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Erster Blatt M. Jahrgang Freitag. 9. Januar IM
Geheim Anzeiger
General-Anzeiger sür Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'scht» Uaiv.-Buch- und §1eindr«<terei R. Lauge. Redaktion. Lrpedition und Druckerei: Schulftratze 7.
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Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Die Resormen Enver paschar.
Der j»»qe Enver Pascha, die Seele des Staatsstreiches gegen das alte Regime im Jahre 1906, der unermüdliche Schürer des Widerstandes gegen die Bedränger des osnia nischen Reiches, ist im Aller von 33 Jahren zu hoher Macht gelangt. Er hat die Aemter des Kriegsministers und zugleich des Gencralstabschess übernommen und, wie cs jetzt heißt, den Rat des Kriegsministeriums zun, Teufel gejagt. Eine Unzahl höherer Offiziere wurde „pensioniert", wobei die Frage einiges Interesse hat, ob die ffnanzielle Lage der Türkei gestattet, den Verabschiedeten auch eine Pension zu zahlen. Der sirnge Allbeherrscher wird sich im Lande keine geringe Opposition schassen, aber Furcht kennt er nicht.
Wir erinnern uns. dass vor ein paar Tagen in der ..Nordd. Allg. Ztg." gestanden hat, die Türkei gehe mit löblichem Eifer an die schleunige Reorganisation ihres Heer, wesens. Es fragt sich nun, ob die deutsche Regierung aus dieses plötzliche Auftreten Enver Paschas vorbereitet war. Selbstverständlich haben dessen Schritte den größten Einfluß auch aus die Bemühungen der deutschen Offiziere in Kon-i stantinopel. Wird General Liman eine so umfangreiche „Erneuerung" des türkischen Osfizierkorps für förderlich oder bedenklich halten? Will die deutsche Militärmission ihr Werk und ihr Ansehen ganz mit dem Schicksal des übereisrigenj Stürmers und Drängers verknüvfen? War man in Berlin nicht berechtigt, einige „Garantieen" zu verlangen? Das sind Fragen, die einige Sorgen verursachen, vorlüusig aber noch unbeantwortet bleiben!
Dazu nniß man nun noch die jungtürtische Agitation in Albanien halten, die wohl auch im Einverständnis Enver Paschas cingeleitet worden ist. Jzzei Pascha, der frühere Kriegsminister, hat zwar geleugnet, den albanischen Thron erstrebt zu haben, aber nach der neuesten Veröffentlichung der provisorischen Regierung Albaniens, die wir nachstehend abdrncken, ist keine Frage, daß ihm die Aufgabe gestellt war, den christlichen Thronlandidaten zu verdrängen. Vorläufig sind die Pläne indessen gescheitert, nnd was aus den Türken wird, deren Landung in Valona man zum Aieil gestaltet hat, deren anderen Teil man nach Konstantinopel znrücktransportieren will, bleibt abzuwarten. Es ist in der amtlichen Mitteilung vielsagend von „Verhafteten" die Rede. Die Aussichten des Fürsten von Wied sind wieder gestiegen. Welchen Kurs aber das türkische Staalsschiff in der nächsten Zeit nehmen wird, ist gar nicht vorauszusehen, besonders da die Erledigung der „Jnselfrage" bevorsteht, und Enver Pascha kaum für Zugeständnisse zu haben sein wird.
K o n stau t in o v e l, 8. Jan. linier den Ossiziere», die ihren Abschied erhalten, befinden sich die Mar schalle Z e k i und I b r a h i m Pascha, der General der 1. Division Abdullah Pascha, die Generale Ahmed, Ham bi. Mu en ir, E n v e r, I s m ail, Fasil, F e t h i, ?) a va r, F e w s i, S ch e w k e t, T o r g h n t, Hassan und T a h - sin, im ganzen 33 Tivisions generale, 40 B r i ga de g en era le , 12 Ober ste n im Ge ne ra l st a b nnd 7 6 a n d e r e O b e r st c n. Die betreffenden Jraoes sind bereits erschienen. Gleichzeitig sind weitere JradeSüber Ernennungen und Beförderungen erschienen. Der B e r l in e r B c> t s ch a f t e r, G e n e ra l M a h m n d M n k - tharPascha wird zum Inspekteur der 3. Armeeinspektion ernannt. Er erhielt vom Kriegsministerium. telegraphisch den Befehl, sofort von Berlin abzureisen und seinen neuen
Lin Prachtstück unserer vogclwelt.
