Ausgabe 
6.2.1914
 
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Nr. 3'

Ter «letzelter »nzriger

erscheint täglich. anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Meüenee.fcnnillendtätlee, jwennal »«deutt.ltreir- dlaü kürden Kreis (Sie St» liintstnfl »nd Rreiloci); zweimal mono II. Land» wirtfchafUIche 3f ftf ragen sierniorech - Anschlüße: tflr die Redaktion 112, Serie!« n. Expedrt(»n bl Ad,eile für Deveichen: «nzetger «iepen. Smahm« o»n »nzeigen für die Tag renn,:one: bis vormittags 9 Uhr.

Lrster Blatt

l64. Jahrgang

Zreitag. 6. Zebruar 19^4

General-Anzeiger für Oberhessen

Kofations6ni<f tm> Verlag -er vrühl'schei, llalv.-Such- und Strindnickerei 8. Lange. 8t-atti»n. Erpedilion und Druckerei- Lchulftrahe 7.

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monatlich 75Vi viertel« jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 85 Pf.; durch die Poll Aik.8. viertel* jährl. ausschl. «eilillq. Zeilenvreis: lpkallLPi., auswärts 20 Plcuniq. Lhesredakteur: 21. Goctz. Verantwortlich sür den volit. Teil: Aug. Goeh; sür .Feuilleton", .Ver­mischtes' uudö>erichts- saat": Karl Neurath; lür .Sladi »nd Land": Kurt Beudt; sür den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Das portugiesische Rätsel.

Volk, Heer und Marine haben soeben die Republik aus- gerufen... Die erstaunlich großartige Tatsache, die den Stolz der unbezähmbaren Rasse bildet, sowie die Anserstehung des Vaterlandes erfüllen mit enthusiastischer Freude die.Herzen aller Patrioten... Es ist nur nötig, daß den Anfang eine Epoche strengster Moralität und unbefleckter Gerechtigkeit bilde, daß alle Portugiesen in harmonischen Grundsätzen sich vereinen." So hieß es in der Proklamation, mit der am 5. Oktober 1910 die Republik Portugal ins Leben trat. Es wäre ein dankbarer Stoss sür ein Witzblatt, eine Illustra­tion zu jener stolzen Ankündigung auf Grund der gegen­wärtigen Zustände in Portugal zu geben. Die harmonischen Grundsätze, in denen sich alle Portugiesen vereinen sollen, haben seitdem einen chronischen Ausdruck in Arbciteraus- siänden, Militärmeutcrcien, Bombenwürfen und dergleichen Dingen gefnudeii, die amb ietzl wieder an der Tagesordnung find, und an Stelle der verkündeten Auferstehung des Vater­landes scheint ein Teil der Massen wieder aufzustehen gegen diejenigen, die sic als ihre Befreier begrüßt hatten.

Erfüllt hat sich allerdings ein Wort jener Proklamation, nämlich das von derunbezähnibaren Rasse". DerAn­fang einer Epoche strenger Moralität und unbcslcckter Ge­rechtigkeit" aber wird drastisch dadurch erläutert, daß der Se­nator Joao de Freitas dcnM inisterpräsidcntcn A l - sonso Costa in öffentlicher Parlamentssitz»»!) der aller schlimmsten Korruption und des Mißbrauchs der Amtsge­walt zwecks persönlicher Bereicherung beschuldigt hat. Be­hauptet er doch, daß Costa, der im Rebenberus nach wie vor Rechtsanwalt ist, und der seinen Partner in der Advokatur zum Generaldirektor des Justizministeriums gemacht hat, eine Anzahl Verfügungen lediglich zu dem Zweck erlassen hat. um seine Klienten zu begünstigen. Heißt es doch ferner in dem Bericht Freitas, daß der schwerste dieser Fülle dem Schwager Costas, den er zum Sekretär des obersten Gerichts­hofes gemacht hat, etliche Millionen einbringen könne.

