Ausgabe 
28.1.1914
 
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Jc^niru'it Nach Ueendtguiiq des JustizvoraujchlcigS soll der Voranschlag de-:. Mrnisteriiiins de-) Jfmtcnt auf die Tluies- ordmrnfl gesetzt wert»'». Voraussichtlich werden die Not standscinsraqen schon in der ersten Februarwoche zur Be­ratung gestellt werden, also noch vor dem Beginn der Be­ratung >ür den Voranschlag de) Ministeriums des Innern.

Au»la«iv.

Deutsche Mißerfolge in der Türkei. Wie ge- titeldet wird, sind durch ein englisch türkisches Ucbereinkom-- mcn aus jüngster Zeit alle Petroleum quellen in Me­sopotamien und Syrien cnzlischen Ilnterne' mcrn vor! chatten. DaS llebereinkominen gelte, so luiib der Meldung hinzuge- sügt, nicht bloß für die Quellen, deren Betrieb noch nicht ver­geben ist, sondern auch >ür diejenigen, die von Privatund lernehmern bereits betrieben werden. Tic betr. Privatun­ternehmer seien benachrichtigt worden, daß sic ihre Konzessio­nen nur an Engländer verkaufen dürften. Wenn sich die Nachricht bestätigt, so wird dadurch aufs neue bewiesen, daß unser Einfluß in der Türkei schivindet. Deutschland hätte, schon im Hinblick aus die beabsichtigte Einführung eines deut­schen Petroleumhandclsmonopols, alles daran setzen sollen, sich den Bezug von Petroleum namentlich aus Mcsopola- micn durch den Erwerb dortiger Quellen zu sichern,

Italiens Außenhandel, Nach den vorläufigen Feststellungen betrug der Einfuhrwert Italiens im Jahre 1913: Aus Dcutfn, land 612,5 Millionen Lire, Großbri­tannien 601,l Millionen, Bereinigten Staaten von Amerika r >0f>,6 Millionen, Frankreich 280,9, Oesterreich Ungarn 264,1, Argentinien 173,9, der Schweiz 88,5. Tic A u s f u h r nach Deutschland bezisserte sich a»s 336^7 Millionen Lire, Großbritannien 261,1, den Bereinigten Staaten 257,7, der Schweiz 248,6, Frankreich 230,9 Oesterreich Ungarn 218,8, Argentinien 190,3. Die Einfuhr aus Deutschland zeigte gegenüber den definitiven Zahlen des Jahres 1912 eine Zunahme um 13,8 Millionen, die Ausfuhr nach Deutsch­land eine Zunahnie um 8,4 Millionen Lire.

Agitation für d i e s ch w e d i s ch e F l o t t e. In beiden Kammer» Schwedens wurde am gestrigen Dienstag von den Mitgliedern eine Borlagc zu dem neuen Banpro-- gramin für die Küstenslotte cingebrachl. Bon 1915 bis 1919 sieht die Vorlage den Bau dreier Panzerschiffe, dreier Unter-- secbole und zweier Torpedojägcr vor. Tie Kosten betragen außer den früher bereitgestcllten 7 430000Kronen noch 7s» Millionen jährlich.

D i c ch i n e s i s ch e B c r f a s s u n g. Aus Peking ivird gemeldet: Ein Edikt des Präsidenten bestätigt die vom Ber- waltungsrat onsgearbcitete Ordnung für die Bildung eines Ausschusses zur Abänderung der Verfassung. Ter- Ausschuß soll sich aus vier von der Residenz, zwei von jeder Provinz, acht von der Mongolei, Tibet und Kukunor und vier von der allgemeinen chinesischen Handelsliga gewählten Mitgliedern zusommensetzen. Znr Teilnahme an der Wahl sind nur die intelligenten und ivohlhabendeu .Klassen zugelassen. Ter erste und zweite Vorsitzende des Ausschusses werden aus Mitglie­dern des Ausschusses gewühlt. Tic Beschlüsse des Ausschusses unterliegen der Bestätigung durch den Präsidenten.

Arbeiterbewegung.

