Ausgabe 
20.1.1914
 
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Nr. 1b

Tel «ittzener Anzeiaer

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Erstes Blatt

J64. Zahrgang

Dienstag. 20. Zanuar 19M

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General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag »rr vrShl'jchtu Unio.-Such- uuö Striudruckerei «. Lange. Redaktion. Lrpedition und Vruckerei: Schulftrahe 7. Ne,g-nt'-ii/

rZeznadoeciO:

,nonatl,ch75Pi vienel- iährlich Mt. 2.20-, durch Abhole- ». Zweigstellen monatlich 85 Ps.i durch diePost Mk.2. viertele jährl. ansschl. Bestell» Zcilenvreis: lokal 15 dl- auswärts 20 Pienniq Cheiredakteur: A Goetz. Verantwortlich für der volit. Teil: Aug. Doetz; sür .Feuilleton", .Ver­mischtes" und.Genchts- saal": Karl stlenralh, iür .Stadt und Land": Kurt Beudl; sür den

Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.

Tageskalender- and dem Jahre 1814.

LE Januar: Treffen bei Chamber,, Savoyen), in dem die Oestcrrcicher (Südarmce) die Franzosen schlagen.

Die Scht-preuhischen.

Als vor sechs Wochen der Fall Zaber» auf seinemhöch- ften" Punkt crnge langt war, da ertönte in der.Kiceuzzeitung" der Derzweiflirngsriis: Wo bleibt der Preußenbnud? Und alsbald kam die Antwort: Er lebt und wird am 18. Januar vor aller Welt zeigen, daß er da ist. Das hat er nun zwar nur in beschränktem Maße getan. Er hat die Welt gescheut, vielmehr hinter verschlossenen Türen getagt, so daß nian auf die Berichte derwohlgesinnten" Presse angewiesen ist, um zu sehen, was init dem neuen Bund denn eigentlich los ist. Diese Berichte aber genügen vollauf, um zu orkenneu, uni ioeft' Geistes Kind cs sich handelt. Knapp zweihundert Männlein waren znsammcugekonnnen, uni in dieser Not der schweren Zeitdie Stimme des Volkes zu zeu­gen", wie Herr v. Hehdebrand sagte. Das klingt fast wie Ironie, wenn mau die Namen hört, die da die Volkes­stimme verdolmetscht haben wollen, v Hehdebrand, Roesickc, v. Wrochem, Rocke, Rogge, v. d Groeben, Philipps alles wohlbekannte Namen aus dem konservativ.'» Partei- lager, womit wohl schon zur Genüge gezeigt ist, daß es sich um die gleichen Frondeure handelt, die schon seit Wochen mit ihrem Lärm die Zeitgenossen belästigen. Und der Inhalt der Reden? Alles dieselben Schlagworte, die in der letzten Zeit in der lvnservativcn Presse, im Herren­haus und Abgeordnetenhaus umherschwirrten. Auch das Misstrauensvotum gegen den Kanzler fehlte nicht. An den Kriegsminister und den Obersten o Reuter wurden Sym- pathiedrahtungcn gerichtet: als einer die gleiche Anregung sür Herrn v. Bcthmann-Hollweg gibt, da llt er ab. Damit iväre eigentlich die Bedeutung dieses Preußentages erschöpft, denn der' sonstige geistige Inhalt der gehaltenen Reden ist so dürftig, daß sich ein näheres Eingehen darauf überhaupt nicht verlohnt.