Ter Ministerpräsident hat auf diese Anklagen damit ge­antwortet, daß er den Ankläger sür verrückt erklärte, abcr der Senat hat diesemVerrückten" so viel Glanben geschenkt, daß er einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß ein setzte, und das diesem.porgelegtc Material soll für Eosta ge­radezu vernichtend sein. Ter Ministerpräsident hat sich denn auch entschlossen, dem Präsidenten der Republik de Arriaga feinen Rücktritt zu überreichen, obwohl er ini Kongreß bisher noch über die Mehrheit verfügt hat. Fretlich hat Costa früher schon einmal seinen Rücktritt gegeben, sich aber spä­ter eines anderen besonnen. Auch bisher hat er, wie aus den sehr widerspruchsvollen Nachrichten hervorgeht, sein Amt noch keineswegs niedergelegt, aber cs ist doch kein Zweifel daran, daß er ausgespielt hat, umsomehr, da er für Portugiesische Verhältnisse schon ungewöhnlich lauge, näinlich ein Jahr im Amte ist. Daß er sich und seine Angehörigen bereichert hat, wäre vielleicht noch nicht das Entscheidende, aber was die Stel­lung Costas unhaltbar gemacht hat, ist der Konflikt, der aus Anlaß der gegen ihn gerichteten Anklagen zwischen der Kam­mer und dem Senat ausgebrochen ist, die sich durchaus nicht in harmonischen Grundsätzen vereinen" wollen.

Nach den neuesten Nachrichten aus Lissabon scheint es denn auch einigermaßen siche'- 'u sein, daß der ans Brasi­lien zurückb ruscne t artige Botschaft«: Bernardino M a- schado, der seinerzeit der Gegenkandidat Arriagas bei der Bewerbung um die Präsidentschaft der Republik gewesen war, als Nachfolger Costas in Aussicht genommen ist, und zwar beabsichtigt er ein sogenanntes Kabinett der Samm­lung zu bilden, sür das außer der zur Zeit herrschenden radikalen Partei in erster Reihe noch die Unionisten in Frage

kommen. Daß ihm die Kabinettsbildung gelingen wird, kann als einigermaßen wahrscheinlich gelten, schon weil zur Zeit kein anderer aussichtsreicher Politiker im Vordergründe steht. Ob er freilich der Mann sein wird, dem Zustande der chronischen Wirren ein Ende zu bereiten, das steht aus einem anderen Blatte. Zeigen doch die dauernden Ausständc und Aufstände, daß der bloße republikanische Titel die revolutio­nären Gemüter eben nicht mehr befriedigt. Man hat den Por­tugiesen so viel versprochen, daß sie, aus dem Traum von der Freiheit und Gleichheit erwacht, nicht mehr so leicht zu­frieden zu stellen sind. Freilich, wenn die R o h a l i st e n aus diesen Wirren neue Hoffnungen schövsen, so dürste auch das auf eine arge Enttäuschung hinauskommcn, denn der Ex­könig Manuel hat schon durch seine rühmlose Flucht ge­zeigt, daß er nicht von dem Holze ist, aus denk die Prätendc» tcn geschnitzt werden. So ist cs zur Zeit noch völlig unge­wiß, welchem Ausgang die Dinge in Portugal entgcgentrei- bcn, und ob dieser Schrecken ohne Ende über kurz oder lang irgend ein Ende mit Schrecken finden wird. _

ßcKticbc» Jeicfc,

Der Kaiser besuchte am Donnerstag vormittag den Reichskanzler.

Das preußische Landesökonomiekolle­gium, das im Festsaale des Abgeordnetenhauses am gestri­gen Donnerstag zu seiner diesjährigen Sitzung zusammen- lrat, wurde von dem Vorsitzenden Gras Schwerin-Löwitz mit einem dreifachen Kaiserhoch eröffnet. Landwirtschaftsministcr Freih. v. Schorle mer-Liese r begrüßte das Kollegium namens der Staatsregierung seiner Verwaltung und führte u. a. folgendes aus:

Die letzte verhältnismäßig gute Ernte und die Ver­mehrung des Viehbestandes, die eine Herabminderung der Fleischpreise zur Folge hatte, ist der.deutschen Wirt­schaftspolitik zu danken. Tics gibt auch einen Fin­gerzeig für die Notwendigkeit der Bestrebungen der deut­schen Landwirte, die Viehproduktion möglichst zu steigern. Ich bin überzeugt, die preußischen Landwirte entziehen sich dieser Pflicht nicht, sondern setzen die Steigerung der Vich- produktion unvermindert fort. Die Freihändler werden allmählich einsehen, daß die Getreideprcise nicht durch den Zoll, sondern durch die Wclternte bestimmt tverden. Der Minister äußerte den Wunsch, daß die Verhandlungen znr .Hebung und Förderung der deutschen Landwirtschaft bei­tragen möchten."

Der R c i ch s z u s ch u ß für die v l t> m p i s ch e n Spiele gilt als gesichert. Zwei Drittel des Zentrums -dürften, die dieTägl. Rundschau" schreibt, für die Be­willigung stimmen.