& ndoII, 27. Jan Als Antwort aus die Ausspcrrung von 3 7 000 Arbeitern im Baugewerbe, die das Ver­sprechen nicht imlerjeichnen wollten, mit Nichtorganisierten Ar­beitern zusammcnznarbklten und im llebertretuirgssallc 20 Schilling Geldbuße zu zahlen, hat die Gcwerlschojt der Verwaltung der Ar bener im Baugewerbe gestern abend beschlossen, einen A n s - sta n d zu organisieren, dem 18 Verwaltungen a n- gehören. Es soll -nicht nur in London gestreikt werde», sondern der Ausstand^sci auch in der Provinz zu emvfchlen. Durch ihn imirden die Schmiede, Monteure. Elektromontcnre, Anstreicher, Schnitzer und Banschreiner betrossen werden, und die Zahl der im Baugewerbe feiernden Arbeiter würde sich auf 100 000 belaufen.

Ter R a t i n » a I r n t des französischen Kohlen - arbeiterVerbandes hat sich für l-in Programm ausge­sprochen, das die Forderung eine« Ruhr-Gehalte« von 2 Franks in,' 50. Lcbeiis-jnhre nach einer Arbeitszeit von 25 Jahren ent hält. Er erhob Protest gegen die langen Schichten, die die Ge- 'cllschasien Mieder cinsührcn wollen. Ferner iourde beschlossen, den Nationalrat von neuem emzubcruscn, sobald über das ttzefetz betr. das Ruhegehalt der Mincnarbeitcr im Senat abgestimml worden sei, und gemäß dem Ausfall der Abstimmung Maßnahmen zu trciscii.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 28. Jg»uar 1914. Das q-werbliche Untrrrichtswesen in Hesse»

crsordcri im Etalsjalr 1914 einen Gesamtaufwand von 266 471 Mark, dem eine Ein,,ahme an Schulgeldern usw. von 25 000 Mark gegenüberstchl. Es sind im Großhcrzvgttnn im ganzen 16 ver­schiedene gewerbliche Schulen vorhanden, deren Aufwand vvni Staat bestritten wird.

An erster Stelle steht die Gcosch. L a n d cs b a u g c w e r I - schule in Dari»stadt. sür die erst türzlich ei» stattlicher Neubau in der Ncckarslraßc erlichtet wurde. Das Lchrpersonal dieser An- stalr umfaßt neben dem Direktor acht .Hauptlehrcr, darunter drei mit akademischer Bildung, einen Fachlehrer und mehrere Hillslehrer. Die versüiilichc» Ausgaben für die Schule stellen sich aus 17 958 Mk. die sachlichen Ausgaben am' 8492 Mk., in Summa 56 450 Mk., denen eine Einnahme an Schulgeld von 24 000 Mk. gegennberstebt. Gewerbeschulen besitzt die Provinz S t a r ! e n b u r g 3, nämlich in Darmstadl. Benuhcim und Michclstadt Die Provinz Ober- Hesse» besitzt 5 Geweibeschnlen und zwar je eine in Alsfeld, Büdingen, F r i c d b e r g . Gießen und Nidda. Die Pro­vinz Rheiiihclscii hat 2 Gewerbeschulen, sc eine in Alzci, und Worins.

Daneben kämmen mehrere 'besondere Schulen in Betracht. Zunächst die .K n » stg e w e rbe und Handwerke rschulc in Mainz, dcic» Lehrkörper ans dem Direktor und 6 Lehrern besteht und deren Besoldung einen Aniwaiid von 34188 Mar! erfordert, wozu »och ein Aufwand von 35 510 Mark für Vergü­tungen a» Hilfslehrer kommen. Tie Gesamtausgabe» der Schulen Nelle» sich aus 96 626 Mark. Zur Deckung trägt »eben einer Einnahme a»S Schulgelder» ustv. von 28 768 Mark die Stadt Mainz 27 400 Mark, die Kreiskaise 1500 Mark, die Krcisspar- kaisc 1250 Mark und der OrtSgcwcrbcvcrein 824 Mark bei: den Fehlbetrag von 33 183 Mark deckt der Staat. Tic für da« cr- weiteile Schuigedände insgesamt vom Lrtsgewerbcverci» ansgc- mcndeicn Kosten stellen sich aus rund 470 000 Mark, so daß die jährliche Leistung de« Ortsgcwcrbevereins zu rund 21 150 Mart Prozent der summe zu veianichlagcn ist.

