Nr. 15
Ter «ießenrr Anzeiger
evfdjfint täglich, auöet SonnlagS. — Beilage»: viermal mödiemlid) äüejenerZLmilieiiblälleri »vkimalwöchenil.iiiei;- blaUsürdentzttisSiehen
(Diesstag und Frciiagsi ivelmal monnll. lantz- wlttlchastlicheZtitlraaen
F«r»sprech. Anschlüsse: iür die Rcdaklio» 112 , Verlag ». Expedition öl 'Adresse lür'Develchcn: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen l»r die Tagesnu,inner dis vormittags !> Uhr.
Montag, 19 . Januar 19 H
Vezuasaret»:
nionatlich75M.,vierteljährlich B!k. 2.20: durch Äbhole- u. Zweigstellen inonatlich Sö Pt.; durch die Post Mk.2.— viertel« jährl. ausichl. Bcstellq. Zcilenpreis: lokal löPj., answärrS 20 Pleunig. Ehesredakleur: A Goetz. Berauiwortlich iür den volit. Teil: Aug. Goetz: iür .Feuilleton", .Vermischtes" »nd.WciichlS- saal": Karl Neurath: iür .Ttadi und Land":
kröaktisn, Lrpcdition und vrulierci: Schulstrahe 7. Anzeig^meil:' H? Beck'.
Oberhessen
Eenerat-Anzeiger für
Kotaticnsörucf und Verlag Ser Srühl'schen llniv.-Bi>ch- „nS Steindruckerei K. Lange.
Erster Blatt
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Tageskalcndcr aus dem Fahre 1814.
l0. I «n u a r: Yorcks Truppen schließen L u x c m b u r g ein.
Zur Zivilprozehreform.
i
Aus Richtcrkrciscii wird uns geschrieben:
Daß unser Zivilprozeßversahrcii au iiiancherlei recht be- deuNichen Mängeln leidet, ist eine ancrlanntc Tatsache. Nängel, von denen sreilich in erster Linie die Parteien ge-- rosjen werden, deren Beseitigung aber nicht minder den prozeßleitcndeii und prozeßbetreibendci, Juristen ,Richtern und Anwälten) am Herzen liegt, die tagtäglich berufen sind, die Schwächen unseres derzeitigen Verfahrens am unmit- leibarstcii zn erfahren. Tie Frage, wie diesen Mängeln ab» zuhclsen sei, wird denn auch icit Fahren in snristischen Kreisen auss lebhafteste erörtert und sie ist umso attuellcr ge- ivordcn, als eine Revision unserer Zivilprozessordnung seitens der ReichSregicrung und eine Reform ans gesctz-, gebcrischem Wege ohne Zweifel in absehbarer Zeit zn er- ivarten steht. Was aber seither aus juristischen und an-, waltlichen Kreisen an Rcformvorschlägcn vorgcbracht lvor- den ist, bewegt sich doch mehr oder weniger in dein engeren Rahmen juristischer Fachsckrijten und Vortrüge, die ii, der Tagesprefsc nicht in dem Maste Berücksichtigung und Wiedergabe finden tonnen, wie sie cs wohl wert sind. Andererseits hat aber das Publikum in. seiner Allgemeinheit ohne Frage selbst ein großes Interesse daran, von dem, was zur Hebung der bestehenden Mängel geplant ist und zu crwar- ten steht, auch seinerseits unterrichtet zn sein, damit cvcii-, tnell auch ans seinen Kreisen heraus auf etwa nicht berück-, sichtigte, von ihm besonders empsnndcne luuitbc Punkte unserer Prozessordnung der Finger gelegt werden kann.
Als wesentlichste Schwächen der ZPO. sind seither die folgenden besonders hcrvorgchobcn lvordcn:
Zunächst wird cs als Mitzstand empfunden, daß die ZPO. feinen Unterschied macht zwischen u n b e st r i t t e - n c n und bestrittenen Ansprüchen.
Die Klageerhebung soll, so wird vorgcschlagen, von dem 'Nachweis abhängig gemacht werden, dast das Recht des Klägers bestritten ivird.