Zabcrner Beleidigungsklagen. Wie das Wolff-Bureau zuverlässig erfährt, sind bis jetzt lediglich die bei der Staatsanwaltschaft in Zabcrn anhängigen Beleibt gungsklagen von Militärpersonen zurückgezogen worden, vor­aussichtlich wohl deshalb, weil nach völliger Klärung des Sachverhalts eine erneute Ausrollung aller einzelnen Fragen nicht im Interesse einer anzustrebenden Verständigung und Beruhigung liegen kann. Ob auch eine Zurückziehung der Klage gegen die Redakteure K a e st l e vomElsässer" und Dcviller von derStraßburger Neuen Zeitung" erfolgt wegen des Wortlauts der Aeußernng des Leutnants von F o r st n c r in der Jnstruktionsstunde über die französische Freindenlegion, ist, wie nian hört, noch nicht entschieden.

E i n e G e d e n k s e i e r d e r S t a d t S ch l e s w i g. Aus Anlaß der Gedenkfeier zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Befreiung der Stadt von dänischer Herrschaft prangt Schleswig in prächtigem Blumen- und Flaggcnschmuck. Bis­her sind etwa 20 Abordnungen preußischer und österreichi­scher Regimenter eingetrosfen und festlich empfangen wor­den Der Zuzug der Festteilnehiner von nah und fern ist.

ganz außerordentlich. Die Militärabordnungcn waren ani Donnerstag mittag Gäste des Ofsizicrkorps des Husaren Regiments Kaiser Franz Joseph von Oesterreich Nr. 16.

In der Frage der direkten Telephon Ver­bindung zwischen Deutschland und Schweden wurde kürzlich seitens Deutschlands ein Vorschlag einoc- vracht, betr. Auslegung des Kabels von einem Punkte der deutschen Küste, wahrscheinlich bei Saßnitz oder nördlich Zingst nach Trcllcborg. Das Kabel würde, so schreibt man aus Stockholm, mit dem deutschen Fernsprechnetz ver­bunden und neue für den telephonischen Verkehr mit Schwc den bestimmte Leitungen von Stralsund nach Berlin und Han,bürg gebaut werden. Der schwedischen Telegraphen- verwallnng wurde dabei seitens des deutschen Reichspost­amtes mitgcteilt, daß eine solche neue Verbindung mit leb - Hafter Genugtuung in den industriellen und Handelskreisen begrüßt tverden würde.

DcrStraßenunsallder beiden Zentrum abga. Pütz und Hebel hat die Zentrumsfraktion de» preuß. Abgeordnetenhauses veranlaßt, im preußischen Ab- geordnetenhause an die Regierung eine Anfrage zu richten, in der angcfragt tvird, welche Maßnahmen die Staats- regierung ergreifen will, um derartige Unfälle zu verhüten. Nicht nur in Abgeordnetenkreisen, sondern allgemein ist in letzter Zeit die Erfahrung gemacht worden, daß die Straßenpolizei auf das wilde Fahren der Auto­mobile, namentlich an den Straßcnbahnbaltestellen, kein sehr wachsames Auge hat. Zu dem Unfall der Reichs- lagsabgcordneten wird gemeldet, daß das Befinden des Pfar­rers Hebel leider noch zu Besorgnissen Anlaß gibt. In­dessen haben die beiden Verunglückten die Nacht gut ver­bracht, so daß die Aerzte hoffen, auch Hebel ani Leben zu erhalten. Donnerstag mittag wurde Hebel durchleuchtet, um die inneren Verletzungen sestzustellen.

Eine Anfrage über den Massenmörder Wagner im württembcrgischen Landtag. Der Abg. Dr. E i s e l e hat bezüglich der lleberführung des Massenmörders Wagner folgende kleine Anfrage an den württembergischen Justizminister gerichtet:Die von der Straskammer des Kgl. Landgerichts Heilbronn am 3. Fcbr. 1914 beschlossene Außerverfolgsetzung des Massenmörders Wagner von Degerloch hak im Bezirk Vaihingen, insbefon dcrc in der Gemeinde Mühlhausen a. Enz eine lebhafte Bc- unruhigiing in der Richtung bervorgerusen^daß infolge einer möglicherweise eintretenden Besserung des Geistcszustanües Wagners, dessen Entlassung aus der Irrenanstalt und damit eine abermalige Bedrohung Mühlhausens künftig in Frage kommen könnte. Ist der Herr Minister der Justiz bereit, diese Beunruhigung durch amtliche Veröffentlichung der in Betracht kommenden Teile der pstzchiatrischen Gutachten zu beheben? Ich begnüge mich mit einer schriftlichen Beanl- woriung der Anfrage."

Auslanv.

