Ausgabe 
26.10.1918
 
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Wrta mit einem Hagel begrüßt und befichpssen, bls wrr uns trotz MÄerem Heim-cchlan Mrnchieheti Mußten. Folgen tonnten IMS die Gesellen nicht. Mr Amen dann auch ganz, mmiövermaßrg m nufere armseligere Quartiere. Nur trugen wir nransthen gntenj Wameraden, der im nächtlichen Morgen frisch ausmarschiert war. Der Kadett Pept DursUnger lag mit verwundetem Arm stotz­in der Scheune hinter dem Wirtshaus, als ans eirrmül ele aus einer Ecke austauchte, blaß und grün und gelb vm ««sicht.Herr Offiziersleben," raunte er,fangen se um Gottes- Millen schnell alle Bauern. Se halten mit de Russen.^ -- Tuttttnger Lüchelt« beinahe.Herr Offiziersleben." sagt« Feüvels noch eur^ dringlicher,lKte Nächst tvollen se was machen. Gott i« Gerechte soll mich strafen, ick schloör anf uuserm allen guten Kaiserleben,

DnrstlMger sprang auf.Herr Offtzversleben, sagte Fer- wele, am ga^nzmi Körper schlotternd, urch er klammerte sich an den Kadetten,mich nttissen Sie aber auch sangen, sonst erschlagen mich Gott behüte de Weiber." .. c

Ein paar hastige Fragen Turstingers.Mitn RchtÄ Herr Offiziersleben, alles kennen se mit'n Ranch sagen. Das wichtigste kennen aber de Hunde, de haben se sich abgerucht, de bellen ioenn

Ä^Hunde. Ter Kadett schrie nach der Ordonnanz. Ein paar Minuten später tvaven die Osfizieve versammelt. Kaum eine Viertelstunde darnach traten alle Männer des Dorf^ rntt ge­fesselten Händen den Marsch an. Feckvele mtt. Ter, Ltnck tat Ihm nicht weh. UM seinen Mund zog es beinahe iwe ein LchmiM- tzeln. Vorher hatte er noch hastig die Signale erklärt, wre er ste nach und nach im .SchanÄimlner kennen gelernt hatte.

Jetzt signalisierten wir selbst. In der folgenden Nacht telegW- phierten wir akustisch mtt Äoei schaurig heulenden.Hofhunden, me wir nach den erhaltenen Belehrungen behandelten. Es ging ans-

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Am nächsten Morgen gelang der Brückenschlag.. und. d« UedevgaN'g endete mtt einem vollen -Liege über die überraschten

^^Tie Kolonne der gefangenen Bauern w'utte im nächsteri Dorfe einem größeren Transporte angeschlossen. Ter bisherige Führer

iourde zu uns zurückgeschickt. ^ ,, ~

Sti^ifctet*ctx bet X^iX)tutQi'wt itn itxiUxuiBi'

E at eingttrofsen. Bei einem Rnndgange fand er in einem Atann- ftszimmer in dem schiververwnndete ststfangeue lagen, den l zu gerichteten Feiwele Löschkübel schwach und inatt^ ganz, Ui Weiße Binden eingeschjlagen, dem Tode nahe. ch>er ^oanitats- soldat berichtete verächtlich, der Kerl wäre von der wütenden Jimge gelyncht worden, die dabei zwei Verbrecher zu, strafen memte: er war ja Spion und Jude zugleich. Turstingev gmg zu dein Bett. Löschkübel schlug die Augen auf. sie waren trüb und glanzt^. Er hörte, was ihm der Kadett erzählte, von dem Erfolge des liebere ganges und von der Flucht der Russen. ,

Feiwele lispelte nach kurzem Schweigen fast unhörbar:Sxt gute Kaiser werd gelaäst gehabt haben."

.Ja, Feiwele," sagte Turstmger,dem Kaiser wird gewiß Nachricht gegeben sein. Du wirst, schon demen Lohn beöommem Feiivele sagte traurig:nebich," dann ging mn Heller ^elMn über seine Augen und er meinte recht vernehmlich:Ter Kaiser hat gekeimt levcht lachen."

Und mit einem langen Lenfzer verschled er.

