Sbf i die St oft eit Sfr I) n t) e t c u schule» und endlich der Antrag. brtr die Beschränkung der Zuständigkeit der Ro- t «re in den Provinzen Siarkenbnrg und Rheirihcsscn enthalten zu- »rei|i nur Ausiubrnngeit zu bekannten Dingen und bieten vorerst \u besonderen Erörterungen keine Veranlassung.
CaitiAc» Heicb.
Kleine Anfragen im Reichstage. Im Reichs' tage sind von sozialdemokratischer Leite zwei Anfragen gestellt worden über »nstiinmigkeiten bezüglich der Invaliden- versicherungspslicht der in Grenzbezirken wohnenden Arbeiter und über die Versagung der Erteilung von Arbeiterlegitimationskarlen an ausländische gewerbliche Arbeiter. — Ter Abg Behrens Wirlschaftl. Bereinigung) erkundigt sich nach dem Stande der Vorarbeiten zur gesetzlichen Regelung des Arbeitsrechts der in der Gärtnerei Beschäftigten.
Im preußischen Ab g e o rd » etc » ha u s e wurde zuin Fiistizhaushalt am Mittwoch ein Antrag A r o n - s o h n (Bolkspi) angenommen, in dem die Regierung ersucht wird, dein Hause eine Denkschrift vorzulcgen, die über den fetzigen Stand der Aefängnisarbeit, insbesondere über Umfang und Art der Beschäftigung von Gefangenen, über die dafür gezahlten Löhne und über die Tätigkeit der für die^cinzelnen Provinzen cingesetzien Beiräte Aufschlust gibt.
Die Iv ü r r I e IN b c r g i f ch e Zweite Kg IN »I er nalnn au, Mirüvoch einen Antrag an. in dem die Regierung ersuch! wird, im Bunvesrar für eine möglichst baldige BeftebungderFabr kartcnsteucr einzulretcn unter der Voraussetzung, da» der dadurch entstehende Ausfall ohne Erböhung der Malrikularbeiträge gedeckt wird. Ministervräiidcnt Tr. v. Weizsäcker erklärte, dast er mit diesen« Antrag einverstanden sei, da er der Regiernirg ,m BundeSrat eine stütze bieten^werde, Ivcnn dort wieder einmal die Frage der Aushebung zur Sprache komme. Vielleicht werde die Steuer noch einmal abgeichafst werde». Einer Erhöhung der Ma lrikularbciträge würde sich die Regierung mit aller Entschiedenheit widersetzen.
an»l<in&.
Dar Diktator B u a n s ch i k a i. Durch ein Edikt AuanschitaiS wurden alle setbstverwaltungsorgan.' der Pro vinzen bis zur Reform der Landschaftseinrichtungen auf- gehoben mit der Begründung, dast nach der Erklärung einiger Gouverneure die Landschaften ihre Befugnisse überschritten, die Gesetze verletzen und Mistbräuebe duldeten. — Die Teputiertenwahl für den Ausschust zur Abänderung der Verfassung wird planmätzig rn drei bis fünf Monaten durchführbar fein.
Die in Frankreich celmieten Si cher.
Straß bürg i. E, 4. Febr. Ter abmontierte AlbatroS- toepeldecker der Metzer Momroffizferc liegt zurzeit am Bahn- I-oi Luneville, Die beiden Metzer Flle leraifiziere, die b:i Lune- ville gelandet waren, find um 6.55 Uhr abends in Trutsch - Aoricourt eingo! raffen u id um 7.2) Uhr nach Metz Weiler gereist. Bon Teulfch-Avricanrt aus telephonierten die Osf.ziers- ilicqer nach Metz, dast ihnen um 2 Uta 31 Minuten gestattet ivorden ist, Frankreich zu verlassen, tim 0 Uhr 56 Minuten ivürden sie in Metz einireifen.
Paris, 4. Febr. Agenec Havas. Tic Untersuchung der Militärbehörden von Luneville ergab n i ch i S Bl e l a st e n d e s >ür die deutschen OfkizierSflieger. Tee KriegSminifler gab daraus- I>in bezüglich der Abreise einen günstigen Bescheid. Ter ab- i,«alliierte Apparat wird mit der Bahn zuriickgeschaifr.
Zwei Reichstagsabgeordnete nberfakren und schwer verletzt.