An geeigneten Orte», an Bächen, Flüssen und Seen haben wir zu allen Zeiten, im Sommer wie im Winter. Gelegenheit, einen der farbenprächtigsten und intcresiaiNcslen Vögel uniercr heimischen Fauna zu beobachten, nämlich den Eisvogel Alcedo ispida). Ter kleine, nur 18 Zentimeter lange Vogel hat ein gar farbenreiches Gewand, das aus der Oberseite einen grünen Grund» lon auswcist, der aus Rücken und Schwanz in Lasurblau übergeht und aut 'dem Kops von lasurblauen Bändern durcktzogcn ist. Tic Unterseite ist rostrot, die blendend weiße Kehle hebt jidi sämrt von dieser Farbe ob. An den lltcrn der Flüsse und Bäche, sowie der Teen und Teiche finden wir den Eisvogel ziemlich häutig. Solange er nach seiner Gewohnheit ruhig aus einem Piahl. Stein oder nbcrhängcnde» Jlveig sitzt, ist er sd,wcr zu entdecken, man sicht ihn meistens erst, ivenn er plötzlich mit lautem „Tit-til" ausslicgt nnd wie eilt blendender, blau- und grnniunietnder Strahl durch die Luft dahinschießt. Am herrlichsten offenbart sich seine Farbenvracht, nienn man ihn im Winter an einem Sonnentage beobachten kann. Tann hebt sid» der kleine Vogel mit dcni langen Kcilschnabcl ganz wundervoll von der weißen Schneedecke ab. und der ganze Körper leuchtet und blitzt, als sei er aus Smaragden und Saphiren zuianimciigcsetzi.
Leider muß der schöne Vogel im strengen Winter oft schwere Not leiden, denn wenn alle Gewässer zufrieren, so daß er nicht zu seiner Nahrung, den kleinen Fischen gelangen kann, dann muß er hungern, und nicht selten verhungert er ganz oder erfriert in leincm abgemaltetcn Zustande: man sindbi daher zuweilen ans dem Eise scstgesrorene Eisvögel. Solange aber das Wasser offen ist, hat er keine Rot, dcnii dann kann er tischen, und er lennt die Stellen ganz genau, wo die meisten Fische iirt, anihaltcn. Wie alle echten Fischer bat er eine unerschütterlich« Geduld, stunden lang sitzt er unbeweglich auf einem ^Stein oder Zweig und beobachtet unauSgejetzt das Wasser. Sobald na. ein Fisch scheu läßt, fällt er wie ein Stein herab lind ergreift mit sicherem Grift seines kräftigen Schnabels den zappelnden Flosscnträger, dann dreht und wendet er ihn so, daß er mit dein Kops voran in seinem Schlund verschwindet. Wenn auch der Eisvogel naturgemäß nur kleine Fische verschlingen kann, io sind sic im Vergleich zu seiner eigenen Winzigkeit doch oft erstaunlich groß, so daß man nid,t begreift. wie der Vogel den Fisch verschlucken kann. Da nun der bunte Fischer auch noch sehr gefräßig ist, so tut er der Fischerei erheblichen Schade»: er ist daher an Zuchiteichen, die er sehr gerne ausiucht, unter keinen Umständen zu dulden. Tic Fischer stcNen dem arnien gesiederten Kollegen denn auch mit allen Mit
Postcn anzutreten. Brigadegeneral Ds ch a v i d Pascha ist zum Inspekteur der 4., Marschall Osman Pascha zum Inspekteur der 1. und Geiveral Te ki zum Inspekteur der 2. Armeeinspekfton ernannt lvorden. Ein Brigadegeneral und 30 Obersten wurden zu Divisionskommandeuren erannt, u. a. Oberst Bronfart v. Schellen dorf zum Kommandeur der 3. Division. In der Liste steht auch Genera l Lima» v Sanders als Kommandeur des I. Korps. — Kriegs» mini ft er Enver Pascha übernimmt auch die Funktionen des Chefs des G c n c r a l st a b c s. Ter stellvertretende Chef des Generalstabs wird noch ernannt; zuni zweiten stellvertretenden Chef des Generalstabes ist Oberst Ismail Hakki, ein Schwiegersohn des Sultans nnd früher Militäraltachee in Wien, ernannt worden. Das neue Budget des Kriegsministeriums lucift gegen das laufende Jahr Ersparnisse von drei Millionen Pfund auf.