Zur Befriedigung unbestrittener Rechtsansprüche werden folgende Artikel ins Auge gcjastt:
1. Einziehungsämter auf genossenschaftlicher Grundlage, wie sie bereits vereinzelt bestehen.
2. Einführung eines gerichtliche» Z w a n g s v e r - gleichs außerhalb des Konkurses und Befugnis des Richters, Stundungen zu gclvähren und T c i l - z a hl u n gen zu gestatten. '
3. Weitere Ausgestaltung des Mahnverfahrens, zn dessen besserer Ausnutzung ja auch neuerdings seitens der Aeltesten der Berliner Äausmannschast (an der Spitze der Reichstagsprasidcnt Käemps) in einer hcsonderen Broschüre. „Einziehung von Forderungen in, Mahnverfahren", ausqcsordert worden ist.
4. Tie Zulassung protcstierter Wechsel als vollstreckbare Schuldtitel (ein Vorschlag, dessen Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit jedoch lebhaft bestritten ist).
Als Rcsorinvorjchlägc in Ansehung der Geltend,nachniicz st r e i t i g« r A »s P r n ch e kommen in Betracht bezw. werden vorgcschlagen, zunächst als vorbeugendes Mittel: die Einführung von Rechtsauskunftsstellen. Wenn auch solche wohl vielfach bereits bestehen, so tra-
gcn sic doch fast durchweg privaten Charakter. ES ist aber durchaus notlvendig, dast im Fntcrcsse der Allgemeinheit hier auch der Staat eingrcife. Als weiteres prozcßver hinderndes Mittel sind sog. Einigung säint er vorgeschlagen, wie sie gleichfalls bereits an vielen Orte» bestehe» und lisch bewährt haben, so z. B. das Einziehungsamt der Aeltesten der .Kaufmannschaft in Berlin. Tie Anrufung der Einigungsämter muß jedoch dem freien Willen ' b e r Parteien anhcimgestellt werden. Ein obligatorisches Sich ncverfahrcn für lalle Streitsachen würde sich nicht empfehle», da.es leicht statt eine Förderung der Rechtsdcfricdi- gung eine Verzögerung in dieser Richtung verursachen könnte.
Eine Verminderung der Prozesse tönnte auch sehr ivohl durch eine möglichste Verbilligung der Geltend m a ch n n g unstreitige r A n s p r ii ch c erzielt werden, wie andererseits auch eine C r l> ö h n n g der Kosten bei frivolem Streiten oder eine H crabsetzuiigbeisre U williger Beilegung des Streites ohne Frage in der angcdentetcn Richtung vorteilhaft wirke» dürften.
Auch eine Acndcrung der Bestiminungeii über das Arni c ii r c ch t, wie z. B. Kosten e r m ästig n n g stall volle Kosten b e fr ei u n g, ist als Prozcstvorbcngnngsmittel wohlbcrcchtigt in Vorschlag gcbrackn worden.
Tie in Ansehung des eigentliche» Ttrcitvcr- f ahrens geinachten Vorschläge und ausgesprochenen Wünsche bedeuten zum Teil recht tief einschneidende A cnde run g en wesentlicher Gr unds ä tz e unseres Zivilprozeßversahrens und können wohl nicht durchweg widerspruchslose Billigung finden.
Znsbesondern zielen die vom Reichsgerichtsrat Tr. Lobe ans dem vorjährigen Richlertag in Berlin nach dieser Rich- lling gemachten Barsch. äge aus eine wesentliche E i n s ch r ä n - k u n g d e v mündlich e n B c r h a n d l n n g s in n x i ni c und der Verhandlung des Streites vor dem Kollegium, sowie auch ans eine grundsätzliche lkmgestal- tung der Berufung.
Schon die K l a g c s o l l d e n E r s o r d e r n i s sc» d c S 8 130 ZPO. li b e r v o r b e r c i I c n d e S ch r i s t s ä tz e c n t- svrcchen und im Falle ihrer Mangelhaftigkeit von dem Vorsitzenden zwecks Ergänzung oder Berichtigung zurück-, gegeben werden. Die Entscheidung über gerichtshindcrndc Einreden, die in der K lag e be a n r w o r t n n a vorgebrncht werden m ü s s c n (untcr.Verlvcigeruug der Verhandlung zur Hauptsache) soll durch Gerichtsbeschluß erfolgen.