Fn Berlin wurden am gestrigen Mittwoch vormittag & i Uhr die beiden Vertreter der ZentruinSfraktion des Reichstages, Benedir Hebel, Vertreter des st reifes Schwaben 4, und der geistliche Rat Tetan und stadtpfcrrrer Johann Puetz, Vertreter des Kreises Schwaben 2, an der Kreuzung der Blücher- und Mitlemvalder Straße von eineni Trofchkenaiitomobil um gef ähren und zur Seite ge|chlcudert. sie wurden beide schwerverletzt und nach dem st. HedwtgS-Krankenhause geschafft, lov sie zurzeit noch bewußtlos und nicht vernehmungsfähig darnieder! iegen.
Der Deutsche Abend.
(stießen, 5. Febr.
Ter deutsche Abend zur Unterstützung des Dcurfch- tnms im Auslände, den die völkischen Vereine der Stadt gestern abend in Steins Warten veranstalteten, hatte sich eines so autzerordenttich starken Besuches zu erfreuen, dast schon lange vor Beginn kein Plätzchen mehr zu haben war und eine ganze Menge von Besuchern stehend den G?- nüsfcn des Abends folgen mustte Ter Saal, der mit den Landes- und Reichsfarben sowie mit Tannengewinden aus geschmückt war, bot durch die festlichen Gewänder der Damen und die farbigen Mützen det Studenten ein an mutiges, abwcchfekungsreicheS Bild, in dem die jungen schönen natürlich im Vordergrund stände».
Rach dem Erösfnuugsniarsch hielt Herr (steh. Rat Haupt, der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für das Tcutfchtuni im Ansla>,de. die Begrüßungsansprache, in der er folgendes ausführte.
Hochverebrlicke Festveriammlung'
Im Rainen uns Auftrag des Festausichniies danke ich Ihm» allen für Fhr Erscheine» in unser», Deutschen Abend und beiste sie aufs herzlich»« wilkkomme». Das heutige Fest soll dazu dienen, dos Deutschtum im Ausland zu fördern und zu stärken, indem es alle deurickgeiinnten strecke unterer Trabt, Männer und Frauen, in gleicher treuer Liebe zu unierm Volkstum, im gleichen warn, herzigen Anteil an den Geschicken und Nöten »nicrer i» iernem Lande bedrängten und känipienden Volksgenossen zu enger gei. Niger tstemeinioiart in diesem Saale zuiammcMührl Und wahrlich, tzn solches Beimnen auf innere Pflichlen gegenüber unserem dem scheu Volkstum, ein solches schärfen unseres nationalen Gewlsstns tut jedem von uns inmitten der .Hast und Bielgeschäftigkeit deS Tages. iumilien politiicher und sozialer Zerklüftung dringend not All,»leicht und alizndit wird vergessen. Satz es außerhalb der deutschen (strenzbiähle ein größeres Teutichlanb gibt, politisch ans einanderitiehend und vom nniichtbar zuiamniengehalten durch das Band der Polrsgemeimchast Gegrm IC Mill. Tenifche wohnen in Oestereeich-Ungarn. der Schwerz, Belgien und Luremburg, zwei Mcklionen in Rußland, ,»euere Hundertlanienbe in sonstigen slaa >en unseres Erdieils. Dazu komme» nicht weniger als i.'l—14 Millionen in außereuropäischen Ländern, die Blut von unseren, Blme. lind, die gleiche Sprache und Sitte mit uns eint. Und wenn doch etwa einer die Betonung jener einigenden geistigen Bande als etivaS Ueberichwängliches und sentimentales kaltsinnig und philisterhait von sich abweisen loollte. so »rüßre ihn schon die nüchternste egoistische Berechnung eines Beiieren bekebrtm. Mi/ der Förderung des Teulschtums ienieitS unserer Grenzen, jo NN menttich in Oesterreich, dienen wie zugleich der Stärkung der politischen Macht und Widerstandskraft nnieres Reiches, das für den stanwf gegen die uns von Osten mrd Westen her bedrotanden Grane der Bundesgenoiienichast eines starke» Oesterreichs und zwar eine in deutschem Geiste genitalen Oesterreichs „ickn enlraier, kan», link Nicht minder in das Auge springend sind die Früchte, dir UNS ander Pflege deutschen Wesens bei alle» den Volksgenosse» erwachsen dir als Pioniere deutschen Handels und Uvlernebm„ngsge,ste-. in feine Weilen hinausgezogen und dort die Borlämpser und