Die Technischen L c h r a n st a l t c » in Osse » bach be­sitzen neben dem Direktor 6 Lehrer, darunter 2 mit akademischer Bildung, und eriordcrn einen persönlichen Aufwand von 36 472 Mark, dazu sür Vergütungen an Hilfslehrer 66 724 Mark. Tie Gci'amiausgabc» stelle» sich aui 139 016 Mark. Zur Deckung dieser Summe werden a» Schulgeld 46 850 20«arf vereinnahmt. Der Beitrag der Stadt Osienbach beträgt 46 356 Mark. Neben einige» sonstigen Einnahine» im Betrag von 4660 Mark hat der Staat als Zuschuß 41150 Mark zu leinen.

Tic Baugewcrk- und Gewerbeschule zu Bingen besitzt neben dem Direktor 4 Hauvtlchrer und l Gewerbelehrer, wofür an Gkbalt und Wohnungsgeld 21928 Mark verausgabt werden, für Vergütung an Hilfslehrer außerdem 16 400 Mark. Die Gesamtausgaben stellen sich aui 58 480 Mark. Zur Deckung dient neben der Einnahme für Schulgeld von 31900 Mark ein Beitrag der Stadl von 7000 Mark, der Kreisiparkaisc 1500 Mark

und aus Mitteln de« LmideSgewerbevcrein« 950 .Mark. Ten Rest !mit 16 470 Mark deckt ein Staatszuschnß in dieser Höhe.

Die 'Ausgaben der F a ch I ch u l c s ü r E l f e n b c i n s ch n i tz c - rei »iid verwandte Gewerbe in Erbach i. O. sind aut 16882 Mark veranschlagt, zu deren Deckung ein Staats,zuschnß von 12 862 Mark gewährt wird.

Tic Ausgaben der W e b > ch ll l e in L a u t e r b a ch Nellen sich aus 14 022 Mark, zu de»,'» der Staar einen Zuschuß von 96:1 Mark leistet. ^

Für die El e w c r b c s chu l c n beträgt der von, Ltaat z» deckende Fehlbetrag sür Bensheim 10 212 Mark, sür darmstadl >5 298 Mark, sür Michelsladt 6876 Mark, sür Alsfeld 8546 Mark, für Büdingen .5661 Mark, für Fricdbcrg 6766 Mark, sür Gieße II 9278 Marl, sür Nidda 7981 Mark, sür Alzen 4981 Mark und für Worms 13011 Marl, zusammen also 88610 Mark.

Zu den vorstehend auigeführtcn Schulen konimrn noch die Übei das ganze Land verbreiteten Fortbildungsschulen, nämliche einige 40 gciveibliche Fortbildungsschulen Mit elivas über 100 Lehrern und enva 2600 Schülern und 120 Hcurdwcrkerii, Sonnkags-Zeichenschuten mit nahezu 300 Lehrern und 8500 Schü­lern. Auch die l I landnnrtiäiaitliche» Winterschule» »l 4.ari»iladl, Heppenheim, Langen, Michelstadl, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Lich, Mainz, Alzey und Worms und die Wein- und Obstbau- schule zu Ovoeiil/eikii, sowie die Obstbau ich» I-' zu .rriedlierg mit Kurien sür Baum- und Siraßenwärrer mögen im Zusammenhang hiermit erwähnt sein.

»» T a g c s k a l e i, d c r sür Mittwoch, de» 28. Ja».: Stadt- l he ater:Filnizaubec." Ankang 7 Uhr. .

T r i n k e r s ü r s o r g e st e l l e sür Stadt und ^andkreis Gienen, Gienen, Aüerweg 9. Sr'rcchstnnde: T o II n e r « t n g abeud von 6*/,8 Uhr.

" Ordensverleihungen. Der Kaiser verlieh die Rote Krcuziiiedoiste driltec Klasse dein Landrat Büchting- Limblirg, die Rate Kreuzniedaistc zweiter Klane dein Leib­arzt Ha v v e l - Darinstadt.

" Ans dein Militärivochenblalt. Busse, Haliptm. z. D. im Landiv.-Bez. Waren, zuletzt Komp.-Ehes im Ins. - R. Kaiser Wilhelm (2. Großherzig!. Hess) Ne. 116, mit einem Dienstalter vom 28. Jan. 1909 znm Bez.-Offiz. b. Landiv.-Bez. Wetzlar ernannt,

" Die L a II d Iv i r t s ch a s t s k a IN IN c r sür das Grob- herzogtu IN Hellen lullet Nils mitjiltcile», daß am Sonntag, den 1. Februar, nachmittags 4 llhr. tu Grün Ingen im Gast- bgiisc von Jakob Fei) ein laudwirtschaktkicher Vortrag über:Was hat der Landwirt wabrend des Keldbe reinig nn qSver- labrenS zu beachten?" statlfindet. Der Vortrag wird von Ockonomiernl Weitzel- Lich gehalten werde».