Verläuft die Frist für die Klagebcaiitwortnng fruchtlos, dann soll der Bo r sitz e n d e Vcrsnninnisurteil erlassen, das sür vorläufig vollstreckbar zu erklären ist. Mit der Klagcbe-- antwortung kann der Anspruch anerkannt werden, woraus gleichfalls wieder durch den Vorsitzenden Anerkcnntiiisnrteil ergebt. Sind Rechtsfragen streitig, dann ist H a upt- Verhandlung vor dem Kolleg anzuordnen, andern- salls findet aus Anordnung des Vorsitzenden ein Vorverfahren vor einem Mktgliede des Kollegs statt. — Der Sach- und Strcitstand ist in diesem Verfahren derart vorzubereiten und zu klären, daß das erkennende Gericht alsdann wenn irgend möglich in einer.Hauptvcrhandlnng zum Urteil gelangen kann.
Die Parteien sollen aber nach Schluß des Vorverfahrens auch berechtigt sein, die Sache sofort durch den beauftragten Richter entscheiden zn lassen, unter II m - aehnng einer Verhandlung vor dem Kolleg. Die Parteien sollen berechtigt sein, die Zuziehung von Sachverständigen zur Hauptvcrhandluiig zu bcan tragen, die an der Beratung und Entscheid n n g teil- zunehmen hätten. Tie Zuziehung m nst erfolgen, wenn beide Parteien hier über einstimmcnd beantragen. Tic Auswahl der Experten steht im Ermessen des Gerichts.
Eine wichtige Aendcrung bedeutet auch die von Lobe gc- fordcrtc Beseitigung des „bediiiglcn Endur teils" an dessen Stelle die eidliche Vernehmung der Parteien treten soll.
Au» Hessen.
Ein Antrag zum neuen G e in c i n d e st c u c r g c s c tz in der Ersten Ka m ine r.
rb. T a r in st adt, 18. Jan. Zur Abänderung des neue n Ge m c i n dcstc n e rgc sc tzc s haben die Mitglic der der Ersten Kammer Fürst v o n I s c n h n r g - B i r st e i n und Freiherr Hehl zu Herrnsheim folgende Anfrage an die Regierung gcrichlcl:
Am 15. März 1013 bat die erste Kammer einstimmig beschlossen. die Givstb. Rcgicriing zn ersuchen: l. einen Gesetzen: - wun belr. Auslegung des Ge neindeumlagengesktzcs vom 8. Juli 1011 I orzulcgen. wodurch die To ppelic stelle r IIII g des land wirtschaftlichen Lrtriebskapilali beseitigt wird: 2. alsbald^ einen Geietzcntwun rorzulegeii, wodurch bestimmt wird, daß der Steuer pflichtige der Istnsligcii Veranlagungen schon während de- Per aiilagungsvenahrens von der Bewertung seiner laudwirtichait lichen Grundstücke durch die Steuerbehörde, beziehungsweise die Leranlagiingslommission Kenntnis erhält, um ihm das Aulrags- rccht gemäß Rttikcl t des Gesetzes vom 8. Juli 101 t aus Beste ne rillig nach dem Mittelwert zu sichern.
Tic Unterzeichnete» richien an die Großh. Regierung die Anträge. welche Täiritic sic in der Zwists .-».zeit getan hak. um dem einstimmig geslelklcii Ersuchen zu cinsprecheu. zumal die ReichSgcsetzgebung in dcni WehrbeitragSgeictz und in dem Besitz» Ilciieigckctz ffir die landwirtschaftlich genutzten Grundstücke die Besteuerung nach dem ErlragSlvcrt rorgcschricbrn l>at.
