Ausgabe 
5.2.1914
 
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Nr. 50

Ter Siebener Anzeiger

ericheini täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich OietzenerLamIUendiättrr; pvennal wöcheiilt.Kieir- dlaNsürtenitreir Siehen ttkienSIag und Vvreiiaa); zweimal nionati. rantz- »irilchaslliche Zeiffragen Herniprech - Anichliisie: ine bie Redaktion 112, rleriaq ». Expeditwn bl 21b« effe iür Depeschen: «nzeiger Wieneu. Annahme non Anzeigen iür die Tagesnununer bis vornnliagS 9 llhr.

Erster Blatt

m. Jahrgang

Donnerstag. 5. zebruar 19*4

General-Anzeiger für Oberhessen

Notationz-rmk mb 6 Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei N. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei! Zchulstratze 7.

Ve;n<r4vr7t-: monntlrL 75 Bl., viertel- jäbrilch Mk. 2.20-, durch Abhsle- u. Zweigstellen

monalllck, 65 Pf.; durch diePoft Btt. 2. viertel« jälirl. ausfchl. Beitellg. Zeileupreis: lokal 15Pf^ ausivans 20 Plenniq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den volit. Xcil: Aug. tzfoetz; fürTvcuttlctou",Ver­misch les^ und..Gerichts­saal": Karl Neurath; fürStadl und Land": Kurt Bendt; für den Auzeigentetl: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Aus S<ffc».

Nehl-Offenburg.

2er erste Wahlgang hat im 7. badischen Reichstagswahl- "krcise, Kehl-Ofsenburg, noch keine Entscheidung gebracht. Das war zu erwarten, obwohl ivir annehmen niüchten, da« das Zentrum im stillen die Hossnung hcytc, das Mandat sich gleich im ersten Anlauf zurückzuholen. Die Möglichkeit be­stand, sofern man den Ausfall der letzten Landtagswahlcn in Rechnung stellte. Deren charakteristisches Merkmal war ein starker Rückgang der sozialdemokratischen und eine ent­sprechende Zunahme der Zentrumsstimmcn, ein Vorgang, der seine Aufklärung darin fand, dass 1913 die int Jahre 1909] durch die Haltung des Zentrums bei der Rcichssinanzresorm verärgerten und deshalb zur Sozialdemokratie übergegange--s neu bisherigen Zentrumswähler wieder zu ihrer allen Partei zurmkfluteten. Vergleicht man das Ergebnis des jetzigen ' ersten Wahlgangs mit dem der letzlen Hanvtwahl (Zentrum 12259 gegen 11613, Sozialdemokratie 3032 gegen 3705 ^Stimmen), dann beobachtet man hier genau den gleichen Vor­gang! allerdings ist die Verschiebung doch nicht so stark ge­wesen, daß das Zentrum dadurch die absolute Mehrheit er­langte. Immerhin kam es näher an diese heran als 19B2: damals fehlten ihm noch über 1000 Stimmen, jetzt dagegen! nur noch knapp 400, Diesen Erfolg verdankt das Zentrum einer gewaltige» Agitationstätigkeit, bei der cs in der Wahl seiner Mittel nicht gerade ivählerisch >var.

Angesichts dessen tritt der Erfolg der Nationalliberalen Am so dcutiichcr in Erscheinung. Ihr Kandidat, der bis-l hcrigc Abg .Stadtrat Kölsch (Karlsruhe), hat seine Slim-] mcnzahl von 1912 nm über 650 Stimmen gesteigert. Das^ ist zweisellos die Frucht einer energischen und unermüdlichen] Wahlagitation, die die Nationalliberalen und vor allem Herr Kölsch selbst im Kreise entfaltet haben. (Segen die Hanpt- wahl 1912 sind rund 500 Stimmen mehr abgegeben wor­den; da die Zahl der Wahlberechtigten kaum nennenswert zugcnommrn baden dürste (von 1907 bis 1912 stiegen die Wahlberechtigten von 25 926 aus 26 877, also in fünf Jahren nur nm 950), so kann kein Zweifel bestehen, dast die Wahl­beteiligung noch stärker war als 1912 (wo sic bereits 90,9 vom Hundert betrug, und dast diese Steigerung dem natio nallibcrulen Kandidaten zugute gekommen ist. Bedenkt man dazu noch, dast cs sich nin einen Wahlkreis handelt, dessen Bevölkerung nahezu 70 v. H. katholisch ist, in dem also die geborenen Wahlhelfer der Zentrums, die Pfarrer und Kapläne, recht zahlreich vertreten sind, dann darf man den, nationallibcralen Kandidaten zu diesem Ergebnis wohl be- glückwünschen, umso mehr, als cs die Gegenpartei an per­sönlicher Verunglimpfung des Kandidalen nicht hat fehlen lassen.

