Au» Stavt und Land.
© t e fs «• »t. !>. Februar 1*»14.
** OS c k> n r i e nr n ck g a n g n n d Säuglings st erblick • eil. Die Jahl der (Geburten ltimim im Deutschen 'Reiche ob, :bfttio die Zahl der im ersten Lebendjahr sterbenden Säuglinge, Diele Erseiieinuiigcii gehen nebeneinander hell sie baden ver stdiedcne Ursachen: man kann den Rückgang der Säuglingssterblichkeit nicht mit dem (Geburtenrückgang erklären Die Ber- fucke. drc inan in dieser Richtung gemache hat, sind ichlgeichlagc». Die külturelle Entwicklung eines Volkes Ivcist, insbeionderc aal dein Gebiete der Hygiene, oft gleichlautende statistische Linien au> Ebenso oft unterliegen unsere statistischen Dilettanten im Gegensatz zu den wirklichen Statistikern der Versuchung, diese Linien in nrsächlickie -Beziehung zu ictzcn Das statistische Material ist gednldrg, besonders n>enn es .4 oder 4 kleinere Landgemeinden liefern müssen, wie das hie und da vorkoinmt, Man kann vor diesen statistische» Etzperi-N nicht genug warnen. Ein Beispiel für viele: Die Zahl der a» Wochenbetts, eher sterbende» Ehesrauen bat iich austerordenilich vermindert: ebenso
prozentual die Zahl der Eheschließungen, An dein Rückgang des Wochenbettiiebers ist alio nickt dir bessere Ausbildung der Hebammen, sondern der Rückgang der Eheschließungen sehuld, — lAetmlich sind die gesuchten Beziehungen zwischen Säuglingssterblichkeit und Geburtenrückgang zu beurteilen.
** fJiechenhänser, Wie man uns schreibt, soll demnächst im Fricdbergcr Veriorgiingshaus eine Acnderung eintreien. Die Erwachsenen koimnc.l in die Siechenhäuscr Gießens oder in Privatpitege, Nur die Kinder Wallen, Halbwaisen n>w,) bleiben als Insassen im Bersorgungshau'c, Der langjährige Ber- walier tritt i» den Ruhestand und Diakonissinnen leiten das Hans, " Der Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen ist folgender: I» Ober Hessen in l Kreise,
I Gemeinde und 6 Gehissten: i» Starkenburg in 1 Kreise, 1 Geineindc und 1 Gehöft; in Rheinhesse,i herrscht sie nickt.
•• Di« Schwei»esenche und Schweinepest war nach der Statistik der RcichSanzeigerr am l. Februar: In Oberhesscn in 2 Kreisen, 3 Gemeinden »nd 3 Eehösten: i» Starkenburg in 1 Kreise, 3 Gemeinden und 3 Gchösten; in Rheinhesse» in I Kreise, l Gemeinde und l Gekost.