** Von den Schweinefleisch- und Wurst- Warenpreisen in Gießen. Seit dem November vor Jahres sind die Preise für schlachtreife Schweine um mehr als 20Prozent gefalle», ohne daß es den Gießener Metzgern eingefallen wäre,, ihre dem gegenüber sehr hohen Lcrden- vrcise sür Wurst und Schweinefleisch zu ändern. Man nimmt heute dafür in Gießen durchschnittlkcki außerordentlich hohe Beträge, Gewiß soll jeder Gewerbetreibende für seine Arbeir einen Nützen haben, daß inan aber ein bciin Einkauf so ge- sunkenes Nahrungsmittel, wie Fleisch und Wurstwcire, nicht dementsprechend wohlfeiler i» unserer Stadt in den Ver­brauch bringt, liegt an dem bekannten Zusammenhalten der Metzger. Dann ivundert man sich, meint die Konsumenten sich ziijanimcnsckließen, um ihren Bedarf billiger zu decken. Genau so ivar es früher in Gießen mit den B r o t p r c i s c n der Bäcker, bis diese durch die Genossenschastsbäckerei .Kon­kurrenz bekommen hatten, wodurch in Gießen das Brot so wohlseil geworden ist, daß man die Gießener in anderen! hessischen, Städten um den billigen Brotpreis beneidet. Nach diesem Beispiel soll, luic verlautet, auch für die Flcisch- versorgung aus genossenschaftlicher Grundlage in unserer Stadt Stimmung gemacht werden.

** Die Weinernte ini Großh erzogt um H essen im Jab re 1913. Die im Ertrag stehende Reb- fiäckie betrug 13 222 Hektar (für Rhcinhessen allein 12 757 Hektar) und lieferte einen Mostertrag von 205598 .Hekto­liter gegen 279 000 Hektoliter iin Tnrcbschnitt der letzten 10 Fahre. Der Wert des Moshes wurde auf 91/5 Millionen, Mark geschätzt gegen 12 Millionen Mark ini zehnjährigen Durchschnitt.' Tie Weinernte ist also in Hessen wesentlich gün stiger ausgefallen als in vielen anderen Weinbau- gcbieteii, die im allgemeinen Über eine schlechte Ernte zn klagen hatten.

** D i e Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung hat im Großherzogtuin Hessen in den letzten fünf Jahren 1295 Dolksbibliothekcn mit 23 504 Bän­den errichtet und unterstützt. Bücherznwendungen erhielten im Jahre 1909 310 Bibliotheken 6085 Bande, 1910 263 Bi­bliotheken 8265 Bände, 1911 245 Bibliolheken 5174 Bände, 1912 221 Bibliotheken >616 Bände, in 1913 256 Bibliotheken 6164 Bände. TiesGesellsckiaft gibt auchlgegen mäßige Jahres­beiträge Wanderbibliotheken und Ei gen büch c- reien ini Werte von 60 bis 200 Mk. ab, die Wander­bibliotheken können alljährlich bei völlig freier Wahl neuer Bestände aus dem Katalog der Gesellschaft nmgetauscht werden, die Eigenbüchereien, die von den betr. Körper­schaften völlig frei zusammengestellt werden können, werden in vier Jahren freies Eigentum der Gemeinden. Tie 1'lesell- schast hat neben ihren regelmäßigen Leistungen im letzten Jahre als Kaiser-Wilhelms-Jubilänmsgabe an 1500 we­niger bemittelte Bückiereirn 18000 Bände im Werte von 37 000 Mk. unentgeltlich abgegeben.

" D a S d i e »j ä hr i g e 5t i r ch e 11 q e s a n g s e st in r Hess eil wird am Sonntag, den 28. Juni, in Butzbach abgehattcii werden, wohin der Evangelische Kirchenaeiaiiqverein kür Hessen non dem dortigen krisch «mporblühenden Kirchengesangverein, komie von dem likrchenvorsland und Psarramt bereits INI vorigen Jahre eingcladen worden ist.

