Nr. 21
Der »teftener Anzeiger
erscheint täglich, ander Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich
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jwennat wöchenil.Xreiz- dlatt litt den Kreis Sietzen ,Dienstag itnbRvciina); zweimal monntl. Landwirtschaftliche Zeitsrogen Ueniiprtrf) - Anschtnste: die Redaktion lIL, Verlag u. Expedition öl Adresse für Tepeichen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen iür die Tagesninniner bis vorniittags S Uhr.
Erster Blatt 164. Zahrgang
Montag, 26. Zamiar (9(4
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationrdntck und Verlag der vrühl'schrn Uuiv.-Such- und 8teiudr»<erri 8. Langt. Sedattion, Lrpedition und Drucktrei: Schnlftrahe 7.
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
venizelor und Enver Pascha.
In dieser Woche wird der griechische Ministerpräsident Eleutherios K. Benizelos in Berlin iveilcn. In ihm begrüßt man den erfolgreichen Staatsmann, der das kleine bedeutungslose Hellas zu einem neuen großen Griechenland gemacht hat, Bon Kreta, seiner Heimat, die er mit unbeirrter Zähigkeit dem Mutterlande zuführte, bis hinaus nach Thrazien hat Benizelos die griechische Flagge getragen, Die Bcvölkerungszifser Griechenland? ist von 2 1 /* auf nahezu 5 Millionen gestiegen. Dieselbe Nation, deren führende Politiker noch vor wenigen Jahren nur einige tausend Mann zum Schutze der Grenzen und eine gute Gendarmerie für das Innere für ausreichend hielten, ist heute ohne Mühe imstande, rund 500 000 Mann ins Feld zu stellen und eine Kriegsflotte zu entsenden, die wie einst in der Antike auf dem Aegäischcn Meere Achtung gebieten kann. Da wäre es leicht zu verstehen, wenn der Vertreter dieser neuen Macht (als Zivil- und ,Kricgs- minister,!) im Bewußtsein der Unbesiegbarkeit den Fehdehandschuh aushebt, den ihm der türkische „Jmmcr-mchr- Napoleon" Enver Pascha mit seinen Truppcnzusammen- ziehungcn an der klcinasiatischen Küste hinwirft. Enver hat als türkischer Kriegsminister die schon früher aus- gegebene Parole wiederholt, daß Griechenland die Inseln Chios und Mytilene unbedingt zurückgebcn muß, Aehn- lich wie die den Dardanellen unmittelbar vorgelagerten Inseln Samothrakc, Jmbros, Lemnos und Tencdos den Zugang zu Konstantinopel beherrschen, so bewachen Lesbos (Mytiline) und Chios jenen zu der in der neuesten Türkei mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Stadt Smyrna, Mytilene auf Lebos ivar im Altertum ein mächtiges Gemeinwesen, um dessen Besitz manch harter Strauß ausgefochten wurde. Heute hat es geringe Bedeutung, Das kann aber den militärischen Wert der Insel, die über ausgezeichnete Häsen verfügt, nicht schmälern, Aus sie allein gestützt kann 'eine Flotte mit Leichtigkeit jeden Verkehr nach und von Smyrna zur Sec unterbinden, Das gleiche ist auch von Chios aus möglich, lvo sich ebenfalls geschützte Ankerplätze sinden. Selbst wenn diche Inseln als Eigentum Griechenlands durch Spruch der Diplomatie jeder Kriegsbcfestigung entbehren sollen, um nicht Stützpunkte für türnsch-seinolichc Angriffe zu bieten, so liegt gerade in dieser platonischen Bedingung der Keim zu immer neuem Konfliktsstosf, Während die Welt die Ariedenspakte von 1913 vergißt, wird Griechenland wahrscheinlich doch die Inseln in aller Stille und Heimlichkeit befestigen und einen höchst gefährlichen Panzerring vor das neue türkische Reich legen. Wer selbst wenn es keine Jnsel- sorts baut und keine Geschütze aufstellt, kann es doch für die künftige Türkei ein höchst unbequemer Nachbar werden. Man darf nicht vergessen, daß nicht nur auf den Inseln an der kleinasiatischen Küste, sondern auch drüben auf den: Festlande Klcinasiens Hunderttausende von Griechen leben.