** Das Grv ßhcr z og l > ch .hessische Reglern n asr- b l a t t hat solgendcn Inhalt: I, Bekanntmaehung, die Aus- sübrung der Prüsungsordnung für Acrztc Pont 28. Mai 1901 betreffend, — 2. Bekanntmachung, die hessische Laiiocshiipolheken- dank hetrcisend,
** D i e I a g d ii a ch d e in T i c b. Am Freitag trieb sich in Dorf - Gtll ein junger M e n s ch in den zwanziger Fahren, der nackj schneit Angaben aus Gießen stainmte, herum und versuchte eine scheinbar goldene Uhr in denHäu« fern zu verkaufen. Er gab an, er befinde sich auf der SBaii* derschaft und sei im Begriffe nach .Hause zu reisen, und dal ihm das Geld aiisgcgangcn fest wäre er genötigt, feine Uhr zu verkaufen. Als er auf der suche, cincu Käufer dafür zu finde», auch in das Haus des Bäckers L c i d i ch kam, erschien Diesem die Sache vcrdäckilig, weshalb er sofort den Polizei- ldiener benachrichtigte, Dieser nalnn de» Fremden fest, welchem es aber gelang, sich loszureißen: und in wilder Flucht ging es durch die Gassen, durch Gärten und über Zäune in das Feld hinaus. Hier toniilc der Polizcidiener des Fliehenden habhast werden und ihn bis an die Gärten zurückbriw- gen. Einen unbewachten Augenblick benutzend, riß dieser sich aber wieder los und aufs neue begann der Wettlauf übe» die Felder, Zum zweitcninal eingeholt, warf sich der Fremde auf die Erde nieder, und nur mit Anstrengung gelang es dem Polizeidiener, ihn auf die Beine zu bringen und auf die Bürgermeisterei zu führen. Der Bürgermeister benachrichtigte sofort die Gendarmerie in Lich, Gcndarmeriewachtmci- ster Weber nahm den Berdächtigen in Empfang. Eine'Untersuchung seiner Kleider bcsördcrtc drei Uhren, einige Schlüs- (fel und verschiedene Schriftstücke zutage. Die Uhren, so gab er an, habe er sich aus Frankfurt kommen lassen, um sie zu verkaufen. Wie weit das richtig ist, und ob seine Personalien iücht falsch sind, wird ja die nähere Untersuchung ergeben. Der Verdächtige wurde sodann gefesselt nach dem Licher Amtsgerichtsgcfängnis abgesührt,
** Kaufet am Platze, In den letzten Jahren hat sich leider die Gewohnheit eingebürgert, Bedarfsartikel, wie Musik rnstrmneirte. Uhren, Schmuck, Nähmaschinen, Fahrräder usw, nicht mehr in den ansässigen Spezialgeschäften am Platze zu kauten, sondern der großen, fremden Bersandhausfirmen, Diese Sitte, oder besser Unsitte, hat viel mit dazu be-igctragen, den an und für sich schon schwer bedrängten qcwerblickwn Miticlstand noch mehr zu schädigen. Die Beriandhäuser versuchen mit Uebcr- schwennnen von Katalogen, durch Inserieren, durch Plakate an Bahnböien usw,, mit einem Wort durch eine Bombenreklame ihre Ware den Käufern anzuhängc». Der Laie macht sich aber gar keinen Begrifi davon, was gerade diese Art Geschäftsführung kocht. Die Kataloge sind in vielen Fällen au, das schönste hergestellt, Die Herstellung kocht bei einer Auslage von 500 000 stück das Ercmvlar etwa 1 Mark, die ganze Auflage mithin rund eine halbe Million Mark, welche selbstverständlich die Käufer mitbezahlcn müssen, Tie Ware ist, mit Ausnahme von einigen gangbaren Lockarlikeln, durchivrg cbenjo teuer wie in den Ladengeschäften, die den llkäukcrn noch den Vorteil bieten, die Ware noch Geichmack aussuchen „nd versuchen zu können, wogegen man ber Dersandbäuiern die Ware Tauft, ohne sie gesehen zu hoben, 'Außerdem hat der Käufer die Packung, Porto „nd Rachnahme- ipesen zu tragen. Bei Eriatzansprüchen traten für den Käufer noch viel Aerger »nd Verdruß zutage, — Aut der anderen 'Seite muß jeder .Händler und ,edrS Ladcngejchäjt am Platze Steuern und Abgaben zahlen, die Gemeinde hat also von den ortsansässigen Händlern einen Nutzen, was ber den