Bahnbrecher für unsere wirtschaslticheu Kräfte und .Bestrebungen geworden sind. Indem wir die Schulen, Kindergärten, Büchereien und Wohliabrtseineichtungen ,ener Ausländsdeutschen unternutzen, für die Ausbreitung unserer Sprache und für die Wertschätzung unserer Botksart in den Balkanländern, in Asien, Amerika und bis in die fernen Südseeland« hinaus uns einietzen. starken wrr iugleich die wirtschaitliche jSraft und damit wieder die paliulme Machtstellung unseres deutschen Vaterlandes. Hat doch sie Erfahrung der letzten Jahrzehnte gelehrt, daß Handel und .zndustrie mehr als der staatliiben Flagge, der Sprache und den« Botkslui» lölgen, daß ausgeprägtes nationales Selbstgefühl am Ilchersteii auch zu wirtschaillichen Erfolge» führt. So wird denn auch kume lleberjegung und nüchterne Rechnung und den gleichen Weg nie den richtigen erkennen lassen, den zu beichreiten unter warmes vaterländisches Empfinden uns autrecht. Immer wieder wird sich uns das Herz empören, wenn wir sehen, wie unsere Volksgenolien in der Ostmark, deren iabrhunderllangen unermüdlichen treuen Arbeit jene Landschallen ihre ganze blühende Kultur verdanken, wie diese osrmärkischen T.aitsckicn heute einen verziveiielre» Kamps mit deutsches Wesen und deutsche Sprache führen müssen, unter Herz erfüllt es aber auch mit freudigem Stolze, daß unsere deutschen Bruder von Fahr zu Fahr mit immer irilcherein Mute, mit immer leidenschaitlickierem Berscrkerzorn sich gegen jene Angriffe zur Wehr setzen, und daß ihr tapferer Widerstand den Meter Orten schon verloren gegebenen Enckcheidungskamps gegen vielfache slavitche Uebermacht wieder zum Stehen gebracht hat. Wer von uns möchte diesem gewaltigen Ringen, besten Ausgang für die ganze Zukunft deurl'cher Geschichte entscheidend lern wird, teilnahmslos zuschanen und von der beispiellosen Ovferwillig- keit der romanischen Völker, vor allem ober der slavischen Stämme sich länger beschänien lassen? Tie deutschen Sckmtzvereine »n'erer Stadl, die den ersten Anstoß zur Abhallring dieses Festes gegeben haben, der Verein für das Teurichtnm ün Anslande, der Alldeutsche Vertan'', der Bund der Teursche» in Böhmen und^ der Sütmarkvercin, sie alle e-äisnen einem ,eden von Ihnen der sich ihre» Bestrebungen amchkseßen lvill, ein ^ ungemein danlb'rcs Arbeitsfeld. Soll das heutige^ Fest auch im weienrlichen deni Dienste der hei'eren Mustn gew-ihk sein, so dürfen wir doch honen bah Tie alle durch unseren Deutschen Abend in dem Entschluß bestärkt werden, an der veranckvorNings- vollen Arbeit der deutschen Schntzvereine tatkräftigen Anteil zu nehmen. Lassen Sie „ns in gemeinsamer feuriger Hingabe an »liier geliebtes deutsches Vaterland dazu helfen, daß dir Dämme, die deutsche Volksart auf fremder Schalle gegen die wild andringende Sturmflut feindlicher Angriise ichirrnen und schützen sollen, daß diese Dä>nme stärker und stärker werden, und dast durch unsere brüderliche Hilfe unsere» Volksgenossen ,m Auslände deutsche Sprache, Sitte und Art i» alle Zukunft erhalten bleibt.
Zn solcher frohen Zuversicht bitte ich Sie. der uns beseelenden Liebe zu unserem Bold- und unserer Ehriuechl vor dem erhabenen Schirmberrn des Deutschen Reiches, cki dem sich uns unsere nationale Einheit verkörpert, Ausdruck zu geben, indem Sie mit mir ein- ü.rmmen in den Ruf: linier deutsches Volkstum, soweit die deutsche Zunge klingt, und Tetne Majestät, Kaiser Wilhelm II., sie leben doch!
