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Der «it&tucr Anzeiger
ericheinl lÄfltidi, oiibcc Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchenlüch «letzenerZamüienhlätler; z,vermal Ivöche,nl.ikreis-
vlattsürdeiiüreir Siegen
,-t.ienStagund Frciraal; zweimal »rouall. kand- wirllchastliche Seilsragen iZernlvrcch - Anschläge: Nli- die Redaktion 112, Verlag n. Expedition öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen h'ir die Tageörnnnmer bi? vornirttags 9 ItijV.
Crfter Blatt
164. Jahrgang
Montag. 9. Zebruar 1914
General-Anzerger für Gverhessen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen llniv.-Buch- und Steindruckerei R. Lauge.
Bezuasvret»:
monailich75P!.,v>eriel- iährlich Mk. 2.20; durch Abhole- n. Zweigstellen nionatlich 6S Pt.; durch diePost M.2.— oiertel- jährl. ausschl. Besietlg. Zeilcnpreis: lokal 15Ps„ ansivärts 20 Pienniq. Cheiredaklenr: A Goctz. Verantwortlich für den volit. Teil: Aug. Goelz; für .Feuilleton', .Vermischte?' und„Ger>chi?» saal": klart Neurath; iür .Stadt und Land":
Redaktion, ckrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7. An^i,?meü:'
Die heutige Nummer umsaht 12 Seilen.
Tagestalcndcr aus dem Jahre 1814.
9. Februar: Schlacht bei Montmirail, südwestlich von kbülons sur Marne. Napoleon wirft das Blücher,che Korps bei Etogcs und üernichtet das russische Heer unter Sacken.
Der Namps um die Besol-nngsresorm in Hessen.
?lm nächsten Dienstag wird das Plenum der Erstell Kammer zu einer Beratung zusainmciitreten, die sich ausschließlich mit der Erledigung der Vorlage über die Beamten« und Lehrerbesoldung beschäftigen soll. Tics« leidige Hesolvungsreform bildet nun schon seit Fahren ein ständiges, unsere ganze politische Tätigtest im Lande beherrschendes Kapitel, und je länger sich die Beratungen darüber hinauszogen, desto inehr haben sich die Meinungsverschiedenheiten darüber in den gesetzgebenden Faktoren vcr schärft. Es hat hekannilich eine unglaubliche Mühe und Zeit gekostet, bevor es endlich glücklich gelungen war, bei den vielen scharf anscinandcrgehcnden Anschauungen der verschiedenen Parteien in der Zweiten Kammer zu einmütigen 'Beschlüssen zu gelangen. Und nun, nachdem der letzte Stein des Anstoßes in der Volksvertretung glücklich aus dein Wege geräumt uitd durch die Feststellung der günstigen Finanzlage des Landes auch der Regierung die Hauptstoßkrast des Widerstandes gegen die 'beschlossenen Mehraufwendungen aus der Hand gewunden worden ist, hat der erweiterte Finanzausschuß der Ersten Kammer das Reform- bauwerk des anderen Hauses in seinen Grundmauern wieder arg erschüttert und zccstückt. Er hat sich bekanntlich nicht damit begnügt, was ja nach Maßgabe unserer Gesetzgebung sein gutes Recht ist, die von der Zweiten Kammer angenommenen Regternngsvorschläge über die Gehaltsver- besscrnngcn der Staatsbeamten nach verschiedenen Richtungen hin abzuändern — Tinge, über welche zweifellos auch mit der anderen Kammer eine Verständigung unschwer zu erreichen sein würde — svndcru er hat vor allem durch den Beschluß, die über die Regierungsvorlage hinaus- gehenden Gehaltserhöhungen für die Bottsschullehrer usw. äbzuiehnrn und bezüglich der Lehrerbesoldungen die Regierungsvorlage wieder herznstcllen, eine neue und für das Zustandekommen der ganzen Vorlage äußerst schwierige, ja gefährliche Lage geschaffen.
Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat seine ablehnende Haltung bezüglich der erhöhten Lehrerbesoldungen eingehend begründet. Er weist zunächst darauf hin. daß die erste Regierungsvorlage^ vom Jahre 1912 den Lehrern und Lehrerinnen eine clfprvzcntige Ausbesserung gewähren wollte, wodurch ein jährlicher Mehraufwand von rund 612000 Mark erforderlich geworden iväre, von dem jedoch der Staat nur 335 000 Mart und die Landgemeinden rund 277000 Mark anfl,ringen sollten, indem bestimmt worden ioar, daß die Landgemeinden die von ihnen zu zahlenden festen Lehrergehalte jeweils um 10 Prozent zn erhöhen hätten. Tiescr Regierungsvorschlag wurde aber von der Zweiten Kammer abgelehnt und die Gehaltserl,öhnng für die Lehrer und Lehrerinnen auf 15 Prozent erhöht. Infolge des Widerspruchs der Ersten Kammer einigten sich dann
die gesetzgebenden Faktoren dahin, daß bei der vorläufigen Gehaltsregulierung für 1912 die Lehrer eine llprozcntige Gehaltsaufbesserung und die Staatsbeamten 90 Prozent der von der Regierung vorgcschlagenen Gehaltssätze erhielten. Die jetzige zweite Regierungsvorlage stellte neue Gc- haltsskalcn ans, nach welchen die Lehrer Gehaltssätze von 1400 bis 3400 Mark, die Lehrerinnen 1300 bis 2500 Mark erhalten sollten. Turch diese Vorlage würde ein Mehraufwand von 130 MO Mark und durch llebernahme der den Landgemeinden angesonnenen Aufbesserungen uns den Staat ein Gesamtmehrauswand von rund 407 000 Mark entstanden sein. Da nun aber die Zweite Kammer beschlossen hat, die Gehaltsskala sür die Volksschullehrer von 1500 bis 3800 Mk. imb für die Lehrerinnen von 1300 bis 2700 Mark scstzu- setzen, so würde ein jährlicher Me h r a u f >v a n d von •) 4 2 000 M a r k crsordcrlich werden, d. s. etwa 18 Prozent Gehaltsaufbesserung.
^ Diese Mehrbelastung der Staatskasse erklärt nun der Finanzausschuß der Ersten Kammer aus verschiedenen Grün- dcn ablcbne» zn müssen. Einmal aus finanziellen Gründen, da der zn dieser Erhöhung erforderliche Mehrbedarf von 190009 Mk. aus laufenden Mitteln nicht ansgebracht werden könne. Dann aber auch aus „schwerwiegenden sachlichen Bedenken". Es ergebe sich aus der dem Ausschußbcricht bcs- gefügtcn Zusammenstellung nach der Schrist von G. Menzel, die von der statistischen Zentralstelle des deutschen Lehrer- Vereins herausgrgeben wurde, daß, abgesehen von den Ltädtcstaaten und Oldenburg das Großhcrzogtum Hessen dann, wenn die Vorschläge der Regierung Gesetz würden, mit der Bezahlung seiner Lehrer an der Spitze der deutschen Staaten stünde. „Aber ein Grund, die Aufwendungen zugunsten der Lehrer über die Regierungsvorlage zu steigern, liegt umsoweniger vor, als schon die Regiernngsvor- lage ein Mißverhältnis der Beamtengehalte einerseits und der Lehrergehalte andererseits gegenüber den preußischen Sätzen ergibt, die nach den Wünschen beider Kammern bei der Besoldnngsordnung vorbildlich waren. Daß uns bei einer Regelung der Gehälter der Beamten die Sätze im Reich nild i» Preußen ungefähr maßgebend sein müssen, ist schon deshalb notwendig, weil im Lande eine außerordentlich große Zahl von Reichs und preußischen Beamten wohnen (Post, Eisenbahnen); vielleicht bilden sogar die n i ch t hessischen Beamten im Lande die Mehrzahl."