Irrmden Vcr- iandgeschästen nicht drr Fall ist. Es sollte sich deshalb ein jeder zur Pilicht machen, schon aus diesem Grunde die Geschäfte am eigenen Platze nach Möglichkeit zu unterstützen, ** Ein moderner Hauswirt, Eine recht ciaenartiac Methode zur Steigerung der HauSmieten hat der scchssache Hausbesitzer und Bäckermeister Wenzel im Stadtteil Bockenhcim b. Frankfurt crstinden. Er forderte seine Mieter, die noch nicht Kunden seiner Bäckerei lind, aus, alle Backwaren bei ihm zu kaufen, AndernsallS stellte er ihnen vom 1. März ab eine erhebliche Steigerung der Wohnunqsinicte in Aussicht, Zugleich verbot er den Verlaut van Backwaren durch fremde Bäcker i» seinen Hinner» — Jedensalls Ivcrden sich die meisten Mieter eine iolche Bevormundung nicht bieten lassen,
** Güterrechtsregister, Erruugcnscha s ts gern c i n s ch a s t haben vereinbart: Leopold Grüitselb, Kaufmann, und Tina geb, Grünicld in Mainz. Franz Anton Schmitt, Landwirt, und Elisabeth» geb, Hitler in Finthen. Kanrad Heinrich Heß, Bäcker, und deften Ehesrau Marie geb, Dielil, beide IN Psungstadi: Karl Schwalb I., Landwirt in Großeiv-Busek, und dessen Ehesrau Marie qrb, Frank: Landwirt Philipp Castmir Feuerback und dessen Ehesrau Elijabethe geb, Breioenbach zu Ober Wöllstadt, — Gütertrennung haben vereinbart: Heinrich Wilhelm Eifer und Eheirau Johanna geb, Dörncr in Hungen, Installateur Hermann Martin G c r - stenmcher und dessen Eheirau Margarethe geb Arras zu Darmstadt, Friedrich Haas, Glasreiniger und Wirt, und Ehesrau Elisabetha geh, Bauer in WorinS
** Grundstücks verkehr, Ei» Grundstück zu Bad Na «heim, das auf den Namen I. des Hermann Joseph Waag, Waschender zu Dad-Nauhcmi, 2, der Barbara Waag geb, Bayer, dessen Ehefrau, eingetragen war, soll Samstag, den 4 . April 1914, vormittags 10> < Uhr, im AmtSgcrichlSgäudc, Zimmer Nr, 2, im Wege der ZwangSvoilstrrckung versteigert werden — Grundstücke zu WormS, die aal den Namen der Savtrvrvgemrnide, eingetragener Verein, in Worms, eingetragen
loarc», sollen Montag, den 6, Avril 191 ä, nachvkittagS 3 Uhr, int Saal Nr. 16, im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden, — Grundstücke z» Heusenstamm, die aui den Namen acs Advli Ocrter und dessen Ehefrau Thercsia geb, Holzamrr ftngettagen waren, sollen Mittwoch, den 25, März 1914, nackr- niittagS 4> i Uhr, auf dem Ortsgericht Heusenstamm im Wege ocr Zwangsvollstreckung versteigert werde», — Grundstücke zu G ii II - dcrShcim, die aus den Namen des Georg Corel! kl, eingetragen waren, sollen DoirncrSiag, den 2, Avril 1914, vormittags 1>. Uyr, aut dem Gemeindehausc in Gundersheim >m Wege der ZwangSvollsttcckung versteigert werden, — Grundstücke zu Ockstadt, die auf den Namen der Elisabeth,' Georg geb, Gröninger, Ehesrau des Nikolaus Georg in Ockitadt, und der Margarete Gröninger, eingciragen wäre», solle» Freitag, den 24. April 1914, nachmittags o*/» Uhr, auf denr Nathause zu Ockstadt im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werde», — Grundstücke zu Bildende im, die aus den Namen der a) Conrads, Adam der Vierte, Händler und Fuhrunternel)- mcr, b Eonradi. Katharina geb, Beicht, dessen Ehesrau, eingetragen waren, sollen Dienstag den 21. April 1914, nackimittags 3 Uhr ii» Wcgc der Zwangsvollstreckung im Gemcindehauie zu Budcnheim versteigert werden,
Landkreis Gicgen.
8. Lang-GönS, 6. Fcbr, Gestern abend ,'and eine Versammlung des Obst- und K a rien bau - Vere i »S i»i (Safthfliiä Roiiipf statt. Lehrer Hoimann sprach über die Obstbaukultur. Ter Redner erntete großen Beifall. Der Verein, welcher 85 Mitglieder zählt, verspricht sich einen großen Zuwachs; neue Mitglieder träte,i dem Verein bei.