T i c E r st c K a m m c r und d i e B e s o l d n n g s v o r l a g c.
rb. Darm stadt, .18. Jan. Ter Finanzausschuß der Ersten Kammer wird Mittwoch, 28. Jan., zur Beratung der Gesetzentwürfe über die BesoldungSresorm znsa inmen treten. DcrAnsschiitz dürste, nachdem die am vorigen Mittwoch ab» gehattcnc vertrauliche Besprechung der Mitglieder der Ersten Kammer eine Uebereinstimmung darüber ergab, daß die von der Zweiten Kammer beschlossene Erhöhung der lSehaltc der Volt s s ch n l l e h r c r lvegrn der hohen, niigcdcckten Mehrkosten nicht angenommen werden könnten, sich in der Hauptsache für die W i c d c r he r st c l l u n g d c r R e g i e r n n g s - Vorlage entscheiden und mit geringen Abänderungen deren Aniiahinc deni Kammerplenuiii empsehlen. Rachdent der Finanzausschus; seine Beratungen beendet hat, wird ini ersten Drittel dcS Monats Februar die Erste Kammer in die Beratung der Vorlagen cintreren.
Bekämpfung von Schmutz und Schund in Wort und Bild.
rb D a r ni st a d t, 18. Jan. Zur Bekämpfung von Schmutz und Schund in Wort und Bild ist gestern nach mittag im Ausstellungsgebäilde auf der Künstlerkolonie aus Veranlassung des Hessischen Bolksschriftciivcreins eine inler- essante Ausstellung eröffnet worden. Tic Eröffnung fand in Gegenwart dcS Ministers des Innern von Hombergk. StaatSrat Süsser t, Prälat O. Flö r ing, Provinzsaldirektor Fe», des Rektors der Technischen Hochschule, Bürgermeister Müller und zahlreicher Leiter höherer Lehranstalten und der Volksschulen statt. Der Vorsitzende des Volksschristenvcrcins, Obcrlandesgcrichtsrat Lang begrüßte die Erschienenen und legte dar, daß die Tätigkeit des Vereins von jeder parteivolitischen oder konseslionellcn Parteilcndcnz frei sei und lediglich vom Gleist der Liebe zum deutschen Volke geleitet sei. Ter Verein verfolge den Zweck, vorläufig im Großherzogkiim Hessen den für das Bolkswohl nottvendigen Kamps gegen Schund und Schmutz in Wort und Bild nicht allein durch bloße Warnungen und Abwchr- maßregrln, sondern auch durch tätiges Eingreifen in der
Gietzcncr ^onrcrtvcrci»»«
IV. Konzert: 3. Solistenabend
Gießen, 10. Januar. Y-cnr Vorstand des Konzcrtvcreins war es nun doch gelungen, r gestern Frau Erler Schuaudt aus München zn gewinnen, die 1 Kanrmermuiik-Abend iuiolgc Erkranlung allgesagt Halle, und war sicher so bester: denn die außcrordeillliw starke :>uhvrer-
- t kvnn c aus die e Weise die hohe Geiangslullur und die v,eicht zurzeit cinzigailige pastose Altstimme au, „ch viel intimer rken lasten als in Rachbarickiack von tanimermunlalnä-cn Tar »uuacn — Ich l'aac intimer, denn ,o vornehme pncltcrlichc
fribft im größten Konzertsaal intim und der Juhärer gstt^äuzich eine Umgebung und lauscht nur andächtig dieier » einem io reinen ivar-mblütigen llulcrlon getragenen ,o zu ■tun sprechenden Stimme und trägt die emviaiigenen Eindrücke ich Hause um sie noch lauge „ill und dauibar zu.gemelzeu.
