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Meter Krop. Und dann saßen sie Meder lange schwelgend da, ein jeder rrkit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
ULs sie in die Nähe eines Dorfes kamen, sagte der alte Mann: „Wir wollen hier bleiben und du mußt mit mir im Dvrfkrug übernachten. Es ist ein schlechtes Wirtshaus, aber besser als keines. Ich möchte mit dir reden. Du warft barnv- herzig, Zn mir und ich Habe nur Gutes von dir gehört^ Atepan Jline. Vielleicht kann \dy dir helfen."
Peter Krop war ein Menschenkenner und ein sehr guter Geschäftsmann; überdies wußte er weit mehr von dem Schmied, als dieser ahnte. Als er seine Geschäfte im Dorf besorgt hatte und das Abendbrot im Krug gegessen war, machte er ihm jenen Vorschlag, der ihm neue Türen im Leben öffnete und ihm neue Interessen gab und frischen Lebensmut...
„Ich weiß, daß du ein ehrlicher Mann brst, Stepan Jline," sagte der alte Peter, „und ich glaube, ich- kann dir dienen. Vielleicht sehe ick) auch meinen eigenen Vorteil dabei. Nun höre: Durchs Paschkins Urteil — möge seine Seele in alle Ewigkeit im Höllenseuer brennen — mußt du immer- dar wandern. Aus diesem Wandernmüssen wollen wir Vorteil ziehen. Du sollst ein Händler werden und da du ein etlicher Mann bist, so wird der Fluch sich in Segen verwandeln für dich. Ich werde dir die Güter und Pferd und Wagen liefern. Den Profit teilen wir, so, wie wir uns darüber einigen. Was sagst du dazu?"
,/^Jch sage ja/ Peter Kwp, und ich- bin dir dankbar mit meinem ganzen Herzen." (Fortsetzung folgt.)
Die 5ehdr Scott; von SWingens gegen Landgraf Philipp von Hessen im Zähre >N8.
Wm H ans Otto Becker.
Im September 1518 brach eine Fehde, nach heutigen Begriffen tfn richtiger Krieg, zwischen dem Ritter Franz von Sickingen und fxa* Landgrasschaft Hessen aus. Me bei allen kriegerischen Ereig- vffs«r, hat man auch hier zwischen dem äußeren Anlaß und der- tieftrliegenden Ursache zu unterscheiden.
!Dser Ritter Sickingen und der Reichssürst Philipp von Hessen find hier Vertreter zweier Prinzipien. Sickmgen war das Haupt Mer ritterschastlick-en Kvnsörderationen jener Zeit, di« noch einmal pne, freilich fast nur äußerliche, Ernenenrng des Ritterttttns sah, das ernst, ffn 12. und 13. Jahrhundert, seine Blütezeit gesehen und das höchste Anse Herr genossen hatte, in den folgenden Jahrhunderten Mer an Ansehen und Bedeutung immer tiefer gesunken war; auch moralisch — inan denke nur an das Ratckntter- und .Heckenreiter- Wesen! Me Zdit des Rittertums war vorüber, als die neue Zeit der großen Entdeckungen, der Reformation tmd der Renaissance auffffeg; viele einst sllbstcffrdig« Ritter, nur den: Kaiser untertan, tarnen zum landsäsßsen Adel hevabgchmken und mußten rn den Dienst eines Mächtig-erM, eines weltlichen oder gastlichen Fürsten treten Ms Stand hafte das Rittertum sein« Bedeutung, eingebüßt. Wenn noch einmal Kaffer Maximilian, der sich selbst den „letzten Ritter" nannte, der: Versuch einer Enrenerung des Rittertums mackOe so bezog sich sein Wirken fast Nur auf Aeußerlichkeiten, taffe 'das Turnierwesen. Auckt Kaffer Max konnte das sterbend« Rittertum nicht mehr retten, ferne Zeit war dahin; den Erffndnngen. der Neuzeit war aber die Burg, noch der Panzer des Ritters mehr rchsen, und selbst der Landsknecht war im Kriege den edlen oen überlegen. Das Rittertum war der mächtig aufstrebenden i»rst«nmacht erlegen. Tie Territorial^oalte!! llnutten diese zahl- ^osen Deinen Tynastten, neben sich und in ihre Gebiete einge- sprengt, nicht dulden; sie miußten die Ginheit und GeschVossenyeit Hver Gebiete erzielen. Aus dieser Enttvicklnng ging aber ffn Lause her Jahchunderte der moderne Staat hervor; wenn er entstehen Mite, so mußte erst das Rittertum untergeben. Ein«: letzten Kampfe führte das Ritterttuu um seine Existenz im Anfang der Neuzeit, und gerade Franz von Sickingen, ein pfälzischer Ritter, ist die Stütze seines Standes und sein weitaus mächtigster Bertteter.