-c- Langsdvri, 6, Febr, Die Pachizcit der hiesigen Gern ei,rdejaad läuft in den nächsten Tagen ab. Sie war jeitycr in vier Bezirke» an den Fürsten von Solms Lick, Oekononiicrat Hoimann von Hos-Güll und den Langsdorscr Wildschaden-Adwelir- bcrciii verpachler zum Gesamtvachlvreic von rund 2900 Mk, Ter Wildstand ist ein lehr guter: besonders viele .Hasen und Rehe sind vorhanden. Wurden doch im letzten Jahre über 400 Hasen und 40—50 Stück Rehwild zur Strecke gebrach:. Darum hatte auch schon vor einigen Wochen Lekonomierat Hoimann der Gemeinde 3000 Mart für die Jagd geboten, wenn sie ihm srei- händig abgegeben würde, Daraus bat der hiesige Wildschaden- Abwchrvercin. der eS fick mm Ziele setzt, einen nicht im Interesse des BancrnsütndeS gelegenen großen Wildstaiid nicht anj- lomincn zu lassen, einen Packivreis von 3050 Mk, für das Jahr geboten. Genannter Verein, dem fast alle Angehörigen der Gemeinde i» den letzten Wochen beigetreten sind, will unter allen Umständen gerade die Feldiagd pack en, da ee dann in der Lage ist, dcni sehr großen Wildschaden zu steuern. Unter Ortsoorstand Hai jedoch beschlösse», die Jagd zur öjscntlickicn Verpachtung aiij- zuschreiben, da auch noch verschiedene andere szerren aus die Jagd reslckiieren,
Kreis Alsfeld,
f, Kirtorf, 6, Febr, Bei der heutigen Verpachtung der Gcmcindejagd tourdcn 23 0 Mark erzielt, Ter neue Pachter ist Forstmeister Eckstein in Wahlen. Ter bisherige Pachl- preiS betrug 820 Mark,
Kreis Friedberg.
t. Vilbel, 8. Febr. Zu dem hier an der 10jährigen Bach beganaenen Sittlich 1 eilsverbrechen sei noch sollendes bemerkt: Bei einem hier wegen Bettelns fcü-
getionnnenen jungen Manne von Steinsurth wurden bei seiner Verhaitung alL Bettler Francnhaarc an seinem kleberzjeher vorgetnnden. Da die,Angabe» deS Kindes in Bezug ans seine Kleidung niid Fiaur ungeiabr slinunten, wurde er heute dem noch an den Folgen des Sittlichkcits- verbrechens leidende» Mädchen gegenübcrgestellt. Das Mädchen erkannte in dem Vorgestelltcn nicht den Mann wieder, der das Verbrechen an ihm begangen hat.
L, Ockstadt, 6, Febr, Die diesige Jagd wurde zum Preise von 6200 Mark verpachtet gegen 4700 Mark in den vorhergehenden Jahren,
Hkssrn-Naisa»,
jj Marburg. 6. Febr. Ein hier zugereister junger Mann, der im Begriff war, sich zur Fremdenlegion nach Frankreich zu begeben, ivurde noch im letzten Augenblick daran oehindcrl.