Ter Bericht führt ioeiter ans, daß öle mülcmi Beamten nach der Regierungsvorlage gegenüber den preußischen Sätzen um etwa 220 Mark, die akademischen Lokälbeamten um 600 Mark, die Landgcrichtspräsidente» uni 2020 Mk.'Zurückbleiben, der Oberlaiidcsgerichtspräsident sogar um 5020 Mark. Dagegen stünden die Sätze der Regierungsvorlage von 1400 bis 3400 Mk. den preußischen Sätzen insofern voran, als diese nur 1400 -3300 Mk. betragen und nur etwa 29 Prozent der preußischen Lehrer ein Endgehalt von 3400 Mk. erreichten. Aus der Gegenüberstellung der Dienstbezüge der Lehrer in den übrigen deutschen Bundesstaaten ergebe sich aber weiter, „daß weder Preußen noch die übrigen Ber- alcichsstaaten die Lehrer den mittleren Beamten gleichgestellt haben, sondern daß die Spannung zwischen den Endgchaltcn meist erheblich größer ist, als in Hessen". Zum Schluß wird im Ausschnßbericht noch erklärt, daß sich vom Fahre 1896 bis zur jetzigen Regierungsvorlage die Bezüge der Volks- schnkkehrer um 72 Proz. verbessert hätten, während sür die Ausseher und Diener nur eine Verbesserung von 30,59 Proz., für die mittleren Beamten eine solche von 22 Proz., für die
Gadelsberger.
Eia Gedcnkbtatt zu seinen, 125. Geburtstag.
Die wenigsten, die sich heute der Schncllschrist bedienen, sn es, daß stc selbst Stenographen sind, sc, cs, daß sic die 6ptenvgravhie in ihrem.Geschäftsbetrieb durch andere ;ur Verein' fachung desselben anwcndcn lassen, kurz wohl die wenigsten, die aus ihr einen Nutzen ziehen, ahnen auch nur, welche Fülle'von Arbeit es jenen cinsachen, schlichten und anspruchlvsen Münchener Kanzlisten gelastet Hai, bis sein Werk fcrsig da stand, bis auch der Iveit in das vorige Jahrhundert hinein allem Fortschritt scind- lichc Bureaukratismus sich von den Vorteilen der Schucllschrrst , überzeugen konnte.
_ Ein Leben voller Entbehrungen, Enttäuschungen und bütcren Stuitteen, reich a» Arbeit, aber ebenso reick, an Anfeindungen stand den, am 9. Februar 1789 in München als drittes Rind des kursürsllichcn Hos-Blasiiistrumenienmachers Joseph Gabels- bcrger geborenen Franz .15,vor Gadelsberger bevor. Schon früh, er ioar erst 4 Jahre alt, verlor er seinen Vater und imißtc, da es der Mutter nickt möglich ioar, ihre 5 Kinder durchzuschlagen, schon bald nach dem Tode seines Vaters das Elternhaus verlasse», denen treue Fürsorge er nie mehr cmpsindcn sollte. Er kam zu seinem Großpaier niütterlicherscits in Haag, und bald nahm sich seiner in vaicrlichcr Weise der Lehrer Franz loser Plinkhart in Haag an, der, selbst kinderlos, viel Freude an dein auigcweckien Jungen fand und ihn, mit Ester und Erfolg den ersten Unterricht in den Elcmenlarsächern und in Gesang gab. Bis zu seinem 10. Lebensjahr blich der Knabe bei Plinkhart und kan, dann auf Bitten eines Bcnedrkiiuerpaters, der ihn aut dem Chore bei einer lirchlichen Feier hatrc fingen hören, in das Bcnctikiinerstist in Attl. wo er als Siugknkbe aufgenommei, lorrrd« .In der Klosierschule cnipstng er 1798 bis 1810 Unterricht Jrt den „princivia minora et majora". 1800 siedelte er als Singknabe, um seine Siudie» sortznsetzeu. in das hochan- gcschcnc Bcncdikiincr-Reichsststi in Ottobeuren über. 1802 imirde das Stiit auigehobe», und (Babelsberger mußte nun, „neder olme Heim, seine Studien, die er mit bestem Erfolge in Otiobeurcn getrieben batte, ouigcben. Er ging „ach München und erhielt eine Freistelle im Gregorianischen Knabenseminar — jetzt Königliches Erzichungsinstitut für Studierende in Mürrchen —, die er aber bald wieder verlor. Es machten sich aber jetzt auch bei dem alter Mittel eiltküößtcn Jungen, der mit banger Sorge der Zukunst entgcgensah, gesundheitliche Störungen bemerkbar, die durch Anstrengungen und Entbehrungen und durch allzu rasches Wachstum hervorqcruscn waren. Trotzdem zählie er in den Jahren 1804 bis 1807 zu den besseren Schülern des neuen kurfürstlichen, seit 1806 königlichen, jetzigen Wsthclms-Gvmna- siumS. Die Erfüllung seines Wunsches, seine Studien an der