deren Zukunstshosfnung Brücken baut hinüber nach den Inseln und weiter über das ägäische Meer zum alten Later- land. Im Berliner Auswärtigen Amt liegt noch das Rund- zirkular des .„Komitees der Union der Inseln des griechischen Archipels", dessen politische Forderungen sich auf die Tatsache gründen, daß von den 300 000 Bewohnern des Archipels mehr als fünf Sechstel Griechen und kaum ein Sechstel Türken sind. In diesem Zablcnverhältnis liegt mehr Gewalt und Schicksal, als ein Enver Pascha ahnt, und wahrscheinlich wird sich die endgültige Machtverteilung nach diesen Zahlen einrichtcn müssen. Wahrscheinlich wird sich der natürlich-geographische Begriff des alten Hellas, als Zusammenfassung der griechischen Halbinsel mit der gesamten Inselwelt schließlich doch durchsetzen: wie ein Magnet zieht dieser Begriff unter der niodcrncn blauwcißcn F.agge alle Landesteilc an, die im Wirrwarr der Jahrhunderte abgesprengt wurden.
Aber die schwere Schicksalsfrage ist die, ob sich diese Entwicklung nicht ohne einen neuen türkisch-griechischen Krieg hcrbeiführcn ließe, Tic Frage wird voraussichtlich gerade jetzt an Herrn Benizelos während seines Berliner Aufenthaltes herantreten, Tie Mächte verfolgen die türkischen Truppenbewegungen in Kleinasien mit wachsender Aufmerksamkeit und Besorgnis, Das Spiel der Türkei erscheint den Kabinetten als lehr gewagt. Wer weiß, ob es nicht der Anfang vom Ende der europäischen Türkei werden könnte! Was gedenken die Mächte zu tun, um die neue Kriegsgefahr zu beschwören? In Paris nennt man bereits ein sehr wirksames Mittel: die Krcditverweigcrung gegenüber der Türkei, Der „Temps", offenbar beeinflußt von seiner Regierung, schreibt, Frankreich edenso wie England und Rußland wolle das nahe Morgenland um keinen Preis von neuem zerrütten lassen, die französische Regierung könne also eine Anleihe nicht zu- lajsen und das französische Publikum dürfe eine solche nicht zeichnen, die mittelbar oder unmittelbar zur Vorbereitung eines neuen Krieges bestimint wäre. Eine Acußcrung von Dreibundseilc liegt noch nicht vor. In Wien ist man lediglich darüber informiert, daß Bulgarien sich keinesfalls an einem neuen Kriege beteiligen würde, Tie Erklärungen unseres Staatssekretärs v, Jagow vor etwa einem Jahre über die Jnselfrage sind von den Ereignissen überholt. Jetzt wäre für die deutsche Regierung wieder einmal der Augenblick zu einem Machtwort gekommen, Herr Benizelos ist jedenfalls ein Mann, der mit sich reden läßt!