Fast alle Militäraltachees im Auslande find a b b e r u f en lvorden. Sie sollen durcki neue ersetzt werden. ES bleiben nur Blaque Pascha in Wien und Tschcmil Bei in Berlin. Auch in den Aemtern des Kriegsministeriums werden ivichtige Neubesetzungen stattsinden.
Valona, 8. Jan. lieber die Ursachen, welche die gestern verfügte Verhängung des Belagcrungszu st a n- d e s herbeisührten, werden von maßgebender Stelle folgende Einzelheiten initgeieilt:
Vor einigen Monaten kamen in Skutari ein gewisjer Zenit Bei aus Jpek und Z i a Bei ans Tsakowa als Emis särc der türkischen Regierung an, um die albanische Bevölkerung mohammedanisäten Bekenntnisses dahin zu beeinflußen, daß sie einen Prinzen mohammedanischen Bekennt» i s s es als albanischen Fürsten fordern sollten, um dadurch die lünstigen Beziehungen zwischen der Türkei und Albanien zu sestigen und enger zu gestalten. Von Stulaii begaben sich die beiden Agen- tcn nach Turazzo, wo |ie ihre wühlerisch.' Tätigkeit noch lort ietzten. Von den Türken wurde »och ein Emissär namens A g a Bckir aus Grebrni nad> Turazzo nnd Valona entsandt. 'Auge,ichts der Ersolglosigleit der dort entwickelten Tätigkeit Ivollt.' et sich die Gelegenheit der Anwerbung von Gendarmeriemonn schastc» sür die -on den griechischen Truppe» geräumten Gebiete Südalbaniens zu Nutze mackien, indem er versuchte, seine Leute unter die Gendarmerie zu bringen. Tie Regierung, davon vertraulich unterrichtet, war aus der öiit, tonnte jedoch mangels positiven Materials leine entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Tie Regierung ist endlich in den Besitz genügender dokumentarischer Nachweise gelangt, die ein langsames Anwachsen der einewl chrisllldtcn Fürsten icindscligen Strömung erkennen lassen, die die Bemühungen und Ziele jener'Agitation durchblicken ließen. Tie Regierung beschloß gestern im Einvernehmen mit dem internationalen Kontrollausfchnß und der Gendarmerie die Verhängung des Belagerungszustandes. An Bord eines aus K o n st a n r i n o v e l a n g e k o m m e n e n L l o » d d a ni p s c r s befanden sich mehrere Hundert Passagiere für Valona. Etwa die .Hälfte der Passagiere wurde zur Landung zugelasscn, der anderen Hälfte wegen der vorliegenden Bedenken die Landung verweigert, sür deren Rücktransport nach Konstankinopkl Vorsorge gclrosscn wurde. Aus den bei den Verhafteten beschlag- n a h m t c ii Tokiim enteil gebt zur Genüge hervor, daß ihr: Anlunst mit dem agitatorischen Treiben in Turazzo in Zusammenhang steht und die Fortsetzung der dort be gonnenen Arbeit in Valona bezweckte, die schließlich, wie letzt bekannt tvird, zur Proklamierung des gewesenen türlisckie» Kriegs Ministers Jzzet Pasckia zum Staatsoberhaupt Albaniens hätte führen sollen.