Ms Sickingen 1518 die Fehde gegen Hessen vom Zaun brach so wollte er vielleicht eher den Fürstenstand als solchen treffen, als gerade Veit Landgrafen Philipp. Er hegte Groll gegen Hessen, da sein .Vater vvn Philipps Vater jn der bayrischen Fckhde 150t Schaden erlitten nnd ll-nbilden erduldet hatte. Im Jahre 1501 war nämlich Landgraf Wishllm II. von Hessm vom Kaiser mit der Vollstreckung der Reichsacht gegen den Kirrfürsten Phckipp Won der Pfalz und dessen Sohn Ruprecht beauftragt. Wilhelm U.
e ternoHm einen Kriegszug gegen die Pfalz, wobei er lllnstadt und r Otzberg im ^Odenwald der Landgraffchpft emverleibte und der Pialzi viel Schaden Nffügte. Auch viele pfälzische Vasallen Und LeHensliente wurden darnals recht' geschädigt, darunter auch die ^ rmilie Sickin gen. Der Pfalzgraf und eine große . Anzahl anderer - wen und Grasen traten deshalb 1518 auf SichingenS Seit« in Fchbe gegen Hessen «in, so daß ein« überwältigende! Mehrheit Gegnern Hessen überfiel.
ZeitpuM d« Fchdö En Wfsön war «ü
Landgraf Philipp War damals erst 14 Jahve alt und war kaistm vor einem halben Jahr vom Kaiser Maximilian der Vormundschaft seiner Mutter, der Landgräsin Wrna, der Witwe Wilhelms Ist, ledig gesprochen und.für volljährig und regierungsfähig erklärt' worden. Vorher hatte die Landgräsin in erbittertem Streit mit dem Adel und den -Ständen des Landes übe« die Regierung gs«
ans die Regieruzrg herrtihrteu, das schlachte Berhättnis zu best Nachbarstaaten, vor allem dem Erzbistum Mainz, so daß Sickirrgen ein leichtes Spiel mit dem Landgrafen haben mußte.
In den. vorhergegangenen Jahren hatte er die Reffhßstttdt Worms befehdet, dann den Herzog- Antonius von Lothringern mit Krieg überzogen, woraus er auch Metz- belagerte und von dieser Reichsstadt 20 000 Gulden erpreßte. Aus den; Lager vor Metz sandt« Sickingen am 8. September plötzlich den Absagebrief an Landgraf Philipp. Grmrd zu seiner Fehde war ihm angeblich die Bedräng?; nis seines Freundes Konvad von Hatstein, des Ganerben von Reiffenberg, und die Vorenrhaltung .einiger Wiesen bei Nordheim! am Rhein, die Sickingens Vetter Hans erworben .hatte, durch Hessen. Tiefe Gründe waveu kaum stichhalttg. Zugleich mit dem Fe'Hüebries kam auch schon die Kunde von Sickingerls Mrrücbm. Bon Metz 'her kam er an den gkhein, den er oberhalb Wornrs über-, schritt, dann fiel er in die Obergiraffchast KützArÄlenbogen ein, die im Jahre 1478 butöji Erbschaft an Hessen-gelangt war.
