Ausgabe 
30.10.1918
 
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fleischlosen HÄnde aus rmd bettelten. Und der ,«oBxifc verteilte Gr hatte ja nicht viel, sie juchten einer dem anderen zu eutreißm^ stießen sich, Giften, fuhren sich an tote Tiere beim Fraß, trotzdem \\& vor Schwäche kaum die Glieder zu bewegen vermochten. ,

. . . Ter Fremde hatte sie verlassen. Sie lagen Meder iw vetkrümmten Haufen da, aber sie schienen nicht mehr zu stierem hatten ihre Winkel verlassen, in die sie sich geduckt, sprachen, schaue ten auf das Meer hinans, aus die Landschaft, vre Berge, an denen langsam der Abend niederkam.

Das Schiff nahm tosend seinen Weg. Auf den Bergen brmrnte der Wald und die brette Rauchfahne zog langsam mit dem schiffe, begleitete wie ein Schatten die leichenhaften Gestalten, die wie Tote aussahen, welche irgendein Rütteln zu scheinbarem Leoeu er­weckst Haft. Tie Imjit der letzten Kraft ihrer dem Dok geweihten ^ Körper sich freuten, wieder ans die kleine schölle zurückzurehven,. von der sie ausgezogen waren, ein Land zu erobern, Menschen heimatlos M machen.

Erk vergsons großer Tag.

Zehn Stunden aus dem Leben eines Kriegslieferanten.

Bon Alfred Bratt.

Neun Uhr morgens. Im Hause von Moeller, Niels sttid Vo, Christiansgade 38b, Export und Import von Fertigware, war Eric Bergson mit der Beendigung seiner allmorgendlickM TahgMt beschäftigt. Um diese Zeit fegte nämlich Bergion regelmäßig ke Bureauräume, und er war gerade dabei, diese segensreiche /Arbeit in dem letzten Zimmer, dem Allerheiligstm der Chefs, zum würdigen Abschluß zu bringen. , , .

Herr Eric Bergson war 18 Jahre alt, hochaufgeschossen und sehr nach derMode" gekleidet, wie sich das für ernen jungen Geschäftsmann in diesen bedeutenden Zeiten des Handels and

fyr3 cpciiotTt

Als Moeller und Niels ihr Bureau betraten, hatte Eric Pünkt- lich das letzte Eckchen gesäubert. Er verbeugte sich üef, aber männlich, verschwand mit dem Besen in einen dunklen Gang und kehrte gleich darauf unbewaffnet 'wieder. Moeller und Niels prusten die in Stößen aufgesch'.chtcten Briefe, die mtt der Frühpost ge­kommen waren, Erics feinfühliges Ohr hörte, wie Herr Niels dre mystischen Woite sprach:Fffchklöße sind eine feine Sache ge­worden," woraus Herr Moeller bedeutsam nickte, une dies übri­geres stets seine Art war. . ,

Tann raschelten wieder die Umschläge und Briefbogen, und endlich sagte Herr Moeller, indenr er ein dickes Bündel Tausend­kronen scheine Msammenfaltete:Hier, Bergson, laufen sie zur Hauptpost tmid geben Sie diese sc-chizigtausmd Kronen tele- yvaphisch an Jvhannsen in Stockholm auf. Tw Wveffe steht aus dem Zettel da. Aber machen Sre flink, es eilt.

Eric Bargson knickte dienstfertig zusammen und verließ das

^Airf der Straße angelangt, schleuderte er zur nächsten Halte­stelle der elektrischm Bahn, km der Weg zum Hauptpostamt war weit An der Haltestelle warteten eine jüngere und eine altere Tame Sie hatteii tveiße Kleider, denn in diesen Augusttagen war es sehr warm in Kopenhagen. Sie plankrten angeregt,, bün­delten "in die Dome und sahen tiberhanpt höchst vergnügt drein.

Sicherlich sprechen sie von irgendeüier Liebessache," dachte Eric' denn er war .ein Weltmann. Da schnappte er emige Worte der üugeren Tame ans. Sie sagte:Erstklassige .Kupferlegieriing, dreitägig lieferbar." Die andere entgegnete ersng:Ja, rmd denke dir 70 bis 80 Prozent. . ." Sie lachten beide laut und fröh­lich, erblickten plötzlich Eric, betrachteten ihn euren Augenblick lang mit unverhohlenem Argwohn und gingen plötzlich flüsternd davon.