Nach dem Hoch aus Kaiser und Volk, das von der festlichen Versamittlunq begeistert ausgenommen wurde, durchbrauste die erste Strophe des Liedes Deutschland, Deutschland über alles machtvoll den Saal, der sich inzwischen bis zum allerletzten Plätzchen gefüllt horte.
Frau Laudgerickitsrat s-ch u d t, die über eine lveich« und sehr ausdrurkssähige Stimme verfügt, sang mit inniger Beseelung zunächst vier liebe deutsche Lieder und zwar Heimweh von Hugo Wol>, Auf dem Rhein von Nob. schu- niann. Schwäbisches Volkslied von C. Reinecke imd Alldeutsches Tanzlied von Eugen Hildach. Zur großen Freude der Zuhörer, die lebhaften Beifall spendeten, entschloß sicki Frau Landgerichtsrat Schudt zu einer Zugabe, die ebenfalls außerordentlichen Antlang fand. Herr Weh. Rat Haupt überreichte ihr ein Btnmengebinde.
Sehr schön und farbenprächtig war der von acht Paaren in Kostüm vorgefiihrte Biedermeierlanz, der so außerordentlichen Anklang fand, daß er wiederholt werden mußte.
Den HauPtanziehungspnnkt des Abends bildete die Aufführung des tüiklicheu Tatterich, der seit Fahren hier nicht niehr öffentlich gegeben worden war. Der biedere Darmstädker Humor, der durch die gute Darstellung rechi wirkungsvoll zum Ausdruck kam, zwang auch die Z-uhörer in ihren Bann, die der Mimdart nicht immer genau folgen fomtten, und so kam eS denn, daß während der zweistiin-, digen Aufführung beständig lautes Entzücken herrschte. Leider war das stück nicht unwesentlich gestrichen worden; neben der Äandwerlerszene vermißte inan vor allem den Austritt der Musikanten in Traisa und die köstliche Geschichte von dem Feuer in Tuurmbachs Haus, das einige Nachbarn schon ivahrgenommcn haben wollen. Tie Rücksichten auf die Zeit und vielleicht auch der Mangel an geeigneten Darstellern mögen die Kürzungen veranlaßt staben, die allerdings so glücklich vorgenommcn worden lvaren, daß der Eharakter des Stückes nicht beeiutrachiigt wurde. Auch die Darstellung bemühte sich mit redlichem Eifer um den Erfolg, und wenn auch Begabung und Sprechvcrmögen bei den einzelnen Mitwirkenden sehr verschieden ivar, so kam doch ein treffliches Ziisammenspiel hcrailS. Rur langsameres Sprechen und die bessere Wahrung uon Lacki- pansen lväre zu wünschen gewesen, Schwächen allerdings, die bei Liebhaberaufführangen nnverineidlich find. Auch die einzelnen Leistungen waren recht wacker, allen voran die des Herrn Kraus als Tatterich, der dem mit allen Hunde» gehetzten, liebenswürdigen Trunkenbold eine äußerst glückliche Eharakteristik verliest. Eilte sehr schöne Figur machte Herr Schmäht als Trcchflergefelle Schmidt. Glänzend lvar die Familie Tummdach dargestellt durch Herrn Lotz sowie die Damen Kutsch und Behaghel. Einen famosen Schneider gab Herr Keßler, einen tüchtigen Metzgermeister Herr Herbst. Das Kleeblatt der Freunde lvurde von den Herren Koch, Re in eck und Lanz, sas Lifettchen voir Frl. Haubach eindrucksvoll verkörpert. Einen Teufelskerl von einem Schuster bildete Herr Schüler sehr natürlich. Herr Kr ü h l e als Polizci- diener und Herr Kittncr als Wirtsjunge fügten sich ebenfalls gut in das (tzesamtspiel rin. Ter Beifall war über die Matzen stark.
Nach der Aufiühruug bcgaiiu der Tanz, der durch di: Tarbietuugc» einer Zigeuncrtruppe abwechselungsreich unterbrochen wurde und die Fügend lange aufs beste unterhielt.
2lns Stadt und Land.
Gießen, 5. Februar 1914.
Massenmord in (stießen.
Einen entsetzlichen Mord an seiner Frau und se i n e n v i e r K > n d c r n hat heute nacht der Milch- kutscher Wilhelm Lehmann verübt, und hat sich dann s e 1 b st auf den Eisenbahnschienen vom Zuge überfahren lassen.