Jrau Erler-Scknaudts Art vormlragen „t mtiachlich heut iaac etwas sehr seltenes: So Ichlicht und emlach, ohne Noten. i^Te 't nur deii geistigen Inhalt, des .ewecligeu Werkes selbst lebend steht diese ung-wöhnlich lhmvathische.,große Jraucn- übKnuna aus dem Podium und singt mit einer stimme - ciii-r LBeten' Sümme voll unendlichen Wohlla.stes. Hier st. cn i-de Note nicht nur von einer auiicrst distcrenzierten. mustkalr- eir Bild, na ersaßt und iviedcracgcben. sondern ,cdc Rote wird 'i Rcqistcr ausglcichenden eminenten Geiangsiechmk
aeböre» che cS die unvergleichlich hohe muiikoli,che, Kultur r ^Künstlerin im 'Innersten lorderl. In Frau Erlcr-schuaudi reinigen sich eben endlich 'weder einmal die Gaben einer glanzcn,- einer vollendeien sechnik und einer uriprunglichen chik°lüä7 voll kastvollstem Rhythmus. T.e Künstler,», iuhrte uiiiaiiiar i -Urogramm vor, beginnend »nt drei säiu * :i S!i-.-ii denen in der zwcilcu Abteilung vier Lieder von ^aruincr'da-"- entzückend im Dialekt vorgelragene Kölncr ^Bie tunim ich daun de Porz crenu", IN der dritte» „Im
- bst' na'n Rob Franz. „Die Verschmähte" von H. K. Schmid,
wbavä-e" von M. Fricdland und „Storchciibol'chail" von ' tlÄ Mir persönlich bereitete das erste Lied „Tie w -am YadcS" o Schubert den größten Genuß von allen arbielungen, weil hier Frau Erlcr-Schnandt nreigenstc Tanc , geile» zur Geltung kamen, doch ,oll damit mclH gciagt iei»,
- Lj! ..ai-cv liegenden spüleren Vorträge der Künstlerui stiinmlich Ri so gelegen wären. In, Gegenteil konnte man,rn „Im
— endlich lvicdcr einmal cm Lied von Rob. ecran; —
den ungewöhnlichen Slinimiimiaiig an einem siegreichcii „hohen ges" bewundern.
Frau Erler-Tchnaudt erlang sich »anirlich einen vollen rauschenden Ersolg. an dem auch Meister Trautmann als genialer Bcgleiicr seinen schönen Anteil Halle.
vcinrich K i e f e r. de» hcroorraqenden Eellovirlnoie», nach langer Zeit wieder zu höre», war i» vielem ein bohcr Genuß. Wenn auch der Vortrag der Back>sck>e» E-Dur-Suite nicht nach Erwartung aussicl, was einerseits aus eine hohe Feuchtigkeit des Instrumentes, aiidrerseits aber auch auf eiii,,besonveis in der Technik, de» Bachstil wenig unlerstreichcndeS Spiel - der letzte Satz war durch sein rasendes Tenrpo schon mehr ei» Lrsztsches Rhavsodienprestissimo — zurückzuführen ist, so konnlc man beim Tchumannkonzerl besonders von, langsamen Satz an bis zu dem ausgezeichnet gemeisterten Schlußsatz dem eminent virtuosen Spie! des Künstlers sich ganz hingcbcn. Außer den beiden genonulcn araßen und so bedculenden Werken der sonst ziemlich kleinen Eclle- Llteraliir, soieltc Kiefer noch Stücke von Ehopi», Tvoräk und A. SchlemüllerS „Gavotte" und danlle für den starken Bestall mit Schumanns „Abendlied". Pros. T r a » l m a II n begleitete auch hier wieder glänzend, tonnte aber trotz seines nniiikalischen Spiels Nicht über die Mängel der so unhandlich übertragenen Schllmanil- schen Orchcstcrparlitur hinwcghclscn. a—r.