Paris, 25, Jan, Ministerpräsident Benizelos ist mit dem Nord-Expreß nach Berlin abgereist,
Paris, 25. Jan, Tic q r i c ch i s ch c G c s a n d t s ch 0 i I veröffentlicht folgende Note: Heute wurde in Gegenwart des Ministerpräsidenten Benizelos und des Gesandten Romanos mit der Socidtd de Eonstruction de Bati gnolles ein Beitrag unterzeichnet, durch welchen sich diese Gesellschaft vcrvslichict, zwischen der Eisenbahnlinie Epirus-Athen-Larissa und den Orientbahnlinien eine Verbindungsbahn herzustellen, durch welche Griechenland in direkte Verbindung mit Westeuropa gebracht werden wird. Im Dinbllck auf eine möglichst baldige Fertigstellung dieser Linie wurden besondere Be'immungen und Vergünstigungen icstgesetzt. In jedem Falle soll die Linie in spätestens achtzehn Monaten in Betrieb gestellt werden. Diese Bahnlinie, welche sür Griechenland und den internationalen Verkehr von größter Wichtigkeit ist, wird 05 Kilometer lang und normalspurig sein, Paris wird nach ihrer Vollendung direkt
mit Athen verbunden sein und die Fahrtdaucr ungefähr 60 Stunden betragen,
Tic „Norddeutsche Wlgcmeine Zeitung" schreibt in ihrer
Wvchenrundschau:
Tic Beschlüsse der Großmächte zur Regierung der Insel- fr a g c und der Ordnung der Verhältnisse in Südalbanien sollen in Athen und Konstantinvvcl amtlich zur Kenntnis gebracht werden. Eine Bcrdändtgung über die Form dieser Mitteilung wird vorbereitet. Schon vor der amtlichen Zudelluna/dcr Beschlüsse aber sind die Wünsche der Großmächie hinsichtlich der Aegäischcn Inseln und Südalbaniens der griechischen Regierung und der Pforte im wesentlichen besannt geworden. Es liegen auch bereits Anzeigen vor, daß Griechenland der Ersüllung dieser Wünsche keine grundsächlichen Tchwierigk iten bereitet, Tie Freigabe der zu Südalbanien gehörenden Grenzgebiete durch die grtcchisclpm Truvpen scheint gesichert. Inzwischen hat die internationale Kommission in Lalona ihre Bcrwallungsbcsugnisse aut ganz Albanien ausgedehnt Diese Acnderung ist von dem bishctigen Oberhaupt der Provisor! chcn Regierung in Balona, I s m a e l K c m a l, ancrlannt worden. Er hat seine Vollmachten ausdrücklich in die Hände der internationalen Kommission gelegt. In einer gleichlautenden Mitteilung an die Regierungen der Großmächte dankte Jsmael Kcmal sür das Albanien bewiesene Wohlwollen, Es ist anzunchmen, dieses von Jsmael Kemal gegebene Bei'vicl werde auch ans die Haltnng E s s a d P a s ch a s nicht olne günstigen Einfluß bleiben, Ter Uebergang der Regiernngs- gewalt von der internationalen Kommission gut den künftigen Fürsten könnte sich dann beim Eintrcsscn de» Prinzen Wied ohne Schwierigkeiten vollziehen, Ter grttchischc Mi'ttstervräfident Benizelos, der aut seiner Rundreise h:i den europäischen Negierungen Rom, Paris und London besucht hat, gedenkt in den nächsten Tagen in Bulin cinzutreisen, Ter umsichtige Staatsmann, der in der Führung der auswärtigen Politik seinem Lande schon wertvolle Dienste geleistet hat, darf in Trulschland eines guten Empfangs sicher sein,
Bal 0 na, 26, Jan, (Aqenzict Stefan!,) Der frühere Präsident der proviwrischen Regierung Ismail Keniat Ben begibt sich nach Brindi'i, Er m-rd einige Tage in Italien bleiben und sich daraus nachBer.in begeben, um mit dem Prinzen zu Wied z u s a m m e n zu treffen.
Neue Balkanbünduisfe?
