Mittwoch, dm 16. Gttobsr
Der endlose Weg.
Roman aus Sibirien. Von I. O x e n h a m. Autorisiert — Nachdruck verboten (Fortsetzung.)
über ihn, sernsk. So Steppe
aber er verstand ja das furchtbare Geheimnis di^er Kran^ heit nicht -- er wußte nicht, was ihr fehlte. Nichts konnte tun, als da stehen und gequälten Herzens warten, bts der
ungleiche Kampf sich entschied.
9 Er ballte die Fäuste, daß sich die Nagel rn dre Han^ flächen gruben und die Blutstropfen herabrmmm. « kniWte mit den Zähnen in Todesqual. Sm«
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und fernen zu dem groben Dumps, der stch von derunteren Düaelgrenze bis fast nach Tlchernsk hin-rstr-ckfe. ^rnchtrg wlaten sie den vielen Wrndung-en der Straße dura) me Sünrpfe, an Inseln vorbei, die von sattem Grün mrd flammigen Blumenfarben strotzten. Plötzlich aber setzte die herbstliche Regenzeit ein, die brausende Wildwasser von den Mgeln herniedersandte und die schwarzen Wasftr des Sumpfes gewaltig steigen lieh. Die primitiven Straßen wurden unpassierbar. So muhten fte warten, bis die Regen schleusen sich schließen würden.
Während dieses Wartens — "der Regen Mischte noch tmmer in Strömen aus das Dach des Hauses auf Rädern Rieder, in vier Bächen herabrieselnd aus seinen Dachrinnen — während dieses Wartens war es, daß die kleme Katinka, die immer schwatzte und immer lustig war, plötzlich still und gedrückt wurde. Rote Fiebersle^n kamen in. ihre Waw- Len, und Brrrder Eule wunderte sich sehr, daß sie sich aav Nicht mehr um ihn bekümmerte. Stepan gab ihr harmstose Hausmittelchen, wie es ihn die Mütter der endwsen^.rah tzelehrt harten, und hoffte, daß tze nach emer Nacht des Schwitzens wieder gesund sein wurde. Mitten m der Nacht ^doch suhc er erschrocken aus unruhigem Halbschlaf auf dmin Katmka warf sich in ibrem BeLtchen hm und vor Schmerzen und stieß gurgelnde, pfeifende Tone aus. Ihr Wicht war kirschrot. Sprechen konnte ste nicht.
Es schien Stepan, als sei sie am Ersticken.
Mit zitterriden Händen schraubte er die Lampe hoher und das Kind setzte sich im Bett auf, mit bleichen Sippen und Augen, die aus ihren Höhlen hervorquollen, sw kämpfte um Luft und fuchtelte verzweifelt mit den Händchen.
Stepan nahm sie in seine .Arme, als wolle er ste vor einer Gefahr schützen, die ernrcht vm.tand^Er hatte nicht die geringste Ylhnung, was ihr fehlte. Der kleine 'Körper streckte sich in seinen Armen rn furchtbaren Zuckun* gen, und die pfeifenden, gurgelnden Töne wurden mnmer kürzer und schärfer. Das Kind rang qualvoll nach Lust Dann kamen Sekunden, in denen sie ganz Wl dalag, urtb eine fürchterliche Angst packte Stepan.
Er versuchte, ihr Wasser einzuflößen, aber sie fuchtelte wild mit den Händchen um sich und schlug ihm das Gefäß äus der .Hand. Stepan verzweifelte. Hilf mir Mjarmnerten hie angstvollen blauen Augen —« hilf mir doch —1
keuchte der pfeifende Atem - und nichts -konnte er tun- Die rechte Hand hätte er sich abgehackt, ihr Luft zu verschaffen,
den'blutle^. DieLL'in's^nn"Besicht M d* » sich, verwelkte. Er hielt den Atem an und h^e das Klopfm seines Herzens, während er auf das immer lei,er werdende Keuchen und Pfeifen lauschte .. Der kleine Körper tu strn^ Armen zuckte rn schweren Krämpfen. Die Pstrde drautz«« stampften unruhig, als ahnten sie, daß der Tod in der (ei Der Regen klatschte ununterbrochen hernieder und tropfte langsam aus den Dachrinnen, aU sänge er ein jlfr töniges trauriges Lied. Das Kind wachte auf und wein^ leise, und der kleine weiße Bruder aus dem Wald starr^ von seiner Ecke oben bei den Heiligenbildern mit ernsh. hasten Augen auf die^Szene nieder.
Die Stunden verrannen, doch Stepan hatte jeden Man- stab für die schwindende Zeit verloren. Denn fede Sekunde war ihm eine ewigwährende Marter.
Plötzlich jedoch hörte nach einem letzten wilden Schauer der Regen aus, der seit drei Tagen ununterbrochen m Strömen geflossen war, und tiefes Schweigen huschte draußen in der Natiir. Der kleine Stepan walzte sich auf die andere Seite und schlief wieder ein Die Pferde stauben still, als seien sie überrascht über die plötzliche Stille, und di« kleine weiße Eule blies ihr Federkleid auf, bis sre doppelt so groß schien, und starrte mit großen Augen auf Katinka.
' Das Kind keuchte und kämpfte nicht mehr. Blaß und still lag es da. Stepan fiel aus die Knie und tastete über die blassen Wangen hin, die sich kalt und feucht anfühlwln Er küßte sie und rief sie bei Namen, aber sie rührte sich
' tc Da'warsHr sich'miteuiein Ansstöhnen auf den Boden und streckte sich in wahnsinnigem Schmerz, demr von nun au würden er und der kleine Stepan und Bruder Eule
war^ein schweigsamer Mann grimmigen Gesichts, der am nächsten Tag Bürden in die Hügel schleppte ^were Bürden. Doch am schwersten war nicht sichtbare Last -- nicht der Spaten auf seinem Rücken, nicht das lustig lallende Kind in der Hängematte, nicht der stille in Tücken «ledüllte kleine Körper in seinen Armen, den er zum letzten^ ^?MMch an Drückte. Die wirkliche Bürde lastete auf
^""Stitthkeg er das Flußbett hinan und kämpft-sich lang-
sam vorwärts über Felsen und Geröll. Er brachte xiattma L ihrer Mutter; er und der kleine Stepan. Tu ihrer Serie arub er sie ein, tief, und wälzte schwere Steine aus dav Grab, damit die Wölfe es nicht schänden konnten, wahrend


