der Gedanke, dast man mich zum Naicen gehalten ,«t. ist vielleicht der bitterste v-m allen." 'Nicht lange danach lvurde die Ans- södnnng zustande gebracht: Thack-r-p schreibt von ,eincr ameri­kanischen Borlcie-Tournec an Mrs Brookneld und nndet amu- same und herzliche Töne. Er erzählt anS der neuen Wett wo es nur Dollars und ^äMeichclei" gibt und schildert die oberen Zehntausend von New York int Jahre 1852. ,.Es ist der merk­würdigste 5tulturfirnist, den man nch denken kann. Die jungen Mädchen sind ungezogen wie die extravagantesten französischen Schauspielerinnen: die Räume sind eingeriilstet loie die üvvigsten Spielbäuscr. Alles ist Gold und gelber Brokat, und die Dandys sind wie sranzönickc Ladcnsiuiglingc: die Häuser sind alle io neu. da« die Wände Nicht einmal tapeziert sind, und mitten zwischen enormen Goldrahmcn und Sviegeln hängen Mldchen für ein paar Pscnnig und schlecUe Buntdrucke." Und nach seiner

Rückkehr von 'Amerika zieht er dann gleichsam das Fazit seiner Liebe, wenn er von Mrs. Brooksield schreibt:Ich glaube, ich bin ihr näher, wenn ich fern von ihr bin, als lvenn ich bei ihr sitze, und Brooksields rastlose '.'lugen aus mir fühle, der immer wieder versucht, nicht nach uns zu sehen. Es ist nie uns bcsier, wir würden uns im Grabe lieben, als wir würden uns so be­gegnen, und es- würden Geheimnisse und Betrug zwischen uns sein. Gar ost flüstert ein Freund mir zu er wird aus de» Bildern mit .hörnern und Schweis dargeftellt:

Wozu all dies Sehnen und.hoffen und Enttüusckstsci». Ein paar Lügen und die ganze pscscknchte könnte so gut gehen. Glaubst du, andere Leute sind so bedenklich? Dann sehe ich ihre vier Kinder: ich stelle diese unschuldigen Gestalten zwischen den Tente! und mich, und der alte böse Feind schleicht sich davon, deil Schweis zwischen den Hufen . .

Rothschilds Ausgrabungen bei Jerusalem. llcbcr die bisherigen Ergebnisse der Ausgrabungen, die der Baron von Rothschild auf dem Qrphel im Torsc Silve südöstlich vom alten Tempel Salomonis veranstaltet hat, macht ein aus Jeru­salem datierter Bericht des llnivers israölite einige intern,antfl Angaben. Ter Zweck der Arbeiten gilt dem Versuche, die Gräber­stätten der jndäischen Könige wieder ausznfillden und man stützt sich bei der Verfolgung dieses Zieles ans die Hypothese, die auf Gnind des Laufes des sogenannten Kanal des Hiskia Clcrmont- Ganncau ansgearbcitct hat. Tie Ausgrabungen haben bisher recht interessante Erfolge zu verzeichnen. Man ciitdecktc cinni 'Alvenkanal, der noch vor dem Kanal des Hiskia entstanden lein must und auch ein anderes Niveau zeigt. Diese Enldlikiing ist vor allem für unser Wissen um die Wasserversorgung des oltei» Jerusalenis von besoiidcreni Werte. Daneben fand man einen Stein mit einer griechischen Inschrrft. die älter ist als die Zc> - ftörung des Tempels durch Titus und ans vorhadriamscher Zeit stammt Dir Jnlchrist entfällt somit ans jenen Zeitpunkt in der Geschichte der jüdischen Kolonie Jerusalems, aus der wir die wenigsten beglaubigten Angaben besitzen: ans der Zeit des poli­tischen Niederbruchs des israelitischen Volkes in Palästina. Dieser erste Fund läßt voraussehen, dast die Fonsühruna der Ans- grabungeu aller Wahrscheinlichkeit noch wichtiges Material zu Tage fördern wird, mit deren Hilft die Möglichkeit ersteht, gewisse Lücken und Ungewißheiten unserer Kenntnisse von scnen Geschicksts- cpochen zu beseitigen.

Kurze .Nachrichten ans K u n st und Wissen-- s ch a s t. In Stuttgart ist der Kunstnialcr Mar Bach im 3lltcr von 72 Jahren gestorben.