Universität in Landshut sortzuictzen, scheuerte an seiner Mittellosigkeit E, trat deshalb IM? als Pravarand und Stipendiat in das königliche Schullehrerseminar ein, um sich dem Bolis- schullehrersach zu widmen. Groß waren die Hoffnungen, die der Tircltor des Seminars aus ihn setzie. und mit Bedoucril mußte er Gadelsberger schon im 2. rochuljahr scheiden sehen, weil fortwährende Kränklichkeit und schwache Körpcrkoustitution ihn nö- tigtet, auch diese Laufbahn ivieder auszugeben. Er mutzte sich möglichst rasch eine verdienstbriigeude —ieüung i'ucklen.und iaud sie'auch 1899 als Diurnist —'gegen Tagegeld Berchum,ter — bei der Königlichen General-Administration der ^uUuug-n und Konirnuire» 21m 30. Okiober 1810 wurde er zum Kanzlisten de? GcneralkoimnissorialS des Markrestes ernannt und bezog als solcher von mm an ein Gehalt von 5-90 Gulden, und am 6. April 1813 zum Kanzlisten bei der königlichen Zentralstistuirgsl-ne mit einem Jahres,cl>alt von 600 Gulden beiordert. In bietrr Stellung heiratete er am 20. Jiini 180, die Dorther der- Handelsmanns und Wcchselgerichts-Assessors Marlin Antmi von Schweller Franziska von Schweller, geboren am 16. .mm 1,91, d,e ibn’i bis an fein Lebcnsrndc eine treue Lebensgcgährtln war. aas »eben 'der Gatten wäre brr den treirlrckh-n Eigen,chg,icn und Grundsätzen beider ein recht glückliches gewesen, wenn nicht v't schwere Sorgen Einkehr gehallen hätten.
In den Fahren >817 und 1818 legte Gabelsbergcr den Grund zn seinem Sckmcllschreibsystcm. dessen er nch zunächst nur bedienen ivollic um seinen Vorgesetzten damit einen arenst erweisen zu können Tie Einführung der neuen bahcrrschcri Staats- vcifassuug ,NI Jahre 1818 liest in ihm indessen den Plan reuen, sein- Kunst in den Dienst der beiden neu gcschassencn Kammern der Rcich-räic und der Abgeordneien zu stellen. Er machte sich mit Ester und allem Ernste an die Arbeit, studierte cu,gebend die hedeuicudste» englischen und sranzöiiichcn Svstcme, die deutsche Sprache und die gewöhnliche Schrift, stellte eingehende Silbe» und Häuiigkcilszählungcn bezüglich der Laute a» und kam zu der Uebrrzeuguiia, daß die lrreiis vorlrandeneir, aut geometrischer Grundlage beruhenden, inländische» und ausländisckxn Systeme de,' Eigcnari der deutschen Sprache und der dcustcheii Schriit nicht Rechnung zu tragen geeignet Ivarcn. Er ging deshalb seinen eigenen Weg, paßte seine Zeichen denjenigen der gewöhnlichen Schrift an und verwarf alles' Geometrische, fsteunmal baute er auf und verwarf wieder, immer wieder vervollkommnend und das Gefundene in der Kammer der Abgeordneten, wo er mittlerweile mit einem Echilien, Joseph Zeiler, als Stenograph zugc- lafsen und vcrpflichicr worden war, prakstfch erprobend. Sein Ester und seine Beharrlichteil brachte ihn bald zu großer Fertigkeit, die auch unumwunden von der größten Aichrzahl der 2lb- geordnetcn anerkannt wurde. 1831 konnte er zum erstenmal ein vollständiges stenographisches Bureau einrichicn und mit neun