Wohl aber verdienen noch einige Acnßerungen, die gefallen sind, festgenagelt zu werden, iveil sie mehr als alles andere geeignet sind, auch dem Blindesten zu zeigen, wohin die Fahrt gehen soll, lind das ist allerdings eine recht

ernste Sache. Da ist zunächst anzusührcn, daß sich ein Redner nicht geniert hat, vom Deutschen Reichstag als von einergemischten Gesellschaft" zu sprechen. Das bat der Vorsitzende nicht nur nicht gerügt, sondern die Ver­sammlung hat sogar nach dem Bericht derDeutschen Tageszeitung" irtitstürmischer Heiterkeit" quittiert, in die oiscnbar auch die anwesenden Mitglieder des Reichstags, die Herren von Hehdebrand und Gras Westarp miteinge- stimmt haben. Es unterliegt lciueni Zweifel, daß in den fortgesetzten Beleidigungen der deutschen Volksvertretung System liegt. Das neue Wort ist der Ausdruck einer Anti­pathie. um nicht zu sagen Feiudschasl, gegen das Reich und seine Institutionen, die nachgerade mit einer Ungeniertheit hervortritt, wie man es bisher nicht für möglich gehalten hätte. Zum 18. Januar schrieb in derTägl. Rundschau:"

Gietzeiier Stadttbeater.

Sent M'ahesa.

Gießen, 20. Januar.

In, Gottesdienst der orienmlischen Völker des A'tertums bat der Tanz c,c ganz bedeutende Rolle gcfpiclt; die Juden, die sonst keine Kunst zu einer Lühe ausgebiidct haben, räumten dem Tanz in ihrem Kult eine scbr große Stellung ein und bei den Aeghvtcrn Ivar keine scftlichc Veranstaltung ohne große Tanzspiele denkbar. Im Lande der Pharaonen tanzten allerdings nur die Beruis länzer und die Priester mit ibren Gehilfinnen außerhalb des eigenen Hauses, und die Bibel berichtet uns. daß Mickal. die Tochter Saul», ihren Gatten David in ihrem Herzen verachtete, als sie ihn össcntlich tanzen iah. Allerdings loarcn die meisten dieser Tänze wesentlich verschieden von dem. lvas wir heute als Tanz ailseheni es war Feierlichkeit, edle Würde und Anmut, lünstlcrisch gezügelter Fanatismus, ichüvicrische »rast. Daneben standen aber auch die rein weltlichen Tänze und Tanzsviele. wie der Bienentanz und der Ghawasis in einer seiner Grundformen, sehr hoch im Ansehen. Bon all düsen Tänzen sind sehr viel Berichte und bildliche Dar­stellungen e.ni uns gekommen und aus ilincn beruhten zweifelsohne die seinen, stilechten Vorführungen, die Seilt M'ahesa gestern abend einem erlesenen Kreise darbot. Im Gewände einer Tempel- dienerin tanzte sie zuiiächst eine scierliche Weise, dann in geschlos­senerer Kleidung einen Kriegstanz uich einen alt-semitischen Tanz aus dem Cybelefult. Im zweiten Teile führte sic zunächst einen siamesischen Tan, vor, dann einen Zimbeltanz, eine als Tchwert- tanz bezeichnet- Szene und schließlich gab sic als Isis einen Be- griis von den scierliche» Schreilbewcgungen bei dem Jsisknlt.

Was die Künstlerin vor allem ouszeichnet. das ist ihr außer­ordentlich seines rhythmisches Gesübl, dos jeden leisen Untcrion spürt, die ungewöhnliche Fähigkeit, musikalische Werte in darstellerische nmzusctzcn. Formen zu bilden, die mit dem Rbvthmus unlösbar verbunden sind. Ob diese Formen in ihrer absichtlichen Steilheit und Eckigkeit aber Lebens formen der Aegyvter waren, das scheint mir sehr fraglich. Es lind Manier gewordene Kunstsormcn der ägvptischcn Flächenmalerei, die bei den noch erhaltenen Rundbildern gar nicht Vorkommen: man denke nur an die prächtigen Holzschnitze­reien wie den Bürgermeister oder,den Schreiber. Trotzdem aber versteht es die Künstlerin, den Fluß der Linie zu wahren, und sic nzüst sogar ungemein seine Farbenwirknngen zu erzielen. Der helle Bronzeton ihres nackten Körpers ist jedesmal aufs glücklichste mit den delorativcn Farben der Umgebung verschmolzen, Hintergrund und Gewandung sind durch sich ergänzende Farben aufs beste abgestimmt und üben so eine berückende Wirkung aus. Poll lveichcr Amnut hebt sich ihr gertenschlanker Leib, dem alle Bc- inegnngssäbigkeiten geq.-ben zu sein scheinen, von den gesättigten Tönen des Hintergrundes ab. Bei jedem Tanz entdecken wir, daß die Künstlerin neue Möglichkeiten findet. Musik in Rhythmus um- zubildcn, und trotz aller Eintönigkeit des Themas immer wieder