Erfolg einer Strafexpedition in Käme run. Tie Strafexpedition gegen den Häuptling Gabola von N g u k u , in dessen Dorf am 12. Oktober der Oberlemp nant v. Raven gelötet und der Bezirksrichter S c g e r oef wnndct wurde, ist nach einer soeben aus Kamerun eingega/ gcnen drahtlichen Meldung des Gouvernements nunmehr Be - endet. Der Häuptling ist, nachdem die Schutztrupve, unterstützt durch eine Abteilung der Polizeitrnppc, ui/tcc .Hauptmann von Puttkamer am 18. Dezember sein H a u i l dorf eroberte, geflohen. Durch die sofortige Ver­folgung ist es gelungen, die Macht des unbotmäßigen Häupt ­lings, dessen die französische Regierung nicht hatte Herr wer­den können, vollständig zu brechen. Ter Mörder des Ober­leutnants v. Raven i|t gefallen. Alle Häuptlinge, die im Vertrauen aus die Macht des Häuptlings ermutigt toorden

Die Zahl der promvtisneik an den deutsl en Unive sitäten.

Ar» dem letzten .Hochschullehrertag wurde lebhaft Klage ge­rührt über die mit icdem Jahre absolut und relativ größer werdende Zayl der Promotionen und der dadurch hcrvorgcru- trnen Minderung des Wertes des Doktortitcls. Daß zur Er­langung dieser akademischen Würde einzelne Universitäten bevor­zugt werden, ist allgemein bekannt, und es dürste daher in Zu­sammenhang damit mm Interesse fein, einmal die Zahl der Pro- vnüionen der verschiedenen Fakultäten au den verschiedenen Uni­versitäten des Deutschen Reiches zusammcnzustellen

Ter folgenden kleinen Statistik liegen die Zahlen der vom 15. Augnst 1911 bis zum 14. August 1912 erschienenen Disser­tationen zugrunde.

, Insgesamt sind in diesem Jahre 4455 Toktorarbeiten er­schienen, 83 mehr als im vorhergehenden Jahre. Davon satten aus die tbeolomsche Fakultät ob (evangelische »nd kattiolüche),

- » juristisch« » 1265 (einschlietzliw slaatswiüenscha't-

tirticc Arbeiten),

- » medizinische , 134:1 (einichtietztich zadu- und tier­

ärztlicher -Arbeiten),

» , philosophische 1792 leinschtiesilichnaturwisscnschast-

lirtier Arbeiten).

Diese an und für sich außerordentlich hohen Zahlen gewinnen aber erst ein ganz besonderes Interesse dadurch, daß man das Verhältnis der, Zahl der Studierenden im Jahresmittel ;ur Zahl der erschienenen Dissertationen in Prozenten ausdrückt. Es ergibt sich dabei folgendes:

theolog.

jurist.

medizin. Philosoph.

Fakultät

Deriin

0,75

0,2

8.3

3,9

Bonn

0,9

1,3

9.9

4,0

Breslcnl

0,7

15.0

8.3

6,8

(^rlonaen

0,9

87.«,

6.7

22.9

^reiburg

4,1

4,9

6.6

9,6

Äiefteir

2,1

21.3

18,5

10,5

Götlinaen

1,4

12,8

11,3

5.7

Greiiswald

1,8

49,3

8,7

12.«

Halle

0,3

3.7

5,6

7.6

Heidelberg

1.4

4,3

VH

9,6

theolog. jurist. Medizin. Philosoph.

Fakultät

Jena KOI

Königsberg Leipzig Mar »eg München Münster Rostock Strakibnrg Tübingen Würzburg

Tie Zahlen reden eine ocuiuwe Kyvwurc. Wumcoo v,c z-io- tzahl im allgemeinen zwischen 0.5 und 20 Prozent, meist zwi- n I und 15 Prozent schwankt, sind es vier, alte der mristischen kultäi angehörenden Prozent,-»lcn, die durch enorme Höhe auf- en In Würzburg machen 3M, >» Grmswat» 49,3, in RoNock utib'in Erlangen sogar 87,6 Prozent der Ltudicrendcn ihren ktor Äese Zahlen erklären sich natürlich nur dadurch, daß die adierenden anderer Universitäten hier ihre Dissertationen ein- hcn und promovieren. 0. X.