[1 Marburg, 6. Febr, Vor einiger Zeit wurde vom hiesigen Schöisengerickü ein iungcr Fabrikarbeiter, der im Lehrlingskeim einen Ueb.-rzielzer gestohlen haben sollte, zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Als nun kürzlich einem anderen Lehrling an einem Turnabend seine guten Schuhe gegen ein Paar ganz alte Schube umgctauscht wurden, ermittelte man als Täler einen S chl o ! > c r l e h r l i n g. Zugleich wurde auch fest- gestellt, daß er den Uebcrzieher, den man bei ihm jaiid, damals gestohlen hatte,
h, Bad Homburg v, d, H,, 6, Febe, Tic Stadt schloß kürzlich mit den Höchster Gastverken einen Vertrag ab, nach dem sich das Werk verpilichtcn mußte, an die Machbargemeinden D o r n - holz hau sc n und Gonzenheim lein Gas zu liercrn. Diese Bestimmung hat in den beteiligten Kreisen gewaltiges Aussehen erregt und wurde allerorten als Scktiläne Homburgs augcsehcn, weil die leiden Orischasten sich nicht eingemeinden lassen wollen. Die Hombnrgcr Stadlvciwaltung erklärt letzt dazu, daß sie bei Abschluß des VerlrageS lediglich wirtschaitlichc Interessen der Stad, zu wahren suchte und daß sie bereit ist, mit Dorn hoizhausen und Gonzenheim ein Abkommen über die Gasversorgung zu treffen.
h, Dehrheim, 6. Febr, Infolge einer anonvmen Anzeige bei der Wiesbadener StaatSanwalischaft landen dieser Tage hier Haus s n ch u n g c n bei zahlreichen Perionen statt, die wider das keimende Leben sich vergangen baden sollen. Es handelt sich vorwiegend um Angehörige der besseren Kreise.
Ccricfniiaal.
Die Gutachten «ber den Massenmörder Lehrer Wagner.
4 Hellbraun, 6, Febr, Tic uberraichendc Einstellung des Berjaii-rens in dem Prozeß gegen den Masicnmürder Lehrer Wagner aus Vaidingen hat bcgrciilicheriveiie das ledhajicste Jn- lereffe erregt. Wie der „Deutschen Journalvost" mitgeteilt wird, war nicht nur die Vocuntersuchnng bereits abgeschlotsten, sondern auch zur Hattptocrhandlnng schon Termin für den 4, d, Mis in AuSiichl genommen. Da ergingen in letzter Stunde die Gut- achien von Prof, Dr, Gaubv in Tübingen und Gchcimrat Prot. Dr, Wellenberg in Straßburg, die die Bejchlußtämnier zur Einstellung des Veriahrens veranlaßte», — Unter diesen Umständen ist es von Jniereste, die Gründe zu erfahren, meid* die Sachverständigen in iliren Gutachten ansühien, — Bon der Beschlubkmmner werden die beiden Gutachten wie folgt skizziert, — „Bkioc »Gutachten gelangen völlig nbereinstimmend zu dem Er- gebiils, da» der Angellagie zur Zeit der Begehung der ihm.zur Last gelegten L-lrattaien ohne allem Zweitel an cktronischem syltc- malil>ertcn Veriolgung-wahn sparanvia chronica) gelitten hat und daß, durch diese Ichseichende, allmähtich immer tieser wirkende Geistesstörung, die bei ihm im Anschluß an eine nach seiner eigenen Angabe im .labte 1901 begangene sittliche Verfehlung und an eine vermeintliche üble Nachrede deswegen im Laute der letzten Jahre sich mehr und niehr herausgehildet hatte, feine freie WillcnStxltänrmnng völlig ausgeschlviicn gewesen sei, — Dieser eingehend begründeten Ansfassung ist daS Gericht beige- rreten. Es hat noch genauer Prümng der schriftlicktzM Gutachten und des gesamten sonstigen Akteninhalls glcichsalls dir volle Ueberzeugung crtangt, daß der Angcschnldigte seine Stras- tatcn unter degn Zwange einer die freie Willensbestimmung ous- ichließenden krankhaiieu rstorung der G.'istestätigkeit begangen hat, daß er alio stratrechilich nicht verantwortlich gemacht werden kann. Auch eine etwaige Hanptvcrhandlnng hätie ^ unmöglich zu einem
andern Ergebnis gciührl, ES mußte daher von einet Eröijnung bei Haupiverjalircns abgesehen und brr ßlngeichnldigte, dc>» Antrag der Königliche» Slaatsamvallichait entiyrechend, außer Bersol-
gung gesetzl werden. Da der ßkngcschuldigtc als ge mein gefährlich erscheint, io ist gleichzeitig seine dauernde Perwabrung in einer Irrenanstalt veranlaßt worden,"
Das Auswärtiftc Amt und der Schutz der Auslands-Deutschen.