der Senior der deutschen Feldgeistlichen, Hosprediger a. T. I Rogge, der vor 48 Jahren bei der Kaiserpronamation in Versailles die Wciherrdc halten durste, es habe seit der Gründung des Reichs, jedcusalls seit dein Ausscheiden des ersten Kanzlers,kein Jahr gegeben. in dein es so sehr ivie in diesem not täte, das Gedächtnis dieses Tages zu ehren". Hätte er cs sür möglich gehalten, daß gleichsam als Ant­wort darauf der Prcußeniog den Gründungstag des Reichs als Jnbiläumstag ablehnt? Kann man das anders nennen als Reichsfeindschast? Auf daß das Maß voll werde, streuen diesePatrioten" auch noch aus die Wasfenbrüderscktzisl der deutschen Stämme im großen Krieg gegen Frankreich ihren Hohn, indem sie die Bayern in dem Gefecht bei Orleans geradezu der Feigheit bezichtigen!

Das bringt sogar dieBayerische Staatszeitung" gegen diese Kundgebung auf, das amtliche Organ des Grafen Hertling bringt nämlich eine hochosfiziöfe Verlautbarung, in der gegen die Aeußerunge» Steilung genommen wird, die nach den Blättern und einer aus Berlin zugegangenen Korrespondenz Generalleutnant v. Kracht Dessau g' legcntlich desPreußentages" über eine angeblich selbst erlebte Episode aus der Schlacht bei Orle­ans 18 70 getan haben soll, wo sich die Bayern vor dem französischen Feuer zurückgezogen, die Preußen aber flott angrisjcnz DieStaatszeitung" bemerkt, cs sei nach den bisher vorliegenden Berichten nicht ersichtlich, welchen Ab schnitt der Schlacht bei Orleans Kracht im Auge hatte, sie erhebt aber schon jetzt Einspruch gegen die Art und Weise, in der das Verhalten verschiedener Truppenteile der verbündeten Armeen gegeneinander ausgespielt werden, umsomehr, als sich gerade in den Kämpfen in und um Or­leans die bayerische Armee unter schweren Verlusten helden­mütig geschlagen und mit unvergänglichem Ruhm bedeckt habe. Die Freude an den gemeinsamen großen Erinne nmgen, die Preußen und Bayern aus dem Jahre 1870/71 verbanden, werde durch solche Entgleisungen eines Eiiizclneii sa nicht bccinkrächligt werden können, imnierhin seien sic ans das lebhafteste zu bedauern.

Die Konservativen besinden sich nunmelzr in einer we nig günstigen Verteidigungsstellung. Wenn der General von Kracht sich auch etivas vorsichtiger ansgedrückt haben mag. als cs in der Presse zu lesen stand, so hat er doch unnütze Redereien auss Tapet gebracht, die lediglich dem Parti kularismus Vorschub za leisten geeignet waren.