Der e n dg ü l t ig e A u s g a n g der Wahl steht natürlich dahin. Treten die rund 3000 Sozialdemokraten geschlossen für Kölsch ein, dann dürste der bisherige Vertreter nach dem Reichstag zurückkehren, denn nach den Ziffern der Haupt- wahl stehen den 12259 Zcnlrumsstimmcn 12 651 von Nichl- zentrumSwählcrn gegenüber. Voraussetzung bleibt freilich, dast auch der letzte Mann zur Urne gebracht wird. Denn zweisellos wird das Zentrum alle Kraft ausbietcn, itm wo­möglich noch Reserven herauszuholen, was ihm ja auch im Jahre 1912 ganz ausfallend gelungen ist, wo cs von 11615 Stimmen in der Hauptwahl aus 12 704 in der Stichwahl stieg. Das ist ein deutlicher Fingerzeig für die Liberalen. Nur wenn auch sie noch Reserven heranholcn, kann der Sitz bc- hauplct werden.

Der erweiterte Finanzausschuß der Erste» Kammer

hat soeben seinen vollständigen Bericht über die Beamten- und ^ehrer-BesoldungSvorlage herausgegebcn, aus welchem als Reserent tsurst I Mn b u r g - B i r st c i n und als Korrescrcnt Geh. ikom.- jjf"! 4-r. S treckcr verzeichnet ist. Es ist ein sehr umiangrciches Aktenstück von 12 Truckscitcn unv besteht aus elf verschiedenen .Teilen, die nach Buchstaben von A bis L geordnet sind. lieber den sütcn biejer Berichte, Einleitung und Teckungsvor- > ä> l a g e habe» wir bereits ausführliche Mitteilungen gemacht. Tietem Bericht ist zur Erläuterung der Tcckungsvorschlägc auch ein nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer ausgestellter Plan Uber den Bedari zu einer Ausbesserung der Beamten- und Lehrcr- u>w. Bezüge beiqegcben.

In dem solgenden zweiten Bericht über das Mantclgesetz stimmte der Ausschuß den Art. l, 2 und 4 nach den Beschlüssen "kr Zweiten Kammer zu. Im Art. 3 hatte die letztere bestimmt, daß der aus den lausenden Einnahmen nicht gedeckte Ttsscrenz- oetrag dem Rcstesonds I entnommen werden sollte. Ter Ausschuß der Ersten Kammer beantragt dagegen, hierfür den Rcstesonds II heranzuziehen und zwar sür das Jahr 1914 bis 300000Ml , sür ldlo bis 4000003)11., für 1916 bis 500000m, sür 1917 bis G00 000 Mk., für 1918 bis 700 000 Mk. und vom Jahre 1918 ab Mo v>ahr bis 8000002111 Insofern ans diesem Fonds eine Deckung nicht möglich ist. soll der Restesonds I hcrangezogcn werden. Zur Bewilligung des Tisvositionssonds von 125 000 Mark zwecks Besserstellung der Altvensionärc, der pensionierten Volks­schullehrer und der Witwen von Beamten und Lehrern hatte die Zweite Kammer eine Resolution Tr. Osann-Henrich angenommen, die Regierung um alsbaldige Einbringung einer Vorlage zu er- luchen. worin allen vor dem 1. April 1912 in den Ruhestand ge­tretenen Beamten und Witwen der vor diesem Termin gestorbenen Beamten eine allgemeine vrozentualc Ausbesserung zuteil werden soll. Ter Ausschuß beantragt, diese Resolution abzulehnen.