Belgrad, 26, Jan. Tic Reise des serbischen Minister- Präsidenten P a s i t s ch nach Petersburg wird in Zusammenhang gebracht mit dem dort erwarteten Eintressen des griechischen Ministerpräsidenten Benizelos, und es soll die Bildung eines n c u e n S e r,b i c n, Montenegro, Griechenland und Rumänien u nt f a s i e tt b c n Balka nb'locks angestebt werden. Zwischen den Jungtürkcu und der maceünnsch-bulganfchen revolutionären Organisation sollen Abmachungen bestehen, nach denen in kurzenr eine Revolution in Mazedonien in Szene gesetzt werden soll. Auch ans der Reise des türkischen Gesandten in Sofia nach Könstantinoycl und der des bulgarischen in Kon- stänlinopel nach Sofia schließt man, daß wichtige Tinge im Zuge seien, daß beide Staaten gemeinsam Vorgehen und Europa vor eine vollendete Tatsache stellen iuollen,
Saloniki, 26, Jan, Tic Konzentrierung bulgarischer Banden bet Gtimüldschina und die s u II g t ü r k 11 ch e Agitation in Thrazien dauern fort, Tic türkische Bcoöl- kerting wird überall bewaffnet,
bindung von Mäzen und Künstler lebte. Sind doch König Ludwigs teiffte Werke, die die genialen Ideen des Volksbeglückers mit der Würde des fürstlichen Bauherrn vereinigten, von lenze aus- gcchhrt worden, war doch d-s Baumeisters charakterfester Glauben an das Wunder der h llenifchen Kunst der ruhende Pol in der schnell wechselnden Liebhabereien Flucht, die de» unruhig tcuriani Monarchen beseelten! Auch Klcnze- Glauben an die allein selig inachendc Schönheit der Antike war norddeutschen Ursprunges, stammte ans der Schule der Berliner Klafsiziftcn, eines Gilly und Schinkel, her, „Es gi't nur eine Kunst, und das ist die hellenische," >0 lautete sein Bekenntnis, und ooti seinen Reisen nach Griechenland brachte er eine nnbcdintic schwärmerische Verehrung der , Architektur an iich" mil. Seine großartigsten Werke, loie die Glyptothek, die Pinakothek, der Festsaalbau der Residenz, die städtebaulichen Entwürfe sür München und Athen zeigen aber nicht nur diese Nachahmung antiker Baukunst, sondern die Kraft einer eigenen kräftigen Raitmgestaltung itnd imponierenden Größe, Gebietend und bedeutend wie seine Kunst war auch seine Periönlich- kcit, „ein großer Herr in feiern Sinne, wozu sich auch seine hohe schlanke Figur mit dem rotblonden Haar, den hellb'aucn durchdringend blickenden Augen, der weltmännisch sichern Haltung, dem klugen, gemef'cncn Wesen vortrefflich eignete. Er bewohnte ein palastailiges Haus, das er sich selbst gebaut, ohne indes; seine überaus einfachen Lebensgcwohnheiten iraend aufzrigebcn, die ihn im Verein mit der strengen Ordnung allein zur Bewältigung so ungeheurer Aufgaben in Stand setzten,"
Ten schwer zu lenkenden Käni, »mißte er iit seiner Weise für seine Ideen zu gewinnen und auch die haushälterische Sparsamkeit, die diesem großartigen Mäzen doch eigen war. zu überwinden, Charakteristisch sür das V-rhältms dieser beiden seltenen Mcnichen und die Art ihres Verkehrs ist eine Episode aus der Vorgeschichte der Walhalla, Klcnzc hatte den mächtigen Bat! in einem trotzen Oelbild dargcstclli, die Prächtige Trepvenanlage aber vorsichtig wcggelasscn, Ter Monarch erschien und erfreute sich an dem Bild — ohne Treppe, Nun aber klebte Klcnzc den herrlichen Trepvcnbau, den er aut ein besonderes Stück Papier komponiert hatte, unten an, und dadurch gewann die Wirkung außetordentlich, Ludwig ahnte gleich, woraut cs abgesehen war. blickte entzückt aus den Entwurf, meinte aber bedenklich' „Damit ist'» nichts, Älenzc, das kostet mir zu viel Geld," „Aber Majestät würden dadurch Ihrer Schöpfung einen neuen Ruhmestitel znsügcn," „Na, was kostet denn die Treppe?" „80 000 Fl," .Sind Sic toll geworden, Klcnzc! Fältt inir gar nicht ein. Kommen Sic mir damit nie wieder," „Wer Majestät könnten das ja ans Pier Jahresraten verteilen, „Ktcnze, Tic sind schon wieder mal so eigensinnig wie ein , , ." sprach- und rannte höchst gcteizt mit großen Schritten davon. Ein paar Stunden später icurV der Herr (KeHeime Rat zum König beru en, „Aha " riet er triumphierend ans, „jetzt habe ich meine Treppe!" Und >0 twu’S: Ludwig halte inzwischen in seinem Etat noch einmal
Gietzcner Stadtthcatcr.