akademischen Lokalbeamten 20,50 Proz., für die Vortragenden Räte, Lberlandcsgerichtsrätc usiv. 18,89 Proz. und für die Ministerialräte nur 15,26 Proz. gegenüber dem Gehalts- gesetz vom Fahre 1898 vorgesehen sei. Rach den jetzigen Beschlüssen der Zweiten Kammer würden diese Verbesserungen betragen für die Aufseher, Diener und Wärter 3.5 Proz., sür die mittleren Beamten 22,57 Proz., für die akademischen Lotalbcamtcn 25,83 Proz., für die Vortragenden Räte und OberlandesgcrichtSrätc 21,53 Proz. und für die Ministerialräte 15,79 Proz., während die Gehaltssteigerung der Bol ks schnkkehrer, wie sie von der Zweiten Kammer beschlossen worden ist, eine Älusbesscrnng von 95,45 Proz. bedeuten wurde. Tie Gcsamtbczügc eines Lehrers stellten sich nach der Rcgserungsvorlagc in Hessen vom 21. bis 60. Le bcnsjahr auf 95,500 Mk., in Preußen dagegen auf 9.5,230 Mck.. iir Sachsen auf 91,650 Mk., in Bayern aus 76,160 Mk. und in Oldenburg auf 83,990 Mk. Rach dem Ausschußbcricht der Zweiten Kammer stelle die Regierungsvorlage bezüglich der Lehrergehalte eine Bereinigung der beiden Vorschläge der Llbgg. Weber und Henrich voni Juki 1912 dar und wenn der Ausschuß der Ersten Kammer jetzt empfehle, der Regierungsvorlage zuzustimmcn, so löse er damit die Zusage in der Resolntion vom 1l. Juli 1912 ein, daß die Erste Kämmer eine Aufbesserung der Lehrerbesoldung im Sinne der disfr - renzierten Skalen Weber und Henrich grundsätzlich nicht pb- lehnen werde. (
Soweit der Ausschnßbericht der Ersten Kammer zur Rechtfertigung seines ablehnenden Standpunktes gegen die von der Zweiten Kammer beschlossenen erhöhten Lehrcrge- halle. Es muß natürlich dein Finanzausschuß der Zweiten Kammer und den sonst berufenen Fachmännern überlassen bleiben, die vom Ausschuß der Ersten Kammer vorgebiachtcn Gründe zu entkräften oder auf ihre Stichhaltigkeit hin zu prüfen und alle die Gegengründe und llnterlagen näher dar zutun, welche die Volksvertretung und ihren Ausschuß zu ihrem cinstiiiiniigen Beschluß auf Erhöhung der Lchrcrgc- haltc über die Regierungsvorlage hinaus veranlaßt haben. Wir zweifeln nicht daran, daß dies in überzeugender Weise auch geschehen ivird; cs iväre aber vielieicht richtiger gewesen. wenn man eine solche Entgegnung von berufener Seile inzwischen bereits veranlaßt hätte. Wie die Dinge jetzt liegen, wird die Erste Kammer in ihrer Sitzung am Dienstag vor aussichtlich den Anträgen und Beschlüssen ihres Nusschnsses glatt zustsnimen imb damit ist dann eine Lage geschaffen, die sür die endgültige Verabschiedung der ganzen Besol- dungsvorlage als höchst gefährlich bezeichnet ivcrdcn >nuß. ES ist kaum anzunehmen und im Interesse der Lehrerschüsi auch keineswegs zu wünschen, daß die Zweite Kammer oder zunächst deren Finanzausschuß, dem ja die Rückäußerung der Ersten Kammer wieder zur Vorberatung überwiesen wer den muß, von ihren einstimmig gefaßten Beschlüssen abgehen werden. Andererseits aber steht in unserer Gesetzgebung auch die Erste Kammer als ein Faktor da, der nicht umgangen werden kann. Was also soll in diesem Dilemma geschehen? Das ist sicher, daß unter allen Umständen eine Vermittlung angebahnt und den Beamten, wie den Lehrern zu ihrem Recht vcrholien werden muß. Und dazu ist vor allem die Regierung berufen. Auf deren Haltung koiumt jetzt Alles an. Tie hat ja auch bisher schon iinmer die Rolle des Vermittlers geübt und damit erst alte größeren Werke der Gesetzgebung (Wahlrcchtsvorlage, Gcmeindcumlagengesetz) unter Dach und Fach gebracht. Möge ihr ein gleicher Erfolg auch bei der Besoldungsvorlagc gelingen!