Eric Bergson ward mrt einem. Male ganz seltsam , zu Mute. Eure unkontrollierbave GLankenassoziation brachte m seinem Hast das Gehörte und die sechzigtausend Kronen rn seiner Tasche in eiiren dämonischen Zusammenhang. Er lühlte ,eme on>her arglose FÄnglingsbrust von wilder Unternchmurrgslust gefchvellt. Doch ehe er sich tiber dieses jähe Gefühlschgos etwas klarer , zu werden ver­mooste, sauste die Sttaßeribahn heran ruw er sprang, aus.

Ans der Plattsornr lehnte neben Eric ern sehr großer und sehr Egerer Herr. Dieser Herr zog ein mächtiges Zigarettenetm her­vor. griff eine dicke Zigarre Mit wunderbar bunter Bauchbmk heraus und fragte dann höflich:Kömtten sie nur vielleicht Feuer gebökl, mein Herr?" Eric Bergson hatte seth nämlich soeben, Niit elegantein Schwung eine der Zigaretten ans .yerrn -stcoeller^. SchireibtischschMade angezündet. Er gab also seinem Nachbar Feuer, uiid so gerieten sie in ein Gespräch. Nach einer Werte - die Bahn knirsclste gerade um die Straßenecke vor dem Hauptpostamt, , beugte sich der große und magere Herr vor, UM den Mund zu erneu

d ^ehir Uhr vormittags. Die lauttte : -dwmikii Sie

Sattelgurte, genau nach Armeevorschnst, GroßM-Nnmmern 6

^ Enc schnappte nach Lust, schluckte seine Verblüffung himuck« und erwiderte dann:Nein " Und das ivar m

.Schade," memte der Herr, indem er mit Beoauern .den KM wiegte,lamrnerfchade." Wer . , . haben Sie vielleicht - Fisth- klöße?"

Eine automatische Erregung zuckte durch Erics Kopf. nM rend er in der Ferne das Gebäude des Hauptpostmntes wieder entschwinden sah. Fischklöße! Warum brackste ihn dies aus seiner Ruhe? ... Er sann und sann, ach ja, das >var es:Füchkloße sind eine seine Sache," 'hatte Herr Niels gesagt. Unwillkürlich fühlte Eric nach den.sechzig Taufendkronen-Nolen m 1 einer Brust­tasche, dann zündete er sich eine frische Zigarette an und sagte, während ihn ein kalter Schauer durchlief, mit Todesverachlung. Ich soll bis heute nachmittag welckst kriegen."

Er hatte, dabei einen peinlichen Truck im Halse zu überwinden gehabt, aber nun war es heoaus. Eric Bergson gab sich einen Ruck und richtete sich stolz auf:' so also war einem zu Mute, wenn man

Kriegslieseraut wurde i-» . . _ . .

Olsen ist mein Name," schnarrte der hagere oerr, indem er eine Visitenkarte zum Vorschein brachte. Nehme Füchlloße m. jeder Menge bis zu lstindcrttausend Bucksten. Zahle pro Buchse zweieinhalb Kstonen. Halte Abnahme offen, bis 5,Uhr nachmittags xxi meinem BllDMA, Ämall26. £)tcx mntj ity MlssmMn. w>iii ^ßxcb , crfe() ! eii n

Ter große und magere Herr Olsen sprang ab. Eric Bergson aber hatte sich erst nach drei weiteren Haltestellen so .weit ge­sammelt, mm das gleiche zu tun. dlachdeullich stand er vor einem kleinen Kaffee-Restaurant, dann setzte er sich an einen Tisch und bestellte eine Flasche Selterswaßer. Top Kellner brachte das Gewünschte und wurde hierauf an einen Tisch m der Nahe ge- rusen, wo ein ebenso kleiner wie dicker Mann eine lange Be-

stellung^aufMb. ^ Selterswasser in kleinen Schlucken und kniff die Angen zusammen. Deine Gedanken waren nicht mehr von dieser Welt. Heiße Sorge eeschöpste.ihn so sehr, dag ke M,che bald geleert lvar. Wer trotz allen Sinnens blitzte in seimr, Pchm- tasie kein Lichtschein auf, der ihm-dm Weg. zu ernem Reich von