Berlin, Ist. Jan. In der heutige» Aöenoausgabe der Kreuzzcituw," wird die Acußcrnng des Generalleutnants von Kracht über die Schlacht von Orleans besprochen. Da­nach mußten die Bayern bei Orleans vor sranzösischcr Ucbermacht »urückgehen und vrenbische Bataillone kamen ihnen zu Hilse. Tic Preußen schassten den Bayern dadurch. Lust, wie diese dank­bar anerkannten. Bezüglich der Entgegnung derBayerischen Staatszcituna" heißt cs: Es lag General y. Kracht durchaus t c r n, das Verhalte» der preußischen gegen das der bayerischen Tiuvve» auszuspielen. Er wird zweifellos ebenso gern wie alle unterrichtelen preußischen Ossiziere anerkennen, daß die baye­rische» Truvvcn sich nicht bloß bei Orleans heldenmütig geschlagen und den vrcußischen Truvven an ovscrsrcudigcr Todcs- hercitschast nicht nachgcstanden haben.

neue Wendungen zu ersinnen weiß. So war den» auch der Beifall stark und herzlich.

Ter Abend tvurdc durch Bernsteins niedlichen Einakter Blau cingeleitct, der unter^Herrn Tworkowskis Leitung sehr statt ga­schest imirdc. Herr Steinhofer gab einen ganz vorzüglichen Maler, Herr Dworkowski einen schars charakterisierten Guts­besitzer, Frl. Dagny cinc herzliche Hedwig Meyer und Herr B r u ch w i tz einen tüchtigen Rechtsanwalt. dl.

*

varmjtädter Musik- uni» Thraterbries.

In Darmstadls Konzcrtsolen und im Hoitbcater nah», das neue Jahr einen recht wohlgemute» Anfang. Wir brauchen nicht die kleinen und kleinsten tlingenden und singenden Veranstaltungen z» erwähnen, die sich in diesen sür die Künstler so schweren und doch so verheißenden Monaten überstürzen, die großen brachten dem Publikum wirklich Großes. Im vierten Hchmusikkonzcrt durste man die kiese und musikalische Kultur des einstigen Wunderkindes Bronislav H u b c r m a n n im wunderbar reifen Vortrag des Mendelssohn-Konzertes und der auch seine Violintcchnik glän zcnd erweisenden Ncinen Pavaninischerzc genießen. Die Technik in säst übermenschlicher Ausgestaltung, verbunden mit einer echt südlich slannschcn Schwüle des Temperaments brachte derimmer satten Tarmstädtcr Konzertwelt das V e e s c y - K o n z c r t des Richard-Wagner-Bereins. Das äußerlich so zugunsten dieses blen­denden sugcndlichcn Kollegen Hnbermanns ousiicl. Diesen beiden Geigenkonzertcn gesellten sich die aus intimere Wirkung aus­gehenden Karnmermiyitvereinigungen: Tie de Haan schcQ»ar- tettvcreinigung mit einer Schubert-Matinee, in der Frau S ch m i d t -L l l i n a als Gefangsiolistin berechtigte Lorbeeren erntete, und das Tarmstädtcr Strcichguartett, das die Herren Boß und Starnitzky aus Mainz (Schumacher- sches Kvnservatorüim) als bcrnscne Interpreten Regerscher Kla­viermusik -Variationen und Fuge über ein Beethovcnschcs Thema) verstellte. Die Krone des Kvnzerllcbrns dieser ersten Wochen bildete der tresslichc Tessosf'schc Fraucnchor aus Frank- surt, der einen der älteren, toic auch der längsten Kirchenmusik (Kantate von Hans Gäl) gewidmeten Mend unter regem Besuch in der Stadtkirche gab, nachdem er sich im letzten Jahre im Richard-Wagner-Verein auss beste eingcsührt hatte. Das Konzert der temperamentvollen Dcutschrussin, der .Konzerlsängerin Anna Heise mit dem hier bestrenommierten Pianisten Paul Schramm baddc eine, trotz der .Konkurrenz des alljährlichen Mnsik- vcreinssestes, das ganz Darmstadt zusammensührte, recht ansehnliche Hörerschaft zu sich gelockt, die diese Matineen lam Vormittag nach jenem rauschenden und ausgedehnten Fest) nicht umsonst ausgesucht hatte. Auch die Opcrnbühne ließ an Vielseitig­keit nichts zu wünschen übrig. Sic begann mit einer zyklischen werndervoll gestalteten R i n g a u f s ü h r u » g, in deren ersten beiden Abenden Kammersänger Walter Soonier alsWotan" sein reiches Können Iviedcr einmal ans der besten Höhe zeigte. Die beiden letzten Abende zeigten auch unser einheimisches En-

vie elsah-lothringische Erste «ammer und die Saberner vorsolle.