B e r I i n . 9. Jan. Tie „Bossiiche Zeimng" vcrösscntlicht Mn tcilnngen einer auiS gründlichste mit den Lerhältnissen Albaniens vertrauten Persönlichkeit aus Turazzo. Tanach Ixit Italien die schon im vorige» Jahre einsetzetidc jungtürkische Propaganda für einen mohammedanischen Fürsten stark unterstützt. Anscheinend sollte Oesterreich gezwungen werden, sei» Protektorat über die albaiiesischen Katholiken autzugeben. Ta aber eine Treiviertel-Mchrheit der Bevölkerung unbedingt einen christ
teln nach, sie sangen ihn in Netzen und Pfahleisen und dezimieren io den Bestand der herrlichen Vögel, die sonst iür den Jäger vom 1. März bis zum l. Oktober gesetzliche Schonzeit haben.
Ter Eisvogel legt sein Nest in sicilabsallenden Ufer» eines Gewässers an, er bohrt oft meterlange Röhren in das Erdreich, an deren Ende sick, die mit Fischgräten ausgepolstcrte Nisthöhle befindet. Das Weibchen brütet allein die 5 bis 7 zarten, runden, schneeweißen Eier aus und wird während der lötägigcn Brutzeit eifrig von dem slcißigen Männchen mit Nahrung versorgt. Tie Jungen werden in den ersten Tagen ihres Lebens mic Inletten larven, später mit kleinen Fischen gefüttert, nnd beide Alten bezeugen große Liebe zn ihren Kindern, die bis in den Herbst hinein bei den Eltern bleiben und von ihnen ans oas sorgfältigste im Fischsang unterrichtet werden. Erst wenn die Jungen als voll- Icmmene Fischer ausgebildet sind, machen sie iid> selbständig »no gehen allein ihrem Gewerbe nach. Wir wollen baffen, daß trotz der Beriolgungen dnrckt die Fislitcr der hübsche Vogel nichi aus gctonet wird: denn es wäre ZI, schade, wenn dieser snnkelnde Edelstein ans unserer Vogclfaiina vericbnninde, sie verlöre daoncch eine ihrer charakterisliicl sten nnd iaibenprächligsten Gestalten.
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Line Aneköote von Ser Erstürmung Wittenbergs.
Tic Lntherstadl Wittenberg an der Elbe wurde am 13. Januar 1814 durcki die Preußen unter dem General Tauentzien, der dafür den Ehrennamen Tauentzien vxn Wittenberg erhielt, erobert. Von dieicr Eroberung nun wird kolgcnde lustige Geschichte erzählt. Ter französische Kommandanl der Festung, La Pohpe, der in hem noch heute erhaltenen Gasthof zur Weintraube am Markte wohnte, saß eines Tages, nachdem sich die preußischen Bclagerungswerke der Stadt bereits ganz dicht genähert Hane» und das mörderische Feuer ihrer Geschütze die von den Franzosen i» der Luiherkirck ■ angilegien Pseldennähteu zum Teil vernichtet hatte, die Feittings werke schon bedeutend besä äoigt waren, mitten in. feinet Stnoc, um sich von seinem Kammerdiener den Bart abnehnien z» lassen. Ter Kommandant war gerade cingeieiit, als ihm ein preußischer Parlamentär gemeldet wurde, La Ponpe bctahl, den srindlichen Offizier einzutassen, nnd nachdem er sich artig genug des ein geseiften Bartes halber entschuldigt und den Offizier zum Zitzen, genötigt hatte, begann dieser den Genera! von den glänzenden Siegen der Alliierten zu unterrichten und ihn über feine eigeno bedcnlliche Lage auszulüiren Zugleich, überbrachle er IM Namen des Generals Tauentzien eine Äiiilorderuilg zui Uebcrgahe der Festung. Allein La Poppe animorlcte sehr bestimmt, er „wäre entichlosscn, sich mit den Seinen unter den Trümmern der Festung begraben zu lassen". Der prnißischc Offizier, ärgerlich, seine Be-
lichen Fürsten verlangte, so schlug.die Agitation kehl. Es ilt auch, sicher, daß die Fürstcnfrage in Älbanien keine -Schwierigkeiten mehr bieten wird. Me Volksmchrheit erwartet die Ankmrst des Fürsten Wied, dem man sehr gul gesinnt ist, mit Ungeduld
Aus Reffen.