** Stadttheater. Für die heutige Vorstellung von .Filmzauber' erhalten die Mitlwoch-Avonuentcu, die das Stück vielleicht schon in einer Soinilags-Vorsteltung gesehen haben, auk Wunsch kostenlos Gutscheine. In Borhereitinig liehen kür die nächnenjWochen: .Lchmetleilsiigsschiachi', .Egmont",Prozessor Bcrnhardtz' und .Schneider Wibdet'.

** Ä 0 11 z e r t - V e r c i 11. Man schreibt uns : Der zweite O r ch e st c r A b c n d am Sonntag, den 1. Februar, im -Ltadtt brate r wird von der Meininger Hoskapctte utztcr Proi. Reger« Leitung bestritte». Das Programni bringt einige wohlbelanntc und beliebte Lrchcsternuminrrn, nämlich das Vollviet zu den M c i st c r s i n g e r 11 , sowie da« licblickui, intime L I e g l I ich- I d »11 von Richard Wagner, ferner ein n c u c « R e g c r sch e s Werl, vier Tvndichiungen nach Böcklin und als Lchlußnuinincr die grandiose 1. S y in v h 0 n i e in E Atoll von B r a h ni s Die^Bralnirs'sche Svmvhonie, op. 68, darf nach den Beethoven ichcn «umvbonien imbcdingt an alleererstcr Stelle genannt werden. Brahms hat sich schon in der Frühzcit seines sckianens^ in slimvhonischcn Kompositionen versucht. In seiner strengen selbstlritik »slegte er aber iolche Entwürfe in die Sludicn- mavpe zuruckzutegcn, und so kam es, daß das Wer! erst 1877 er- Kbint, obgleich der erste Entwurf in da« J-Hr 1855 zurückreichl. ü.cr lungc Meister war damals in einer vcrzweifeltcii Gcmüts- versanung. 4.ie ichwcrc Erkrankung und der tragische Tod seines Freundes Robert Schumann und die Neigung zu dessen Frau ver­ursachte» ihm schwere seelische Kämpfe. Alle diese Momente und die Anregung, welche chm Schumanns Mansred-Musik bot. er klären die licstragischc Stimmung der Stzmvhonie. Do) C-Moll

Ktaoicr-Konzcrt wie auch dos C-Moll Streichguartett laiien die gleiche Stinmrimg erkennen. Hans v. Bülow, der die Größe dieses shmvhonischeii Meisterwerke« erkannt, bezeichnet es alsBeetho­vens Zehnte" und deutete daniit an, daß sie sich in der Größe der Aussassnng an diesen ttzipsclvunkt der Snnivhonien onschließe. Ihrer ersten Ausführung IN Karlsruhe 1876 unter Desosf folgten weitere Ln Mannheim, München, Wien und schließlich rm Leiv ziger Gewandhaus INI Fahre 1877. Wie zu erwarten, wurde sie bei diesen ersten Ausführungen mit geteilten Gefühlen ansgenon, men. Das war nicht verwunderlich, denn sür die damalige Zeit bedeutete sic in der Tai etwas ganz Neues. Hentzutagc iii Gießen wurde sic vor nenn Fahren von Pros. Trnutmann mit dem Hamburger Kurorchester außlihührt steht dg« Publikum der Brahmsh'chcn KomvositionSart nicht mehr fremd oder gar schroü gegenüber, wie c« damals der Fall war. Freilich fanden sich auch schon bei diesen ersten Ausführungen begeisterte Kenner wie Bin rolh und der Wiener Kritiker Hanslick, der seine Besprechung mit den Worten beschloß:Die neue Snmphonie von Brahms ist ein unausgeschüpster Born ernsten Genusses und sruchtbarcii Stn dinins." Das herrliche Andante und der von Billroth besonders gerühmte letzte Satz sind reich an herrlicher Melodik und, wie immer bei Brahms, frei von Sentimentalität und gewöhnlichen Effekten. Bon besonderem Interesse ist e«, die Svmvhonie unter Reger gerade von den Meiningern zu hören, nicht nur weil bei ihnen die Tradition aus den Zeiten Bülows und Steinbachs fort lebt, sondern weil Mar Reger, wie wir ei vor zwei Fahren in der E-Dur-Syinvdonie erlebten, ein warmer Verehrer Brahms'scher Kunst ist. Reger« Böcklinsuitc gilt nach den bisherigen Ausiühriingcn als ein ebenso originelles wie bedcutiames Orchester werk des schasiensfreudigen Meisters. ES ist eine Art Emvsindunas musik, um nicht zu sagen Tonmalerei, in welcher Reger den tiefen Eindruck, den die aus dem Programm genannten Böcklin'schen Ge mälde aus ihn gemacht haben, wicdergibt: eine kurze Episode, in welcher, wie H c h e IN a n n in der Besprechung der Essener Auitührnng sagt. Reger uns einmalnippen" läßt an seinen sprühenden Geistcswitzen. Einen Kommentar zu dem leichtvcrständ lichen Werke zu geben ist aus munkalischen Gründen überflüssig