Lienvgraphrn, die er zn diesem Zweck au-gcbildet hatte, die Ber Handlungen der Kammer ousnehmen. Es mnrd,' ihm aber auch die Verpilicktung auserlegt, sein Systenr östentlick bekanitt zu niachen, ioas rhu vcranlaßte, an die Ausarbeitung eines Lehr- luckies zu gehe», das im Jahre 1834 als „Anleitung zur deutschen Rctczeichcnkunst oder Stenographie" erschienen und von einenr neueren Svstemersinder die stenogravhstch- Bibel hezcichucr wurde. Das Werk ist ein Meisterwerk, die köstlickr: Frucht frcb- rehnjähiizer, ernster und angestrengter Griftesarvait, das bedeutendste und wertvollste Buch, das die strnogravbii'chc Literatur aller Zeiten auizuntiien hat.
Alle Scknckialsschicge, die Gabdlsbeigcr iur Lause der Jahre trasen —• so war er hei der durch König Ludwig I. vcranlaßtev Reduzierung des Personalbestandes der Ministerien, die zur Er, zielung von Ersparnissen im Slaaisbaushait herbcigeiührt iourde. im Alter von 36 Jahren guiesziert — pensioniert — worden, sei» cinz'-cr Sahn Georg starb 1840 im Aller von erst 23 Jahren, er selbst und seine Frau hatten ost schwere Krankheiten durch- zumackicn — konnten ihm die Freude an seinem Werk nrchi ran- len. Es beschäiiigte ihn unablässig bis z» seinem am 4. Januar 1849 plötzlich infolge eines SMa-'-'nsalis cingetrerenen Tod, es immer verbes'crnd und ve vollk mm cn\
Waren dem Lebenden niemals Sprüngen und Auszeichnungen zuteil geworden, so wurde» sie dem Toten in um so reicheröui Maße zuteil. Sein Grab nahni die Stadt München in ihre Obhut und erkläric es iür unverläustich, und die Büste des Meisters tzrangr iirmitten derienigcn der Bedeutrndsten der Nation in der Ruhmcshalle in München. Weit über 100 deuiickie Städte baden Straßen und Plätze nach Eahelsbrrger benannr und rin herrliches Denkmal des genialen Erfinders ziert einen der belebtesten Plätze seiner Vaterstadt. Nach Millionen zählt die Sckar derer, die sich das Werk, das auch allen.anderen Shstrmeriindern «u> Grundlage gcdieni hat, vertieft und es nutzbringend anqeiocndr! haben, ünd wenn dem deutschen Volke die lang ersehnte Einheits - stenogravbie beschert sein wirb, dann loird auch sie als den Pater der deutschen Stenographie, den eigentlichen Begründer der Schmellscknist überhaupt anerkennen Franz lavrr GabelÄberger
W. Loh
ks. Neues über das Verhältnis Nietzsches z i> Wagner. Im „Mereurc de France" vcrössemlichi Henri Albert einige Bruchskückc, die sür die Geschichte der Beziehungen zchlischcn Nietzsche und Wagner von Wert siird. Bekanntlich hat Nietzsche de;, endgültigen Bruch nrit dem von ihn, srüher geradezu vergötterten Meister vollzogen, als er seinen berühmten'„Fall Wagner" ver- össentlichte. Die von Albert nntgcteilien Stücke beweisen nun aber, daß bereits 14 Jahre vorher Nietzsche Wagners Persönlichkeit und Kunst mit kritischen Augen zu betrachten und Vorbehalte dagegen