FischÄoßrm^ gewiesen ^häl^^^r om Mebentisch, um zu

melden: 'Fifchlklöße sind gestrichen, mein Herr, seit Tagen nicht

^^^Qiialsch" bruirmite der dicke Mann. , wicht zu haben! Un­sinn! Seit Wochen gehen Tausende^ von Büchsen durch meine!

Mittag. Eric und der eberiso kleine wie dicke Herr schritten Seite an Sette nach dem Noerrevold Boulevard, wo rn Nummer 14 die Kriegs --Leb ensmütel-Agentur von Belpamin Zeusenlag. Ties war nämlich der Name des Mannes, durch dessen Hände Hunderte Büchsen mtt Fischklößen" zu gehen pstegteu.er Agentur-Besitzer erklärte:Meine neue Sendung Fithlloße ist ans Stockholm ftir lfente nachjmittag vier Uhr avipert. Hier, sehen Sie, dreißiglansend Büchsen. Ta Sie ein neuer Kunde sind, verlange ich nur zwei Jkmtm die Büchse. .

Ter 'Vorvertrag zwischen Benmmin Jeiffen einer- md Errc Bergson andererseits wurde aufgesetzt; zu esfektuieren bis 4 /z Uhr.

Ein Uhr nachmittags. Enc wandert planlos durch die Stadt wobei er sich immer wieder begesttert wiederholt, daß. er für die dveißigtauseud Büchsen Fischklöße sechzigtaujeiid Kronen bezahlt, hinge gm sünfmtdsiebzigtausend erh alt. Also funszehutau--

Ztvei^Uhu^- Eric Bergson spri.cht auf der Langeliuie eme entzückende junge Dame mit himnilisch blaum Augen an. sre heißt Grete Tönnesen. Eric winkt etite Antodros-chsse heran und

«ft mm sttawta Men

aus der Terrasse des Wivel-Restaurants.In welchem Berns sind Sie tätig?" fragt Fräulein Tönnestn. Großkaufmanu, erwi­dert Eric.W eüva em . . - Knegslieserant t . Frau- Xein Tönnesen reißt die himnilisch blauen Augen lvett auf. Enc lächelt und entgegnet:Allerdings."

Vier Uhr Tie dritte Flaschst Chärnpagner \)t geleert. Herr Bergson sagt zu Fräulein TönnesenTw', undGrete , wahrend sie ebenfallsTu" undEric" hauest. Die lange Rechnung wird schnell begliche. Eric kaust Greta in aller Eile einen Goldschmuck, verabredet sich für den Wend im Tivoli und saust im Auto zu

db'^FMs Uhn Eric wankt bleich aus Herrn Jansens Bureau. Fensen hat ihm niitgeteilt, daß der Lieferant m Ltoccholm Ban­kerott gemacht hat. demnach also die Fischklöße niemals em-

trefsm^ üwrden^ ^ das Bureau, des ^großen und

haaeven Herrn Olsen, wo er sein Angebot rilckgangig geraacht haß Er" wankt nach der EhristiansOsde, indem er dre für Bohanien m Dtockbolni bestimmten sochsigtauseud Kronen zahlt, wobei er fest­stellt, daß Autos, Diner und Goldschmuck tmueitb Kronen der-

- Bei Moeller, Niels und Eo. Eric beichtet. Er erfährt, daß der hetrügerische Bankerotteur M Fiscylloßen zn Stockholm eben jener Jol-ansen ist, an den er dre sechzigtausend Kronen hatte senden sollen. 59 000 Kronen stnd für Mm ler Nnls und C-o gerettet. Tie verlorenen tausend Kronen werden als Be­lohnung für das imbcwußte Rettturgswerk Encs Sfbncht, der am nächsten Morgen !um neun Uhr Meder wie sonst die Burean- zimmer im Hanse von Moeller. Niels ünd Go. fegen darf.