Tie hessische Regierung war schleckst gerüstet und Äpsl-os. Die Ritterschaft, über 600 Herren, die Blüte des hessischen Adels, sammelte sich unter denk Erblandmarschall H-ermarm Medesel zu Eisenbach in Darinstadt, dev eheinaligen Residenz der Katzen- ellenbogener Grasen. Aber die Herren waren kampfimlüstig, waren mit der eigenen Regierung entzweit nnd sympathisierten mit dem Angreifer, ihrem Standesgenossen. Tie Nachrichten, di« von äußen kamen, waren sveilich auch mederdrückend. Ter Fehde Sickingens hatten sich an geschlossen die Grafen der Wettevan, Gras Philipp von Hanau-Lichitenberg. Wilhelm vorr Henneberg, der Bach arr der
t ulim überfiel, die Ritter von Reifsenstein, Rüdigheim, Breiden- ein, Hvhün fels, Kro-UMberg, Wen rer von Lüdder, Ulrich von Hütten, Götz von Berlichffrgon, der irr den Odenwald einsiel und Groß-Umstadt einnahm, ohne vorher sich erst mit eff lein Absagebrief bernstht zu haben. Hilfe war keine zu ««warten. Vergeblich hatte man die Herzog« Ulrich von Württemberg, Heinrich von Bvaun- schweig, Georg von Sachsen, den Erzbischof von Trier und den Bischof voir Würzburg um Uutersttitznng angegangen; Markgraf Kasimir von Brandenburg sandte wohl Hilfe, aber dies« kam z-u spät. Kaiser Max, den Landgraf Philipp durch seinen Gesandten zLö .Augsburg bitten ließ, den Fviederrsbvecher ffr die Reichsacht zü erklären, erließ ein Stillstandsgebot, aber auch dies kam zu spät. Sickin gen lwhm das in hessrfchpnr Pfandbesitz stehende kurmaffrzischö Gernsheim nrid Zwingenbftg an der Bergstraße, dessen altes Katz«tt ellenbogische Schloß verbrannt tvard, darrn rückt« er am 16. <sepb ftmber gegen Tannstadt, alle Dörfer ans seinem Wege plündernd und verbrenneilr-d. Tarmstedt tinirbe «ingesch/osserr und belagert, die Unl^gebrmg verhrcrt und verbrannt.
Mit 13 0(X) Mann lag Sickingen vor TarMstadt. Die Stadt ivnrde kräftig beschosst, nanwntlich am Lüdurde, dem Bessnngrü Tor, wo das Re-ttLigebäude in Trümmer gelegt wurde; auch sonst erlitt die Stadt Schaben mt Bruten!, Muss tapferst« verteidigte da die Bürgschchast ihre Vaterstadt, dem Adel, der nicht länrpken wollte, ein beschämende Beispiel bietend. Ebenso hielt sich lvacker die klein« Feste Stein und die zum Schutz des Maindreiecks ,an-
drvU, so daß die Landgräfin ihren Sohn seiner Sicherheit halber von.Gießerr nach SpMrgenberg führte. Auch Frankfurt war von Sickingen bedroht; daher wollte des Landsvasen Amtmann von Schmalkalden, Eberhard von Rodenhansen, der Reichsstadt Hilfe schicken, aber aus Furcht vor de-u gewaltigen Ritter Franz natzm der Rat der Stadt das Anerbieten nicht an.
Darinstadt hatte sich trotz alter Tapferkeit seiner Bürger nicht Lange gegen den Bfflagerer halten können; Sickingen war schon Wem Sturm e!ttschloss«n, und in der Stadt tbar cffr neuer Feind entstanden, der Hunger: das Landvolk war in Scharen hinter die.Mauern der Stadt geflüchtet und so gingM die Vorräte bald aus die N-eige.
Da rettete ver Markgraf Philipp von Baden durch sein« Bermitllnng di« hartbedrängte Stadt vor denr Aeußersten. Er sandte drei stickte nach Darmstadt, wohin auch der KomNiandastt von Rüffelsheim eilte, und nun tvnrde zwischen dem' Adel als Vertreter des Landgrafen nnd Sickingon am 23. September ein Vergleich abgeschlossen. Philipp sollte 35000 Gulden Kriegskostenk an Sickingen zählen nnd eine Anzahl drückender Bedingungen übev- nÄMM, die mit den FordernngM Sickingens in seinen Fehdebrief gar nichts mehr gemein halten. Dagegen verpsirchtete sny Dcmngen tzftm Abzug -und zur Herausgabe der Gefangnen und der Eroberungen. Tour Landgrafen blieb keine Wohl, als den Vergleich anzu- Srchmen. Das Land hatte 390000 Gulden Schcü-en erlitten.
Die Zahlung der Kriegskvsten erfolgte alsbald in Mainz in der Herberge zur Krone in lauter Hellern. Darüber hinaus weiaertck sich Philipp, da der Kaiser noch kurz vor seiuem Tode den Vergleich für ^ungültig erklärt hatte, die übernommenen Berpslicktungen W -erfüllen, so daß Sicftngen mit einem! neuen .Kriegszug drohte.