Ter dritte Bericht behandelt den Gesetzentwurs über die Be­soldungen, Ruhegehaltc und die Hinterbliebcnenversor- qung der Stoatsbeamten. Ter Ausschuß schlägt hicr vor, der Rege­lung der Gehalte, wie sic von der Zweiten Kammer beschlossen wurde, im Prinzip zuzustimmcn. Das geschehe in der Ueberzeugung, hierdurch in einem überaus wesentlichen Punkte der Vorlage der Zweiten Kammer entgegenzulommen". Ties Entgegenkommen müsse um so höher bewertet werden, als sich der Ausichuß von der Begründetheit der Ausführungen der Regierung über den W o h - nungsgeldzuschuh überzeugt habe und lieber ein differen­ziertes Wohnungsgeld angenonrmcn hätte, als der Regelung nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer zuzustimmen. Jni 'Anschluß an diesen Bericht werden auch die schon in unserem srühereil Be­richt erwähnten Vorschläge aus Vereinsachung der Staatsverwal­tung näher dargelcgt und dabei besonders die Besetzung zahlreicher Stellen-mir-Mittleren Beamten verlangt, desgleichen eine Beseiti­gung der 21ebenbezüge der Staatsbeamten usw. Tein Bericht ist auch eine Gegenüberstellung des Besoldungsgesetzes vom Jahre 1898 und der Beschlüsse der Zweiten Kammer und derjenigen des Finanzausschusses der Ersten Kamnrer beigegeben.

Das Hauviinteresse wird sich jedenialls dem Bericht O über die Besoldungsordnung zuwenden. Hier hat der Ausschuß eine Reihe wesentlicher Abänderungen vorgenommen, die sich im Prinziv dahin zusammensasscn lassen: 1. Ablehnung der garantierten Neben- einkommen in allen Steilen: 2. Ablehnung der erhöhten Beklei­dungszulagen und 3. Anerkennung der gehobenen Stellen nur in­sofern, als erhebungssähige Stellen in Betracht kommen. Diesen Ge­sichtspunkten entsprechend sind in den unteren Klassen des Gchalts- tariss die Beklcidungszulagcn wieder aus 70 Stück reduziert und bei Brückcnwörterii und Landg e stütsdiencrn die garantierten Vergütungen von 300 Mk. sür Nebenbczügc gestrichen worden. In Klasse 6 ist der Ausschuß nicht mit derunveran- laßten Erhöhung" aus 2250 Mk. Endgehalt einverstanden und be­antragt solgendc Gehaltssätzc mit 12jährigcr Ausrücknngssrist 1750 bis 185019502050 und 2150 Mk. In »lasse 7 Ivird die sür die F o r st w a r t e nach 21 Dicnstiahren beschlossene Zulage von 2 X) Mark gestrichen, nachdem ihr Ansangsgehall von 1200 aus 1600 Mk. erhöht worden ist. Weiter sollen nicht alle Steuerausseher, sondern nur diejenigen bei den Hauplsteueränttcrn und iM Be- zirksaussichisdienst nach 15 Tienstjodren eine vensionssahige Zu­lage von 200 9Jlt erhalten. Die Piandmerster sollen aus Klasse 22 (Höchstgehalt 2700 Mk. unter Ausrechnung euies ven

siönssähigeil Gcbühreiianschlags von 900 Mk > in die Gehaltsllasse 16 versetzt und ihnen 1100 Mk. Gedührcnanschlag angerechnct wer­den. Für die Real! eh rer an den höheren Schulen war der Gehaltssatz (Klasse 311 von der Zweiten Kammer in der vorletzten Stute nach oben um 100 Mk und in der höchsten Stuse um 200 Mark erhöbt worden in Rücksicht aus die wesentliche Erhöhung der Gehalte der Volksschullehrer. Da aber der Aussckiuß die Erhöhungen dieser über die Regierungsvorlage hinaus abaelehnt hat, sollen auch die beiden letzten Stufen wieder aus 4300 und 4500 Mk. sestgcsetzt werden.

In den Gehaltsklassen 32 und 36 hatte die Regierung als neue gehobene Stellen für die mittleren Beämten die Stellen der Sekretariatsassisteiiten vorgcichen und die Zwecke Kammer hatte den Wünschen der Interessenten folgend die gehobe­nen Stellen noch vermehrt. Ter Ausschuß ^dcr Ersten Kammer erachtet aber die Schaffung von gehobenen Stellen nur insoweit sür begründet,als es sich um Stellen handelt, die in sich eine solche Hebung verdienen". Es sei durchaus unberechtigt, lediglilb »ach der Zahl der Beamten einer Behörde auch eine entsprechende Anzahl gehobener Stellen zu sckiassen, denn nicht die Zahl der bei einer Behörde tätigen Beamten müsse bei einer solchen prinzipiellen Frage maßgebend sein, sondern die Tatsache, ob eine Bcamten- stclle selbst hcbunqssühig sei. Bei den Gerichtsschreibern lehnt der dlusschnß grundsätzlich eine Garantie der Stcmpelvrovisionen ab, er glaubt aber bei allen Kategorien von Beamten eine gleichmäßige Regelung dahin Vorschlägen zu sollen, daß den betressenden Be­amten an den größeren Acmtern eine pensionsfähige Zulage von 300 Mark gewährt werde, aus die ein etwaiges Ncbeneinkommen aus öffentlichen Fonds aufzurechnen ist. Zu diesen Beamten ge­hören außer den Aktuaren die Kreisamts-Bureauvorsteher und die Bezirlskassicrer der größeren Aemter, der Sekretär der Tech­nischen Hochsckmle, der Uiiiversitätsrentamtmann und der Bureau- vorsteher bei der Badcdirektion in Bad-Nauhcim.