Heute morgen um 4 Uhr hörten Postbeamte am Ersen- bahiiviadukt an Ser Westanlage ein stöhnen, das von den Eiienbahnschienen her kam. sie forschten nach, konnten aber jei der »och herrschenden Tunkelheit von der löammftcaße ins nichts entdecken, sic erstaricten ioivrt istren Vorgesetzten Meldung, die die Eiienbiihnverwaltiing vcrmilaßte, Nach
forschungen anstellen zu lassen. Man fand den schwer verletzten Milchkulscher Wilhelm L e h in a n n aus den Schienen; es waren ihm beide Beine abgefahren worden. Er wurde nach der Klinik geschafft und ist dort um 6';', Uhr seinen Verletzungen erlegen.
Um die Ursachen zu dem Selbstmord scstzustctlcn, begaben sich die Schutzleute Schniidtll. und Tier lamm iu die Wohnung des Lehmann, die sich .Hammstraße 15, zwei Treppen, im Eulerichen Hause befindet. Als istnen dort die Tür nicht geöffnet lvurde, verschafften sic sich selbst mit dem vor der Tür liegenden Schlüssel Einlaß und gingen zusammcli mit dem Metzger Heinrich Bensel in die Wohnung. In beiden Z i m ,n c r it bot s i ch ihnen ein furchtbarer Anblick. Zn dem einen lag der Leichn a in bet Stau, in dem andern die Leichen der vier Kinder. Sie alle schwammen im Blute in ihren Betten. Neben dem Bette der Frau stand die blutige Holzaxt, mit der Leb mann seine Angehörigen betäubt hatte, auf deni Boden lag ein großes Messer, mit dein er ihnen die Kehlen durch schnitten hatte. Ein acht Seiten langer, mit Bleistift geschriebener, ebenfalls mit Blut bespritzter Brief gab vol, der grausigen Tat Zeugnis. Mit ruhiger Hand hatte darin der Mörder niedcrgeschrieben, daß er wegen seiner Unglück- lichcn Ehe sich und seine Familie aus der Welt schaffen wolle: zunächst sprach er davon, er ivürde seine Kinder schonen, dann aber meinte er wiederum, daß sie auch nicht am Leben bleiben sollten. Weiter teilte er mit, daß er f i ch vom Eiscnbahnzuge überfahren las s e n wolle
Lehmann ist 1881 geboren, war früher Bierkulschcr beini Bierhändler T rechsler und ging später beim Milch- Händler Karasch als Milchkulscher in Stellung.
Tie Frau, eine geborene Graulich aus Wies eck, ist ebenfalls etwa 50Jahre alt, )ie war schon einmal verheiratet und hatte zwei Kinder aus erster Ehe mitgcbracht. Ihre Vermählung mit Lehmann sand im Mai 1013 statt. Bon Lehmann stammten ebenfalls zwei außereheliche Mnder her. Das älteste der vier Kinder war >4 Fahre alt, die übrigen standen im 12., 11. und 4. Lebensjahre. Die Kinder aus erster Ehe waren der Grund zu ehelichen Z w i st i g ketten, die den Mann dermaßen verbitterten, daß er die entsetzliche Tat bei vollem Beloußtsein und kalter Ueber legung vollführte. Er hatte schon vor einiger Zeit nacli einem Streite sich mit dem Messer aus seine Frau stürzen wollen, lvurde jedoch rechtzeitig von seinem Flur- nachbar daran gehindert.
Vorgestern abend erzählte er Bewohnern des Hauses von seiner unglücklichen Ehe und warf seiner Frau vor, sie zöge die beiden Kinder, die nicht von ihm stammten, den anderen vor, er selbst habe die Frau ausgesteuert und habe chr 500 Mark mit in die Ehe gebracht.
Gestern abend um > ,12 Uhr ließ er sich in der Wirtschaft Euler einen Krug Bier geben; man merkte ihm nicht die geringste Erregung an. Darauf verließ er das Haus, um nach einiger Zeit wieder seine Wohnung auszusuchen. Zn dieser Zeit ivird er die Tat ausgeführt haben. Von den Nacki barir, die auf demselben Flur wohnen, hat niemand etwas gehört, oblvobl zwischen dem M a n n e und der Frau wie auch dem ältesten Kinde ein Kampf statt- aefunden haben muß, da ihre Hände Verletzungen aufwiesen. Auch wann der Mann das'HculS wieder verlassen hat, konnte kein Hausbewohner angcbcn.