Ter Kadett Pepi Durstinger, ein echter Wiener, der ms datzui die Juden nicht über alles in der Welt geliebt hatte, >mschte sich Mtt der linken Hand die Tränen von den Barken, ^en reästen Arm! hielt noch der Gipsverband fest. Tann drückte der Kadett dem Feiwele Löschkübel die Augen zu, dem wackren Helfer, von Przieszainzlvwv.

Die Butter.

Welche große Jtolle die Butter in unserem Haushalte spiell, erkenM man erst jetzt so recht in den harten Kriegstatzen wo sie S gefnckstesten Attikeln des Bedarfs geworden ist und auf Schleickwege-n mtt unerhört hohen Preisen bezahlt wird. In tzn Friedensjabren, als die Hausfrau ihren Bedarf durch die Butter­frau ins 5)ans gebracht bekam, oder ihn auf dem , Markte rn lleurer Menge immer frisch kaufte, war man recht empwrdlich iM Genuß, sie mußte frisch, süß, gelb und rocht fetthaltig, sein, heute nimmt man gern die zugemessene kleine Menge, wie sie e^nLischt mit Margarine, ranzig, fast ungenießbar. Zu.m -schü^elzm aber gerade noch gut genug. Es ist interessant, an der Hand der Kultnr-i ge schichte zu vertilgen, tvelche Nolle im Lause der Zeit d« Butter tu der Ernährung der Menschen gespielt hat

Nachdem die alten Hirtenvölker die tierische Milch als Genuß mid Nahrungsmittel kennen gelernt battemtmrrde baG auchdw Bereitung der Kutter eine Kunst und Gewohnheit ber Hrrtzm Tie Milch in Schläuchen mußte beim Reiten -oder beim! Umherztthen ans den Wagen leicht das in,ihr enthaltene Fett als Butter aus- scheiden, imd ähnlich lvar die Wirllmg, wenn die aogeschöpfttu fetteren Teile der Wärme des Ofens ausgesetzt wnrdem Dcese tz- «»nderte Butter konnte zum Essen, zum Salben des Haares und S? Bestreichen der Mulden dienen. ^vergleickMide Sprach­wissenschaft, die in der Erforschung der Kulturgeschichte eine Nicht

unbedeutende Rolle spielt,' hat erwiesen, daß A Germcmen schon vor ihrer Trennung .es verstanden, die fetten Decke der Mckch ab- Msonbern, -um sie als Salbe zu verwenden; aber in der Heimat der Olive ging den Aegtzptern, den Griechen und Römern infolge: des Gebrauchs des Olivenöls diese Kunst allmählich! verloren^ o daß diese Völker in ihrer guten Zeit nichts von der Butter mehr wissen. Das Bedürfnis des Manschen nach Fdtt neben der Frucht Nahrung fand in der ältesten Periode eine ergiebige Quelle m dem Nierenfett frisch erlegter ober geschlachteter Tiere. Aber bei rer steigendm Fürsorge des jMdnsckM, dauernde Vorräte dieser Art au schaffen, fanden die einen diesen Bedarf in den FrMj.en des Oelbanms, während die anderen außerhalb der Zone des Oelbanms das Tierreich in entsprechender Mstse ausnutzen mußten; der emr Weg führte zur italienischen, der andere zur deutschen Küche; un Oellande war man vom Nierenfett der Tiere zuM Olivenöl, im Lande außerhalb der -Kulttir des Oelbanmes zur Butter nberge- i

Tie Geschichte der Butter geht der des Bieres parallel. Erster« ist ein Prodiikt des Hirten, so !vie die Herstellung des lehterest eine Kunst des Ackerbauers ist. In ziemlich frühen Zeugnissen! werden die Völker rund um die beiden klassischen Länder als butter.. bereitend geschildert. So werden die Thraker von den Gri.'chen als butteressend verhöhnt. Auch in Arabien verwendete! man schon' im Jahrhundert vor Christt Geburt statt des, Olivenöls di« Butter. Judieii hat seine Butter sogar nach den Hasen des Roten Rteeres ansgesührt. Tie Germanen und Slavm gebrauchten du' Butter als SHMiermtttel, lvie denn auch der altdeutsche Rarwe für ButterSchmeer" oderKuhschmeett' lM. PftninS beruhtet, daß die Gallier Eier, Milch und Butter zu künstlichem, BaMverk verwendeten, daß dort also die Kuchenbäckerei aufkaln, die frei den Griechen und Römern wis Mangel an Butter und be,chrantter Anwendmig der Hefe, deren Gebrauch ebenfalls nordisch ist, un­entwickelt blieb. . . , ^