Bei dcrOberrechnungskammcr hatte die Zweite Kam­mer sür die Gehaltsllaffe 32 nur 36 Stellen der Oberrevisorrir vorgesehen und 7 gehobene Stellen für Klasse 36 geschossen. Der 'Ausschuß hat dies nicht für sachlich berechtigt erachtet und sämtliche 45 Stellen wieder der Klasse 32 zugettt't: er bean­tragt ater, den fünf ältesten Revisoren nach 24jähriger Dienst­zeit pensionssähigc Zulagen von 300 Mark zu bewilligen. Den Kreisamisbirrenuvorstelierii, den Gerichtsschreibern und den Be zirkslassierern der großen Städte sollen aut die pcnsionssäbigeo Zulagen von 300 Mark etwaige Ncbeneinkommen ausgerechnet werden. Ter Ausschuß beantragt Wecker verschiedene Veränderungen lei Sekretariatsstellcn uiw. Da der Hauprsteueramtsrendant «n Mainz eine pcnsionssähige persönliche Zulage von 200 Marr erhält, soll auch der Hauptstcucramtsrevisor daselbst eine solche erhalten. Tie Stelle deS Landcswoknimgsinspcktors soll aus Klasse 38 in Klasse 36 versetzt werden, dagegen einer Anregung der Regierung eutsprechend der Direktor des Landeszuchtbauscs aus Klasse 40 in Klasse 46 eingereiht werden, wenn er iuristisch vor gebildet ist. Endlich beantragt der Älnsschuß noch, die Einreihung der Stelle des K'oinmandcurs des (tzendarmeriekorps au§ der 41. in die 44. Gchaltsstusc und anstatt der 4 Ratsstellen und 7 Vortragenden Räten im Ministerium des Innern den Unter­schied zu bescittgcn und sür Klasse 45 11 Stellen zu bcwckligcn.

Im ?lusschußbericht folgt nun der Bericht über den Gesetz­entwurf, betr. die Gehalte der Volksschullchrer. Wir habcn bereits mitgeteitt, daß der 'Ausschuß beschlossen hat, statt der von der Ztveitcn Kammer aiigcnommcnen höheren Gehaltssätze die Vorschläge der Regierung anznnehmcn. Auch die von der Zweite» Kammer mit 25 gegen 19 Stimmen angenommene Ent- ichlicßung Henrich, worin die Kammer die Berechtigung der Forde­rung der Volksschullehrer aus G l c i ch st c l l u n g in ihren Gesamt­bezügen mit den mittleren Beamten anerkannt rmd um eine diesbezügliche Vorlage ersucht, beantragt der Ausschuß ab- zulchnen. Diesem Ausschußbericht ist auch eine besondere Ueber- sicht über die Lchrerbcsoldungen in den deutschen Bundesstaaten und ihr Verhältnis zu den Gehalten der mittleren Beamten bei­gegeben.

Die solgenden Berichte des Slusschusses: Gesetz über die 2lb- ändcrung des Gesetzes betr. die Pensionierung der Volks- schullehrcr, Gesetz über die Slbänderung des Gesetzes, betr. die Witwen und W a i s e n k a s s c der Volksschullehrer, Gesetz, betr. den Wohnungsgcldzuschub, Gesetz, betr. Erhöhung der Z i v i l l i st e des Großhcrzogs, sowie Nachtrag hierzu, Gesetz

Zum Zubelsest der ttgl. Kunstakademie in Dresden.