— Tie urausj» h r Ii n g von G c r h a r t Lanolin a n n s Odysseus-Drama. Die Uraustühruug von Ger bart Lauptmauns sünfakiiger dramaiischcr Dichtung „Der B o g c » des O d v > > c n »" i » T e u t l -0 - » " ä » st l c r i b e a » tcr S o z i c t ä tz brach c dem Werk und noch mehr sciiic » Sch'pst r ciuc» rollen Erwlg. Nacli dem drillen Via Mur eer Beisal. illgar so liaik, dast Lauvlmann das Lansgesetz des Theaters durchbrach und. obgleich nach der ausdrücklichen Angabe des ThcalerzellelS „der Dickster, wenn er gerufen wird, erst zum Schlüsse der Vorstellung erscheint", lich bereits in der Mitte dreimal dem jubelnden Publrkum zeigte. Am Schluß erschien er dann viel Örter, zuletzt mit dem Regisseur Rülncr und dem Odysseus-Tarfteller Morr zujammen. Ter Inhalt und die dichlcriichc Gestaltung dcS Tra- mos ist ja bereits nach dem Erscheine» der Dichtung in den Dcih- iiachtolage» aussülstlich behandelt worden. Was damals oicliach besrcmdcte: die willkürliche Ummodelung der Homerische» Gestalten, die soitzsiiidige lind gesuchte Chaxaklcristik einzelner Fg- gureu, wie der (nicht auitretcndc», aber viel erwähnten' Pcnclove, des Lacrtcs und dcS Telcmach — das zeigte sich in der Plasrit
dci Pülinendaniellung i» einem reineren und natürlicheren Licht. Der Eindruck einer mächtigen dramatische» Wirkung war der tünst - lcrischc Gewinn des Abends, und es lvar das große Verdienst der Austühiung, ibn mit allen Mitteln herausgearbeitist zu haben. Manches, ja säst alles, was den Leser entzückt Halle, ging dabei iicilich verloren: die Musik der Verse, die zaiie griecyiickie Patina, die in dem diskreten Lokallolorit und dem geschmackoollcn homerischen Ornament der Rede liegt, die Lvrik der cinzelneii Hymnen »>ld Gebete. ES war ein hmrdscstes Theateripiel. das die Darsteller ' ölen. Hans Marr als Odnstcus gab ehrliche Derbheit, aber Nichts vou der Feinheit des Listenreichen. Tic, die zu stilisieren und idealisieren versuchten, versagten, und am beste» waren, die ihre Rollen ganz realistisch aussaßtcn. Reicher als LacrteS und Tagny ScrvaS als Mclantv.
— T i c Verbreilniig dcSParatyphusbazillus. Unser ärztlicher Mitarbeiter schreibt uns: Man ist es leider »ach- gciadc gcwöbnt, daß besonders in der Sommerszeit, die Oessent- lichleit durch die Kunde vau Flciichocrgistuiig und Hacksleisch- epidcimen alarmiert wird. ES entsteht dann immer die Frage, ob ei» Verschulden bei der Fleischheima» Vorgelegen hat, infoserir als das Fleisch kranker Tiere unbeanstandet durchgelassc» wurde. Die Erörtcning einer derartigen Frage aber ist deswegen zwecklos, lvcil die Erreger der Flcischvergistung. die Paratyphusbazilleii. iür die Tiere, IN denen sic Hausen, nicht pathogen sind, d. h. weil sie kcl nc Kran khei l Sa n zcichc» he ro o rr usc u Sic iührcn eine „savrovbnniche" Eriftcnz genau io wie etwa die Starr- kiamvibazillcn. Man dal sogar geglaubt, daß die Baratnohus- bazillen überall in der Naiur verbreitet wären und Hai geradezu von einer „Ubiauiläi", einem ,,Ucbcrall!cin" gcivrochc». Ties läßt sich jedoch glücklicherweise, wie genaiic Nachprüiinigcn ergab«», keineswegs ausrccht erhallcii. Sic sind weder in cinwandsreien Nahrungsiiiiltcln noch im Dari» der Tiere allgemein verbreiietg und die geiinideneu Bakterie», die zur Paraiinstuisgriiovc gehören, sind wahricheinlrch auch für de» Mensche,, nicht „pathogen",
- K i, r z c Nachrichten ans Kunst und Wissen- sch oft. Im S l u t t ga rI er H»i 1 1>ea I er iaud eine aus Schillers Kabale und Liebe beruhende Over F e r d i n a ii d ii n d L u i s e von JiiliiiS .'loiezek trotz ihrer viiendareu Mängel eine recht irrundlichc Aniiialinie. - Karl '.ii oeßlc r ■■ neues Lunioiel R ö s- scls vr» ii g iaud bei der UrauHnhruug in München eine freundliche Ausnahmc.