Von der Geschäftsstelle der Freien Set« einig« nfl hessischer Nativnalliberaler tvird uns geschrieben: Eine am 13. Dezember durch die Presse gegangene Notiz, wonach die Kandidatur Wünzer während des Wahlkampfes in Waldmichelbach in der Hauptsache allein ans die Unterstützung der Freien Vereinigung angewiesen gelvesen sei, bedarf insofern der Ergänzung, ais, wie mehrfach in der Oefscntlichkeit bekannt gegeben wurde, die Freie Vereinigung neben und im Einvernehmen mit der Leitung der Landespartei im Wahlkreise tätig war
Ver»ts«he» Reich.
Zum Regierung sjubiläumdes'Kaisers sind in ö25 Strassällcn wegen Zuwiderhandlung gegen die Zollgesetze und sonstigen Vorschriften über indirekte Reichs- und Landesabgaben 612 Personen begnadigt lvorden. Jnss gesamt sind rund 38 286 Mk. Geldstrafe, 7211 Mk. Wertersatz und 9 Monate und 25 Tage Gefängnis erlassen worden.
Beim K r o n p r i n z e n v a a r waren am Mittwoch abend sämtliche Oberprüsidenten zur Tafel geladen. Ferner waren geladen der Fürst zu Solms-Baruth und Polizeipräsident v. I a g o w.
Ter Kronprinz Hai am Donnerstag dem Reichskanzler einen längeren Besuch abgestattet.
Tabakstener-Eiiinahmen in, Deutschen Reiche. Die Einnabmen aus der Zigaretten st euer lassen auch im verflossenen Jabre eine starke Zunahme er- lennen; von 19,7 Millionen Mark in den sieben Monaten April bis Oktober 1912 ist, mic die „Südd. Taba^citung" berichtet, die Jsteinnahme auf 23,5 Millionen Mark in denselben Monaten 1913 gestiegen. Die Solleinnahme, d. i. die wirkliche Solleinnahme, nicht die im Etat veranschlagte, ist nach Abzug der Anssnhrvergütnngen bei der Zigarettensteuer gleichzeitig von 24,2 ans 28,5 Millionen Mark, also um 17,8 Prozent gewachsen. Erfreulicherweise zeigen diesmal auch die Einnahmen aus der Besteuerung das inländischen R o h - tabakS eine Zunahme. Hier hat sich die Jsteinnahme von 7,11 auf 7,6 Millionen Mark und die Solleinnahme von 5,5 auf 6 Millionen ?Nark gehoben.
Ttuslonft.
Der im 77. Lebensjahr stehende Joe Ch a m- b e r l a i n, der frühere Führer der englischen Unionisten, der schon seit Jahren durch schwere Erkrankung verhindert ist, am politischen Leben, besonders an den Parlamentsverhand- lungen tcilzunchmen, will jetzt auch formell sein Mandat sür das Unterhaus niederlegen. Er hat in einem Brief seinen Wählern in Birmingham mitgeieilt, daß er sich bei Gelegen-l heii der nächsten allgemeinen Wahlen von der Parlament«!^ rischen Tätigkeit zurückziehen werde. Er bedauere, seinen Wahlkreis, den er 37 Jahre vertreten habe, aufgebcn zu müssen, meine jedoch, daß Birmingham einen jüngeren Mann brauche, der an den parlamentarischen Kämpfen eineic tätigeren sslntcil nehmen könne. Als Nachfolger Joseph Chambcrlains werden seine Söhne, Austen Eftamberlain oder Neville Ehamberlain genannt.