Nach den bisherigen Feststellungen handelt c-s sich also nicht um die Tat eines Wahnsinnigen oder Trunkenen, viel mehr steht es fest, daß selbst ein so grauenhafter Massen mord an den nächsten Angehörigen von einem Menschen bei normalen Sinnen ausgcführl werden kann. In dem bekannten Falle Wagner, der ja auch nach seinen blutigen Taten anscheinend klare Eröffnungen über seinen Seetenzustand gc macht hatte, war man trotzdem sofort geneigt. Wahnsinnsvor stellungen als vorliegend anzunchmcn, denn es ist furchtbar schwer und ernst, sich auszudcukcn, daß der letzte Rest von Menschlichkeit auch bei den unglücklichsten Umständen aus einem Manne ausgelöscht lverden könne. Aber der vorliegende Gicßencr Fall zeigt uns doch klar, zu welchen schrecklichen Folgen ein verbittertes Familienleben stihren kann. Lehmann lvar nicht vorbestraft, und da er sich selbst das Leben nahm, fehlten alle Motive etwaiger Selbstsucht. Es ist schwer auszudcnkcn, was nun aus dem Manne lverden müßte, falls er nicht selbst sein Schicksal sich schon gegeben hätte. Dunkel würde den Gerichten wohl auch stier das seelenkeben des Mörders zur Beurteilung vorlicgcn, und vielleicht würden sich auch hier, wie >eyt gerade im Falle Wagner. Sachverständige gesunden haben, die sich für Geistesvei'- wirrung als Ursache der Mordtaten ausgesprochen hätten. Lehmann würde ciitlvcder dem Schafott oder dem Irren Haus überliefert worden sein. Es ist kein allzu großer Unterschied, ob ein Mörder seine Dorsgenossen mit der Schußwasse niederknallt, oder mit ähnlicher kalter Ueber- legung seine gesamte Familie mit Beilschlügen ins Jenseits befördert, um ihnen dann noch die Kehle zu durch-, schneiden »>,d gleichzeitig in einem acht Seiten laugen Briefe eine Art von Rechtfertigung vorznvringen. Auch der Lehrer Wagner hatte ja das Bedürfnis gehabt, in Briese» seine Taten und ihre Beweggründe zu erklären. Ob der hiesige Fall, der wahrlich zu den ichrecklichsten gehört, von denen seit langer Zeit die :Rede gewesen ist, de? gcrichtlick)- medtzinischen Wissenschaft ebenfalls ergiebiges Material zu bieten vermag?
Bon der Straßenbahn.
Das Verkehrsbild der städtischen Straßenbahn im 4. Vierteljahr l!113 stellt sich wie folgt (bic in Klammern gestellten Zahlen sind die beförderten Personen des gleichen Zeitraumes im Vorjahre):
Rote Cime grüne Linie beide Linie» zus. Personen ISIS <177 9011128 374 ,129397) 303614 ,407 2231
Zilnakmie 2339 Fahrten , venia. 943 Fahrt. Niel, r 1338 Fahrt. Die Einnahme aus dein Personenverkehr betrug:
Rote Linie grüne Lniie t e>ee Linien zu!, ’f. 17 624 17 '44) Mk. 12 528 <12 60:11 Alk. 40 152 ,29 944 ,
'-Etoi» mau, was unzweifelhaft durch die Ersachruug ieitgestellt zu erachten ist, die Zunahme oder Abnahme des Verkehrs der Elektrischen als Maßstav für den Handel und s.andcl in unserer Stadt betrachtet, so bestätigen die Zab» len, was wir bereits im Dezember wiederholt berichten s"Een, d»tz der Geschäftsverkehr im Weihnachtsviertel- w G'gen das Vorjahr erheblich nachgelassen hatte. Brachte doch die Elektrische im Vorjahr gegen das Weih- nachtsviertellahr IOU ein Mehr von 8200 beförderten Per- jomm auf, wobei der grünen Linie mit 7300 Fahrten der Loweuantett zuficl, die in 1913 leider einen Ausfall von rund^ ltlliO Personen zu verzeichnen Hai. Wenn man bei rer Straßenbahn mit der natürlichen Vermehrung deS Vcr « rechnet, den dieses Bcrkehrsmiiiel erfahrungsgemäß schafft und den man rin Durchschnitt jährlich auf 5 Proz.