Berlin,?, Febr, Die Internierung und Enimündigung des vene.zolaniichen Farmers Rudolf Haß. die in de» Jahren ,909 »na 1910 zu lebhaften Erörterungen im Reichstage, zu Gegenerklärungen des damaligen Staatssekretärs v, Schoen und zu offiziellen Auslassungen in der „Norddeutjchen Allgemeinen Zeitung" tührtz-, beschäftigt gegemvärtig wieder die deutschen söcrichte, und zwar das Landgericht I in Berlin, 5>aß war ieiner Zeit von den »cnezola^ irischen Behörden unter dem svätcr landcsvcrwiescnrii Präsidentcir Eastio vergewaltigt und erpreßt worden, so daß der Kommandant des damals vor Penezuela liegende» deutschen Kriegsschiffes „Pi- neia" eingriü, cr fand aber, wie er glaubt, in seinen berechtigten Rechtsjordcruilgen wegen anderer venezolanischer G>'walttalcn nickit den Schutz der deutsche» Negierung, Haß führte fünf Jabre lang einen Schriftwechsel mit dem Auswärtigen Amte, der aber kein Resultat zeitigte, Endliäi wurde der damalige deuticke Ministcr- reiidcnt in Venezuela Frcih ir v, Tcckendvrss nach Berlin zur Bcrichierstattung bciohlen. Zur selben Zeit weilte auch Hab in Berlin, Ehe cr dazu kam, sr-re Sache persönlich vorzutrogen, wurde er ungehürt, wie er r -Zt, ans Betreiben des Auswärtigen Amtes, in einer höchst merkwürdigen Form, deren geheim gehaltene Einzelheiten erst in neuerer Zeit genau betannt geworden sind, als „gemcingesährlichcr Geisteskranker" nach der Irrenanstalt Dalldorf gebracht und einige Zeit darauf entinündigi. Die Handhabe zu diesem Verfahren holen einige in der Form zu tveit gegangene Beschwerden, die Haß eingereicht hatte, als cr glaubte, daß chm sein Recht varenthalren werden sollte.
Inzwischen hat der durch den Zwangseingriü in seine per- iönlichc und ivirischaitliche Freiheit tost verarmte Haß zum Zwecke feiner Rchabltitierung mit Hilie von Freunden ein sehr belaste» des Aktenmaterial »usannnengetragen, aus Grund dessen beim Landgericht t die Anteckitungsklage gegen den Enimnndignngs- beichlnn und gleichzeitig »: .Hamburg als Wvlniort des Ent!:!«»- diglen die Klage am Auihebnng der Entmündigung erhoben worden ist. In dem VcrhandlnngStennin vor der 22, Zivilkammer des Landgerichts I kam der RechtSdeistand des Hon, Justirrat Erich 2 t o l i c, nach stundenlangem Plaidoyer zu dem Schluß, daß an Rudolf Haß ein ichweres Unrecht wieder gut zu machen fei. Die Gründe des Auswärtigen Amtes, die fast ausschließlich für die Internierung und Entmündigung nusichtaggebcnd waren, icirn oiienbar taltck, folglich »lüßie» aucki die aui bicier Grundlage ausgebautcn vsnckiatrischen Gutachten sasch sein Zur völligen Klarslellnng der Angelegenheit stellte Jnstizrat Srolte de» Antrag, die Gelicimalien des Auswärtigen Amtes herbeiziniehrn. Der Vertreter der Staatsanwaltichgir beantragte kurz die Abweisung der Klage, Ter Gerichlshos beschloß jedoch, Beweis zu erheben und neuen Berhandlungstermin anzusetzen.
v.'r»nischre».