" F a d r h u n de r ta u s st e l l 11 n g. Tic von der Uni v c r.s i l ä t s b i b l io t h c k veranstaltete Ausstellung zur Erinnc rung an die Zeii vor hundert Fahren ist durch ihren anschaulichen lleberblick vortresjlich geeignet, unmittelbar in die damaligen Ereig Nisse und in den Geist der Zeit einzutühren. Man schreibt IINS Tic folgende kurze Fnbaltsangabe kann das Ganze selbstvcrständ lich in keiner Weise erschöpfen, sie will nur auf die sehr interessante und lehrreiche Ausstellung Hinweisen und ihren Besuch empschlen. Wir sehen zunächst die Bildnistc zeitgenössischer Fürsten, Staats männcr und Feldherren in Kupscrsticheu der Zeit, dann Prokla inationen, Flugschriften und össentliche Kundgebungen aller Art in Urdruck oder Nachbildung, auch zitcichzeitige Kricgskartcn. Einen besonderen Reiz der Ausstellung bietet die wertvolle Sammlung von O r i g i 11 a l b r i c s c n der Generäle B'ücher Scharnhorst, Bork, Kleist von Rollendorf, dann des Freiherr» »vm Stein, de« Ministers Hardenberg, Nctielbecks: von r.i-,,.era und Bolksmännern sind mit Briescn vertreten: Arndt. Jahn, Mar von Schenkendors, Christian Gottfried Körner, Heinrich von Kleist. Ticke Briese, in denen aus die Heldentaten der Befreiungskriege vielfach Bezug genommen wird, sind gerichtet an die Prinzessin Marianne von Preußen, geborene Prinzessin voll Heisen-domburq, und ihren Gemahl, den Prinzen Wilhelm von Preußen. Tie Prinzessin Ma rianne, die Tochter des patriotischen Landgrafen Friedrich V. ist die Gründerin desFrauenvercins zum Wähle des BaterlandiS" und neben der Königin Luise die edelste Frauengestatk am vreuß, i'chen Hose in den Fahren der Not und der Erliebnng:die tcutscheste Frau jener unvergeßlichen Zeit" hat sic König Ludwig von Bahern genannt. Fu dcni ausgelcgteii Briese des Frcilzcrrn vom Stein beißt cs bczcichnciid am Schluß:Nicht in meinen Händen, ,'vndeni i» der einer leitenden, waltenden und die Herzen lenkenden Vorsehung liegt die zukünftige deutsche Verfassung." '.'lWgcstellt sind wcitcr cinc .Handzcichmnig und ein Bricsbruchstück der Königin Luise, die wichtigsten Schriften von Fichte, Arndt II. n. IN ersten Ausgaben, volitii'che Broschüren, Zeitungsberichte über die Schlacht bei Leipzig Durch reichhaltiges und gut ausgewähltes Material wird dann die Rheinbuntlszeit in Hessen und der Ucbergang zu den Verbündeten in Truckschritlcn, Zeitungen und Abbildungen veranschaulicht, beson derS die Erlebnisse und Zustände in der Stadt Gießen selbst, wo wir in die erregte Zeit derHuniboidtianer" versetzt iverden durch die Schriften und Bildnisse der Gießener Proscssoren Welckrr und Crome, der Vertreter der damals sich bekänipienden politischen An sichten. Weiter wird die Bildung de« freiwilligen Jägerkorps in Gießen 1814 uns vorgesührt durch Aktenstücke, Stammbuchblättcr nnd Bilder. Daran schließt sich eine Sammlung farbiger Blätter aus der Großherzoglichen .Kabincttsbibliothek mit vorzüglichen Tar stelliingen hessischer Trnvven, der preußischen Landwehr und der Großen Armee" (nach Bildern des Maler« Viktor Adam). Hin weisen wolien wir zum Schluß iwch ans das prächtige Original- agnarell der- Stadt Gießen ans der Zeit nach der Schlcistmg der FestiingSwällc 1180510) von F. C. Rcinerniann, das für das hiesige städtische Archiv vor kurzeni erworben worden ist und als Ivillkommciie Leihgabe eine Zierde der Ausstellung bildet. Diese Fm Erdgeschoß links) ist geöffnet Montags von ll bis 1 und Donnerstags von 3 bi« 5 Uhr.