19,1

12,0

8.4

1.5

1.2

11,1

7,3

3,7

4,3

7.7

6.9

18,8

17,3

6,7

3,5

12,7

7.4

0,6

2,4

6,9

4,3

0,9

4,8

8,5

75,0

7,9

9,3

0,4

10,1

10,6

11,9

8,7

7,4

5,9

36,1

7,0

8,5

__Blinddarmentzündung und Phantasie.

Die Epidemie der Blinddarmenlzündung. die unzloeiiclhast zur- zeit säst alle Kulturländer der Erde überzieht, bat natürlich zu den mannigiacksten ErNärungen über die plötzliche Zunahme dieser Et kraIIkl,n I Anlaß gegeben. In einem emgehenden Llutsatz über die Blinddarmentzündung, den Geh. Rar Küttner in der bei der Deutschen Verlags-Anstalt cischeincnden Teutsäten Revue ver- ö'sentücht gebt der hervorragende Breslauer Chirurge auch aus die- Fraae nach den Grundursachen der Krankheit ein und zeigt dabe, in kulturgeschichtlich interessanter Weise, welche Rolle die Phan­tasie bei diesen manniqsachen Erklärungsversuchen gespielt Hot. Während die eigentlichen Ursachen in dem ipeziiischen Bau und den eigentümlickün F-unk.ionen des Wurmjortiatzes am Blinddarm zu suchen sind, har man die abenteuerlichsten Anschauungen über die Schuld entwickelt, die Fremdkörper an der Erkrankung tra­gen Kirsch uich Äpielsinenkerne wurden ebenso oeraniwortlich gemacht wie die Emailsplitter der modernen Kochgeschirre, die Metallteilc der Konservenbüchsen und der sand der Knnstmühl- fteine. Dabei ist diese Frcmdtörpergefahr, wie eine Rmrdsrage

bei den bedeutendsten Chirurgen ergeben hat, winzig klein. Pros. Ilültner Hai bei der sehr großen Zahh von Operalionen, die er aussübrte. nur zweimal einen Fremdkörper gesunden, einmal ein Schroikorn und das andere Mal eine Fiichgräte. Tie Obst- kcrne sind viel zu groß, um- in den engen Kanal des Wurm­sortsatzes einzndringen, und Emwilsplitter hat man nie gefunden, so daß diese Behauptung leine anderen Folgen gehabt hat, als der Email-Jndufbrie empsindlich zu schaden. Aber diese land- löusigen und vielverbreiteten Vermutungen sind, obwohl sie jebec Begründung entbehren, noch zahm gegen die ausschweifenden Phan­tasien, turch die^manche Llerztc hie Blinddarmentzündung zu er- Ilären suchten. L>o brschuldigle ein Engländer die Abivaltungs- produkte de! roten Gummi an den Limonadenslaschen, ein anderer die zur Fleischkonservierung benutzte Borsäure. Nüsse, 2knanas, Wurst. Käse, Pilze, Muscheln und Hummern mußten als dee schuldige Teil hcrhalten. In Amerika klagt man die Eisgetränke an. in Europa den reichlichen Bierzenuß. Ei» englischer Autor machtcAbjührmittel und Lebervillen" sür die D inddarmentzün. dung verantwortlich: nach in Deutschland geäußerten Anschau­ungen solle» Aloe, Aloin, Cascara und Quech'ilbcrmävarate die eigentliche Ursache sein. Es bekamen aber auch sebr viel Leute die Kranklieit, die von solchen Mitteln keine ?thnunz tiatten. Des weiteren sindoch als Gründe angeführt worden: Ueber- arbeitung, die Schule, das Leben an Bord und in den Troven, die Militärdienstzeit, die ständige Fluktuation der Bevölkerung und das viele Eisenbahnsahre».

Abschluß der P amir ex pedi ti o u von W. R. R i ck m e r s. Die von dem Deutschen und Oesterreichisck^u Alpe» - verein unterstützte Pamirexvedition des Turkestansorschers W. R. R i tf m c c s jst mit der Rückkehr der meisten Begleiter zum 2lb- schluß gekoimnen. NachPelerm. Mitt." begann mit der Er­reichung von Tupischek in 3500 Meter Höhe die Hauptansgab« der Expedition, dic Ersvnchung der Kette PeterK des Großen, in der fünf der hervorragendsten Gipfel von mehr als 5000 Meter Höhe erstiegen wurden: von diesen aus wurde die Aufnahme der ganzen Kette zu Ende gesührt, u. a. wurde ein 7150 Meter hoher Gipiel gemessen. Aus den dreißig Besteigungen von Hochgipselv Ivurden stets geologische und meteorologische Beobachtungen ange, stellt und besondere Aufmerksamkeit verwendet aus die Feststel­lung der ehemaligen Ausdehnung der Gletscher. Mehrere tauiepd Photogravhien wurden ausgenommen.