*T>eGeliedte ermordet. Aus H a n u o v e r , 7, Febr., wird gemeldet: Ter 21jährige Student der Rechte, Schulz aus Frankfurt a, O,, entführte vor einigen Tagen die ledige 1 7jährige Gertrud A b e t aus G ö t! i n g e », wo er bislang siudirrle. Das Paar nächtigte m Hannover in verschiedenen Hotels, trieb 'ich aber in den beiden letzten Näetzten ohne, Logic- in Gasthäusern und Casös umher. Die letzt: sstacht tötete, wie der „Hannaverichc Kurier" meldet, der Student seine Geliebie durch einen Schutz ins Herz, Tann aber fehlte ihm der Mut. sich, ^ie es verabredet war, jelbst i'.u töten. Er wurde heute morgen fcMenommc»,
* S c l b st m o r d v c r > u ch in der Eisenbahn, AuS Saarbrücken, 7, Febr., wird gemeldet: Bei der Ausfahrt des Personenzuges 295 in Kilometer II.l aus der Strecke Saarbrücken— St, Ingbert brachte sich um 10 Uhr abends der Mniiker Ludwig Jung aus Landstuhl (Psalz , wohnhaft in Saarbrücken, i» einem Wagen 2. Klasse eine Schnßverlctzung in die rechte Sckläst bei. Der Zug wurde durch Ziehen der Notbremse durch einen Mitreisenden zum Halten gebracht und nach dem Hauptbatziihos zueückgefirlirt. Ter Verletzte wurde ins KraukenhauS gebrach!,
*Die Pariser Polizei verhaitetc den Kunsttischler Otto, die Holzschnitzer Grain und ltzironie, sowie den Zeicknirr Eoitcran wegen verschiedener Diebstaliie, die sie in den Sloatsmuicen von Marseille unb Compiegne sowie in dem Bagsteilc-Musenm im Bou- logner' Wäldchen verübt haben,
* Aus aonftanj, »'■. Febr,. wird gemeldet: Als gestern abend der badisckie Damvier „Stadt Konstanz" von Uebarlingen nach Konstanz fuhr, geriet das Schiss kurz vor der Landungsstelle Tingelsborl aus Grund, Der Damvier „Stadt Mecrsbnrg", der zu Hilie eilte und die „Stadt Konstanz" abschlcppcn wollte, fuhr infolge des Nebels eheniallS fest. Die Passagiere ivurden durch Boote tu Dingelsocrg ausgcichisst und an Land gebracht, um heute morgen mit dem ersten Schisse »ack ihren Besiimmungsvrtcn zu gelangen, Ta der Boden bei Dingelsdort seicht ist, liegt keine Geiahr vor. Zurzeit ist das Tampsbooi „Greis" druüt beschäfiigt, seine beiden festgefahrenen Kanicraden iviedcr flott zu machen.
* I m Eil zug Venedig — Mailand ist der Eisen- bahninspel-or Rigotto von einem nubekannien Mann durch Haminerschlägc aui den Kops schwer verwundet worden. Der Verbrecher ist aus dem fahre,lden Zug enttloh:». Es scheint sich um einen Raätz'akt eines gcmaßrcgclien Eiicnbahne.s zu handeln.
* Tie W a h l w e i h c r. In der Nähe von T o in a t i n (Grafschaft Jnverncßi ist cur großes unbewohntes Landhaus bcr- brannt. Die Susfrageticn stehen mit dem Brande in Verbindung,
* Tie Scharlachepideinie in Toul, Einer Blättermeldung zufolge beträgt die Zahl der in Toul an Scharlach erkrankten Mannschasten an 190, Es sind auch bereits einige Todes- iälle vorgekommen. In Arraz sind 50 Solüakeit gleichfalls an Scharlach erkrankt,
«leine Lagerchronik.
Tr, Dv hrn, der Gründer des Jacques Talcrvzc-JnftitutS in Hellerau bei Dresden, ist am Donnerstag aui einer Skiwur in der Schweiz tödlich verunglückt.