Die Erfiudu.m. die Butter durch starkes und nnedertztteN Waschen und Kneten, sowie durch Salzen so rein und fest zu machen, wie wir sie jetzt kennen, ist jedenfalls von den nord­germanischen Stämmen ausgegangen, denn noch jetzt.besteht der Unterschied, daß in Norddeutschland, l^sonders auch m Skandi­navien und England, die Butter gesalzen wird, wahrend man jin Süden die Butter süß ißt und die Speisen mit fluiftger Butter zubereitet. Germanen und Slaven schmierten sich <u:,ch, dav Haar mit flüssiger Butter, eine Sitte, die in entlegenen Torsern nordi­scher Länder bei Frauen und Mädchen auch jetzt noch nicht ganz ausgestorben ist, aber durch die Erfindung der Porwrde last voll­ständig verdrängt wurde. Wo man des Oeles halber es ver­schmähte, Butter aus der Milch zu gewinnen, da gongte man zur Bereitung des Käses, welche Kmist bei uns aber viel jünger ist,als die Butterbereitung. Karl der Große ließ durch seine Gutsverwalter sehr darauf ljalten, die Mckch durch die Käsebereitung auSzunutzen, weil die Haltbarkeit des so gewonnenen Nahrungsmittels eine viel größere war. In den letzten Jahrzehnten hat die Bereitung der Butter aus dem süßen Rahm durch die Anwendung der Zentti- snaen und Separatoren und durch die Verwendung von Maschinen und Eis beim Kneten der Butter, besonders m den Molkereien, wesentliche Fortschritte gemacht dafür sind aber auch die Käst um so schlechter geworden. Außerdem machte die Kunstoutter all« Art, Palmin. Margarine usw.. ihr große Konkurrenz. Durch' dm gesteigerten großen Verbrauch frischer Mckch, m den großen Stabten wurde jeden Morgen mit der Bahn oder mit dem Milchwagen mit große Menge von Milch den Bewohnem der Städte zugeführt, die sich wieder zum Teil selbst vermittelst der kleinen Danshaltungs- buttermaschinen ihre nötige Butter aus dem Rahm der Milch herstellten. Zum Schmelzen, Kochen und Backen wurde jetzt viel­fach Pflanzenfett verwendet. Tie vegetabilische Butter oder Pflanzenbntter, die im Haushalte der Bewohner der r,ropen eine bedeutende Rolle spielt, war auch bei uns cm Handelsartikel ge- worderi, der inimer mehr in Gebrauch kam. Tie Pflanzenfette, ^rie. vielen Arten des Pflanzenöls, vegetabilische Butter, vegetabilischer Talg mid vegetabilisches Wachs liefern nebenmehreren einheimi­schen. europäischen Gewächsen viele tropische Baume und besonders deren Früchte. An Wohlgeschmack und Güte kann aber die Pslanzen- butler niemals der aus Kuhmilch gewonnenen Butter gleich.om- men, wem: sie auch zum Backen und Braten bereits eine große

Verwendung fand. . 3 .. «j

So sehen wir, wie iwttvendig und unentbehrlich uns du Butter geworden ist, nachdem uns der Krieg die Zustihr all der Rohstofle abgeschnitten hat, aus denen butterähnlich: Produkte Mid Be. ge- wounen wird, und wir verstehen es, wie die Bevo-kerung, von einem wahren Hunger nach Butter erflillt trotz Verbote und Strafen sich etwas Butter auf dem Hamsterwege zu Yvheni Preise zu verschaffen sucht. Es ist daher zu begrirßcn, daß die -.anowir.- Echaft durch den vermehrten Anbau der Oelpflanzeu.bestrebt ^t, mit O-l als Ersatz sär Vuttcr »l verschen Auch lsr m d,ckm Jahre die Bucheckernernte so reich, daß bei planmäßigen Em­sammeln dieser Früchte viel Oel darmis gewonnen werden kann Wir müssen eben die Butter als Schmiermittel für das Brm fast gänzlich entbehren und zur Zubereitung der Speisen das verwem>en, wie bei unseren Vorfahren noch vor 70 aahren auch der Fall war; es ist eben Krieg, der mrs vre Entbehrungpu auferlegt. __ .