Bor dem Zuchtpolizeigericht in Luneville erschien der als Werlsührer bei dem Ban der Bahn von Luneville nach Blamont angestellte deutsche Staats-
rcviamkeit nnnölig verschwendet ju hoben, lehnte das ihm von La Pohpe angebotene dcjeuncr ä !a sourchette, das die gute Lage der Belagerten zeigen sollte, ab und sagte beim Abschiede: „Lcben Sie wohl, mein Herr' Sic schicken den ftcundlichen Friedensboten zurück, allein vielleicht erhalten Sic von uns eine minder höstiche Kunde, welche abzulchnen nichl in Ihrer Gewalt stehen dürste." Ter Franzose zuckte lächelnd die Achseln und ließ sich vollends den Bart scheren, während der Parlamentär durch eine kleine Pforte untern drr Lnthertärche aus der Festung gelassen ward nnd schnell zu den Preußen zurückkchrie, so schnell, daß La Pohpe noch aus dem Stulle'mitten in seiner Stube saß, wo eben der Kammep- diener das Rasiere» beendigt hatte, als die Belagerer ein neues iurchlbares Feuer auf die Festung begannen und eine der cnien Kugeln llirrend durch das Fenster geflogen kam »ich dicht vor La Pohpe in den Fußbodem schlug. Mit einem lauten „Foudrc!" sprang La Pohpe vom Stuhle aus, und als die crichrockcnen Haus- rcnoiien mit blaisen Gesichtern herbeistürztcn, um -sich van dem Schaden, den die Kugel angerichtei, zu überzeugen, sprach der Franzose ganz naiv: „Ter preußisch Offizier aben Recht gelebt; er aben schnell Parole grholt und mir gcschickt ein moindre artig Ambaiiadeur, als er gcwcicn sein selbst." — So die Anekdote, und das zugemauerrc Loch in der Decke des Gasthpfszimmcrs in der Weintraube, wo jene Kugel durchgeschlagen haben soll, wurde noch lange Jahre nachher angeblich gezrcgi Allerdings stimmt zn dieser 'Aneiooie sehr wenig das sonstige Verhalten des sranzösischen Generals, der sich ini übrigen bei der Einnahme der Stadt nichts weniger als lavier und würdig benommen haben soll.
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V o ni m o d r r ii e n K i s s e n. Tie Wahl der Kissen verlangt in diesem Jahre die besondere Auimerksamkeit der clegantrn Frau, denn man erkcnnt ihren gieichmack ans den originellen Formen. die ihr die Mode in reichem Maße darbictet. Eine kräftigt: Farbigleit und reiche Buntheit muß vorherrschen, und die türkischen lind veriiichcn Kissen mit ihrer prachwollen Ornamentik zeigen dir Vorliebe iür den Oiienl auch auf diriein Gebiet. Strenger und ieierlicher wirken die schwarzen Samtkissen, die silberne und goldene Jnlruftation-n ausweisen: ein lustiges Gegengewicht für sie sckiosicn dir großen Äiedcrmeierkissen aus Leinen mit bunten Besätzen, die die merkwürdigsten Inschriften tragen wie: „Donvörts, mit sriick.em Mm!" oder: „Komm! Ich erwarte dich" oder Sprüche voll Naivität und Treuherzigkeit oder gar die Aniängc von Kindev- liedchen .
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- ichasl. Geh. Hosbaurat Ludwig Heim vollendet heute sein
70. Lebensjahr.