Jägerblut.
Gastspiel K 0 n r a d Dreher,
Gießen, 25. Januar, Das Stück, das sich der batzerische Hoffchanspteler K 0 nrad Dreher zu seinem einmaligen Gastspiel gewählt hatte, zeigte den beliebten Komiker in seinem ureigensten Element: als waschechte obcrbahcrischc Bauerntype, wie sie überall vertreten ist und doch immer wieder besondere psychologische Reize ausübt, „Jäger- b l u t“ heißt das vieraktige Bollsstück von Benno R suchen- cggcr — ein an sich herzlich unbedeutendes Werk, Wie ein gc- ivrochencr Roman mutet jichs an. In recht abenteuerlicher Weise rindet ein Förster seine einstige Geliebte als Bettelweib wieder und trifft seinen Sohn, von dessen Dasein er bisher keine Ahnung hatte, als Wildschützen an, Hinzukommt ein Liebesverhältnis, Und der Borwurs zur Boltsiragödie ist fertig. Damit ist dem Publikum jedoch nicht gedient, es soll ja ein lustiges Volksstück sein, Taber läßt der Dichter seine Gestalten sämtlich zu braven, biederen Charakteren werden, macht aus Tragik Sentimentalität, tut ein gut Teil Humor hinzu und vereinigt das Ganze zu einem Gemenge, das ziemlich kalt ließe, wenn nicht — die Schauspieler wären. Von ihren Leistungen hängt bei diesem Stück das Wohl und Wehe ab,
Tie gestrige Aussührnng rettete das Stück nicht nur, sie brachte ihm sogar einen guten äußeren Eriolg, Allen voran war cs, wie zu erwarten, der Gast, KonradDreher, der mit seinem Torf-» Hader Zangerl der Vorstellung einen ganz besonderen Charakter verlieh. Allemal, wenn das Interesse zu erlöschen drohte, dann kam der „Mann der medizinischen Wissenschaft" im rechten Arigen- blick mit seinem breiten, behaglichen Lächeln und seinen ärztlichen Raritäten, die einen die Haut schaudern machten, und beherrschte die Situation! Und wie er mit diesen Geräten umzugehen weiß, das scheint er den Torivadern selbst abgcguckt zu haben, das macht ihm so leicht keiner nackt. Wie denn die ganze Darstellung allein auf das Natürliche beschränkt war und vor jedem Uebermaß sorgsam zurücktrat. Es war das tzauvtvcrdicnst des Künstlers, eine rein menschliche Figur mit derbem Humor aut die Bühne gestellt zu haben Wenn doch fast jedes Wort von einer Lachsalve begleitet war, so war das ein Zeichen von der hohen Künstlcrschast Trehcrs, die mit Wenigem Vieles erreicht.