Nach der Zweiten Kammer hat nunmehr auch die Erste Kammer in Straßbiirg zu den Zabcrner Fällen Stellung genommen.

Straßburg, Ist. Jan. In der Ersten Kammer begründete heute' nachmittag Tr Eurtius folgende 2l n - frage:Was gedenit der Herr Statthalter zu tun, um dem Lande die Sicherheit zu verschaffen, daß die Inhaber der militärischen K o in m a n d o g c w a l t in Elsaß Lothringen sich in Znkunst innerhalb der gesetzlichem Schranken ihrer Bejugnisse halten?

Darauf gab Staatssekretär Freiherr Zorn von Bu­lach folgende Erklärung ab:

Di.' Regier,lg hat i» der Zweiten Kammer ihren Standvuilkt klar gekennzeichnet. Inzwischen sind die Krieqsgerichtsurteile rcchis- lräiltg geworden. Jnznnichen hat auch die Reichsregierung zu der Frage von Zobekli Stellung genommen und zwar in derNordd Allgemeinen Zeitung" vom 15. Januar. Der Staatssekretär verliest dicse Kundgebung und erckärt weiter: Tic Regierung tft. der An sicht, daß durch die Nachprüfung der Dienstvorschrift von 1890 iin der Teile der Äabincttsordcr betresfend den Watten- gebrauch des Militärs verwertet sind) eine vollständig klare Rechts tage geschaisen wird.

Aus der Mitte des Hauses wurde sodann folgende Ent­schließung eingebracht:

Tic Erüe Kammer betlagt ans das ticsstc die Vorkommnisse in Zabcrn, welche geeignet sind, ein vollständig falsches Bild der Slim- mung in der elsässisch-Iothringrschen Bevölierung und ganz be­sonders übe: das Verhältnis zwischen dem Militär und der Landcs- bevölkernng hervorznrusen. Ohne irgendwie die in Zabcrn von Zivilverionen begangenen Ausschreitungen und das die Aufregung der Bevölkerung schürende Verhalten einzeln,»- Presseorgane zu entschuldigen, in sic der Ansicht, daß die bcdaucrliche» Vorgänge vermieden worden wäre», wenn das u n - Ivürdigc, die Bevölierung verletzende Benehmen eines junge» Ossizicrs seitens seiner Vorgesetzten sosorl die e n t s v r c ch c II d c R c IN e d n r erhalten hätte und letztere be­kannt gegeben loordcn wäre: sic ist scrncr der Ansicht, daß dl»' militärische Bcschlsbaber, auch wenn er sich zum selbständigen Ein­schreiten besngt erachtete, sedcnsalls in der maßlosen, das rech-llichs Empfinden verletzenden Weise ersolgten Aussührmig sich s ch w c r c t ll e b e c k ch r c i t » u n c n seiner Befugnisse hat zu schulden kommen lassen: die Kammer ist endlich der Llniicht. daß gegen die Wieder­holung solcher Vorgänge eine sichere Garantie gegeben werden muß, insbesondere auch dafür, daß die in Elsaß-Lothrmgen zu Reckst bestehende Gesetzgebung von den in Elsaß-Lothringen garnisomeren, den Militärbehörden genau beachtet wird. Die Kammbr crsltckp die Regierung, an matzgebender Stelle eine Entscheidung in diesem Sinne hcrbeizusühren.

Die Entschließung trägt 18 Unterschriften, darunter die Namen: Exzelle,ig Dr. Bock, Tr. Eurtius, Tr. Schwendar, Tr. Vonderschcer und Frcih. Dr Zorn von Bulach (Weih bischos von Slraßburg).