Tie Kgl. Akademie der Künste in Dresden feiert am 6 Fe­bruar das Fest ihres Hundertsünszigfährigen Be­stehens. Sic ist ln'ivorgegangcn aus einer 1697 unrer August dem Starken begründete» Malerakademie, deren Borläuserin eine vom Dresdener Hosmaler und Galerieinsvektor Samuel Botschild unter Kurfürst Johann Georg IV. geleitete Privatakadcnnc ge­wesen ist. Die Direktion der Malcrakademie erhielt der Hos­maler Christovh Fehling, ein Schüler und Vetter. Botjchilds, der ebenso wie dieser aus Sangerhausen stammte. 21ach Bot- schllds Tode im Jahre 1707 erhielt Fehling auch das 2lmt eines Galcrieinsvcktars. Beide Künstler ivaren zwar leine her­vorragenden Meister, nwhl aber tüchtige Kräfte, die sich um das damalige Äunstlelen in Elbslorcnz sehr verdient gemacht bähen. Botschild stach auch ein Kupserwerk, das er >693 unter dem Titel: Ovcra Varia historica, voetica et iconologiea" herausgab. Bon Fehling rühren einige Deckengemälde im Palais des Oiroßen Gartens und im Zwinger her. Ec starb 1725. Sein Nachfolger im Diiektoriat der Malcrakademie wurde der damals viel ge­feierte Hofmaler Louis Silvestre. Mit Ehren überlstiusi und 1741 von August III. gcadeli, kehrte er nach dreißigjähriger 'Amts- sührung nach Paris zurück.

Im Jahre 1764 wurde die Malcrakademie von dem ?ld- ministrator Prinzen skaver nach den Intentionen des: verstorbenen Kurfürsten Friedriä» Christian und dem Plane des Radierers und Kunstschriitstellers Christian Ludwig von Hagedorn, Bruders des Dschiers Friedrich von Hagedorn, in die Akademie der bil­denden Künste umqewandeli. Sic erhielt 1833 eine neue Organi- satton und späterhin eine den modernen Bedürfnissen entsprechende Ausgestaltung. Tos valastartige Heim, das sür sie nach den Plänen des inzwischen verstorbenen Baurats^ Llpsius aus der Brühischen Terrasse erbaut wurde, hat in jüngster Zeit ihre Blüte mächtig gefördert. Hervorragende Künstler, wie die 2Naler Bendcmann, Hübner, Ehrhardt, Ludwig Richter, Pohle und Preller, die Bild Hauer Nietichcl, Hähnel und Schilling, die Architekten Thürmcr, Semper und Wallot, sind an ihr tättg gewesen, wie denn auch zum jetzt bestehenden Lehrkörper hervorragende K'räste gehören.

Dem ersten Direktor der neu gestistetcn Akademie, Ludwig von Hagedorn, der zugleich Generaldirektor der Kgl. Kunstiamm lungcn war, gebührt das Verdienst, die Anstalt gut sundiktt zu batwn. Seine Radierungen, meist Landschaitcn. sind bcdcuiungs- lvs. Mehr interessieren seine Tchristen, insbesondere die 1755

gnonvm erichienenenLettres ü UN amateur de la peinture lind die 1762 in zwei Bänden lzerausgegebrnenBetrachtungen über die Malerei". Äe sind bezeichnend für die pedantische und hohle Ausfassung, die damals üb'er das Wesen und die Be>cimmung der Kunst noch vorherrschten. Es mar die Zeit, da sich die ilaneniichen Manieristen und Eklektiker noch breit machen konnten die ,oge. nannteschöne Natur", ein schwer zu denmerrnder Begrist, als Ideal galt, der Schwerpunkt in der Kabinettsmalerrr lag und der Herr Amateur sich an ihren Werken ergötzte, wahrend die große Monumentalkunst und das Volk leer ausgingen Die Hagedorn, Fueßlin, Leser und Salzer, alle d.eie Kunstlckeraten und Aestheten stehen samt dem stolzen Mengs vor dem modernen Rich erstM als trockene Schemalikcr. die von der irnchen Natur nnberuhtt geblieben sind. Immerhin hat die Dresdf»cr Kunitakademie ge­nügenden Grund, ihres ersten Direktors Chmttan Ludw, gvon HgL-- dorn in Danlbarkeit zu gedenken. Er war geboren am 14. Fe­bruar 1713 zu Hamburg und starb z» Dresden am4. Ja­nuar 1780. f

Henriette Fcucrbach überParsisal". In unfern Tagen, da durch das Freimerdm^rWaqncrsä)en Werke die Auseinandersedung üd^r den ,,Parnsal 5eiondcr^ lebhaft ist lind die Aeußerungcn einer Frau, die ttcher ein olienes Herz ür alle Kunst batte, über denPariisal" höchst intercssant, umso mehr, als sie viel Zustimmung finden werden.