Durch dieses Betrprcl angcseuert, luchten die Mitglieder unserer Bühne ihm nach Möglichkeit nahe zu tomnien. Am besten gelang dies Karl V 0 l ck, dessen Förster eine wohldurchdachte und fein abgetönte Figur nmr: eine rauhe Haut mit cinech Ktnderherzen. wie sie nur der Wald erzeugen kamt. Auch der ungewohnte Tialekt schien Herrn Bolck wenig Schwierigkeiten zu inachcn. Vorzüglich tvar Anna S t e 11 n e r als Bettelwetb, Als sic dem kaum wieder- aesitndenen Glück entsagte, erregte sie mit ihrem Partner zusammen Beisall aus osscner Szene, Reizend war Alice T a g n y als Tächicr- chen des Bcttclweibes — a,n besten wirkte ihr Gebet —, Hans Grosfer-Braun war ihr feuriger, wagemutiger Liebhaber,
Wenn Auguste Frcnzcl aus der Förstcrsfrau nicht viel heraus- holcn konnte, so war cs nicht ihre Schuld, sondern die des Dichters, der aus der deutschen Försterin ein dummes, lächerliches Waschweib gemacht hatte. Besonders kan, dies zum Ausdruck, als sie von dem Vorleben ihres Mannes crsuhr, Heinrich Bruch Witz konnte der Rolle des Wilddiebes wenig Geschmack abgewinnen, in der Charakteristik seiner Rollen leistet er sonst Besseres, Franz B 0 ch u m hatte sich als Wärt in der Maske vergrissen, sie sollte komisch sein, ipirkte jedoch abstoßend,
Tie Regie, sür die Ludwig Grosser zeichnete, hatte int allgemeinen sür gute Bühnenbilder gcwrgt, besonders das Bild der. letzten Szene war tvirknugsvoll. Ein Fehler darf aber nicht unerwähnt bleiben: Während nämlich iui Försterhause dauernd von Dunkelheit und „0 Uhr abends" die Rede war, schien draußen die Sonne, daß cs eine Lust war.
Das gut besuchte Haus svcudete reichlichen Beifall, von dem der Gast den Löwenanteil beanspruchen konnte, K. B.
Der Banmtifter I.
lZuin Todestage Klenzcs, 27, Januar,)
Am 27, Januar vor 50 Jahren ist einer der großartigsten Baumeister des 19, Jahrhunderts, Leo von Klcnzc, der mit seinem löniglicheti Hekrn zusainmen die Sckwnheit von „Isar- Athen" geschassen, dahingcgangen. Wenige Monate vorher hatte der 80jährigc sein letztes großes Werk vollendet, die Besreinngs- hallc von Kehlheim, die erst vor turzcm der Schauplatz jener denkwürdigen Erinnerungsseicr der deutschen Fürsten gewesen ist. So ist der Name deS begeisterten Verehrers der Antike auch mit der Erinnerung an die eiserne Zeit vor l00 Jahren verknüpft, und wie sein letzter Bau „ein Denkmal sür die teutschen Be- sreiungskämvser" war, so stellte sein erster großer Entwurf ein gewaltiges Liegesmonumcnt sür die Völkerschlacht dar, sür das er auf dem Wiener Kongreß die Herrscher vergeblich zu interessieren versuchte.
Ter Hvsbaudirektor des Königs Jöröme hatte sein deutsches Herz nicht verloren, uttd er behielt cs auch, da er als Freund lind Alchitett des damaligen Kronvrinzen Ludwig nach Münckwn kam. Freilich ist der narddentsche Batimcistcr, der aus .Hildcs- heim stammte, in der südlicheren Shäre der bayrischen Hauptstadt nie ganz heitnisch geworden. Er war eine vornehme und verschlossene Nattir, die sich in ihrem hochkultivierten Lebens- kieiie von der Außenwelt streng abschloß, Pecht erzählt, wie völlig ihm die Münchener Künstler entiremdet tvaren: „beging er doch das unverzeihliche Verbrechen, weder übec- battpt zu trinken, noch auch nur Bier zu trinken, — Grund genug, um ihn von seinen Kunstgcnossen valltommen zu isolieren und seinen Charakter schwer zu verdächttgcnDazu kam ritt ungewöhnlich enges Verhältnis zu dem Dir'rscher, besten Gunst er sich durch eine seltene Menschenklugbcit ein langes Leben hindurch zu bewahren wußte und mit dem er in eincr idealen Vcr-