Pfutfcit«* Reich.

Ter Wahlprüsungsaus schuß des Reichstags hat einen weiteren Bericht erstattet über die Prüsung der Wohl des Abg. v. Liebcrt (14. Sachsen, Borna-Pcgou). Er beantragt U n g ü l t i g ke i t der Wahl. Es ist anzunehmcn, daß das Plenum des Reichstags diesem Beschlüsse beitrctcn wird.

scmblc tbcsonders Frau Eallwey) der Wagner'schcn Geiftcswclt durcknms gewachsen. Aber noch einen andere» Gast, dem noch cinc goldene Zukunft bevorzustehen scheint, hatte die rege Leitung des Lvstbealers berangczogen: G e o r g e B e k l a n o s s trat in dem rigens sür ihn in, ursprüngliche» Stil (Tecirezitative, tviede'r hergcüelltcnBarbier ran «eviiia" als Figaro aus und cnt- entratlctc hier, noch eindringlicher allerdings in seine,» Scarpw lTvska) seiner zweiten dicswinterlichen Gastrolle, neben scincnr wundervollcn Organ besonders im Spiel cinc hinreißende Gc- ftallongskrast, die dem bcgeislcrten Publikum auss beste bewies, welchen Vorzug es hotte, diesen ganz Großen zu erleben, der im Frühiahr in der Oper in Monte Earlo singen wird. Nicht ver­gessen wollen wir die tüchtige Leistung des Posener Tenoristen Wiesen banger imWa fsc » s ch m i cd", der mit seinem warmen, stark lyrischen Ton als aussichtsreicher Bewerber sür die frcigcwordcne Stelle Otto Sempers in Betracht kommen dürste. Doch hat er noch cinc Reihe aussichtsreicher Gäste vor sich.

Was nützt Radium bei Krebs? Es wird uns ge­schrieben : In der letzten Zeit erregen die Verüssentlichungen über die Hcilwirkungen des Radiums und Thoriums die beiondera ?luimcrksamkcit weitester Kreise. Heilwirkungen, besonders in ver- zwkiielten Fällen bei Krebs, sind auch gar nicht zu leugnen: aber diese Erfolge erstrecken sich nur aus einen Bruchteil der Fälle, denen die reichlich 90 Prozent betragenden Mißersolge gegenüber- stehen. Schon ans der letzten Natnrioricherversommlung wurde ausdrücklich vor zu optimistisckwr Auiiassung gewarnt. Tie Be­geisterung ist aber immer wieder angeiacht worden durch die geschäftlich interessierten Kreise, besonders seitdem überall Samm­lungen znm Ankout von Radium und Tborium cingeleitct wurdm Von cinsicküiqen Städten und Instituten ist deshalb auch der Ankaut vorläusig binausgeichoben worden. Der zweite Band von E. Marx: Handbuch der Radiologie, welcher von E. Rutberioip bearbeitet ist, behandeltradivaksire Substanzen und ihre Strob- lungcn". R.. der anerkannt erste Forscher aus dem Gebiete der Radioaktivität, bezeichnet hier den heutigen hohen Preis des Radiums als einen künstlichen, welcher mit den Unkosten bei dcr Gewinnung in keinem EinNang steht. Diese Unkosten belausen sich nach der Aussage von Fachleuten aus höchstens 4060 Mark vro Milligramm reines Radiumbroniid. Tie Begeisterung sür das gewiß sehr wertvolle Radium wird wieder abslaucn, wie es seinerzeit geschah, als Koch das Tuberkulin ersand, besonders, do wir voraussichtlich schon bald, mit Hilse der Röntgcnröhrr Strablenwirknngen erhalten werden, welche, bei genauester Dosier­barkeit, uns rascher und billiger die gleichen Heilerfolge sichern, wie wir heute schon mit Zuversicht.anzunchmeu berechtigt sind.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Berlin ist Prosessor Genre im 'Alter von 90 Jahren gestorben.