Hcnttettc Feuerloch, wie imr in ihren von Uhdc-Bernasts herausaeaebenen Briefen sinden, war zunächst vomPariisal" tar^rübr. Am 25. August 1882 schreibt sie an Emma Ribbeck: Parsiial" ist ein merkwürdiger Abschluß: wenn Wagner nock'rine Oper schreibt, so wird, sie abwärts gehe» Es ist eine religiöse Thal, eine 'sündererloning, tue er sur sich selber ge­braucht Hat, und sie ist so crn stgcmeint, daß man nicht an Theater und Entweihung denkt." ..

Einige Zeit später aber ichreibt fic:

DerParsiial" ist, nachdem ich den Klavierauszug in die Hand bckmnmen. seines sinnlichen Zaubers beraubt, vor meinen Äugen in einen Abgrund versunken, aus dem ich ihn nicht heraus­ziehen will sür mich, sondern ich gebe ihm eine Grabschrist, die lwißt:imisikaltsche Armuth", und so wird es recht sein. Wie man die Einleitung als Konzertstück spielen kann, ist kaum zu begrciscn, denn sie ist eben nichts. DretLeitmolive" und dazwischen ge­brochene Akkorde in derselben Tonart aut und ab. Das einzig interessante alte Rottv ist aus einer alten Meste, die man in

Dresden beim LIbcndmahl in der Kirche singt. Wagner ist alt und solllc nicht mehr schreiben."

Auch ihre sonsttgen Acußcrungen über Wagner verdienen an- gesührt zu werden. Sie schreibt: >

An Sophie Kayscr, 10. Octob. 76.

Wir haben zu glcick>cr Zeit gewagnett, ich nämlich den Siegfried, und ich habe ihn mit tiefer Bctrübniß aus der Hand gelegt. Wenn das Kunst ist, d. h. die Kunst des 19. Jahrhunderts, dann sollte unsere Welt das 20. nickst erleben. Sinnliche Nach­ahmung sinnlicher Gegenstände mit technischem Geschick und voll­kommener Geschmacklosigkeit und mit besonderer Vorliebe sür das Ungeheuerlich-Häßliche, das ist Alles."

An Herrmann Levi, Nürnberg, 4. 11. 76.

Ich wäre recht begierig, einmal ein vernünstiges Wort über die Wagnerei zu hören. Meine Natur tteibt mich aut die Anti- Seite, aber ich möchte nicht Unrecht thun, und doch muß ich mir immer denken, es sei eine pathologische Kunst, die mehr die Nerven als den Geist trifft. So ist ja überhaupt alle moderne Kunst, wie sie auch heißen mag."

Vom Feste der Gclehrsam kert. Anfang Februar feiert man in Indien das Fest der Sarasvati, der Göttin der Wissenschaft. Wer zu ihr Beziehungen unterhält, der huldigt ihr dann in seinem Hause aus sinnige Weise. So werden dem Bilde dieser Gottheit, die meistens als weiße, vierarmige, sitzende Frauen- gcstali dargestellt wird, nicht allein Blumen dargebracht, sondern man häust und türmt vor ihre Statue auch eine Nlenge Bücher und Manusknpte. Ter Jndiensorschcr Richard Garbe, der Ge­legenheit hatte, das Fest der Sarasvati in verschiedenen Häusern feiern zu Helsen, fand unter den aufgcstapcllcn Schätzen auch europäische Trucke, so beispielsweise 2Nar Müllers lleine Ausgabe des Rigvcda. Wer nun aber etwa meint, daß an diesem Tage der indischen Athene zu Ehren auch ordentlichgebüffelt" werden müsse, der irrt sich. Es gilt im Gegenteil als Frevel, am Feste der Gelehrsamkeit zu lesen oder zu schreiben. Sarasvati. vor deren Bild man am Festabend auch noch zur Huldigung Lampen schwingt, würde sich schwer beleidigt fühlen, wenn man an ihrem Ehrentage ein Buch benutzen oder eine Feder anrühren wollte. Uebngens soll die Götnn der Wiffcnschast mit einer anderen indischen Gottheit aus dem Kriegssnß stehen. Sie sei, so sagt man ihr nach, verseindet mit der Glücksgöttin Lakschml. Man kann daraus leicht erkennen, daß auch im Wunderlandc Indien die Ge­lehrsamkeit sich oft nicht recht zulohnen" ichcuit.