"Das Lichtspielhaus bringt in dieser Woche lieben einer Anzahl sehenswerter Bilder ci» KinolustspielWir lassen nnS scheiden' in drei Akten, Es ist schon deS österen an dieser Stelle betont worden, wie aut gerade das Lustsplei geeignet ist, im Bilde sestgehallen und vorgesührt zu werden, da die Mög­lichkeiten an Szenenwechsel und Vollbringung von ini gewöbw' lichen Leben inst unmöglichen, aber äußerst komischen Handlungen weit größer sind als au! der Buhne. Das vorliegende Lustspiel erfüllt seinen Zweck vollkommen. Es zählt zu der bekannten Treu mann Larsen- Serie und läßt die beiden sonst nur im Drama erscheinenden Künstler in recht heiteren Situationen anstreten. Das Spiel, besonders von Viggo Larsen, ist ganz vor­züglich.

" Ter letzte W a s e n 11 t e i ft c r. Zn unseren gestrigen Mitteilmigen über den letzten W a s e n m c t ft e v in Gießen wird uns mitgeteilt, daß Bender ans der Ttadtkasse ein Geholt von jährlich 438 Alk. bezog und sich somit wohl zu den städtischen Be­amten recknie» koimle. In dem alljährlich dem slädtilchen Vor­anschlag beigehefteten Besoldimgsverzeichnis ist auch sein Name verzeichnet.

" N! ä n s e i r a ß in E r d g r n b e 11 , Nachdem die strenge Frostperiode gewichen, gilt es, die Erdgruben auszudecken, in welchen Gemüse- und Gartengewächse auibewahrt wurden. Tie schädlichen Nager sanden in solchen Erdgruben ei» schützendes Obdach und werden in den Koblköpsen, Möbre» und Sellerieknollen grobe Ber» herungen anrichten, wenn nicht ernste Vorkehrungen getroffen werden.

** Kleine Mitteilungen. Das Oberkonsistoriuni zu Fricdbcrg hat genehmigt, daß ein Gottesdienst für Ta 11 bst um me cingciichtcl wird, der von Pros. v. Tiehl ab gehalten werden soll. Eine bisher nicht bckmintc junge Frau aus Frankfurt warf sich aut'derNicdcrräder Eisen bahnbrückc vor c i n c 11 Z n g e; sic war ans der Stelle tot..

In einer Gastwirlschost in Bad Hvniburg v. d. H. stahl ein Fremder der Kellnerin 140 Mark. Als ec ver hastet wurde und man ihn einer llulersuchung unterzog, land die Polizei ein Sparkassenbuch über 1375 Mark und weitere 170 Mark in bar. Zu Hachenburg gab bei einem Streit ein Lchrciner seinem Kollegen eine so kräftige Ohrfeige, daß der Ge trvsscne zu Boden stürzte und ein Bein brach. Ein Brand äscherte in der Nacht aus Montag zu K a i ch e n die Wirtichasts gebmide des Wagnermeistcrs Reis ein, wobei große Vorräte von fertigen und halbsertigew Wagen vernicklet wurden. Ter Schaden ist sehr bedeutend, da nur wenig versichert war. I» Dahlheim brannte das Wohnhaus der Witwe Graß nieder. Tie Frau konnte im letzten Augenblick aus den Flammen ge­rettet werden. a

f* Konkurse in Hesse», lieber das Vermögen de« Martin S t e g m a n n 1. in H e v p e n h e i m, Schuhmachers und Inhabers eines Schnhladens, ist am 23. Januar das Konkurs- versahren erössnet. RecbtSanwall und Notar Tr. Metz in Lepven- heini ist zuni Konkursverwalter ernannt. Konknrssorderungeii sind